Rezension Ofring/Walczyk: „Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!“

Cover Oftring, Walczyk: Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!Besonders viele Bilderbücher für das Vorschulalter zu Wildbienen sind gerade nicht auf dem Markt. Da schließt der Titel aus dem Gerstenberg-Verlag „Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!“ eine echte Lücke. Wie bereits der Titel verrät, ist es ein sachlich orientiertes Buch, außerdem mit 40 Seiten inklusive angefügter Ausklappseiten doch recht umfangreich. „Ab 4 Jahre“ lautet die Verlagsempfehlung, und für Jüngere würde ich das Buch schon mal rein haptisch und auch von den Satzlängen her nicht einsetzen. Die wenige Male abgebildeten Kinder werden von mir als etwa Sechsjährige eingeschätzt.

Themenschwerpunkt „Mauerbiene“

Bärbel Oftring, die Verfasserin, konzentriert sich thematisch auf Mauerbienen. Sie leben in einer Wildbienen-Nisthilfe in Form von Bambusröhrchen, die auch jüngere Kinder gut alleine herstellen können. Das alleine füllt natürlich nicht alle Doppelseiten. Vielmehr dominieren jahreszeitliche Beobachtungen, die an dieser Art der Nisthilfe möglich sind. Außerdem führt Oftring punktuell weitere Insekten wie die Löcherbiene, die Honigbiene und Hummeln und einige weitere Arten ein. Da im Winter in Sachen Insekten nicht viel los ist, werden zudem Vögel erwähnt, die man füttern sollte.

Tatsächlich wird die eigentliche Bauanleitung erst am Buchende präsentiert. Das Buch schließt mit einem Steckbrief, dem Jahreslebenslauf und einer Grafik zum Lebenszyklus der Gehörten Mauerbiene. Außerdem werden drei Bände mit dem Reihentitel „Schau mal, ein(e) …[Marienkäfer, Schnecke, Spinne]“ beworben, die in gleicher Weise gestaltet sind wie das vorliegende. Diesen Reihentitel halte ich in Anbetracht dessen, dass überwiegend „geschaut“ und weniger gebaut wird, für eher passend.

Cover Oftring, Walczyk: Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!Kommen wir noch einmal kurz auf die Seitengestaltung zu sprechen. Hinter den ausklappbaren Halbseiten verbergen sich viele zur Haupterzählung passende und sehr detaillierte Informationen. Diese ermöglichen es den Vorlesenden, auf eventuelle Fragen der Kinder gut zu antworten. Es ist sozusagen ein Sachbuch im erzählenden Bilderbuch. Gute Idee!

Meisterhafte Illustrationen

Jana Walczyk, die Illustratorin, ist eine Meisterin des feinen Pinselstriches, die es offenbar nicht müde wird, Härchen um Härchen der hübschen Insekten zu zeichnen oder Strukturen von Blättern, Bambusröhrchen, Fetthennenblüten bis hin zu Putzbörstchen detailgretreu abzubilden.

Farblich überzeugt mich ihre Kunst durch authentische, frische Wiedergabe der großen Buntheit der Natur, die sowohl großflächig als auch im winzigen Haarkleid der Löcherbienen zu finden ist. Die Wespe gar wirkt wie fotografiert, den feinen Pollen vermag ich fast zu riechen und die (dezente) Paarung der Mauerbienen ist eine Glanzleistung in vielen Brauntönen. Dass die Zeichnungen auch strenger fachlicher Beurteilung stand halten, das ist beispielsweise an der Blauschwarzen Holzbiene zu erkennen, die sich im Blauregen und damit ihrer bevorzugten Pflanzenart, den Schmetterlingsblütlern, aufhält.

„Eierlegende Wollmilchsau“

Der berühmten „eierlegenden Wollmilchsau“ kommt dieser Band schon recht nahe. Es wird eine thematisch durchgängige, den Jahreszeiten folgende Grunderzählung präsentiert, die sprachlich zwar durchaus anspruchsvoll für die anvisierte Zielgruppe der Vorschulkinder ist, doch nicht zu sehr ausufert. Sachliche Informationen, die die Kinder ernsthaft an die Hand nimmt, sind durch wunderschöne, bunte und detailgetreue Zeichnungen nachvollziehbar und ergänzen als berührender, emotionaler Gegenpart.

Erwachsene bleiben bei diesem Buch in ihren Erklärungsversuchen angesichts der komplexen Insektenwelt nicht hilflos Antworten schuldig. So würde ich den inspirierenden Band sogar in den Grundschulunterricht mit einbauen und – ja, genau! – tatsächlich ein weiteres von den im Grunde überflüssigen Nisthilfen bauen! Denn Wildbienen-Nisthilfen, sofern richtig bestückt, dienen nur einem Bruchteil der ohnehin eher weniger gefährdeten Arten. Doch sollte ein gewisser pädagogischer Effekt nicht ausbleiben, wenn wir uns mit Augen, Ohren, Nasen und einem guten Bildband wie diesen in Händen tiefergehend mit Bienen aller Art beschäftigen und sie unserem Nachwuchs nahe bringen. „Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene!“ ist eine sehr gute Wahl dafür!


Ich bau dir ein Haus, kleine Wildbiene! / Oftring, Bärbel (Verfasser), Walczyk, Jana (Illustrator). 1. Aufl. Hildesheim : Gerstenberg, 2021. 40 S. ISBN 978-3-8369-6098-4

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek / Kinderbücherkiste!

Paravent im Kamishibai-Prinzip als Methode im Schulbienenunterricht

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeDas Kamishibai, also der Märchenbilderschaukasten, hat sich in vielen schul- und medienpädagogischen Bereichen seinen Platz auch in Europa erobert. Die ursprünglich in Japan in Form eines Papiertheaters eingesetzte Methode des Märchenerzählens fußt in der modernen Version auf einen Rahmen, dem Bildkarten eingesteckt werden, die von einer Erzählung begleitet sind. Ältere von uns kennen das System auch in Form von Dia-Geschichten, oft als Veranstaltungsreihe in Bibliotheken angeboten. Unser neu angeschaffter Paravent greift diese Methoden auf.

