Wachsverarbeitung (BLIB-Imkerkurs für Anfänger AK20, Modul 10)

Wachs war und ist im Grunde immer noch wertvoller als Honig. Im Rahmen des Imkeranfängerkurses trafen wir uns im Welterbe-Garten zum Modul 10, „Wachsverarbeitung“. Netterweise sandte Petrus die letzten Tropfen über die Gärtnerstadt nur bis fünf Minuten vor 14 Uhr. Schnell also noch die Bänke abgewischt, die Masken zurechtgerückt und los ging’s mit der Wachsverarbeitung an 5 Stationen. 

Inmkerkurs, Modul 10, Wachsverarbeitung

Wachsverarbeitung an 5 Stationen

Die Phasen der Wachsbearbeitung lassen sich in einem früheren und sehr ausführlichen Blogbeitrag mit Checklisten nachlesen. Daher hier nur Ergänzungen.

Entscheidend für die Verarbeitungsweise ist immer das Ausgangsmaterial, also ob Entdeckelungswachs, Drohnenwachs, Altwaben oder geschmolzenes, gereinigtes Grundwachs zur Mittelwandwabenherstellung. Dementsprechend benötigt man unterschiedliche Geräte und Hilfmittel.

Vieles lässt sich im normalen Haushalt finden – natürlich erst nach Absprache mit den Küchenverantwortlichen! Allerdings raten wir davon ab, benutzte Teile in die Spülmaschine zu geben, denn das Wachs verstopft dauerhaft die Düsen. Altgediente Teile können aber so einer neuen Verwendung zugeführt werden.

Manche teure Geräte lohnen sich nur für größere Mengen, so die Mittelwaben-Wachspresse oder ein elektrischer Schmelztopf. Oft gibt es dafür (nicht ganz so kommoden, aber brauchbaren) Ersatz. Andere Geräte wie ein Trafo-Einlöter sind zwar ebenfalls nicht gerade billig, doch unverzichtbar. Da muss man in den sauren Apfel beißen. Eventuell kann man sich manches mit anderen Imker(inn)en teilen.

Und vor allem: Erst anschaffen, wenn man die (länderspezifischen) Fördermöglichkeiten überprüft hat! Denn das Rechnungsdatum ist entscheidend! Bereits vorhandene Imkergeräte sind nicht förderfähig. [Für Bayern -> Förderwegweiser -> MayMBL], s. a. Blogbeitrag Amtliches und rechtliches zur Bienenhaltung]

Fotogalerie AK20, Modul 10

Literatur

NLiteratur zu Wachsach einer kurzen Pause, in der wir mal kurz durch den Welterbe-Garten schlenderten und das Gemeinschaftswerk und die Aussicht über die Untere Gärtnerei bewunderten, konnten noch ein paar Bücher zur Wachsverarbeitung eingesehen werden. Für die Teilnehmenden des Imkerkurses sind die Titel aus unserer Imker-Bibliothek natürlich ausleihbar. Hier die Literaturliste-Wachsverarbeitung.

Mittelwand einlöten

Als Materialaufwand sind zu nennen der Trafo-Wabeneinlöter (umschaltbar Eisen/Edelstahldraht) für ca. € 70 sowie ggf. ein kleiner Keil. Erleichternd wirkt ein Holzplatte als stützender Unterbau in den Innenrähmchenmaßen, dem man zwei Auflageschienen auf der Unterseite anbringt.

Sodann ging’s mit einer praktischen Übung, dem Einlöten von Mittelwandwaben, weiter. Immer erst muss überprüft werden, ob alle Drähte straff sitzen. Gegebenenfalls ist mit einem Drahtspanner nachzuarbeiten. Sind die Drähte danach immer noch zu locker, lässt sich auch ein kleiner Keil am Rahmen einklemmen, um dann die Wabe einzulöten. Sitzt die Wabe fest, kann der Keil wieder entfernt und der überstehende Draht an den Rahmen angedrückt werden.

Das Löten selbst setzt im Grunde keine allzu großen Feinheiten voraus. Die Mittelwände sollen nicht kalt sein und lediglich die richtige Andockstelle der beiden Drahtenden müssen gefunden und mit je einer Pol unter Strom gesetzt werden. Und natürlich muss der richtige Schmelz-Zeitpunkt gefunden werden, damit der Draht nicht durch die Wachsschicht durchschmilzt. Doch auch das kann wieder repariert werden. Unsere Teilnehmenden hatten den Bogen jedenfalls sehr schnell raus und jeweils eine perfekte Mittelwandwabe zustande gebracht.

Fotogalerie Waben einlöten

Der nächste Beitrag wird sich um das Modul 11, das Einfüttern drehen. Bis bald!

Rezension zu Spürgin: „Bienenwachs“

Cover Spürgin: Bienenwachs. Ulmer

„Wachs war wertvoller als Honig“, so beginnt der erste Beitrag zum Standardwerk „Bienenwachs“ des langjährigen Fachberaters für Imkerei, Armin Spürgin. „Die Wertschätzung des Bienenwachs zu heben“ ist sein erklärtes Ziel, und so erfahren wir eingangs, wo das Bienenwachs denn eigentlich her kommt, wie eine Wabe entsteht und was sich alles damit anfangen lässt.

Bedeutung des Wachses

Menschen konnten seit je her allerhand mit Wachs anstellen – vom Ritzen verkleiden über Schreibtafeln bis hin zu regulierbarem Licht. Es war gültiges Zins- und Zahlungsmittel und begehrtes Tauschobjekt bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Seit dem 19. Jahrhundert und mit Beginn der Herstellung synthetischen Kerzenwachses Stearin und Paraffin war die Stunde des Wachses als Wertmittel allerdings gezählt. Dem Honig ging es auch nicht viel besser, er wurde von der Zuckerrübe verdrängt.

Und doch … heute schätzt man reines Wachs wieder in seinem ursprünglichen Sinne, nämlich als adäquates, qualitätsvolles und kontrollierbares Betriebsmittel für die Imkerei und die Honigproduktion. Denn wer einen eigenen, kontrollierten Wachskreislauf sein Eigen nennen kann, dessen Völker sind gut geschützt vor Krankheitskeimen aus anderen Stöcken und / oder unlauteren oder unbeabsichtigten Wachsverpanschungen – und damit vor Schäden in der Bienenhaltung durch ungeeignete Brutbehältnisse. Auch der Honig schmeckt einfach besser, wenn er aus frischen Waben geerntet wird.

Faszinosum trifft unterhaltsames Faktenwissen

Spürgin lässt Faszinierendes mit Faktenwissen und technischen Daten abwechseln. So erfahren wir, dass die Ausrichtung bzw. Form des Wabenverlaufs nach dem Erdmagnetfeld unter Nutzung der Schwerkraft verläuft oder dass die Wandstärke einer Wabenzelle „ziemlich genau“ 0,073 mm bemisst und die Zellweite von 6,2-6,4 mm für Drohnenzellen um 1 mm größer als die der Arbeiterinnenzellen ist. Damit kann man beim Unterrichten oder in Führungen ruhig ein wenig für Staunen im Publikum sorgen. Wirklich wichtig fürs Imkern ist es nicht zwingend.

