Glyphosat macht Bienen schlapp

Totenfallkontrolle, verkürzter Hinterleib; Diagnose: VarroaschadenVon allen Seiten wird uns derzeit das Ergebnis einer Studie zugetragen: Glyphosat schädigt nachweislich die Darmflora von Bienen und macht sie damit anfällig gegenüber Infektionen. Es ist ja nicht so, als dass das eine Überraschung wäre. Darmmikroben sind winzig kleine Organismen. Warum sollte es gerade diesen sensiblen Minis gelingen, sich eine Elefantenhaut gegenüber Glyphosat zuzulegen?

Nach der Infektionsversuchsreihe überlebten die dem Glyphosat ausgesetzten Honigbienen nur noch zu 10% den Zeitraum von 8 Tagen. Bei den unvergifteten Bienen waren es rund die Hälfte.

Der Apell geht daher „an alle Landwirte und Gartenbesitzer, Glyphosat keinesfalls auf blühenden Pflanzen einzusetzen“. Man geht davon aus, dass „auch andere heimische Bienenarten wie Hummeln oder Wildbienen auf ähnliche Weise betroffen sein können, weil ihre Darmflora der der Honigbienen ähnelt.“ (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2018; doi: 10.1073/pnas.1803880115)
(University of Texas at Austin, 25.09.2018 – NPO)

Siehe dazu auch den jüngsten Stadtratsbeschluss in Bamberg in Sachen Glyphosatverbot.

Unterschriftenliste zum Volksbegehren Artenvielfalt heute noch in der Bienen-InfoWabe unterzeichnen!

viele Bienen an einer SeidenpflanzeEinsendeschluss für die Unterschriften zum Volksbegehren Artenvielfalt ist bereits am 21.09.2018. Da diese Petition, initiiert von der ÖDP Bayern, den Weg zu einem Volksbegehren ebnet, braucht es zahlrreiche Unterschriften. Diese müssen auf den Listen getrennt nach Gemeinden geordnet sein. Bei uns in der Bienen-InfoWabe von 14 bis 18 Uhr ausliegend.

Übrigens: Wir feiern in dieser Zeit unseren Saison-Abschluss – es gibt also auch Sekt, Kaffee und Gebäck, einen künstlerischen Auftritt und die Verleihung des Bienenstadt-Bamberg-Umweltpreises! Es lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht, zu uns in den Bienenweg 1 (Erba-Park) zu kommen.

Die alte Eiche im Hainpark und ihre neue Aufgabe

160 cm Durchmesser, Eiche aus Altem Botanischen Garten im Hainpark BambergLetzte Ruhestätte der Eiche aus Altem Botanischen Garten Ihre letzte Ruhestätte hat die Eiche aus dem Alten Botanischen Garten des Hainparks Bamberg sinnvollerweise dort erhalten, wo 2015 für den Großen Eichenbock ein Areal geschaffen wurde. Und kaum dort abgelegt, schon tummeln sich diverse Insekten auf der Rinde des gefällten Riesen, der einen (ursprünglichen) Durchmesser von 160 cm hat(te).

Letzte Ruhestätte der Eiche aus Altem Botanischen Garten Neue Aufgabe für die alte Eiche

Die letzten Herbstsommerstrahlen am 29.10.16 lockten Feuerwanzen und eine Riesenschlupfwespe herbei – zumindest sind wir uns ziemlich sicher, dass es sich um eine solche handelt. Beim Joggen zufällig angetroffen – und für die Bamberger im Nachklapp unserer ersten Berichterstattung (Tod und Leben im Hainpark Bamberg) als Erinnerung, doch auch als kleiner Trost die Fotos hier festgehalten. Feuerwanze in alter Eiche

Riesenschlupfwespe auf der Eichenrborke Thematisch passt’s ja durchaus in unseren Bienenblog, nachdem auch unsere Bienen zur Ordnung der Hautflüger (Hymenoptera) zählen und zur Unterordnung der Taillenwespen (Apocrita). Dann allerdings trennen sich ihre Linien. Unsere Biene zählt in der Teilordnung zu den Stechimmen (Aculeata) und die Schlupfwespen zu den Legimmen (Terebrantia).

