Rezension zu Spürgin: „Bienenwachs“

Cover Spürgin: Bienenwachs. Ulmer

„Wachs war wertvoller als Honig“, so beginnt der erste Beitrag zum Standardwerk „Bienenwachs“ des langjährigen Fachberaters für Imkerei, Armin Spürgin. „Die Wertschätzung des Bienenwachs zu heben“ ist sein erklärtes Ziel, und so erfahren wir eingangs, wo das Bienenwachs denn eigentlich her kommt, wie eine Wabe entsteht und was sich alles damit anfangen lässt.

Bedeutung des Wachses

Menschen konnten seit je her allerhand mit Wachs anstellen – vom Ritzen verkleiden über Schreibtafeln bis hin zu regulierbarem Licht. Es war gültiges Zins- und Zahlungsmittel und begehrtes Tauschobjekt bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Seit dem 19. Jahrhundert und mit Beginn der Herstellung synthetischen Kerzenwachses Stearin und Paraffin war die Stunde des Wachses als Wertmittel allerdings gezählt. Dem Honig ging es auch nicht viel besser, er wurde von der Zuckerrübe verdrängt.

Und doch … heute schätzt man reines Wachs wieder in seinem ursprünglichen Sinne, nämlich als adäquates, qualitätsvolles und kontrollierbares Betriebsmittel für die Imkerei und die Honigproduktion. Denn wer einen eigenen, kontrollierten Wachskreislauf sein Eigen nennen kann, dessen Völker sind gut geschützt vor Krankheitskeimen aus anderen Stöcken und / oder unlauteren oder unbeabsichtigten Wachsverpanschungen – und damit vor Schäden in der Bienenhaltung durch ungeeignete Brutbehältnisse. Auch der Honig schmeckt einfach besser, wenn er aus frischen Waben geerntet wird.

Faszinosum trifft unterhaltsames Faktenwissen

Spürgin lässt Faszinierendes mit Faktenwissen und technischen Daten abwechseln. So erfahren wir, dass die Ausrichtung bzw. Form des Wabenverlaufs nach dem Erdmagnetfeld unter Nutzung der Schwerkraft verläuft oder dass die Wandstärke einer Wabenzelle „ziemlich genau“ 0,073 mm bemisst und die Zellweite von 6,2-6,4 mm für Drohnenzellen um 1 mm größer als die der Arbeiterinnenzellen ist. Damit kann man beim Unterrichten oder in Führungen ruhig ein wenig für Staunen im Publikum sorgen. Wirklich wichtig fürs Imkern ist es nicht zwingend.

Nur wer Imkermeister oder Bibliothekarin oder Erwachsenenbildnerin ist und damit zu den Korinthenkackern zählt, könnte sich daran ergötzen. Daher wird die Erläuterung zur Wachsschüppchenproduktion in der nächsten Auflage eine genauere Beschreibung erhalten. Das stellte Spürgin nach unserem kurzen Mailwechsel in Aussicht. Hier gab es nämlich bei mir eine „kleine Irritation“ hinsichtlich der Anzahl der Wachsschüppchen im Verhältnis zu den genannten Bauchschuppen. Die acht Schüppchen treten streng genommen bereits zwischen dem 2. (und nicht erst wie im Buch beschrieben dem 3.) Bauchsegment hervor, beziehungsweise, wenn vom Wachsspiegel ausgegangen wird, „von der 3. bis zu 6. Bauchschuppe inklusive“.

Ja, Bienen, ihr Leben und das Imkern kann zuweilen kompliziert bzw. komplex anmuten. Um so löblicher, dass man mit allzu vielen Details verschont bleibt, wobei Unschärfen in Kauf genommen werden müssen. Schon mal auch, um die Seitenzahl trotz Megaumfang der Themen reduziert zu halten. Das ist Spürgin absolut ausgewogen gelungen!

Wie in all seinen Werken ist seine Schreibweise sachlich und kompakt – jeder Satz ein Treffer! – dabei jedoch angenehm unterhaltsam, da ohne größere Ausschweifungen, erhobene Zeigefinger. Die Leser/innen werden direkt angesprochen, und so fühlte ich mich denn auch in jedem Absatz mitgenommen. Neben Zeichnungen, Fotos und Tabellen lockern Tipps und Hinweise in hellroten Kästchen die Beschreibungen auf und richten das Augenmerk auf hilfreiche oder bemerkenswerte Details.

Wabenmanagement und Wachsernte

Nachvollziehbar auch für Jungimker/innen ist beschrieben, wie das Wabenmanagement funktioniert und wie mit dem bei der Honigernte anfallenden Entdeckelungswachs umgegangen wird sowie die Altwaben vor der Wachsmotte geschützt sind. Basiswissen gepaart mit Erfahrungswissen lässt das Gefühl von informeller Sicherheit aufkommen.

Doch durch das Aufgreifen von aktuellen Diskussionen zu bestimmten Betriebsweisen lässt Spürgin auch Spielraum für eigene Überlegungen. Manches könnte hier gerne etwas weiter ausgeführt werden. So wirft die Textstelle mit den lautwerdenden Forderungen, die „Ausstattung des Honigraumes ausschließlich mit hellen Waben und Mittelwänden vorzunehmen“, – also so, wie wir selbst es bevorzugen –, einige Fragen auf. Das Verhonigen des Brutraumes zu verhindern kann durchaus mit Schieden erfolgen und bedarf keiner „braunen Waben“, wie es mehr oder weniger empfohlen wird. Doch sind das nur Marginalien und fachen die unter Imker/innen üblichen Diskurse an, ohne die wir niemals weiterführende Erkenntnisse gewinnen würden.

Wachsgewinnung

Eines der Hauptkapitel befasst sich erwartungsgemäß mit der Gewinnung von Wachs. Wobei damit natürlich nicht der eigentliche Prozess des Wachsproduzierens gemeint ist. Denn diesen haben nach wie vor die Arbeitsbienen zu leisten, die die reinweißen Wachsplättchen aus ihrer Körperunterseite schwitzen und mit ihren Mandibeln zerkneten und baufertig machen. Über 300 Einzelstoffe sind nachweisbar, die wenigsten betragen dabei mehr als 5%. Eine Rolle spielen außerdem Propolis, körpereigene Enzymen, (Mandibeldrüsensekret) sowie Zellen des Fetteiweißkörpers der Biene und natürlich Honig.

Mit „Gewinnung“ also sind die Möglichkeiten des Extrahierens von reinem Wachs mittels Trennung von (Brut-)Rückständen sowie das Reinigen zu verstehen. Spürgin geht dabei auf die bekanntesten Schmelzmöglichkeiten (z. B. Sonnenwachs-, Wasser-, Dampf-, Infrarotschmelzer) sowie Pressverfahren ein, aber auch auf die Einfriermethode, das Zentrifugieren und außerdem allerlei denkbare Arten, Wachs wie Rähmchen zu reinigen. Wer hier unsicher war, kann nun schön Vergleiche ziehen und zu einer Entscheidung für sich gelangen.

Wachsprodukte herstellen

Wer imkerlich fortgeschritten ist oder einfach gerne handwerkt, wird sich von gekauften Mittelwänden und Rähmchen oft schnell verabschieden wollen. Dann bietet dieses Hauptkapitel genau das Richtige an. Der Geräteeinsatz zu Gieß- und Walzverfahren und zur Rähmchenherstellung nebst Gerätepflege werden jeweils mit Nennung von Vor- und Nachteilen sowie Sicherheitsaspekten erläutert.

