„Das Wunder von Mals“ und „Der Prozess“ – der Kampf ist noch nicht vorbei

In der ZDF-Reihe „Planet e“ konnte man am 17.10.21 die halbstündige Doku über die Bürger von Mals (Südtirol) im Kampf Gegen Gift – Apfelstreit in Südtirol sehen (und ist noch oline). Es ist dies nicht die erste Veröffentlichung, auch ORF konkret berichtete Mitte 2018 kurz darüber. 76% der Malser Bevölkerung wandte sich in einem Volksbegehren gegen den Druck der Agrarindustrie mit ihrem Pestizideinsatz und „gegen eine Übermacht aus Bauernbund, Landesregierung und Pharmaindustrie“, wie es in der Beschreibung zum Film „Das Wunder von Mals“ (1,5 Stunden) heißt. Vor dem Kauf geben zwei Trailer Einblick.

Das dem Film vorangehende Buch von Alexander Schiebel „Das Wunder von Mals“ beschreibt, „Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet“ und ist ein Stück weit als „Eine Anleitung zum Widerstand“ gemeint. In Druck gebracht wurde es mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion Anfang 2015 und erschien 2017. In unserer Imker-Bibliothek ist es vorhanden und kann ausgeliehen werden. Es ist eigentlich keine Dokumentation, vielmehr ein Krimi, der den Puls höher schlagen lässt. In der Ich-Form erzählt, lässt er uns teilhaben am Kampf um eine pestizidfreie Region, aber auch um den persönlichen, fast täglichen Einsatz für eine Art „Selbsterschaffung“.

Der Kampf geht allerdings noch weiter. Wegen der Aussage „Pestizide töten“ wurde der Organisator des Widerstands, Alexander Schiebel, „vor Gericht gezerrt“ in dem Versuch, ihn „mundtot zu machen. Doch „fast eine halbe Million Menschen unterschrieb Petitionen bei Change.org, Campact und WeMove“ und so wurde er „noch vor der Beweisaufnahme vom Vorwurf der üblen Nachrede freigestellt.“ Doch mit im Boot sitzt der Umweltaktivist Karl Bär, bei dem im Oktober weiterverhandelt werden soll.

Über all das entsteht ein neuer, 90-minütiger Kinofilm: Der Prozess. Mit der Kamera werden sie sich zur Wehr setzen mit dem Ziel, „dass die Konzerne das Mittel der Willkürprozesse in Zukunft nicht mehr einsetzen können“. Um den Film zu stemmen ist eine erneute Crowdfunding-Aktion unter gofundme im Gange. Über 34.000 Euro von 47.000 sind bereits eingefahren. Bienen-in-Bamberg.de hat sein Schärflein beigetragen. Und ihr?! Macht mit, denn das Schicksal der Malser im Vintschgau kann uns allen neue Pfade zeigen. Wir sind es der beliebten Urlaubsregion so vieler Deutscher auch irgendwie ein wenig schuldig.

Bienenspaß zum Wochenende

Eigentlich wollte ich systematischer bei Florian Kiesow, alias Varion nach Jokes zur Biene und Wespe suchen. Doch das überlassen wir jetzt unseren Blogleser/innen, die uns ihr Fundstück in den Kommentar oder zumailen können. Habt Spaß!

Rezensierte Linktipps: Pflanzendatenbank und Bußgeldkatalog Insekten

Zwei Linktipps fanden nach eingehender Prüfung Eingang in unsere Seite Literatur und Links, die euch bei der Vielzahl von Quellen zur Seite steht. Sie wird fortlaufend gepflegt und ist unser persönliche „Best of Informations“.

Neuzugang 1:

  • NaturaDB – die besten Pflanzen für deinen Garten. Pflanzen per Kategorien und Filter finden. Maseto.

Die Datenbank

Die Suche ist einfach und die Filtermöglichkeiten äußerst vielseitig, bspw. nach Lichtverhältnissen, Bodenbeschaffenheit, Höhe und Breite der Pflanzen, Blühzeit in Monaten, Blütenfarbe (sogar nach apricot und silbergrau!) und Sonstiges wie heimisch, essbar, kübelgeeignet, kletternd, insektenfreundlich, duftend oder wintergrün.

NaturaDB schrieb uns zu ihrem Linktipp: „Ich möchte mich persönlich für die Informationen auf Ihrer Webseite (https://bienen-leben-in-bamberg.de) sowie für die Zusammenstellung interessanter Weblinks bedanken. Auf jeder Seite lernt man etwas Neues dazu.

Ich selbst betreibe mit Kollegen, Familie und Freunden unter https://www.naturadb.de/ eine Pflanzendatenbank für Gärtner, an der wir gemeinsam täglich weiterarbeiten.
Wir wollen das Auffinden von Pflanzen erleichtern, die einen ökologischen Wert für unsere heimische Natur haben.“

Ist euch gelungen! Die noch fehlenden Fotos werden sicherlich nach und nach ergänzt werden. Vielleicht lässt sich das sogar gemeinsam machen? Unseren Segen, aus unseren Seiten Fotos zu plündern (bei hinterlegter Namensnennung in der Imagedatei), habt ihr. Wie wär’s beispielsweise mit dem Echten Gamander ‚Album‘?Echter Gamander, Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys 'Album') im Schau-Staudenbeet 2 des Bamberger Bienengartens

Die Seite: Gartenthemen „Wildbienenpflanzen“

NaturaDB: „So zeigen wir beispielsweise auf folgender Übersicht wildbienenfreundliche Pflanzen, angereichert mit wichtigen Daten: https://www.naturadb.de/themen/wildbienenpflanzen/

10 Punkte im Kaptitel „Das Wichtigste auf einem Blick“ offerieren, auf was es bei den Wildbienen ankommt.

Der Punkt „Die Flugstrecken dazwischen sollten möglichst kurz sein.“ will sagen, dass Wildbienen meist auf sehr engem Raum (70 bis max. 700 m) alles vorfinden möchten, was ihr Leben ausmacht, nämlich Brut- und Nistplatz und Nahrung. Eine Nisthilfe nützt beispielweise gar nichts, wenn die nächste geeignete Pflanze für die oft nahrungspezialisierten (oligolektischen) Wildbienenarten 1 Km weit entfernt ist!

