Veitshöchheimer Imkertag 2017 (5): Stand zur Varroa

Vortragender Dr. Stefan BergFolie Populationsentwicklung aus Vortrag Dr. Stefan Berg zum Stand der Varroa„Und, haben Sie schon gezählt, wieviele Varroa haben Ihre Völker?“ Die Trachtzeit war in weiten Teilen Bayerns bereits am 26./27.06. vorbei und somit wird es Zeit, die Milben zu zählen, mahnte Dr. Stefan Berg einrdringlich und stellte sodann den aktuellen Stand zur Varroabehandlung dar.

Es sind die Biotechnik, die Sommerbehandlung (Ameisensäurebehandlung mit Nassenheider professional, Liebig-Dispenser sowie MAQs) und Winterbehandlung (Oxalsäure) anzuwenden. Außerdem empfiehlt er entgegen früherem Anratens aktuell KEINE Einfütterung vor der Behandlung. (P. S.: Aumeier/LIebig hatten dies immer schon propagiert.)

Zugelassene Behandlungsmethoden, Folie Vortrag Dr. Stefan Berg zum Stand der Varroa.Berg offerierte eine kompakte Übersicht zugelassener Mittel, bevor er einzelne neue bzw. geänderte daraus näher vorstellte.

Neu sind:

  • Oxuvar in der Dosierung 5,7% (Biovet). Sie ist für die Sommer- und Winterbehandlung geeignet und zwar in Form von Träufeln oder Sprühen.
  • Varromed. Oxalsäure für Frühjahr/Herbst/Winterbehandlung
  • Polyvar Yellow Flumethrin für Spätsommer/Herbstbehandlung, wobei hier Resistenzen möglich sind.

Nicht besonders gut funktioniert seinen Erkenntnissen nach Apitraz mit nur 2 Streifen. In den restlichen nicht bestreiften Wabengassen verliert es die Wirkung, außerdem neutralisiert der Kontakt mit dem Wachs den Wirkstoff.

Nach der gefühlt zehnten Ankündigung von HopGuard®, auf dem große Hoffnungen ruhen, ist leider immer noch keine Markteinführung erfolgt.

Ein Tipp zum Schluss: Keine kühle Ameisensäure in den Verdunster geben, da sich die Säure beim Erwärmen ausdehnt und sich somit aus dem Dispenser zu stark herausdrückt.

Wie immer gab es aus dem Publikum zur Varroa etliche Fragen, die Dr. Berg geduldig wie immer beantwortete. Es ist einfach das uns alle bewegendste Thema, bei dem viel falsch gemacht werden kann. Sich alleine mit Methoden wie dem Muller-Brett oder Thermobehandlungen (Bienensaune) zu behelfen ist laut dem Leiter des Fachdienstes Bienen der LWG nicht ratsam, obwohl eine gewisse Wirksamkeit nicht zu bestreiten ist.

Veitshöchheimer Imkertag 2017 (4): Wachs

Fachberater Johann Fischer demonstriert WacherstellungWachs ausschwitzen können Bienen nach dem 10.-12. Lebenstag, aber auch ältere Lebensalter verfügen über diese Möglichkeit, sofern akuter Bedarf besteht, so Johann Fischer, Fachberater für Bienenzucht in  Schwaben auf dem Veitshöchheimer Imkertag. Die gelbe Farbe erhält das Wachs durch Pollenöl, Kitt und Fett. Insgesamt besteht Bienenwachs aus über 300 Bestandteilen. Lediglich vier davon haben einen Anteil von mehr als 5%. Ob es in dabei Unterschiede zwischen den Bienenrassen gibt, ist noch nicht erforscht.

Bienenwachs ist der erste Behälter für unseren Honig. Fettlösliche Substanzen wandern in den Honig, wenn das Wachs mit Schadstoffen gesättigt ist und bilden dort Rückstände.

Vortrag Johann Fischer zu WachsBesonders hohe Rückstände laut den Analysen des Bienengesundheitsdienstes sind beispielsweise die Varroazide Coumaphos (Handelsname „Perizin“) und Thymol sowie das Pflanzenschutzmittel Fluvalinat (Apistan®). Daneben finden sich Rückstände von Brompropylat (ein Akarizid und Varroazid, früher verwendet als Streifen unter dem Handelsnamen „Folbex VA“), Paradichlorbenzol (früher als WC-Steine und als Mottenkugeln verwendet), das Fungizid Boscalid (z. B. für Rapsspritzungen) und das Insektizid Labda-Cyhalothrin. Einige daraus sind bereits nicht mehr in Deutschland bzw. der EU zulässig.

Neben dem möglichen Eingang in den Honig sind diese Schadstoffe brutgefährdend.

Was ist reines Wachs?

Eine gute Frage. Denn man höre und staune – es gibt keine gesetzlichen Regelungen. Die Definition von „rein“ legt jeder für sich aus. Ist es unverfälscht, rückstandsfrei, gereinigt oder garantiert rein?

Die Pharma-Industrie (1), die Lebensmittelindustrie (2) und die Kerzenhersteller (3) bedienen sich zwar bestimmter Prüfmethoden und Tests, beispielsweise den Test auf Paraffin und Glycerol (1) oder Schwermetalle wie Arsen, Blei und Quecksilber (2) oder die Gesamtkohlenwasserstoffmenge von maximal 18% (3). Doch das ist je nach dem irrelevant. Nicht nur seit dem letzten Wachspanschskandal, der nicht der erste und letzte seiner Art sein dürfte, ist ein eigener Wachskreislauf geboten. Wir hatten hierzu bereits ausführlich geschrieben.