Last but not least folgen die Kapitel Bienenwachs in Handwerk und Kunst, Kosmetik und Naturmedizin und die interessante Frage, ob die Wachserzeugung ein lohnendes Produktionsverfahren sei.

Summa summarum: ein Standardwerk!

Nicht nur die im Buch verstreuten Materiallisten tragen erheblich zu einem sicheren Start in das einzelne Vorhaben bei, was gerade für Jungimker/innen vorteilhaft ist. Auch der Serviceteil am Ende des 128-seitigen, inhaltsstarken Bändchens sollte begeistern. Er besteht hauptsächlich aus einem umfangreichen, sehr speziellen Adressenteil für den deutschsprachigen Raum (D-A-CH) nebst Ausreißer I und DK, der beispielsweise auch Bezugsquellen für Kerzen-Tauchgestelle, Holzschutzzubehör oder Lippenstifthülsen und -formen aufführt, also von grundsätzlichen bis zu speziellen Betriebs- und Hilfsmittel finden sich bekannte Firmen wie auch den Internet-Suchdiensten eher verborgen gebliebene Spezialisten, zu finden ab Seite 3 und damit quasi nicht vorhanden. Spürgin hat da dankenswerterweise einen Schatz gehoben.

Hingegen enttäuscht der mit lediglich zwei Werken angeführte Literaturteil und eine vereinzelte Videoangabe gehörig. Das wäre schon sehr ausbaufähig, doch kommt es mir nachgerade zupass, um überhaupt einen wesentlichen Kritikpunkt einbringen zu können, wie es sich für eine möglichst objektive Rezension gehört. Jedoch …

… insgesamt ein in Theorie und Praxis absolut überzeugendes Standardwerk für Macher/innen, ob Imkeranfänger/innen oder Fortgeschrittene, welches zwar bereits 2014 erschienen ist und natürlich nach sechs Jahren im Adressteil punktuell aktualisiert werden müsste, doch immer noch in jede Imkerbibliothek Eingang finden sollte! Wir freuen uns auf eine aktualisierte Auflage und bitten Autor wie Ulmer-Verlag um eben jene!


Bienenwachs. Gewinnung, Verarbeitung, Produkte / Armin Spürgin. 2. Aufl. Stutttgart : Ulmer. 2014. Die Imker-Praxis. ISBN 978-8001-8097-4


Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Bellmann: „Welches Insekt ist das?“

Cover zu Bellmann: Welches Insekt ist das? KosmosWer Bienen zu seinen erklärten Lieblingen zählt, interessiert sich über kurz oder lang auch für ihre Verwandten und „Pflanzenmitbewerbern“. Die Insektenwelt Europas erschließt seit vielen Jahren der promovierte Bio- und Zoologe, Heiko Bellmann, (nicht nur) für den Kosmos-Verlag. Der in 3. Auflage neu erschienene Naturführer „Welches Insekt ist das?“ wartet mit über 200 bildschönen Fotos von 400 Insektenarten auf, sehr übersichtlich mit je vier Arten auf je einer Doppelseite. Die Fotos sind z. T. mit Beschriftungen zu besonderen Erkennungsmerkmalen ergänzt. Weitere Detailaufnahmen wie beispielsweise von Kopf, Augen oder dem Leuchtorgan der Glühwürmchen lassen staunen. Beschrieben werden das Vorkommen der jeweiligen Art und in Stichworten Prägnantes zur Larve.

Hübsche Burschen, gefährliche Damen

Außerdem sind die augenfälligsten Unterscheidungsmerkmale von Männlein und Weiblein jeder Art im Vergleich abgebildet. Wie viele sicher wissen, sind die Burschen im Tierreich ja häufig viel hübscher, die Weibchen hingegen meist eher unscheinbar, dafür „gefährlicher“. Denken wir an die stechfreudigen Schnaken. Sucht man diesen Begriff allerdings im Register, welches den deutschen sowie den wisssenschaftlichen Namen im Alphabet ineinander ordnet, dann wird man, hm, tja, erst einmal nicht fündig.

Da wäre es schon gut, zu wissen, dass es sich hierbei um einen Vertreter der Zweiflügler handelt und kann sodann näheres zu den verschiedenen Schnakenarten (z. B. Holz-, Kohl-, Schneeschnake oder gemeine Stechmücke etc.) im grau gekennzeichneten Hauptteil erhalten.

Ordnung im System

Der handliche Führer ist nämlich mittels bunter Balken nach einem Farbcode in Ordnungen (zoologische Rangstufen) sortiert, die die Unterarten von z. B. Libellen, Käfer, Hautflügler oder Schmetterlinge etc. zusammenfasst. 31 dieser Ordnungen gibt es, wobei diese auf lediglich 9 Farben aufgeteilt werden. Klingt kompliziert, doch erschließt sich das durchaus, wenn man das Bestimmungsbuch erst mal in Händen hält. Ehrlich gesagt … der Insektenkosmos ist ja wohl wirklich das Komplizierteste in der Welt der Tiere, von den Virenstrukturen mal abgesehen … ne, ich will jetzt mal nicht schon wieder auf Corona hinaus 😉

Ziel und Zweck

Also keine Bange – Verwirrung ist nicht Ziel des Buches, sondern bestimmt das Gegenteil davon. Daher erfasst es auch nicht die vollständige Insektenwelt, das wäre denn doch zu viel des Guten. So wurden Arten, die ohnehin nur Spezialisten bestimmen können, weitgehend außen vor gelassen. Kriterium der Auswahl war es auch, dass sich das gefundene Insekt gut nach Fotos bestimmen lässt.

Es ist tatsächlich sehr unterhaltsam, sich einfach nur die Fotos anzusehen, die außergewöhnlich gut gelungen bzw. ausgewählt sind. Und das erste, wenige Seiten lange Kapitel zu Körperbau und Entwicklung ist wikipediaähnlich für Laien geschrieben und gut verständlich. Wer mehr wissen möchte, kann sich (nicht nur diesen) zugehörigen Erklärfilm im Internet ansehen.

Praxiseinsatz

Für den Praxiseinsatz ist es ohnehin ratsam, sich zunächst mit den Merkmalen der Insektenordnungen vertraut zu machen. Die dafür formulierten Beschreibungen, die dem Hauptteil vorangehen, sind kurz und bündig, daher sehr gut verständlich und mit je einem Foto einer Beispielart versehen. Eine Strichzeichnung des entsprechenden Beispiel-Insektenkörpers hilft durch seine aufs Wesentliche reduzierte Veranschaulichung zu einer allerersten Bestimmung. Wer also ein wenig Konzentration auf diesen Zeichencode verwendet, kommt am weitesten.

Diese Zeichnungen sind nämlich auch den im Hauptteil beschriebenen Porträts beigefügt. Im praktischen Einsatz sah das auf der grünen Wiese bei mir also folgendermaßen aus:

Ich erblicke ein Insekt, merke mir seine Grundform von oben gesehen (z. B. länglicher Körper, lange Fühler, keine abgestreckten Flügel sichtbar, zwei kurze Arme und Haxen), blättere in Art eines Daumenkinos durch die Seiten und stoppe im farbcodierten Kapitel bei der optisch entsprechenden Art.

Danach heißt es, sich auf gut Glück „durchzuzappen“, bis eines der supertollen Fotos auf das Fundobjekt passt. Bei mir war es die (grün codierte) Heuschrecke (ab S. 42), im Besonderen der „Nachtigall-Grashüpfer“. Oder vielleicht doch der „Braune Grashüpfer“? Die etwas schwierig zu erkennenden Unterschiede sind zwar ausführlich beschrieben, doch würde ich dazu das Pendant benötigen.

