*5* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2022

Cover Bienen, Honig, Imkerei und PoeseWer lange genug im Internet recherchiert, findet jede Menge Poetisches und Gedichtetes zu unseren Lieblingsthemen. Doch einfacher ist es, für schlappe 5,99 Euro gleich 139 Seiten zu erstehen. In 2022 herausgegeben als Book on Demand von Matthias Adler-Drews ist das Taschenbuch Bienen, Honig, Imker und Poesie eine wahre „Blütenlese deutschsprachiger Gedichte“.

Lasst uns ausgiebig reinspitzen, vielleicht mit einem Gläschen Honigwein oder einer heißen Tasse Ingwer-Honigtee bei Adventskerzenlicht.

Ausschließlich von „Anno Tobak“

Die Dichtkunst ist sehr alt und sicher kennen unsere FachkollegIinn)en das älteste in deutscher Sprache gereimte Gedicht, den Lorscher Bienensegen. Ja, UNSER Thema ist Gegenstand einer echten Superlative, wow! Und natürlich findet sich dieser Klassiker auch auf Seite 129 wieder. So soll es sein.

Tatsächlich entdecken wir ausschließlich urheberrechtsschutzfreies Material, von Achim von Arnim (s. a. Adventskalendertürchen 1) über den aus meiner Heimatstadt Nürnberg stammenden Meistersinger Hans Sachs bis zum poetischen Realisten Theodor Storm, so dass wir uns getrost daraus für allerlei offizielle Anlässe daraus bedienen können, ohne Abmahnungen befürchten zu müssen.

Kleine Kostprobe von Letzterem, der die Idylle des Imkerdaseins so wunderbar beschrieb – hier die letzte Strophe aus „Abseits“:

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.

Wie ihr seht, gab’s damals wie heute aufregende Zeiten. Mit diesem Büchlein könnt ihr ihnen ein Stück weit entfliehen.

Weitaus weniger idyllisch, jedoch zu allen Zeiten gleichermaßen verständlich und insofern zeitlos finden wir bei August Ludwig einen Rat mit „Honig für Erwachsene“:

Macht Dir Beschwer der Darm, der schlaffe,
tu Honig morgens in den Kaffe(e).
Der regelt auch bei Dir, ich hoff es,
den trägen Wechsel Deines Stoffes.
Und nun wirst Du pünktlich kurz vor zehn
zum kleinsten Raum des Hauses gehn.

Insider wissen um den berühmten Imker Ludwig, 1867 geboren, der weiß, von was er spricht. Ihm ist nichts Bienliches, aber auch nichts Menschliches fremd, war er doch Vikar der Thüringer Evangelischen Kirche.

Zeitgenössisches – Fehlanzeige

Die Zeitspanne der Gedichte reicht also vom frühen Mittelalter um das 10. Jahrhundert herum (Lorscher Bienensegen) über sehr viel Material aus der Romantik – ja, Brentano, Gellerte, Herder und Goethe etc. pp. sind selbstredend mitvertreten! – bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts, endend mit einem der bekanntesten Autoren der „Trümmerliteratur“, Wolfgang Borchert († 1947) und dem Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer († 1945). Von Letzterem ein tagesaktuell erscheinendes Gedicht mit dem schlichten Titel „Honig“, das auch heute an nichts von seiner bitteren Süße eingebüßt hat:

Nachdem sie aus der Heimat mich getrieben,
Auf meiner langen Flucht und bittren Fahrt
Ein Glas mit Honig habe ich mir gespart –
So viel an Heimat ist mir noch geblieben.

Ich öffne es nur: dann steigt ein Duft empor
Von tausend Blüten, ja von tausend Bäumen,
Und Bienen summen wie aus bunten Träumen
Aus allen grauen Ecken rings hervor —

Es ist noch Winter in der weiten Flur —
Ihr Bienen, hütet Euch vor frühem Schwärmen,
Lasst Euch die Sonne noch die Pelze wärmen!

Ihr sammelt süsses Heil im Honig nur,
Wenn rötlich-weiss die Pflaumenäste blühn
Und goldne Primeln leuchten auf im Grün.

Und die Frauen?

Na ja, fast auch eine Fehlanzeige. Doch erst in neuerer Zeit, also dem letzten Jahrhundert, wurden weibliche Dichterinnen und Lyrikerinnen ernst genommen und ihre Werke verlegt. Wir finden also tatsächlich lediglich vier Vertreterinnen deutschsprachiger Dichtung vor.

Die da wären: Die in Ausschwitz 1943 ermordete Gertrud Kolmar, die im Ghetto Theresienstadt verstorbene Josefa (auch: Josepha) Metz († 1943), die in der Frauenbewegung aktive Louise Otto († 1895), eigentlich Otto-Stern, die allerdings unter dem männlichen Pseudonym Otto Stern schriftstellerte, weil die Zeit noch nicht reif für Frauen war, und (bekannt unter dem Namen) Kathinka Zinz-Halein († 1877), die ebenfalls zuweilen anonym und unter Männernamen schrieb, literarisch allerdings eher zweifelhaften Ruhm genoss.

Doch wie heißt es so schön (in der Kurzform): „Es sind nicht die schlechtesten Früchte, die die Wespen stechen“ Ja, auch von Gottfried August Bürger gibt es einen, wenngleich auch nicht diesen Eintrag. Schließlich handelt es sich bei Wespen nicht um Bienen. Aber so streng wird es hier ohnehin nicht gesehen. Immerhin begegnen wir sogar mehr oder weniger sogar Mücken.

So ende ich unter dieser Zwischenüberschrift nicht mit einem männlichen Vertreter der Dichtkunst, sondern, wie es sich gehört, mit einer Frau, und zwar mit Louise Otto-(Stern) und ihrem letzten Vers aus dem „Muckensturm“.

In Baden, wo die Veste lag
Die Bienen man als Mucken kennet –
Und Rohrburg ward seit diesem Tag
Zum Danke Muckensturm benennet.