Die auf der Eiche entdeckte Riesenschlupfwespe hat eine lange Legeröhre (Scheide), die sie aufklappen kann, um mit ihrem nun entblößtem Legebohrer durch die Rinde (!) in ein anderes Insekt zu gelangen, in der sie ein einziges Ei legt. Genial, auch wenn’s grausam klingt. Der Tod eines anderen Tieres (oder einer Eiche) schafft wiederum neues Leben. In diesem Sinne …

Schaut mal genau hin und freut euch an der (Neu)Schöpfung!

 

Tod und Leben im Hainpark Bamberg

Ja, jetzt ist es also tatsächlich geschehen. 2011 sah die alte Eiche im Alten Botanischen Garten im Bamberger Hainpark noch groß, trutzig und stark aus, wie ein Foto zeigt. Später dann – wann genau, können wir nicht mehr sagen – wurde sie so stark beschnitten, dass wir entsetzt dachten: „Das wird doch nichts mehr!“

Jahr für Jahr sorgten wir uns um den Fortbestand der alten Eiche, die wir auf unserer Joggingrunde immer besuchten. Nun liegt sie da, wirkt immer noch imposant auch in Rückenlage. Für einen Nachruf hielten wir sie in Bildern fest. Und heute stand es auch in der Zeitung: „Tod einer deutschen Eiche.“ Es berührt also nicht nur uns.

Wespe an gefällter Eiche im Alten Botanischen Garten im Hainpark BambergBeim Nähertreten jedoch entdeckten wir das Leben. Eine große Wespe (Gattung konnten wir nicht eindeutig zuordnen) knusperte etwas vom Innenholz ab. Eine weitere flog aus einem Loch in der schurfigen, grauen Rinde heraus. Eine Libelle wärmte sich ihre Flügel.

Wir hatten davon gelesen, dass die Eiche als Erlebnisraum für den Großen Eichenbock aufgestellt werden soll. Der freut sich sicherlich darüber. Ob all das unseren Kummer und den zig-anderer Spaziergänger aufwiegt?

Leben und Tod sind unsere ständigen Begleiter. Mal können wir’s akzeptieren, mal nicht verstehen. So wie hier im Hainpark im Alten Botanischen Garten, den wir einige Zeit wohl mit Trauerflor im Blick betreten werden. Ruhe in Frieden, Frau Eiche!

Wenn die Feuerwanzen tanzen …

Feuerwanzen fressen tote Biene auf… dann ist es Sommer. Regen hin oder her. Es mag ja nicht gerade appetitlich aussehen, das Bild, wenn sich die eckigen roten Körper um eine tote Biene scharen und genüsslich an ihr zehren. So ist auch unsere Bienenpatin Carmen ein wenig beunruhigt gewesen und meldete uns vorsichtshalber diese seltsame Beobachtung. Doch wir können Entwarnung geben für die Hofstadt-Gärtnerei, wo eines unserer Völker in ihrer Obhut steht – es ist alles in Ordnung.

Feuerwanzen sind Aasfresser. Sie verrichten somit ein gutes Werk, indem sie die Kadaver der Insekten und Kleintiere fein säuberlich entsorgen und dem Kreislauf der Natur zuführen. Brav. Vielen Dank. Auch im Namen der Bienen, die das vielleicht eher schon geschnallt haben als wir, wie nützlich ihre entfernten Verwandten sich doch machen. Im Gegenzug gibt’s eine warme Unterkunft rund um den Bienenstock herum. Denn das brauchen Feuerwanzen, wie der Name schon unschwer verrät. Viel Wärme. So wie wir.Massenhaft Feuerwanzen

Bienenfreundliches Baunach am Nachhaltigkeitstag 2016

Vortragende Alexandra Klemisch

Vortragende Alexandra Klemisch, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Bamberg

„Bienenfreundliche Blumen in Garten, Balkon und Natur“ lautete der Vortragstitel am 6.4.2016 zum 1. Baunacher Nachhaltigkeitstag. In Vertretung von Claudia Kühnel referierte Alexandra Klemisch, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Bamberg und hat dabei besonders die Wildbiene im Visier. Doch vergaß sie natürlich auch nicht die Honigbiene. Da wir jedoch selbst so häufig von Apis mellifera berichten, möchte ich den heutigen Weblog ebenfalls dem Schwerpunkt der „anderen Bienen“ widmen.