Egal – interessant fand ich den Hinweis, dass der Gesang jenes Nachtigall-Grashüpfers – so er es denn ist – ein „kurzer Schmettervers“ wäre (daher wohl der Name), der „zur typischen Geräuschkulisse einer sommerlichen Trockenwiese gehört“. Nun, auf eben so einer lag ich schließlich, insofern dürfte er es doch gewesen sein. Und nun lausche ich intensiver hinein in den Sommer und verblüffe meine Begleitung, indem ich trocken konstatiere: „Ah, die Kuckucks-Heuschrecke ruft!“

Das Haar in der Suppe, oder: Kritik zum Schluss

Ach ja, um zum Schluss zu kommen … im mehrfach gefältelten Umschlagteil findet sich in einer dadurch herausgestellten Beschreibung die Honigbiene wieder, mit Fotos des Entwicklungsstadien der Larve. Zur dort vorgefundenen Seitenangabe geblättert lese ich (mit Imkeraugen!) die knappe Beschreibung und finde natürlich prompt ein „Haar in der Suppe“. Dort nämlich steht u. a.:

„Im Frühjahr entstehen Drohnen, die männlichen Bienen, deren einzige Aufgabe in der Befruchtung der gleichzeitig schlüpfenden neuen Königin besteht.“

Nun ja, die Drohnen schlüpfen natürlich bereits vorher und auch laufend, so dass sich streng genommen ein „gemeinsamer Zeitpunkt“ nur im Sinne eines längeren Zeitraums ergibt. Außerdem begatten die Drohnen eines selben Volkes niemals ihre eigene Königin, sondern sammeln sich an Drohnenplätzen, um Königinnen anderer Völker zu beglücken. Doch wer über Bienen schreibt, muss schon sehr viel mehr Platz haben, als es in diesem Bestimmungsbuch möglich ist, die Knappheit lässt nicht allzu viel Raum für Spitzfindigkeiten – es sei denn, sie dienen der Beschreibung der jeweiligen Art, da wird das Buch doch sehr viel mehr ausführlich. Und das ist gut so, denn das ist ja sein Ziel: Zu bestimmen, nicht übermäßig zu belehren.

Empfehlung

Also, ich kann den neuen Insektenführer guten Gewissens empfehlen, und je mehr wir unsere Augen für diese unfassbar großartige und vielfältige Welt erfahren, desto mehr werden wir sie achten und hoffentlich auch pfleglich behandeln! Oder wie wir von der Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de immer so schön sagen: „Denn was man kennt, schützt man.“
Zeit, den Naturführer zur Insektenwelt näher kennenzulernen! Kaufen!


Welches Insekt ist das? Kosmos-Naturführer. Über 450 Insekten Europas. Extra: Mit Kosmos-Erklärfilmen zur einfacherne Bestimmung / Heiko Bellmann. Stutttgart : Kosmos. 2020. ISBN 978-3-440-16447-1


Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Heidinger/Kuhn: „Imkern mit der Bienenkugel“

Cover zu Heidinger / Kuhn, Imkern mit der BienenkugelDas Zitat: „Jeder muss seinen eigenen Weg beim Imkern finden“ (S. 22) gibt treffend die Linie des Buches „Imkern mit der Bienenkugel“ wieder. Andreas Heidinger hat seinen eigenen Weg mit der Bienenkugel beschritten. Deren Besonderheit ist ein kugelförmig ausgestalteter Brutraum mit kreisrunden Rähmchen. Die Rähmchen in der Mitte haben den größten Durchmesser. Je weiter die Rähmchen am Rand sitzen, desto kleiner ihr Durchmesser. Die Bienenkugel will als ein „Bienen-System-Haus“ (S. 7) den hohlen Baumstamm, die ursprüngliche Behausung von Bienenvölkern, ersetzen.

Suche nach neuem Weg in der Bienenhaltung

Das Buch handelt in seiner ersten Hälfte von Heidingers Suche nach einem neuen Weg in der Bienenhaltung. Sehr ausführlich beschrieben werden seine Annährungen an das Thema, sowohl von der künstlerischen Seite aus als auch im historischen Kontext. Letzteres trägt eindeutig die Handschrift des Mit-Autors, dem habilitierten Historiker Christian Kuhn, den Rezensenten persönlich bekannt.

Geleitet von naturwissenschaftlichen Überlegungen und im praktisch-konstruktiven Sinn – letzteres offensichtlich dem Modellbauer und Gießereitechniker Heidinger zuordenbar – ist die zweite Hälfte des Buches ganz der Praxis der imkerlichen Arbeiten mit der Bienenkugel gewidmet.

Kurzweiliger Zugang zu naturwissenschaftlicher Betrachtung

Das Buch soll dem Leser den Zugang zu einer naturwissenschaftlichen Betrachtung der Bienenhaltung eröffnen, so der Wunsch im Vorwort von Friedrich Reiling, der es überschrieb mit „Bienenhaltung und Naturgesetze“. Diesem Anspruch trägt die sachlich und fachlich korrekte Darstellung Rechnung, die sehr sorgfältig in seiner Formulierung ist. Angenehm auch, dass Vermutungen und Thesen durch die entsprechende Sprachwahl als solche kenntlich sind. Nicht zuletzt daher erscheint es weniger als wissenschaftliches Werk, sondern ist kurzweilig geschrieben. Auch für Noch-Nicht-Imker/innen findet es sicher Anklang durch die eher persönlich geprägte Sicht- und Darstellungsweise, die ein imkerliches Wissen eher nicht voraussetzt. Es wird alles Grundlegende erklärt.

Von der Kugel zum Ovoid

Besucht man die Hompage zum Buch www.bienenkugel.de so ist erkennbar, dass der Weg weiter geht. Die ursprünglich völlig runde Form wird dabei verlassen und gerät zum Zylinder, nähert sich also dem Halboval der Trogbeute („Top Bar Hive“) an. Wobei die Rähmchen weiterhin kreisrund bleiben, aber eben zu den Seiten hin erweiterbar. Denn in der Kugelform der Beute zeigt sich der Schwachpunkt der Konstruktion: Eine fixe, nicht anpassbare Größe des Brutraumes. Das soll das neue „Ovoid“ sozusagen wieder „geradebiegen“.

Da das Konstrukt der Bienenkugel in seiner urhaften Idee sicherlich reizvoll erscheint, das „Drumherum“ aber im wahrsten Sinne des Wortes – es muss noch eine Umhausung als Wetterschutz gebaut werden, außerdem ist ein Habitatbehältnis vorgesehen – doch recht aufwändig anmutet, ist ein Besuch in Dachau bei Heidingers empfohlen. Dort ist das Ehepaar auf (auch) internationale Gruppen nicht nur im Bereich der imkerlichen, sondern weiterer „natürlicher“ Themen eingestellt. Ebenso steht Christian Kuhn, derzeit in Frankfurt a. M. wohnhaft, für Vorträge „zur Beziehung von Bienen und Mensch“ zur Verfügung.

Keine Kosten und Mühen gescheut

Nicht nur die beiden Verfasser haben sich mit allen Details viel Mühe gegeben – in der Sache selbst wie zur Niederlegung in Buchform. Auch der Ulmer-Verlag hat keine Mühen gescheut, ein besonderes Thema auch besonders zu verpacken. Hochwertig wie die Bienenkugel, kommt auch das schmale, bilder- und konstruktionszeichnungsstarke Bändchen einher, der Text aufgelockert mit herausgestellten Informationshäppchen in – sehr naheliegend! – eingestreuten Kreisen.