Nur wer Imkermeister oder Bibliothekarin oder Erwachsenenbildnerin ist und damit zu den Korinthenkackern zählt, könnte sich daran ergötzen. Daher wird die Erläuterung zur Wachsschüppchenproduktion in der nächsten Auflage eine genauere Beschreibung erhalten. Das stellte Spürgin nach unserem kurzen Mailwechsel in Aussicht. Hier gab es nämlich bei mir eine „kleine Irritation“ hinsichtlich der Anzahl der Wachsschüppchen im Verhältnis zu den genannten Bauchschuppen. Die acht Schüppchen treten streng genommen bereits zwischen dem 2. (und nicht erst wie im Buch beschrieben dem 3.) Bauchsegment hervor, beziehungsweise, wenn vom Wachsspiegel ausgegangen wird, „von der 3. bis zu 6. Bauchschuppe inklusive“.

Ja, Bienen, ihr Leben und das Imkern kann zuweilen kompliziert bzw. komplex anmuten. Um so löblicher, dass man mit allzu vielen Details verschont bleibt, wobei Unschärfen in Kauf genommen werden müssen. Schon mal auch, um die Seitenzahl trotz Megaumfang der Themen reduziert zu halten. Das ist Spürgin absolut ausgewogen gelungen!

Wie in all seinen Werken ist seine Schreibweise sachlich und kompakt – jeder Satz ein Treffer! – dabei jedoch angenehm unterhaltsam, da ohne größere Ausschweifungen, erhobene Zeigefinger. Die Leser/innen werden direkt angesprochen, und so fühlte ich mich denn auch in jedem Absatz mitgenommen. Neben Zeichnungen, Fotos und Tabellen lockern Tipps und Hinweise in hellroten Kästchen die Beschreibungen auf und richten das Augenmerk auf hilfreiche oder bemerkenswerte Details.

Wabenmanagement und Wachsernte

Nachvollziehbar auch für Jungimker/innen ist beschrieben, wie das Wabenmanagement funktioniert und wie mit dem bei der Honigernte anfallenden Entdeckelungswachs umgegangen wird sowie die Altwaben vor der Wachsmotte geschützt sind. Basiswissen gepaart mit Erfahrungswissen lässt das Gefühl von informeller Sicherheit aufkommen.

Doch durch das Aufgreifen von aktuellen Diskussionen zu bestimmten Betriebsweisen lässt Spürgin auch Spielraum für eigene Überlegungen. Manches könnte hier gerne etwas weiter ausgeführt werden. So wirft die Textstelle mit den lautwerdenden Forderungen, die „Ausstattung des Honigraumes ausschließlich mit hellen Waben und Mittelwänden vorzunehmen“, – also so, wie wir selbst es bevorzugen –, einige Fragen auf. Das Verhonigen des Brutraumes zu verhindern kann durchaus mit Schieden erfolgen und bedarf keiner „braunen Waben“, wie es mehr oder weniger empfohlen wird. Doch sind das nur Marginalien und fachen die unter Imker/innen üblichen Diskurse an, ohne die wir niemals weiterführende Erkenntnisse gewinnen würden.

Wachsgewinnung

Eines der Hauptkapitel befasst sich erwartungsgemäß mit der Gewinnung von Wachs. Wobei damit natürlich nicht der eigentliche Prozess des Wachsproduzierens gemeint ist. Denn diesen haben nach wie vor die Arbeitsbienen zu leisten, die die reinweißen Wachsplättchen aus ihrer Körperunterseite schwitzen und mit ihren Mandibeln zerkneten und baufertig machen. Über 300 Einzelstoffe sind nachweisbar, die wenigsten betragen dabei mehr als 5%. Eine Rolle spielen außerdem Propolis, körpereigene Enzymen, (Mandibeldrüsensekret) sowie Zellen des Fetteiweißkörpers der Biene und natürlich Honig.

Mit „Gewinnung“ also sind die Möglichkeiten des Extrahierens von reinem Wachs mittels Trennung von (Brut-)Rückständen sowie das Reinigen zu verstehen. Spürgin geht dabei auf die bekanntesten Schmelzmöglichkeiten (z. B. Sonnenwachs-, Wasser-, Dampf-, Infrarotschmelzer) sowie Pressverfahren ein, aber auch auf die Einfriermethode, das Zentrifugieren und außerdem allerlei denkbare Arten, Wachs wie Rähmchen zu reinigen. Wer hier unsicher war, kann nun schön Vergleiche ziehen und zu einer Entscheidung für sich gelangen.

Wachsprodukte herstellen

Wer imkerlich fortgeschritten ist oder einfach gerne handwerkt, wird sich von gekauften Mittelwänden und Rähmchen oft schnell verabschieden wollen. Dann bietet dieses Hauptkapitel genau das Richtige an. Der Geräteeinsatz zu Gieß- und Walzverfahren und zur Rähmchenherstellung nebst Gerätepflege werden jeweils mit Nennung von Vor- und Nachteilen sowie Sicherheitsaspekten erläutert.

Last but not least folgen die Kapitel Bienenwachs in Handwerk und Kunst, Kosmetik und Naturmedizin und die interessante Frage, ob die Wachserzeugung ein lohnendes Produktionsverfahren sei.

Summa summarum: ein Standardwerk!

Nicht nur die im Buch verstreuten Materiallisten tragen erheblich zu einem sicheren Start in das einzelne Vorhaben bei, was gerade für Jungimker/innen vorteilhaft ist. Auch der Serviceteil am Ende des 128-seitigen, inhaltsstarken Bändchens sollte begeistern. Er besteht hauptsächlich aus einem umfangreichen, sehr speziellen Adressenteil für den deutschsprachigen Raum (D-A-CH) nebst Ausreißer I und DK, der beispielsweise auch Bezugsquellen für Kerzen-Tauchgestelle, Holzschutzzubehör oder Lippenstifthülsen und -formen aufführt, also von grundsätzlichen bis zu speziellen Betriebs- und Hilfsmittel finden sich bekannte Firmen wie auch den Internet-Suchdiensten eher verborgen gebliebene Spezialisten, zu finden ab Seite 3 und damit quasi nicht vorhanden. Spürgin hat da dankenswerterweise einen Schatz gehoben.

Hingegen enttäuscht der mit lediglich zwei Werken angeführte Literaturteil und eine vereinzelte Videoangabe gehörig. Das wäre schon sehr ausbaufähig, doch kommt es mir nachgerade zupass, um überhaupt einen wesentlichen Kritikpunkt einbringen zu können, wie es sich für eine möglichst objektive Rezension gehört. Jedoch …

… insgesamt ein in Theorie und Praxis absolut überzeugendes Standardwerk für Macher/innen, ob Imkeranfänger/innen oder Fortgeschrittene, welches zwar bereits 2014 erschienen ist und natürlich nach sechs Jahren im Adressteil punktuell aktualisiert werden müsste, doch immer noch in jede Imkerbibliothek Eingang finden sollte! Wir freuen uns auf eine aktualisierte Auflage und bitten Autor wie Ulmer-Verlag um eben jene!


Bienenwachs. Gewinnung, Verarbeitung, Produkte / Armin Spürgin. 2. Aufl. Stutttgart : Ulmer. 2014. Die Imker-Praxis. ISBN 978-8001-8097-4


Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Bellmann: „Welches Insekt ist das?“

Cover zu Bellmann: Welches Insekt ist das? KosmosWer Bienen zu seinen erklärten Lieblingen zählt, interessiert sich über kurz oder lang auch für ihre Verwandten und „Pflanzenmitbewerbern“. Die Insektenwelt Europas erschließt seit vielen Jahren der promovierte Bio- und Zoologe, Heiko Bellmann, (nicht nur) für den Kosmos-Verlag. Der in 3. Auflage neu erschienene Naturführer „Welches Insekt ist das?“ wartet mit über 200 bildschönen Fotos von 400 Insektenarten auf, sehr übersichtlich mit je vier Arten auf je einer Doppelseite. Die Fotos sind z. T. mit Beschriftungen zu besonderen Erkennungsmerkmalen ergänzt. Weitere Detailaufnahmen wie beispielsweise von Kopf, Augen oder dem Leuchtorgan der Glühwürmchen lassen staunen. Beschrieben werden das Vorkommen der jeweiligen Art und in Stichworten Prägnantes zur Larve.