Im Anschluss an die Punkte finden sich innerhalb der Sequenz „Bienenfreundliche Pflanzen“ etliche Unterkapitel  wie „Wildbienenfreundliche Stauden und Blumen“; „Obststräucher & Bäume für den Garten“, „Kräutergarten für Wildbienen“; „Wildbienenpflanzen für den Balkon“; „… Nutzgarten“ etc.

„Das Wildbienenjahr im Überblick“ geht in Zweimonatsschritten vor und referenziert am Ende steckbriefartig alle Pflanzen zum Thema Wildbienen.

Fazit: Also, komfortabler geht’s praktisch nicht. Die Datenbank ist super gemacht und auch die herausgegriffenen Einzelthemen sind umfassend dargestellt und unterfüttert mit relevanten Inhalten aus der Datenbank. In NaturaDB steckt viel, viel kompetente Arbeit und Herzblut drin! Dank an Markus Wichert, Sebastian Hadj Ahmed und Thomas Puhlmann!

Neuzugang 2

Der VFR-Verlagspressesprecher schrieb: „Auch wenn Insekten sehr lästig sein können und oftmals nicht zu den beliebtesten Tierarten gehören, werden sie zum Teil dem Artenschutz zugeordnet. Daher ist es wichtig, zu wissen, warum man sie nicht einfach töten darf und wie man anhand einiger Praxistipps Insekten schützen kann. Dies und andere nützliche Informationen, finden Sie in unserem kostenlosen Ratgeber zum Thema “Rote Liste der Insekten”.

Wir vom Verlag für Rechtsjournalismus haben diesen Ratgeber vor Kurzem veröffentlicht, um interessierte Bürgerinnen und Bürger u.a. über folgende Sachverhalte zu informieren:

  • Welche Insekten stehen unter Artenschutz? 
  • Welche Insekten sind vom Aussterben bedroht?
  • Warum sind Insekten so wichtig?
  • uvm.

Die Liste ergänzend fanden wir auch den Beitrag „Sind Insektenvernichterlampen erlaubt?“ aufschlussreich. Um es kurz zu sagen: Nein, sind sie nicht.

Wer sich eingehender mit dem Tierschutz einzelnen Arten befassen möchte, folgt den Links unter „Informationen zum Tierschutz bei einzelnen Insekten“, wie „Biene“ oder „Bienen töten“, „Hornisse“, „Hummel“, „Käfer“, „Mücken töten“, „Schmetterling“ und „Wespe“.

Fazit: Im Bußgeldkatalog „Rote Liste der Insekten“ geht es nicht nur um die teils drastischen Strafhöhen, die den Wert unserer Insekten- und Käferwelt zeigen. Vielmehr noch geht es um grundlegende wie weiterführende Informationen, WARUM das so ist. Dies trägt in hohem Maße zu einem Verständnis der für manche als Plagegeister verschrieenen Krabbelwelt bei. Sehr aufschlussreich und lobenswert!

Kostenlose Unterrichtsmaterialien zu Bienen als heißer Tipp zum Schulanfang 2021/22 in Bayern

Gut gemacht und das auch noch kostenlos erhältlich sind die Unterrichtsmaterialien „Biene & Bildung (Aurelia) des MINT-Zirkel.

„Mit Bienen große und kleine Fragen stellen“ so der Untertitel, und „Lasst euch inspirieren!“. Weiter heißt es: „Das Gemeinschaftsprojekt der Software AG – Stiftung, der Aurelia Stiftung und Klett MINT erkundet auf anregende Weise die vielfältigen Bezüge zwischen Bienen und Bildung.“

Vorgestellt werden ein Fachbuch „Inspiration Biene“ (ISBN 978-3-942406-39-0) und Unterrichtsmaterialien im PDF-Format. Sie wenden sich an verschiedene Klassenstufen und Fächer. Die Themen wurden jeweils von Autor(inn)en aus der gesamten Bunderepublik erstellt.

  1. Der Mythos der Biene
  2. Der Jahresrhytmus des Biens
  3. Wenn der Winter einzieht
  4. Wie tickt das Bienengehirn?
  5. Vergleich von Sinnen
  6. Die Laufbahn einer Arbeitsbiene
  7. Zu Gast im Wildbienenhotel
  8. Wachstafeln
  9. Die Cleverness der Bienen
  10. Duftend-leuchtende Naturschönheiten
  11. Schwarm sucht Wohnung
  12. Wunderwerk Wabenbau
  13. Bienenlyrik – Hautflügelnah
  14. Kalendervorlage zu Bienenlyrik
  15. Mit Honig backen
  16. Biochemie und Honigbienen
  17. Der Sound des Bienenschwarms
  18. Jede Biene zählt
  19. Ohne Bienen keine Äpfel
  20. Nisthilfen für Wildbienen

Letzteres Material stammt von unserer Gewinnerin des Bienenstadt-Bamberg-Umweltpreises 2019, Dr. Yelva Larsen (Uni Bamberg) in Zusammenarbeit mit Joachim Langstein und ist für den Biologieunterricht gedacht. Es soll Schüler(inn)en zur Bürgerwissenschaft (Citizen Scientist) anregen. Die 27 Seiten mit Arbeitsblättern und didaktischen Hinweisen sind optisch wie inhaltlich hochwertig gestaltet. Für Interessierte empfehlen wir außerdem die Homepage der Initiative „UniBienen“.

Kostenfreie Honiganalysen für Regionen mit Thiamethoxam gebeiztem Zuckerrübensaatgut

Zuckerrübenanbauer gehen heuer von einer reichen Ernte aus¹. Ausreichend Regen im Wechsel mit Sonnenschein trug dazu bei. Laut Fred Zeller, Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Zuckerrübenanbauer (VSZ), habe aber auch der Einsatz von neonicotinoid-gebeiztem Rübensaatgut gegen Blattlausbefall geholfen¹. Verschiedene Anbauregionen erhielten zu diesem Zweck eine Notfallzulassung für das Insektizid mit dem Wirkstoff Thiamethoxam. So auch Oberfranken mit der Region Bamberg.