Vorab des kurzweiligen und kenntnisreichen Vortrags durften wir Melanie Schmitt die Bienenpatenurkunde überreichen. Sie nahm sie stellvertretend für die Stadtbücherei Baunach entgegen, denn nicht zuletzt geht das Thema des Nachhaltigkeitstags auf ihre Initiative zurück. Melanie und ihre Familie waren nämlich begeisterte Teilnehmer unseres letztjährigen Honigschleudertages und möchten nun auch die Baunacher und Reckendorfer Schulklassen ins Bienenthema „hineinschnuppern“ lassen. Ermöglicht wurde die für diese Zwecke vereinbarte Bienenpatenschaft übrigens durch die Spende von REWE-Kaufmann Philipp Smith, der auch unsere Bienen-InfoWabe mit finanzierte. Vielen Dank euch allen!

04371-Bienenpatenurkundenuebergabe-Melanie-Schmitt-Baunach

Bienenpatenurkundenübergabe an Melanie Schmitt (m.) für Stadtbücherei Baunach durch Bienen-leben-in-Bamberg.de, unterstützt von Phillip „REWE“-Smith, Baunach (re.). Danke für das Foto an Johannes „Technik-„Michel, Baunach.

Streuobstwiesen-Problematik

„Was früher als intensiv galt, ist heute „extensiv“, so Frau Klemisch und bezog sich auf die Streuobstwiesen, zu deren Beseitigung dermaleinst sogar Fördermittel zur Verfügung gestellt wurden. Einige Flächen sind jedoch glücklicherweise erhalten geblieben und dienen, sofern nur selten oder abschnittsweise gemäht, zahlreichen Insekten Unterschlupf und Nahrung. Die Krux: Wer kann heute noch sensen? Denn für große Maschinen ist kein Durchkommen. Tipp: Sich einen persönlichen Kontakt zu einem „Schnitter“ verschaffen und sich’s zeigen lassen. Zum richtigen Zeitpunkt der Mahd befragt meinte Frau Klemisch, dass dieser nicht einmal so relevant wäre, sofern das Gras einige Zeit liegen bleiben könne.

Insektenhotels – nicht nur gut gemeint, auch gut gemacht!

Ein weiterer Tipp der versierten Fachfrau betrifft das Abräumen der Beete. Je später im Jahr, desto besser. Denn in den verwelkten Stengeln und Stielen nisten so manche Wildbienen und andere Insekten. Sie weist außerdem auf die allerorts verwendeten Insektenhotels hin, die zwar gute gemeinte, jedoch nicht immer gut gemachte Möglichkeiten des Nistens aufweisen.

1441-Vortragsgaeste-Nachhaltigkeitstag-Baunach16Zurückgreifen solle man auf Harthölzer (Esche, Buche, Kirsche), längsseitig gesägt, um Rissen vorzubeugen, in der Lochung 10 / 8 / 6 mm und gerne auch noch enger bis 2 mm. Ein Mitglied im Verein für Obst und Gartenpflege Baunach, dem Veranstalter des heutigen Vortrags, bestätigte durch eigene positive Erfahrung, dass es außerdem zweijährig bzw. gut abgelagertes Holz sein müsse, an dem die Rinde drangelassen werden sollte. Außerdem keine kantigen, scharfen Locheingänge (also Versenkungen bohren) und am besten von Hand gebohrt in einer Tiefe von 10 cm bei 12 cm Holztiefe. Außerdem käme es auf einen sonnigen Standort an.

Weitere Ingredenzien sind (abbröselbarer) Lehm, jedoch nutzt beispielsweise Stroh nur eher den Flohrfliegen. Ebenso weniger geeignet sind normale Ziegeln. Wenn schon, dann Strangfalzziegeln. Und wenn schon markhaltige Hohlstengel, dann nur senkrecht positioniert. Die Nistangebote des Insektenhotels sollten mit einem Drahtgeflecht in mindestens 6 cm Abstand vor Vögel geschützt werden. Es sei denn, man will gerade den Vögeln etwas Gutes tun.