Methodischer Einsatz

Der Bilder-Paravent erleichtert den Einstieg in den Schulbienen-Unterricht für junge wie auch ältere Kinder. Denn die Motive, die wir in den 20 quadratischen Sichtfenstern einsetzen, sind kindgerecht UND modern gehalten. Sie entstammen einem ausgedienten Kalender, der auf dem Bilderbuch von Piotr Socha: Bienen“ basierte.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeLineares Vorgehen

Schrittweises Auf- und Wegklappen

Die Sichtfensterrähmchen lassen sich umdrehen, so dass man mit einem Bild und einer kurzen Erzählsequenz beginnen kann und nach und nach die nächsten Bildmotive öffnen, bis zum Schluss alle sichtbar sind. Man könnte auch das vorangegangene Motiv wieder verschwinden lassen, um die Konzentration auf das aktuell begleitete Motiv zu erhalten. Also je nach didaktischem Ziel.

Buchstabieren

Gut funktioniert das System auch zum Buchstabieren und Silbentrennen bei schwierigen oder unbekannten Wörtern, bspw. Facettenaugen, Pollenhöschen, Varroamilbe und Wespentaille. Dazu werden die entsprechenden Buchstaben in die Fenster eingeschoben.

Nachdem die Wörter alle buchstabiert sind, werden die Fensterchen wieder bis auf den ersten Buchstaben eines jeden Wortes umgedreht. Jetzt sagen die Kinder die kommenden Buchstaben an.

Umgedreht wird nur der Buchstabe, der tatsächlich richtig genannt wurde. So könnte es aussehen: Fa?et?enauge. Die Kinder raten nun so lange weiter, bis jedes Fensterchen umgedreht ist.

Lückentext

Den Schwierigkeitgrad der vorangegangenen Übung kann man natürlich steigern. Dazu zeigt man lückenhaft nur wenige Buchstaben und das gesuchte Wort will erraten werden. Dabei kann man durchaus auch ungeübte, neue Begriffe einführen.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeVernetztes Vorgehen

Suchen & Finden

Es gilt, zwei sich ähnelnde Motive oder ein Themencluster zu entdecken. Hierfür werden alle Motive, die NICHT für die Lösung in Frage kommen, weggedreht, so dass am Ende die richtigen Motive übrigbleiben.

Beispiel: Suche alle Motive, …

  • … auf denen außer Bienen noch andere Tiere zu sehen sind (Ähnlichkeiten)
  • … auf denen Pflanzen oder nur Blumen, oder nur Blätter und Bäume, oder nur Menschen etc. zu sehen sind (Ähnlichkeiten)
  • … die als Material in der Imkerei eingesetzt werden (Themencluster)
  • … die es heute nicht mehr gibt, sich also auf die frühe Geschichte der Bienen und der Imkerei beziehen (Themencluster)

Memory

Die Kinder prägen sich im Anschluss an die Erzählung (s. o. unter Lineares Vorgehen) die Motive noch einmal gut ein. Sodann wird gemeinsam das Buch von Piotr Socha aufgeblättert und nach den im Paravent verwendeten Motiven gefahndet. Sobald ein entsprechendes Motiv gefunden wurde, versuchen die Kinder, es auf dem Paravent zu orten. Da die Fenster mittlerweile umgedreht wurden, ist das gar nicht so einfach.

Es werden also die drei wahrscheinlichsten Treffer bestimmt, um das Fensterchen wieder umzudrehen. Also z. B. Reihe 1, Fenster 3 ODER Reihe 2, Fenster 5 ODER Reihe 2, Fenster 6.

Bei einer größeren Menge an Kindern bilden sich am besten mehrere Gruppen, die IHREN Fundort vertreten. Die Kinder aus der Gruppe erhalten einen kleinen Preis, z. B. eine aus einer Wachsplatte ausgestochene Biene.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeKreativ werden

Die Kinder gestalten eine eigene Motivwand. Möglichkeiten sind:

  • Jede Gruppe bekommt eine eigene Reihe (also 5x 4 Motive je Seite = max. 40 Motive) zu einem bestimmten, vorher festgelegten Thema (z. B. Bienenkörper, Blüten, Obst, Gemüse, Imkereiwerkzeug, Bienenwohnung, …) und zeichnet die erforderliche Anzahl an Bildern. Nach Fertigstellung wird die Reihe den anderen Kindern vorgestellt, indem die Motive mit ein paar kleineren Sachinformationen „garniert“ werden.
  • Zum Abschluss eines Unterrichts: Alle steuern ein Motiv zu einem oder mehreren Themenvorschlägen oder auch ganz ohne Vorgaben („Etwas, von dem ihr heute im Schulbienenunterricht gehört habt“) bei, bis die Motivwand gefüllt ist. Es kann etwas Selbstgezeichnetes sein, oder man stellt etwas zum Ausschneiden oder Ausmalen zur Verfügung.
    Die Kinder erhalten die Bilder natürlich mit nach Hause, falls sie es möchten. Vorher fotografieren wir sie alle ab.
  • Die Kinder wählen aus dem Paravent ihr Lieblingsbild aus. Es wird gefragt, warum es gerade dieses Bild gewählt hat, was ihm daran besonders gefallen hat. Im Anschluss können von den Kinder oder von uns ausgehend weitere Fragen gestellt und / oder ein paar Sachinformationen gegeben werden.

Paravent Kamishibai UnterrichtsmethodeParavent Kamishibai UnterrichtsmethodeZu guter Letzt …

Als Dekorationselement im Raum oder am Schaufenster lässt sich der Paravent natürlich ebenfalls benutzen. Zu diesem Zweck sind alle Bildmotive gleichzeitig zu sehen, oder auch nur das einheitliche Rückseitenmuster. Möglich wäre auch eine Fotogalerie aus Anlass einer Veranstaltung heraus, zum Beispiel als (Jahres-)Rückblick.

Wir sind gespannt, was wir mit unserem neuem Ausstattungselement alles anstellen werden. Wir freuen uns auf die Zeit nach Corona, wenn wir wieder Schulklassen begrüßen dürfen.

Rezension zu Sabbag/Kelly/Tourlonias: „Die kleine Hummel Bommel. Nur Mut!“

Cover Die kleine Hummel Bommel – nur Mut! arsEditionDie kleine Hummel Bommel – nur Mut!

Um Mut zu schöpfen für große Auftritte braucht es manchmal etwas Ermutigung. So auch für die kleine Hummel Bommel, die sich auf den Weg zum Großen Wiesenfest macht, um bei der Insektenaufführung mitzuwirken.

