Oxalsäurebehandlung im heute kältesten Ort Deutschlands

Oxalsäurebehandlung eines Bienenvolkes im Hainpark BambergTemperaturwerte am 05.12.2016Bei gemeldeten Minus 11,5° C (tatsächlich waren’s -8° C) klapperten wir im wahrsten Sinne des Wortes alle derzeit 8 Stationen ab, um an 13 Bienenvölkern Oxalsäure gegen die Varroaplage einzuträufeln. Wobei Reinhold nur an zwei Standorten wärmenden Beistand erhielt. Kristina möchte bald mal selber imkern und warf am Standort Erba-Insel einen ersten Blick in zwei Völker, die wir dort in der Früh um 7 Uhr behandelten.

Oxalsäurebehandlung eines Bienenvolkes an der Sternwarte BambergAm Standort Sternwarte traf sich Reinhold sodann mit Christian, der uns in diesem Jahr bereits mehrmals über die Schulter geschaut hatte.

Oxalsäurebehandlung eines Bienenvolkes im Hainpark BambergIch selbst hatte eindeutig zu kalte Füße bekommen. Die neuen Schuhe hielten leider nicht das, was ihr felliges Innenleben versprachen. Um nicht noch kurz vor unserer BAmbrosiusfeier am 7.12. (18-20 Uhr, Bienen-InfoWabe, Bienenweg 1, Erba-Park) krank zu werden, verkroch ich mich lieber wieder nach Hause, wo ich meinen tapferen Imkerhelden mit einem heißes Mittagessen auftauen werde.

Oxalsäurebehandlung eines Bienenvolkes im Hainpark BambergWie das mit der Oxalsäurebehandlung genau geht, hatten wir hier bereits einmal beschrieben. Wobei Reinhold mittlerweile so fit ist, dass er die Zarge nur noch anhebt und gleichzeitig träufelt, also nicht mehr die ganze Zarge wegstellt. Apropos … wenn wir Glück haben, hat die Träufelei ohnehin bald ein Ende. Man munkelt, dass wir bald auch in Deutschland (neben Österreich und der Schweiz) die Behandlung sprühend bzw. verdampfend anwenden dürfen. Was effektiver und bienenschonender ist. Zurzeit verbietet es der Gesetzgeber noch, er traut dem Imker einen ordnungsgemäßen Umgang mit der Säure nicht wirklich zu. Nun ja.

 

Patient Biene

Präparate kranker Bienen

Präparate kranker Bienen (© TGD)

Hier findet ihr weiterführende Tipps und Links zu Bienenkrankheiten, die wir regelmäßig aktualisieren. Der allererste Rat, den wir euch ans Herz legen, ist:

Vorbeugen ist besser als heilen. Zumal ohne Medikamenteneinsatz, der aus gutem Grund in Deutschland verboten ist bzw. die drogistischen Anwendungsbereiche stark reglemtiert sind, eine Heilung oft nur schwer bis gar nicht möglich ist.

Grundlegende Informationen bieten die Folien zum „Patient Biene“ von Reinhold Burger (Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de). Er ist übrigens auch für Vorträge buchbar.

Ansonsten gilt folgende Faustregel:

  1. Beobachten und Beschreiben
  2. Sich gründlich informieren
  3. Gegebenenfalls melden

1. Beobachten und Beschreiben

2. Sich informieren

  • Tote schwarze Bienen im Gras

    Tote schwarze Bienen im Gras

    Wenn ihr schon mal beim Recherchieren im Internet seid, durchstöbert die gängigen Imker-Foren. Doch vorsichtig: Neben tollen Expertentipps finden sich leider auch viel Falschinformationen, Halbweisheiten, Überholtes, Strafbares, Leichtsinniges … doch vielleicht lässt sich ja auch schon ein erster Verdacht etwas eingrenzen. Hier zur Wiederholung noch einmal die seriösesten Links: Die LWG zu Bienenkrankheiten und der TGD zu Bienenkrankheiten.

  • Fragt einen oder mehrere erfahrene Imker. Auch hier gilt: Zuhören, Abwägen, Weiterfragen, Sichergehen. Ältere wissen oft mehr, doch sind vielleicht nicht auf dem Laufenden, was aktuelle Forschungsberichte angeht. Junge sind möglicherweise gutgläubig und enthusiastisch gegenüber neuen und nicht ausreichend erforschten Methoden. Seid ihnen nicht böse, wenn sie alle die Weisheit für sich pachten. DU wirst vernünftig und verantwortungsvoll mit den Informationen umgehen.
  • Fragt den/die Gesundheitswart/in oder die Fachberater/innen eures Imkervereins. Für den Imker- und Bienenzuchtverein Bamberg Stadt und Land e. V. (IBZV) ist derzeit aktiv, ansprechbereit und schnell reagierend Reinhold Burger. Er gibt auch allen anderen Anfragenden nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft, da wir schließlich eine Privatinitiative sind.
  • Buchtipps vom Gesundheitswart Reinhold Burger

    Literatur zu Bienenkrankheiten

    Lest ein Fachbuch. Eine erste Auswahl, die nach und nach ergänzt und aktualisiert wird, findet ihr in unserer Imker-Bibliothek. Die Bestände sind via „Zotero“ recherchierbar (Tag: Bienenkrankheiten) und bereitgestellt in der Bienen-InfoWabe bzw. im Obstmarkt 10. Kostenlos ausleihbar für IBZV-Mitglieder und den Bienenpaten unserer Initiative, für alle anderen gerne zur Einsicht. Denkt auch an eure Bibliothek vor Ort und macht ggf. einen Erwerbungsvorschlag.