Medienempfehlungen

Zur Abrundung der Powerpoint-Präsentation wurden Flyer, Handzettel und Buchtipps aufgelegt. Besonders herausgehoben wurden die Sachbuchautoren Paul Westrich und Reinhard Witt. Melanie Schmitt flüsterte mir zu, dass sie in der Stadtbücherei eine eigene Abteilung zur Nachhaltigkeit eingerichtet hätten. Und auch wir von Bienen-leben-in-Bamberg.de verfügen über eine in der Bienen-InfoWabe in Bamberg, Bienenweg 1, aufgestellte Imkerbücherei, die wir aufgrund des heutigen Vortrages um weitere Titel anreichern werden. Über Spenden zu den neuen Buchtiteln* würden wir uns natürlich sehr freuen.

Mit gutem Beispiel voran

Das Landratsamt Bamberg geht übrigens im Bezug auf Blühwiesen mit gutem Beispiel voran. Was erst als „Versuchsgelände der Akzeptanz“ am Weg entlang zur Tiefgarage angelegt war, wurde von den Beschäftigten nachdrücklich gelobt. Schauen Sie doch selbst einmal dort vorbei und überzeugen Sie sich, um wie viel schöner doch Blühendes ist im Gegensatz zum Einheitsgrün lebensfeindlicher Teppichrasen. Der Appell von Alexandra Klemisch, immerhin eine Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektur (FH), verhallt heute sicherlich nicht unbeachtet: „Statt die Natur auszuräumen, einfach eine Ecke bewusst ohne große Eingriffe sein lassen. Brennnessel & Co. dürfen (selbstverständlich) sein. Argumentieren Sie deren hohe Nützlichkeit selbstbewusst.“

Dem können wir uns nur anschließen! Und empfehlen außerdem die Fortsetzung des Nachhaltigkeitstags bzw. der -tage am 27.04.2016 in Baunach im Bürgerhaus Lechner Bräu. Alle Veranstaltungen sind öffentlich und kostenfrei!

* Gesamter Wert: € 244,48. Auszug der bestellten Bücher:

Weiterer Bericht:
Bienen, Insekten und der 1. Baunacher Nachhaltigkeitstag (Johannes Michel). In: NachrichtenamOrt. 08.04.2016.

1. Baunacher Nachhaltigkeitstag mit Bienen und Insekten … und uns

Flyer-Baunach-Nachhaltigkeitstag2016-1 Wir freuen uns auf den 06.04.2016, den 1. Nachhaltigkeitstag in Baunach. Die Tage – es sind deren mehrere – sind Initiiert von der Stadtbücherei Baunach (aktualis. Link 4.4.), die künftig eine Bienenpatenschaft bei uns, also der Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de, eingehen wird. Zur Überreichung der Urkunde, die REWE Baunach sponsert, treffen wir uns um 19 Uhr im im Gasthof Oberleyhof, wo es im Anschluss einen Vortrag zu „Bienenfreundliche Blumen in Garten, Balkon und Natur“ geben wird. Ausrichter ist hier der Verein für Obst und Gartenpflege Baunach, Referentin ist Claudia Kühnel vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Bamberg.

Flyer-Baunach-Nachhaltigkeitstag2016-2Das passt hervorragend zu unserem prall bestückten Informationsordner, den wir für die Bienen-InfoWabe erstellt hatten. Darin befinden sich jede Menge Listen und Tipps, wie man den Bienen – speziell den Honigbienen – einen reichen Tisch decken kann. Aber natürlich profitieren auch andere Insekten von der vermehrte Aufmerksamkeit. Wir sind gespannt, wie wir das Material mit Hilfe des Vortrags noch werden ergänzen können.

Der nächste Termin zum Nachhaltigkeitstag ist der 27.04.2016 im Bürgerhaus Lechner Bräu. Hier geht es ab 9.15 Uhr um Schulprojekte und Imker. Präsentiert werden Schulprojekte aus Ebern und Baunach zum Thema Bienen und Insekten. Geboten werden außerdem Informationsstände, Filme, Büchereiführung, Honigverkauf und eine Präsentation der Imker. Am Nachmittag findet dann ein ganz tolles Familienprogramm statt. Doch dazu in einer späteren Ankündigung noch mehr.

Alle Veranstaltungen und Aktionen sind öffentlich und kostenfrei. Ein Besuch lohn sich garantiert!