Folie im Vortrag von Johann Fischer zu Untersuchungsstellen für WachsrückständeFischer empfiehlt:

  • Wachsumarbeiter ihres Vertrauens aufsuchen
  • Je nach Verfahren ab ca. 20 Kilo möglich, Kosten ca. € 4 pro Kilo
  • Restmenge erhält man zurück. Wenn nicht, ist was faul
  • Stellen Sie Rückstellproben sicher und sagen sie das am besten auch
  • Um Rückstände bei Verdacht untersuchen zu lassen, gibt es verschiedene Stellen, siehe Folie

Halbautomatische Walzanlagen (Mittelwandpresse) (hier der Marktführer Rietsche) sind nicht unbedingt billig und kosen ca. 5-7.000 Euro. Daher wäre es eine gute Idee, andere Imker mit einzubeziehen, so wie in Schwaben geschehen. Mittlerweile hat sich der Kauf amortisiert und es gibt sogar ein kleines „Zubrot“ aus dem Betrieb.

Solange tun es auch Prägeflächen aus Silikonformen, die mit Kartoffelstärkewasser oder Spülmittel bestrichen werden, damit sich das Wachs gut ablösen lässt. Wassergekühlte Mittelwandgießformen sind für € 700-800 zu haben, luftgekühlte für € 500-600. Aus ersteren erhält man in der Stunde ca. 60-70, aus letzterer ca. 40-60 Mittelwände.

Auch wir rüsten derzeit um auf eine eigene Wachsstraße. Der Wachsklärbehälter ist bereits gekauft. Die verschiedenen Möglichkeiten, Mittelwandrähmchen herzustellen, die uns im Vortrag gezeigt wurden, werden wir auf Machbarkeit hin überprüfen. Denn sehr gerne würden wir das auch für Bamberg anbieten, doch fehlt uns definitiv der Wirtschaftsraum dafür. Wer also was weiß …

Veitshöchheimer Imkertag 2017 (2): Bee-Warned-Projekt – Kleiner Beutenkäfer und Asiatische Hornisse

Vortrag Dr. Nicole Höcherl zu Bee WarnedUm den Kleinen Beutenkäfer (KBK), Aethina tumida und die Asiatische Hornisse, Vespa Velutina (VV) ging es Dr. Nicole Höcherl im ersten Vortrag zum Veitshöchheimer Imkertag am 09.07.2017. Die seit zwei Monaten an der LGW-FZB¹ beschäftigte Biologin bringt in der restlos besetzten Aula das im Aufbau befindliche Beobachtungsnetzwerk „Bee-Warned“ zur Kenntnis.

Folie Gefahr für Bienen, © Nicole HöcherlWährend der Kleine Beutenkäfer (hier mehr zu ihm) derzeit immer noch sein Unwesen in Italien treibt, hat es die Asiatische Hornisse (ausführlich hier), die übrigens nicht als agressiv gilt und im Gegensatz zur Riesenhornisse auch nicht rekrutiert, seit April 2016 ins schweizerische Freiburg geschafft. Beide haben hierzulande wie alle Neuzugänge keine natürlichen Feinde und müssen im Blick behalten werden, um nicht den selben Fehler wie bei der Varroamilbe zu machen, nämlich zu spät und außerdem falsch zu reagieren.

Folie Bee Warned, © Nicole HöcherlDaher plant man innerhalb des Frühwarnsystems für exotische Bienenschädlinge das Erstellen von Bestimmungshilfen und Schulungen für Bienensachverständige / Fachwarte, Veterinäre sowie alle Imker in Bayern. Außerdem soll ein Monitoringsystem mit Hotspotanalysen aufgebaut weden. Die Hotspots befinden sich beispielsweise in der Nähe von Flug- und Schiffshäfen.

Denn die Einschleppungsgefahr geht in Zeiten der Globalisierung gerade von diesen Punkten aus, die Umschlagplatz für Waren (Obst, Erde und möglicherweise Topfpflanzen) sind. Eine sehr realistische Gefahr besteht im Import von Königinnen oder ganzen Völkern, eine Parasitierung über Hummeln nicht ausgenommen. Ebenso könnten Schwärme in Schiffe und Flugzeugbäuche geraten und unfreiwillig ihren Weg zu uns finden. Dies natürlich besonders bei der Asiatischen Hornisse. Ebenfalls leicht könnte der Weg über den Einkauf gebrauchter Imkergeräte z. B. über Ebay oder Amazon erfolgen.

Folie Kleiner Beutenkäfer, © Nicole HöcherlWer sich nicht sicher ist, wen er da beobachtet hat, sammle verdächtige Käfer oder Larven in ein gut verschlossenes Gefäß ein, friere es mindestens 24 Stunden ein und sende es an das Referenzlabor für Tierseuchengeschehen, hier das Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald. Eine diesbezügliche Aktion sollte auch an die zuständige Veterinärbehörde und an das LWG-Fachzentrum Bienen in Veitshöchheim gemeldet werden. Denn zum räuberischen Verhalten der invasiven Arten kommen außerdem neue Viren hinzu. Diese gilt es ebenfalls im Auge zu behalten.