Rückenstärkung im wahrsten Sinne des Wortes gibt ihr das Superman- äh, -hummelcape, doch auch die Worte von Oma Hummel – „Egal, was immer auch ist, denk daran, wer du bist“ – oder die Begleitung von sich ebenfalls auf ihren Festauftritt vorbereitenden Ballerina Fina Floh. Hummel Bommel gibt die soeben selbst erfahrene Ermutigung gleich an sie weiter, indem er sie daran erinnert, wie sehr sie doch das Springen und Tanzen lieben würde. Klar, wäre ja sonst kein Floh.

Nicht immer alles Heile Welt im Insektenreich!

Offenbar wird sogar im Tierreich gestänkert. Der spottende Bino Biene, die mit Walpurga Wespe über die Lampenfiebernden witzeln und lachen, sind jedenfalls nicht gerade das, was man unter Aufmu(n)terung unter Artgenossen versteht. Doch Fina und Bommel können sich nicht lange mit den frechen Immen aufhalten, denn sie wollen ja Trudiella Tausendfüßler abholen. Und kommen gerade richtig zur Hilfe. Einerseits, um sie beim Anziehen zu unterstützen – („Ich bin erst beim 222. Schuh!“), andererseits, um der sich ein wenig ungelenk fühlenden älteren Dame zu versichern, dass es „heute sicher wieder ebenso gut werden würde wie früher.“

Sich aufeinander verlassen und gut vorbereitet sein …

Die Marienkäferchen indes fühlen sich gemeinsam ziemlich stark und bauen dabei auf ihr Sicherheitsnetz. „Wenn einer fällt, dann fangen wir ihn auf“, ist die Devise. Und wie Bommel denke auch ich: „Es ist toll, wenn man sich aufeinander verlassen kann!“

Auch für Stefan Stinkwanze gibt es guten Rat in Form von „Gute Vorbereitung ist alles!“ Die extra Portion Bohnen sollte dem Pupsweltmeister jedenfalls seine Grübelei  vergessen machen. Die Nashornkäferin indes hat ob ihrer Stärke keine größeren Versagensängste. Sie ist der Meinung: „Nur du selbst weißt, wozu du imstande bist.“ Und „wenn etwas schief läuft, fällt dir was Besseres ein!“ ermuntert Bommel mit den Worten seiner Oma den Glühwürmchenverein, die sich nicht sicher sind, ob das Wetter hält und damit auch ihr Leuchten.

Endlich ist die Große Wiese erreicht und es kann eigentlich gleich losgehen. Wäre da nicht das Häuflein Elend namens Ricardo. Doch Bommel versichert: „Zusammen sind wir stärker als die Angst“ und drückt seine Hand ganz fest. Offenbar muss dem zitternden Kerlchen allerdings noch mehr Mut gemacht werden, und so erhält jener – und wir, die gespannt Lesenden – ein neunstrophiges Mut-Mach-Gedicht, zu dem man sich unschwer eine Melodie á la „Biene Maja“ vorstellen kann. Und tatsächlich findet sich auf „allen Download-Portalen“ das Lied [Denk daran,] Wer du bist“, gesungen von der zweitjüngsten Tochter der berühmten Kelly-Family, Maite Kelly. Natürlich aber mit einer anderen Melodie.

Ein Moderator namens Tommy Gott….?!

Und „weil die schönsten Dinge manchmal ganz nebenbei passieren“ können, wie Dr. Weberknecht nach einem verpatzten Pusteblumenraketenstart konsterniert, schweben nun tausend bunt gefärbte Pusteblumen durch die Luft. Und los geht das Fest, moderiert vom (der Knüller!) unschwer als Thomas Gottschalk erkennbaren, weil blondgelockt und smartig gezeichneten Tommy Gottesanbeter.

Natürlich klappt alles bei der Insektenaufführung, jedenfalls bis fast zum Schluss. Hummel Bommel und Ricardo geraten unversehens in eine schwierige Situation, die ich aber nicht weiter verraten werde. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass sie – getreu dem Motto, das aus fast allen Seiten spricht – „alles zusammen schaffen!“

Wenn es also überhaupt etwas zu kritisieren gäbe, dann die vielen verschiedenen Motti („Zusammen alles schaffen“, „Nur Mut“ (der Titelgeber) und „Denk daran, wer du bist“ u.v.m.). Doch man kann sich letztendlich ja aussuchen, was einem mehr entspricht. Einem Kind – oder auch dem inneren Kind von vorlesenden Erwachsenen – werden Ermutigungszeilen sicherlich nie zu viel sein.

Fazit

Die für die Hummel-Bommel typischen einfühlsamen Zeilen von Britta Sabbag und Maite Kelly sind grafisch eingebettet in warme, lebendige und detailreiche Doppelseiten-Szenen von Joe͏̈lle Tourlonias, die sich wunderbar für Kinder ab 3 Jahren (so die Empfehlung von arsEdition) zum Entdecken eignen. Die Textfülle auf 32 Seiten erscheint zunächst etwas lang, kann jedoch problemlos in kleinen Portionen vorgelesen und mit einem „Und morgen erzähle ich dir, wie es weitergeht“ abgeschlossen werden.

Wer bereits Fan von Hummel Bommel ist, dem brauche ich auch diese Ausgabe nicht mehr extra ans Herz zu legen. Und ein Mut-Zuspruch-Buch kann man immer gebrauchen – auch als Erwachsene/r! Kaufen!


Die kleine Hummel Bommel – nur Mut! / Britta Sabbag ; Maite Kelly ; Joe͏̈lle Tourlonias. München : arsEdition. 2020. [32] S. ISBN 978-3-8458-3159-6

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek – und für unsere neue Kinderbücherkiste!!!

Rezension zu Diterlizzi/Wenzel: „Das große Summen“

Fast schon lässt sich von einem Wimmelbilderbuch sprechen: Das große Summen mit seinen zahlreichen Insekten, Käfern, Spinnen und weiteren Krabbeltieren lädt zu einer Entdeckungsreise durch Garten, Wald, Blumenwiese, Strand, Teich und unter die Erde ein.

Cover Diterlizzi, Wenzel, Das große Summen, arsEditionGrafische Ausdruckskraft

In ihren abstrakten, collagenartigen und zum Teil aquarellierten Pinsel-, Bunt- und Wachsmalstrichen erscheinen die Tierchen mal mehr (der Springschwanz), mal weniger lustig (die Assel) bis bedrohlich (der Herkuleskäfer) oder gruselig (der Skorpion!!! Er bekommt dafür am Ende als einziger drei Ausrufezeichen ans Etikett!). Dazwischen wetteifern die Figuren mit ihrem Bunt und übergroßen Augen oder Gließmaßen, mehr aber noch mit Beweglichkeit und grafischer Ausdruckskraft um die Gunst der kleinen Betrachter/innen.