Bild von AlkeMade auf Pixabay

„Des einen Freud, des anderen Leid“

Aufgrund der Risiken für Honig- und Wildbienen sind in Deutschland Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Thiamethoxam generell nicht mehr für Freilandkulturen zugelassen². Die Hintertür heißt: Notfallzulassungen in Ausnahmefällen.

Bayern: Kostenfreie Honiganalysen auf Neonicotinoide

Bayerische Imker und Imkerinnen in den Regionen, in welchen eine Notfallzulassung von Thiamethoxam genehmigt wurde, können im Jahr 2021 ihren Honig auf Rückstände von Neonicotinoiden inklusive Thiamethoxam beim Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. durchführen lassen³. Die Analyse ist vollständig aus Fördermitteln des Freistaates Bayern finanziert. Die Kostenübernahme ist in 2021 auf eine Probe pro Imker/in beschränkt!

Betrifft mich das?

Voraussetzung für die kostenlose Untersuchung ist, dass im Flugbereich der Bienen mit Thiamethoxam gebeiztes Zuckerrübensaatgut ausgebracht wurde. Doch wie erfährt man davon? Reinhold hat sich als Bienensachverständiger genauer erkundigt und erhielt eine Liste mit Aussaatflächen in Oberfranken. Sie kann hier bei uns heruntergeladen werden:

Mit der 10-stelligen „FID-Nr. DEBYLI“ aus der obigen Liste kann im „Kartenviewer Agrar“ des Informationsportals „ibalis“ die entsprechende Fläche auf einer Karte visualisiert werden. Die Anleitung für den Kartenviewer kann hier heruntergeladen werden:

Warum ist Thiamethoxam für unsere Bienen gefährlich?

Laut Untersuchungen des Bienenforschers Prof. Randolf Menzel4 beeinträchtigen Neonicotinoide das Gehirn von Wild- wie auch Honigbienen. Davon betroffen ist beispielsweise auch das Ortsgedächtnis der Bienen. Sie finden oftmals nicht mehr in den Stock zurück.


¹Zuckerrübenanbauer rechnen mit guter Ernte. BR24 Newsletter vom 30.8.2021. (Zugriff: 5.9.2021)

²Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (22.8.2018). Widerruf der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln mit den neonikotinoiden Wirkstoffen Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zum 18. September 2018. (Zugriff: 5.9.2021)

³Schierling, A. (19.3.2021). Notfallzulassung Cruiser 600 FS: Saatgutbeizung bei Zuckerrüben – kostenfreie Honiganalyse. Tiergesundheitsdienst Bayern e. V. (Zugriff: 5.6.2021)

4Unsere Projekte aktuell: Neonicotinoid-Wirkung auf Gedächtnisbildung und -abruf von Hummeln. Aurelia Stiftung. (Zugriff: 5.6.2021)

Faustregel der Landwirtschaft: 3 gute, 3 mittelmäßige, 3 schlechte … und ein Katastrophenjahr

Österreich muss es ja wissen, schließlich ist es ein von der Landwirtschaft geprägtes Land. Reinhold brachte damals von seinem Meisterkurs diese Faustregel mit nach Hause: In der Landwirtschaft müsse man im Schnitt mit drei guten, drei mittelmäßigen, drei schlechten und einem Katastrophenjahr rechnen und entsprechend Rücklagen bilden.

Heuer scheint es in vielen Regionen Bayerns in Sachen Imkerei eines dieser verlässlichen Katastrophenjahre zu sein. Den Meldungen in diversen Foren und Publikationen zufolge sind in Bayern nur die Oberpfalz und Teile Oberfrankens davon verschont. Der Rest muss mit mageren Ernten bis hin zu Totalverlusten rechnen. Diejenigen von uns, die Ernten dürfen, kämpfen mit einem erhöhten Wassergehalt des Honigs.

Was ist der Grund für das Kastrophenjahr?

Ein sehr später Frühling und ein Frühsommer mit vielen Regentagen ließ die Völker nicht so stark in der Entwicklung werden wie üblich. So konnte zur ersehnten Blütezeit weniger eingetragen werden, was auch der Bestäubungsleistung sicherlich nicht zuträglich war. Zwei Wochen ist die Bienen- und Honigentwicklung im Verzug und die Natur holte hier auch nicht auf, wie sie es sonst oft so gut vermag.

Ernte Buger WiesenUnser üblicher Erntezeitpunkt ist aufgrund der Imkerkurse und Veranstaltungen mit Bienenpat(inn)en wie auch der öffentlichen Honigernte im Voraus festgezurrt, und zwar zwischen dem Ende der 27. Kalenderwoche bis Ende der 30. KW. Gleich bei der ersten Ernte nieselte es, doch ein Verschieben war aus organisatorischen Gründen schlicht nicht möglich.

Dem schließen sich Arbeiten wie Varroakontrolle und -behandlung und Einfütterung an, was sich nicht ohne Weiteres verschieben lassen. Wir kommen sonst mit der zweiten Varroabehandlung zu sehr in den kühlen Herbst, was die Wirksamkeit der Mittel herabsetzt. Die Tage werden zu kurz, die Nachtkühle untergräbt unsere Bemühungen um eine Eindämmung der Varroamilbe.

Also Ernte jetzt. Die häufige Gewitterlage allerdings ließ die Raumfeuchte auf meist über 70% steigen. Besser wären 60%, doch die hatten wir anfänglich nie.

Wassergehalt im Honig

Laut Deutscher Honigverordnung dürfen 20% Wassergehalt im Honig nicht überschritten werden. (Die Richtlinien des Deutschen Imkerbundes schreiben für seine Lizenznehmer/innen 18% vor.) Alles, was darüber ist, macht den Honig weniger lange haltbar, da Bakterien und Pilze Wasser zum gedeihen brauchen. Die Honigfeuchte ist kaum ein Problem, wenn man vollständig entdeckelte Honigwaben entnimmt. Die Bienen wissen schon, ab wann ihr Honig fertig zur Lagerung ist.