Die Zuhörenden waren sich einig: Ein fachkundiger Vortrag, der ein sehr ernstes Thema dennoch sehr angenehm präsentierte. Gerne würde ich hier Bestimmungshilfe zu diesen gefährlichen Exoten leisten. Doch da die Fotos nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden konnten, verweise ich stattdessen auf die Wespenbestimmungshilfe (PDF) hin und hier auf das Merkblatt zum Kleinen Beutenkäfer.

Merkmale: Die Asiatische Hornisse ist kleiner als die Deutsche und ziemlich dunkel bis schwarz mit gelben Beinchen und einem orangfarbenen (statt gelben) Hinterleibseinde.

¹ Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau – Fachzentrum
Bienen

China zu Gast in der Bienen-InfoWabe in Bamberg

„Was ist guter Unterricht?“ Dieser Frage ging die deutsch-chinesische Hochschul- und Bildungskooperation in der Lehrerbildung am 12.07.2017 auch in Bamberg nach. Eine sechsköpfige chinesische Delegation war zu Gast in der Bienen-InfoWabe. Sie trägt nun sowohl unsere Schulbienen-Didaktik als auch den Bamberger Lagenhonig zurück in die Provinzregion Zhejiang (ca. eine Bahnstunde südlich von Shanghai).

Gruppenbild vor Bienen-InfoWabeAnlass und Projektpartner

Die Bienen-InfoWabe wurde auf Anfrage der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) unter Projektmanager Janne Leino (Shanghai, gebürtiger Finne, perfekt Deutsch sprechend!) als Beispiel eines außerschulischen Lernraums zur nachhaltigen Umwelterziehung vorgeschlagen. Auf die Idee kam Dr. Yelva Larsen aus der Fakultät Humanwissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg anlässlich eines Seminars über Bienen und Didaktik, die wir erst kürzlich für die Lehramtsanwärter/innen der Universität Bamberg angeboten hatten.Gäste vor der SchaufensterbeuteDie chinesischen Abgesandten sollen künftig Multiplikatoren an ihren Schulen sein, welche Partner in einem HSS-Projekt zur Entwicklung der Umwelterziehung an chinesischen Grundschulen sind.

Im Bereich Bildung stehen die Qualifizierung von Lehrkräften, die Entwicklung bedarfsgerechter  Bildungsgänge sowie die bildungspolitische Beratung im Fokus, mit Schwerpunkt berufliche Bildung. Der  Bildungstransfer in strukturschwache Regionen trägt zur Chancengerechtigkeit und zum Abbau regionaler Gefälle bei.¹

Mit der Dolmetscherin an der Seite lief's wie am SchnürchenSo kam es, dass die Lehrkräfte um Prof. Chen Xiaoping aus der Zhejiang International Studies University (ZISU)², unterstützt von zwei Dolmetscherinnen, unserer knapp zweistündigen Vorstellung des Konzepts der Bamberger Schulbiene und seiner Projekte sehr aufmerksam lauschten. Auf deren Input aus der dreitägigen Bildungsreise wird man sicherlich sehr gespannt sein.

Chinesische Delegation im Bamberger Bienengarten vor Kräuter-SchaubeetNatürlich waren auch drei Vertreter/innen der Otto-Friedrich-Universität aus dem Umfeld „Didaktik der Naturwissenschaften“ anwesend. Neben Frau Larsen und Reinhold Link war dies der Institutsleiter Prof. Dr. Jorge Groß, der es sich nicht nehmen ließ, im Vorfeld die später kredenzten Honigbaguettes herzurichten.³

Holzbiene, schlürfend aus MuskatellersalbeiblüteDie süße Belohnung, das Honigwaben-Gewichtraten wie auch die Besichtigungen der Bienen in der Schaufensterbeute und des Bienengartens lockerten die Powerpoint-Präsentation zwischendurch auf. Sogar die größte Biene Europas, die blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) war neugierig auf die fernöstlichen Gäste und fand sich am reichlich blühenden Muskatellersalbei ein.

Input der Gastgeber und ihre Ziele

Lehrerin aus der chinesischen Delegation mit ImkerhutZustimmendes Nicken und Gelächter auf die Bemerkung „Wenn’s um Bürokratie geht, sind alle Länder wohl gleich.“ Vorgestellt hatten wir Förderbeispiele aus Bund (Umwelt im Unterricht) und Land Bayern („Imkern an Schulen“ und „Imkern auf Probe“) sowie das Fortbildungsangebot des Vereins Mellifera e. V. („Bienen machen Schule“). Damit auch alle anderen Schulen, Bildungseinrichtungen und Bürger/innen in Bamberg, die keine Förderprogramme nutzen (können), dem Bienenthema etwas abgewinnen können, ist die Bienen-InfoWabe von der Privatinitiative „Bienen-leben-in-Bamberg.de“ unter der Trägerschaft des Imker und Bienenzuchtvereins Bamberg Stadt und Land e. V. eingerichtet worden.

Dass dieses „grüne Klassenzimmer“ im Erba-Park allein über Spenden und Sponsoring finanziert und durch ehrenamtliche Leistungen lebt, macht sie zu einer unabhängigen und flexibel reagierenden Institution, die keinen Dogmen folgt, sondern sich vielmehr als Informationsdrehscheibe versteht. Die Liebe zu den Bienen zu wecken und aufgeschlossene, verantwortungsbewusste sowie ausreichend informierte Jungimker zu gewinnen ist Selbstverpflichtung, der konsequent nachgegangen wird.

