*12* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Großformatig und mit schreiend gelben Buchumschlag ragt das Kinderbuch „Summs und die Honigbienen“ zudem sprachlich heraus. Neben dem deutschen Text findet sich unmittelbar zugeordnet auch gleich die englische Übersetzung. Da heißt es sodann: „Buzz and the Honeybees“.

Der Start

Auf der ersten Doppelseite wird kurz die Wichtigkeit der Honigbiene angesprochen (im Kapitel 9, „Summs wird Sammelbiene“ ausführlicher erzählt), um dann sofort auf HOBOS, dem Bienenspion in Würzburg zu sprechen kommen, der allerhand Fragen beantworten kann. Der aufgelistete Fragenkatalog macht tatsächlich neugierig, denn es sind eher ungewöhnliche Überlegungen, beispielsweise, ob Bienen auch in hellen Vollmondnächten ausfliegen (ich gebe zu, ich ahne es mehr, als es zu wissen!), wie sich Bienen auf ein Gewitter vorbereiten und ob es nachts wirklich leiser in einem Bienenstock ist als tagsüber.

Vielleicht hätte ich auf den ersten Seiten nicht sofort mit HOBOS und seinen Details wie das der Verwendung von Mikrochips zur Beobachtung von Bienen begonnen. Stattdessen hätte ich eine stilisierte Sympathiefigur namens Summs / Buzz eingeführt, an deren Hand, äh, Beinchen wir uns in ihr Reich begeben können. Denn sie spricht uns schließlich in der ersten Person an. Da sollte sie als eigene Persönlichkeit die ohnehin noch in den Märchenwelten verhafteten Sechsjährigen, für die das Buch gedacht ist, auftreten.

Die Message

Nun, ab Kapitel 1 (S. 10) taucht ein Bienenfoto auf, das aber in den 16 weiteren Kapiteln nicht weiter wiederholt wird. Könnte also eine von vielen Summs sein. Jedenfalls: Die textliche „Summs, die fleißige und kluge Honigbiene“ / „Buzz, the busy, clever honeybee“ ist recht von sich überzeugt. Doch auch ebenso überzeugend, wie sie den Menschen die Angst vor den Bienen nimmt, indem sie uns von ihrem Leben erzählt. „Denn wenn man sich gut kennt, dann mag man sich und hat keine Angst mehr vor dem Anderen“. Tja, 2011 in der 2. Auflage erschienen, hat es auch heute noch eine gute Message, denkt man das weiter, zum Beispiel im Bezug auf Themen wie Migrant(inn)en und Geflüchtete.

Wenn wir schon bei „Andersartigkeiten“ sind – thematisiert werden löblicherweise die Unterschiede von Wespen zu Honigbienen, und ja, damit fangen auch wir, Reinhold und ich, unsere Schulbienenunterrichte meistens an. Allerdings erst ab der zweiten Klassenstufe, ab der wir dieses Buch ebenfalls zuordnen würden.

Der Erzählstil

Zum gemeinsamen Lesen ist das Buch wegen des netten Erzählflusses prima geeignet.

„Und manchmal, das kann ich euch sagen, sieht es schon recht komisch aus, wie einige meiner Schwestern da angeflogen kommen und vor unserem Flugloch landen. Einige machen richtige Bauchplatscher, andere fallen sozusagen auf die Nase, manche fallen sogar auf den Rücken und zappeln hin und her, bis sie wieder auf den Beinen sind.“

Die meisten Bienenbücher, die ich bislang besprochen habe, machen allerdings den selben Fehler wie die Rezensentin: Zu lange Sätze bilden. Mit bis zu 28 Wörtern und bis zu drei Kommata – also, das ist für das Grundschulalter definitiv zu schwer zu lesen.

