250 Titel in der Imker-Bibliothek von Bienen-leben-in-Bamberg.de

Literatur zur Imkerei der Imker-Bibliothek / Bienen-leben-in-Bamberg.deMehr als 380 Einzelbände bei rund 250 Titel sind nunmehr in unserer Imker-Bibliothek eingestellt und im Zotero-Katalog erfasst. Thematisch aufgeteilt sind sie in der Bienen-InfoWabe in mittels Farbcode getrennte Gruppen:

  • Bienen & Wildbienen
  • Imkerei
  • Honig & Bienennebenprodukte
  • Natur (Schwerpunkt „Lebensraum der Insekten“)
  • KIKI – die bunte Kinderbücherkiste mit Bilderbüchern und Spiele
  • Lehrmaterial für Schulen & Klassensätze
  • Broschüren & Flyer

KIKI, Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Lese-/Ausleihzeiten der Imker-Bibliothek

  • Warme Jahreszeit

Zu den Betriebszeiten der Bienen-InfoWabe, Bienenweg 1, 96047 Bamberg (= jeden 3. Sonntag von April bis September, 14-17 Uhr).

-> Wegen der Corona-Pandemie sind die Bücher nur einsehbar bzw. ausleihbar wie unter „Kalte Jahreszeit“ beschrieben.

  • Kinderbücher im Schaufenster der Bienen-InfoWabeKalte Jahreszeit

Außerhalb der Betriebszeiten der Bienen-InfoWabe (= Ab Mitte September bis Mitte April) können die Medien im Obstmarkt 10 (3. Stock) in 96047 Bamberg bestellt und abgeholt werden. Bitte vereinbaren Sie vorab mit uns eine Besuchszeit!

Nutzung

Alle Medien der Imker-Bibliothek sind zu den regulären Betriebszeiten der Bienen-InfoWabe für ALLE Besucher/innen einsehbar.

Darüber hinaus sind die Medien für einen eingeschränkten Personenkreis auch ausleihbar.

  • IBZV-Mitglieder
  • Bienenpatinnen und -paten unserer Initiative BLIB
  • ERBA-Park-Nachbarn der Bienen-InfoWabe, z. B. Interkultureller Garten Bamberg, Kleingartenvereine, Otto-Friedrich-Universität
  • Schulangehörige und Imkerkurs-Teilnehmende, die zu uns zum Unterricht kommen

Die Imker-Bibliothek setzt sich zusammen aus der IBZV-Bücherei (36 Titel), der Schulbienen-Bücherei (BSB) (161Titel) und aus unserem BLIB-Privatbestand (55 Titel) sowie einiger Artikel, die wir auf Zotero verortet haben. Daher ist die Ausleihe punktuell etwas eingeschränkt.

Bestandsgalerie

Rezension zu Tourlonias/Sabbag/Kelly: „Die Baby Hummel Bommel – Alles wird gut“

Cover "Die Baby Hummel – Alles wird gut", arsEditionDie Baby Hummel Bommel hat sich den Zeh gestoßen, oh weh!

Auf 7 Doppelseiten wird der Heile-heile-Segen-Prozess der Familie Hummel einfühlsam nachgezeichnet. Da wird gepustet, gekühlt, gepflastert und natürlich gekuschelt. Mama eilt zur Hilfe, und auch Papa Hummel nimmt seine Trösterolle wahr.

Ebenso der große Plüschbär und die kleine People-of-Colour-Puppe, die beide besorgt Anteil am Geschehen nehmen. Sie agieren ein wenig wie eine „Geschichte in der Geschichte“. Außer den am Boden sehr sympathisch herumliegenden Vorlesebüchern und den netten Zeichnungen an der Wohnzimmerwand nehmen früher oder später alle Spielsachen im Verlauf der Seiten eine neue Position ein. Kindern wird dies sicherlich sofort auffallen, und so lassen sich mehrere Erzählstränge verfolgen.

Illustration und Textgestaltung

Mit dem „Tröstebuch zum Bestseller“ ist der feinsinnigen Illustratorin Joëlle Tourlonias mit scheinbarer Leichtigkeit wieder ein wunderbarer Wurf innerhalb der Reihe „Die Baby Hummel“, dem Ableger der Reihe „die Kleine Hummel Bommel“, gelungen. Der Malstil erinnert mich immer ein wenig an Janosch, nicht nur wegen der ähnlich gelb-braun-gestreiften Tigerente. Doch wo Janosch mehr krikel-krakelt, zeichnet Tourlonias feiner und konturierter. Aber mit der lebenden Legende Horst Eckert verglichen zu werden, ist ja wirklich keine Schande.

Die jeweils dreizeiligen Texte in Reimform des Autorinnenduos Britta Sabbag und Maite Kelly beginnen standardmäßig mit der Klage: „Oh weh, oh weh, der Zeh tut weh!“ Die beiden scheinen zu wissen, dass Wiederholungen für Kleinkinder geradezu begierig aufgegriffen werden. Die kleine Ungereimtheit der letzten Textstelle, die ausnahmsweise aus dem Wiederhol-Rhythmus ausschert – Ich halt dich fest und lass nicht los“ –, besteht darin, dass es ja beide Elternteile sind, die (dann wieder folgerichtig) im letzten Satz die Zauberformel verkünden: wir schaffen das zusammen!“. Nun, das fällt vermutlich nur der Rezensentin auf, die ernsthaft nach einem Kritikpunkt fahndete, um ihrem Job gerecht zu werden. Mehr war nicht zu kriegen. Es ist und bleibt einfach …

… ein starkes Buch für die schwachen Momente von Babys und Kleinkindern!


Die Baby Hummel Bommel – Alles wird gut : Das Tröstebuch zum Bestseller / Joëlle Tourlonias ; Britta Sabbag ; Maite Kelly. München : arsEdition. 2019. 16 Pappeseiten.
ISBN 978-3-8458-2943-2

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek – und für unsere neue Kinderbücherkiste!!!

Kinderbücherkiste für die Bienen-InfoWabe

Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)
Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Weil unsere derzeit 15 Bilderbücher [PDF] und 6 Spiele [PDF] zur kommenden Saison praktisch und hübsch präsentiert werden sollen, entstand eine rollbare Bücherkiste. Natürlich verwendeten wir – stilistisch und farblich passend zu den Regalen der Bienen-InfoWabe – wiederum eine Zarge, also ein Stockwerk eines Bienenhauses.

Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Wir hoffen, ihr könnt das kleine Kunstwerk ab dem 3. Sonntag im April, sprich: 18.04.2021, selbst in Augenschein nehmen. Genau so, wie unsere wachsende, mittlerweile über 200 Titel umfassenden Imker-Bibliothek mit Themenbeständen zu Bienen, Honig, Imkerei und Natur. Und natürlich der neu gestrichenen Wände.

Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Der kleine Bestand an Bilderbüchern, aber auch der 15 Vorschulbücher, sind gedacht für die Geschwister und kleinen Besucher/innen der Bienen-InfoWabe. Denn der überwiegende Bestand ist für unsere Hauptzielgruppen angeschafft, also den Schüler/innen ab der 2. Jahrgangsstufe, den Lehrkräften, Jugendlichen und Erwachsenen. Alle Titel finden man im Bestandsverzeichnis (Katalog) auf der Plattform Zotero.

Rezension zu Choux: „Mein erstes Buch von den Bienen“

„Mein erstes Buch von den Bienen“ für Kleinkinder ab 18 Monaten, so die Empfehlung des Verlags arsEdition, kommt kompakt mit stabilen, quadratischen Pappeseiten daher, ganz so wie auch die anderen aus der Reihe „Mein erstes Buch von …“.