Apropos … ob das Modell der Kugel Kreise ziehen wird oder ein Nischensystem bleibt, sei trotz medialer Präsenz und professioneller Außenwirkung dahingestellt. Denn hier treffen handwerkliches Geschick auf wissenschaftliche Herangehensweise, die ein zum Patent angemeldetes, einzigartiges Produkt zum Ergebnis hatten.

Das Nachbauen erscheint als ein hoher Aufwand auch finanzieller Art, der eher in Art eines Experiments zu einem besseren bzw. anderen Verständnis des Bienenvolkes verhilft, denn sich dem normal leidenschaftlichen Imker oder der Imkerin sogleich erschließt. Und nicht jedermann verfügt über einen 3-D-Drucker oder eine Fräßmaschine, doch lässt sich die Kugel ja auch kaufen. Ob der Arbeitsaufwand tatsächlich für Imker-Anfänger/innen so leicht ist, wie im Umschlagtext dargestellt, lässt sich von unserer Seite her nicht eindeutig beantworten. Uns mutet das Konstrukt und die Einzelteile exotisch an, Materialeinkäufe dürften sich nicht ohne Weiteres oder Abhängigkeiten gestalten lassen, ein praktisch-inhaltlicher Austausch mit konventionellen Imkereien ist kaum möglich.

Für wagemutige Herzen

Gleichwohl trotz der (noch zu) wenigen Untersuchungsergebnisse jetzt schon hochinteressant und sicherlich mit ergänzenden Erkenntnissen zur konventionellen Bienenhaltung. In diesem Sinne ist der Band möglich für alle, die „den Bienen mit Herz und Seele verbunden sind“ (Vorwort), und eben an jene, durchaus wagemutigen Herzen gelegt.

Rezensenten: Reinhold Burger, Ilona Munique


Heidinger, Andreas; Kuhn, Christian: Imkern mit der Bienenkugel. Rund statt eckig – Lernen von der Natur. Bienen besser verstehen. Andreas Heidinger, Christian Kuhn. 2020. 128 S. ISBN 978-3-8186-0931-3

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Franke: „Mein Garten fürs Leben“

Cover Franke, Mein Garten fürs Leben, BLVWenn der Journalist und Gartenbautechniker Wolfram Franke von seinerm Gewächshaus, der Konzertmuschel oder dem Badeteich schreibt, dann darf man sich das nicht „groß“ vorstellen, doch ganz bestimmt „großartig“, weil genial durchdacht und zweckmäßig gemacht, unter Zuhilfenahme meist gebrauchter Materialien bei bewusstem Sichtbarmachen derselbigen. Was nicht nur des Frankens recyclingbewussten Herzens erfreuen mag, sondern alle, die meist viel zu viel Geld in lebenszeitverschlingende Baumarktfahrten und Fehlkäufe nebst Umtauschaktionen stecken.

Es geht auch anders – nämlich ökologisch

Dass es auch anders geht, nämlich mit Phantasie, Liebe und – vor allem! – ökologisch, doch ohne erhobenen Zeigefinger, das lässt sich nachgerade miterleben im dem über 300 Seiten starken, reichlich bebilderten und biografisch geprägten Gartenratgeber „Mein Garten fürs Leben“. Dabei werden auch Fehlschläge – die Dachwurz und der Kürbis will nicht, die Mäuse und Bienen hingegen mehr, als einem lieb sein kann – nicht verheimlicht. Sehr sympathisch und authentisch geschildert, so dass die geneigte Rezensentin sofort mehr über die Hintergründe des Autors recherchieren möchte. Hier nur kurz angerissen:

Stationen

Nach mehreren Stationen und großen wie kleinen Anläufen und Verläufen privater, beruflicher wie auch flächennutzender Art landete der ehemalige Herausgeber der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ und später von „kraut&rüben“ vom Balkon über Pfarrgarten zu Reihenmittelhaus-Handtuchgarten und schließlich zum 800 qm großen Traumgarten, dem Reitsbergerhof in Vaterstetten. Ehemals eine brachliegende „Wüste“, verwandelte der gebürtige Bad Saarower mit Stationen u. a. in Siegen, Hannover, Osnabrück, Essen und Oldenburg – und dem von daher der Begriff „Porree“ statt unseres bayerischen „Lauchs“ nun einmal näher liegt – in ein naturnahes Paradies mit allem, was das Hobbygärtnerherz höher schlagen lässt.

Freiheit und Lust, Inspiration und Praxis

Mag auch das Kapitel über die Imkerei – denn natürlich braucht es bei all den vielfältigen Pflanzen auch Bienen! – mit fünf Seiten etwas dünn und auch inhaltlich nur an der Oberfläche kratzend geraten sein, und möge auch die eine oder andere Planzeichnung zum bessern Verständnis des Kapitels über den Bau des Gartenhauses und der „kleinen Elbphilharmonie“ für ein besseres Verständnis sorgen, so sind doch alle anderen Kapitel sehr ausführlich und nachvollziehbar gelungen. Es sollte ja auch jede/r selbst die innere Freiheit und Lust verspüren, nach eigenem Ermessen vorzugehen, wozu der Band eine sehr gelungene, äußerst anregende Inspiration darstellt.

Behandelt werden erwartungsgemäß und (berufs-)fachlich fundiert die Klassikerthemen wie Boden, Gehölze, Gemüse, Stauden und Kräuter. Dies sowohl allgemein mittels eingewobener Zwischenkapitel „Praxiswissen“ oder grafischer Darstellungen (zum Beispiel zu Trockenmauerbau, Gehölzschnitt oder Mischkulturen), wie auch im besonderen. Beispielsweise, wenn Franke über die unbeabsichtigte Ersteigerung einer Ramblerrose oder seine Gewissenskonflikte beim Ansetzen vom Brennessel als Flüssigdünger reflektiert, aber auch ausführliche, teilweise annotierte Listen mit verwendeten Pflanzen wie zu Rosensorten oder für den Badeteich beifügt. Selbst das sich mit entwickelnde Tierreich erhält sein eigenes, ansehnliches Kapitel!

Hat man so noch nicht gelesen

Und immer wieder lassen sich Einschübe entdecken, die man eben so noch nicht in anderen Ratgebern gelesen hat. Wer also für einen „alten Gartler“ oder eine „g’standene Kräuterhex'“ nach einem weiteren unter den bereits hundertundeinem geschenkten Gartenbuch sucht, ist mit diesem biografisch-persönlich gefärbten, geschichtenreichen und dennoch praxisfundierten Ratgeber bestens bedient und sollte seine Freude am kreativen Gestalten von großen wie kleinen Flächen (neu) entfacht bekommen.

Letztendlich … ein Vermächtnis

Letztendlich … „Die viele Arbeit“ – um Frankes letztes Kapitel zu zitieren – geschah nicht ohne die Beihilfe von „Schorsch“, dem Besitzer des Grundstücks, oder den vielen anregenden Begegnungen im Laufe eines umtriebigen Gärtner- und Journalistenlebens, und geschah sicher nicht ohne seine Frau Gisela, die deshalb hier besonders von mir erwähnt werden sollen. Hinter jedem leidenschaftlichen Menschen stehen leidensfähige Partner/innen und Begleiter/innen, die zum Gelingen kleiner wie großer Ziele beitragen.

Erwähnt sei noch Frankens Redaktionsvorgängerin, Marie-Luise Kreuter, deren Standardwerk „Der Bio-Garten“ auch der Rezensentin seit den 90ern hilfreich war. Es stellt in der -zigten Auflage zu Frankes „Mein Garten fürs Leben“ eine ideale Ergänzung auch heute noch dar. So werden denn manche Bücher wie Vermächtnisse eines prallen Lebens geadelt, die generationenverbindend ein „Must have“ darstellen. Möge auch Wolfram Frankes Kreativgarten im Reitsbergerhof mit Hilfe und im Sinne dieses Buches eines Tages seine gedeihliche Fortsetzung erfahren.