  • Lest regelmäßig die gängigen Imkerzeitschriften. Doch auch hier sind verschiedene Autor(inn)en mit unterschiedlichen Ansätzen. Es ist wie bei uns Menschen: Die Ärzte bemühen sich redlich, doch letztendlich bleibt die Natur ein Geheimnis. Sonst wären Biene und Mensch unsterblich.
  • Totenfallkontrolle, Kalkbrut

    Kalkbrut

    Gebt in den Suchschlitz dieses Weblogs „Bienenkrankheit“, „Bienengesundheit“, „Faulbrut“, „Virus“ etc. ein. Wir sind immer bemüht, zumindest für Bamberg entsprechend aktuelle und sorgfältig recherchierte Beiträge zu liefern.

  • Fragt eure Bienen. Ja, richtig gelesen. Je mehr ihr über ihr Wesen wisst, desto leichter werdet ihr sie verstehen und ihre Probleme. Fragt nicht, wie geht das Imkern. Fragt euch immer und zuallererst: „Was würde eine Biene / ein Volk wollen und brauchen?“

3. Gegebenfalls melden

Das betrifft vor allem die Bienenseuchen oder Schädlingsinvasionen. Allen voran die Amerikanische Faulbrut. Zuerst informiet ihr euch regelmäßig, ob eure Region vielleicht im Moment davon betroffen ist.

Folgender wichtiger und bester Link: Das Tierseucheninformationssystem, TSIS (Amerikanische Faulbrut) informiert hochaktuell über alle Faulbrutfälle in Deutschland – sofern gemeldet. Das TSIS wird vom Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit geführt und ist eine selbständige Bundesoberbehörde.

Wer wissen will, welche Regionen derzeit betroffen sind (wichtig auch, wenn ihr z. B. Königinnen, Völker oder Futterwaben kauft oder Wanderimker seid“), dann klickt auf “Liste weiter einschränken”, wählt das Bundesland und nachfolgend den Ort.

Bekanntmachungen im Rathaus-Journal Bamberg zur Amerikanischen Faulbrut

Ausdehnungserweiterung der Amerikanischen Faulbrut. Links die Karte vom 07.12.14, rechts das Seuchengebiet vom 05.12.14.

Einen Seuchenausbruch und seine Entwarnung melden auch die amtlichen Bekanntmachungen der jeweiligen Kommunen. Die Stadt Bamberg veröffentlicht das im Rathaus-Journal. Bei einer Erscheinungsweise von zwei Wochen und einem redaktionellen Vorlauf allerdings mit  erheblicher Verspätung.

Ist die Faulbrut in eurem Volk tatsächlich ausgebrochen, dann seid ihr meldepflichtig. Zum Beispiel bei Ausbruch im …

Hier noch ein Literaturtipp: Leitinie zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut der Bienen in Deutschland (Stand 2013).

Und keine Sorge: Man wird euch nicht erwürgen oder anzeigen, falls ihr einen Seuchenfall gemeldet habt, obwohl ihr es vorher versäumt hattet, euer Volk grundsätzlich anzumelden.

Wir wünschen euch und uns Hirn und Herz für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem uns anvertrauten Lebenwesen, dem wundervollsten Insekt, das uns Menschen seit Urzeiten begleitet, nützt und beschützt – unsere Honigbiene!

Disclaimer: Die Informationen wurden von den beiden Imkern Ilona Munique und Reinhold Burger (Gesundheitswart des IBZV) zusammengestellt und werden nach bestem Wissen und Gewissen regelmäßig aktualisiert. Dennoch sind Irrtümer nicht ausgeschlossen. Wir können keine Verantwortung für euer Tun oder Lassen übernehmen, auch, wenn die Grundlage dafür möglichweise auf diesen Weblogbeitrag bassiert. Wir bitten um Hinweise, sollte uns ein Fehler unterlaufen sein. Auch steht euch das Kommentarfeld für Anregungen zur Verfügung. Vielen Dank für euer Verständnis.

Vortrag Reinhold Burger zu Bienenkrankheiten

Reinhold Burger, Vortragender in der Bienen-InfoWabe Bamberg„Patient Biene: Bitte ins Sprechzimmer“ ist nicht gerade ein Kuschelthema, und so ging es zur BIWa-Sonntagsöffnung am 04.09.2016 um ein Thema, welches alle Imker schwer beschäftigt. Reinhold Burger, seines Zeichens Mit-Initiator von Bienen-leben-in-Bamberg.de und Gesundheitswart des Imker- und Bienenzuchtverein Bamberg Stadt und Land e. V. erläuterte, wie man Bienenkrankheiten vorbeugt, erkennt und heilt. Letzteres muss in Anführungszeichen gedacht werden, denn da in Deutschland zur Behandlung von Bienen keine Medikamente – mit Ausnahme der Varroatose – eingesetzt werden dürfen (was durchaus auch als Vorteil verstanden werden kann!), ist eine Heilung nur bedingt möglich.