Genau wie diese wartet es mit einer Animation durch bewegliche Felder auf. Hier sind es 5 auf insgesamt 10 Doppelseiten zuzüglich dem Haupttitelblatt. Sie könnten sicherlich raffinierter sein, doch positiv ist die stabile Verarbeitung, die den kleinen, jedoch durchaus kräftigen Patschhändchen stand halten sollte.

Neben den von Nathalie Choux gemalten Bienen tauchen lediglich noch zwei Schmetterlinge auf. Die Formgebung der wenigen Objekte wie Waben, Baum, Blumen und Bienenstock erfolgten sehr vereinfacht, wobei bei den Blumen nicht an farblichen wie blütenblättrigen Unterschieden gespart wurde. Diese sind denn auch (sorry, Bienen!) das  begeisterndste Motiv.

Wer jetzt denkt, man können am Wenigen nicht viel falsch machen, irrt. Sehr unlogisch hängt der Bienenstock am Ast eines Baumes herab. Was der Form dieser  Abbildung in der Realität am nächsten käme, wäre ein Bienenschwarm, also tausende von Bienen in Traubenform. Die Zeichnung erinnert jedoch an einen historischen Stülper, wie er jedoch nur noch hin und wieder in der Heide anzutreffen ist. Dieser jedoch wird nicht in den Baum gehängt, sondern befindet sich stehend in Bodennähe oder auf einem Regal. Hier also wurde beides lustig gemischt. Und ja, es stört mich, weils’s grafisch leicht vermeidbar gewesen wäre, den Kleinen so einen Unsinn zu kredenzen.

Doch großes Lob für die kurze Erläuterung, dass nicht Honig, sondern Nektar gesammelt wird und DANN erst im Bienenstock der Honig entsteht. Wie oft schon las ich in Kinderbüchern, die Bienen würden HONIG sammeln. Nun, ich bin wieder versöhnt.

Fazit: Für 15 bis 20 Monate alte Kinder als fröhlich daherkommende Lese-Spiel-Überraschung möglich.


Choux, Nathalie: Mein erstes Buch von den Bienen. München : arsEdition. 2020. 12 Pappeseiten.
ISBN 978-3-8458-3671-3

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*24* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Der Titel „Handbuch für die erfolgreiche Imkerei“ macht neugierig. Die beiden Wörter „Handbuch“ und „erfolgreich“ erheben Anspruch auf einen gehaltvollen Inhalt des Buches. Zumal die genannten Imker im Untertitel von Camille Pierre Dadant bis zum Angepassten Brutraum nach Hans Beer“ bekannte Namen sind. Ungewöhnlich auch das in schwarz gehaltene Cover mit silbergrauen, filigranen Blatt- und Blütenornament. Um es vorwegzunehmen: Das Buch hält, was es verspricht, jedoch auf eine überraschend andere Art als erwartet.

Inhalt und Aufbau

Der Kern

Den Kern des Buches bilden die aus dem Englischen übersetzten Originaltexte von Camille Pierre Dadant, bestehend aus den Teilen der beiden Bücher „Dadant System of Beekeeping“ und „First Lessons in Beekeeping“. Ersteres erschien bereits 1920, das zweite Buch im Jahr 1934. Kapitelweise folgen die Ausführungen von Hans Beer, ergänzt durch Erläuterungen des Autorentrios Marion Loeper, René Schieback und Tino Lorz. Die spannende Entwicklung des Handbuchs und damit ein Stück weit auch Historie über mehrere Imkergenerationen hinweg lesen Sie bitte in der Fußnote nach.¹

Die Übersetzungen

Die Texte von Dadant erschienen als Übersetzung bisher auf spanisch, russisch, italienisch sowie französisch und mit dem vorliegenden Buch erstmals auch in deutscher Sprache. Hier ein herzliches Dankeschön an Marion Loeper für den flüssig lesbaren Sprachstil der Übersetzung. Bemerkenswert sind die heute immer noch aktuellen und modern anmutenden Ausführungen von Dadant. Hans Beer wird dazu mit folgendem Kommentar zitiert: „Warum hat uns das keiner früher gesagt? Warum habe ich dieses Buch nicht vor 50 Jahren schon lesen dürfen? Das hätte mir Jahre des Experimentierens erspart, denn die Ergebnisse waren ja schon alle da.“

Der angepasste Brutraum

Bruder Adam, Züchter der Buckfastbiene, nutzte die von Dadant entwickelte Großraumbeute. Hans Beer, ein Schüler von Bruder Adam, entwickelte dessen Arbeitsweise weiter zur Betriebsweise, die „Angepasster Brutraum“ genannt wird. Die Autoren diskutierten die Texte Dadants Kapitel für Kapitel mit Hans Beer und schrieben dessen Beiträge und sein Wissen dazu ebenfalls kapitelweise nieder. Die Protokolle, vor allem in Zusammenhang mit den Beschreibungen Dadants, geben so detailliert Auskunft über Beers Betriebsweise. Stilistisch wirken die Protokolle auf mich etwas holzschnittartig, was ihren inhaltlichen Wert jedoch keinesfalls mindert.

An die Ausführungen Beers schließen sich zum Schluss jedes Kapitels weitere Ergänzungen und Erläuterungen des Autorentrios an. Die letzten drei Kapitel, vom Autorentrio verfasst, runden das Handbuch ab. Kapitel 16 beschreibt die Betriebsweise nach Bruder Adam, Kapitel 17 die Dadant-Beute nach Hans Beer und das letzte Kapitel 18 fasst die Betriebsweise im „Angepassten Brutraum“ nach Hans Beer zusammen.

Fazit

Das Besondere an dem Buch ist, dass hier vom Autorenteam das Wissen und die Erfahrungen mehrerer Imkergenerationen zusammengeführt und aufbereitet und durch eigene Beiträge ergänzt wurde. Durch die Aufteilung nach der Autorenschaft entsteht zwar kein kohärenter, also zusammenhängender Text, jedoch bleibt so die Transparenz der Urheberschaft gewahrt und ist eine historische Entwicklung auf parallelen Ebenen nachvollziehbar. Dies zieht sich bis ins Register durch, welches getrennte Unterregister  jeweils für C. P. Dadant, Bruder Adam und Hans Beer bereit hält. So kann es also sein, dass man zu einer Fragestellung an bis zu vier Stellen nachschlagen muss. Nichts also für ungeduldige Querleser/innen, doch für diese ist es auch nicht gedacht.

Die Zusammenstellung ist so gehaltvoll, dass selbst bei mehrmaligem Lesen immer wieder neue Facetten zu entdecken sind. Die in sich abgeschlossenen Kapitel machen es aber auch nicht notwendig, das Buch „in einem Rutsch“ durchzuackern.

Empfehlung: Das Grundlagenwerk im historischen Kontext kann allen (weit) fortgeschrittenen Imker/inne/n ans Herz gelegt werden, die sich eingehender mit der derzeit sehr populären Betriebsweise des „Angepassten Brutraums“ mit der Dadant-Beute beschäftigen möchten.


¹Die Protagonisten bzw. der Weg des Handbuchs

Die Familie Dadant (USA) entwickelte erstmals eine auf Ökologie und wirtschaftlicher Betriebsweise basierende Imkerei nebst der gleichnamigen Beute „Dadant“. Die Firma Dadant & Sons existiert übrigens noch heute. Der Ältere, Charles Dadant Senior, ein französischer Auswanderer (1863), begründete die Imkerei. Sein Sohn C[amille] P[ierre] Dadant [der Jüngere] schrieb o. g. Werk.