Screenshot aus der Powerpoint zur Stressless-Methode BLIBLehrer der chinesischen Delegation mit Reinhold Burger in der MitteDabei bedienen sich die Protagonisten des Knowhows aus Theorie und Praxis der Imkerei, welches Geograph Reinhold Burger als Bienensachverständiger und Gesundheitswart sowie zukünftiger Tierwirt mit Fachrichtung Bienen bzw. Imkerei gerne weitergibt, als auch der bibliothekarischen (sprich: informationsrecherchegerichteten) und pädagogisch ausgeübten Berufsfelder von Ilona Munique, die als Erwachsenenbildnerin um die Möglichkeiten motivierender Lernbegleitung weiß. So wurde zur Verknüpfung von Theorie und Praxis eine Stressless-Methode in vier Stufen entwickelt, mit dem Ziel, Bienenvölker pur, direkt und vor allem angstfrei zu erleben.

Fazit und Dank

Ilona Munique neben Lehrer der chinesischen DelegationWissen vermitteln alleine reicht nicht aus. Ebenso wichtig ist die Grundmotivation hinter dem Lerngeschehen. Sie kann nur persönlich und empathisch ausgeübt werden. Wir hatten den Eindruck gewonnen, dass diese Grundeinstellung die anwesenden Gäste – ob aus China, Deutschland oder Finnland – trefflich einte. Motivatoren benötigen aber zuweilen auch selbst eine Dosis davon. Dass wir sie uns gegenseitig geben konnten, war eines der erfreulichen Nebenziele dieser fachlichen und herzlichen Begegnung.

³ Wir danken der Otto-Friedrich-Universität Bamberg für ihr großes Vertrauen in uns, namentlich:

  • Prof. Dr. Jorge Groß (Direktor des Instituts für Erforschung und Entwicklung fachbezogenen Unterrichts (EE-feU) und Geschäftsführender Leiter Didaktik der Naturwissenschaften)
  • Dr. Yelva Larsen (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
  • Reinhold Link (Lehrbeauftragter Didaktik der Biologie und Chemie mit Schwerpunkt Mittelschule)

¹ Chinas Weg zur nachhaltigen Entwicklung: Bildung und integrierte ländliche Entwicklung sind Schlüsselfaktoren“. In: Blickpunkt China, 3 (2016), Ausg. 2, S. 7.

² Die ZISU ist vom chinesischen Bildungsministerium beauftragt, die praktische Lehrerausbildung weiter zu professionalisieren und hat auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle inne. Die an der ZISU entwickelten und erprobten Konzepte strahlen auf die gesamte Bildungslandschaft der Provinz Zhejiang und darüber hinaus. Dem entsprechend stand in den letzten Jahren die Internationalisierung im Mittelpunkt der Hochschulentwicklung. Quelle: Blickpunkt China, 3 (2016), Ausg. 2, S. 28.

Fotogalerie

Tag der deutschen Imkerei 2017

VHS-Kursleiter Reinhold Burger„Der „Tag der deutschen Imkerei“ wird in diesem Jahr am 1./2. Juli unter dem Motto „Werden auch Sie zum Bienenfreund“ durchgeführt. Alle Imkervereine sind aufgerufen, sich an dieser bundesweiten Aktion zu beteiligen, um die Bevölkerung für die Bedeutung der Bienen und deren enorme Leistung für den Naturhaushalt zu sensibilisieren und öffentlich in ihren Gemeinden für die Bienenhaltung in Deutschland zu werben. Ein besonderer Schwerpunkt sollte dabei das Aufzeigen von Verbesserungsmöglichkeiten der Nahrungs- und Lebensbedingungen im eigenen Umfeld und in der kommunalen Arbeit sein.“ (Information des Deutschen Imkerbunds – DIB)

Nun, wir beteiligen uns an der Aktion zwar nicht taggenau, doch trugen wir durch unser umfangreiches und regelmäßiges JahresprogrammScreenshot des BIWa-Jahresprogramms 2017 und die rund 20 Führungen und Schulbienenunterrichte in diesem (Halb-)Jahr bereits unser Schärflein an Veranstaltungen bei. Bamberg ist auf dem besten Wege, zur Bienenstadt zu werden.

Team von Bienen-leben-in-Bamberg.deBesonders möchten wir uns an diesem Tag bei unseren Bienenpatinnen und -paten bedanken sowie allen, die unserer Ehrenamtsinitiatie „Bienen-leben-in-Bamberg.de“ beistehen, die nützlichen Bestäuberinnen und Honigmacherinnen zu bewahren, indem wir die Bevölkerung über sie informieren und Jungimkerwerbung betreiben.

Vielen Dank an euch alle!
Reinhold und Ilona

P. S.: Und ich möchte DIR, lieber Reinhold, an diesem Tage ganz besonders dafür danken, dass du unsere Bienenvölker in Bamberg so hingebungsvoll pflegst und hegst. Ich wünsche dir für die Fortsetzung deiner Sabbatical-Weiterbildung zum Tierwirt viel Erfolg und alles Gute! Deine Lieblingsbiene!