Reinhold Burger, Vortragender in der Bienen-InfoWabe BambergSo war denn auch der Schwerpunkt ganz richtig gesetzt, nämlich in der Vorbeugung. Welche Einflussfaktoren maßgeblich positiv wie negativ beitragen, war dem Vortragenden die Hälfte der insgesamt 22 Folienseiten wert. [985 kb-Download Folien zu Bienenkrankheiten]

Zum Erkennen ist zu sagen, dass es einen guten Imker tatsächlich auszeichnet, wenn er bzw. sie genau beobachten kann. Viele Entscheidungen sind davon abhängig, in guten wie in schlechten Tagen. Also – nicht einfach loslegen, sondern vor der Arbeit ein paar Minuten Zeit verbracht und das Einflugloch beobachten.

schwarze, kranke BieneWirken die Bienen apathisch, zittern sie unkontrolliert oder krabbeln einige sinnlos umher? Sind viele schwarze, unbehaarte Bienen zu entdecken oder ist allgemein Unruhe im Stock? Dieses und weitere Anzeichen sollten auf Unregelmäßigkeiten und Krankheiten hinweisen und außerdem ins Stockbuch eingetragen werden. Manche Krankheiten sind auch meldepflichtig, wie die Amerikanische Faulbrut. Um diese sowie um die Varroatose ging es denn auch im nächsten Schwerpunkt.

Die Zuhörenden erhielten zudem Linktipps z. B. zur Varroawetterprognose und zum TierSeuchenInformationsSystem sowie Buchtipps. Die Werke sind natürlich auch in unserer Imker-Bibliothek zu finden. Unter bestimmten Bedingungen sind sie auch entleihbar.

Buchtipps vom Gesundheitswart Reinhold BurgerLiteraturtipps:

Friedrich Pohl (2005): Bienenkrankheiten. 2. überarbeitete Auflage. Kosmos.

Wolfgang Ritter (2012): Bienen gesund erhalten, Krankheiten vorbeugen, erkennen und behandeln. Ulmer.

Gerd Molter (2014): Diagnosekreis Bienenkrankheiten. Eigenverlag: http://www.diagnosekreis.de

Achtung, Imker! Waben aus Paraffin im Handel!

cropped-4494-Mittelwand-mit-Biene.jpgDie Sonderinfo des Landesverband Bayerischer Imker e. V. erschüttert die Imkerschaft quasi bis ins Mark. Sie lautet:

In letzter Zeit sind verstärkt Klagen über zusammengeschrumpfte, zusammengebrochene frisch ausgebaute Waben, vor allem im Honigraum, gemeldet worden.

Nachweislich schuld daran sind Mittelwände, die laut Bericht eines Untersuchungslabors aus 100% Paraffin, ohne eine Spur Bienenwachs bestehen. Vermutlich handelt es sich um Mittelwände, die im Frühjahr 2016 produziert und über verschiedene Händler ausgeliefert wurden.

Die Fachinstitute sind informiert und es wurde bereits Strafanzeige gestellt. Die die Ermittlungen laufen.

Was für uns Imker wichtig ist: Wir müssen unbedingt vermeiden, dass dieses 100% Paraffin in sauberes Bienenwachs für unsere Mittelwände eingemischt wird.

Wenn Sie in Ihrem Wachs solche geschilderten Fälle entdecken,
• vermeiden Sie alles, was dazu führt, dass die Waben in den allgemeinen Wachskreislauf gelangen.
• schmelzen Sie deshalb Wachs aus Naturbau (Drohnenrahmen), Deckelwachs und Altwabenwachs getrennt und markieren Sie die Wachsblöcke entsprechend.
• melden Sie sich bitte unter der Adresse wachsproblem [at] online [dot] de um das Ausmaß des Schadens abschätzen zu können.

Über eine Rücknahme oder Schadensersatz kann allerdings erst nach Abschluss der Ermittlungen und Feststellung der Größe des Schadens verhandelt werden.

Helfen Sie alle mit, den Wachskreislauf sauber zu halten bzw. wieder sauber zu bekommen. Wir alle sind dafür verantwortlich, dass unser Wachs, egal von welchem Produzenten, ohne Paraffinbeimischungen über den Ladentisch geht.

Bitte geben Sie diese Informationen an Ihre evtl. ahnungslosen Imkerkollegen weiter, die von diesen betrügerischen Machenschaften nichts wissen und deshalb die oben geschilderten Vorsorgemaßnahmen nicht beherzigen können.

Soweit, so schlecht.

Wabenwachs aus Drohenbrutwaben

Unser eigenes Wachs aus Drohnenbrutwaben im Einmachkocher geschmolzen / Bienen-leben-in-Bamberg.de

WachstrichterDa trifft es sich hingegen gut, dass wir vor ein paar Wochen erst einen Wachstrichter (€ 111,- inkl. Versand) erworben haben, um einen eigenen, geschlossenen Wabenkreislauf zu generieren. Mehr Arbeit, mehr Kosten also, doch auch mehr Sicherheit und Vertrauen in eines der wunderbarsten Ur-Produkte der Erde, die wir für Sie und uns rein halten möchten, wo es in unserer Macht steht.