Hübsche Burschen, gefährliche Damen

Außerdem sind die augenfälligsten Unterscheidungsmerkmale von Männlein und Weiblein jeder Art im Vergleich abgebildet. Wie viele sicher wissen, sind die Burschen im Tierreich ja häufig viel hübscher, die Weibchen hingegen meist eher unscheinbar, dafür „gefährlicher“. Denken wir an die stechfreudigen Schnaken. Sucht man diesen Begriff allerdings im Register, welches den deutschen sowie den wisssenschaftlichen Namen im Alphabet ineinander ordnet, dann wird man, hm, tja, erst einmal nicht fündig.

Da wäre es schon gut, zu wissen, dass es sich hierbei um einen Vertreter der Zweiflügler handelt und kann sodann näheres zu den verschiedenen Schnakenarten (z. B. Holz-, Kohl-, Schneeschnake oder gemeine Stechmücke etc.) im grau gekennzeichneten Hauptteil erhalten.

Ordnung im System

Der handliche Führer ist nämlich mittels bunter Balken nach einem Farbcode in Ordnungen (zoologische Rangstufen) sortiert, die die Unterarten von z. B. Libellen, Käfer, Hautflügler oder Schmetterlinge etc. zusammenfasst. 31 dieser Ordnungen gibt es, wobei diese auf lediglich 9 Farben aufgeteilt werden. Klingt kompliziert, doch erschließt sich das durchaus, wenn man das Bestimmungsbuch erst mal in Händen hält. Ehrlich gesagt … der Insektenkosmos ist ja wohl wirklich das Komplizierteste in der Welt der Tiere, von den Virenstrukturen mal abgesehen … ne, ich will jetzt mal nicht schon wieder auf Corona hinaus 😉

Ziel und Zweck

Also keine Bange – Verwirrung ist nicht Ziel des Buches, sondern bestimmt das Gegenteil davon. Daher erfasst es auch nicht die vollständige Insektenwelt, das wäre denn doch zu viel des Guten. So wurden Arten, die ohnehin nur Spezialisten bestimmen können, weitgehend außen vor gelassen. Kriterium der Auswahl war es auch, dass sich das gefundene Insekt gut nach Fotos bestimmen lässt.

Es ist tatsächlich sehr unterhaltsam, sich einfach nur die Fotos anzusehen, die außergewöhnlich gut gelungen bzw. ausgewählt sind. Und das erste, wenige Seiten lange Kapitel zu Körperbau und Entwicklung ist wikipediaähnlich für Laien geschrieben und gut verständlich. Wer mehr wissen möchte, kann sich (nicht nur diesen) zugehörigen Erklärfilm im Internet ansehen.

Praxiseinsatz

Für den Praxiseinsatz ist es ohnehin ratsam, sich zunächst mit den Merkmalen der Insektenordnungen vertraut zu machen. Die dafür formulierten Beschreibungen, die dem Hauptteil vorangehen, sind kurz und bündig, daher sehr gut verständlich und mit je einem Foto einer Beispielart versehen. Eine Strichzeichnung des entsprechenden Beispiel-Insektenkörpers hilft durch seine aufs Wesentliche reduzierte Veranschaulichung zu einer allerersten Bestimmung. Wer also ein wenig Konzentration auf diesen Zeichencode verwendet, kommt am weitesten.

Diese Zeichnungen sind nämlich auch den im Hauptteil beschriebenen Porträts beigefügt. Im praktischen Einsatz sah das auf der grünen Wiese bei mir also folgendermaßen aus:

Ich erblicke ein Insekt, merke mir seine Grundform von oben gesehen (z. B. länglicher Körper, lange Fühler, keine abgestreckten Flügel sichtbar, zwei kurze Arme und Haxen), blättere in Art eines Daumenkinos durch die Seiten und stoppe im farbcodierten Kapitel bei der optisch entsprechenden Art.

Danach heißt es, sich auf gut Glück „durchzuzappen“, bis eines der supertollen Fotos auf das Fundobjekt passt. Bei mir war es die (grün codierte) Heuschrecke (ab S. 42), im Besonderen der „Nachtigall-Grashüpfer“. Oder vielleicht doch der „Braune Grashüpfer“? Die etwas schwierig zu erkennenden Unterschiede sind zwar ausführlich beschrieben, doch würde ich dazu das Pendant benötigen.

Egal – interessant fand ich den Hinweis, dass der Gesang jenes Nachtigall-Grashüpfers – so er es denn ist – ein „kurzer Schmettervers“ wäre (daher wohl der Name), der „zur typischen Geräuschkulisse einer sommerlichen Trockenwiese gehört“. Nun, auf eben so einer lag ich schließlich, insofern dürfte er es doch gewesen sein. Und nun lausche ich intensiver hinein in den Sommer und verblüffe meine Begleitung, indem ich trocken konstatiere: „Ah, die Kuckucks-Heuschrecke ruft!“

Das Haar in der Suppe, oder: Kritik zum Schluss

Ach ja, um zum Schluss zu kommen … im mehrfach gefältelten Umschlagteil findet sich in einer dadurch herausgestellten Beschreibung die Honigbiene wieder, mit Fotos des Entwicklungsstadien der Larve. Zur dort vorgefundenen Seitenangabe geblättert lese ich (mit Imkeraugen!) die knappe Beschreibung und finde natürlich prompt ein „Haar in der Suppe“. Dort nämlich steht u. a.:

„Im Frühjahr entstehen Drohnen, die männlichen Bienen, deren einzige Aufgabe in der Befruchtung der gleichzeitig schlüpfenden neuen Königin besteht.“

Nun ja, die Drohnen schlüpfen natürlich bereits vorher und auch laufend, so dass sich streng genommen ein „gemeinsamer Zeitpunkt“ nur im Sinne eines längeren Zeitraums ergibt. Außerdem begatten die Drohnen eines selben Volkes niemals ihre eigene Königin, sondern sammeln sich an Drohnenplätzen, um Königinnen anderer Völker zu beglücken. Doch wer über Bienen schreibt, muss schon sehr viel mehr Platz haben, als es in diesem Bestimmungsbuch möglich ist, die Knappheit lässt nicht allzu viel Raum für Spitzfindigkeiten – es sei denn, sie dienen der Beschreibung der jeweiligen Art, da wird das Buch doch sehr viel mehr ausführlich. Und das ist gut so, denn das ist ja sein Ziel: Zu bestimmen, nicht übermäßig zu belehren.

Empfehlung

Also, ich kann den neuen Insektenführer guten Gewissens empfehlen, und je mehr wir unsere Augen für diese unfassbar großartige und vielfältige Welt erfahren, desto mehr werden wir sie achten und hoffentlich auch pfleglich behandeln! Oder wie wir von der Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de immer so schön sagen: „Denn was man kennt, schützt man.“
Zeit, den Naturführer zur Insektenwelt näher kennenzulernen! Kaufen!


