Veitshöchheimer Imkertag 2017 (2): Bee-Warned-Projekt – Kleiner Beutenkäfer und Asiatische Hornisse

Vortrag Dr. Nicole Höcherl zu Bee WarnedUm den Kleinen Beutenkäfer (KBK), Aethina tumida und die Asiatische Hornisse, Vespa Velutina (VV) ging es Dr. Nicole Höcherl im ersten Vortrag zum Veitshöchheimer Imkertag am 09.07.2017. Die seit zwei Monaten an der LGW-FZB¹ beschäftigte Biologin bringt in der restlos besetzten Aula das im Aufbau befindliche Beobachtungsnetzwerk „Bee-Warned“ zur Kenntnis.

Folie Gefahr für Bienen, © Nicole HöcherlWährend der Kleine Beutenkäfer (hier mehr zu ihm) derzeit immer noch sein Unwesen in Italien treibt, hat es die Asiatische Hornisse (ausführlich hier), die übrigens nicht als agressiv gilt und im Gegensatz zur Riesenhornisse auch nicht rekrutiert, seit April 2016 ins schweizerische Freiburg geschafft. Beide haben hierzulande wie alle Neuzugänge keine natürlichen Feinde und müssen im Blick behalten werden, um nicht den selben Fehler wie bei der Varroamilbe zu machen, nämlich zu spät und außerdem falsch zu reagieren.

Folie Bee Warned, © Nicole HöcherlDaher plant man innerhalb des Frühwarnsystems für exotische Bienenschädlinge das Erstellen von Bestimmungshilfen und Schulungen für Bienensachverständige / Fachwarte, Veterinäre sowie alle Imker in Bayern. Außerdem soll ein Monitoringsystem mit Hotspotanalysen aufgebaut weden. Die Hotspots befinden sich beispielsweise in der Nähe von Flug- und Schiffshäfen.

Denn die Einschleppungsgefahr geht in Zeiten der Globalisierung gerade von diesen Punkten aus, die Umschlagplatz für Waren (Obst, Erde und möglicherweise Topfpflanzen) sind. Eine sehr realistische Gefahr besteht im Import von Königinnen oder ganzen Völkern, eine Parasitierung über Hummeln nicht ausgenommen. Ebenso könnten Schwärme in Schiffe und Flugzeugbäuche geraten und unfreiwillig ihren Weg zu uns finden. Dies natürlich besonders bei der Asiatischen Hornisse. Ebenfalls leicht könnte der Weg über den Einkauf gebrauchter Imkergeräte z. B. über Ebay oder Amazon erfolgen.

Folie Kleiner Beutenkäfer, © Nicole HöcherlWer sich nicht sicher ist, wen er da beobachtet hat, sammle verdächtige Käfer oder Larven in ein gut verschlossenes Gefäß ein, friere es mindestens 24 Stunden ein und sende es an das Referenzlabor für Tierseuchengeschehen, hier das Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald. Eine diesbezügliche Aktion sollte auch an die zuständige Veterinärbehörde und an das LWG-Fachzentrum Bienen in Veitshöchheim gemeldet werden. Denn zum räuberischen Verhalten der invasiven Arten kommen außerdem neue Viren hinzu. Diese gilt es ebenfalls im Auge zu behalten.

Die Zuhörenden waren sich einig: Ein fachkundiger Vortrag, der ein sehr ernstes Thema dennoch sehr angenehm präsentierte. Gerne würde ich hier Bestimmungshilfe zu diesen gefährlichen Exoten leisten. Doch da die Fotos nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden konnten, verweise ich stattdessen auf die Wespenbestimmungshilfe (PDF) hin und hier auf das Merkblatt zum Kleinen Beutenkäfer.

Merkmale: Die Asiatische Hornisse ist kleiner als die Deutsche und ziemlich dunkel bis schwarz mit gelben Beinchen und einem orangfarbenen (statt gelben) Hinterleibseinde.

¹ Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau – Fachzentrum
Bienen

Veitshöchheimer LGW-Fest für Genießer und Bienenfreunde

Bahnhof Veitshöchheim„Wir kommen jedes Jahr hierher“, bekräftigten die Banknachbarn aus Coburg – immerhin 1,5 Stunden und 117 km weit angereist nach Veitshöchheim – und wir prosteten uns mit einem Saugvignot gris, einem der vielen Versuchsweine zu, die die Bayerische Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau (LWG) auf ihrem Gelände anbaut und anlässlich des Tags der offenen Tür am 06.07.2014 verkostet werden konnten.

LWG-Weinverkostung LWGÜberdimensionierte Gartenbank im Gelände "Stutel" der LWG VeitshöchheimMit der Bahn ist man aus Bamberg auch nicht schneller, doch die Anreisezeit lohnte sich für uns. Nicht nur für unseren frankenweinverwöhnten Gaumen, der sehr angetan von der neuen Rebe war, die mit weiteren anderen Sorten für immerwährenden Nachschub sorgen soll, damit wir die negativen Auswirkungen des Klimawandels zumindest stilvoll erleiden dürfen.