Fazit 

Zum Danke auch dem Herausgeber Matthias Adler-Drews, der sich die Mühe dieser fabelhaften Blütenlese – ja, erinnert ein wenig an Honigwerbung! – gemacht hat. Ich genoss einen unterhaltsamen Rezensionsabend nebst tiefem Eintauchen in die Geisteswelt und -haltung unserer Ahn(inn)en, die uns in unserer heutigen Zeit nicht ganz fremd vorkommen sollte, der verschwurbelt anmutenden Sprachgestaltung zum Trotz.

Doch auch ein Ausflug in so manche Unwissenheit war’s. Wie der, dass man lange glaubte, die Bienenkönigin wäre ein König, damals „Weisel“ genannt. Diesen Umstand bedenkend erklärt sich so manche etwas wirr erscheinende Zeile. Wer also Bienen, Honig, Imker und Poesie liebt und etwas Geschichtsbewusstsein mitbringt, dem dürfte der Band viel Freude bereiten. Es lohnt sich außerdem, der Lebensgeschichte des einen Autors oder der (wenigen) anderen Autorinnen nachzuspüren. Da die Bienen sehr häufig stellvertretend für menschliche Völkerscharen herhalten müssen, lässt sich der damals vorherrschende Zeitgeist trefflich erahnen.


Bienen, Honig, Imker und Poesie: Blütenlese deutschsprachiger Gedichte / Matthias Adler-Drews. Books on Demand. 239 S. ISBN 9783755709367.

Im Bestand unserer Imker-Bibliothek.

*4* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2022

Da es am Barbaratag um Blüten geht, passt die heutige Rezension zu Sarah Wyndham Lewis: „Pflanzen für Honigbienen“ aus dem Gerstenberg-Verlag. Sie erklärt, „wie Sie Ihren Garten zum Summen bringen“. Doch wohlgemerkt – es geht um die Kolonien bildenden Honigbienen, nicht so sehr um ihre Verwandten, die Wildbienen.

Beispielhafte Inhalte

Im Unterkapitel „Der Nutzen von Wildblumen“ aus dem Kapitel SECHS: „Tipps zur Pflanzenwahl“ wird aufgeräumt mit dem Mythos der gar nicht mal so wilden Wildblumenwiesen und der kultigen Samenbomben, die bei ihr unter dem Motto laufen: „Gut gemeint, schlecht gemacht“. Von Ausnahmen natürlich abgesehen. Wer also Wildblumen auf den Speisetisch der Honigbienen bringen möchte, dem seien die aufgeführten Beispiele empfohlen – von Asternartigen über Löwenzahn bis Weißklee.

Weitere Themen des den Hauptteil bildenden Kapitels SECHS (von NEUN) sind gegliedert in … nein, nicht Pflanzenarten, Jahreszeiten oder gar Farben, sondern in situativen Rahmenbedingungen von kleiner bis großer Fläche, als da wären: Fenstersims und kleiner Balkon, Innenhof, Veranda und Terasse, Kleine und Große Gärten, Dachterassen, begrünte Dächer, Vertikale Gärten und Naschgarten. Sehr praktisch, und mithin ein wesentliches Merkmal, ja, fast schon ein Alleinstellungsmerkmal dieses handlichen Ratgebers.

Die bei so ziemlich allen beliebten Best-of’s dürfen natürlich trotzdem nicht fehlen. So finden sich im Kapitel SIEBEN (ja, in Majuskeln, nicht in Ziffern!) „Die zehn besten Pflanzen“, und zwar recht grob bzw. großzügig gegliedert in Blumen, Kletterpflanzen, Sträucher und Bäume. Sie kommt hierbei mit lediglich 8 Seiten aus. Und kommt damit denjenigen entgegen, die das alles gar nicht soooo genau wissen wollen, sondern sich rasch orientieren und entscheiden möchten, um schnell Erfolge erzielen zu können.

Denn das ist ja das häufig genannte Anliegen: den Bienen zu helfen. Im Kapitel EINS wird kurz und für Pflanzen-Laien gut nachvollziehber erläutert, „Warum Bienen Hilfe benötigen“, wobei der Faktor „Verlust von Nahrungsquellen“ der Intention des Buches folgend am ausführlichsten beschrieben ist. Doch mehr als zwei Seiten lang muss sich hier niemand langweilen.
Es endet mit den Zeilen: „Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. Denn jeder von uns kann seinen Teil beitragen, Honigbienen zu unterstützen […]. In diesem Buch erfahren Sie, wie einfach es sein kann. Sie werden erstaunt sein, was Sie dabei erreichen können!“ Damit kommen wir auch schon zur …

Sprache

Es mag auch an der professionellen Übersetzungsarbeit aus dem Englischen von Julia Paiva Nunes gelegen haben, dass sich in Sachen Bienen und Pflanzen wenig Beleckte durch die Kapitel blättern können, ohne „botanisch“ oder „imkerisch“ zu sprechen. Ein leichtes Verständnis scheint der Autorin ein echtes Anliegen gewesen zu sein.

So überraschte mich, die ich mich in beiden Welten leidlich gut auskenne, dass es eine Anleitung (Kapitel VIER) zum „Pflanzenetiketten verstehen“ benötigen könnte. Sind doch meiner Erfahrung nach jene ohnehin sehr simpel gehalten. Nun, fünf Seiten später begreife ich, wo es bei manchen tatsächlich Fragen geben könnte und ziehe den Hut vor so viel Achtsamkeit gegenüber Laien. Auch die „Erstaunliche[n] Fakten über Honigbienen“, gegliedert in 23 kurze Blöcke nebst einer Bienenzeichnung, überzeugt, ungeachtet kleinerer Vereinfachungen bzw. „Halbwahrheiten“.

Kleine Halbwahrheiten

So heißt es im Absatz 3, dass Honigbienen Vorräte anlegen würden, um als Kolonie zu überwintern oder magere Zeiten zu überstehen. Doch genau genommen sammeln Honigbienen ziemlich unabhängig davon, ob nun der Winter naht oder die Vorräte zur Neige gehen würden. Denn es ist ihr genetischer Auftrag, zu sammeln, sobald etwas Geeignetes blüht.