Welches Insekt ist das? Kosmos-Naturführer. Über 450 Insekten Europas. Extra: Mit Kosmos-Erklärfilmen zur einfacherne Bestimmung / Heiko Bellmann. Stutttgart : Kosmos. 2020. ISBN 978-3-440-16447-1


Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Heidinger/Kuhn: „Imkern mit der Bienenkugel“

Cover zu Heidinger / Kuhn, Imkern mit der BienenkugelDas Zitat: „Jeder muss seinen eigenen Weg beim Imkern finden“ (S. 22) gibt treffend die Linie des Buches „Imkern mit der Bienenkugel“ wieder. Andreas Heidinger hat seinen eigenen Weg mit der Bienenkugel beschritten. Deren Besonderheit ist ein kugelförmig ausgestalteter Brutraum mit kreisrunden Rähmchen. Die Rähmchen in der Mitte haben den größten Durchmesser. Je weiter die Rähmchen am Rand sitzen, desto kleiner ihr Durchmesser. Die Bienenkugel will als ein „Bienen-System-Haus“ (S. 7) den hohlen Baumstamm, die ursprüngliche Behausung von Bienenvölkern, ersetzen.

Suche nach neuem Weg in der Bienenhaltung

Das Buch handelt in seiner ersten Hälfte von Heidingers Suche nach einem neuen Weg in der Bienenhaltung. Sehr ausführlich beschrieben werden seine Annährungen an das Thema, sowohl von der künstlerischen Seite aus als auch im historischen Kontext. Letzteres trägt eindeutig die Handschrift des Mit-Autors, dem habilitierten Historiker Christian Kuhn, den Rezensenten persönlich bekannt.

Geleitet von naturwissenschaftlichen Überlegungen und im praktisch-konstruktiven Sinn – letzteres offensichtlich dem Modellbauer und Gießereitechniker Heidinger zuordenbar – ist die zweite Hälfte des Buches ganz der Praxis der imkerlichen Arbeiten mit der Bienenkugel gewidmet.

Kurzweiliger Zugang zu naturwissenschaftlicher Betrachtung

Das Buch soll dem Leser den Zugang zu einer naturwissenschaftlichen Betrachtung der Bienenhaltung eröffnen, so der Wunsch im Vorwort von Friedrich Reiling, der es überschrieb mit „Bienenhaltung und Naturgesetze“. Diesem Anspruch trägt die sachlich und fachlich korrekte Darstellung Rechnung, die sehr sorgfältig in seiner Formulierung ist. Angenehm auch, dass Vermutungen und Thesen durch die entsprechende Sprachwahl als solche kenntlich sind. Nicht zuletzt daher erscheint es weniger als wissenschaftliches Werk, sondern ist kurzweilig geschrieben. Auch für Noch-Nicht-Imker/innen findet es sicher Anklang durch die eher persönlich geprägte Sicht- und Darstellungsweise, die ein imkerliches Wissen eher nicht voraussetzt. Es wird alles Grundlegende erklärt.

Von der Kugel zum Ovoid

Besucht man die Hompage zum Buch www.bienenkugel.de so ist erkennbar, dass der Weg weiter geht. Die ursprünglich völlig runde Form wird dabei verlassen und gerät zum Zylinder, nähert sich also dem Halboval der Trogbeute („Top Bar Hive“) an. Wobei die Rähmchen weiterhin kreisrund bleiben, aber eben zu den Seiten hin erweiterbar. Denn in der Kugelform der Beute zeigt sich der Schwachpunkt der Konstruktion: Eine fixe, nicht anpassbare Größe des Brutraumes. Das soll das neue „Ovoid“ sozusagen wieder „geradebiegen“.

Da das Konstrukt der Bienenkugel in seiner urhaften Idee sicherlich reizvoll erscheint, das „Drumherum“ aber im wahrsten Sinne des Wortes – es muss noch eine Umhausung als Wetterschutz gebaut werden, außerdem ist ein Habitatbehältnis vorgesehen – doch recht aufwändig anmutet, ist ein Besuch in Dachau bei Heidingers empfohlen. Dort ist das Ehepaar auf (auch) internationale Gruppen nicht nur im Bereich der imkerlichen, sondern weiterer „natürlicher“ Themen eingestellt. Ebenso steht Christian Kuhn, derzeit in Frankfurt a. M. wohnhaft, für Vorträge „zur Beziehung von Bienen und Mensch“ zur Verfügung.

Keine Kosten und Mühen gescheut

Nicht nur die beiden Verfasser haben sich mit allen Details viel Mühe gegeben – in der Sache selbst wie zur Niederlegung in Buchform. Auch der Ulmer-Verlag hat keine Mühen gescheut, ein besonderes Thema auch besonders zu verpacken. Hochwertig wie die Bienenkugel, kommt auch das schmale, bilder- und konstruktionszeichnungsstarke Bändchen einher, der Text aufgelockert mit herausgestellten Informationshäppchen in – sehr naheliegend! – eingestreuten Kreisen.

Apropos … ob das Modell der Kugel Kreise ziehen wird oder ein Nischensystem bleibt, sei trotz medialer Präsenz und professioneller Außenwirkung dahingestellt. Denn hier treffen handwerkliches Geschick auf wissenschaftliche Herangehensweise, die ein zum Patent angemeldetes, einzigartiges Produkt zum Ergebnis hatten.

Das Nachbauen erscheint als ein hoher Aufwand auch finanzieller Art, der eher in Art eines Experiments zu einem besseren bzw. anderen Verständnis des Bienenvolkes verhilft, denn sich dem normal leidenschaftlichen Imker oder der Imkerin sogleich erschließt. Und nicht jedermann verfügt über einen 3-D-Drucker oder eine Fräßmaschine, doch lässt sich die Kugel ja auch kaufen. Ob der Arbeitsaufwand tatsächlich für Imker-Anfänger/innen so leicht ist, wie im Umschlagtext dargestellt, lässt sich von unserer Seite her nicht eindeutig beantworten. Uns mutet das Konstrukt und die Einzelteile exotisch an, Materialeinkäufe dürften sich nicht ohne Weiteres oder Abhängigkeiten gestalten lassen, ein praktisch-inhaltlicher Austausch mit konventionellen Imkereien ist kaum möglich.

Für wagemutige Herzen

Gleichwohl trotz der (noch zu) wenigen Untersuchungsergebnisse jetzt schon hochinteressant und sicherlich mit ergänzenden Erkenntnissen zur konventionellen Bienenhaltung. In diesem Sinne ist der Band möglich für alle, die „den Bienen mit Herz und Seele verbunden sind“ (Vorwort), und eben an jene, durchaus wagemutigen Herzen gelegt.

Rezensenten: Reinhold Burger, Ilona Munique


Heidinger, Andreas; Kuhn, Christian: Imkern mit der Bienenkugel. Rund statt eckig – Lernen von der Natur. Bienen besser verstehen. Andreas Heidinger, Christian Kuhn. 2020. 128 S. ISBN 978-3-8186-0931-3

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Franke: „Mein Garten fürs Leben“

Cover Franke, Mein Garten fürs Leben, BLVWenn der Journalist und Gartenbautechniker Wolfram Franke von seinerm Gewächshaus, der Konzertmuschel oder dem Badeteich schreibt, dann darf man sich das nicht „groß“ vorstellen, doch ganz bestimmt „großartig“, weil genial durchdacht und zweckmäßig gemacht, unter Zuhilfenahme meist gebrauchter Materialien bei bewusstem Sichtbarmachen derselbigen. Was nicht nur des Frankens recyclingbewussten Herzens erfreuen mag, sondern alle, die meist viel zu viel Geld in lebenszeitverschlingende Baumarktfahrten und Fehlkäufe nebst Umtauschaktionen stecken.