Duftendes und Heilendes mit Elke Puchtler zum Aromagartenfest Erlangen 2015

Vortragende Dr. rer. nat. Elke Puchtler Aromagartenfest 2015Wieder eine wunderbare, kenntnisreiche Führung von Dr. rer. nat. Elke Puchtler anlässlich des Aromagartenfestes an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Die freie Mitarbeiterin des Botanischen Gartens trotzte tapfer der Hitze und schaffte es, zweitweise mehr als 50 Interessierte in ihren inhaltlichen und stimmlichen Bann zu schlagen. Was eine Kunst war inmitten schmaler Wege und dadurch weit verstreuter Zuhörender.

Hummel an LavendelNa, und die vernehmlich summenden Tierchen, die ein wahres Bienen-Ballett (O-Ton Thomas) inmitten der duftenden Lavendel aufzuführen schienen, mussten ebenfalls übertönt werden. Für diese fleißigen Bestäuberinnen hat die Biologin naturgemäß ebenfalls sehr viel übrig.

Ob Kräuterhexe oder weise Frau – ihr Wort wirkt genau!

Vortragende Dr. rer. nat. Elke Puchtler Aromagartenfest 2015Immer doch drängt sich mir beim Anblick der hochgewachsenen, ruhig strahlenden und in sich gefestigten Frau mit ihren gebändigten roten Locken, die ohne Eitelkeit ihr enormes Wissensspektrum freigiebig unters Volk bringt, der Vergleich zu einer Kräuterhexe auf. Eine weise Frau wäre sie wohl gewesen und hoch geschätzt – zumindest vor der Zeit des dunklen Mittelalters. Doch sicherlich auch geschätzt von den Mitarbeitern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, denn warum sonst würde man sie über all die Jahre mit steigender Tendenz um ihre Führungen bitten.

Dr. rer. nat. Elke Puchtlers kräuterheilkundige

Vortragende Dr. rer. nat. Elke Puchtler Aromagartenfest 2015Keine Frage ist ihr zu gering, allen schenkt sie die gleiche hohe Aufmerksamkeit und ein freundliches Lächeln, das nur beim von ihr achtsam referierten Ausflug in die hohe Kunst der Heilkunde einem konzentrierten Ernst weicht. Sie weiß, was sie ihren Mitmenschen raten darf. Denn als Heilkundige mit eigener Naturheilpraxis und langjährigem Erfahrungswissen ist sie sich ihrer hohen Verantwortung bewusst. Hierin ist sie Perfektionistin, beispielsweise mit Mengenangaben der von ihr empfohlenen Stärkungsmittel. An diesem Tag waren es vor allem diejenigen, die der Psyche wohl tun. Da ist sie ganz genau und legt sozusagen „ihr Wort auf die Goldwaage“.

Vortragende Dr. rer. nat. Elke Puchtler Aromagartenfest 2015Daher war es ihr auch wichtig, dass die im nachfolgenden Video schlecht verständliche Sequenz (etwa bei Tonspur 0:38) hier eine textliche Ergänzung erfährt. Sie lautet: „Um ein Liter ätherisches Melissenöl zu gewinnen braucht man ein Feld von 3000 qm und zwei bis drei Tonnen Pflanzenmaterial … das sind mehrere Lastwagen!“

Wertvolle Kräuter für Seele und Psyche

MuskatellersalbeiFür die Seele und Psyche kommen vor allem folgende Pflanzen aus dem Aromagarten zur Anwendung, so der rote Faden durch Elkes Führungsthema: Muskatellersalbei, Minze, Johanniskraut, Lavendel und Rose.

LavendelOb als duftende Öle oder in Form von Tees benötigen sie für ihre volle Wirkung neben der richtigen Anwendungsform, Dosierung und Beachtung von Kontraindikationen vor allem eines: Unverfälschtheit und Reinheit. Keine chemische Herstellung ersetzt das Naturprodukt auch nur annähernd, und von vermeintlich günstigen Angeboten, da in der Regel mit billigen Ölen gestreckt oder mit synthetischen Ölen verfälscht, darf man ebenfalls nicht die erwünschte Wirkung, nämlich Glückshormone, also Endorphine mit ihnen auszulösen erhoffen, so Dr. Elke Puchtler.

Beschilderung der MenthaDer Ernst weicht jedoch sofort, geht es um den essbaren Einsatz von Blüten und die Anwendung von Duftkräutern zur Aromatisierung von Speisen und Getränken. Bei letzterem hat vor allem die Minze die Nase vorne. Die von Elke empfohlenen Mischungen und auch die Tipps, was die umsichtige Ernte der Zitronenmelisse anbelangt (die Blätter nicht quetschen!), kommen uns bei den hochsommerlichen Temperaturen gerade recht.