Honigernte Bamberger Lagenhonig der Lage Villa Dessauer 2020Entnehmen wir noch nicht vollständig entdeckelte Waben, wird am Standort eine sogenannte Spritzprobe vorgenommen. Mit einer kurzen, heftigen Abwärtsbewegung der Wabe wird geprüft, ob sich Tröpfchen lösen. Ist das der Fall, verbleibt die Wabe in der Beute.

Wassergehalt messen mit dem RefraktometerMit einem Refraktometer – am besten mehrmals in verschiedenen Verarbeitungsstadien – wird der Wassergehalt gemessen. Die Stunde der Wahrheit ist kurz vor dem Abfüllen. Das erste Mal seit zehn Jahren betrug eine Ernte aus insgesamt 8 Standorten 21%. Es war die gleich zu Beginn ausgeführte, alle anderen waren von Mal zu Mal trockener.

Was tun bei zu feuchtem Honig?

An Lufttagen abfüllen

Wir ließen den Honigtopf einige Tage lang stehen und warteten auf sogenannte „Lufttage“. Es ist die kurze Zeitspanne von zwei bis drei Tagen, während der der Mond in den Tierkreiszeichen Zwilling, Waage oder Wassermann steht. Dann ist die relative Luftfeuchte im Raum am geringsten. Auch Wärmetage (Löwe, Schütze, Widder) sind geeignet. Da eine Mondphase 28 Tagen beträgt und somit der Mond etwa zwei- bis dreimal eines der 12 verschiedenen Zeichen geht, mussten wir also nicht lange warten. (Hier ein von uns gern genutzter Mondkalender). Auch ist das Abfüllen in diesem Falle bei abnehmenden Mond um Längen besser als etwa bei Vollmond.

Trockenmittel einhängen

Ihr kennt das sicherlich alle. Wir kaufen uns eine Tasche und finden kleine, meist weiße Vließpäckchen als Trockenmittel vor. Sie enthalten Salze, um im feuchten Schiffscontainer Schimmelbildung zu verhindern. Wer diese sammelt, statt achtlos wegzuwerfen, hat ein Rettungsmittel in der Hand. An einer Schnur befestigt saugen diese nun Flüssigkeit auf. Wer mehr davon hat, als Girlande von Rand zu Rand hängen. Gut festbinden, damit sie nicht reinfallen!

Honigtopf mit Zellstoff abdecken

Statt den Deckel aufzusetzen, hatten wir zwei Lagen Zellstoff („Zewa“) verwendet. Auch hier ist die Kunst, das Papier nicht in den Topf reinfallen zu lassen. Honigtöpfe mit Spanngurt verhindern dies. Bei den anderen helfen Klebetreifen und Klammern, beispielsweise Pflanzenclips.

Weitere Methoden

So gelang es uns, den Feuchtegehalt auf unter 20% zu drücken. Glück gehabt! Ansonsten hätten wir zu weiteren Maßnahmen greifen müssen. Hier die Ratschläge auf der Webseite der LWG „Problem: Zu hoher Wassergehalt im Honig!“.

Manche empfehlen, einen Luftentfeuchter im Raum aufzustellen. Andere greifen zum Föhn, der allerdings nicht auf eine heiße Stufe gestellt werden darf, da er sonst die Qualität des Honigs vermindern würde.

Wenn alles nichts bringt, dann als Backhonig (bis 23%) verkaufen oder am besten innerhalb eines Jahres bei Kühlstellung selbst verbrauchen. Auch möglich: Mit etwas Wasser vermischt an die Bienen verfüttern. Natürlich nur Abends, ansonsten ist Räuberei sicher.

Übrigens: Bienen trocknen den Nektar bzw. Honig, indem sie ihn von Mäulchen zu Mäulchen geben und sogar wie ein Handtuch zwischen den Wabenzellwänden aufhängen. Mit ihren Flügeln sorgen sie für Windzufuhr, sie föhnen ihn also ebenfalls. Vielen Dank für all eure Mühen, liebe Bienen! Wir wussten es in diesem Katastrophenjahr sehr zu schätzen!

Logische Konsequenz des Katastrophenjahrs

Honigbrot, Foto: Brigitte HofmannAufgrund des allgemein schlechten Erntejahres müssen wir unseren Honigpreis heuer erhöhen. Das 500g-Glas Bamberger Lagenhonig kostet in der neuen Ernte € 7,70. Das 250g-Glas hingegen bleibt beim alten Preis von € 4,70.

Wir werden so oder so nicht lange auf unseren Ertrag sitzen bleiben. Bei 37 Bienenpatenschaften, die jeweils 1 Kilo als Dankeschön für ihre Unterstützung erwarten dürfen, sind wir mehr als einen Honigtopf auf einmal los. Etliche Vorbesteller/innen warten ebenfalls freudig auf Nachschub und auch die Stiftsläden möchten bedient werden. Alles in allem – wir sind nicht abhängig vom Honigverkauf, wohl aber von der Blütenbestäubung. Wir hoffen, die Wildbienen und andere Insekten konnten die Zig-Milliarden Besuche der Zig-Millionen Bienenbesuche auffangen!

Korr. 01.08.21

Rezension Ofring/Walczyk: „Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!“

Cover Oftring, Walczyk: Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!Besonders viele Bilderbücher für das Vorschulalter zu Wildbienen sind gerade nicht auf dem Markt. Da schließt der Titel aus dem Gerstenberg-Verlag „Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!“ eine echte Lücke. Wie bereits der Titel verrät, ist es ein sachlich orientiertes Buch, außerdem mit 40 Seiten inklusive angefügter Ausklappseiten doch recht umfangreich. „Ab 4 Jahre“ lautet die Verlagsempfehlung, und für Jüngere würde ich das Buch schon mal rein haptisch und auch von den Satzlängen her nicht einsetzen. Die wenige Male abgebildeten Kinder werden von mir als etwa Sechsjährige eingeschätzt.