Brendan Wenzel tut erst gar nicht so, als wären Marienkäferchen, Singzikaden oder Taubenschwänzchen niedlich anzusehen. Doch hässlicher, als Wanzen, Gespenstschrecken und Zecken auf manche wirken könnten, kreirt er sie wiederum auch nicht. Eher im wahrsten Sinne des Wortes „eigen-artig“. Meist reizt ein kleines Detail an ihnen zum Grinsen. So bei der Schildlaus, deren Flügel wie Hasenohren aussehen, oder die bonbonrosa Farbe der Blattlaus (ich dachte immer, die sei grün?!), oder die Glubschaugen der Bremse. Die Ausgestaltung und Bandbreite der Arten ist immens für ein Bilderbuch und dürfte daher auch ältere Kinder faszinieren.

Und die Großen ebenfalls! Natürlich suchte ich sofort nach unseren Lieblingsinsekten, und ja, alle da! Die Honigbiene mit fluffigem Kragen und ihre Cousine, die Wildbiene, diese in Gestalt einer flauschig-dicken Hummel. Doch auch die mit überlangen Hinterbeinchen gezeichnete Wespe darf ihr Papiernest präsentieren. Wer sich mit all den Tierchen gar nicht auskennt, wird auf der letzten Doppelseite aufgeklärt. Dort finden sich alle mit Namensschild ein – samt Kater Oskar, der hin und wieder als still-staunender Beobachter durch die Landschaften streift.

Die Reime

Angela Diterlizzi nennt hingegen keins der Wesen beim Namen. Stattdessen erklärt sie (bzw. ihre Übersetzerin Cornelia Boese) in Reimen, welchen Eigenschaften ihnen zu eigen und zu was sie alles fähig sind. Und das ist jede Menge! Nicht nur …

Stechen, Fliegen,
Stinken, Kriegen,
Hüpfen, Schweben,
Schwimmen, Leben.
Basteln, Bauen,
Jagen, Klauen –
sind so spannend anzuschauen!

… sondern da geht einiges mehr … doch mehr sei nicht mehr verraten! „Knie dich hin. schon kannst du starten“ … empfiehlt sie am Ende dem (endlich) ins Bild kommende Kind: „Such sie selbst in deinem Garten!“ beziehungsweise empfehle auch ich: Kauf es selbst in deinem Laden! Das Buch vom großen Summen, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Hiobsbotschaften vom Artensterben und Verstummen der natürlichen Geräuschkulisse, die uns einmal verdammt fehlen werden könnte!


Das große Summen / Reime von Angela Diterlizzi ; Krabbeltiere und Insekten von Brendan Wenzel ; übersetzt von Cornelia Boese. 1. Aufl. München : arsEdition. 2019. 32 S. ISBN 978-3-8458-3263-0

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek – und für unsere Kinderbücherkiste!!!

Rezension zu Tourlonias/Sabbag/Kelly: „Die Baby Hummel Bommel – Alles wird gut“

Cover "Die Baby Hummel – Alles wird gut", arsEditionDie Baby Hummel Bommel hat sich den Zeh gestoßen, oh weh!

Auf 7 Doppelseiten wird der Heile-heile-Segen-Prozess der Familie Hummel einfühlsam nachgezeichnet. Da wird gepustet, gekühlt, gepflastert und natürlich gekuschelt. Mama eilt zur Hilfe, und auch Papa Hummel nimmt seine Trösterolle wahr.

Ebenso der große Plüschbär und die kleine People-of-Colour-Puppe, die beide besorgt Anteil am Geschehen nehmen. Sie agieren ein wenig wie eine „Geschichte in der Geschichte“. Außer den am Boden sehr sympathisch herumliegenden Vorlesebüchern und den netten Zeichnungen an der Wohnzimmerwand nehmen früher oder später alle Spielsachen im Verlauf der Seiten eine neue Position ein. Kindern wird dies sicherlich sofort auffallen, und so lassen sich mehrere Erzählstränge verfolgen.

Illustration und Textgestaltung

Mit dem „Tröstebuch zum Bestseller“ ist der feinsinnigen Illustratorin Joëlle Tourlonias mit scheinbarer Leichtigkeit wieder ein wunderbarer Wurf innerhalb der Reihe „Die Baby Hummel“, dem Ableger der Reihe „die Kleine Hummel Bommel“, gelungen. Der Malstil erinnert mich immer ein wenig an Janosch, nicht nur wegen der ähnlich gelb-braun-gestreiften Tigerente. Doch wo Janosch mehr krikel-krakelt, zeichnet Tourlonias feiner und konturierter. Aber mit der lebenden Legende Horst Eckert verglichen zu werden, ist ja wirklich keine Schande.

Die jeweils dreizeiligen Texte in Reimform des Autorinnenduos Britta Sabbag und Maite Kelly beginnen standardmäßig mit der Klage: „Oh weh, oh weh, der Zeh tut weh!“ Die beiden scheinen zu wissen, dass Wiederholungen für Kleinkinder geradezu begierig aufgegriffen werden. Die kleine Ungereimtheit der letzten Textstelle, die ausnahmsweise aus dem Wiederhol-Rhythmus ausschert – Ich halt dich fest und lass nicht los“ –, besteht darin, dass es ja beide Elternteile sind, die (dann wieder folgerichtig) im letzten Satz die Zauberformel verkünden: wir schaffen das zusammen!“. Nun, das fällt vermutlich nur der Rezensentin auf, die ernsthaft nach einem Kritikpunkt fahndete, um ihrem Job gerecht zu werden. Mehr war nicht zu kriegen. Es ist und bleibt einfach …

… ein starkes Buch für die schwachen Momente von Babys und Kleinkindern!


Die Baby Hummel Bommel – Alles wird gut : Das Tröstebuch zum Bestseller / Joëlle Tourlonias ; Britta Sabbag ; Maite Kelly. München : arsEdition. 2019. 16 Pappeseiten.
ISBN 978-3-8458-2943-2

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek – und für unsere neue Kinderbücherkiste!!!