Hier zwei Durstlöscher:

1 EL Blätter der Zitronenmelisse mit ¾ l kochendem Wasser übergießen oder bei frischer Melisse auf 1 Liter eine Handvoll der duftenden Blätter * 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abseihen, abkühlen lassen * ¼ l Apfelsaft zugeben.
Einfach lecker! Wer will, kann natürlich mit wenig Bienenhonig süßen!

 

1 Liter kräftiger Melissentee wie oben (2 Handvoll frische Melissenblätter) * 2-4 EL Blütenhonig * 1 Liter Mineralwasser * ein paar Zitronenscheiben einer Bio-Zitrone * 1 Liter Apfelsaft

Apothekerrose (Galica)Doch auch die Rose erfrischt und erfreut unser Herz und nimmt jedem Kummer seinen Stachel. Lassen wir unsere Kräuterfrau selbst sprechen:

Die Rose ist so alt wie die Menschheit. Die älteste gefundene Rose ist eine 40 Mio. Jahre alte Versteinerung wahrscheinlich einer Gallica-Rose aus den Rocky Mountains. Rosenöl war in allen Kulturen ein wertvolles Gut. Die erste gemalte Darstellung einer Rose wurde übrigens im Palast von Knossos gefunden und ist 4000 Jahre alt.

 

Vortragende Dr. rer. nat. Elke Puchtler Aromagartenfest 2015Rosenöl ist für mich die Königin der Düfte. Am häufigsten findet sich bei uns das ätherische Öl der Damaszenerrose, die in Bulgarien angebaut wird. Für 1 kg Rosenöl werden 8 Millionen Blüten benötigt. Daher ist das Öl sehr teuer und auch sehr wertvoll. Billigöle werden oft gestreckt. Für therapeutische Anwendungen der Rose ist ein pestizidfreier Anbau der Rosen empfehlenswert. Die 4 Glücksdüfte: Rose, Jasmin, Grapefruit und Muskatellersalbei bewirken durch Aktivierung des Thalamus im Gehirn eine Ausschüttung von Endorphinen (Glückshormonen)

 

Gute Aussichen mit Dr. Elke Puchtler

Thomas und Elke PuchtlerFür uns ein fest verankerter Termin im Kalender ist das jährliche Aromagartenfest (an der Palmsanlage) am ersten Mittwoch im Juli oder auch alternativ der Tag des Botanischen Gartens (Loschgestraße 1) am 21. Juni zur Mittsommernacht. Wer Dr. Elke Puchtler ganz speziell zu einem anderen Termin möchte, kann eine (Themen-)Führung buchen.

Doch bis zum nächsten Jahr muss niemand warten, wenn er in den Genuss eines ihrer lebendigen Vorträge kommen möchte. Denn Frau Puchtler beehrt unsere kommende Eröffnungsfeier der Bienen-InfoWabe am 20.09.2015 im ERBA-Park. Ihr Festvortrag am Vormittag wird lauten: „Wegbegleiter des Menschen: Bienen, Honig, Blütenpflanzen“.

Vortragende Dr. rer. nat. Elke Puchtler Aromagartenfest 2015Zwar ist der Vormittag als Festakt nur für geladene Gäste vorgesehen, doch werden wir ihren Vortrag im Anschluss auch in unser Weblog einstellen. Außerdem wird Frau Dr. Puchtler am Nachmittag zur Einweihungsfeier Führungen anbieten, um besonders auf bienenfreundlichen Bewuchs hinzuweisen. Sie finden laufend und ohne Anmeldung im angrenzenden Interkulturellen Garten statt und sind auch für Kinder geeignet. Denn ein weiteres Berufsfeld führt sie als Gesundheitsförderin beispielsweise an Grundschulen in Bamberg und Herzogenaurach oder als Dozentin für ernährungsabhängige Erkrankungen zu angehenden Diätköch(inn)e(n) in Rothenburg ob der Tauber.