Denn: „Würden Sie ihre Lebensmittel in einem dreckigen Gefäß lagern wollen?“, so lautete die Frage unseres Vortragenden zum Wabenmanagement von Dr. Andreas Schierling vom 7.8.16 unter dem (gerade sehr passenden Titel) „Bis in alle Ewigkeit? Das Wabengedächtnis“. Ihm haben wir übrigens gekaufte Mittelwandwaben zur Untersuchung mit gegeben. Doch dazu mehr in der kommenden Woche. Bleiben Sie dran!

Vorschau BIWa-Sonntagsöffnung mit Vortrag „Bienenkrankheiten“

Zur BIWa-Sonntagsöffnung am 04.09.2016 erwartet uns ein grundlegender imkerlicher Vortrag von hoher Tragweite:

Logo für das Schwerpunktthema: BIenenReinhold Burger, Bienen-leben-in-Bamberg.de16.00 – 17.00 Uhr  |  Patient Biene, bitte ins Sprechzimmer! Bienenkrankheiten vorbeugen, erkennen, heilen.

„Dunkle Waben geben dunklen Honig“, so lautete jahrzehntelang die imkerliche Devise. Dass Stockhygiene jedoch oberstes Gebot, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dennoch ist damit nicht alles gewonnen. Verschiedene äußere Einflüsse machen unseren Bienen zu schaf­fen. So erreichte vor genau 30 Jahren die Varroamilbe auch Bamberg und bringt Bakterien und Viren in die Bienen ein. An was erkranken Bienen außerdem und wie lassen sie sich davor schützen? Was tun, wenn es dem Volk schlecht geht? Ein Überblick für Laien und neue Erkenntnisse für erfahrene Imker.
Für wen? Interessierte und (Jung-)Imker
Referent: Reinhold Burger, Gesundheitswart IBZV e. V.

Vorab des Vortrags, also zum „Offenen Haus für allevon 14.00 – 16.00 Uhr, werden wir Bienen unter dem Mikroskop einmal genauer betrachten. Außerdem zeigen wir Ausschnitte aus dem FWU-Film – Das Leben der Honigbiene.

Wo?  Bienen-InfoWabe, Bienenweg 1, Bamberg (Erba-Park, Nähe Schiffsanlegestelle) (Karte).

Von Kalkbrut, Kirschblüte und Kunstschwarmbilden

Biene an Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz (Streitberg)In der kommenden Woche werden wir die Honigräume aufsetzen. Denn die Kirschbäume tragen bereits dicke Knospen und es dauert wohl nur noch wenige Tage, bis sich die zartweißen Blüten zeigen. Auf die haben Bienen sehr großen Appetit. Dann wird eingetragen, bis die Temperaturen am Abend auf etwa 10-11 Grad sinken und damit auch die Lust (bzw. die Möglichkeit) zu fliegen. Daher brauchen sie bald Platz und eben einen Raum mehr über ihrem Brutraum.

Standort Bamberg, WildensorgÜbrigens haben unsere 14 Völker an 9 Bamberger Standorten den Winter und das kalte Frühjahr gut überstanden. Bei einem Volk in Wildensorg entdeckten wir bei der Totenfallkontrolle Kalkbrut. Die betroffenen Larven, die wie kleine Mumien aussehen, wurden von den Bienen entfernt, die entsprechende Wabe fein säuberlich ausgeräumt. Man kann das auch am sich bildenden Lochmuster im Brutwabenbild erkennen.

Totenfallkontrolle, KalkbrutWelche von vielen Gründen die Kalkbrut auslöst, lässt sich oft schwer sagen. Einige können wir ausschließen (z. B. zu häufiges Öffnen, da der Standort im vergangenen Jahr keine Schulbienenbesichtigung erdulden musste), oder auch Nahrungsmangel. Kühle Nächte allerdings hat das Volk hoch oben über Bamberg am Rinnersteig sicherlich mehr als unsere Völker im Tal.

Wir lassen unsere Bienen nun in die oben aufgesetzten Brutraum hochziehen (Bienen streben in der Regel nach oben) und entfernen die unteren Waben. Somit schaffen wir die Pilzsporen aus ihrem Haus hinaus. Tritt keine Besserung ein, werden wir nicht um einen Königinnenwechsel herumkommen. Man könnten auch einen Kunstschwarm bilden, also alle Bienen nebst einer neuen Königin auf komplett neue Waben geben, sozusagen ein Neuanfang (hier eine eingehendere Beschreibung). Oft gibt es sich aber von selbst, wenn es wärmer wird und sich das Volk weiterentwickelt.

Veitshöchheimer Imkerforum (4): Bilanz Bienengesundheitsdienst

Begrüßungsfolie Bienengesundheitsdienst BayernDen aus Mitteln des Freistaates Bayern geförderten Bienengesundheitsdienst (BGD) in Poing, an den alle Imker kostenlos Probenanalysen erhalten, besteht nun ein Jahr. Dr. Andreas Schierling, zieht für 2015 anlässlich des Veitshöchheimer Imkerforums Bilanz. 483 Probeneingänge, 551 Untersuchungen und 686 Einzelanalysen zeugen von einem arbeits- und erkenntnisreichen Einstieg der neu installierten Serviceeinrichtung innerhalb des Tiergesundheitsdienstes Bayern e. V.