Manche Sammelwut gefährdet gar das Volk, indem das Brutgeschäft zugunsten der „Ertragsgier“ vernachlässigt wird. Dies zu wissen, macht einen Unterschied. Denn so erklärt sich mancher imkerlich gebotener Eingriff. Und auch, dass das Entnehmen von Honig keinesfalls ein „Raubgeschäft“ ist, sondern ohne größere Panik á la „Hilfe, wir müssen verhungern!“ mit weiteren, unausgesetzten Sammelflügen oder Zuckerwasserumarbeitungen fortgesetzt wird, fast so, als wäre nichts geschehen.

Es mag auch sein, dass die Drohnenvertreibung (Absatz 20) in England erst im Herbst geschieht. In unseren Breiten ist der Beginn definitiv im Hochsommer, also Ende Juli bis Anfang August. Doch ansonsten – alle Achtung vor der gefälligen Kürzung der hochkomplexen Bienenwelt!

Deutsche Ausgabe

Offenbar für die deutsche Ausgabe passend überarbeitet ist das Kapitel NEUN, die Quellen betreffend. Die Literaturempfehlungen beinhalten auch einige bekannte deutsche Publikationen, die tatsächlich zum größten Teil in unserer Imker-Bibliothek zu finden sind. Passenderweise handelt es sich um ebenfalls relativ „simple“, leicht konsumierbare Werke, von Seeleys „Bienendemokratie“ (unbedingt empfehlenswert!) einmal abgesehen.

Weitere nützliche Quellen, beispielsweise Online-Shops oder bienenfreundliche Besuchergärten und für die allgemeinen Informationen relevante Internetadressen wurden an deutsche Leser/innen angepasst.

Fazit

Obgleich mein persönlicher Geschmack den blässlichen, vorwiegend in rosa, grün und blau gehaltenen Farben der Pflanzen- und Schmuck-Illustrationen von James Lewis Weston nicht so viel abgewinnen kann, und ich fast ein wenig vermute, dass es im Meer der kräftigeren, marktschreier- und augencatcherischen Konkurrenz-Buchumschläge unterzugehen droht, so überzeugten mich um so mehr die inhaltliche wie sprachliche und gliederungstechnische Leistung.

Der zwar zurückhaltende, doch gefällig gezeichnete und mit Prägeelementen versehende Hardcover-Band eignet sich als feinsinnige Gabe, ob zu Weihnachten oder (besser noch) zu Ostern. Er holt sicherlich vor allem junge oder in Sachen Pflanzenwelt, Gartenhandwerk und Honigbienen unversierte Menschen ab, die einfach machen wollen und „bei Null anfangen“. Hier werden sie nicht verschreckt, sondern stattdessen nach dem Lesen – sofern fehlende Echt-Fotos nicht als Entmutigung verstanden werden – „… einfach in den Garten […] gehen und mit dem Pflanzen der richtigen Blumen und Stauden beginnen.“ Auf alle Fälle empfehlenswert. Also das Beginnen UND das Buch dafür.


Pflanzen für Honigbienen: wie Sie Ihren Garten zum Summen bringen / Sarah Wyndham Lewis: Ill. von James Lewis Weston. 2. Aufl. Hildesheim : Gerstenberg. 2018. 143 S. ISBN 9783836921527.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*3* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2022

Am ersten Adventswochenende „Kreativ mit Bienenwachs“ werden und „über 50 Rezepte zum Nachmachen“ ausprobieren für „Kosmetik – Haushalt – Deko“, das gelingt super durch das quadratische Bändchen von Anne und Falco Tietjen aus der Familienimkerei Tietjen in Klein Meckelsen (Niedersachsen). Noch ist Zeit, um für das Weihnachtsfest Geschenke zu basteln, die umweltverträglich, da aus natürlichen Zutaten sind.

Inhalt

Ob Kerzen, kosmetische oder haushaltliche Pflegemittel, Kaminanzünder, Knete oder Bienenwachstücher, aber auch exotischere Anwendungen wie Kleiderimprägnierung, Stoffservietten mit Batikmuster, Fäden und Garne wachsen, Wachsgießen für Silvester (by the way unsere 2 Cents dazu) oder „Festes Parfüm mit ganz persönlicher Duftnote“ … es ist selbst für mich als Imkerin doch erstaunlich, welche Fülle an Ideen dieses 76-seitige Bändchen enthält. Da stört es auch nicht, dass auf weiteren 8 Seiten kräftig Werbung für den Familienbetrieb gemacht wird. Im Gegenteil … so manch Leser/in findet dadurch einen persönlichen Zugang zu den „tierisch-guten“ Bienenprodukten.

Den Beginn macht eine kurze Einführung zu Bienenwachs im Allgemeinen und zu den Hilfsmitteln und Zutaten. Jedem der drei Kapitel steht eine kurze Zusammenfassung der Inhalte in Textform vor. Vermisst habe ich hier Fakten zur Dochtgröße und -art im Wechselspiel zum Kerzenumfang. Denn meist scheitert ein rußfreies Abbrennerlebnis genau an diesem nicht unwichtigen Detail, vom Verzwirbeln oder Verflechten bei dünneren Materialien mal abgesehen. Daher ist das Kapitel des Selbstherstellens von Dochten … na ja, etwas dünn und mit Vorbehalt zu genießen.

Layout

Die einzelnen Rezepte sind jeweils gleich und verständlich aufgebaut: Zutaten und Hilfsmittel, Vorgehensweise und ein von der Beschreibung abgesetzter Informationskasten mit weiteren (hin und wieder eher lapidaren) Inhalten.

Dass sich auf S. 33 und 45 eine (aus Pixabay entnommene) Schwebfliege eingeschlichen hat … nun, das Versehen passierte sogar schon Profis. Ich erinnere mich an eine entsprechende Honigdeckelverzierung. Es sind aber noch genügend andere, perfekte Bienenfotografien über die Seiten verstreut. Optisch macht alles jedenfalls einen recht professionellen Eindruck. Die Grafikerin hätte meines Erachtens wirklich nicht anonym bleiben müssen.