Es geht auch anders – nämlich ökologisch

Dass es auch anders geht, nämlich mit Phantasie, Liebe und – vor allem! – ökologisch, doch ohne erhobenen Zeigefinger, das lässt sich nachgerade miterleben im dem über 300 Seiten starken, reichlich bebilderten und biografisch geprägten Gartenratgeber „Mein Garten fürs Leben“. Dabei werden auch Fehlschläge – die Dachwurz und der Kürbis will nicht, die Mäuse und Bienen hingegen mehr, als einem lieb sein kann – nicht verheimlicht. Sehr sympathisch und authentisch geschildert, so dass die geneigte Rezensentin sofort mehr über die Hintergründe des Autors recherchieren möchte. Hier nur kurz angerissen:

Stationen

Nach mehreren Stationen und großen wie kleinen Anläufen und Verläufen privater, beruflicher wie auch flächennutzender Art landete der ehemalige Herausgeber der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ und später von „kraut&rüben“ vom Balkon über Pfarrgarten zu Reihenmittelhaus-Handtuchgarten und schließlich zum 800 qm großen Traumgarten, dem Reitsbergerhof in Vaterstetten. Ehemals eine brachliegende „Wüste“, verwandelte der gebürtige Bad Saarower mit Stationen u. a. in Siegen, Hannover, Osnabrück, Essen und Oldenburg – und dem von daher der Begriff „Porree“ statt unseres bayerischen „Lauchs“ nun einmal näher liegt – in ein naturnahes Paradies mit allem, was das Hobbygärtnerherz höher schlagen lässt.

Freiheit und Lust, Inspiration und Praxis

Mag auch das Kapitel über die Imkerei – denn natürlich braucht es bei all den vielfältigen Pflanzen auch Bienen! – mit fünf Seiten etwas dünn und auch inhaltlich nur an der Oberfläche kratzend geraten sein, und möge auch die eine oder andere Planzeichnung zum bessern Verständnis des Kapitels über den Bau des Gartenhauses und der „kleinen Elbphilharmonie“ für ein besseres Verständnis sorgen, so sind doch alle anderen Kapitel sehr ausführlich und nachvollziehbar gelungen. Es sollte ja auch jede/r selbst die innere Freiheit und Lust verspüren, nach eigenem Ermessen vorzugehen, wozu der Band eine sehr gelungene, äußerst anregende Inspiration darstellt.

Behandelt werden erwartungsgemäß und (berufs-)fachlich fundiert die Klassikerthemen wie Boden, Gehölze, Gemüse, Stauden und Kräuter. Dies sowohl allgemein mittels eingewobener Zwischenkapitel „Praxiswissen“ oder grafischer Darstellungen (zum Beispiel zu Trockenmauerbau, Gehölzschnitt oder Mischkulturen), wie auch im besonderen. Beispielsweise, wenn Franke über die unbeabsichtigte Ersteigerung einer Ramblerrose oder seine Gewissenskonflikte beim Ansetzen vom Brennessel als Flüssigdünger reflektiert, aber auch ausführliche, teilweise annotierte Listen mit verwendeten Pflanzen wie zu Rosensorten oder für den Badeteich beifügt. Selbst das sich mit entwickelnde Tierreich erhält sein eigenes, ansehnliches Kapitel!

Hat man so noch nicht gelesen

Und immer wieder lassen sich Einschübe entdecken, die man eben so noch nicht in anderen Ratgebern gelesen hat. Wer also für einen „alten Gartler“ oder eine „g’standene Kräuterhex'“ nach einem weiteren unter den bereits hundertundeinem geschenkten Gartenbuch sucht, ist mit diesem biografisch-persönlich gefärbten, geschichtenreichen und dennoch praxisfundierten Ratgeber bestens bedient und sollte seine Freude am kreativen Gestalten von großen wie kleinen Flächen (neu) entfacht bekommen.

Letztendlich … ein Vermächtnis

Letztendlich … „Die viele Arbeit“ – um Frankes letztes Kapitel zu zitieren – geschah nicht ohne die Beihilfe von „Schorsch“, dem Besitzer des Grundstücks, oder den vielen anregenden Begegnungen im Laufe eines umtriebigen Gärtner- und Journalistenlebens, und geschah sicher nicht ohne seine Frau Gisela, die deshalb hier besonders von mir erwähnt werden sollen. Hinter jedem leidenschaftlichen Menschen stehen leidensfähige Partner/innen und Begleiter/innen, die zum Gelingen kleiner wie großer Ziele beitragen.

Erwähnt sei noch Frankens Redaktionsvorgängerin, Marie-Luise Kreuter, deren Standardwerk „Der Bio-Garten“ auch der Rezensentin seit den 90ern hilfreich war. Es stellt in der -zigten Auflage zu Frankes „Mein Garten fürs Leben“ eine ideale Ergänzung auch heute noch dar. So werden denn manche Bücher wie Vermächtnisse eines prallen Lebens geadelt, die generationenverbindend ein „Must have“ darstellen. Möge auch Wolfram Frankes Kreativgarten im Reitsbergerhof mit Hilfe und im Sinne dieses Buches eines Tages seine gedeihliche Fortsetzung erfahren.


Franke, Wolfram: Mein Garten fürs Leben. Praktische und kreative Wege zum naturnahen Traumgarten. 1. Aufl. München. BLV im Graefe und Unzer Verl. 2020. ISBN 9783967470024

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Auf Balkonien – haufenweise gern gesehene Flugäste

Hummel an Hängepolsterglockenblume Zwischen dem baumarktinspirierten nachbarlichen Abschottungsversuch auf der rechten Seite und einem sehr schön gestalteten Balkon zur Linken wetteifern unsere mehrjährigen Balkonpflanzen in denkbar suboptimaler, da vollsonniger Lage um die Gunst der Insektenwelt. Mitten in der Stadt Bamberg, unweit des berühmten Alten Rathauses und auf wenigen Quadratmetern im 3. Stock könnte man hier zum Insektenspezialisten werden. [Hier eine Bestimmunghilfe des NABU]

Neben den üblichen Ameisen, Blattläusen und Fliegen landen auf Akelei, Hängeglockenblume, Löwenmäulchen, Ziersalbei, Erdbeeren, Lavendel, Minze, Kerbel, Rosmarin, Schnittlauch, Ysop und Zitronenmelisse etliche Honigbienen sowie verschiedene kleine und große Wildbienen und Wespen. Einige Hummel-, leider aber nur wenige Schmetterlingsarten lassen sich benennen. Des öfteren brummt die große, blauschwarze Holzbiene herum oder surrt das zarte Taubenschwänzchen ruckartig vor und zurück, leider weniger oft finden sich die heimischen roten Marienkäfer ein. Doch sogar Libellen hatten wir schon gesichtet und einmal einen Maikäfer. Was das langsame Dahin-Siechen einer Topfpflanze erklärte, deren Wurzeln in den drei Jahren der Larvenzeit, also des Egerlings, abgenagt wurde. Das hat man davon, wenn man Bio kauft 😉

Kein Wunder, dass wir auch ein klasse Anlaufbalkon für Vögel und Fledermäuse sind.