Bruder Adam (Großbritannien), ein deutscher Auswanderer, verwendete für die Zucht der Buckfast-Biene das Dadant-Beutensystem.

Hans Beer (Deutschland, Schwaben) kannte Bruder Adam persönlich, übernahm die Buckfast-Biene und entwickelte in den 70er Jahren Adams Betriebsweise weiter, heute bekannt als „Angepasster Brutraum“.

Das Autorentrio Marion Loeper, René Schieback und Tino Lorz (Deutschland, Sachsen) stellte fest, dass die Schriften Dadants in allen möglichen Sprachen existierten, nicht jedoch auf Deutsch. Mit Hans Beer, der zwar Vorträge hielt, jedoch selbst kaum etwas veröffentlichte, diskutierten sie eine deutsche Übersetzung des Originalwerkes von Dadant. Ihrer Übersetzung fügten sie die mündlichen Ausführungen Beers bei und ergänzten diese mit weiteren Erläuterungen.

Leider konnte Hans Beer die Herausgabe des Buches und somit seines Vermächtnisses nicht mehr miterleben. Doch wird ihm posthum mit diesem außergewöhlichen Werk ein unvergänglicher ehrender Platz in der Imkerwelt zuteil.

[Update 1.1.2021: Korrektur Rechtschreibfehler in Schlagwortliste]


Handbuch für die erfolgreiche Imkerei : von Camille Pierre Dadant bis zum Angepassten Brutraum nach Hans Beer / Marion Loeper; René Schieback; Tino Lorz. 3. Aufl. Dresden : Deutscher Imkerverl. 2019. 273 S. : Ill.
ISBN 978-3-9819599-0-1

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*22* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Cover Ritter/Schneider-Ritter, Bienenjahr, Ulmer„Das Bienenjahr“ bedeutet ein „Imkern nach den 10 Jahreszeiten der Natur“. Das Buch ist „Ein phänologischer Arbeitskalender“.  Damit gelingt das „Imkern in Zeiten des Klimawandels“ für manche wieder ein Stück weit leichter und besser. Ja, besser hätte nHaupt- wie Untertitel gar nicht gewählt werden. Wer sich dieses Arbeitshandbuch aus dem bewährten Verlag „Ulmer“ mit seinem Glücksgriff beim Autorendoppelpack Wolfgang Ritter und Ute Schneider-Ritter für die beginnende Saison anschafft, sollte es nicht bereuen.

Taktgeber Natur: Zeigerplanzen

Das Neue daran auf einem übersättigt wirkenden Imkerbuch-Markt ist die konsequente Ausrichtung auf den Taktgeber Natur, die uns vorgibt, ab wann wir was und wie für unsere Bienen tun. Den richtigen Zeitpunkt für bestimmte Maßnahmen zeigen uns das Aufblühen von Zeigerpflanzen wie die Hasel oder das Schneeglöckchen im Vorfrühling, denen sich die phänologischen Jahreszeiten „Erstfrühling“ und „Vollfrühling“ anschließen. Weiter geht es mit dem Frühsommer, den z. B. Schwarzer Holunder in der Blüte und für den Frühherbst in der Fruchtreife ankündigt.

Eine Umschlagklappengrafik gibt einen prima Überblick auf die entsprechenden Phasen, die da außerdem heißen: Hochsommer, Spätsommer, Vollherbst, Spätherbst und der lange Winter. Zeile für Zeile sind die vieljährigen Durchschnittsmonate des Beginns der Blüte bzw. Fruchtreife der Zeigerpflanze nebst einer alternativen Pflanze angegeben. Weitere Trachtpflanzen – Wild- wie Nutzpflanzen – die in dieser Zeitspanne blühen können, folgen. Eine letzte Spalte lässt Raum für eigene Notizen. Denn eines ist klar: Was im Süden wächst, muss im Norden noch nicht angekommen sein. Wird es aber sicher noch, wenn wir das mit der Klimaveränderung nicht in den Griff bekommen.

In diesem Zusammenhang weisen der bzw. die Verfasser/in auf die in Deutschland vorherrschenden 90 Naturräume hin, deren Unterscheidungsmerkmale beispielsweise ihr Relief, die Geologie und Vegetation sowie das Klima sind, diese wiederum in vier Größenordnungsstufen unterteilt. Klingt kompliziert? Keine Sorge, der bzw. die Verfasser/in haben uns das alles im Vorspann ganz hervorragend erläutert und grafisch dargestellt.

Klimawandel – Stresstest für Wild- wie Honigbiene

Ritter und Schneider-Ritter, beide erfahrene, ökologisch spezialisierte, jedoch undogmatische Imker in Sachen Hinterbehandlungsbeute, Zandermagazin und Dadant Großraumbeute, außerdem Agrar- bzw. Umwelt-Wissenschaftler/in und Verfasser/in zahlreicher in Imkerkreisen hoch geschätzter Artikel und Publikationen wie „Bienen gesund erhalten“ (Ulmer 2016) klären die Leser/innen in Sachen Klimawandel sehr deutlich auf. Denn die Imkerei hat sich aus diesem globalen Grunde doch recht verändert. „Nach Messungen des Deutschen Wetterdienst (DWD) blüht die Hasel bei uns heute etwa 13 Tage früher als 1951.“ Einzig stabil über die Jahre hinweg bei 19 Tagen ist der Spätherbst geblieben, der sich mehr an der Tageslänge denn an der Temperatur orientiert.

So sind Verschiebungen mehr noch für manche hochspezialisierte, nicht ganz so anpassungsfähige Wildbienen fatal. Denn diese schlüpfen mancherorts bereits schon, bevor die Pflanzen ihren Pollen bzw. Nektar ausbilden oder aber, die Wildbienen kommen zu spät zu  bereits verblühten Nahrungsquellen. Schön, dass sie in diesem Buch wie selbstverständlich wirkend mitbedacht werden.

Was ist zu tun?

Für die Imker/innen ist es ebenfalls schwieriger geworden, allfällige Arbeiten im Bezug auf den Entwicklungsverlauf von Honigbienenpopulation im Zusammenspiel mit der Pflanzenentwicklung zu koordinieren. Ohne jetzt allzu sehr in die Tiefe zu gehen, warum und wie sich das konkret auf die imkerlichen Arbeiten auswirkt, hier nur aufgeführt die Einteilung der Kapitel nach den Phasen der 10 Jahreszeiten und darin befindlich die sehr praktische Anleitungen im Stile von:

  • Das ist zu tun
  • Arbeiten am Bienenvolk
  • Gesundheitsüberwachung
  • Massnahmen der Gesunderhaltung
  • Arbeiten am Bienenstand
  • Arbeiten im Bienengarten

Letzteres hat mich besonders gefreut, denn dieser Aspekt wird in so gut wie keinem Imkerbuch erwähnt, bildet jedoch auch in unserer Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de einen von vier Schwerpunkten in der Informationsvermittlung. „Bienen, Honig, Imkerei und Natur“ – und für letzteres Themengebiet legten wir den Bamberger Bienengarten an, dessen bienenfreundliche Schaubeete mit Hilfe botanischer Pflanzschilder und weiteren Informationstafeln aufklären möchten. (P. S.: Die Steckschilder sind derzeit im Winterquartier).

Jedes Jahreszeitenkapitel beginnt in seinem Vorsatzblatt“ mit einem „kurz und bündig“, das die nachfolgenden Inhalte in Art einer Checkliste auf den Wesenskern zurückführt. Für den Frühherbst beispielsweise liest sich das dann so:

  • Die Jahreszeit beginnt mit der Fruchtreife des Schwarzen Holunders [dieser ist in einem großformatigen Foto auf der gegenüberliegenden Seite abgebildet].
  • Neophyten bringen späten Pollen und Nektar.
  • Bienenvölker winterfertig machen.
  • Volksstärke und Futtervorräte für die letzte Fütterung abschätzen.
  • Varroa-Virus-Infektion, wenn notwendig, nochmals behandeln.
  • Bienen sind Hornissen und anderen Wespen nicht wehrlos ausgeliefert.