Es herrschen je nach Kapitel farbcodiert gerahmte, sparsam verteilte Wabengrundformen vor, teils ohne und teils mit hübschen Fotos versehen. Allerdings … einzelne Arbeitsschritte abzubilden hat noch keinem DIY-Projekt geschadet. Eine Ausnahme bildet hier die minimalistische Grundkurs-Anleitung fürs Kerzengießen gleich zu Anfang. Zuweilen wurde auch ein Abbild des Endprodukts vermisst, beispielsweise bei den Kapiteln zu Kerzen aus Silikonformen, bei den geschmückten Bienenwachslichtern oder dem Glow Stick. Warum an der graugrundigen Stoffserviette nicht das beschriebene Batikmuster zu sehen ist, stattdessen ein zwar aparter Schmuck mit Namensetikett, der allerdings nichts zur inhaltlichen Sache beiträgt – na, geschenkt. Nein, ich will jetzt nicht pingelig werden, es überwiegt ein positiver Eindruck.

Fazit … und eine Warnung

Der Titel hält, was er verspricht. Die Publikation ist eine wahre Fundgrube und impulsgebend für ein kreatives, nicht allzu herausfordendes Beschäftigen mit dem wunderbaren, einzigartigen Bienennebenprodukt Wachs, ob für Anfänger oder Fortgeschrittene. Erstere werden aus Versuch und Irrtum sicher schlauer werden, Letztere wissen um die Finessen, die sich beim Lesen erst einmal nicht aufdrängen. Was möglicherweise sogar gut so ist, um mit Spaß und Laune einfach mal alles auszuprobieren.

Zwar muss nicht jedes Buch gleich in die Tiefe gehen, doch fehlt mir der ein oder andere Hinweis, die Sicherheit und die Gesetzeslage beim In-den-Verkehr-bringen von Kosmetika. Denn das liegt mir zu Weihnachten besonders am Herzen: Ob verschenken oder verkaufen, ist vor dem Gesetzgeber einerlei – die Kosmetik-Richtlinie und -verordnung verbietet das naive Herangehen an derlei Produkte, sofern Sie sie nicht ausschließlich für sich selbst herstellen. Wenigstens ICH will Sie jetzt davor warnen. Nicht jedoch vor dem Buch als solches – ein ansprechendes Geschenk für den Gabentisch ist es allemal!


Tietjen, Anne; Tietjen, Falco: Kreativ mit Bienenwachs: über 50 Rezepte zum Nachmachen: Kosmetik – Haushalt – Deko. Stuttgart (Hohenheim) : Ulmer. 2021. 76 S. ISBN 9783818613471.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*2* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2022

Im Bilderbuch „Lotte und Max besuchen die Bienen“ von Michaela Rosenbaum und Marisa Oeker begegnen wir sozusagen einer Bilderbuch-Familie: Vater, Mutter, Sohn und Tochter, ein Teddy … und deren Lieblingshonig! Den sie natürlich auf dem Markt beim Imker kaufen.

Hm, warum diese klassische „Idealbesetzung“ nicht wenigstens durch eine weibliche Bienenpflegerin durchbrochen wurde? Obwohl … mittlerweile scheinen die männlichen Imker bereits in der Minderzahl zu sein, der Anmeldeliste zu unseren eigenen Imkerkursen nach. Na, egal, denn nun …

… geht es löblich weiter ob der Erklärung der Mama, dass nicht der Imker, sondern die Bienen den Honig machen – sehr sympathisch! Und der PAPA schmiert das Honigbrot! Schluss also mit dem Gemeckere zu Stereotypen, denn jetzt geht’s auf den Markt!

Kurz und gut erklärt

Da dort wider Erwarten keine Bienen am Honigstand zu finden sind, lädt der Imker zu einem Besuch bei seinen Völkern ein. Ein bisschen werden die Kinder im eigenen Garten vom Papa vorbereitet. Er erklärt ihnen in vier Sätzen, was die Bienen – Wild- wie Honigbiene – leisten für uns Menschen. So kurz, so gut.

Nun auf zum Imkerbesuch. Florian, der Imker, ist eingekleidet. Offenbar sind seine Bienen stichig. Imkeranzüge hatten wir seit vielen Jahren nicht gerade häufig verwendet oder den Schulkindern angezogen, die uns besuchen kamen. Doch irgendwie ist das Verkleiden ja lustig, daher kauften wir heuer nur zum Spaß einen ganzen Klassensatz ein. Es lässt sich schließlich und endlich prima in Bildern ausdrücken, dass die Imkerei etwas Besonderes ist. Was von Papa sogleich aufs Handy gebannt werden will. Vermutlich für Insta. Apropos Bilder …

Bunt und bewährt gezeichnet

Ein bisschen findusmäßig die Figuren, bewährtes buntes Aquarell, mittig über zwei Seiten gehend, groß genug, um zu wirken, aber klein genug, um den Texten rechts und links  Raum zu geben … doch bevor ihr denkt, ich meckere schon wieder, weil es eventuell nicht kunstvoll genug sei … nein, nein, alles gut! Gefällig kommt von „es gefällt mir“ … doch, wirklich! Es gibt auch genug Nettes zu entdecken und weit davon entfernt, überladen zu sein.

Ein stilistisches Mittel stellen die Schattenwürfe da. Besonders witzig angebracht finde ich sie auf der Seite … öhm, Seitenzahlen gibt’s leider nicht, obwohl es bei der Menge Papier durchaus angezeigt wäre … also, auf den Seiten ab der zweiten Hälfte, und zwar an Papa Florians Füßen und dem Knie auf dem Boden, als er der Tochter Lotte den Hammer zeigt, mit dem er eine Kiste Bretterkiste für Insekten nagelt, während die Mama die Bambusstäbe hält, an denen der Sohn Max für die Wildbienen Stückchen abzwickt.

Schön auch die letzte Seite mit Zeichnungen und groben Merkmalen von Honigbiene (irritierend allerdings nur als „Biene“ bezeichnet), Hummel, Wespe und Hornisse. Das letzte Seitenpaar fragt nach fünf Begriffen, die in diesem Sachbilderbuch erklärt wurden. Insgesamt sind es – Spoiler! – 32 Seiten.