Themenschwerpunkt „Mauerbiene“

Bärbel Oftring, die Verfasserin, konzentriert sich thematisch auf Mauerbienen. Sie leben in einer Wildbienen-Nisthilfe in Form von Bambusröhrchen, die auch jüngere Kinder gut alleine herstellen können. Das alleine füllt natürlich nicht alle Doppelseiten. Vielmehr dominieren jahreszeitliche Beobachtungen, die an dieser Art der Nisthilfe möglich sind. Außerdem führt Oftring punktuell weitere Insekten wie die Löcherbiene, die Honigbiene und Hummeln und einige weitere Arten ein. Da im Winter in Sachen Insekten nicht viel los ist, werden zudem Vögel erwähnt, die man füttern sollte.

Tatsächlich wird die eigentliche Bauanleitung erst am Buchende präsentiert. Das Buch schließt mit einem Steckbrief, dem Jahreslebenslauf und einer Grafik zum Lebenszyklus der Gehörten Mauerbiene. Außerdem werden drei Bände mit dem Reihentitel „Schau mal, ein(e) …[Marienkäfer, Schnecke, Spinne]“ beworben, die in gleicher Weise gestaltet sind wie das vorliegende. Diesen Reihentitel halte ich in Anbetracht dessen, dass überwiegend „geschaut“ und weniger gebaut wird, für eher passend.

Cover Oftring, Walczyk: Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!Kommen wir noch einmal kurz auf die Seitengestaltung zu sprechen. Hinter den ausklappbaren Halbseiten verbergen sich viele zur Haupterzählung passende und sehr detaillierte Informationen. Diese ermöglichen es den Vorlesenden, auf eventuelle Fragen der Kinder gut zu antworten. Es ist sozusagen ein Sachbuch im erzählenden Bilderbuch. Gute Idee!

Meisterhafte Illustrationen

Jana Walczyk, die Illustratorin, ist eine Meisterin des feinen Pinselstriches, die es offenbar nicht müde wird, Härchen um Härchen der hübschen Insekten zu zeichnen oder Strukturen von Blättern, Bambusröhrchen, Fetthennenblüten bis hin zu Putzbörstchen detailgretreu abzubilden.

Farblich überzeugt mich ihre Kunst durch authentische, frische Wiedergabe der großen Buntheit der Natur, die sowohl großflächig als auch im winzigen Haarkleid der Löcherbienen zu finden ist. Die Wespe gar wirkt wie fotografiert, den feinen Pollen vermag ich fast zu riechen und die (dezente) Paarung der Mauerbienen ist eine Glanzleistung in vielen Brauntönen. Dass die Zeichnungen auch strenger fachlicher Beurteilung stand halten, das ist beispielsweise an der Blauschwarzen Holzbiene zu erkennen, die sich im Blauregen und damit ihrer bevorzugten Pflanzenart, den Schmetterlingsblütlern, aufhält.

„Eierlegende Wollmilchsau“

Der berühmten „eierlegenden Wollmilchsau“ kommt dieser Band schon recht nahe. Es wird eine thematisch durchgängige, den Jahreszeiten folgende Grunderzählung präsentiert, die sprachlich zwar durchaus anspruchsvoll für die anvisierte Zielgruppe der Vorschulkinder ist, doch nicht zu sehr ausufert. Sachliche Informationen, die die Kinder ernsthaft an die Hand nimmt, sind durch wunderschöne, bunte und detailgetreue Zeichnungen nachvollziehbar und ergänzen als berührender, emotionaler Gegenpart.

Erwachsene bleiben bei diesem Buch in ihren Erklärungsversuchen angesichts der komplexen Insektenwelt nicht hilflos Antworten schuldig. So würde ich den inspirierenden Band sogar in den Grundschulunterricht mit einbauen und – ja, genau! – tatsächlich ein weiteres von den im Grunde überflüssigen Nisthilfen bauen! Denn Wildbienen-Nisthilfen, sofern richtig bestückt, dienen nur einem Bruchteil der ohnehin eher weniger gefährdeten Arten. Doch sollte ein gewisser pädagogischer Effekt nicht ausbleiben, wenn wir uns mit Augen, Ohren, Nasen und einem guten Bildband wie diesen in Händen tiefergehend mit Bienen aller Art beschäftigen und sie unserem Nachwuchs nahe bringen. „Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!“ ist eine sehr gute Wahl dafür!


Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene! / Oftring, Bärbel (Verfasser), Walczyk, Jana (Illustrator). 1. Aufl. Hildesheim : Gerstenberg, 2021. 40 S. ISBN 978-3-8369-6098-4

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek / Kinderbücherkiste!

Monatsbetrachtungen Juli 2021 zu Bienen und Imkerei

Übersicht

Honigernte

Trachtschluss

Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Honigernte? Trachtschluss ist in unserer Region Bamberg in der Regel spätestens im Juli um die Monatsmitte mit der Lindenblüte. Gut verfolgen lässt sich das Ende der Tracht mittels der Bienen-Waagen im Projekt TrachtNet. Dort können die Gewichtswerte von Bienenvölkern kumuliert für Regionen oder auch für einzelne Standorte eingesehen werden: https://dlr-web-daten1.aspdienste.de/cgi-bin/tdsa/tdsa_client.pl

Bienenflucht

Reinhold erläutert Funktion BienenfluchtFür eine entspannte Ernte verwenden wir eine Bienenflucht. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Königin nicht im Honigraum aufhält. Mit ein Grund, warum wir Bruträume und Honigräume mittels Absperrgittern trennen.

Die Bienenflucht wird am Vortag der Ernte morgens unter die Honigräume und über das Absperrgitter eingelegt. Am nächsten Tag sind dann die Honigräume weitgehend frei von Bienen. Das ist schonender als mit Abkehrbesen zu arbeiten.