Für Imkererfahrene geht’s noch kürzer: Die hintere innere Umschlagklappe gibt einen wunderbaren grafischen Überblick in Stichworten zu Arbeiten, Vorgängen und Entwicklungen rund um den Bien, eingeordnet in Kalendermonate (die in der Imkerei mit dem Februar beginnt) und deren zugeordneten phänologischen Phasen.

Das „Buch im Buch“

Die Jahreszeitenkapitel enden jeweils mit einem ergänzenden, in sich abgeschlossenem Thema, beispielsweise zur „Selektion und Zucht in der Imkerei“ oder „Alles um Honig und andere Bienenprodukte“ etc. und letztendlich mit Ritters Spezialgebiet, den Bienenkrankheiten. Letztere folgen zwar ebenfalls im wesentlichen den phänomenologischen Verläufen, man muss und kann das jedoch nicht unbedingt nur an der entsprechenden Jahreszeit festmachen. Grau hinterlegt lassen sich die in Stichworten aufbereiteten Krankheiten beim Aufblättern schnell finden und hintereinander weg lesen, womit sich sozusagen ein „Buch im Buch“ bildet.

Trotz der Aufbereitung nur in Stichworten sind die Krankheiten inhaltlich doch sehr umfänglich und hilfreich für Fortgeschrittene geschrieben. Geeignet für Anfänger/innen allerdings nur, wenn durch entsprechende Kenntnisse der Termini (siehe auch den Service „Imkersprache“ am Ende des Buches) und mit geeigneter Literatur ergänzt. Womit wir zum Schluss kommen … im Buch und der Rezension.

Literatur

Da Wolfgang Ritter der „Papst der Bienenkrankheiten“ für mich (und sicher auch andere) ist, sind erwartungsgemäß und völlig zu Recht seine eigenen Werke aufgeführt, nebst der „üblichen Verdächtigen“ zum Thema Tracht und Bienennahrung sowie zu Wildbienen. Warum allerdings nicht auch Friedrich Pohl, Wolfgang Oberrisser und Thomas Fandl wenigstens mit einem Bienenkrankheitenwerk vertreten sind, oder gerne auch Gerd Molters „Diagnosekreis Bienenkrankheiten“ Erwähnung findet, also, das würde mich doch interessieren.

Die Literaturangabe zur Phänologie und auch die speziellen Hinweise zu englischsprachiger Literatur in Sachen Klimawandel ergänzen den Horizont, der sich bei Imker/innen permanent erweitern und in benachbarten Disziplinen stöbern will und muss.

Fazit

Mag das Buch „Das Bienenjahr“ den Jung-Imker/inne/n in ihrem ersten Tun nicht im üblichen Sinne anleiten, so stellt es durch die verständlich gemachten Querverbindungen zu Naturvorgängen und -beobachtungen inklusive der Bedeutung des Klimawandels sicherlich eine perfekte Ergänzung zu reinen Bienenhaltungsanleitungen dar und vermag sie sogar punktuell zu korrigieren, wo diese nur relativ grob und standardisiert vorgehen.

In inhaltlicher, textlicher, fotografischer wie grafischer Aufarbeitung und Aufmachung und besonders durch die innovative Aufteilung nach zehn phänologisch begründeten Jahreszeiten ein sehr begrüßenswertes und hilfreiches Arbeitshandbuch, das in keinem imkerlichen Haushalt fehlen sollte!


Das Bienenjahr : Imkern nach den 10 Jahreszeiten der Natur. Ein phänologischer Arbeitskalender. Imkern in Zeiten des Klimawandels / Wolfgang Ritter, Ute Schneider-Ritter. Stuttgart : Ulmer. 2020. 232 S. : Ill.
ISBN 978-3-8186-1140-8

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek

*20* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Rechtzeitig zu Weihnachten kommt er wohl nicht mehr an. Dennoch lohnt es sich, diesen herausragenden Bildband über Honigbienen, die „geheimnisvollen Waldbewohner“ noch heute zu bestellen – für sich selbst oder als beeindruckendes, mit 38 Euro durchaus erschwingliches Geschenk für die nächste Gelegenheit. (Soll ja Menschen geben, die zum Jahreswechsel +/– Geburtstag haben, nicht wahr, lieber Reinhold?!)

Keineswegs muss man über imkerliches Wissen verfügen oder sonst viel Ahnung von Honigbienen haben. Hier geht es überwiegend um herrliche, nie dargebotene Fotografien, unter widrigen Umständen fotografiert vom mehrfach preisgekrönten Naturfotografen Ingo Arndt und mit den wie immer einfühlsamen, wunderbaren Erläuterungen vom Bienenexperten Prof. em. Dr. Jürgen Tautz, wie die Biene als ursprüngliches Waldkind auch heute noch lebt.

Es gibt sie noch, die wilden Honigbienen

Denn es gibt sie noch, die spechtausgehöhlten Bäume tief im Wald, bewohnt von Apis mellifera. Sie ist deshalb nicht unbedingt wilder als jene, die von Imker/innen in extra für sie angefertigten Behausungen lebt. Selbst in jenen merkt man ihr das ursprüngliche Verhalten noch an, ist eine Zähmung nie erfolgt.

Sie schabt weiterhin die (ohnehin bereits glatten) Wände ab, um sie sodann mit Propolis als Klimaregulation und zum Schutz vor krankheitserregenden Pilzen oder Mikroorganismen zu verkleiden. Nach wie vor bildet sie unerklärbare „Bauketten“, die wie lebendige Netze unter den Waben(gassen) hängen. Sie ist und bleibt ein Wildtier, aller versuchter und teils erfolgreicher, wenngleich nur zeitlich begrenzter Züchtungen zum Trotz – und das ist auch gut so!

Es gibt sie noch, die offenen Fragen

Unerklärbar ist trotz langjähriger, intensiver Forschungsarbeit – sowohl an den wilden Haus- wie an den Wald-Honigbienen – weiterhin so manches. Der eremitierte Professor aus Würzburg stellt daher einige Fragen in den Raum und hofft bzw. fordert dazu auf, dass das Buch als Anregung verstanden wird, diesen nachzugehen. Ja, wer die Honigbienen zu seiner Passion gemacht hat, der scheut sich nicht davor, die Verständnislücken zuzugeben. Wissenschaftler ohnehin nicht, für die sind Fragen das täglich Brot. Nach jeder Antwort tausend weitere Fragen, das ist auch in der Bienenforschung ganz normal.

Aber ebenso, dass Bekanntes neu bewertet und durchdacht wird, wie beispielsweise die Reaktionen von Bienen auf den Smoker. Dass dieser nicht „beruhigend“ wirkt, wie allgemeinem kolportiert, wissen mittlerweile schon viele. Er treibt sie zurück in die Wabengassen, wo sie Honig aufnehmen und dadurch den Imker/innen ein störungsfreies Arbeiten ermögliche.
Doch dass Honig aufgenommen wird, dient möglicherwiese nicht in erster Linie der Reiseproviantierung für die Flucht, sondern könnte ein zusätzliches „Bollwerk“ darstellen für das erklärte Ziel, die Königin vor dem erwarteten Waldband zu schützen. Wissen tut man’s aber nicht.