Abwechslungsreiches an „Steige“ und „Stutel“

Bunte Balkon- und HängeampelpflanzenBlühwiese„Garten, Wein, Bienen und Honig“ (und Obst!) standen im Mittelpunkt an den Versuchsgeländen „Steige“ und „Stutel“, zwischen denen mehrere Glieder(!)Pendelbusse permanent verkehrten und reichlich Gäste hin und her chauffierten. Trotz anderslautender Meldungen sogar kostenlos. Bezahlbar günstig waren auch alle angebotenen Gartenerzeugnisse, und so fast alle trugen irgend einen Beutel mit Einkäufen durch die Gegend.

Bepflanzung der Außenanlage an der LWG Veitshöchheim, An der SteigeReinhold vor dem Eingang zum Fachzentrum Bienen der LWG Veitshöchheim„An der Steige“ in Veitshöchheim befindet sich der Gebäudekomplex der LWG mit Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau, großzügigen Versuchsaußenanlagen samt Imkerei sowie der Bayerischen Gartenakademie, speziell für Freizeitgärtner gedacht. Und das Fachzentrum Bienen, für das wir uns extra viel Zeit nahmen und daher einen eigenen Beitrag die nächsten Tage erhält.

Bepflanzung im Versuchsgelände "Stutel" der LWG Veitshöchheim mit HorizontblickZwei BienenvölkerIm 3,6 km mainabwärts gelegenen Gebiet „Am Stutel“, zur Gemarkung Thüngersheim gehörend, befinden sich ein weiteres, 11 Hektar großes Versuchsgelände, darauf derzeit 11 Bienenvölker, die nur allzu gerne die alten und neuen Obstbaumsorten bestäuben. Von dieser Höhenhanglage aus genossen die Besucher den Blick über den Main hinweg auf die sanften Hügel und konnten sich an Gegrilltem, Selbstgebackenen und leckeren Säften laben.

Ein familiärer Erlebnistag der Superlative

Rosenspalier mit IlonaWährend die Bamberger diese Art „zukunftsorientierter Versuchs-Landesgartenschau“ offensichtlich noch nicht so recht wahrnehmen, scheint das LGW-Fest landauf, landab allen als familiärer Erlebnistag der Superlative wohl bekannt zu sein. Auch wir schafften es heuer zum ersten Male – und waren begeistert!

Vorführung im Fachzentrum Bienen der LWG VeitshöchheimBlick ins Mikroskop, Fachzentrum AnalytikTafel einer Blühwiese in den Außenanlagen der LWG Veitshöchheim, An der SteigeOb „Fachzentrum Bienen“ mit allem großen wie kleinen Anschauungsobjekten, die das Imkerherz im Leibe hüpfen lässt, oder „Fachzentrum Analytik“ mit olfaktorischen und sensorischen Geschmackstestreihen, ob herrlich bunte Blumenwiesen aus speziellen Saatmischungen für jede Situation, oder ob blühstarke Hängekübelpflanzen in allen Variationen, oder ob Rosenzuchtergebnisse und Klematisgarten – wir kamen aus dem Schauen nicht heraus. Lukullische Genüsse inklusive, die liebevoll zubereitet waren und geschmacklich überzeugten. Leider auch schon frühzeitig aufgegessen waren, doch lies der Ansturm dies vermuten. Wir waren früh dran, hatten meistens Glück und immer einen Sitzplatz.

Eisiger Rokoko-Garten

Veitshöchheimer Schlossgarten mit Reinhold und GewitterwolkenSchloss VeitshöchheimDas Gewitter am Abend überraschte uns nicht, kamen wir doch gerade noch rechtzeitig am Veitshöchheimer Bahnhof an, nachdem wir noch einen Abstecher in den berühmten Hofgarten, eine Schloss- und Rokokogartenanlage des Sommersitzes der Würzburger Fürstbischöfe, unternahmen. In der Hand ein Eis von Eis-Stephan, der uns bereits vom Zugbegleiter empfohlen wurde, des Preises wegen. Oder wo sonst gibt es noch die Kugel für 60 Cents (in Worten: Sechzig), oder gar 6 Kugeln für € 2,50 als Überraschungstüte?

Kunstvoller Heckenschnitt im Hofgarten VeitshöchheimRomantische Sitzgruppe im Hofgarten VeitshöchheimWir sind uns einig – der „Tag der offenen Tür“ der LGW und das nette Städtchen Veitshöchheim vor den Toren Würzburgs wird ein fester Eintrag in unserem Kalender. Und der ist bekanntlich schon ziemlich voll. Der Beweis also, dass dieser Tag schon etwas sehr Besonderes war! Vielen Dank an Veranstalter und Helfer für diesen tollen Einblick!