Kinderbücherkiste für die Bienen-InfoWabe

Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)
Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Weil unsere derzeit 15 Bilderbücher [PDF] und 6 Spiele [PDF] zur kommenden Saison praktisch und hübsch präsentiert werden sollen, entstand eine rollbare Bücherkiste. Natürlich verwendeten wir – stilistisch und farblich passend zu den Regalen der Bienen-InfoWabe – wiederum eine Zarge, also ein Stockwerk eines Bienenhauses.

Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Wir hoffen, ihr könnt das kleine Kunstwerk ab dem 3. Sonntag im April, sprich: 18.04.2021, selbst in Augenschein nehmen. Genau so, wie unsere wachsende, mittlerweile über 200 Titel umfassenden Imker-Bibliothek mit Themenbeständen zu Bienen, Honig, Imkerei und Natur. Und natürlich der neu gestrichenen Wände.

Kinderbücherkiste der Schulbienen-Bücherei (Imker-Bibliothek)Der kleine Bestand an Bilderbüchern, aber auch der 15 Vorschulbücher, sind gedacht für die Geschwister und kleinen Besucher/innen der Bienen-InfoWabe. Denn der überwiegende Bestand ist für unsere Hauptzielgruppen angeschafft, also den Schüler/innen ab der 2. Jahrgangsstufe, den Lehrkräften, Jugendlichen und Erwachsenen. Alle Titel finden man im Bestandsverzeichnis (Katalog) auf der Plattform Zotero.

Rezension zu Choux: „Mein erstes Buch von den Bienen“

„Mein erstes Buch von den Bienen“ für Kleinkinder ab 18 Monaten, so die Empfehlung des Verlags arsEdition, kommt kompakt mit stabilen, quadratischen Pappeseiten daher, ganz so wie auch die anderen aus der Reihe „Mein erstes Buch von …“.

Genau wie diese wartet es mit einer Animation durch bewegliche Felder auf. Hier sind es 5 auf insgesamt 10 Doppelseiten zuzüglich dem Haupttitelblatt. Sie könnten sicherlich raffinierter sein, doch positiv ist die stabile Verarbeitung, die den kleinen, jedoch durchaus kräftigen Patschhändchen stand halten sollte.

Neben den von Nathalie Choux gemalten Bienen tauchen lediglich noch zwei Schmetterlinge auf. Die Formgebung der wenigen Objekte wie Waben, Baum, Blumen und Bienenstock erfolgten sehr vereinfacht, wobei bei den Blumen nicht an farblichen wie blütenblättrigen Unterschieden gespart wurde. Diese sind denn auch (sorry, Bienen!) das  begeisterndste Motiv.

Wer jetzt denkt, man können am Wenigen nicht viel falsch machen, irrt. Sehr unlogisch hängt der Bienenstock am Ast eines Baumes herab. Was der Form dieser  Abbildung in der Realität am nächsten käme, wäre ein Bienenschwarm, also tausende von Bienen in Traubenform. Die Zeichnung erinnert jedoch an einen historischen Stülper, wie er jedoch nur noch hin und wieder in der Heide anzutreffen ist. Dieser jedoch wird nicht in den Baum gehängt, sondern befindet sich stehend in Bodennähe oder auf einem Regal. Hier also wurde beides lustig gemischt. Und ja, es stört mich, weils’s grafisch leicht vermeidbar gewesen wäre, den Kleinen so einen Unsinn zu kredenzen.

Doch großes Lob für die kurze Erläuterung, dass nicht Honig, sondern Nektar gesammelt wird und DANN erst im Bienenstock der Honig entsteht. Wie oft schon las ich in Kinderbüchern, die Bienen würden HONIG sammeln. Nun, ich bin wieder versöhnt.

Fazit: Für 15 bis 20 Monate alte Kinder als fröhlich daherkommende Lese-Spiel-Überraschung möglich.


Choux, Nathalie: Mein erstes Buch von den Bienen. München : arsEdition. 2020. 12 Pappeseiten.
ISBN 978-3-8458-3671-3

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*12* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Großformatig und mit schreiend gelben Buchumschlag ragt das Kinderbuch „Summs und die Honigbienen“ zudem sprachlich heraus. Neben dem deutschen Text findet sich unmittelbar zugeordnet auch gleich die englische Übersetzung. Da heißt es sodann: „Buzz and the Honeybees“.

Der Start

Auf der ersten Doppelseite wird kurz die Wichtigkeit der Honigbiene angesprochen (im Kapitel 9, „Summs wird Sammelbiene“ ausführlicher erzählt), um dann sofort auf HOBOS, dem Bienenspion in Würzburg zu sprechen kommen, der allerhand Fragen beantworten kann. Der aufgelistete Fragenkatalog macht tatsächlich neugierig, denn es sind eher ungewöhnliche Überlegungen, beispielsweise, ob Bienen auch in hellen Vollmondnächten ausfliegen (ich gebe zu, ich ahne es mehr, als es zu wissen!), wie sich Bienen auf ein Gewitter vorbereiten und ob es nachts wirklich leiser in einem Bienenstock ist als tagsüber.

Vielleicht hätte ich auf den ersten Seiten nicht sofort mit HOBOS und seinen Details wie das der Verwendung von Mikrochips zur Beobachtung von Bienen begonnen. Stattdessen hätte ich eine stilisierte Sympathiefigur namens Summs / Buzz eingeführt, an deren Hand, äh, Beinchen wir uns in ihr Reich begeben können. Denn sie spricht uns schließlich in der ersten Person an. Da sollte sie als eigene Persönlichkeit die ohnehin noch in den Märchenwelten verhafteten Sechsjährigen, für die das Buch gedacht ist, auftreten.

Die Message

Nun, ab Kapitel 1 (S. 10) taucht ein Bienenfoto auf, das aber in den 16 weiteren Kapiteln nicht weiter wiederholt wird. Könnte also eine von vielen Summs sein. Jedenfalls: Die textliche „Summs, die fleißige und kluge Honigbiene“ / „Buzz, the busy, clever honeybee“ ist recht von sich überzeugt. Doch auch ebenso überzeugend, wie sie den Menschen die Angst vor den Bienen nimmt, indem sie uns von ihrem Leben erzählt. „Denn wenn man sich gut kennt, dann mag man sich und hat keine Angst mehr vor dem Anderen“. Tja, 2011 in der 2. Auflage erschienen, hat es auch heute noch eine gute Message, denkt man das weiter, zum Beispiel im Bezug auf Themen wie Migrant(inn)en und Geflüchtete.