HEUTE! Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen Glyphosat

EBI – Europäische Bürgerinitiative gegen GlyphosatHeute, am 13.06.2017, sammeln wir letztmalig Unterschriften für die Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen Glyphosateinsatz in der Bienen-InfoWabe. Zu Gast sind nämlich rund 30 Lehramtsanwärter/innen an Grund- und Hauptschulen der Universität Bamberg, um von uns etwas über die Didaktik der Naturwissenschaften zu erfahren. Vielleicht sind auch hier einige bereit, eine Unterschrift zu leisten. Bis 15.06.2017 müssen wir die Unterlagen an den BUND eingesandt haben. Von dort werden die Listen an das Büro des EBI weitergeleitet.

Wer selbst noch eine Liste ausfüllen (lassen) möchte, kann sie hier herunterladen – und danach sofort lossenden!

Bitte macht mit! Es ist eine unserer wenigen Chancen auf einen richtigen Durchbruch in Sachen Umweltschutz / Bienenschutz / Menschenschutz in Sachen Glyphosat!

Für die Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen Glyphosat hat sich der BUND mit mehr als 50 europäischen Umwelt-, Naturschutz- und Gesundheits-Organisationen zusammen­ge­schlossen. Gemeinsam fordern wir mit der EBI ein Verbot von Glyphosat und EU-weite Maßnahmen zum Schutz der Menschen und der Umwelt vor giftigen Pestiziden.

Die Ehrenamtskarte für Bienen …

Ehrenamtskarte… gibt’s zwar leider nicht, doch die hätten sie noch mehr verdient als wir. Stellvertretend für sie nehmen wir die Ehrenamtskarte dennoch gerne an. Dabei geht es uns hier weniger um die damit verbundenen Bonuspunkte – trotzdem vielen Dank dafür! –, sondern darum, dass Vater Staat Futter für seine Statistik erhält.

Denn die hohe Anzahl Ehrenamtlicher trägt genau so zum Bild vom Staate Deutschland bei wie die alljährlichen Bruttoinlandsproduktzahlen und Wirtschaftsweisen-Aussichten. Ich persönlich hege die Hoffnung, dass es vor allem einen Bürokratieabbau gibt, der die Arbeit dieser Ehrenamtlichen oftmals schwerer macht, als sie sein müsste. Dann gäbe es vermutlich noch mehr gute Geister.

Wie auch immer … wir wollen unsererseits ebenfalls allen Ehrenamtlichen für IHRE Arbeit danken!. Daher bieten wir ab sofort 5% Rabatt auf unseren Bamberger Lagenhonig an für alle, die diese Karte vorweisen können.

Imkerforum 2017 (5): Rückstände in Honig und Pollen

Vortrag Dr. von der Ohe anlässl. Imkerforum in VeitshöchheimRückstände in Honig und Pollen zeigen auf, wie es um den Einsatz von Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden in deutschen Landen bestellt ist. In diesem Falle innerhalb des Wirkungsbereichs von Dr. Werner von der Ohe, dem Leiter des Instituts für Bienenkunde Celle. Doch tatsächlich werden Bienen zum Umweltmonitoring in ganz Deutschland eingesetzt. Für das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) wurden in ca. 120 Imkereien Audits durchgeführt und Bienen-, Futter- und Honigproben entnommen, so der Bienenkundler in seinem Vortrag anlässlich des Imkerforums Veitshöchheim.

Und? Sind Rückstände feststellbar? Ja und Nein. Festgestellt wurden unterschiedliche Anreicherungen, je nach Land-, Wander- oder Stadtgruppe und ob im Bienenbrot, in den Pollenpellets oder im Honig. Gleich vorneweg: Bienen fliegen hin, wo es ihnen grad passt. Da kann es passieren, dass die Trachtpflanzen viele Kilometer weiter weg vom Stock interessanter für sie sind als wenige Meter vor der Haustüre. Es nützt also wenig, sie vor einem Beflug in gespritze und gebeizte Felder zu schützen. Vor allem Wanderimker dürften kläglich scheitern.

Pflanzenschutzmittel

Folie zur Untersuchung von Pflanzenschutzmittel © Dr. Werner von der OheSo war beispielsweise die Summe der Konzentration analysierter Pflanzenschutzmittelwirkstoffe (gemessen in mg pro Kg) bei der Wandergruppe im Bienenbrot am höchsten, doch glücklicherweise im Honig praktisch nicht messbar. Das ist jetzt erst mal ganz grob und vereinfacht ausgedrückt.

Um die Ohren flogen uns Zuhörenden nämlich eine Vielzahl von Ergebnissen und Begriffen, die ich mich nicht mehr traue, nach der mittlerweile verflossenen Zeit noch wiederzugeben. Man sollte Berichte sofort verfassen, doch da wir auch zwischendrin unserem Broterwerb nachgehen, ist das leider nicht immer so einfach. Wir versuchen es also nach bestem Wissen und Gewissen, bitte genießt die Aussagen dennoch mit Vorbehalt. Gibt’s Fragen, dann bitte an Celle richten.

Pyrrolizidinalkaloide

Ein Wort, das einem Imker flüssig von den Lippen gehen sollte. Denn hier handelt es sich um reine Natur, noch dazu eine bei Bienen sehr beliebte. Sie schlecken allzu gerne an Borago, Echium, Eupatorium und Senecio. Doch diese enthalten eben Pyrrolizidin-Alkaloide, mit denen sich die Pflanze vor Verbiss schützt. Steigt der Gehalt im Honig, weil sich die Bienen allzu reichlich am Borretsch, Natternkopf, Wasserdost und Kreuzkraut labt, ist das auch für den Menschen nicht so ganz gesund. Ein Problem kann das eher in Norddeutschland sein, bekannt für das Jakobskreuzkraut. Grenzwerte gibt es nicht, Infos hingegen schon.