Weitere, von Arndt wie Tautz aufgeworfene Fragen an die Waldbewohnerinnen sind, wie sie sich so gut im Wald orientieren können, wo sie sich doch keinen Überblick in der Höhe verschaffen können. Oder welche Funktion die durchsichtige Hülle hat, die die Puppen umschließt und beim Schlüpfen abgestreift wird. Dass die lückigen Bauketten, die wie Matten anmuten, keinen Schlafsack bedeuten würden, hat Tautz ausgeschlossen. Seiner Beobachtung nach hängen die Bienen in diesem Geflecht mit dem Bauch nach oben und sind erkennbar wach. Dient die bewegliche Konstruktion womöglich einer Regulierung der Luftzufuhr, um Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt der Luft um die Wabengassen herum zu optimieren?

Und die spannendste: „Warum aber gibt es nach all den Jahrtausenden der Bienenhaltung durch den Menschen noch immer keine Honigbienen, die sich von ihrer Urform so unterscheiden wie der Dackel vom Wolf? […] Eine Reihe von Umständen haben [das] bisher verhindert …“

Weitere Inhalte

Die Kapiteleinteilung ist zwar ein Gerüst, aber im Grunde braucht es das nicht. Der Bildband liest sich flüssig hintereinander weg, unterbrochen von vielen, oft halb- oder doppelseitigen Prachtaufnahmen. Ein Kapitel – neben dem „Zusammenleben im Verborgenen“, „Mitbewohner im Bienenstock“, „Verteidigung um jeden Preis“, „Orientierung mit allen Sinnen“, „Einzug in die Spechthöhle“ und „Traditionelle Imkerei“ hat es mir jedoch besonders angetan und mich natürlich nachdenklich gemacht. (Tautz belehrt nicht und pachtet die Weisheit nicht für sich, sondern lässt uns unsere eigenen Schlüsse ziehen … was schlau ist, weil er somit nicht gleich die ganze Imkerwelt gegen sich aufbringt!)

Kapitel: Lebensraum Wald

Dass die Bestäubungsleistung der Honigbienen unserer Kulturlandschaft zum reichlichen Tragen von Obst, Gemüse und Beeren verhilft und auch für einen Teil dem Erhalt der Pflanzenvielfalt dient, ist hinlänglich bekannt. Doch: „Was hat der Wald von den Bienen?“ Und ich bzw. Tautz reden nicht vom forstwirtschaftlich überprägten, vielmehr von einem der seltenen naturnahen und gesunden Wäldern, die eine hohe Artenvielfalt in Tier- und Pflanzenwelt aufweisen. Eine Antwort von mehreren interessanten ist, dass der Ameisenbuntkäfer von verlassenen, mit Wachsmottenraupen besiedelten Waben profitiert. Und jener ist wiederum ein Gegenspieler des zu Recht gefürchteten Borkenkäfers.

Mir gefällt einerseits der Gedanke nicht, dass das Buch so manchem wohlmeinenden und romantisch geprägten Zeitgenossen als Aufruf dienen könnte, seine Honigbienen frei schwärmen und sie damit ihrem Schicksal zu überlassen. Die Populationen werden ohne Varroabehandlung nicht lange überleben und auch zur Reinvasion von imkerlich gepflegten Honigbienen beitragen. In einer Stadtlandschaft sind wild umherziehende Bienenschwärme auch jedesmal ein echter Aufreger, wir erhalten jedes Jahr mehr und mehr „verzweifelte“ Anrufe von verängstigten Städter/innen, die sich in akuter Gefahr sehen. Was natürlich Unsinn ist.

Andererseits hat es etwas verlockendes, die Wälder mit Hilfe von Honigbienen attraktiver zu machen. Denn: „Auch Hygienemaßnahmen gehen von Aktivitäten der Honigbienen aus. Das Absammeln des Honigtaus verhindert die Entwicklung von Ruß- und Schimmelpilzen auf den Blättern und Nadeln der Bäume, denen die Honigtauschicht andernfalls einen willkommenen Nährboden bietet.“

Und: „Im Laufe eines Jahres bringt eine Bienenkolonie etwa zwanzig Kilogramm Biomasse in Gestalt all ihrer Mitglieder hervor, von denen die allermeisten im Umfeld des Bienennestes sterben und dann Ameisen, Wespen, Vögeln und anderen Tieren als Nahrung dienen.“

Brrr, die Honigbiene als Nahrung für andere … nun ja, wir müssen ohnehin tatenlos zusehen, wie sich Hornissen und Wespen vor den Stöcken an ihnen gütlich tun. Fressen und gefressen werden – auch ein/e Imker/in drückt hier notgedrungen ein Auge zu, denn sie weiß ja, dass andere Hautflügler ebenfalls überleben möchten und auch sollen. Nein, ein Haustier wollen wir nicht aus ihr machen, das Leben ist sicherlich kein „Ponyhof“, den wollen wir gar nicht.

Fazit

Besser als Tautz kann ich den Grundtenor des Bildbandes um die Honigbienen, ob Wald oder „betreutes Wohnen“ nicht ausdrücken: „Es sollte nicht überraschen, wenn die Geschichte von Mensch und Biene im Wald um eine weiteres Kapitel fortgeschrieben werden würde, in dem die Rückkehr zu den Wurzeln der ersten Begegnung [gemeint ist die Zeidlerei in lichten Baumhöhen] Pate steht. Dadurch können beide Partner gemeinsam nur gewinnen.“

Allerdings: Wer ist hier mit Partner genau gemeint? Dass Imker/innen von der genetischen Ressource der Waldbienen profitieren könnten, sehe ich als logisch an. Aber die Zeidlerei bringt keine Partner hervor. Denn dabei werden Honig und Waben unter gefährlichen Umständen aus den Baumhöhlen entnommen und das Wabenwerk damit zerstört. Klar bauen sie es sich wieder auf. Doch worin genau besteht die Partnerschaft? In der klassischen Imkerei gibt man dem Volk immerhin wieder etwas zurück, also leere Waben und Kohlehydrate, die sogleich zu Honig als Kraftstoff für den kalten Winter umgebaut werden. Nun, darüber muss ich noch ein wenig mehr erfahren.

Und das wiederum ist Sinn des Buches: Dranzubleiben an den Honigbienenfragen, zu deren Antworten wir auch als Imker/innen gerne die Forschungsergebnisse aus dem „Auch-Daheim“ der Bienen heranziehen wollen! Daher wünschen wir dem Bildband „Honigbienen“ von Arndt und Tautz, obwohl und gerade deshalb, weil wir konventionell imkern, eine möglichst umfassende Verbreitung.


Arndt, Ingo ; Tautz Jürgen: Honigbienen : geheimnisvolle Waldbewohner / mit Fotografien von Ingo Arndt und Texten von Jürgen Tautz. 3. Aufl. München : Knesebeck. 2020. 189 : Ill.
ISBN 978-3-95728-362-7

In unserer Imker-Bibliothek enthalten.

*19* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Cover Westrich, Die Wildbienen Deutschlands, Ulmer„Die Wildbienen Deutschlands“ in der 2. Auflage des Ulmer Verlags ist fürwahr keine leichte Kost, immerhin wiegt der Band satte drei Kilo. Bei 1700 Bildern auf 821 Seiten kann man getrost von einem Lebenswerk reden. Der Biologe Dr. rer. nat. Paul Westrich ist einer der renommiertesten Wildbienenspezialisten Deutschlands und Verfasser zahlreicher Sachbücher, die zu meinen Top-Empfehlungen zählen.