Nur schön, nicht nützlich, aber mit Bleiberecht

Derweil haben wir fürs menschliche Augenglück sogar eine bei Bienenfreunden geächtete Forsythie stehen. Und nein, es ist leider keine ‘Beatrix Farrand’, die immerhin etwas Pollen und Nektar anbieten würde.

Ebenso genießt der bereits über 25 Jahre zählende Oleanderbusch ein Bleiberecht. Er muss mittlerweile nicht einmal mehr auf den Dachboden, so warm sind unsere Winter (nicht nur) hier im Bamberger Becken geworden. Er kann nur schön und giftig sein und mit seinen tief liegenden, kaum erreichbaren Nektarinen eventuell dem Taubenschwänzchen dienen – oder einem Insekt, welches wir nicht identifizieren konnten. Aber er war ein Geschenk, und das noch vor unseren Imkerzeiten.

Wer so viel für Bienen tut wie wir, der muss sich für ein paar „nutzlose“ Pflanzen wirklich nicht schämen. Langweilig wird es uns, siehe oben, dennoch nicht. Und falls doch einmal, dann gehen wir einfach in unseren Bamberger Bienengarten mit seinen Hunderten von bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen. Dort haben wir auch coronatauglichen Platz für menschliche Gäste, im Gegensatz auf unseren nur 1,11 Meter tiefen, dafür immerhin 6 Meter langen Balkon. Sehen wir uns dort?!

 

FT-Interview: 5 Tipps für Insektenparadiese

Journalistin Antonia Wild (FT) Die freie Journalistin Antonia Wild besuchte uns im Bamberger Bienengarten (Bienenweg 1) im Erba-Park für ein Interview zum Thema Insektenwelt und was die FT-Leser/innen dafür tun können. Der ganzseitige Artikel erschien unter dem Titel „Ein Paradies für Insekten schaffen“ in der Wochenendausgabe (Sa./So., 3./24.05.2020).

Frau Wild nahm sich viel Zeit dafür und fasste unsere Ausführungen unter fünf folgende Tipps zusammen:

  1. Gartenflächen unberührt lassen
  2. Stauden und Kräuter pflanzen
  3. Genau hinschauen bei der Blumenwahl
  4. Geduld haben und Toleranz zeigen
  5. Weniger [Mähen und Nachtbeleuchtung] ist mehr

Was es mit der Geduld und Tolerenaz wohl auf sich hat? Zum einen, dass Wildbienennisthilfen oft eine geraume Zeitlang, vielleicht sogar ein Jahr lang hängen können, bis sich einmal eine Belegung zeigt. Und sofern die an sich eher überflüssigen Nisthilfen richtig gemacht sind. Doch dazu haben wir uns ja an anderen Stellen (Suchworteingabe: Wildbienen) bereits mehrfach ausgelassen.

Zum anderen, dass sich das Anpflanzen von bienenfreundlichen Pflanzen auszahlt, indem  an manchen Frühlings- und Sommertagen urplötzlich eine beachtliche Wildbienenpopulation aus den Erdlöchern zum Vorschein kommt. Das kann durchaus mit einem Honigbienenschwarm verwechselt werden. Der faszinierende Schlüpfvorgang ist gefahrlos und oft in wenigen Stunden oder Tagen vorbei. Hier heißt es also, geduldig Abwarten und in dieser Zeit das Areal nicht betreten, sondern den Lauf der Natur akzeptieren. Schließlich sind WIR es, die den Insekten bereits viel geraubt haben. Daher ist es nur richtig, ihnen zur gebotenen Stunde „Geburtshilfe“ zu leisten!

 

 

Zum Internationalen Tag zum Schutz der Biene eine Rezension zu Kearney: „Die Bienenkönigin“

Cover Kearny, Die Bienenkönigin, Haupt Verl.Natürlich geht es in diesem außergewöhnlichen, da mit 48 Klappseiten versehenen 128-seitigen Buches nicht ausschließlich nur um Die Bienenkönigin. Der Sachtitelzusatz verheißt mehr, nämlich, „Was jeder Hobbyimker wissen muss“. Würde er bzw. sie, der/die Imkerin, nur Kenntnis von „Ihrer Durchlaucht“ haben, wäre es schnell Schluss mit der gelungenen Bienenhaltung.

Um was es außerdem geht

Tatsächlich ist die Bienenkönigin nur eine Größe bzw. ein Faktor unter weiteren. Und so werden wir von Hilary Kearney beispielsweise mit einer Widmung eingeführt, die da lautet: „Für meine Freunde und meine Familie! Es tut mir leid wegen all der Bienenstiche. Ihr wisst, wer gemeint ist. Herzlichen Dank, dass ihr dabei cool geblieben seid.“

Darint ist schon einmal sicher nicht die Königin beteiligt gewesen. Das Stechen von Menschen obliegt gemeinhin den Arbeitsbienen, vor allem den Wächterbienen unter ihnen. Doch tatsächlich könnte die Königin ebenfalls stechen, beispielsweise, wenn ein Stock oder ein Schwarm eine überzählige Königin hat.

Das erste Kapitel führt uns also erst einmal in alle männlichen Bewohner (die Drohnen und – je nun, den „Geist“) und in alle weiblichen Bewohnerinnen (die Arbeiterinnen und die Königin) eines Bienenstocks ein, außerdem in dessen Bestandteile (Waben, Nektar, Honig) und grob in die Geschehnisse der Nahrungssuche – hm, ich stutze über den Flieder, der kein guter Pollen- oder Nektargeber ist! –, über Honigentstehung und dem Lebenszyklus eines Volkes.

Geheimnisse, Anekdoten und Thesen

Dann aber dreht sich in den folgenden beiden Hauptkapiteln tatsächlich alles um die Bienenkönigin, natürlich weiterhin im Kontext ihres Volkes oder der Arbeiten des Imkers. So manches hoheitliche Geheimnis wird dabei gelüftet, aber auch die eine oder andere gewagte, nicht immer ganz ernst gemeinte oder zu nehmende These aufgestellt. Überhaupt beweist die Autorin eine erstaunliche Beobachtungsgabe, doch auch eine hohe Vorstellungskraft, gepaart mit viel Humor und Offenheit.

Verstreut über das ganze Buch hinweg finden sich zahlreiche Anektdoten aus dem Leben der berufsmäßig imkernden und darüber schreibenden Amerikanerin sowie Gründerin von Girl Next Door Honey, einem Ausbildungsbetrieb zur Bienenzucht (eher zur -haltung, möchte ich dem Innenklappentext widersprechen.) Dem typisch amerikanischen, immer etwas überbordenden Schreibstil (fein übersetzt von Franz Leipold) mag so manch älteren und / oder männlichen Imker, gemeinhin eine eher zurückhaltende Spezies, etwas verschrecken. Frauen und junge Menschen hingegen finden es sicherlich erfrischend und lassen sich von Aussagen mitreißen wie „faszinierend, erstaunlich, hypnotisch, überraschend, verblüffend, befriedigend, einzigartig, wundervoll, verzaubernd, …“ – und das alles beileibe nicht nur zu finden auf den beiden Seiten der Einleitung!

Such-Wimmelbilder, Erfahrungsberichte, Märchenstunde

Mitreißend ist aber auf alle Fälle das Angebot, sich auf die Suche nach den Bienenköniginnen zu machen. Natürlich hat sich auch die Rezensentin den Spaß erlaubt, ihr auf den vielen ausklappbaren Wimmel-Doppelbildseiten nachzuspüren – mit Erfolg. Nach zehn Jahren Imkerei und ebenfalls berüchtigt für den „Königinnenblick“ hätte es mich auch verwundert, wäre es anders gewesen. Immerhin halten die Bienen auf den hochwertigen Fotos wenigstens still. Doch allen Anfänger/innen und besonders jetzt während des Lockdowns der Coronakrise, wo Imkerkurse an Lehrbienenständen derzeit nicht möglich sind, kann diese Übung nur breit empfohlen werden.