Fungizide und Insektizide

Folie zu Untersuchungen von Insektiziden © Dr. Werner von der OheEine „Höchstgehalt“-Liste an Fungiziden mit richtig hohen Werten, die Dr. von der Ohe zum Besten gab, las sich im Ranking der Fungizide im Bienenbrot zum Beispiel so:

  • Iprodion (12.800 μg/kg)
  • Fludioxonil (2800 μg/kg)
  • Boscalid (2683 μg/kg)
  • Azoxystrobin (2571 μg/kg)
  • Cyprodinil (1373)

Nun, vielleicht können Sie damit noch etwas anfangen. Mir blieb hängen, dass 67% des Iprodions, eine Saatgutbeize, im Spargelpollen gefunden wurde. 63,4% der Spargelpollen enthielten Azoxystrobin mit einem Spitzenwert von 1064 μg/kg, so war auf einer weiteren Folie zu erfahren. Ich erspare Ihnen weitere Einzelheiten zu den 30 entdeckten Insektiziden. Man muss dazu aber auch sagen, dass, je feiner die Messmethoden werden, umso mehr man auch findet. Ob die Mengen dann noch im schädlichen Bereich sind, sei dahingestellt.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

Untersucht wurden in Celle außerdem PAKs, also polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Pollen und Honig. Die schlechte Nachricht: Der höchste Nachweiswert wurde im Pollen der Stadtbienen gemessen (8,44 μg/kg) im Gegensatz zum Landhonig (2,38 μg/kg). Im Honig jedoch waren die Nachweise fast gleichauf und außerdem sehr gering (Stadt: 0,45 μg/kg und Land 0,54 μg/kg).

Schwermetalle

Folie zur Untersuchung von Schwermetallen © Dr. Werner von der OheBei den nachgewiesene Höchstmengen an Schwermetallen im HONIG trieb es Mangan (1,85 μg/kg) an die Spitze, und zwar – wen wundert’s – auf dem Land, was auf die Düngung zurückzuführen ist. Gefolgt von deutlich geringeren Werten bei Aluminium (Brennstoffeinsatz im Energiebereich) und Zink, wobei sich Stadt und Land nicht allzu viel gaben (Werte zwischen 0,39 und 0,69 μg/kg).

Bei den Schwermetallen im POLLEN stand Zink (50,21 μg/kg )an der Spitze der Stadt- wie auch Landbienenhaltung, dicht gefolgt von Mangan in der Landimkerei. Gleich ähnliche Werte zeigten auf Platz drei Mangan in der Stadt sowie Aluminium in Stadt und Land (Werte zwischen 24,09 und 25,49 μg/kg). Kupfer mit einem Anteil zwischen 7,16 Land und 10,48 Stadt bildet sich ebenfalls noch relativ deutlich ab.

Überall im Honig und im Pollen fanden sich außerdem Spuren von Blei, Chrom, Nickel und Quecksilber wieder, und im Pollen zusätzlich auch Arsen, Cadmium und Selen. (Anmerkung: Schwermetallemissionen haben insgesamt durch den Einsatz von Filterverfahren abgenommen, so das Umweltbundesamt vom 20.06.2016.)

Das Verbundprojekt FIT BEE sagt zu Schwermetallen in Honig und Pollen schaut es noch ein wenig schlechter aus, vor allem, was das Aluminium und Kupfer anbelangt.

Fazit

Dennoch dürfte Honig eines der Ur-Produkte mit den wenigsten Rückständen Deutschlands sein. Die gemessenen Werte in den Pollen hingegen liegen oft um einiges höher. Schon auch von daher lehnen wir es weiterhin ab, Pollen zur Nahrungsergänzung zu sammeln und bitten um Verständnis dafür.

Fazit: Wir haben uns fest vorgenommen, dem Bieneninstitut in Celle einen Besuch abzustatten. Dr. von der Ohe hat uns schwer verdaulichen Brocken charmant und locker nahe gebracht, was sicherlich nicht so einfach ist. Wir sehen einen Gegenbesuch in Celle mit Spannung entgegen.

Serie zum Imkerforum 2017

(1): Zweizahn, Feuer und Piraten
(2): Varroabehandlungsmethoden
(3): Gefährliche Heumahd
(4): Wachsproblematik
(5): Rückstände in Honig und Pollen (diese Seite hier)

Imkerforum 2017 (3): Gefährliche Heumahd

Blumenwiese mit Natternkopf in der Fränkischen SchweizAhnungslos auf der blühenden Wiese rumfliegen und im nächsten Moment … ach ja, das mag man sich gar nicht so genau vorstellen. Böser, böser Mähdrescher. Doch wie sonst soll die künftige Silage sonst eingefahren werden? Die Frage ist, wie hoch ist die Chance von Bienen (mit vielleicht nur einem ausgerissenem Beinchen) doch noch davon zu kommen? Können sie und all die anderen Insekten vor Schlegel oder Walze rechtzeitig Reißaus nehmen?