Der Preis von 99 Euro ist sehr gut angelegt, falls man einen Faible für Hautflügler wie die Wildbienen hat. Derer gibt es in Deutschland sagenhafte, doch im Rückgang betroffene 566 Arten nebst einigen Arten, deren Status umstritten oder ungeklärt ist und auf deren Auflistung Westrich sodann verzichtet hat. Ich meine, auch der große Rest wird uns vollauf genügen.

Kapiteleinteilung – von hinten aufgezäumt

Man sollte meinen, bei der großen Anzahl porträtierter Wildbienen müssten für die jeweiligen Steckbriefe sämtliche rund 800 Seiten benötigt werden. Doch nein, erst zur Mitte des Prachtbandes hin geht es los mit dem Kapitel „Die Gattungen und Arten“.

Wir erfahren dort zunächst einiges zur Stellung der Bienen unter der großen Ordnung der Hymenoptera, über ihren Körperbau und die für den Laien so verwirrend erscheinende Systematik und Taxonomie, sodann, welche Methoden es für das Sammeln und Präparieren von Bienen gibt, wie wir Wildbienen erkennen und bestimmen können und so einiges mehr. Im Anschluss dürfen wir uns fasziniert den einzelnen Steckbriefen zuwenden, wo keine Biene der anderen zu gleichen scheint in Kennzeichen, Verbreitung, Lebensraum, Nistweise, Blütenbesuch etc. Die Steckbriefe sind in der Reihenfolge der Gattungen bzw. Familien und innerhalb dieser alphabetisch nach Arten gehalten, bestückt mit tollen Fotos von Männchen wie Weibchen, die sich sehr unterscheiden können.

Doch was nun hält Westrich für uns in der ersten Hälfte des „Schinkens“ an weiteren Leckerbissen bereit? Das erste Kapitel bei rund 60 Seiten widmet er den „Lebensräumen der Wildbienen“. Das finde ich persönlich sehr spannend, denn mit einigem Nachdenken könnte ich für Deutschland vielleicht ein Dutzend Landschaftsräume aufzählen, wobei in wenigen Jahren die 13. dann die Steppenlandschaft wäre, wenn das hier – speziell im ohnehin immer etwas zu trockenen Franken – so weiter geht mit den hintereinander gereihten Dürrejahren.

Nun, Westrichs Auflistung der Landschaftsräume beträgt rund 40 Nennungen bei 25 zusammenfassenden Lebensräumen, angefangen in den Mooren und Schilfröhrichten über Weinberge, Felder und Abwitterungshalden bis hinein in die Hohlwege, hinauf auf die Trockenmauern und eingetaucht in die Siedlungsbereiche, also die Dörfer und Städte. Genau dieses Kapitel ist das, was mir immer schon ein wenig für eine praktische Anwendung von lexikalischen Werken gefehlt hat, ohne es wirklich hätte benennen zu können.

Mit den Augen einer Biene

Mit Westrichs „Anleitung“ kann ich die beschriebenen Landschaftsräume gezielt aufsuchen, die sich in meiner Nähe befinden, beispielsweise die Auwälder am Main bei Kemmern oder Oberhaid im Landkreis Bamberg, um auf Spurensuche zugehen. Dass mir dort unsere Honigbienen begegnen werden, ist mir ohnehin klar. Denn Apis mellifera (die letzte übrigens, die in den Steckbriefen beschrieben wurde) findet hier als eine ihrer ersten und wichtigsten Nahrungsquellen des Frühjahres Strauch- und Baumweiden, also Salix-Arten vor.

Dort wird sie auf ihre „Cousine“ treffen, für die die Pflanzen in den Überflutungsbereichen ebenfalls eine wichtige Rolle als „unverzichtbare Pollenquelle“ spielen, neben Stieleichen und Ahornarten. Im vorangegangenen Kapitel zu „Wälder allgemein“ erfahre ich genauer, welche Arten mir dort – und warum – begegnen werden: „Kleine Vernässungen oder vom Wasser überieselte Böschung und Gräben sind die Wuchsorte des Pfennig-Gilbweiderichs […], der in Waldgebieten fast ausschließlich Futterpflanze der Schenkelbienenart Macropis fulvipes.“

Durch Hinweise wie diese kann ich viel gezielter noch wenigstens ein paar Arten stolz auseinanderhalten. So oder so … allein das Lesen dieser Kapitel sensibilisiert für die Welt um uns herum, und noch viel mehr als bisher schon werde ich die Welt mit den Augen einer Biene sehen, die auf hoffentlich erfolgreiche Nistplatz- und Nahrungssuche geht – oder doch eher, fliegt.

Zwischen den beiden Kapiteln „Die Lebensweise der Bienen“ und „Bienen und Blüten“, auf die ich, ohne sie abwerten zu wollen, findet sich das dritte Kapitel, das es mir ebenfalls besonders angetan hat:

„Nutznießer und Gegenspieler“ statt Feindbild

Ich habe ja nun so einige Wildbienenbücher besprochen und durchforstet, um so gut wie möglich für unseren selbstgewählten Informationsauftrag als Bieneninitiative gerüstet zu sein. Denn als Bienenpfleger/innen ist es Reinhold und mir ein Anliegen, die zuweilen doch recht von der Natur entfernte Stadtbevölkerung die unterschiedlichen Wesen näher zu bringen. Doch in keinem Buch fand ich eine tiefergehende bzw. in einem Kapitel zusammenfassende und dabei höchst differenzierte Auflistung wie im vorliegenden.

Von den 12 genannten Nutznießenden und … nein, Feinden, das Wort hat Westrich löblicherweise vermieden! – Gegenspielern wie Mikroorganismen, Milben, Käfern, Wirbeltieren etc. wird als letztes, und das auch nur sehr kurz, der Homo sapiens genannt. Hinter den fast schon dürren Worten vermutet man niemals, dass hier ein Mann schrieb, der fast sein ganzes Leben lang diesen Winzlingen gewidmet hat und sie alle beim Namen nennt. Was für eine unglaubliche Selbstbeherrschung – doch lesen Sie selbst:

„Der bedeutenste Gegenspieler der Wildbienen ist heutzutage der Mensch. Während er über Jahrhunderte hinweg durch seine extensive und vielfältige Landnutzung Wildbienen unbeabsichtigt mehr oder weniger gefördert hat, ist er inzwischen durch die industrialisierte Landwirtschaft sowie groß- und kleinräumige Veränderungen der Landschaft der Hauptverursacher des Artenschwundes geworden.“

Punkt. Keine Zeile mehr. Wo Westrich berede wird, um die Abwehr eines Buntspechtes mit Hilfe eines Maschendrahtzaunes um Totholz zu bewerkstelligen, um die Wohnstätte einer Schwarzen Holzbiene (Xylocopa) – die im Übrigen auch in Bamberg permanent anzutreffen ist– zu schützen wird er beim Gegenspieler Mensch wortkarg.

Es gibt keinen „Hummelhonig“

Aufgeräumt hat Westrich in diesem Kapitel übrigens mit der Mär vom Hummelhonig. Tatsächlich sind es nur kleine, mit Nektar gefüllte Wachstöpfchen. Was Nektar zu echten Honig werden lässt, der diesen Namen verdient, wird vorab ausführlich geschildert. Warum dieses Thema in jenem Kapitel behandelt wird? Weil es hier überleitet in die Futtersuche und damit für die wichtige Unterscheidung nach „belohnenden und nicht belohnenden Blüten.“ Saß vorher bereits eine (bestimmte) Bienenart auf der Blüte, wird sie unter Umständen nicht mehr angeflogen … oder aber gerade deshalb! Sehr spannend!

Kaufempfehlung: Buch trotz Wikipedia & Co.

