Rezension zu Carolin Hensler: „Naturforscher Unsere Umwelt“

Wenn „Naturforscher Unsere Umwelt“ beschreiben sollen, dann ist das ganz schön ambitioniert, weil sehr komplex. Dem gleichnamigen, kleinformatigen Büchlein, doch mit immerhin 112 Seiten, ist es streckenweise sehr gut gelungen. Wem in Corona-Zeiten so langsam die Ideen, Kinder sinnvoll zu beschäftigen ausgehen – wie wäre es mal mit etwas stärkeren Tobak?

Cover Naturforscher Unsere Umwelt, arsEditionInformieren, Rätseln und Ideen

Viele echt grundlegende Informationen in Ergänzung mit super interessanten Details wechseln sich ab mit Staun-Facts, Rätselfragen und praktischen Anregungen. Zugegeben jedoch nicht immer mit den erwarteten oder erhofften Lösungen, doch zumindest mit Lösungsansätzen. Davon hätte das Kind, der Jugendliche und sogar der Erwachsene sicherlich gerne mehr. Denn manche Sachverhalte, beispielsweise, dass Vulkane „ganz schöne Dreckschleudern“ sind und „mancher Atommüll […] erst nach vielen Millionen Jahren Lagerung nicht mehr gefährlich [ist], lassen einen eiskalt ratlos zurück.

Da gerät man als Erwachsener erst mal mächtig ins Stottern – um im leicht bemühten Jugend-Jargon zu bleiben. Peinlich berührt und nervös geworden – denn so manches haben wir schließlich direkt oder indirekt durch unserem Lebensstil oder durchs Wegsehen mit verursacht – werden wir rasch vorschlagen: „Lass uns doch weiter blättern, vielleicht kommt ja noch eine gute Idee!“ Und das sollte sie dringend auch.

Frust, Fragen und Friday-for-Futur

Denn der Frust ob der Tatsache, dass heute immerhin die Hälfte der benötigten Energie durch Windkraft ersetzt wird, diese jedoch durch die dafür eingesetzten großen Rotorblätter nicht nur, aber besonders dem Rotmilan zum Verhängnis wird, kann sicherlich nicht mit dem spielerischen Nachbasteln von bunten Papierrädern weggepustet werden. Da müssen deutlichere Verbesserungen her. Und die werden einige Seiten weiter auch ganz klar genannt: Energie einsparen und Wasser als weiteren Energiegewinner verwenden. Braun- und Schwarzkohle, die Hauptlieferanten, sind definitiv out.

Dass dem allgemeinem Ziel des Energiesparens eine Energievision 2050 beiseite steht, in der auch die Kinder als Mit-Verantwortliche, Mit-Sparer und Mit-Mahner in die Pflicht genommen werden, ist gut lesbar als Interview verpackt. Diesem folgen Fragen nach dem Warum und Wie des Energieverbrauchs (z. B. Fortbewegung, Fleisch essen, Wegwerfen, Neukäufe), gut umsetzbare Tipps für den Alltag (Küche, Wäsche, Wärmeeinsatz), gepaart mit weiteren Hintergrundinformationen, die außerdem mit Irrtümern aufräumen. Natürlich darf auch die Idee der Friday-for-Future-Demos nicht fehlen.

Ernst nehmen, Umdenken, Beitrag leisten

Apropos Fehlen … mein Eindruck ist, es fehlt kaum ein Ansatz, der (nicht nur) den Kindern hilft, ihre-unsere Umwelt zu verstehen und das Dilemma des Klimawandels durch verschiedene Faktoren zu erkennen. Es rührt sich der dringende Wunsch, die vielen negativen Symptome und Begleiterscheinungen ernst zu nehmen und ihnen etwas entgegenzusetzen. Mancher Tipp ist dabei zwar etwas zu kurz gesprungen, wirkt banal oder ist auch einfach nur falsch – siehe Roteiche als (eher sekundär geeigneter) Klimabaum, Wildbienenhotel aus dem Baumarkt, das garantiert keinen Sinn macht, oder die Mär von der Glasscherbe als Brennspiegel im Wald.

Doch abgesehen von diesen Schwächen lassen sich viele Anregungen zur Beobachtung, zum Experimentieren oder zum Umdenken leicht verstehen und durchführen. Auch von den Erwachsenen, die dieses bunte Kaleidoskop des Schreckens und seiner möglichen Abwehr sicherlich nur dann kaufen, wenn sie sich für die garantiert nachfolgenden Diskussionen gewappnet fühlen. Denn trotz aller Sympathie für das kindgerechte Umweltbuch und trotz Kaufempfehlung kann ich dem Satz: „… lässt keine Fragen offen“ nicht zustimmen. Und das ist auch gut so.