Franke, Wolfram: Mein Garten fürs Leben. Praktische und kreative Wege zum naturnahen Traumgarten. 1. Aufl. München. BLV im Graefe und Unzer Verl. 2020. ISBN 9783967470024

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

FT-Interview: 5 Tipps für Insektenparadiese

Journalistin Antonia Wild (FT) Die freie Journalistin Antonia Wild besuchte uns im Bamberger Bienengarten (Bienenweg 1) im Erba-Park für ein Interview zum Thema Insektenwelt und was die FT-Leser/innen dafür tun können. Der ganzseitige Artikel erschien unter dem Titel „Ein Paradies für Insekten schaffen“ in der Wochenendausgabe (Sa./So., 3./24.05.2020).

Frau Wild nahm sich viel Zeit dafür und fasste unsere Ausführungen unter fünf folgende Tipps zusammen:

  1. Gartenflächen unberührt lassen
  2. Stauden und Kräuter pflanzen
  3. Genau hinschauen bei der Blumenwahl
  4. Geduld haben und Toleranz zeigen
  5. Weniger [Mähen und Nachtbeleuchtung] ist mehr

Was es mit der Geduld und Tolerenaz wohl auf sich hat? Zum einen, dass Wildbienennisthilfen oft eine geraume Zeitlang, vielleicht sogar ein Jahr lang hängen können, bis sich einmal eine Belegung zeigt. Und sofern die an sich eher überflüssigen Nisthilfen richtig gemacht sind. Doch dazu haben wir uns ja an anderen Stellen (Suchworteingabe: Wildbienen) bereits mehrfach ausgelassen.

Zum anderen, dass sich das Anpflanzen von bienenfreundlichen Pflanzen auszahlt, indem  an manchen Frühlings- und Sommertagen urplötzlich eine beachtliche Wildbienenpopulation aus den Erdlöchern zum Vorschein kommt. Das kann durchaus mit einem Honigbienenschwarm verwechselt werden. Der faszinierende Schlüpfvorgang ist gefahrlos und oft in wenigen Stunden oder Tagen vorbei. Hier heißt es also, geduldig Abwarten und in dieser Zeit das Areal nicht betreten, sondern den Lauf der Natur akzeptieren. Schließlich sind WIR es, die den Insekten bereits viel geraubt haben. Daher ist es nur richtig, ihnen zur gebotenen Stunde „Geburtshilfe“ zu leisten!

 

 

Rezension zu Voskuhl & Zucchi: „Wildbienen in der Stadt“

Cover Wildbienen in der Stadt, Haupt Verl.Die Rezension kommt im Nachgang unseres Transition-Stammtisches zu Wildblumen-Blühstreifen wie gerufen. Denn Wildbienen in der Stadt, so der Buchtitel, sind oft besser dran als auf dem Land. Allerdings nur, solange es entsprechend ausstaffierte Gärten und kommunale Anlagen gibt, in denen wir die kleine Cousine der Honigbiene „entdecken, beobachten, schützen“ (Untertitel) … und lieben lernen.

Das sehr kurzweilig gestaltete und vielfältig zu nutzende Buch ist ein anschauliches Ergebnis aus den Erfahrungen zur 2013 gestarteten und erfolgreich verlaufenden Kooperation „Osnabrücker Bienenbündnis“. Zahlreiche Fotos mit Erläuterungen zur Wildbienenart und der aufgesuchten Pflanze lassen das Blättern zu einem Aha-Effekt werden.

Systematisch und Praktisch

Wer’s systematischer mag, findet verschiedene Auflistungen, die auch Laien großen Nutzen bringen. So sind wissenschaftliche Namen „ausgedeutscht“ und wir erfahren, welches der Synanthrope, also „mit den Menschen lebenden Arten“ in städtischen Siedlungsbereiche wo zu finden sind, außerdem, ob sie sich polylektisch ernährt oder was genau sie benötigen, wenn es eine oligolektische Art ist.

Den naturpädagogisch Tätigen kommt das Kapitel Wildbienenprojekte für Schule, Kitas und Familien zupass. Die ausführlich beschriebenen Projektinhalte und seine Vermittlungsformen beginnen mit Stichpunkten zum geeigneten Ort für die Aktion, den benötigten Materialien und dem Zielgruppenalter. Aber auch im Hauptteil „Wildbienen im Jahreslauf“ sind praktischerweise immer wieder kleinere Exkursionsmöglichkeiten optisch herausgestellt.

Die Honigbiene als Unterscheidungsmerkmal

Nur kurz wird dabei auf die Honigbiene eingegangen, aber da das dazugehörende Kapitel „Wissenswertes über Bienen“ lautet, darf sie natürlich nicht gänzlich vergessen werden. Die Freude der Eröffnung hat sie im Unterkapitel „Wie Wildbienen leben“. Schließlich ist ihre „hoch-eusoziale, gut organisierte Lebensweise ein unverwechselbares und stark abgrenzendes Unterscheidungsmerkmal zu den ansonsten „primitiv-eusozialen“, den „wild und einsam“ lebenden, den „kommunalen“ und den „parasitärischen“ Bienen ist.

Sie alle sind wahre Spezialisten im Wohnungsbau und oft auch der Nahrungswahl. Was zwangsläufig bedeutet, dass sie durch unseren Flächenverbrauch und den blütenspektrumarmen, oft überdüngten und aufgeräumten, also von „Baumaterialien“ befreiten Landschaften ein echtes Überlebensproblem haben. Weil Städte unbestreitbar heute „die bessere Landschaft“ für Bienen sind, lädt dies – so die Überzeugung von Janina Voskuhl und Herbert Zucchi – geradezu zum Handeln ein.

Was unterscheidet das Buch von anderen?

Nun ist unsere Imker-Bibliothek – die natürlich auch über das Imkern hinaus geht! – mit 28 gelisteten Publikationen zu Wildbienen bereits gut bestückt. Darunter Klassiker aus der Feder von Paul Westrich, Margrit und Paul Hintermeier oder Werner David. Natürlich auch alles von Broschüren über Was-ist-Was-Ausgaben bis hin zum schwergewichtigen Taschenlexikon der Wildbienen Europas.

Doch was der mir vorliegende Rezensionsband aus dem Haupt-Verlag von all dem unterscheidet, ist seine sehr gut verträgliche Mischung aus Information und (Spezial-)Wissen – wer weiß schon, welche Weidenart wann blüht oder an was die meistvorkommenden Hummelarten unterscheidbar sind? – und alltags- und projekttauglichen Teilhabe-Möglichkeiten mit Fokus auf die Stadtnatur.

Der im Übrigen angenehm schmeichelsanft gecoverte Band stachelt förmlich an, sich mit Argusaugen und Lupe sofort „In die Stadt“ aufzumachen, um eine jahreszeitliche Erkundungstour zu starten. Dabei machen wir Halt in (historischen) Friedhöfen, lesen Spuren in Pflasterfugen und an mit Spontanbewuchs überzogenen Wegrändern oder erfreuen uns über Entdeckungen in Blumenbeeten von Vorgärten und über blühende Baumscheiben, die ausnahmsweise ohne Vulkangestein oder dicken Schichten Rindenmulch auskommen.