Nach was wurde Ausschau gehalten?

Dr. Andreas Schierling vom Bienengesundheitsdienst BayernIn Futterkranz, Bienenbrot oder Honig wurde nach Viren, Schädlingen, Ektoparasiten, Endoparasiten oder (Schwer-)Metallen (Pb, Cd, Hg, Zn, Al, Ni, Fe, Cu) gefahndet. Auch auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzo(a)pren und Chrysen sowie nach Pestiziden und Bienenarzneimittel richtete sich der scharfe Blick Dr. Schierlings. Analysiert wurde ebenso das Vorkommen von Pollen in Honig und Bienenbrot. Ein besonderes Augenmerk galt jedoch der Wabenanalyse. Mit 306 Untersuchungen machte sie das Gros der Arbeit aus.

Bienenwachsanalyse

Folie Bienenwachs-AnalytikDie Ergebnisse sind nicht gerade ermutigend. 51,16 % der Waben waren belastet, und zwar vor allem durch Thymolrückstände.

  • 36,63 % der Proben waren mit dem gegen die Varroa eingesetzten Wirkstoff Thymol kontaminiert. Zwar ist Thymol ein breit eingesetztes Mittel mit desinfizierender Wirkung, das ebenso gegen Pilze und Bakterien hilft, doch im Honig hat es nichts verloren. Insofern auch nicht im Wabenkreislauf. Die Rückstandsproblematik von Thymol lässt sich jedoch durch ausreichende Belüftung der Waben begegnen, so Dr. Schierling. (Zum „Effektiven Wabenmanagement“ kommt Dr. Schierling zu einem Vortrag am 7.8.2016 in die Bienen-InfoWabe nach Bamberg, Bienenweg 1.)
  • Coumaphos/Coumafos enthielten 20,79 % der Proben. Es ist ein Ektoparasitizid, das Hauptbestandteil des ebenfalls gegen die Varroamilbe eingesetzten Medikaments Perizin ist.
  • Der drittgrößte Rückstandswert mit 15,18 % ist Fluvalinat, eine fettlösliche Substanz, ebenfalls gegen die Varroamilbe. Und hat ebenfalls nichts im Honig zu suchen!
  • Nur geringe Kontaminationen wurden zu Brompropylat, PDCB und Flumethrin gefunden. Alle Untersuchungsgebiete zu den jeweiligen Substanzen wurden von Dr. Schierling sehr anschaulich auf Karten präsentiert.

Bei den Untersuchungen lag die technische Nachweisgrenze des Labors übrigens bei 0,5 mg pro Kilogramm. Ist das denn ausreichend niedrig? Ich habe mich mal „umgelesen“ und folgendes gefunden:

Würde der ADI-Wert zugrunde gelegt, dann könnte ein Honig Coumaphos-Rückstände in einem Bereich von 875 ppb (μg/kg) enthalten (20 g am Tag gegessen), ohne negative Folgen für die Gesundheit zu haben. Bereits ab 100 ppb ist aber die zulässige Höchstgrenze überschritten und der Honig nicht mehr verkehrsfähig.

Quelle: Wallner, Klaus: Rückstandsproblematik in Bienenprodukten. Was sollte der Imker wissen? Stuttgart. Universität Hohenheim, Landesanstalt für Bienenkunde. o. J. [Anmerkung: ca. 2006]

Entdeckt habe ich ebenfalls eine überraschend schonungslose Reflexion eines Imkers aus Baden-Württemberg über eine Rückstandsuntersuchung, nachzulesen in Landlive.de. Solche Erfahrungsberichte helfen bei der eigenen Einschätzung ganz wunderbar. Doch nun zurück zur Bilanz des BGD …

Labordiagnostik zur Virologie

Bei der Labordiagnostik zur Virologie ergab vor allem das Chronische Bienen-Paralyse-Virus einen hohen Wert und machte 60,9 % der Befunde aus, gefolgt vom Akuten Bienen-Paralyse Virus mit 8,7 %. Auch wir hatten im vergangenen Jahr wieder ein paar Fälle bei uns entdeckt, doch im Gegensatz zu 2014 glücklicherweise keine Völkerverluste zu beklagen.

Bei 75 Analysen zur Amerikanischen Faulbrut konnten keine Sporen gefunden werden. Somit ist die Mär, jedes Volk hätte latent Spuren aufzuweisen, mehr oder weniger widerlegt, sagt Dr. Schierling. Die Proben wurden vorsichtshalber von (dem Ansehen nach) gesunden Völkern aus dem Umland von Scheßlitz eingesandt, da im vergangenen Jahr dort (wie auch in Bamberg) die Amerikanische Faulbrut auftrat.