Wenn wir schon bei „Andersartigkeiten“ sind – thematisiert werden löblicherweise die Unterschiede von Wespen zu Honigbienen, und ja, damit fangen auch wir, Reinhold und ich, unsere Schulbienenunterrichte meistens an. Allerdings erst ab der zweiten Klassenstufe, ab der wir dieses Buch ebenfalls zuordnen würden.

Der Erzählstil

Zum gemeinsamen Lesen ist das Buch wegen des netten Erzählflusses prima geeignet.

„Und manchmal, das kann ich euch sagen, sieht es schon recht komisch aus, wie einige meiner Schwestern da angeflogen kommen und vor unserem Flugloch landen. Einige machen richtige Bauchplatscher, andere fallen sozusagen auf die Nase, manche fallen sogar auf den Rücken und zappeln hin und her, bis sie wieder auf den Beinen sind.“

Die meisten Bienenbücher, die ich bislang besprochen habe, machen allerdings den selben Fehler wie die Rezensentin: Zu lange Sätze bilden. Mit bis zu 28 Wörtern und bis zu drei Kommata – also, das ist für das Grundschulalter definitiv zu schwer zu lesen.

Aufgelockert werden die zweisprachigen Spaltentexte mit vielen Fotos, etliche davon halb-, ganz- und doppelseitig sowie einem stilisierten aufgeklappten Buch mit extra Infos, betitelt: „Was Schlauberger wissen / What smarypants know“. Diese komprimierten Detailinfos sind im sachlichen Stil gehalten und hätten sich auch etwas schwer in einem erzählerischen Duktus verarbeiten lassen. Guter Trick!

Die Inhalte

Die Inhalte sind die Erwartbaren zu Bienen und ihrem Tun und Treiben. Summs erzählt in Reihenfolge, welche Arbeiten sie und ihre Geschwister nach und nach verrichten, bis dahin, wenn sie Sammelbiene wird. Sodann spielt sich ihr Leben draußen ab und sie muss einige Abenteuer bestehen.

Dazwischen gewährt sie Einblick in das Leben mit einer neuen Königin, zu den Drohnen, in die Honigernte und in einzelne aufregende Tage. Wie dem Tag, als ihr Volk schwärmt, und die Stimme aus dem Off ruft ihr in roter Farbe zu: „Summs, nun aber flott. Nichts wie hinterher, bloß nichts verpassen!“ Manche dieser die Unterkapitel abgrenzenden Zwischenrufe wirken wie pädagogische Zeigefinger, die genauso gut auf Menschenkinder gerichtet werden könnten. Weitere Kostproben, weil gar zu nett:

  • „SUMMS, NUN BLEIB ABER MAL EHRLICH! NICHT GLEICH SCHWINDELN IN DEINEM JUNGEN LEBEN“ (und sie sehen schon, das ist mein nächster Kritikpunkt, denn Großschreibung halte ich bei längeren Sätzen, noch dazu im schreibenlernendem Alter, für schwer lesbar und nicht gut zur Nachahmung)
  • „SUMMS, NICHT TRÖDELN“
  • „SUMMS, DIE ERSTE REGEL IST: RUHIG BLEIBEN, GUT ÜBERLEGEN, DIE SITUATION IM AUGE BEHALTEN UND NICHTS ÜBERSTÜRZEN!“
  • „SUMMS, ES IST NICHT SCHLECHT, WENN MAN IN SEINEM LEBEN SO EINIGES LERNT! MAN KANN ES IMMER GUT GEBRAUCHEN!

Und ob die Kinder etwas aus dem vorangegangen Kapitel gelernt haben, will wohl auch Summs wissen. Denn sie beendet manche davon mit einer in roter Schrift formulieren Frage, z. B.: „Welche Berufe hat eine Honigbiene in ihrem Leben?“ So kann man als Vorlesende/r in eine Unterhaltung über das eben Erfahrene kommen und gegebenenfalls Verständnislücken beheben.

Ausgelagert in die Buchdeckelinnenseiten sind die Biologie der Biene und der Schwänzeltanz. Sie müssen von den Erwachsenen erklärt werden, aber mit Hilfe der Abbildungen schaffen sie das wohl, auch, wenn es keine Imker/innen sind.

Fazit: Trotz des Alters und der mittlerweile noch besseren Fotografietechnik wünscht man der Biene Summs weiterhin einen guten Flug und spannende Erzählstunden in deutschen wie englischsprachigen Kinderzimmern und Schulen. Ich hatte es heuer bewusst angeschafft, auch wenn es neuere Kinderbücher gibt. Denn es gelingt nur selten, komplexe Sachinformationen zu Bienen, Bestäubung, Honig und Wachs so unterhaltsam sympathisch zu beschreiben, wie es Vera Trachmann, der Verfasserin, gelang. Ach, halt – nein, eigentlich gelang es ja unserer Summs bzw. Buzz! Danke euch für die Aufklärungsarbeit!


Summs und die Honigbienen = Buzz and the honeybees / Vera Trachmann. Übers. von Ros Mendy. 2. Aufl. Rheine : Schlauberger-Verl. 2011. 88 S. : Ill. – Text dt. u. engl.
ISBN 978-3-9812432-0-8

In unserer Imker-Bibliothek enthalten.

*10* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

„Mein Opa ist Imker“ und geht mit dem achtjährigen Nils und „Mit den Bienen durch das Jahr“ (Untertitel), und das auf 80 Seiten. Da diese viele, auch ganzseitige Aquarellzeichnungen zur Auflockerung und punktuell als Verständnishilfe des Textes enthalten, ist die Lesemenge für diese Zielgruppe gerade passend.

Kritik vorneweg – aber nicht nur

Ein bisschen schade ist es schon, wenn als Einstieg im Vorwort das berühmt-berüchtigte, nichtsdestotrotz unbelegte Albert-Einstein-Zitat als starkes Geschütz für ein Kinderbuch aufgefahren wird. Und leider geht es so weiter. Denn ob die Honigbienen die wirklich „wichtigsten“ Bestäuberinnen sind, behaupte nicht einmal ich als Imkerin. Sie sind wichtig neben weiteren wie Wildbienen oder Fliegen, dem Wind oder dem fließenden Wasser. Ich halte es nicht für zielführend, wenn eines das andere ausspielen soll.