Was kann ich noch hinzufügen, um sowohl die Bienensachkundigen, die die 1. Auflage ohnehin bereits gekauft haben, auch für die 2. Auflage erneut zu begeistern, aber auch den interessierten Laien zur Geldausgabe zu bewegen? Im ersten Falle dieses, dass es keine Neuauflage, sondern eine gründlich aktualisierte und korrigierte Auflage ist. Denn wie wir ja wissen – hier auch unser Bericht – erschien 2017 das Taschenlexikon der Wildbienen und weitere „bemerkenswerte Veröffentlichungen“ (Westrich im Vorwort), die zu einer zeitnahen Überarbeitung animierten.

Im zweiten Falle, also die Motivation an „Hinz und Kunz“, ist die, dass kein Wikipedia und auch keine Datenbank ein solch in sich abgerundetes Werk wie dieses zu ersetzen vermag. Denn erst mit der Zeit und durch mehrmaliges haptisches Hin- und Herblättern vernetzt sich so langsam eine innere Landkarte, die es schafft, sich der unglaublichen Vielfalt von nur einer einzigen Spezies, nämlich der Wildbiene, samt der ihnen eigenen, spezifischen Lebensräume anzunähern, ohne in ein Gefühl der absoluten Überforderung zu verfallen.

Selbst das Lesebändchen will da eine kleine Hilfe sein, ganz abgesehen vom erkennbaren roten Faden, der alle Artikel prägt und alle Teile verbindet, nämlich einer gut herauslesbaren, authentisch geschilderten persönlichen Forschungarbeit, beschrieben in klarem Sprachduktus trotz notwendiger Fachlichkeit. Während man ziemlich hilflos und rasch übersättigt im Internet hin und herspringt, gar bald die Lust verliert in augenüberlaufender Verwirrung, empfängt uns im aufgeschlagenen Band ein lesefreundlicher Dreispaltentext mit Einzügen, aufgelockert von wunderbaren Fotos mit intimen Einblicken ins Reich der „wilden“ und doch so freundlichen Bienen, … und ja, wer noch nicht genug bekommt, den erwartet eine 67 (!) Seiten lange Literaturliste mit sage und schreibe rund 2.800 Referenzen.

Fazit

„Die Wildbienen Deutschlands“ – ein phänomenaler, textlich wie fotografisch schön gelayouteter Prachtband aus dem Hause „Westrich“, der sicher nicht im Vorzeigebuchregal verstauben wird und sein Geld ohne Abstriche wert ist! Und wer sich’s nicht leisten kann oder mag – Büchereien werden bzw. sollten dieses Standardwerk sicherlich anschaffen. In unserer Imker-Bibliothek ist es Dank des Rezensionsexemplar aus dem Ulmer-Verlag auf alle Fälle vorzufinden!


*Nichts ist doch so lebendig wie Holz in seiner letzten Lebensphase, von mir aus nennt es Altholz oder Schrumpelholz oder Schwundbiotopholz oder … aber doch bitte nicht TOTHolz!

Westrich, Paul: Die Wildbienen Deutschlands. Stuttgart : Ulmer. 2019. 824 S. : Ill.
ISBN 978-3-8186-0880-4

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek

*17* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

Was haben Siebenschläfer in unserem Weblog über Bienen zu suchen? Nun, das kleine Nagetier ist immerhin ein Nutznießer der Bestäubungsleistung von Insekten, da es Beeren frisst. Und wie auch unsere Bienen (im März) ist der Siebenschläfer heute etwa vier Wochen früher, also bereits im April aktiv, als er es vor dem Klimawandel war.

Damit hat es sich aber auch schon. Da ich diesen „artfremdne“ Band jedoch rezensieren „muss“ – immerhin hat uns der BLV im Graefe und Unzer Verlage dankenswerterweise einige weitere Werke, die wir überwiegend in unsere ausleihbare Imker-Bibliothek einreihen – will ich das gerne tun.

Auf gute Nachbarschaft … ganz nah?!

„Auf gute Nachbarschaft mit den kleinen Kobolden“ (Untertitel), würde ich nicht behaupten wollen, denn in unserem Bienengarten oder hier mitten in der Stadt Bamberg hatten wir bislang noch keinen dieser droligen Hörnchenverwandten aus der Familie der Bilche entdeckt. Kein Wunder, sie sind äußerst menschenscheu, nachtaktiv und wissen sich sehr schlau gegen 14 Fressfeinde zu behaupten. Daher werden sie bis zu 13 Jahre alt – eine Glanzleistung für einen gerade mal rattengroßen Nager.

Um den „Siebenschläfer ganz nah“ zu kommen, so der Buchtitel, braucht es etwas Glück und Spurensuche. Man hört ihn eher, als dass man ihn zu sehen bekommt, und wenn, dann meist nur seine Hinterlassenschaften. Doch trotz seiner „Randale“, die er im Dachboden und in Gartenhäusern veranstalten kann, möchte Korinna Seybold, engagierte Wildtierschützerin, eine Lanze für „Glis glis“, so sein wissenschaftlicher Name, brechen und mit Vorurteilen aufräumen.

Nachahmenswertes Wildtierleben

Das gelingt ihr außerordentlich gut, mit erstaunlichen Fotos und sachkundigen Informationen wie auch herzerwärmenden Einblicken in ein fast schon nachzuahmendes Wildtierleben. So lesen wir im Nachwort folgende, auf unsere Advents- und parallele Lockdown-Zeit höchst passende Zeilen:

„Denn der Siebenschäfer macht aus dem, was sich ihm bietet, immer das Beste. Er reagiert flexibel auf Veränderungen, er konzentriert sich immer auf das Wesentliche und verliert sich nicht in unnötigen Streitigkeiten, er frönt gern den leiblichen Genüssen, und mit seinem Lebensmotto „In der Ruhe liegt die Kraft“ lebt er deutlich entspannter als so mancher kleine betriebsame Nager.

Also machen wir es wie der dicke Graue – gönnen wir uns immer mal wieder ein kurzes Nickerchen, genießen unser Dasein, kuscheln mit unseren Liebsten und lassen uns […] ein paar saftig-süße Trauben schmecken.“

Fazit: Mal was anderes aus der Ecke der Wildtiere, die wir vermutlich übersehen würden, gäbe es nicht ein paar Spezialistinnen wie Korinna Seybold, die uns die drolligen Siebenschläfer auf sympathische Weise näher bringen würden. Geeignet mindestens für alle gut ausgebauten Bibliotheken, Naturschutzverbände, Tierliebhaber/innen und sicherlich besonders für heranwachsende Kinder, die sich für mehr als Meerschweinchen, Hamster und Kaninchen interessieren.


Seybold, Korinna: Siebenschläfer ganz nah. 1. Aufl.
München : Graefe und Unzer / BLV. 2019. 96 S. : Ill.
ISBN 978-3-8354-1969-8

Rezensionsexemplar, übergeben in den Bestand von BUND Bamberg.

*16* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Was ist „Das Geheimnis deines Ortes“? Wer schon einmal umgezogen ist, kennt die unausgesprochene Frage. Wie gelingt es, rasch heimisch zu werden und sich verbunden zu fühlen an und mit dem neuen Ort?

Wie eine heilsame Verbindung sogar in Trabanten- oder Großstädten vollzogen werden kann, wie unser Dasein, unser Alltag – und ich möchte behaupten, sogar ganz besonders in dieser Zeit der pandemieeingeschränkten persönlichen Kontakte! – eine zutiefst zufrieden machende werden kann, erfährt man in diesem (wieder einmal mehr) wunderhübsch gestalteten Buch von Susanne Fischer-Rizzi.