Manche Erfahrungen aus San Diego allerdings werden wir in unseren Breiten nicht erleben. Dennoch ist es spannend zu lesen, wie sich das Imkern dort gestaltet. Während sich die Autorin im Kapitel „Eine Überraschung“ noch überlegt, ob man das übermäßige wilde Schwärmen der Afrikanischen Honigbiene (genauer: Afrikanisierte europäische Honigbiene – aber solche Spitzfindigkeiten sind eher nicht anzutreffen) durch Aussortieren von Weiselzellen kontrollieren sollte, ist es in Deutschland und Europa beinahe durchgängig Praxis, vor allem in Städten. So manches ist ein wenig zu idealisiert dargestellt, einige Überlegungen (siehe „Königin zusetzen“ oder …) erscheinen mir ein wenig blauäugig bis „mystisch“ (O-Ton), manches ist nur grob bis ungenau angedeutet – aber das kann auch den Rahmenbedingungen eines anderen Kontinents bzw. der Einengung des Themas geschuldet sein. Genau so, wie die zierliche Imkerin offenbar nur mit Handschuhen und Kopfschutz zu arbeiten scheint.

Das wird verständlich vor dem Hintergrund, dass nicht Zuchtvölker „ihr Ding“ sind, sondern das Einsammeln wilder Schwärme, die, verglichen mit unseren meist sanftmütigen heimischen Arten, wohl wenig an Temperament gemein haben. Dass das Züchten trotz oder gerade wegen ihrer offensichtlich großen Zuneigung zur „royalen Biene“ nur eine geringe Rolle in diesem Buch spielt, ebenso wenig wie Abhandlungen über die sattsam beschriebene böse Varroa destructor, hat seinen besonderen Reiz. Ja, nachgerade entspannt es sogar, ist es fast wie ein altmodisches Märchenbuch aus „1000 und einem Schwarm“ mit einem klaren Schema aus Gut und Böse – wobei wir es hier überwiegend mit dem „Gut“ zu tun bekommen.

Fazit

Empfohlen als Lese- und Bildernahrung für Bienenschwärmereien und Mittel gegen den Imkerblues, der einen regelmäßig überfällt ob der vielen Doe’s and Dont’s und der ständigen Thematisierung des Bienensterbens und der Bienenkrankheiten in anderen Sach- und Fachbüchern. Obwohl – ich bin mir nicht sicher, ob ich „Die Bienenkönigin“ aus dem Haupt-Verlag überhaupt in jene Kategorie einordnen möchte. Autobiografie oder Roadmovie (durch den kalifornischen Norden oder durch den Bienenstock) träfe es weit besser. Ganz sicher aber führt der Untertitel uns ein wenig an der Nase herum! Kein „Muss-ich-wissen“, doch das soll einem nicht am Kauf dieses enthusiastischen, sehr wertigen und ungewöhnlich gestalteten „Liebhaberobjekts“ hindern. Lust aufs Bienen(er)leben macht es auf alle Fälle – also gerne den Noch-Nicht-Imker/innen ans Herz bzw. auf den Gabentisch gelegt!


Kearney, Hilary: Die Bienenkönigin. Was jeder Hobbyimker wissen muss. 1. Aufl. Bern. Haupt Verl. 128 S. Haupt Natur. ISBN 978-3-258-08171-7.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Carolin Hensler: „Naturforscher Unsere Umwelt“

Wenn „Naturforscher Unsere Umwelt“ beschreiben sollen, dann ist das ganz schön ambitioniert, weil sehr komplex. Dem gleichnamigen, kleinformatigen Büchlein, doch mit immerhin 112 Seiten, ist es streckenweise sehr gut gelungen. Wem in Corona-Zeiten so langsam die Ideen, Kinder sinnvoll zu beschäftigen ausgehen – wie wäre es mal mit etwas stärkeren Tobak?

Cover Naturforscher Unsere Umwelt, arsEditionInformieren, Rätseln und Ideen

Viele echt grundlegende Informationen in Ergänzung mit super interessanten Details wechseln sich ab mit Staun-Facts, Rätselfragen und praktischen Anregungen. Zugegeben jedoch nicht immer mit den erwarteten oder erhofften Lösungen, doch zumindest mit Lösungsansätzen. Davon hätte das Kind, der Jugendliche und sogar der Erwachsene sicherlich gerne mehr. Denn manche Sachverhalte, beispielsweise, dass Vulkane „ganz schöne Dreckschleudern“ sind und „mancher Atommüll […] erst nach vielen Millionen Jahren Lagerung nicht mehr gefährlich [ist], lassen einen eiskalt ratlos zurück.

Da gerät man als Erwachsener erst mal mächtig ins Stottern – um im leicht bemühten Jugend-Jargon zu bleiben. Peinlich berührt und nervös geworden – denn so manches haben wir schließlich direkt oder indirekt durch unserem Lebensstil oder durchs Wegsehen mit verursacht – werden wir rasch vorschlagen: „Lass uns doch weiter blättern, vielleicht kommt ja noch eine gute Idee!“ Und das sollte sie dringend auch.

Frust, Fragen und Friday-for-Futur

Denn der Frust ob der Tatsache, dass heute immerhin die Hälfte der benötigten Energie durch Windkraft ersetzt wird, diese jedoch durch die dafür eingesetzten großen Rotorblätter nicht nur, aber besonders dem Rotmilan zum Verhängnis wird, kann sicherlich nicht mit dem spielerischen Nachbasteln von bunten Papierrädern weggepustet werden. Da müssen deutlichere Verbesserungen her. Und die werden einige Seiten weiter auch ganz klar genannt: Energie einsparen und Wasser als weiteren Energiegewinner verwenden. Braun- und Schwarzkohle, die Hauptlieferanten, sind definitiv out.

Dass dem allgemeinem Ziel des Energiesparens eine Energievision 2050 beiseite steht, in der auch die Kinder als Mit-Verantwortliche, Mit-Sparer und Mit-Mahner in die Pflicht genommen werden, ist gut lesbar als Interview verpackt. Diesem folgen Fragen nach dem Warum und Wie des Energieverbrauchs (z. B. Fortbewegung, Fleisch essen, Wegwerfen, Neukäufe), gut umsetzbare Tipps für den Alltag (Küche, Wäsche, Wärmeeinsatz), gepaart mit weiteren Hintergrundinformationen, die außerdem mit Irrtümern aufräumen. Natürlich darf auch die Idee der Friday-for-Future-Demos nicht fehlen.

Ernst nehmen, Umdenken, Beitrag leisten

Apropos Fehlen … mein Eindruck ist, es fehlt kaum ein Ansatz, der (nicht nur) den Kindern hilft, ihre-unsere Umwelt zu verstehen und das Dilemma des Klimawandels durch verschiedene Faktoren zu erkennen. Es rührt sich der dringende Wunsch, die vielen negativen Symptome und Begleiterscheinungen ernst zu nehmen und ihnen etwas entgegenzusetzen. Mancher Tipp ist dabei zwar etwas zu kurz gesprungen, wirkt banal oder ist auch einfach nur falsch – siehe Roteiche als (eher sekundär geeigneter) Klimabaum, Wildbienenhotel aus dem Baumarkt, das garantiert keinen Sinn macht, oder die Mär von der Glasscherbe als Brennspiegel im Wald.