Fazit

Versöhnt die Honigbienen-Halter/innen mit den Wildbienen-Beschützer/innen, denn beide Insektengruppen kommen gleichwertig vor. Mit diesem Kindersachbuch als ersten Einstieg in die Bienenwelt für Kinder ab etwa 4 Jahren kann nichts falsch gemacht werden. Außer, die/der erwachsene Bilderbuchkäufer/in is(s)t vegan. Dann stören die Eier auf dem Frühstückstisch. Doch Veganer*innen sind ohnehin meist keine Honigesser/innen, was ja ein wenig kontraproduktiv ist, wie wir wissen. Für alle anderen aber ein schönes Geschenk für den Gabentisch!


Lotte und Max besuchen die Bienen / Michaela Rosenbaum ; Marisa Oeke. Originalausg., 1. Aufl. Düsseldorf : Windy Verl. 2019. o. Z. ISBN 978-3-948417-01-7.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Jubiläum! 10 Jahre Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de

Logo BLIB, Jubiläum 10 Jahre Bienen-leben-in-Bamberg.de
BLIB-Team 2012Auf dem Tag genau vor zehn Jahren starteten die Imker Reinhold Burger und Ilona Munique den Weblog und mithin die gleichnamige Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de unter dem Motto: „Bamberg. Stadt der Gärtner und Häcker. Ohne Bienen fehlt dir was!“ Sie wollen dabei „Die Liebe zur Biene wecken. Denn was man liebt, schützt man.“

BLIB als Genussbotschafter des Regionalsiegels "Genussla" für Bamberg und RegionDer Geograph und die Erwachsenenbildnerin mit bibliothekarischen Wurzeln stehen seither für den Bienenerhalt und das Nachwuchsimkern am Schnittpunkt von Main und Regnitz. Durch Führungen, Vorträge, Imkerkurse, Honigschleudertage, Exkursionen und Sonntags- und Sachverständigeneinsätze wurden in dieser Zeit 6.860 Personen gezielt erreicht, rund ein Drittel davon Schüler/innen und Studierende, davon 2.588 innerhalb der Bienen-InfoWabe.

Bewusstsein schaffen

Ziel war und ist, die Bedürfnisse der Bienen und Imker/innen, aber auch die Anforderungen an die Qualität des Ur-Produkts Honig im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Erreicht werden soll eine Verbesserung der Gesamtsituation, die Insekten und Stadtnatur mit einschließt und dabei einen Fokus auf Schulunterrichte setzt. Von Beginn an erhielt die Initiative von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung viel Unterstützung, wurde aber auch von den beiden Initiatoren gefordert und mit eingebunden.

So fungierte beispielsweise Ilona Munique als engagierte Sprecherin des Bamberger Aktionskreises zum Volksbegehren Artenvielfalt 2019. Die Unterschriftenbeteiligung war die zweithöchste unter den größeren Städten Bayerns. Mit eine Rolle spielte das Erstunterzeichner-Event, zu dem sich alle drei Bürgermeister und Vertreter/innen namhafter Institutionen im Rathaus einfanden. Genutzt wird außerdem das Instrument der Wahlprüfsteine, um parteiübergreifend auf die Bienenthematik aufmerksam zu machen.Aktionskreis Volksbegehren Artenvielfalt "Rettet die Bienen" 2019

Großplakat Genussla mit Bamberger Lagenhonig als Genussbotschafter des RegionalsiegelsUm das Fähnchen der nachhaltigen, weil regionalen Erzeugnisse und der Genusslandschaft Bamberg hoch zu halten, ist die Initiative mit ihrem Bamberger Lagenhonig aus sieben Standorten von Beginn an Lizenznehmerin des Regionalsiegels „Genussla“ von Stadt und Landkreis Bamberg.

Multiplikatoren aktivieren

Bienenpatin Elisabeth Burger mit Patengaben2020 gründete die Initiative die Transition-Gruppe „Bienenfreu(n)de“ und 2022 der Förderkreis Bienenleben Bamberg e. V.. Doch gleich zu Anfang fanden sie Mitstreiter und Multiplikatoren durch Bienenpatenschaften. Die erste davon war (und ist noch) Elisabeth Burger, die zum Jubiläum allen eine Biene gehäkelt hatte.

Häkelbiene mit Umkarton zum 10-jährigen Jubiläum der Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de (BLIB)Neben finanzieller Unterstützung sorgen Bienenpatinnen und -paten für eine bessere Wertschätzung der Bienen. Im Gegenzug erhalten sie eine feste Menge Honig und Einblick in die Welt der Bienen durch Honigernte- und schleudertage und Newsletter. Außerdem beteiligen sich die derzeit rund 40 Patinnen und Paten auf freiwilliger Basis an bestimmten Aktionen. Im Gründungsjahr war dies das Familienangebot des „Mitmach-Imkerns“ anlässlich des Don-Bosco-Weihnachtsmarktes.

Bildungsbedarf beantworten

Logo Bamberger SchulbieneDie bei der Aktion ausgegebenen Rätselspiele fanden nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei Lehrkräften aller Schularten der Region großen Anklang. Sie baten um einen Bienenunterricht für ihre Klassen. Um den offensichtlich hohen Bildungsbedarf zu beantworten, wurde das Konzept der Bamberger Schulbiene entwickelt. Die Materialgrundausstattung und ein klassenstufen-, fächer- wie schulartenbezogener Unterrichtsplan wurden via Crowdfunding erstfinanziert. Zunächst für die VHS als Referenten, dann selbstorganisiert, absolvierte die Initiative 278 Veranstaltungen in Form von (Schul-)Unterricht, Führungen, Vorträge, Exkursionen sowie Aktivitäten anlässlich diverser Feste und Märkte.