Wer neben dem Beobachten auch selbst Hand anlegen und seinen Beitrag zum Schutz der Insektenwelt leisten möchte, findet reichlich Pflanz- und Bastelanleitungen im Kapitel „Wildbienen schützen in der Stadt“. Wer jedoch ein „Wildbienenhotel“ bauen möchte – Fehlanzeige! Vielleicht etwas spitzfindig, doch durchaus nachvollziehbar erläutert ist die Alternative von passenden „Nisthilfen“, zumal bei dieser konsequenten Wortwahl der individuelle Charakter der Bauwünsche von Wildbienen stärker betont werden soll.

Fazit

Wer also nicht gleich eine ganze Bibliothek anlegen möchte, sondern ein Wildbienenbuch „für alle Fälle“ braucht, der ist mit dem Kauf aus der Reihe „Haupt-Natur“ sehr gut bedient.


Voskuhl, Janina; Zucchi, Herbert: Wildbienen in der Stadt : entdecken, beobachten, schützen. 1. Aufl. Bern : Haupt Verl. 2020. Haupt Natur. ISBN 9783258081953.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Suchergebnis Tag "Wildbienen" im Zotero-Katalog der Imker-Bibliothek

„Wildblumen-Blühstreifen“ zum April-Treffen Transition-Gruppe „Bienenfreu(n)de“

Blühwiese im Bamberger BienengartenDas allererste online abgehaltene Treffen* der Transition-Gruppe Bamberg „Bienenfreu(n)de“ am 21.04.20 stand unter dem Motto „Wildblumen-Blühstreifen“.

Wir ließen uns von Stammtisch-Gast Melissa Biedermann mit einer sehr informativen und motivierenden Powerpoint-Präsentation [Wildblumen-Bluehwiesenstreifen-0420-MB-oB] einführen und konnten uns in kleiner Runde ausgiebig austauschen und gegenseitig auf den neuesten Stand bringen, vor allem, was Bamberg und die Region anbelangt.

Melissa ist Biologin und schloss kürzlich erst ihre Masterarbeit zu diesem Thema ab, in der es um ein Simulationsprogramm zu Käfer ging. Fragen und Diskussionsbeiträge hatte wir vor allem zum durchaus umstrittenen bayerischen Kulturlandschaftsprogramm KULAP (s. a. unser Beitrag), welches in und um die Region Bamberg wohl keine allzu große Rolle zu spielen scheint, und um die Problematik der falsch deklarierten oder unnützen Samentütchen.

Problematik Samentütchen

Samenbömbchen für BienentrachtpflanzenSehr häufig beinhalten Samentütchen (oder -bömbchen), so Melissa, nicht die erwünschten oder aber falsch deklarierte, teils nicht einheimische Arten. Sie werden manchmal in Gebieten ausgebracht und können andere und vor allem einheimische Arten verdrängen.

Dass sich die nicht-einheimischen Arten dauerhaft ansiedeln wird laut dem Bochumer Botanischen Verein zwar eher als selten angesehen und passiert wohl in Zukunft nur in ungünstigen Fällen (sollte wissenschaftlich mal untersucht werden). Je häufiger jedoch Naturliebende die Samen ausstreuen, desto wahrscheinlicher wird das der Fall sein, so Melissas Befürchtung, der wir uns anschließen.

Wildbiene Langhornbiene (Eucera nigrescens) an Geflecktem LungenkrautZudem stellen sie überwiegend keine Hilfe für vor allem seltene Wildbienen dar, die durch ihre oligolektische Ernährungsweise ganz bestimmte Nahrung benötigen.
Auch wir von der Initiative sehen das so und weisen seit Jahren immer wieder darauf hin. Daher war Melissas Beitrag „Wasser auf unseren Mühlen“!

Diskussionrunde / Fragerunde

Blühwiese am Hof von Martin Bloeß in der GalgenfuhrMelissa hatte auch einige sehr gute Fragen für die anschließende Diskussionrunde vorbereitet. Dazu gaben wir – zusammen mit unserem Bienenpaten Anton Hepple, der erfreulicherweise heute unser Gast war – gerne Auskunft. Für diejenigen, die am Stammtisch nicht teilnehmen konnten, zumindest ein paar Verlinkungen zu Beiträgen, die eine Antwortauszug geben können.

Blühwiese im Bamberger Bienengarten1. Wildblumenstreifen in und um Bamberg?

Frische Erde wird eingerecht2. Aussaat der Pflanzen im Garten? Aufwand? Erwartungshaltung?

  • Eine Aussaat ist speziell vorzubereiten. Einfach so auf’s Gras kippen klappt nicht.
  • Bodenprobe nehmen oder anhand des momentanen Bewuchses die Bodenbeschaffenheit analysieren, dann passende Arten wählen, das Gras abtragen bzw. die obere Bodenschicht öffnen,
  • Die Aussaat anfänglich gießen, und wenn alles geklappt hat, kann Anfang September gemäht werden.
  • Schnittgut nicht liegen lassen … und nach ca. 3 Jahren eine Folgesaat ausbringen. Näheres erfahrt ihr von versierten Qualitäts- Saatguthändler/innen (siehe Liste).

3. Interesse an Wildblumenstreifen/-wiesen in der Bevölkerung?

  • Blühwiese kurz vorm SensenIst nachgewiesen vorhanden. Um das hohe Interesse zu befrieden, schufen wir unter Mithilfe des Gartenamts der Stadt Bamberg eine kleine Blühwiese direkt neben der Bienne-InfoWabe. Diese wird sukzessive bestückt mit botanischen Schildern, die auf einzelne Arten hinweisen. Vorgänger war unsere Parzelle im benachbarten Interkulturellen Garten.
  • Pressetermin zur Blühoffensive der Stadt Bamberg, v.l. Jürgen Brendel, Udo Eichhorn, Reinhold Burger, Ilona Munique, Dr. Christian Lange, Robert Neuberth, Michael Gerencser, Dr. Jürgen GerdesImmer wieder wurden wir zu unseren BIWA-Sonntagsöffnungszeiten auf die kritisierte „Rasensituation“ auf der Erba-Insel angesprochen und beinahe schon „in die Pflicht“ genommen. Seit der Ansaat der großen Blühwiese (s. a. oben Blühoffensive) sind die Stimmen verstummt. Hundehalter/innen, die den Rasen bislang stark als Erziehungsübungsplatz nutzen, beschwerten sich glücklicherweise nicht.

4. Thema „Blühpatenschaften“ [in Bamberg und Umland]?

  • Gibt es, allerdings mit mäßigem EBlühwieserfolg.
  • Anton konnte sich an eine Aktion bei Kronach erinnern. Wir selbst erinnerten uns an durchaus sehr ambitionierte Aktionen im Landkreis Forchheim und in Baunach. S. a. unter dem Link im nächsten Absatz.
  • Wo und von wem man Unterstützung erhalten kann, ist in unserem Beitrag Aktionen, Förderungen und Infos zu Blühpflanzen und -wiesen festgehalten.

Fazit: Tolle Infos – eine Runde Schulter klopfen! Und wir nahmen den Stammtisch zum Anlass, umfassende Aktualisierungen einiger unserer Blogbeiträge vorzunehmen, insbesondere dieser hier mit Aktionen, Förderungen und Infos zu Blühpflanzen und -wiesen.

Vorschau nächstes Treffen

Schau-Kräuterbeet im Bamberger BienengartenDas nächste Treffen zum Thema „Bienenfreundliche Pflanzen“ findet am Dienstag, 19.05.20 von 18 bis 20 Uhr ebenfalls wieder online statt unter https://meet.jit.si/bienenfreunde-stammtisch
Tipp: Vorab den Browser Chrome installieren, da funktionieren Ton und Bild am besten. Für Mobilgeräte die App Jitsi Meet. Ein Passwort ist nicht notwendig.