Wie auch immer – der Imker Horst Lengning und die Lehrerin Patricia Günther beschließen, da es ihnen an umfassenden verständlichen Büchern für Kinder der heutigen Zeit mangelt, ein eigenes Buch zu schreiben. Denn „am besten lernen Kinder nämlich durch Geschichten“. Ihnen liegt vor allem am Herzen, so im Vorspann zu erfahren, dass weder Erwachsene noch Kinder Furcht vor Bienen haben. So weit, so gut.

Im vorangestellten löblichen Verzeichnis der Fachbegriffe würde ich zwar gerne „Imker – pflegt Bienen“ statt „arbeitet mit Bienen“ lesen, weil es sonst ein wenig nach Dressur und Zirkus klingt und der Imker schließlich ja FÜR Bienen arbeitet, doch darf diese Kritik ruhig als Spitzfindigkeit abgetan werden.

Allerdings bildet eine weitere Unschärfe die Erklärung. dass der Rauch aus dem Smoker die Bienen „beruhigen“ würde. Richtig ist, dass der Qualm die Bienen in die Wabengassen zurücktreibt, wo sie sich mit der Honigaufnahme beschäftigen und dadurch die Imker/innen in Ruhe arbeiten können. Denn der Rauch ist für die ehemaligen Waldbewohnerinnen das Zeichen dafür, dass möglicherweise gleich ihre Heimatstadt abbrennt und sie flüchten müssen – mit Reiseproviant und für den sofortigen Wiederaufbau eines Volkes natürlich.

Mehr Sachbuch als Geschichte

Zwar als Geschichte deklariert, ist es doch vielmehr ein Sachbuch, allerdings geschrieben in einer flüssig gehaltenen Erklär-mir-die-Welt-Sprache. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Erwachsener die „Geschichte“ gemeinsam mit dem Kind liest, denn es dürften einige Fragen auftauchen. Ich glaube, ich hätte mit 8 Jahren mit der Redewendung „Mein Gesicht spricht anscheinend Bände“ nicht viel anfangen können. Die „Enzyme“ könnten Eingang in das Verzeichnis der Fachbegriffe finden, überflüssig erscheinen mir die „Wabenstabilität“, „statisch“ und der „Prosecco“.

Zum Sachbucheindruck trägt auch das mehrere Seiten umfassende Kapitel „Expertenwissen“ am Ende des Buchs bei. Hier erfahren die jungen Leser/innen mehr zur Biologie der Biene, zu ihren Verwandten wie auch Feinden und warum die Pflanzen Bienen brauchen. Ob man in diesem Alter aber bereits von der Asiatischen Hornisse und dem hier in Deutschland noch nicht angekommenen Kleinen Beutenkäfer lesen muss, sei dahingestellt. Nun gut, wenn sie mal älter sind, müssen sie sich eventuell tatsächlich mit ihnen herumplagen. Vielleicht ja gut, frühzeitig darüber Bescheid zu wissen.

Inhaltlich

In weiten Teilen sachlich richtig, wenngleich ich einen Honigtopf niemals offen stehen lassen würde, weil er sonst Gerüche und Feuchtigkeit einlädt. Das schwächste Kapitel ist „Wie verständigen sich die Bienen?“, das beste „Ein Volk schwärmt“. Das ist nämlich gar nicht so einfach zu erklären. Meine Anerkennung hat das Buch auch deshalb, weil es wirklich schwierige, komplexe Sachverhalte sehr gut auf einfache Erklärungen herunterbricht, die dennoch nicht zu simpel geraten, wenngleich die Satzlängen dadurch zuweilen nicht mehr altersgerecht sind.

Trotz einiger Schwächen kann ich das Buch empfehlen, schon mangels (von den Autoren) erkannten Alternativen. Mich haben als Kind gerade die Stellen fasziniert und neugierig gemacht, die sich mir beim ersten Lesen nicht gleich erschlossen haben. Welches Kind dieses Buch „durchhält“, erscheint mir dann auch als sehr geeignet als Nachwuchs-Imker/in. Denn zum Imkern braucht es Geduld und die Entschlossenheit, sich Widrigkeiten unverdrossen zu stellen, muss man dazulernen wollen und darf nicht gleich aufgeben, wenn man etwas nicht versteht.

Für wen?

Wer also sein (Enkel-)Kind frühzeitig als „Ablösung“ heranziehen will, dem dürfte das Büchlein als gemeinsame Gesprächs- und Erkenntnisgrundlage hervorragend nützlich sein. Als erste Einführung in das Thema in einer Familie ohne imkerliche Grundkenntnisse eher weniger als Weihnachtsgabe geeignet. Es sei denn, das Kind ist von Haus aus an Naturwissenschaften und an der Tier- und besonders Insektenwelt interessiert und sprachlich gut aufgestellt.

Fazit: Bei Bedarf und als Ergänzung in der Zielgruppe der verständigen Dritt- und Viertklässler/innen. Weil es nicht allzu viele Imkerbücher für Kinder gibt, die mehr als nur an der Oberfläche kratzen, gut einsetzbar, sofern die garantiert auftauchenden Fragen vielleicht von einem selbst imkernden Familienmitglied beantwortet werden können.


Mein Opa ist Imker : Mit den Bienen durch das Jahr / Patricia Günther; Horst Lengning ; Illustriert von Maria van de Rae. Dreieich : MEDU Verl. 2018. 80 S.
ISBN 978-3-96352-010-5

In unserer Imker-Bibliothek enthalten.

*2* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Cover Braun/Koch: Bienen, TessloffAus der Tessloff-Reihe „Was ist Was? Erstes Lesen“ stammt der informative Band 5 zu „Bienen“ von Christina Braun. Als ehemalige Biologie-Grundschullehrerin weiß sie, welchen Stoff sie dieser Altersgruppe zumuten kann. So sind allzu komplizierte Sachverhalte wie der Bienentanz, an dessen Erklärung selbst ein Erwachsenenverstand mal scheitert, hinlänglich knackig dem Sinn nach erläutert. Zusätzlich werden außerhalb des Textflusses, der in der braven, jedoch für Schüler/innen bekannten und gut lesbaren Fibelschrift gehalten ist, ein paar Detailinformationen zu passenden Abbildungen beigefügt.