Ausgeschleuderte Honigwaben

Jedes Volk bekommt nach dem Schleudern eine Zarge aufgesetzt, gefüllt mit zehn ausgeschleuderten Waben. Vorher wird das Absperrgitter entnommen. Die Zarge bildet also sozusagen die dritte Brutraumzarge. Damit beginnen wir mit dem ersten Schritt zur Wabenhygiene. Mehr dazu in den Monatsbetrachtungen im August.

Foliennutzung beim Einfüttern der BienenvölkerDie restlichen leeren Honigwaben werden einigen unserer anderen Völkern zum reinigenden Ausschlecken gegeben. Dazu wird eine Folie auf die oberste Zarge so aufgelegt, dass ein schmaler, wenige Zentimeter breiter Spalt frei bleibt. Darauf kommt eine Leerzarge. Hierauf werden dann die Zargen mit den ausgeschleuderten Honigwaben aufgestapelt. Diese Zargen werden nur mit 8 Waben bestückt. Nach ein paar Tagen bis spätestens einer Woche sind die Waben trocken geputzt und fertig für die Aufbewahrung über den Winter. So behandelt können die Waben nicht gärig werden und bei der Wiederverwendung im nächsten Jahr den frisch eingetragenen Nektar mit unerwünschten Hefen impfen.

Um Räuberei zu vermeiden geschieht das Aufsetzen der ausgeschleuderten Waben grundsätzlich in den Abendstunden.

Futterversorgung sicherstellen

Bei der Honigernte muss darauf geachtet werden, dass den Völker noch mindestens fünf Kilogramm Futter als Vorrat bleibt.  Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bienen hungern. Sie stellen dann das Brutgeschäft ein und räumen bereits angelegte Brut wieder aus. Gegebenenfalls belässt man noch nicht gänzlich gefüllte Honigwaben im Honigraum oder es muss gefüttert werden.

Varroabehandlung – jetzt oder später?

Gemülldiagnose

Grundlage für jede Varroabehandlung bildet immer die Feststellung des aktuellen Varroabefalls. In der Praxis hat sich dazu die Gemülldiagnose mittels Einlegen einer Windel gut bewährt. Die Windel wird nur zur Diagnose eingeschoben und danach wieder entfernt. Die Erfassung des Milbenabfalls über drei Tage liefert zuverlässige Werte. Bleibt die Windel länger eingeschoben, erschweren Wachskrümel das Auszählen der Milben. Zudem werden Ameisen angelockt. Wegen der Wachskrümel empfiehlt es sich, während der Gemülldiagnose auch keine frisch ausgeschleuderten Honigwaben von den Bienen reinigen lassen.

Windel mit eingezeichneten VarroamilbenAusgewertet werden die Windeln am besten vor Ort. Gezählt werden sowohl die dunkelbraunen Muttermilben, als auch die helleren Tochtermilben. Um keine Milben zu übersehen, kann eine Lupe oder Lupenbrille sehr hilfreich sein. Aus Umweltschutzgründen verzichten wir auf ölgetränkte Papierauflagen auf den Windeln. Die Gemülldiagnose führen wir kurz vor oder spätestens zur Honigernte durch.

Jetzt oder später?

Basierend auf den Ergebnissen der Gemülldiagnose entscheiden wir, ob umgehend eine Varroabehandlung durchgeführt werden muss. Dabei orientieren wir uns an den für Juli geltenden Grenzwerten des Milbenfalls von fünf  Milben pro Tag für heuer gebildete Ableger und von zehn Milben pro Tag für die bereits über einem Jahr alten Wirtschaftsvölker. Liegen die Werte unterhalb dieser Grenzen, können wir mit der standardmäßigen Sommerbehandlung mittels Ameisensäure noch bis August bei den Wirtschaftsvölkern und bis September bei den Ablegern zuwarten.

Bei der Behandlung mit Ameisensäure gilt, dass je mehr Bienen und Brut in den Völkern (noch) sind, desto schwieriger ist ein ausreichender Behandlungserfolg zu erzielen und desto höher fallen die Brutschäden aus. Die Ableger befinden sich nämlich noch im Aufbau und eine (zu) frühe Behandlung hemmt deren Entwicklung. Die Wirtschaftsvölker werden natürlich immer erst nach dem Abräumen des Honigs behandelt!

Fazit

Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass die Varroabehandlung am individuellen Befall eines Volkes mit Milben ausgerichtet sein soll. Dazu ist eine Diagnose unerlässlich. Eine vorbeugende Behandlung zu einem festgesetzten Termin, wie immer wieder mal gefordert wird, halten wir nicht für den richtigen Weg. Bestätigt wurden wir unlängst in der Fortbildung des Instituts für Bienenkunde zur „Varroabehandlung mit Biotechnik“.

Weitere Informationen

Flyer LWG zur VarroaZu Varroabehandlung siehe auch die Flyerserie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Institut für Bienenkunde:

Fortbildungen und Termine

Logo BLIB-Imkerkurs für Anfänger7. + 8. MODUL: Honigernte und -verarbeitung
– Getrennte Gruppen –
Jeweils 10.00-11.30 Uhr und 12.00-16.00 Uhr

Fr., 09.07.21 | Sa., 10.07. | Sa., 17.07. |
Sa., 24.07 | Sa., 31.07.

Gruppeneinteilung mit Terminen sind für Angemeldete in der Kursorganisation zu finden.