Informationspräsenz zeigen

Grundschule Scheßlitz, Klasse 2a zum Schulbienen-Unterricht in der Bienen-InfoWabe, Bienen-leben-in-Bamberg.deDreh- und Angelpunkt ihrer Informationspräsenz ist seit 2016 die Bienen-InfoWabe, ein grünes Klassenzimmer samt Lehrbienenstand im Erba-Park. Die Öffentlichkeit konnte zu monatlichen Sonntagsöffnungen zwischen Ostern und September – seit 2016 waren dies 62 an der Zahl – kostenlos Infos und Beratung zu Bienen, Honig, Imkerei und Natur einholen.

Urkunde zur Zertifizierung "Naturgarten – Bayern blüht" für Bamberger Bienengarten der Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de 2022Mit angeschlossen ist seit 2017 der jederzeit öffentlich zugängliche, in 2022 naturgartenzertifizierte Bamberger Bienengarten mit seinen Schaubeeten, Infotafeln sowie (in den Sommermonaten) über 300 botanischen Pflanzschildern.

Wer nicht nach Bamberg kommen kann, findet im Internet einen inhalts- wie bildreichen Weblog vor. Er weist seit seinem Start neben vielen informativen Seiten weit über 1.500 Blogbeiträge bei rund 315.000 zählbaren Besucher/innen auf.

Außerdem wurden 342 Presseberichte abgedruckt bei 142 herausgegebenen Pressemeldungen. Ausflüge in die TV- und Radiowelt fanden ebenfalls statt, werden jedoch zeitbedingt nicht forciert. Die Teilnahme an diversen Podiumsdiskussionen, zu themenverwandten Veranstaltungen anderer Institutionen und telefonische Beratung sind jedoch obligatorisch.

Wissen weitergeben

Urkunde / Imkermeisterbrief für Reinhold Burger 2020Um das theoretisch in 66 Fortbildungen angeeignete Wissen und die praktischen Erfahrungen bar jeglicher Ideologie weiterzugeben, und auch, weil die Freude an den Bienen und der Imkerei weit über das Maß eines Hobbys hinauswuchs, qualifizierte sich der als Bienensachverständige für Bamberg eingesetzte Reinhold Burger zum Imkerfacharbeiter (Tierwirt, Fachrichtung Imkerei, 2017) und darauf aufbauend zum Imkermeister (Tierwirtschaftsmeister, Fachrichtung Imkerei, 2020). Mithin nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Stadt Bamberg, hier dem Veterinäramt, eine zuverlässige Informationsquelle.

Logo BLIB-Imkerkurse für Anfänger, Fortgeschrittene & VertiefungBurgers imkerfachliche und Muniques andragogische Qualifikationen führten im Verlauf der Jahre zu einer Weiterentwicklung in der Wissensweitergabe. Was 2018 zunächst als Seminar zur Schul-Imkerei für die Universität Bamberg begann, wurde kurz darauf zum Regelangebot, indem jährlich vollwertig anerkannte Imkerkurse für Anfänger (bis dato 57 Teilnehmende) und Vertiefungsseminare für Fortgeschrittene angeboten werden.

Infotafel Bienen-Honig-Imkerei-Natur: "Was bedeutet Supply my Schul-Imkerei?"Besonderer Profiteur sind die Schulen. Denn Bestandteil innerhalb des zwölfmoduligen Anfängerkurses ist beispielsweise das Thema Bienen und Schule. In logischer Konsequenz wurde 2019 das Projekt „Supply my Schul-Imkerei“ als unbürokratische Förderung der imkernden Schulgemeinschaften ins Leben gerufen.

Wissen weitergeben erfolgt außerdem mit Hilfe einer Imker-Bibliothek, deren 255 Medien unter bestimmten Voraussetzungen entleihbar sind. Die Bibliothek wird durch Rezensionsexemplare kostengünstig erweitert. Einige Titel stehen in Mehrfachexemplaren als Klassensätze für Schulen zur Verfügung.Literatur zur Imkerei der Imker-Bibliothek / Bienen-leben-in-Bamberg.de

Unterstützung erhalten

Logo FKBB e. V.Neben dem Förderkreis und den Bienenpatenschaften spielen Spenden von Privatpersonen und aus der Wirtschaft und, wie jüngst, die Förderungen aus dem Unterstützungsfond der Stadt Bamberg, eine große Rolle.

Doch auch durch Auszeichnungen und Preisgelder ließen und lassen sich die vielfältigen, überwiegend ehrenamtlichen Leistungen finanzieren, beispielsweise der Grüne Engel 2018 des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, der Preis zur Imkernachwuchsförderung 2017 des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder der Sparda-Zukunftspreis 2016.Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, "Grüne Engel" Ilona Munique und Reinhold Burger

Stimme geben

Westliche Honigbiene – apis melliferaBleibt die Frage, ob sich all die Mühe bisher gelohnt hat. Mit gutem Beispiel voran gehen, motivieren zu nachhaltigen Veränderungen, jederzeit ansprechbar sein und informieren, Verantwortung übernehmen und um Mithilfe bitten, die Neugierde wecken, das Staunen lernen und lehren … nichts davon kann falsch sein. Also ja, die zehn Jahre sollten nicht vergeudet gewesen sein!

Blaue (auch: Blauschwarze) Holzbiene, Xylocopa violacea, an Großem LöwenmaulDen Status Quo zu halten ist das mindeste Ziel. Aktiver und mobilisierender Teil zu sein bei der Rettung der Kleinsten der Schöpfung und ihrer nachhaltige Verankerung in der Stadtnatur, das höchste.

Gerade in Krisenzeiten sind es doch die fliegenden, fleißigen Winzlinge, deren leises Summen überhört werden könnte. Ihnen eine kräftige Stimme zu geben, ist die Klammer des Ehrenamts der Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de.

Um mit einem Wunsch zu enden, steht die technische Ertüchtigung der Bienen-InfoWabe für einen zeitgemäßen und „bedürfnisorientierten“ Schulbienen-Unterricht mittels PV-Strom und Bio-Trockentoilette ganz oben auf der Liste. Erste Fördermittel stehen bereit, die es noch kräftig mit Spenden aufzustocken gilt.