* Unser „Online-Stammtisch-Lokal“ unter Meet Jitsi ist immerwährend zum Ausprobieren geöffnet (Adresse in Klartext: https://meet.jit.si/bienenfreunde-stammtisch )

Aktualis. am 24.04.2020

Rezension zu Joachim Petterson: „Imkern, der leichte Einstieg“

Cover Petterson Imkern Kosmos[Werbung Rezensionsex.] Imkern. Der leichte Einstieg. Das mit einem schwedischen Verlagspreis 2016 ausgezeichnete „beste“ Handbuch steigt nicht etwa mit dem Imkern selbst ein, sondern mit einer persönlichen Geschichte zur Imkerwerdung und dem nachfolgenden Kapitel „Hilfe für die Bienen“. Jenes bietet gut verständliches Hintergrundwissen über das europäische wie weltweite Bienensterben bzw. über Bienenkrankheiten, die Wildbienen nicht vergessend, gefolgt von praktischen Tipps auch für Nichtimker/innen. Für erfahrene Bienenhalter/innen sollte die eine oder andere Passage bereichernd sein, denn sie fasst allfällig Gefragtes knapp und kenntnisreich zusammen. Gelungen die Gegenüberstellung „Wespe / Biene“ sowie die Doppelseite zu Pflanzen und deren Nektar- und Pollengehalten nebst Blühzeiten.

Mit Vorsicht zu genießen

Leider sind – wie bei so vielen Ratgebern – die Tipps zum Bau von Wildbienenhotels mit Vorsicht zu genießen. Löcher in Stirnseiten bohren und Empfehlungen zum Bau eines „Wohnsilos“ mit über 100 Löchern … nein, so bringt das nichts. Hier können wir weiterhin nur empfehlen, sich die ensprechende Fachliteratur von Spezialisten (z. B. Paul Westrich, hier seine Literaturliste sowie dem NABU) zu besorgen oder gar das Plädoyer für ein AUS von Wildbienenhotels, hier von Wildbee, zu befolgen, denn sogar der pädagogische Nutzen ist laut einer Studie aus 2016 kaum nachzuweisen.

Über die im Norden bevorzugten Bienenbeuten könnte man ebenfalls streiten. Doch das ist völlig normal, siehe dazu unseren Beitrag zur Beutenphilosophie, den wir bereits 2012 verfasst hatten, als wir als Jungimker ebenfalls vor der Kaufentscheidung standen und hofften, nicht aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. (Was wir nicht taten.)

Hauptteil „Imkern“

Der Hauptteil des Buches zur Bienenhaltung ist durchwegs flüssig, interesseweckend und in weiten Teilen nachvollziehbar beschrieben. Anfänger/innen werden dahingehend angeleitet, was es an sinnvollen Gerätschaften zu erwerben gilt, wann was zu tun oder besser zu lassen ist, und dies alles mit so viel Hintergrundwissen wie nötig, ohne ständig (aber doch hin und wieder) zu sehr ins Detail zu gehen. Der Spagat zwischen pragmatischen Empfehlungen und tiefergehenden Erläuterungen gelingt allerdings nicht immer.

Zuweilen wird die Hauptzielgruppe fachlich zu wenig fundiert an die Hand genommen. Beispielsweise gäbe es durchaus wohlbegründete Argumente für den Kaltbau (Rähmchen senkrecht zum Flugloch) statt eines Warm- bzw. Querbaus (Rähmchen parallel zum Flugloch). Diese unterschiedliche Ausrichtung stellt Joachim Petterson einer „persönlichen Entscheidung“ anheim. Um diese jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes – für Anfänger richtungsweisende Entscheidung treffen zu können, wären an dieser Stelle nachvollziehbare Pro- und Contras zu erwarten gewesen. Denn schließlich ändert man die Anschaffung eines bestimmten Beutensystems nicht so ohne Weiteres. Stattdessen aber wird eine Mutmaßung geäußert – („Den Bienen ist es vermutlich egal“) –, was sicherlich zu einer Verunsicherung denn zur differenzierten Meinungsbildung führen dürfte.

Nicht ohne Weiteres zu übernehmen sind außerdem die zeitlichen Abfolgen, die in Stockholm, dem Erfahrungsort des Autors, anders aussehen als beispielsweise hier in Süddeutschland. Während Petterson erst Ende August seine (dritte) Ernte einholt, ist bei uns bereits die Varroabehandlung im Gange.

Die Gliederung orientiert sich im Schwerpunkt am Jahreslauf des Imkerns. Es endet mit einem Kapitel über Bienenprodukte und meint damit den Honig selbst sowie Wachs, nicht jedoch Nebenprodukte, was völlig in Ordnung ist. Nicht konform gehen wir dabei mit der „unbedingten“ Empfehlung des Rührens. Hier fänden wir ein „kann man machen, muss man nicht“ angebrachter. Denn es kommt doch sehr auf die einzelnen Konsistenzvorlieben an, aber auch auf die regionalen Nektarvorkommen, und damit einhergehend, welche Zuckerarten der gewonnene Honig aufweist. Das wurde anfänglich auch kurz angedeutet („Der bei uns im Norden produzierte Honig“). Wer das Buch von Anfang bis Ende linear durchliest, hat es vermutlich begriffen. Wer jedoch in die Zwischenkapitel hineinspringt, könnte es falsch auffassen.e.

Ein paar persönliche Rezeptfavoriten, die leicht nachzubereiten und mit appetitlich aussehenden Fotos garniert sind, runden diesen Teil stimmungsvoll ab.

Macht was her

Überhaupt macht das Einsteigerwerk optisch einiges her. Ansprechende, gefällig arrangierte und fototechnisch hochwertige Fotos nebst einigen netten Zeichnungen sowie ein angenehmes Schriftbild und Seitenrandnotizen halten bei Laune und machen Lust auf jede nächste Seite. In der Danksagung erfährt man auch, warum bei diesem Erstlingswerk alles so rund gelungen ist, nämlich ein (persönliches) Team an Fachleuten. Ja, es gehört mehr als die reine Sachinformation dazu, um sich den Bienen adäquat zu nähern – ob beim Imkern selbst oder beim darüber Schreiben.

Im Verbund mit einem auf deutsche Verhältnisse ausgerichteten Werken wird das aus dem grafisch gewohnten Kosmos-Rahmen fallende Buch ganz sicherlich seine Leser/innen finden. Es schreckt keinesfalls durch ein Übermaß an Informationen ab, greift jedoch fast alle fürs Erste notwendige Spektren auf und macht Mut, sich damit auseinander zu setzen. Ein hübsches Geschenk, das auch Freude machen sollte, falls sich die Beschenkten noch nicht so recht sicher sind, ob sie das Imkern tatsächlich anfangen möchten. Wir sind uns sicher – danach werden sie es!

Zum Schluss ein Lob an das deutsche Lektorat, dem die Adaption der schwedischen Spezifika in deutsche Verhältnisse bis auf wenige Details und so manches landestypische wie die doppelstöckige Trogbeute ausnehmend gut gelungen ist!


Petterson, Joachim: Imkern – der leichte Einstieg : Bienen, Haltung, Produkte / Joachim Petterson ; aus dem Schwedischen übersetzt von Ingrid von Brandt. Stuttgart : Kosmos. 2018. ISBN 978-3-440-15776-3

Rezension zu Günter Pritsch: „Bienenweide“

Cover Günter Pritsch, Bienenweide, Kosmos-Verl.[Werbung Rezensionsex.]
Oft werden wir gefragt, was man denn für die lieben (Wild-)Bienen anpflanzen könne. Denn dass unsere Bestäuberinnen wichtig sind, daran gibt es keine Zweifel mehr. Hier schlagen wir gerne im Nachschlagewerk „Bienenweide“ von Günter Pritsch mit seinen 220 hübsch bebilderten, deutschbenannten Pflanzenporträts nach – geeignet zum Appetitmachen wie auch vertiefend als Entscheidungshilfe.