Genauer untersucht wurde das vor der Jahrtausendwende* mit der Erkenntnis, dass bis zu 90.000 Bienen pro Hektar verloren gehen können, so Dr. Berg. Das entspräche etwa drei Bienenvölkern. Dabei sind die Verluste mit ca. 35% im Phaceliafeld kleiner als die im Weißkleefeld mit ca. 53% Bienen. Dem Literaturhinweis zufolge galt dies für die Schweiz. Neuere Untersuchungen hierzulande sind jedoch im Gange. So warten zwei Säcke – meiner Erinnerung nach je 1 qm – auf jemanden, der die Beinchen auszählt und auf die Menge der toten Bienen schließen wird.

Vorteilhaft: Mahd in Stufen

Neben der unmittelbaren Gefahr für Leib und Leben der Bienen ist auch die mittelbare Gefahr zu beachten, nämlich der Totalverlust einer Trachtquelle. Daher wäre es vorteilhaft, würde die Mahd in Stufen ablaufen. So, wie wir es uns beispielsweise für die Dämme mit Wildblumen am Rhein-Main-Donau-Kanal der Buger Wiesen gewunschen hatten (s. a. unser Blogbeitrag vom 07.07.16 ). Da war das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sehr gut mit der Vergabe beraten, die Firma hat sich daran gehalten.

Schlepper-Balken-, Saug-, Trommel-, Scheiben-, Walzen-, Schlegel- und Kreiselmäher …

JF GX 2400 SM Scheibenmäher mit Aufbereiter.

JF GX 2400 SM Scheibenmäher mit Aufbereiter. Von Christer Folkesson (Eigenes Werk) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

… Rotations-, Doppelmesser-, Fingerbalkenmähwerk … soll ich weitermachen? Nein, auf alle ist man in Veitshöchheim natürlich nicht eingegangen. Nur so viel: Schlegel zerreissen und Walzen quetschen. Es geht im Wesentlichen um die Wahl zwischen Schneide- und Rotationstechnik, bei Letzterer ob mit oder ohne Mähaufbereiter: sprich: -zerkleinerer, ist meiner weiteren Recherche bei Van de Peol & Zehm (2014) zu erfahren (S. 3). Wer mehr Literatur möchte, ist mit der genannten Quelle (s. u.) toll bedient, da sie eine Literaturstudie darstellt.

So ein Landwirt hat’s echt schwer. Erst kauft er sich ein tolles Gerät, dann kommen die Imker und schimpfen, er hätte doch besser einen Hand-Motorbalken- oder Schlepper-Balkenmäher genommen, und zwar bitte ohne Aufbereiter. Jetzt soll er auch noch am Besten am späten Abend oder in der Nacht mähen, wenn die Bienen in ihren Wabenbettchen liegen.

Schneiden statt Abschlagen ist für die Regeneration des Bewuchses vorteilhafter, so ist ebenfalls (Van de Peol & Zehm, S. 5) zu lesen. Leider aber auch, dass „die Unterschiede
zwischen Hand-Motorbalkenmäher und Sense zu den anderen Verfahren […] nicht ausreichend erforscht [sind]“.

Nun, wir werden dennoch einen Hand-Sensenkurs mit Josef „Jupp“ Schröder am 06.06.2017 an der Bienen-InfoWabe (siehe Programm) durchführen, denn für hohe Blumenwiesen und in Anbetracht einer ausbleibenden Lärmbelästigung scheint uns das am Aussichtsreichsten vor allem für Vollberufstätige zu sein. Da lässt sich auch schnell mal am Sonntag Nachmittag Hand anlegen.

Fazit: Wir haben großen Respekt vor der Leistung der BeeScans und anderer Studiendesigns, die Veitshöchheim auf die Beine stellt. Damit diese Ergebnisse sowohl langfristig die Agrarpolitik verändern helfen als auch in unseren „kleinen Bamberger Alltag“ einfließen können, sollen sie hier zum Nachlesen zumindest in kleinen Häppchen festgehalten sein. Hoffe, es hilft ein wenig.

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* Dr. Berg gibt als Literaturquelle, in der von der Untersuchung berichtet wird, mit:
(Fluri et al., 2000) an. Dabei handelt es sich wohl um dieses Werk:

Fluri, P., Frick, R. & Jaun, A. (2000): Bienenverluste beim Mähen mit Rotationsmähwerk. Schw. Z. f. Bienenf., Mitt. 39: 20 S.
Die Zitierung entnahm ich aus:
Dennis VAN DE POEL und Andreas ZEHM. Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen. Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. ANLIEGEN NATUR 36(2), 2014.

Die Zeitschriftenabkürzung „Schw. Z. f. Bienenf.“ bedeutet vermutlich „Schweizer (oder Schweizerische?) Zeitschrift für Bienenforschung“. Allerdings finde ich diesen Titel nirgends nachgewiesen. Stattdessen lautete sie um das Jahr 2000 herum „Bienen-Zeitung für die Schweiz“, also die heutige „Zeitschrift für Bienenforschung“. Wer weiß dazu mehr?

Serie zum Imkerforum 2017

(1): Zweizahn, Feuer und Piraten
(2): Varroabehandlungsmethoden
(3): Gefährliche Heumahd (diese Seite hier)
(4): Wachsproblematik
(5): Rückstände in Honig und Pollen

Imkerforum 2017 (2): Varroabehandlungsmethoden

Unterschiedlich sind die Aussagen darüber, ob die nach der Winterbehandlung restlich verbliebenen Varroen in der Brut ein echtes Problem seien. Hintergrund: Bis zur Jahreswende und mithin dem letztoptimalen Zeitpunkt für eine mögliche Behandlung sind die Winter häufig zu warm, so dass die Bruteinstellung für zwei Wochen häufig nicht erreicht werden kann. Doch erst dann kann z. B. die Oxalsäurebehandlung, die nicht bis in die verdeckelten Brutzellen hineinreicht, ergebnisorientiert verwendet werden.