  • So., 18.07.21 – BIWa-Sonntagsöffnung

    Logo "Alle Themen" der Bienen-InfoWabe (BIWa)Logo für alle Schwerpunktthemen (= Bienen, Honig, Imkerei, Natur) der Bienen-InfoWabe14.00 – 17.00 Uhr |
    Offenes Haus für alle
    … rund um Bienen, Honig, Imkerei und Natur.
    Was? Informationen für Groß und Klein, Beratung für Jungimker/innen und Fachgespräche für alte Hasen. Nutzung der Imker-Bibliothek.
    Für wen? Ohne Altersbeschränkung
    Kosten? Keine, über Spenden freuen wir uns
    Wo? Bienen-InfoWabe, Bienenweg 1, 96047 Bamberg (Erba-Park)

  • Logo "Alle Themen" der Bienen-InfoWabe (BIWa)Logo für das Schwerpunktthema Honig der Bienen-InfoWabe11.-23.07.21 – Honigschleudertage 2021 – “Wie kommt der Honig ins Glas?”
    Details und Anmeldung siehe hier: https://bienen-leben-in-bamberg.de/bamberger-lagenhonig/honigernte-und-schleudertermine/

Paravent im Kamishibai-Prinzip als Methode im Schulbienenunterricht

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeDas Kamishibai, also der Märchenbilderschaukasten, hat sich in vielen schul- und medienpädagogischen Bereichen seinen Platz auch in Europa erobert. Die ursprünglich in Japan in Form eines Papiertheaters eingesetzte Methode des Märchenerzählens fußt in der modernen Version auf einen Rahmen, dem Bildkarten eingesteckt werden, die von einer Erzählung begleitet sind. Ältere von uns kennen das System auch in Form von Dia-Geschichten, oft als Veranstaltungsreihe in Bibliotheken angeboten. Unser neu angeschaffter Paravent greift diese Methoden auf.

Methodischer Einsatz

Der Bilder-Paravent erleichtert den Einstieg in den Schulbienen-Unterricht für junge wie auch ältere Kinder. Denn die Motive, die wir in den 20 quadratischen Sichtfenstern einsetzen, sind kindgerecht UND modern gehalten. Sie entstammen einem ausgedienten Kalender, der auf dem Bilderbuch von Piotr Socha: Bienen“ basierte.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeLineares Vorgehen

Schrittweises Auf- und Wegklappen

Die Sichtfensterrähmchen lassen sich umdrehen, so dass man mit einem Bild und einer kurzen Erzählsequenz beginnen kann und nach und nach die nächsten Bildmotive öffnen, bis zum Schluss alle sichtbar sind. Man könnte auch das vorangegangene Motiv wieder verschwinden lassen, um die Konzentration auf das aktuell begleitete Motiv zu erhalten. Also je nach didaktischem Ziel.

Buchstabieren

Gut funktioniert das System auch zum Buchstabieren und Silbentrennen bei schwierigen oder unbekannten Wörtern, bspw. Facettenaugen, Pollenhöschen, Varroamilbe und Wespentaille. Dazu werden die entsprechenden Buchstaben in die Fenster eingeschoben.

Nachdem die Wörter alle buchstabiert sind, werden die Fensterchen wieder bis auf den ersten Buchstaben eines jeden Wortes umgedreht. Jetzt sagen die Kinder die kommenden Buchstaben an.

Umgedreht wird nur der Buchstabe, der tatsächlich richtig genannt wurde. So könnte es aussehen: Fa?et?enauge. Die Kinder raten nun so lange weiter, bis jedes Fensterchen umgedreht ist.

Lückentext

Den Schwierigkeitgrad der vorangegangenen Übung kann man natürlich steigern. Dazu zeigt man lückenhaft nur wenige Buchstaben und das gesuchte Wort will erraten werden. Dabei kann man durchaus auch ungeübte, neue Begriffe einführen.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeVernetztes Vorgehen

Suchen & Finden

Es gilt, zwei sich ähnelnde Motive oder ein Themencluster zu entdecken. Hierfür werden alle Motive, die NICHT für die Lösung in Frage kommen, weggedreht, so dass am Ende die richtigen Motive übrigbleiben.

Beispiel: Suche alle Motive, …

  • … auf denen außer Bienen noch andere Tiere zu sehen sind (Ähnlichkeiten)
  • … auf denen Pflanzen oder nur Blumen, oder nur Blätter und Bäume, oder nur Menschen etc. zu sehen sind (Ähnlichkeiten)
  • … die als Material in der Imkerei eingesetzt werden (Themencluster)
  • … die es heute nicht mehr gibt, sich also auf die frühe Geschichte der Bienen und der Imkerei beziehen (Themencluster)

Memory

Die Kinder prägen sich im Anschluss an die Erzählung (s. o. unter Lineares Vorgehen) die Motive noch einmal gut ein. Sodann wird gemeinsam das Buch von Piotr Socha aufgeblättert und nach den im Paravent verwendeten Motiven gefahndet. Sobald ein entsprechendes Motiv gefunden wurde, versuchen die Kinder, es auf dem Paravent zu orten. Da die Fenster mittlerweile umgedreht wurden, ist das gar nicht so einfach.

Es werden also die drei wahrscheinlichsten Treffer bestimmt, um das Fensterchen wieder umzudrehen. Also z. B. Reihe 1, Fenster 3 ODER Reihe 2, Fenster 5 ODER Reihe 2, Fenster 6.

Bei einer größeren Menge an Kindern bilden sich am besten mehrere Gruppen, die IHREN Fundort vertreten. Die Kinder aus der Gruppe erhalten einen kleinen Preis, z. B. eine aus einer Wachsplatte ausgestochene Biene.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeKreativ werden

Die Kinder gestalten eine eigene Motivwand. Möglichkeiten sind:

  • Jede Gruppe bekommt eine eigene Reihe (also 5x 4 Motive je Seite = max. 40 Motive) zu einem bestimmten, vorher festgelegten Thema (z. B. Bienenkörper, Blüten, Obst, Gemüse, Imkereiwerkzeug, Bienenwohnung, …) und zeichnet die erforderliche Anzahl an Bildern. Nach Fertigstellung wird die Reihe den anderen Kindern vorgestellt, indem die Motive mit ein paar kleineren Sachinformationen „garniert“ werden.
  • Zum Abschluss eines Unterrichts: Alle steuern ein Motiv zu einem oder mehreren Themenvorschlägen oder auch ganz ohne Vorgaben („Etwas, von dem ihr heute im Schulbienenunterricht gehört habt“) bei, bis die Motivwand gefüllt ist. Es kann etwas Selbstgezeichnetes sein, oder man stellt etwas zum Ausschneiden oder Ausmalen zur Verfügung.
    Die Kinder erhalten die Bilder natürlich mit nach Hause, falls sie es möchten. Vorher fotografieren wir sie alle ab.
  • Die Kinder wählen aus dem Paravent ihr Lieblingsbild aus. Es wird gefragt, warum es gerade dieses Bild gewählt hat, was ihm daran besonders gefallen hat. Im Anschluss können von den Kinder oder von uns ausgehend weitere Fragen gestellt und / oder ein paar Sachinformationen gegeben werden.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeParavent Kamishibai UnterrichtsmethodeZu guter Letzt …