Zahlenfakts (2012-2022)

  • 315.000 Weblog-Besucher/innen
  • 6.860 gezielt erreichte Personen in der Offline-Welt (davon 2.588 in der Bienen-InfoWabe)
  • 1.565 Blogbeiträge
  • 278 Veranstaltungen in Form von (Schul-)Unterricht, Führungen, Vorträge, Exkursionen und Aktivitäten anlässlich diverser Feste und Märkte
  • 342 Presseberichte im Pressespiegel
  • 300+ botanische Pflanzschilder im Bienengarten
  • 255 Medien in der Imker-Bibliothek
  • 142 Pressemeldungen herausgegeben
  • 66 interne Fortbildungen für die Initiatoren
  • 62 Sonntagsöffnungen der Bienen-InfoWabe
  • 57 Imkerkurs-Teilnehmende
  • 74 Bienenpat(inn)en (40 derzeit)
  • 10 Jahre Bienen-leben-in-Bamberg.de (BLIB)
  • 7 Bienenstandorte (mit rund 25 Völkern)
  • 2 Initiatoren
  • 1 Bienen-InfoWabe (grünes Klassenzimmer)

Vortrag zu Wildbienen beim Obst- und Gartenbauverein Wildensorg

Nachdem 2016 die Honigbienen dran waren, sind es heuer zum sonntäglichen Erntedank-Treffen des Obst- und Gartenbauvereins Wildensorg die Wildbienen. Zuvor erläuterte Ilona Munique, die zusammen mit Reinhold Burger ebenfalls Mitglied des OGV ist, welche Ehrenämter sie in Bezug zur Bienenwelt inne haben und wo die Bamberger Schulbiene wohnt. Dort, an der Bienen-InfoWabe im Erba-Park gibt es auch einen schönen Bienengarten, so dass dieser, weil es nun mal thematisch nahe lag, in einigen Auszügen näher vorgestellt wurde.Vortrag zu Wildbienen von Ilona Munique bei OGV Bamberg-Wildensorg

Zwei Dutzend interessierte Mitglieder erfuhren im wohlgeheizten und herrlich nach Karpfen duftenden Heerlein-Gastraum die wesentlichen Unterschiede zwischen Wild- und Honigbiene und wie man Wildbienen unterstützen kann. Obgleich Wildbienenhotels und Nisthilfen für Wildbienen allenfalls ein Zusatzangebot, nicht jedoch eine Notwendigkeit bedeuten, sind sie doch aus pädagogischen Aspekten heraus nicht grundverkehrt. Es sei denn, sie werden grundverkehrt aufgebaut, was leider sehr häufig der Fall ist.

Vortrag zu Wildbienen von Ilona Munique bei OGV Bamberg-Wildensorg

Daher ging ich auf die richtigen Materialien und deren Verarbeitung ein und gab Link- und Literaturtipps sowie Bezugsadressen an die Hand. Das allerwichtigste für Wildbienen ist jedoch: Ungestörte, verwilderte Gartenecken und viele unterschiedliche Blüten, die Nektar und / oder Pollen tragen, in 50 bis höchstens 700 Metern. Dann ist alles richtig gemacht, denn die meisten, vor allem die gefährdeten Arten, sind nun mal Bodenbrüter.Vortragsfolie zu Wildbienen von Ilona Munique

 

Vortragsfolie zu Wildbienen von Ilona MuniqueAls Dankeschön für die Vortragsstunde, die mit dem Verteilen einer Broschüre zu bienenfreundlichen Pflanzen endete, überreichte der 1. Vorsitzende des OGV, Jürgen Brendel, eine Tüte mit Flüssigkeiten. Nein, nicht Nektar, aber ebenfalls aus Blüten gemacht. Den Salbeilikör hatten wir ja tags zuvor auf unserer Bildungsexkursion nach Handthal (siehe Bericht) leergeschöpft. Doch nun ist Nachschub da. Besonders lecker: der Rosenlikör, eine Spezialität der Familie Brendel.

Jürgen Brendel (OGV Bamberg-Wildensorg) überreicht Dankeschön für Vortrag zu Wildbienen an Ilona Munique

Vielen Dank dafür, und wir freuen uns aufs nächste Jahr, wenn ihr an Pfingsten mit den Kiddys der Mitglieder zu uns in die Bienen-InfoWabe kommt!

Am Tag der Herbstlaubs (03.10.): Exkursionsbericht ins Handthal (Steigerwald)

Mitreisende zur FKBB-Bildungsexkursion ins Handthal am 01.10.2022Nicht nur den Wiedervereinigungstag, sondern auch den (amerikanischen) Tag des Herbstlaubs begehen wir am 3. Oktober. Beste (Feiertags)Zeit, um unserer FKBB-Bildungsexkursion Handthal mit den Stationen Kräutergarten Ebrach, Steigerwald-Zentrum und Forellenhof Handthal sowie Baumwipfelpfad Steigerwald nachzuspüren. Veranstalter war der Förderkreis Bienenleben Bamberg in Kooperation mit dem Bürgerverein Bamberg-Mitte. Letzterem sei herzlich gedankt für die – vor allem auch finanzielle – Beteiligung!

Kräutergarten Ebrach – Kurzvortrag zu Kräuter und Bestäuber

Vor der Klosteranlage empfing uns der sich kurzfristig einklinkende 1. Vorsitzende des Imkervereins Ebrach und Umgebung, Walter Hanslok, der sich als ein intimer Kenner der Örtlichkeiten und somit als (leider aus Zeitgründen etwas zu kurz kommender) Co-Referent entpuppte – Danke für dein Interesse an unserem Ausflug in deine „Pfründe“! Das wird nicht unsere letzte Begegnung gewesen sein!