Dr. Stefan Berg führt hier zunächst drei unterschiedliche Meinungen auf. Während die „Bienenpäpste“ Dr. Pia Aumeier und Dr. Gerhard Liebig sowie das hiesige Fachzentrum Bienen der LWG die Restmilben für eher unproblematisch halten, sieht das das Schweizer Zentrum für Bienenforschung eher als problematisch an. So oder so – auf Nummer Sicher gehen wir, wenn wir alle Möglichkeiten gewissenhaft ausschöpfen, doch ohne den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.

Hier also ein paar Behandlungsmöglichkeiten, die vom FZ Bienen genauer in Wirkung und Auswirkung untersucht hat.

Aufreißen der (Winter)brut

Eine Varroabeseitigungsmethode, die Dr. Berg zwar empfiehlt, die wir jedoch nicht anwenden möchten, solange es andere Möglichkeiten gibt, ist das Aufreißen der Brut. Unserer eigenen instinktiven Abneigung gegen diese „Behandlung“ folgend, fanden wir unsere Bedenken kolportierende Antworten bei Pia Aumeier.

Mullerbrett

Welche Alternativen bleiben jedoch, wenn die Imker/innen auf Nummer Sicher gehen wollen? Vorgestellt wurde von Dr. Berg die Wirkung des Mullerbretts. Wenn man so will, ein Nachfolgemodell von „Heinrichs Zwischenboden“.

Das FZ Bienen bescheinigt ihm immerhin eine Wirksamkeit von 51% bei verdeckelter Brut und keiner bei offener Brut, so dass die Gesamtwirksamkeit bei 36% liegt. Ein Achtungserfolg also. Wobei – der Milbenfall selbst ist noch nicht das aussagekräftigste, vielmehr ist es die Anzahl der verbliebenen Miben. Diese wurde im Rahmen des Vortrags nicht weiter angesprochen.

Folie Dr. S. Berg zur Brutsterblichkeit nach HyperthermiebehandlungHyperthermie

Auch die Hyperthermie, also Behandlung mit Erhitzung bis zu einem Grad, der für Milben unangenehm wird und den Bienen noch ertragen können, ist nichts wirklich Neues. Bereits 1985 beschrieben, boomt die Herstellung von Bienensaunen & Co., die beispielsweise unter den Namen Varroacontroller, -eleminator und Varroa Kill 2 gehandelt werden.

  1. Knackpunkt: Brutsterblichkeit
    Bei Versuchen des FZ Bienen schnitt im Falle der Sterblichkeit der Puppen der Varroaeleminator am schlechtesten ab (15% abgestorbene Brut), dicht gefolgt vom Varroacontroller (12%). Letzterer musste eine ebenso hohe Sterblichkeit von Imagos hinnehmen (12%), worin der Varroaeleminator ein wenig besser abschnitt (9%).Keine Imagos verlor hingegen der Varroa Kill 2, und zwar sowohl bei der Anwendung in der Brut also auch im gesamten Volk. Letzterer überzeugte auch durch weniger Verluste bei den Puppen (3% bzw. 5%). Bienen im Larvenstadium gingen bei keinem der Behandlungsgeräte verloren.
  2. Knackpunkt: Fertilität der Drohnen
    Die Drohnen wurden bei Behandlungstemperaturen von 43° C steril. Doch bei nur 2° C weniger und über einem Zeitraum von 2 Stunden Hitze war keine Beeinträchtigung bei der Vitalität der Spermien mehr feststellbar.
  3. Knackpunkt: Mortalität der adulten Bienen
    Bei Temperaturen von 42° C über 3 Stunden steigt die Adultmortalität signifikant an. Am geringsten ist sie bei 41° C und 2 Stunden andauernder Wärmebehandlung.
  4. Knackpunkt: Rückgang der Spermienvitalität in der Königin
    Nicht nur die Spermienanzahl der Drohnen sinkt bei der Wärmebehandlung ab 42° C, sondern auch die der Königin.

Das Fazit: Hyperthermie-Behandlungen müssen unter genau kontrollierbaren Bedingungen erfolgen. Bereits ein Grad zu hoch und der Erfolg ist zunichte. Weiterhin ist der zeitliche und technische Aufwand zu überlegen, was je nach Standort anders zu beantworten ist.

HopGuard®

Das Hopfenpräparat vom Hersteller Vita Europe Lt. scheint nach wie vor der Hoffnungsträger Nummer Eins zu sein. Seine Zulassung ist für den Spätsommer 2017 anvisiert. Die varroavertreibende Wirkung erzielt dabei die Betasäure des Hopfens.

Die Vorstellung der verschiedenen Behandlungsmethoden verschaffte intensiven Informationseinblick und dürfte einer der Hauptgründe für die – wie immer – vollbesetzte Aula gewesen sein.

Serie zum Imkerforum 2017

(1): Zweizahn, Feuer und Piraten
(2): Varroabehandlungsmethoden( diese Seite hier)
(3): Gefährliche Heumahd
(4): Wachsproblematik
(5): Rückstände in Honig und Pollen