Die beste Untertreibung des Jahrhunderts: Taschenlexikon Wildbienen

TaschenlexikonÜber 900 Seiten bei 9.000 ausgewertete Publikationen zu rund 850 Wildbienen – das passt in keine Hosentasche mehr, das „Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas“. Und ist auch aufgrund der Tatsache, dass noch niemals jemand versucht hat, alle Wildbienenarten in einem Porträt festzuhalten, die größte, gleichwohl vom Ergebnis her die beste Untertreibung des Jahrhunderts. Wobei sich „Mitteleuropa“ nicht nur, doch vor allem auf Deutschland, Österreich und die Schweiz bezieht, wie der Autor Erwin Scheuchl in seinem Vorwort beschreibt.

Ihm und dem Naturfotografen Wolfgang Willner ist mit dem soeben im Verlag Quelle & Meyer erschienenen gewichtigen Lexikon (1 Kilo und 300 Gramm!) gelungen, was bisher lediglich dem „Wildbienen-Papst“ Paul Westrich mit seinem (vergriffenen) Werk zu Baden-Württemberger Bienen 1989 annähernd geglückt ist. Zwar erscheint für Laien der Aufbau des Lexikons in alphabetischer Reihenfolge nach dem wissenschaftlichen Namen im ersten Moment eher wenig nützlich. Doch die Systematik fässt beispielsweise Andrena, die Sandbienen, oder Hylaeus, die Maskenbienen, zusammen, was bei der Beobachtung ihres Lebensraumes und der bevorzugten Pollenquelle Sinn macht.

So erhalten die Arten auch jeweils zu Beginn ein Gesamtporträt mit weiteren Erläuterungen zur Nomenklatur und Etymologie, zu körperlichen Merkmalen und zur Lebensweise und dem Nestbau, zu Flugzeiten und Parasiten sowie zur Gesamt- und Lokarverbreitung und Artenzahl. Toll auch die Literatur- und Linktipps, die für ein Lexikon eher ungewöhnlich sind. Wem die deutschen Namen geläufig sind, kann den Einstieg leicht über das Register wählen.

Doch auch das Durchblättern macht Laune, sieht man doch die Wildbienen in allen möglichen Varianten abgebildet – beim Nestbau, auf Blüten, in faszinierenden Nahaufnahmen oder perfekt freigestellt. (Wer einmal versucht hat, emsige Bienen zu fotografieren, der kann der Geduld Wolfgang Willners nur Respekt zollen!) Ein Wunderwerk der Natur tut sich da auf und man kann nur hoffen, dass das Lexikon nicht in einigen Jahren schon aufgrund weiterhin aussterbender Arten überwiegend historisches Material enthält. Denn der Artenrückgang ist bereits im vollen Gange. Auch hierzu schreibt der Autor einige Zeilen, wie auch zur ökologischen Bedeutung und dem derzeitigen Stand des (verbesserungswürdigen) Wildbienenschutzes in den einzelnen Ländern. Für den Garten- und Balkonbesitzer hält der Autor eine knappe, jedoch sehr fundierte Anleitung zum Thema Nisthilfen parat.

Wer einen Blick hineinwerfen mag – in der Imker-Bibliothek der Bienen-InfoWabe hat das „Taschenlexikon“ (eher Rucksacklexikon) seinen festen Platz. Kommen Sie doch einfach vorbei, am kommenden Sonntag, 15.05.2015 haben wir von 14 – 17 Uhr am Bienenweg 1 in Bamberg geöffnet. Und falls Ihnen das nicht reichen sollte und sie sich aus guten Gründen festlesen – weitere Öffnungszeiten siehe unter Aktiväten und Termine.

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