Denn nur, wer Fragen hat, bemüht sich um Antworten. Das können wir durchaus und auf gleicher Augenhöhe gemeinsam tun. Kind wie Erwachsene sind in Anbetracht der Breite und Tiefe von Umweltthemen gleichermaßen gefordert. Seinen Beitrag dazu, damit (endlich) anzufangen, kann das Buch garantiert leisten.


[Hensler, Carolin]: Naturforscher Unsere Umwelt. Zum Mitmachen und Ausfüllen. München : arsEdition. 2. Aufl. 2020. 112 S. ISBN 9783845834948.

Rezensionsexemplar, diesmal weitergereicht an den Präsenzbestand des Büros vom BUND Kreisgruppe Bamberg

Rezension zu „Die kleine Hummel Bommel feiert Geburtstag“

Cover Sabbag,Kelly, Tourlonias, Hummel Bommel Geburtstag, arsEditionWenn eine erfolgreiche Kinderbuchreihe fünfjährigen Geburtstag hat, dann darf ihn natürlich die Hauptprotagonistin, in diesem Fall die kleine Hummel Bommel, stellvertretend für den arsEdition-Verlag feiern. Doch wie begeht man eine Party, wenn Pappa Hummel (scheinbar) die Einladungskarten abzusenden vergessen hat? Und Mama Hummel weder Getränke noch Kuchen in Auftrag gab?

So ohne Weiteres gibt die kleine Hummel Bommel aber nicht auf. Stattdessen macht sie sich auf den Weg, um sich ihre Gäste von Biene und Wespe über Marienkäfer und Schmetterling bis zu Weberknecht und Stinkwanze – selbst einzuladen.

Die aber machen sich einen Spaß daraus, so zu tun, als könne man aus unausweichlichen Gründen heraus leider, leider nicht kommen. Dass dann am Ende alle doch noch miteinander feiern werden, dürften aufmerksame Kinderaugen ab 3 Jahren beim Betrachten der wie immer drollig gezeichneten Seiten durchaus erraten. So lässt sich zwischen allerlei Details das eine oder andere festergänzende Interieur entdecken, welches auf der erlösenden Seite wiederzufinden ist, in der die kleine Hummel Bommel und die Partygäste übereinstimmend feststellen: „Wie schön, dass ihr da seid, bzw. du da bist!“

In einer vom Lockdown geprägten Zeit eine sicherlich nicht geplante Hommage an die Freude, die von gemeinsamen „Feiern! Feiern!“ (O-Ton Fina Foh) ausgeht – Pusteblumenfeuerwerk mit inbegriffen. Tja, … „Pustekuchen!“ wird sich so manches Kind denken, das derzeit ebenfalls Geburtstag hat und ohne all das auskommen muss.

Apropos Kuchen … natürlich darf wenigstens dieser wichtige Untersatz einer Geburtstagskerze auch in Krisenzeiten nicht fehlen. Das Rezept zum Honig-Apfelkuchen stammt von Mama Hummel, oder vielleicht auch von einer der drei wunderbaren, originellen Künstlerinnen Britta Sabbag, Maite Kelly oder Joëlle Tourlonias?

Wenn es Kritik an diesem aus dem Hummelversum stammenden Bilderbuch geben soll, dann höchstens dazu, dass Kuchen, die rein nur mit Honig, aber ohne Industrie- oder Rohr-Rohr-Zucker gebacken werden, meist zu bitter schmecken. Aber das ist – genau! – Geschmackssache und tut dem gewünschten Erfolg des Werkes sicherlich keinen Abbruch.


Die kleine Hummel Bommel feiert Geburtstag / Britta Sabbag [Text], Maite Kelly [Text], Joëlle Tourlonias [Ill.]. 1. Aufl. München : arsEdition. 2020. [24 S.] ISBN 978-3-8458-2537-3.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Rezension zu Britta Teckentrup: „Bienen, kleine Wunder der Natur“

Cover Teckentrup, Bienen, arsEditionDer Heilige Ambrosius gilt als Schutzpatron der Bienen. Wir begehen seinen Todestag am 4.4. mit einer Rezension zu einem höchst lebendigen Bilderbuch (Illustriert von Britta Teckentrup) mit dem schlichten Titel: „Bienen“.