Thomas Puchtler neben KönigskerzeVielen Dank, liebe Elke, für vergangene und kommende „Kräuter-Bildungsfreuden“ und vor allem für deinen persönlichen Einsatz für das Wohlergehen der Menschen und – ja, auch der Bienen, die sich über diese wertvollen Trachtpflanzenführung sicherlich ebenso begeistern würden, wären sie nicht selbst die besten aller Gesundheits- und Genussspezialistinnen!

Reinhold BurgerUnd … herzlichen Dank für eure Freundschaft, liebe Elke und lieber Thomas, die wir uns nicht zuletzt über das Bienenthema gesucht und gefunden haben!

Eure Ilona und Euer Reinhold

Aromagartenfest in Erlangen (2): Elkes Kräuterführung

Gruppe um Elke Puchtlers KräuterführungNicht nur der Botanische Garten am Schlosspark, sondern auch der ihm zugehörige Aromagarten der Universität Erlangen an der Palmsanlage ist eine Reise wert! Doch so schön wie derzeit die Kräuter blühen und duften war es am vergangenen Mittwoch wohl mit die beste Zeit für das Aromagartenfest, auf das uns meine Co-Autorin dieses Weblogs aufmerksam gemacht hatte.

Gruppe um Elke Puchtlers KräuterführungUnd der Einladung von einer Dr. rer. nat. Elke Puchtler, Biologin also und zugleich Heilpraktikerin und erfahrene Kräuterkundige, ist unbedingt zu folgen, denn so kenntnisreich und verdichtend, die gebannt Zuhörenden außerdem noch mit handfesten Tipps für den Kräutereinsatz in Küche und bei der Körperpflege versorgend, erlebt man es nicht alle Tage. (Es sei denn, man besucht Carmen Dechants Kräuterführungen in der Hofstadt-Gärtnerei, die sind ebenfalls sehr empfehlenswert!)

Elke Puchtler kann aber auch anders. So schloss sie die erste Führung mit besinnlichen Tönen, indem sie der über 40 Personen starken Gruppe ein Kräutermärchen über Samantha und deren Erlebnisse mit einem Lavendelelfchen (aus dem leider vergriffenen Buch: „Gegen Märchen ist kein Kraut gewachsen“) vorlas, sich dabei mit einer Blockflöte und dem feinen Rauschen eines „Regenmachers“ begleitend. Da ließ sich wundervoll abschalten! Perfekt für uns, die wir aus einem sehr umfangreichen Wochenpensum praktisch mit hechelnder Zunge in den Garten hineingefallen sind. Den Rest taten die beruhigenden Aromen des Lavendels, dem die Hauptaufmerksamkeit von Elkes Führung gegolten hatte.

Lavendel – der blaublütige Star unter den Kräutern

Lavendel mit Beschriftung im AromagartenLavendel, so ihr Tipp, sollte sparsam dosiert werden. Zur Anwendung kommen sowohl die Blüten als auch die Triebspitzen und Blätter. Der Officinalis ist dabei die erste Wahl, wie das ganz generell für alle Kräuter gilt. Denn dann kann man davon ausgehen, dass es eine „Apothekerpflanze“ ist, also eine besonders heilkräftige Wirkung entfaltet. Des arzneilichen Lavendels andere Bezeichnung ist angustifolia, oder auch Echter bzw. Schmalblättriger Lavendel.

Blaublühendes mit LavendelDa seine Aromen leicht flüchtig sind, empfiehlt es sich, nach dem Überbrühen (von 1 TL Lavendel mit 1 großen Tasse kochendem Wasser) sofort einen Deckel aufzulegen und nach fünf Minuten Ziehzeit – nicht mehr! – das am Deckel gesammelte Kondenswasser in das Gefäß zurücktropfen zu lassen. Am besten atmet man die Duftwolke schon gleich mal mit ein. Und mit Honig gesüßt schmecken die leicht bitteren Bestandteile auch weniger hervor.

Was habe ich mir noch gemerkt? Dass Lavendelöl beruhigend wirkt, ganz klar. Aber auch leicht appetitanregend (durch die Bitterstoffe) und wundheilend, da antibakteriell, antiviral und antimykotisch. Für die Beduftung von Kleiderschränken unschlagbar, Motten meiden den starken Geruch, während Bienen sich magisch von ihm angezogen fühlen – zumindest auf dem fast einen Hektar großen Gelände, wo sie umherschwirrten wie betrunken.

