Anleitung zum eigenen Wachskreislauf

Ausgangssituation

Aufbau des Wachschmelzers

Aufbau des Wachschmelzers

Bevor unser Bamberger Lagenhonig geerntet werden kann, wird er von den Bienen zunächtst in Waben aus Wachs aufbewahrt.

Im geplanten Aufbau eines eigenen Wachskreislaufs wurden wir bestätigt von den Meldungen zur Verfälschung von Bienenwachs mit Billigwachsen aus der Erdölproduktion¹. In unserem Vorhaben ebenfalls bestärkt wurden wir durch die Wachsuntersuchungen des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V., Bienengesundheitsdienst. Proben von eigenenem  sowie von uns verwendetem zugekauften Wachs ließen wir dort auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Bienenarzneimittel hin analysieren. In unserem (bzw. unserer Bienen) eigenen Wachs konnten kein Rückstände nachgewiesen werden. Im hinzugekauften hingegen leider schon.

Schritte zum Wachskreislauf

Um das eigene Wachs aus den Baurahmen, aus Naturbauwaben und aus dem Entdeckelungswachs gewinnen zu können, benötigen wir einen leistungsfähigen Dampf-Wachsschmelzer. Er kann aus Zargen, einem Tapetenablöser als Dampferzeuger und einem Schmelztrichter aus Edelstahl selbst zusammengestellt werden. Und so Schritt für Schritt aus:

  1. Eine Leerzarge auf zwei Kanthölzer stellen.
  2. In die Leerzarge einen Eimer mit etwas Wasser (entmineralisiertes Wasser (Destilliertes Wasser) oder Regenwasser) stellen. Zwei bis drei Zentimeter Wasserhöhe sind völlig ausreichend.
  3. Darauf den Schmelztrichter setzen. Der Schmelztrichter besitzt einen Siebblech, das wir mit einer Damenfeinstrumpfhose überziehen. So werden bereits gröbere Verunreinigungen ausgefiltert.
  4. Den Dampfschlauch etwa fünf bis zehn Zentimeter durch das seitliche Loch im Schmelztrichter einführen und mit Schaumstoff oder Tesa-Krepp abdichten. Der Schlauch unseres Tapenablösers war zu dick, so haben wir ihn mit einen Adapter aus lebensmittelechten Kunststoff verlängert.
  5. Um den Trester zurückzuhalten, wird in den Schmelztrichter ein Absperrgitter eingelegt.
  6. Auf den Trichter die erste Zarge mit den auszuschmelzenden Waben aufsetzen. Den Übergang zwischen aufgesetzter Zarge und Trichter mit Schaumstoffstreifen abdichten.
  7. Eine zweite Zarge mit Waben kann aufgesetzt werden. Insgesamt lassen sich so in einem Arbeitsgang bis zu 20 Waben ausschmelzen. Obendrauf kommt eine Folie und ein Beuteninnendeckel.
  8. Zum Schutz vor Wasser den Deckel in eine Platiktüte verpacken, um so ein Aufquellen des Holzes zu verhindern.
  9. Zum Abkratzen der Schmelzreste im Rahmen nehmt ihr euren Stockmeisel oder einen Schaber.

Auch gut zu wissen: Die Prozedur entwickelt nicht die allerlieblichsten Düfte, von daher eher außerhalb der Wohnräume durchführen.

Ein Schmelzgang dauert  zwischen 30 und 60 Minuten. Trotz der Hitzeeinwirkung ist das Wachs dann allerdings noch nicht sterilisiert bzw. entseucht. Das bedeutet, dass man beispielsweise bei fremden Wachs nicht sicher sein kann, ob nicht zum Beispiel noch Faulbrutsporen darin enthalten sind.

Weil wir diesen Service des sicheren Wachsschmelzens am liebsten auch anderen anbieten möchten, tragen wir uns mit dem Gedanken, technisch aufzurüsten. Das ginge dann in die Tausende, würde aber dem Bamberger Raum sehr zugute kommen. Denn nach dem letzten Paraffin-Skandal ist der Wachszukauf auf viele, viele Jahre hinweg eine unsichere Angelegenheit.

¹ siehe Mitteilung Deutscher Imkerbund vom 19.9.16 „Verfälschtes Wachs im Umlauf“ und siehe Infobrief Bienen@Imkerei 23/2016.

2 Gedanken zu „Anleitung zum eigenen Wachskreislauf

  1. Guten Tag Frau Munique,

    Ihre empfohlene Technik zum Wachsschmelzen möchte ich übernehmen.
    Meine Fragen: Wo haben Sie den Wachstrichter her? Ist das eine Sonderanfertigung? Ich nehme an, der Wachstrichter ist aus Edelstahl ? Wie teuer
    ist das Teil ?

    Im Voraus Dank für Ihre Auskunft.
    Viele Grüsse
    Gisela Bräuninger

    • Hallo Frau Bräuninger,

      wenn man mehrere Völker bewirtschaftet, lohnt sich das Ausschmelzen der Altwaben. Vor allem in Hinblick auf die Wabenhygiene. Den Wachstrichter haben wir bei der
      Firma Leymann gekauft: Kosten: € 85 € netto. Mit Porto innerhalb Deutschland und Mehrwertsteuer liegt der Trichter dann bei € 111,15.

      Der Wachstrichter ist komplett aus Edelstahlblech mit einer Dicke von 1,5 mm. Sehr stabil. Erwähnenswert ist, dass das Siebblech zur Reinigung herausnehmbar ist. Wir sind vollauf zufrieden damit.

      Es gibt auch andere Hersteller und Verkäufer von Wachstrichtern, wie z.B. Bienenweber oder Bienenhirte.

      Noch eine Anmwerkung zu unserem Blogbeitrag. Verwenden sie als Auffangbehälter für das geschmolzenen Wachs einen großen Eimer! Beim Ausschmelzen von alten Futterwaben ist mir der Eimer schon zweimal übergelaufen, hin und wieder Nachschauen ist ratsam 😉

      Der Aufbau zum Wachsasuschmelzen ist nicht „auf unserem „Mist gewachsen“. Es gibt einen guten Artikel von Pia Aumeier, den ich Ihnen im Anhang der Mail beigefügt habe.

      Ein gutes Bienenjahr, summ summ summ
      Reinhold Burger

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