Doch abgesehen von diesen Schwächen lassen sich viele Anregungen zur Beobachtung, zum Experimentieren oder zum Umdenken leicht verstehen und durchführen. Auch von den Erwachsenen, die dieses bunte Kaleidoskop des Schreckens und seiner möglichen Abwehr sicherlich nur dann kaufen, wenn sie sich für die garantiert nachfolgenden Diskussionen gewappnet fühlen. Denn trotz aller Sympathie für das kindgerechte Umweltbuch und trotz Kaufempfehlung kann ich dem Satz: „… lässt keine Fragen offen“ nicht zustimmen. Und das ist auch gut so.

Denn nur, wer Fragen hat, bemüht sich um Antworten. Das können wir durchaus und auf gleicher Augenhöhe gemeinsam tun. Kind wie Erwachsene sind in Anbetracht der Breite und Tiefe von Umweltthemen gleichermaßen gefordert. Seinen Beitrag dazu, damit (endlich) anzufangen, kann das Buch garantiert leisten.


[Hensler, Carolin]: Naturforscher Unsere Umwelt. Zum Mitmachen und Ausfüllen. München : arsEdition. 2. Aufl. 2020. 112 S. ISBN 9783845834948.

Rezensionsexemplar, diesmal weitergereicht an den Präsenzbestand des Büros vom BUND Kreisgruppe Bamberg

Rezension zu Voskuhl & Zucchi: „Wildbienen in der Stadt“

Cover Wildbienen in der Stadt, Haupt Verl.Die Rezension kommt im Nachgang unseres Transition-Stammtisches zu Wildblumen-Blühstreifen wie gerufen. Denn Wildbienen in der Stadt, so der Buchtitel, sind oft besser dran als auf dem Land. Allerdings nur, solange es entsprechend ausstaffierte Gärten und kommunale Anlagen gibt, in denen wir die kleine Cousine der Honigbiene „entdecken, beobachten, schützen“ (Untertitel) … und lieben lernen.

Das sehr kurzweilig gestaltete und vielfältig zu nutzende Buch ist ein anschauliches Ergebnis aus den Erfahrungen zur 2013 gestarteten und erfolgreich verlaufenden Kooperation „Osnabrücker Bienenbündnis“. Zahlreiche Fotos mit Erläuterungen zur Wildbienenart und der aufgesuchten Pflanze lassen das Blättern zu einem Aha-Effekt werden.

Systematisch und Praktisch

Wer’s systematischer mag, findet verschiedene Auflistungen, die auch Laien großen Nutzen bringen. So sind wissenschaftliche Namen „ausgedeutscht“ und wir erfahren, welches der Synanthrope, also „mit den Menschen lebenden Arten“ in städtischen Siedlungsbereiche wo zu finden sind, außerdem, ob sie sich polylektisch ernährt oder was genau sie benötigen, wenn es eine oligolektische Art ist.

Den naturpädagogisch Tätigen kommt das Kapitel Wildbienenprojekte für Schule, Kitas und Familien zupass. Die ausführlich beschriebenen Projektinhalte und seine Vermittlungsformen beginnen mit Stichpunkten zum geeigneten Ort für die Aktion, den benötigten Materialien und dem Zielgruppenalter. Aber auch im Hauptteil „Wildbienen im Jahreslauf“ sind praktischerweise immer wieder kleinere Exkursionsmöglichkeiten optisch herausgestellt.

Die Honigbiene als Unterscheidungsmerkmal

Nur kurz wird dabei auf die Honigbiene eingegangen, aber da das dazugehörende Kapitel „Wissenswertes über Bienen“ lautet, darf sie natürlich nicht gänzlich vergessen werden. Die Freude der Eröffnung hat sie im Unterkapitel „Wie Wildbienen leben“. Schließlich ist ihre „hoch-eusoziale, gut organisierte Lebensweise ein unverwechselbares und stark abgrenzendes Unterscheidungsmerkmal zu den ansonsten „primitiv-eusozialen“, den „wild und einsam“ lebenden, den „kommunalen“ und den „parasitärischen“ Bienen ist.

Sie alle sind wahre Spezialisten im Wohnungsbau und oft auch der Nahrungswahl. Was zwangsläufig bedeutet, dass sie durch unseren Flächenverbrauch und den blütenspektrumarmen, oft überdüngten und aufgeräumten, also von „Baumaterialien“ befreiten Landschaften ein echtes Überlebensproblem haben. Weil Städte unbestreitbar heute „die bessere Landschaft“ für Bienen sind, lädt dies – so die Überzeugung von Janina Voskuhl und Herbert Zucchi – geradezu zum Handeln ein.

Was unterscheidet das Buch von anderen?

Nun ist unsere Imker-Bibliothek – die natürlich auch über das Imkern hinaus geht! – mit 28 gelisteten Publikationen zu Wildbienen bereits gut bestückt. Darunter Klassiker aus der Feder von Paul Westrich, Margrit und Paul Hintermeier oder Werner David. Natürlich auch alles von Broschüren über Was-ist-Was-Ausgaben bis hin zum schwergewichtigen Taschenlexikon der Wildbienen Europas.

Doch was der mir vorliegende Rezensionsband aus dem Haupt-Verlag von all dem unterscheidet, ist seine sehr gut verträgliche Mischung aus Information und (Spezial-)Wissen – wer weiß schon, welche Weidenart wann blüht oder an was die meistvorkommenden Hummelarten unterscheidbar sind? – und alltags- und projekttauglichen Teilhabe-Möglichkeiten mit Fokus auf die Stadtnatur.

Der im Übrigen angenehm schmeichelsanft gecoverte Band stachelt förmlich an, sich mit Argusaugen und Lupe sofort „In die Stadt“ aufzumachen, um eine jahreszeitliche Erkundungstour zu starten. Dabei machen wir Halt in (historischen) Friedhöfen, lesen Spuren in Pflasterfugen und an mit Spontanbewuchs überzogenen Wegrändern oder erfreuen uns über Entdeckungen in Blumenbeeten von Vorgärten und über blühende Baumscheiben, die ausnahmsweise ohne Vulkangestein oder dicken Schichten Rindenmulch auskommen.

Wer neben dem Beobachten auch selbst Hand anlegen und seinen Beitrag zum Schutz der Insektenwelt leisten möchte, findet reichlich Pflanz- und Bastelanleitungen im Kapitel „Wildbienen schützen in der Stadt“. Wer jedoch ein „Wildbienenhotel“ bauen möchte – Fehlanzeige! Vielleicht etwas spitzfindig, doch durchaus nachvollziehbar erläutert ist die Alternative von passenden „Nisthilfen“, zumal bei dieser konsequenten Wortwahl der individuelle Charakter der Bauwünsche von Wildbienen stärker betont werden soll.

Fazit

Wer also nicht gleich eine ganze Bibliothek anlegen möchte, sondern ein Wildbienenbuch „für alle Fälle“ braucht, der ist mit dem Kauf aus der Reihe „Haupt-Natur“ sehr gut bedient.


Voskuhl, Janina; Zucchi, Herbert: Wildbienen in der Stadt : entdecken, beobachten, schützen. 1. Aufl. Bern : Haupt Verl. 2020. Haupt Natur. ISBN 9783258081953.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

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