Aufgelockert werden die zweisprachigen Spaltentexte mit vielen Fotos, etliche davon halb-, ganz- und doppelseitig sowie einem stilisierten aufgeklappten Buch mit extra Infos, betitelt: „Was Schlauberger wissen / What smarypants know“. Diese komprimierten Detailinfos sind im sachlichen Stil gehalten und hätten sich auch etwas schwer in einem erzählerischen Duktus verarbeiten lassen. Guter Trick!

Die Inhalte

Die Inhalte sind die Erwartbaren zu Bienen und ihrem Tun und Treiben. Summs erzählt in Reihenfolge, welche Arbeiten sie und ihre Geschwister nach und nach verrichten, bis dahin, wenn sie Sammelbiene wird. Sodann spielt sich ihr Leben draußen ab und sie muss einige Abenteuer bestehen.

Dazwischen gewährt sie Einblick in das Leben mit einer neuen Königin, zu den Drohnen, in die Honigernte und in einzelne aufregende Tage. Wie dem Tag, als ihr Volk schwärmt, und die Stimme aus dem Off ruft ihr in roter Farbe zu: „Summs, nun aber flott. Nichts wie hinterher, bloß nichts verpassen!“ Manche dieser die Unterkapitel abgrenzenden Zwischenrufe wirken wie pädagogische Zeigefinger, die genauso gut auf Menschenkinder gerichtet werden könnten. Weitere Kostproben, weil gar zu nett:

  • „SUMMS, NUN BLEIB ABER MAL EHRLICH! NICHT GLEICH SCHWINDELN IN DEINEM JUNGEN LEBEN“ (und sie sehen schon, das ist mein nächster Kritikpunkt, denn Großschreibung halte ich bei längeren Sätzen, noch dazu im schreibenlernendem Alter, für schwer lesbar und nicht gut zur Nachahmung)
  • „SUMMS, NICHT TRÖDELN“
  • „SUMMS, DIE ERSTE REGEL IST: RUHIG BLEIBEN, GUT ÜBERLEGEN, DIE SITUATION IM AUGE BEHALTEN UND NICHTS ÜBERSTÜRZEN!“
  • „SUMMS, ES IST NICHT SCHLECHT, WENN MAN IN SEINEM LEBEN SO EINIGES LERNT! MAN KANN ES IMMER GUT GEBRAUCHEN!

Und ob die Kinder etwas aus dem vorangegangen Kapitel gelernt haben, will wohl auch Summs wissen. Denn sie beendet manche davon mit einer in roter Schrift formulieren Frage, z. B.: „Welche Berufe hat eine Honigbiene in ihrem Leben?“ So kann man als Vorlesende/r in eine Unterhaltung über das eben Erfahrene kommen und gegebenenfalls Verständnislücken beheben.

Ausgelagert in die Buchdeckelinnenseiten sind die Biologie der Biene und der Schwänzeltanz. Sie müssen von den Erwachsenen erklärt werden, aber mit Hilfe der Abbildungen schaffen sie das wohl, auch, wenn es keine Imker/innen sind.

Fazit: Trotz des Alters und der mittlerweile noch besseren Fotografietechnik wünscht man der Biene Summs weiterhin einen guten Flug und spannende Erzählstunden in deutschen wie englischsprachigen Kinderzimmern und Schulen. Ich hatte es heuer bewusst angeschafft, auch wenn es neuere Kinderbücher gibt. Denn es gelingt nur selten, komplexe Sachinformationen zu Bienen, Bestäubung, Honig und Wachs so unterhaltsam sympathisch zu beschreiben, wie es Vera Trachmann, der Verfasserin, gelang. Ach, halt – nein, eigentlich gelang es ja unserer Summs bzw. Buzz! Danke euch für die Aufklärungsarbeit!


Summs und die Honigbienen = Buzz and the honeybees / Vera Trachmann. Übers. von Ros Mendy. 2. Aufl. Rheine : Schlauberger-Verl. 2011. 88 S. : Ill. – Text dt. u. engl.
ISBN 978-3-9812432-0-8

In unserer Imker-Bibliothek enthalten.

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