Ausblick des BGD auf 2016

Folie Ausblick BGD 2016Der Ausblick des BGD auf 2016 verspricht interessant und für uns Imker hilfreich zu werden. Wobei das geplante AFB-Monitoring in Bayern sicherlich nicht jeden Imker erfreuen dürfte. Doch denke ich, dass die Vorteile für die Allgemeinheit den Nachteilen einiger Nebenerwerbsimker, die wegen ihrer möglicherweise „gekeulten“ Völkern das Nachsehen haben, überwiegend. Eine Entschädigung für diese wäre allerdings durchaus angebracht. Doch das kann nicht Aufgabe des Bienengesundheitsdienstes sein, sondern sollte wohl über die Imkerverbände politisch eingebracht werden.

Eine intakte Umwelt würde den Bienen jedoch am allermeisten helfen, mit Krankheiten fertig zu werden. Daher verdient der nächste Blogbericht über „Lebensraumförderung im Greening“ aus Sicht der Honigbiene, referiert von Kornelia Marzini, gebührende Beachtung.

Übersicht aller Beiträge zum Imkerforum:

Veitshöchheimer Imkertag 2015 (4): Kirschessigfliege etabliert

Dr. Ingried Illies, stv. Leiterin des Fachzentrums Bienen der LWG

Dr. Ingried Illies, stv. Leiterin des Fachzentrums Bienen der LWG

Während die heimischen Taufliegen-Arten (Drosophila) in aufgeplatzten, also überreifen und verletzten Früchte ihre Eier ablegen, schafft es die ursprünglich in Südostasien beheimatete Drosphila suzukii dank ihres säbelzahnartigen Legebohrers am Hinterleib auch bei intakten Früchten, so die Referentin Dr. Ingried Illies, ihres Zeichens stellvertretende Leiterin des Fachzentrums Bienen der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau (LGW).

Folie Kirschessigfliege Drosophila suzukiiTrotz ihres deutschen Namens „Kirschessigfliege“ befällt sie damit nicht nur Kirschen, sondern eben auch Weintrauben und viele weiter Beeren und Früchte. Seit 2009 bevölkert sie den Europäischen Kontinent, zunächst Spanien, Frankreich und Italien. Seit 2011 hat sie u. a. auch Deutschland erreicht.

Und so muss die LWG, mithin Ausrichterin des Veitshöchheimer Imkertags vom 12.07.2015, den Spagat schaffen, sowohl den fränkischen Weinbauern ihr Auskommen sichern zu helfen, als auch der Gartenbauern wichtigste Zuarbeiterinnen, die Bienen zu schützen. Keine leichte Verantwortung. Denn was den einen nützt – nämlich die Bekämpfung mit Insektiziden – schadet den anderen, da diese Mittel zum Teil als bienengefährlich (= B1) eingestuft sind. Nicht nur in der LWG forscht man derzeit in allen Richtungen.

Die schlechte Nachricht

4231-Folie-Kirschessigfliege-Drosophila-suzukiiIhr extrem kurzer Lebenszyklus – zwei bis drei Wochen nach der Eiablage erblickt bereits die nächste Generation das Licht der Welt – macht die rotäugige, gelbbraune Drosophila suzukii, die an der scharzen Bebänderung am Hinterleib erkennbar ist oder am schwarzen Punkt am Flügel der Männchen, schwer bekämpfbar. Denn kurz vor der Ernte dürfen keine Insektizide mehr verwendet werden. Doch befallene Früchte sind für den Weineintrag tabu, Pilze und Bakterien schaden dem Erzeugnis.

Hilfreich ist ein luftiger Standort, doch das erhöht den Pflegeaufwand der Weinstöcke, die vom Unterbewuchs freigehalten werden müssen. Auch mit Netzen lässt sich vorgehen sowie mit Fliegenfallen. Jedoch:

Alternative umwelt- und verbraucherfreundliche Bekämpfungsverfahren existieren nicht.

So ist in der gut bebilderten und ausführlichen PDF-Broschüre des Julius-Kühn-Instituts zur Kirschessigfliege zu lesen. Man forsche noch, zusammen mit nationalen und internationalen Partnern. Für unsere Bienen bedeutet das: „Zieht euch warm an, da weht ein eisiger Wind durch euren Bestäubungsvertrag!“

Die gute Nachricht

In der genannten Broschüre heißt es zur Biologie von D. suzukii:

Die Überlebensrate ist gering, wenn es friert oder die Temperaturen über längere Zeit unter 3° C liegen.

Das schaffen wir (noch) mit unseren Wintern. Daher muss die Taufliege, auch Obst- bzw. Essigfliege genannt, jeden Frühjahr aufs Neue einwandern.

Bei Temperaturen über 30 °C nimmt ihre Aktivität ab.

Nun, auch dieses schaffen wir derzeit in Deutschland. Da könnte uns der Klimawandel durchaus in die Taschen spielen, mit seinen vorausgesagten kalten Wintern und heißen Sommern. Hm. Das gehört jedoch streng genommen nicht zu den „guten Nachrichten“. Doch sorry, mehr oder besseres kann ich leider nicht berichten. Vielleicht im nächsten Jahr? Denn der Imkertag ist fest in unserem Terminkalender verankert, wir hängen an euren Lippen, liebes Fachpersonal der LWG!