Die Wege bzw. Kapitel zur Verwurzelung

Sie zeigt „10 Wege zur Verwurzelung“ auf und gibt mit ihnen eine gar nicht mal so esoterische, ja, eher schon praktische „Anleitung zum heimisch werden“. Beginnend mit der Reise im „Irgendwo und Nirgendwo“ taucht sie sogleich tief, sehr tief mit ihren Leser/innen in den „Bauch der Erde“ ein. Viel erfahren wir über das Entstehen der Erde, ihren Schichten und Verschiebungen, über Kontinentalplatten und den „Riss in der Drachenhaut“ (Sea-Floor-Spreading) u. v. m. Unnd wo es schon mal geologisch zugeht, können auch „Steine“ als „Botschafter der Vergangenheit“, so das nächste Kapitel, uns mit dem Heute verbinden.

Sodann werden die Elemente „Wasser“, „Pflanzen“ und „Winde“ beschrieben, die, einmal genauer und erlebter betrachtet, zur inneren Erfü(h)llung und zum Staunen verhelfen. Natürlich behandeln weitere Kapitel auch „Tiere“ und „Menschen“ auf „gemeinsamen Wegen“ oder durch „Geschichten im Vorübergehen“, alles sehr lesenswert und mit viel Hintergrundwissen uns nahe gebracht.

Leider hat die von mir wegen anderer Bücher (gekauft bereits in den 80ern die Folianten „Himmlische Düfte“, „Blätter von Bäumen“ und „Medizin der Erde“) sehr geschätzte Autorin nicht die Honigbienen mit in ihre allesamt sehr intimen Betrachtungen einbezogen. Allenfalls kommen ein paar Wildbienchen vor. Derweil täte sich hier ein ganz toller Weg auf, der unzählige Imker/innen hervorgebracht hatte, die aufgrund z. B. geistig-seelischer oder berufsbedingter Einsamkeit und Entwurzelung beinahe gescheitert wären, hätten sie den Kosmos der Bienen nicht für sich entdeckt. Trotzdem möchte ich das Buch gerne in unserem Adventskalender der Bamberger Schulbiene verorten, denn sie beschreibt sehr umfassend unsere Welt, in der schließlich auch unsere Bienen heimisch sind.

Lieblingsstelle – der Lieblingsplatz als „guter Ort“

„Wenn die Erde [uns] stärken“ soll – um es mit einem der Kapitel ganz allgemein zu beschreiben –, so müssen wir ihn für uns finden: den „guten Ort“. Jede/r von uns hat so seinen Lieblingsplatz, seinen regenerativen Kraftort, wo sie oder er „Landschaftsenergien“ spürt, so dass „Gesundheit und Heilung entstehen“ kann.

Ich erinnerte mich beim Lesen an eben genau so einen Ort, an den ich mich zuweilen zurückzog, wenn mir alles zuviel und ich mich zu einsam in einer unverstandenen Welt fühlte. (Was man im Teenageralter ohnehin ja per se ist … unverstanden.) Es war eine kleine, grasbewachsene, von Ziersträuchern umrahmte Anhöhe, darunter (wie ich später erst erfuhr) der Zugang zu einem Kasematten-Geflecht (unterirdische Wehrgänge der Kaiserburg). Das kleine Hügelchen lag inmitten des damals relativ unbekannten und wenig besuchten Burggartens. Genau passend für mich und ein Buch zum Schmökern. Niemand (dachte ich zumindest) sah mich, und ich fühlte mich geborgen und mutig. Denn „Rasen betreten“ war ja in den 70er immer streng verboten und bis zum Abwinken ausgeschildert.

Wie auch immer … zum Jahrtausendwechsel bzw. in den Nuller-Jahren kam ich wieder einmal daran vorbei. Tja, ich konnte in ihm nicht mehr den bedeutungsvollen Ort sehen, der er einmal für mich war. Irgendwie traurig, so winzig, so unspektakulär, so uninteressant … und doch erinnerte ich mich daran, dass die Kraft der Unterwelt – noch heute liebe ich Höhlen sehr! – mich  getragen hat und mir erstaunlicherweise Boden unter den Füßen gab. Vielleicht hätte sich jemand anderes darauf ganz im Gegenteil eher haltlos gefühlt? Kraftorte scheinen sich auf geheimnisvolle Weise „ihren“ Menschen auszusuchen, und sicher auch andersherum.

Geheimnisse und die „Karte der Verbundenheit“

Tatsächlich ist in einem späteren, zugleich letzten Kapitel, vom „Geheimnis des Ortes“ noch einmal die Rede, hier von der „Fülle des Lebens“, die uns Rosa Luxemburg mit einem Zitat aus ihrem „Brief aus dem Gefängnis“ so erklärt: „Ich glaube, das Geheimnis ist nichts anders als das Leben selbst“.

Von „geheimnisvoll“ (in wohl jedem Kapitel taucht dieses Attribut auf) zum eher handfesten führt uns Fischer-Rizzi nicht nur mittels sorgsam recherchierten Detailwissens (Danke für über 100 Fußnoten und der weiterführenden Literaturliste zur eigenen Vertiefung!), sondern auch über den inspirierenden und kreativen Weg einer von uns Lesenden selbst anzufertigenden „Karte der Verbundenheit“.

Diese hübsche Idee habe ich zwar nicht ausprobiert, kann sie mir aber für später einmal sehr gut vorstellen. Wie sie sich aus mir heraus entwickeln werden wird, bleibt wohl noch ein Weilchen mein schlummerndes Geheimnis. Stattdessen nehme ich mir die Zeit für diese Rezension, und auch das ist ja bereits eine Auseinandersetzung mit den weisen Ratschlägen der Autorin.

Unsere Beziehung zur Natur, zur Landschaft, verrät viel über uns selbst, über unsere Vorlieben, Gewohnheiten, Befürchtungen und Prägungen. Ich weiß an dieser Stelle gar nicht einmal, ob ich die Autorin zitiere, oder ob das meine eigenen Notizen waren. Das Buch hatte ich Anfang September bei meinem einwöchigen Aufenthalt in einem Konvent mit dabei und mir jeden Abend vor dem Zubettgehen ein Kapitel genehmigt. Doch dieser Zettel fiel mir gerade in die Hände, also will ich mit dieser kleinen Entdeckung schließen und alle auffordern, sich selbst auf die Reise zu machen und die eigene, äußere wie innere Welt neu, anders, besser, bewusster, entschiedener, weitreichender, sorgfältiger, achtsamer, aufmerksamer, vergnüglicher, nachdenklicher, phantasivoller, … zu entdecken.

Tipp zum Schluss: Lesen Sie nicht alle Kapitel auf einmal durch. „Das Geheimnis deines Ortes“ wird ihnen, je nachdem, an welchem Punkt Sie physisch oder auch psychisch gerade stehen, auch bei mehrmaligen Lesen unterschiedliche Inspirationen, ganz sicher aber auch Halt geben. Es fordert auf, sich bewusst seiner Umgebung zu widmen, sich ihrer gezielt anzunehmen und ispiriert durch viele, viele Fragestellungen und kleine „Aufgaben“ dazu, das große Ganze zu entdecken und im Großen das Kleine nicht zu übersehen.

Tolles Geschenk für den Gabentisch und zu jedem anderen Zeitpunkt auch, vor allem aber nach einem Umzug!


Fischer-Rizzi, Susanne: Das Geheimnis deines Ortes : Anleitung zum heimisch werden. Stuttgart : Franckh-Kosmos Verl. 2020. 204 S. : Ill.
ISBN  978-3-440-50244-0

Rezensionsexemplar.