Das hochformatige Hardcover-Buch wird dem Untertitel „Kleine Wunder der Natur“ gerecht, indem es in kindgerechter Sprache durchaus sachlich richtig, doch eben auch poetisch-lyrisch (Text: Patricia Hegarty in der Übersetzung von Maria Höck) die Sache mit der wundersamen Bestäubung erklärt.

Jede der 13 Doppelseiten ist dabei mit mindestens einer kleinen Wabe durchlöchert, durch die man – richtig! – eine Biene erblicken kann. Natürlich begegnen uns noch mehr Bienen – denn „das schafft die kleine Biene einfach nicht alleine“, aber auch andere Insekten und Tiere zwischen bunten Blumen, in Bäumen und auf dem Wasser sind zu entdecken.

Zwar wirkt das Bunt ein klein wenig trist, doch um so mehr strahlen starke Farbtupfer in den Grundfarben aus den großflächigen, collagierten Zeichnungen hervor. Warum das Buch erst ab 4 Jahren empfohlen ist? Vielleicht, weil sich die Kleinen beim Fingerchen durch die Stanzlöcher durchstecken schneiden könnten? Ich würde es daher mit den noch Jüngeren einfach gemeinsam ansehen und ein bisschen Acht geben. Achtgeben – ja, das lernen wir in diesen Tagen, mehr, als wir je gedacht hätten. Fangen wir doch einfach gleich mit dieser simplen Fingerübung an.


Bienen : Kleine Wunder der Natur / mit Bildern von Britta Teckentrup ; Text: Patricia Hegarty ; aus dem Englischen von Maria Höck. München : arsEdition. 2017.
978-3-8458-1776-7

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*15* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

Völker in Bamberg, Wildensorg-RinnersteigIhre jungen Pupertiere sind IMMER NOCH NICHT im Bett?!?! Nein?! Dann lassen Sie sie an diesem Samstag Abend doch ausnahmsweise mal was zu Bienen glotzen, statt sinnfrei mit Games in der Gegend rumzuballern. Ist doch schließlich Advent, da darf’s mal etwas friedlicher zugehen. Hier eine kleine Auswahl unter oft leider häufig fehlerhaft dokumentierten Videos.

Die Biene Maja – das Original

Die Biene Maja – BuchdeckelDas Originalbuch von 1912 besitzt unsere Bienenpatin Elisabeth: Die Biene Maja und ihre Abenteuer von Waldemar Bonsels. Eine nachdenklich machende, sehr anrührende Passage daraus möchte ich heute einmal mit euch teilen:

Die Menschen sind gut und weise“, hatte sie ihr
gesagt. „Sie sind sehr stark und mächtig, aber sie mißbrauchen ihre
Kräfte nicht, sondern überall, wo sie hinkommen, entsteht Ordnung 
und Wohlstand. Sie sind dem Volk der Bienen wohlgesinnt, darum 
vertrauen wir Bienen uns ihrem Schutz an und teilen unseren Honig 
mit ihnen. Sie lassen uns genug für den Winter und sorgen dafür, 
daß der Frost und die große Schar der Feinde, die wir unter den 
Tieren haben, uns nicht stören oder vernichten. Es gibt wenig freie 
Tiere in der Welt, die solch ein Verhältnis von Freundschaft und 
freiwilliger Dienstbarkeit mit den Menschen eingegangen sind. Du 
wirst immer wieder unter den Insekten Stimmen hören, die dem 
Menschen Böses nachsagen. Höre nicht auf sie. Wenn ein betörtes 
Bienenvolk sich einmal in die Wildnis begibt und sein Heil ohne den 
Menschen versucht, geht es rasch zugrunde. Es gibt zu viele Wesen, 
die Verlangen nach unserm Honig tragen, und oft ist ein ganzer Staat 
ruchlos vernichtet worden, mit seinen Bauten und seiner Brut, nur 
weil ein unvernünftiges Tier seine Begierde nach dem Honig stillen 
wollte.“

Hier könnt ihr das Buch, das sprachlich und zeichnerisch wenig mit der Zeichentrickserie der 70er oder der animierten Folgen von heute gemein hat, kostenlos nachlesen – viel Spaß dabei! http://www.gutenberg.org/ebooks/21021

Die Biene Maja – Textbeispiel