Unsere Beiträge zum Veitshöchheimer Imkertag 2015

Veitshöchheimer Imkertag 2015 (3): Asiatische Hornisse gelandet

Dr. Stefan Berg, Leiter des Fachzentrums Bienen der LWGNach den Ausführungen zum Kleinen Beutenkäfer, der uns in Deutschland NOCH nicht erreicht hat, folgte im Teil zwei des Vortrags von Dr. Stefan Berg die Asiatische Hornisse, Vespa velutina. Sie ist bereits in zwei Bundesländern angekommen (ja, irgendwie ein Widerspruch, doch die Sichtung ist nicht bestätigt), so der Leiter des Fachzentrums Bienen der LWG am Veitshöchheimer Imkertag am 12.07.2015. Globalisierung begünstigt die großräumige Verbreitung nicht-heimischer Arten, der Klimawandel sorgt für von uns Einwohnern nicht immer erwünschte Veränderungen in Flora und Fauna.

Vortrag „Was kommt da auf uns zu? Teil 2: Asiatische Hornisse

In Frankreich hat sich die eingeschleppte Vespa velutina nigrithorax (hier zur Wespen-Bestimmungshilfe, PDF) seit 2004 invasionsartig verbreitet. Seit Ende 2008 ist der gesamte Südwesten Frankreichs auf einer Fläche von 130.000 km² von ihr besiedelt. Für Deutschland befürchtet man, dass sie einheimische Hornissen verdrängen könnte, von denen einige unter Artenschutz stehen. Vielmehr jedoch fürchten Imker um ihre Honigbienen. Denn um ihre Brut zu versorgen, geht V. velutina recht rigide vor. Durchaus auch im Verbund mit ihren „Schwerstern“ kidnappt sie die vor dem Flugloch ein- und ausfliegenden Bienen und nutzt das aufgeknackte, um die Gliedmaßen erleichterte Brustfleisch als „Babynahrung“. Ist nicht böse gemeint …

Geschickterweise verzetteln sich die geschickten Jägerinnen, die sogar rückwärts fliegen können, nicht mit dem Angriff auf mehrere Stöcke, sondern beginnen zumeist mit den außenstehenden oder den schwächsten Völkern. Honigbienen gesund erhalten, so die Schlussfolgerung, hat daher oberste Priorität.

Die schlechte Nachricht

Als einzige Maßnahme kommt derzeit in Frage, die Bienenvölker umzusiedeln, sofern man die Offensive rechtzeitig bemerkt. Natürlich forschen unsere Nachbarn intensiv nach weiteren Maßnahmen, die Asiatische Hornisse zu stoppen, doch bislang konnte erst ein Mittel zur Marktreife gebracht werden – zu einem nicht akzeptablen Preis. Dabei ist nicht der monitäre gemeint. Vielmehr würde man beim Einsatz der entwickelten Köderfallen auch andere Insektenarten opfern, darunter Vespa crabro, unsere größte einheimische und sehr friedliche Faltenwespe. Diese Hornissenart steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Folie Asiatische Hornisse, vespa velutina nigrathorax (Dr. Stefan Berg, Fachzentrum Bienen, LGW Veitschöchheim)Ihre Nester baut die Asiatische Hornisse in bis zu zehn Metern Höhe, oft in luftigen Baumwipfeln und damit kaum von unten zu sehen. Die beeindruckenden Bauten von etwa 60 x 80 cm Größe, die an ihrem seitlichen Nestausgang als die der V. velutina zu identifizieren sind – die europäische Bauweise ist unten –, sind zumeist erst im Herbst nach dem Laubfall zu entdecken. Dann jedoch ist es zu spät, sie zu entfernen, das Brutgeschäft und die Aufzucht mehrerer Zehnerschaften Königinnen ist bereits erfolgt.

Ohnehin sollte man niemals selbst Hand an die Nester legen. In Deutschland darf strenggenommen kein Laie (auch kein gewöhnlicher Imker) ein Wespen- oder Hornissennest umsetzen, geschweige denn ab einer bestimmten Größe eliminieren.

Die gute Nachricht

Folie Asiatische Hornisse, vespa velutina nigrathorax (Dr. Stefan Berg, Fachzentrum Bienen, LGW Veitschöchheim)Erst im vergangenen Jahr wurde die Asiatische Hornisse gesichtet, vorerst nur in Waghäusel bei Karlsruhe (Baden-Württemberg) im Garten einer Biologin sowie in Kandel in Büchelberg (Rheinland-Pfalz) auf einem Bienenlehrstand.

Wer seine Völker nicht in Massen nebeneinander hält, was in Deutschland zunehmend weniger der Fall ist, kann sich vor Totalverlusten retten. Ohnehin ist die heutige Empfehlung die, lediglich zwei Völker nebeneinander zu stellen und mit deutlichen Abstand das nächste Paar.

Ein gesundes, zahlenmäßig starkes Bienenvolk dürfte einem Angriff begegnen können, engt man das Flugloch ein. Falls das übersehen wurde und der Angriff von Vespa velutina eine gewisse Schärfe hat, bleiben die Bienen vorsorglich zuhause. Haben sie genug Pollen und Honig eingelagert, lässt es sich eine zeitlang aushalten. Allerdings wird das Abkoten zum Problem, der Stock könnte verunreinigen. Ist ein Volk ohnehin bereits geschwächt – durch Krankheiten, Parasiten oder Vergiftungen – schaut es entsprechend schlechter aus.