Themembreite

Es geht also um Bienen, und damit sind auch die Wildbienen mit erfasst. Sie erhalten ein eigenes Kapitel, nachdem über die Honigbiene und die Tätigkeiten in der Imkerei informiert wurde. Dem schließt sich passend das Kapitel „Bienen sind unverzichtbar“ an, was sowohl für die Honig- wie auch die Wildbienen und weitere Insekten gilt. Warum es Bienen heute schwer haben, ist perfekt in einfache Botschaften verpackt, deren Klarheit wie eine Checkliste wirkt, mit der man auch Erwachsene kriegen könnte. Genau so wie die anschließenden Tipps, was man selbst für Bienen tun kann.

Identifikationsfigur „Biggi“

Aufgelockert und vertiefend wirkend sind die kapitelabschließenden „Bibbis Quizfragen“. Bibbi ist übrigens eine in Kinderbüchern übliche Identifikationsfigur, die die jungen Leser/innen mit auf die Reise durch ihre (Honigbienen)Welt nimmt. Eine ganz und gar nicht albern gezeichnete, vielmehr auf jedes Lebensalter und für diverse Geschlechter sympathisch wirkende Honigbiene, die ziemlich stolz auf sich und ihre Kolleginnen ist und die am Ende als souveräne Interviewpartnerin („Sag mal, Biggi …“) zur Verfügung steht.

Sachinformationen mit kleinen Abstrichen

Die Mär vom beruhigenden Rauch

Ganz klar, als Imkerin lese ich das Büchlein mit kritischem Sachverstand, der prompt kleinere Erklärfehler ausfindig macht. Also nicht, weil etwas wegen der gebotenen Kürze  weggelassen oder sehr vereinfacht werden muss, sondern weil die Aussage schlicht nicht richtig ist. Auch, wenn noch so oft sogar von Imker/innen selbst behauptet wird, der Rauch aus dem Smoker würde die Bienen „beruhigen“ und sanftmütiger machen, so ist das nur eine Mär, oder weil sich die vielfach gestellte Frage simpler abhandeln lässt.

Doch wie müsste es dann heißen? Abgekürzt: Der Rauch verhindert die Stechbereitschaft, weil die Bienen weder Zeit noch Interesse am Verteidigen haben.

Denn sobald sie den Rauch riechen, versetzt er sie in akute Alarmbereitschaft. Als ehemalige Waldbewohner/innen müssen sie mit dem Schlimmsten rechnen, eben einen vernichtenden Waldbrand. Also ziehen sie sich flugs nach innen zwischen die Wabengassen zurück, um schleunigst ihre Honigblase voll zu füllen. Denn müssten sie tatsächlich ihren Stock verlassen, brauchen sie unbedingt Reiseproviant, um die ersten Tage auf der Suche nach einer geeigneten Behausung und der Neubildung von Waben zu überleben. Einerseits sind sie also mit der Honigaufnahme beschäftigt und andererseits verteidigen sie das vermeintlich ohnehin aufzugebende „Nest“ nicht mehr sonderlich. Ungestörtes imkerliches Arbeiten ist also ziemlich garantiert, solange man sich nicht direkt vor das Flugloch stellt.

Die Mär vom sehr hilfreichen Insektenhotel

Dass Insektenhotels allenfalls nett sind und man sich dadurch eingehender mit Wildbienen beschäftigt, sie sozusagen Gesprächsanlass bieten, hat sich noch nicht überall  herumgesprochen. Als „sehr hilfreich“, wie zu lesen ist, kann man sie im Grunde nicht bezeichnen. Doch vermutlich würde man etwas vermissen, kämen diese meist überflüssigen und zu oft falsch bestückten Goodwill-Objekte nicht vor. Immerhin wurde nicht eines der üblichen „Tannenzapfen-Schneckengehäuse-Flohfliegenschlitz-Ziegelsteine-Grauen“ abgelichtet. Die meisten der sehr gefährdeten Wildbienenarten sind ohnehin Bodenbrüter, was leider nicht weiter thematisiert wird. Denn ungestörte, offene Böden und dies unbedingt in Kombination mit Blüten im geringen Flugradius von 30 bis 500 Metern werden immer mehr zur Mangelware in unserer intensiv bewirtschafteten,  bebauten oder verkehrsbequem ausgeteerten Welt.

Die Mär von „je größer desto besser“

Blumen bzw. Blüten müssen „nicht groß genug“ sein, um „von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen umschwärmt“ zu werden. Honigbienen wie auch die häufig minikleinen, oft nur 2-4 mm großen Wildbienen, auch die zarten Saugrüssel von Schmetterlingen ziehen ebenso aus kleineren Blüten wie denen von Kräuterpflanzen (Minze, Thymian, Rosmarin, Ysop etc.) reichlich Nahrung. Aber das ist jetzt wohl eher (m)eine Spitzfindigkeit.

Illustration und Layout

Von den zahlreichen, mal kleineren, mal formatfüllenden Fotos her – mit Ausnahme von Bibbi, die gezeichnet wurde – sind alle Sachverhalte sehr schön begleitet. Die Illustrationen hatte Ruth Koch inne. Das Bändchen macht richtig etwas her, wenngleich bei ein paar der Fotos das Farbklima und die Belichtung hätte perfekter sein können. Aber es sind einige bestechend gelungene Nah- und Detailaufnahmen von Bienen und Waben – sehr schön der Umschlageinband! – zu entdecken und werden ganz sicher staunende Kinderaugen zeitigen.

Fazit

Wild- wie Honigbienen, das muss man einfach sagen, bilden ein hochkomplexes, weites Feld, zumal auch der Imkerei, dem Honig und der Ökologie auf nur 64 Seiten Raum gegeben wurde. Das alles wurde inhaltlich wie zielgruppensprachlich sehr gelungen aufbereitet. Der flüssig lesbare Text erläutert Fachsprache (Larve statt „Made“  … prima!, Gelée royale, Zarge …) einfach und kindgerecht, das Verhältnis Text zu Illustration lässt keine Langeweile aufkommen. Das Gesamtlayout spricht sicher auch noch Jugendliche an – na ja, bis auf die Fontwahl, aber die ist völlig passend für die zweite Klasse plus/Minus einem halben Jahr. Vom Lehrplan her, der zumindest in Bayern die Bienen zeitlich in der zweiten Jahrgangsstufe verortet, ein „Must-have“ für jeden Gabentisch!

Und natürlich für unsere Imker-Bibliothek.


Bienen / Christina Braun ; Illustrationen: Ruth Koch. Nürnberg : Tessloff. 2019. 64 S.
ISBN 978-3-7886-2643-3