Als Dekorationselement im Raum oder am Schaufenster lässt sich der Paravent natürlich ebenfalls benutzen. Zu diesem Zweck sind alle Bildmotive gleichzeitig zu sehen, oder auch nur das einheitliche Rückseitenmuster. Möglich wäre auch eine Fotogalerie aus Anlass einer Veranstaltung heraus, zum Beispiel als (Jahres-)Rückblick.

Wir sind gespannt, was wir mit unserem neuem Ausstattungselement alles anstellen werden. Wir freuen uns auf die Zeit nach Corona, wenn wir wieder Schulklassen begrüßen dürfen.

Rezension Markiewicz: „Was summt auf der Wiese?“ (Insekten-Stickeralbum)

Cover Was summt auf der Wiese? Stickeralbum arsEditionWas summt auf der Wiese? Jede Menge, wenn es nach der Illustratorin Izabelle Markiewicz geht. Sie erschließt uns in erstaunlich detailgenauen und bunten Bildern einen beachtenswerten Teil des Artenreichtums, wobei sie sich bei über 350 Sticker nicht nur die Wiese und einen Schmetterlingsgarten, sondern auch die Fensterbank, einen Teich und den Waldboden detailgetreu vorgeknöpft hat. Löblich auch ihr Ausflug in die Nacht, den die Zielgruppe der Kinder ab 4 Jahren nicht so ohne weiteres unternehmen kann. Mit den rosa Flügelenden wird der Mittlere Weinschwärmer sicherlich der Liebling der Mädchen werden, während das rotgefleckte Sechsfleck-Widderchen bestimmt Fans unter den Jungen gewinnt … oder wie auch immer herum.

Keinen von beiden Nachtschwärmern kannte ich, ebenso wenig wie den Brombeer-Zipfelfalter und die Meldenflureule – zumindest ihre Namen sind mir nicht vertraut. Es ist also bestimmt auch ein lehrreiches Album für Erwachsene. Wo ich mich jedoch auskenne, das ist die Bienenwelt. Und von dieser Ecke aus rührt auch meine Kritik. Denn weder ist die Bienenbehausung einigermaßen richtig abgebildet, noch das Insektenhotel beispielhaft bestückt. Zu Erläuterung: Die plakativ wirkenden Hintergründe sollen sodann mit den dafür vorgesehenen Stickerbildern aus getrennten Blättern beklebt werden.

Wie bereits in der Rezension von „Mein erstes Buch von den Bienen“ als „Unsinn“ von mir gebrandmarkt, muss ich das leider auch für dieses Natur-Sticker“lehr“büchlein tun. Abgebildet ist nämlich ein historischer Stülper, wie man ihn als beliebtes Symbol für einen Bienenstock auch auf Honiggläsern kennt. Doch jener runde Strohkorb hat mit der praktizierten Wirklichkeit nichts mehr zu tun! Seine Verwendung würde bedeuten, jedes Jahr die Waben auszuräumen, also das Nest zu zerstören. Keiner tut so was mehr – na ja, ausgenommen einige Heideimker vielleicht noch.

Doch auch diese würden den Korb nicht in einen Baum hängen, das wäre Unfug. Was wir dagegen in einem Baum hängend vorfinden könnten, wäre allenfalls ein traubenförmiger Schwarm, gebildet aus Tausenden von Bienen. Die Zeichnung ist also – so oder so – grob irreführend und fällt vor all den anderen tadellosen Ausführungen stark ab.

Die Kritik am Insektenhotel geht in eine ähnliche Richtung. Tannenzapfen als Nistmaterial sind völlig sinnfrei, da hält sich keine Wildbiene oder ein anderes Insekten groß auf. Und Brutlöcher in die Stirnseite eines Holzes gebohrt ist ebenfalls nicht empfehlenswert, da das Holz genau dort zahlreiche Risse bekommt. Was zur Folge hat, dass das Brutloch aufreißt und die Brut zu Schaden kommt. Man bohrt Löcher nur in die Rindenseite vor. Nun, Vorlage war vermutlich eines dieser zahllosen unnützen Wildbienenhotels aus Baumärkten & Co. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht. Doch wie lernen Kinder, das Richtige zu tun, wenn die fehlerhaften Dinge ständig kolportiert werden?

Obwohl mich die beiden falschen Darstellungen – aufgehängter Bienenkorb und falsch bestücktes Insektenhotel – doch sehr stören, möchte ich das Stickeralbum dennoch weiterempfehlen. Und zwar in der Hoffnung, dass das Interesse der Kinder an der Insekten- und Käferwelt bei all den wundervollen, kleinen wie großen Insektenstickern, nachhaltig geweckt werden wird. Und zwar soweit, dass sie eines Tages mehr erfahren möchten und dabei von „richtigen“ Sach- und Fachbüchern oder aufklärungsbereiten Imker/innen begleitet werden. Vielleicht wird ja die erwünschte 3. Auflage eine Berichtigung erfahren?!

Im Übrigen gibt es noch weitere Stickeralben mit Naturthemen aus dem Verlag arsEdition. Gut zu wissen, denn ich bin mir sicher – einmal mit Stickern angefangen, dürften Mädchen wie Buben bald nach „Ich will mehr“ rufen!


Was summt auf der Wiese? Meine Natursticker Insekten /
Izabella Markiewicz (Ill.). 2. Aufl. München : arsEdition 2020. 33 S. [8 Seiten mit Stickermotiven, 10 Doppel- und 4 Einzelseiten zum Bekleben]
ISBN 978-3-8458-3406-1