Aufmerksame Imker/innen beobachten am besten auf dieser Karte (auf der allerdings das zweite gemeldete Vorkommen in Kandel fehlt) die Ausbreitung der Vespa valutina und melden etwaige Vorkommen umgehend an entsprechende Bienenfachstellen. Am besten mit Foto. Zu erkennen ist die Asiatische Hornisse an der auffällig braunschwarzen Färbung mit einem orangefarbenen Glied am unteren Hinterleib.

Unsere Beiträge zum Veitshöchheimer Imkertag 2015

Veitshöchheimer Imkertag 2015 (2): Kleiner Beutenkäfer im Anflug

4179-volle-Aula-Imkertag-2015„Muss das jetzt auch noch sein“, so der still vor sich hinseufzende Ausruf auf der Eingangsfolie des ersten Referenten des Veitshöchheimer Imkertages, Dr. Stefan Berg, dem Leiter des Fachzentrum Bienen der LWG. Gar nicht so still war es in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula des Fachzentrums Bienen an der LGW, an einem heißen Sonntag um 10.30 Uhr des 12. Julis. Mit allen nur denkbaren bairische Dialektfärbungen – von nieder-, ober- über altbairisch, aber auch hohenlohisch, oberpfälzisch und hessisch – waren die fränkischen Teilnehmenden umhüllt. Doch egal, von woher – was alle Imker einte, war die Sorge um Gesundheit und Überleben ihrer anvertrauten Bienen.

Vortrag „Was kommt da auf uns zu? Teil 1: Kleiner Beutenkäfer

Dr. Stefan Berg im Interview mit dem BREntwarnung kann Dr. Berg nicht geben. Das teilte er sicherlich auch dem Team des Bayerischen Rundfunks mit, das ihn gleich am Eingangsbereich abpasste. Schreckensmeldungen sind natürlich der Sendeanstalten täglich (und ergiebig) Brot. Von daher verwunderte es nicht, dass der Reporter ziemlich lange in der Aula verweilte. Doch müssen wir wirklich mit dem Allerschlimmsten rechnen, nämlich die Invasion des Kleinen Borkenkäfers, der bereits in Teilen Süditaliens Fuß gefasst hat?

Die schlechte Nachricht

Dr. Stefan Berg, Leiter des Fachzentrums Bienen der LWG

Dr. Stefan Berg, Leiter des Fachzentrums Bienen der LWG

Im September in Kalabrien erstmals in drei Völkern nachgewiesen, verbreitete er sich bis Ende des Jahres 2014 rasant auf 61 Stände aus. 3.200 Bienenvölker mussten abgetötet, der Boden abgetragen und mit Insektiziden behandelt werden. Das ohne Pathos vorgetragene Worstcase-Szenario ließ die Anwesenden Imkerkolleginnen und -kollegen dennoch nicht kalt, uns fröstelte trotz der hohen Temperaturen.

Bestimmungshilfe anhand des Körpers des Kleinen BeutenkäfersAethina tumida, ursprünglich südlich der Sahara beheimatet und von dort aus nach Nordamerika, Australien und nun auch nach Europa eingeschleppt, ist gefräßig, fruchtbar und rasch in seiner Entwicklung. Vom Ei bis zur eigenen Eiablage befähigt dauert das Entwicklungsstadium in den USA nur 6-7 Wochen, in Afrika zwei Wochen weniger. Anders als bei der Amerikanischen Faulbrut, bei der im Radius von einem Kilometer eine Sperrzone errichtet wird, müsste man beim Kleinen Beutenkäfer von einem Verbreitungsradius nicht unter 20 Kilometer, doch vorsorglich bis 100 Kilometer ausgehen.

Wie groß ist gleich noch mal Deutschland?

Die (vorerst) gute Nachricht

Bestimmungshilfe anhand der Larven des Kleinen BeutenkäfersNach dem Abtöten der (von Bamberg aus) nur 1.300 Kilometer weit entfernten befallenen Völker konnten bislang keine Positivbefunde des Kleinen Beutenkäfers mehr nachgewiesen werden. Die Schutzmaßnahmen wurden bis Ende November verlängert, denn jede noch so gut vergrabene Larve wäre der Beginn einer Reinvasion.

Doch über kurz oder lang und bei anhaltendem Klimawandel in Richtung Erderwärmung müssen wir wohl mit dem Kleinen Beutenkäfer rechnen. Und nicht nur mit ihm …

… doch das hebe ich mir für den nächsten Blogbeitrag auf. Nicht, dass uns hier die mühsam angeworbenen Jungimker noch abspringen!

Ach ja … und wer sich trotz der Bestimmungshilfen nicht ganz sicher ist, der kann seine Funde an den Bienengesundheitsdienst nach Grub einsenden. Lieber einmal zu viel als zu wenig überprüft, das hat uns Dr. Andreas Schierling ans Herz gelegt (wir berichteten)!
Und hier das Merkblatt zum Kleinen Beutenkäfer (PDF).

Unsere Beiträge zum Veitshöchheimer Imkertag 2015