Kräuter für die Gourmet-Küche

Eine Zuhörerin wollte den Unterschied zwischen Majoran und Oregano erklärt haben. Elke Puchtler konnte natürlich umgehend antworten: Majoran ist bei uns einjährig und nicht winterhart, der wilde Bruder Oregano hingegen schon. Oregano sei die Pflanze gegen Liebeskummer der Italiener, so belustigte sie die Lauschenden und Schnuppernden. Kein Wunder, dass fast alle echten Pizzen damit bestreut werden. Kräftig also davon verwenden, wer noch Single ist! Und kräftig wirkt auch der Dalmatinersalbeider wirkt allerdings gegen Herpesviren!

Reinhold neben Großblättriger KönigskerzeWeniger kräftig ist der zarte Duft der Großblütigen Königskerze, deren Blüten essbar sind, wie Elke weiß. Und ihr ultimativer Sommertipp lautet: Minze in all ihren Varianten, wie zum Beispiel Apfel- oder Orangenminze. Diese Minzsorten werden vor allem im Wellnessbereich im Kräuterwasser gerne verwendet und sind ideale, mineralstoffreiche Durstlöscher. Als Tee hier allerdings 10 Minuten ziehen lassen, nicht nur fünf wie beim Lavendel.

Aromabar – wer erkennt den Duft? Mit Elke PuchtlerEin Minzpesto ist außerdem eine leckere Zutat für einen orientalischen Couscous-Salat und gegrilltem Halloumikäse auf der sommerlichen Grillparty. Elke ließ sich nicht lange bitten, die Zutaten zu verraten, die sie natürlich sofort parat hatte: Pfefferminze, Mandeln, Knoblauchzehe und mildes Olivenöl. Der besondere Tipp: Minze bleibt schön grün, wenn sie kurz in heißem Wasser blanchiert wird.

Es war überhaupt erstaunlich: obgleich Elke eine beachtliche Anzahl Merkzettel dabei hatte, waren diese Stichwortgeber offensichtlich nur dazu gedacht, eine Auswahl getroffen zu haben. Denn wie leicht hätte sie sonst wohl das gesamte Pflanzenarsenal zu Gehör gebracht. Ablesen hingegen musste sie daraus nichts, das Wissen perlte ihr nur so von den Lippen.

Bienen würden Kräuter pflanzen!

Hummel an MonardeAuch dafür hat Elke Puchtler viel übrig: Insekten und – ja, Bienen! Wie schön für uns Imker! Sie empfiehlt allen Gartenfreunden nachhaltige Blühmischungen auf magerem Boden, wie sie zum Beispiel Rieger-Hofmann® GmbH vertreibt. Ich hatte gestern ja schon im ersten Teil meines Berichts auf die schöne Blühwiese hingewiesen, bzw. in die dort aufgestellte Schaufensterbeute von Imker Helmut Klier. Diese Blühwiese war allerdings nur einjährig – doch das geht natürlich ebenfalls, wenn man das Nachsäen nicht scheut.

Biene an SeidenpflanzeRundum versorgt also die Bienen, zumindest in Erlangen, und nun auch wir Menschen durch die tolle Führung von Dr. Elke Puchtler, die sich mit uns zwischen etlichen anderen Führungsgrüppchen und -gruppen auf schmalen, romantischen Pfaden durchschlängelte. Rein vom Zuhören und Kräuterzermalmen lief uns wohl allen längst schon das Wasser im Munde zusammen. Welch‘ Glück – lukullisch verwöhnt wurden wir äußerst passend mit superleckerem Kräuterschmand auf Kartoffeln, mit Gemüse-Pilz-Spießchen und majorandurchsetzten Bratwürsten, so, wie sie das Frankenherz einfach liebt.

rote, gelbe und weiße BlumenEin wunderschöner Nachmittag bzw.  Abend mit und durch Elke und Gatte Thomas – und nicht zu vergessen! – die (für uns unsichtbar gebliebenen) „zwei halben (!) Gärtnerstellen“, die ein wahres Kunststück mit diesem Aromagarten geschaffen haben und denen wir wünschen, dass sie alle Unterstützung bekommen, die nur irgend möglich ist! Wir jedenfalls reisen ganz sicher wieder aus Bamberg an, um uns berauschen zu lassen an Aromen und Drogen, die Mensch und Tier tatsächlich gut gebrauchen können!