Tabellen zum schnellen Nachschlagen

Vertiefend deshalb, da Nektar- und Pollenangaben im Hauptteil und in zwei Tabellen des Service-Teils eine zusätzliche Orientierung geben. Vor allem dürften Imkereien von Tabelle 3 profitieren, die die Nektarerzeugung von Bienenweidepflanzen nebst der Honigertragsmenge und den Zuckergehalt auflistet.

Die Tabelle 4 zu Ertragsergebnissen nach Isolationsversuchen hingegen bereitet ein wenig Kopfzerbrechen. Nett wäre an dieser Stelle ein Rückverweis auf diejenige Seite gewesen, die den Erklärtext dazu liefert. Nun, auf der Seite 22 wurde ich fündig, dennoch blieben zunächst Fragen offen. Dass der Referenzwert (Bezugsnorm), auf den sich alle Angaben beziehen, die Spalte zum Ertrag „nur mit Honigbiene“ ist, und dass ein Strich in der Zelle bedeutet, dass es keine Erkenntnisse dazu gab, erschließt sich nicht sofort.

In Tabelle 6 werden die Honigtauerzeuger verschiededer Gehölze benannt, desweiteren, auf welchem Teil, also Rinde, Blatt oder Knospe etc., diese vorkommen. Für ausgesprochene Waldhonig-Imker/innen kann das durchaus interessant sein. Durch die Beobachtung eines Mehraufkommens diverser Krabbler mag ein Standortwechsel der Völker angezeigt sein. Doch im praktischen Nutzen eher überflüssig erscheint mir die Klasseneinordnung der Honigtauerzeuger in der vorangegangenen Tabelle 5.

Stärken und Schwächen der neuen Auflage

So liegt die Stärke des handlichen Pflanzenführers aus dem Kosmos-Verlag in seinem Hauptteil, also den Porträts mit den knappen Angaben zu Wuchsform und -höhe, Vorkommen und Verwendung sowie zur Vermehrung und besonders für Imker/innen die Angabe der Pollenhöschenfarbe und der Nektar- und Pollenwerte. Dieser Teil ergänzt durch die referenzierenden Tabellen 1 und 2 der nach deutschen Pflanzfamiliennamen –und innerhalb dieser nach Gattunsnamen geordneten Liste mit Nektar-Pollen-Übersicht – in aufsteigender Blühzeitenfolge.

Wer im Übrigen die Ahorngewächse vermisst, mit welchen die Vorgängerauflage ihre Porträts begann, wird nun in der 2. Auflage fündig unter „Seifenbaumgewächsen“. Ob das sinnreicher für das „Normalvolk“ ist, sei dahingestellt. Bedauerlich allerdings ist die nunmehr schwerer lesbare, da kleinere und serifenlose Schriftart. Auch lag der Vorteil des vormals gebundenen Hardcover-Buches darin, es geöffnet vor sich liegen lassen zu können, während das klappenbroschürte Buch sofort wieder zuklappt. So konnte ich aus den Tabellen in aller Ruhe eigene Zusammenfassungen herausziehen und nebenbei mit dem Stift notieren, was bei den Beratungsleistungen unserer Bienen-InfoWaben-Kunden sehr praktisch war. Als Verbesserung jedoch kann das größere Bildformat der Pflanzenporträts gesehen werden.

Als Arbeits-/Beratungshandbuch werde ich wohl weiterhin die 1. Auflage von 2007 verwenden, doch zum Blättern unseren interessierten Besucher(inne)n die 2. Auflage von 2018 in die Hand drücken. Und natürlich auch eine 3. Auflage willkommen heißen, sobald sie sich – schon aufgrund der bedauerlichen Errata, der verschobenen Wertzahlen beim Tracht-Fließband geschuldet – ankündigen wird.


Pritsch, Günter: Bienenweide. 220 Trachtpflanzen erkennen und bewerten. 2., aktualis. u. erw. Aufl. Stuttgart. Franckh-Kosmos Verl. 2018. ISBN 978-3-440-15991.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Simone Kern: „Mein Garten summt!“

Cover "Mein Garten summt!" von Simone Kern (Kosmos)Die Landschaftsarchitektin Simone Kern „weint“ in ihrem Vorwort zu „Mein Garten summt!“ (Kosmos, 2017) ihrer blüten- und tierartenreichen Kindheit im Allgäu nach, tröstet sich und uns aber auch mit einem Lichtblick: Dem erkennbar wachsenden Bedarf an schön gestalteten Gärten im Sinne „bewusst etwas für die Tiere tun“.

Das erste Kapitel beginnt damit, „Natur zulassen – auch in der Stadt“ und springt sogleich mitten in unser Lieblingsthema „Honigbiene“ hinein. Weniger systematisch, vielmehr kaleidoskopartig beleuchtet sie Zusammenhänge zwischen Gestern und Heute, den Beziehungsmustern von Mensch – Pflanze – Tier, der Entwicklung „Ei / Raupe /  Schmetterling“ sowie von Nahrungsketten und -kreisläufen etc. Inspirierend und faszinierend zu lesen, dabei abwechselnd prosaisch-unterhaltsam („Die meisten Schmetterlingsraupen können es zwar nicht mit der Schönheit des fertigen Schmetterlings aufnehmen, aber sie beeindrucken in ihrer Unterschiedlichkeit: grell bunt oder perfekt getarnt, mit glatter Haut oder völlig behaart“ S. 15) und pragmatisch-nüchtern („Diese werden dann von den Sekundärkonsumenten verspeist“, S. 13), was durchaus sehr unterhaltsam ist.

Dann aber doch fokussiert anleitend die Kapitel beispielsweise zu Insektengärten, Bepflanzungsideen und Bauprojekten für die Insektenbeobachtung. Da bei der Beschreibung von Wildbienennisthilfen viel Unsinn geschrieben wird, warf die Rezensentin ein scharfes Auge darauf. Etwas unglücklich fielen dabei die Fotos auf der Doppelseite 80/81 und 85 (links) sowie 86, denn diese Nisthilfen sind nicht empfehlenswert, was im Auszeichnungstext hätte kenntlich gemacht werden können. Doch im Fließtext relativiert sich das glücklicherweise wieder.

Sehr schön die Pflanzen- und Tierporträts mit wunderbaren Aufnahmen nebst Steckbriefen, außerdem die Literaturliste und Adressen- bzw. Linkliste fürs weitere Vertiefen. Das Register führt neben lateinischen bzw. botanischen Namen auch die deutschen Entsprechungen auf. Hilfreich die grünen Text-/Tabellenkästen mit Stichworten und Kurzinhalten, die – neben weiteren Fotos – das Büchlein einnehmend untergliedern und lebendig gestalten.

So recht etwas zum „Hungrig-nach-Frühling-Blättern“ bei noch grauen Restwinterwolken, inklusive des optimistischen Gefühls von „Kriege ich hin!“ Was wohl auch der NABU so sieht, denn dieser empfiehlt dieses einnehmende, lustbringend gestaltete Natur- und Gartenbuch für kleine wie größere Gärten ebenso wie die Rezensentin.


Mein Garten summt! Ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln. Simone Kern. Stuttgart : Kosmos, 2017. 111 S.  ISBN 978-3-440-16320-7

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.