Innerhalb des Mini-Abrisses zur Gründungsgeschichte des Zisterzienserklosters Ebrach wurde von der Reiseleiterin Ilona Munique besonders der mit dem Abt Adam verbundene Heilige Bernhard von Clairvaux herausgestellt, da dieser für unser Bienenthema den passenden Korb als Attribut „mitbrachte“. Der Zeitsprung zu Abt Degen und seinen Nachfolgern, mithin den Gründern der Gartenanlagen, und ein weiterer Sprung ins Jahr 1993 zur Neuanlage des Kräutergartens, brachte uns kurz darauf zur oftmals übersehenen, seit zwei Jahren von der Stadt Ebrach sehr hübsch gepflegten Anlage vor beeindruckender Kulisse.Klostergarten in Ebrach

Von den etwa 40 verschiedenen Kräutern in sechs Beeten stellte die Imkerin und passionierte Gärtnerin des Bamberger Bienengartens vier Kräuter im besonderen Zusammenhang mit Bestäuberinsekten näher vor: Lavendel, Lungenkraut, Ysop und Gewürzsalbei – allesamt Bienenmagneten und für unsere aktuell durch das Weltgeschehen belastete Gemütslage adäquate und volkserprobte Stärkungs- und Heilpflanzen.

Zum genießerischen Abschluss verkosteten wir den (nur leicht mit Regenwaser verdünnten) Salbeilikör des Obst- und Gartenbauvereins Wildensorg der Familie Brendel.

Steigerwaldzentrum (Nachhaltigkeitszentrum) – Kurzvorträge zu Imkerei und Bienen

Bei einer wärmenden Tasse Kaffee im lichtdurchfluteten Foyer des Steigerwaldzentrums erfuhren sodann die Exkursionsteilnehmenden in einer kurzweiligen Viertelstunde mehr zur Imkerei. Der 2. Vorsitzende des FKBB, Imkermeister Reinhold Burger, konnte dabei auf die dankenswerterweise vom Zentrums-Team vorbereiteten Anschauungsstücke zurückgreifen. Leider konnte uns Förster und Imker Marc Günster nicht selbst begrüßen, doch auch dieses holen wir sicher einmal nach.

Im Anschluss an den Kurzvortrag besuchte das Dutzend Gäste, aufgeteilt in drei Gruppen, die begehbare Bienenbeute im Außengelände. Hier wurde vom Steigerwaldzentrum eine tolle Möglichkeit geboten, in aller Ruhe das Wabenwunderwerk in seiner Funktion zu betrachten. Im Holzpavillon, der einer Hobbit-Behausung recht ähnlich sah, beantwortete unser FKBB-Beirat, Bienenfachwart Nikolaus Hofmann, geduldig alle Fragen, die beim Anblick des von allen Seiten sichtbaren Bienennestes aufkamen.

Forellenhof Handthal – Mittagessen und Kräuterrätsel-Auflösung

Bevor die sehr schmackhaften Speisen im traditionsreichen Forellenhof den strömenden Regen vergessen machten, erfolgte die Auflösung und Preisverleihung zum Kräuterrätsel.

Die drei Gewinnerinnen (bei jeweils 8 von 9 möglichen richtigen Antworten) des vertrackten Rätselspaßes waren: Dr. Gerlinde Lamprecht, Marion Then und Susanne Märtlbauer. Herzlichen Glückwunsch zum Kräuterbüchlein von Gertrud Leumer aus der Bio-Kräutergärtnerei Mussärol!

Eine der Fragen (und vor Ort wurde dieser versehentlich bei der Auflösung übersprungen) war folgende:

Was stimmt? Der Borretsch …

    1. … wird auch Gurkenkraut genannt
    2. … enthält ein für Menschen schädliches Gift (Pyrrolizidinalkaloide)
    3. … vermehrt sich durch lange Wurzeln

A. und B. sind richtig. Tatsächlich sind diese Pyrrolizidinalkaloide auch für den Honigeintrag nicht optimal, obgleich die Bienenkörper Schadstoffe recht gut herausfiltern können. Es wäre jedoch nicht ratsam, ein Volk inmitten eines Borretschfeldes zu positionieren.

Baumwipfelpfad – Zeidlerei und Vögel des Steigerwaldes

Obgleich wir im Handthal die Mittagspause in Anbetracht des Wetters und des von vielen gewünschten Nachtisches verlängerten und damit dem Begehen des Turmes eine Absage erteilten, war der Baumwipfelpad dennoch unser nächstes Ziel. Etwas Bewegung sollte schon sein, doch vor allem warteten noch zwei Kurzvorträge.

An der ersten Station auf dem Weg in Richtung Turm erfuhren die Gäste in passender Umgebung, nämlich an einer Klotzbeute, etwas zur Zeidlerei. Die Waldimkerei in seiner frühen Form konnte so anschaulich erfasst werden, wozu auch ein mitgebrachtes Bild half. Auch hier hätten wir natürlich zu gerne noch viel mehr von Walter Hanslok erfahren, der beim ersten Schwarmeinlauf in der neuen Klotzbeute dabei gewesen war. Er erläuterte beispielsweise die anschauungsadäquaten Anforderungen und dadurch notwendig gewordenen Abänderungen des Konzepts der Bestückung mit Bienen.

Leider schritt die Zeit gnadenlos voran. Apropos Zeit … Für die Zeidlerei und das Bienenwesen lief die Zeit nach Einfuhr von Rohrzucker aus der Neuen Welt (17. Jh.) und dem Zuckerrübenanbau (19. Jh.) bald aus. Doch bis dahin waren sie sehr geachtet. So wurden die Zeidler durch Kaiser Karl IV. mit einer niederen Gerichtsbarkeit (Gerichtsort war und ist streng genommen immer noch Feucht bei Nürnberg) gestärkt und mit Privilegien ausgestattet, die bis in die heutige Zeit wirken. Tatsächlich lassen sich die besonderen Rechte (z. B. Schwarmeinfangen, ohne Hausfriedensbruch zu begehen; Duldung der nachbarschaftlichen Bienenhaltung), festgelegt im BGB, weit zurückführen bis ins Jahr 533.

Weiter ging’s zur nächsten Station, dem Eingangsbereich zum Baumwipfelpad und zu den Vögeln des Steigerwaldes, referiert vom Sprecher des AK Regnitzaue von der LBV- Kreisgruppe Bamberg, Andreas Märtlbauer.

Der Wespenbussard ist bei uns Imker/innen zwar nicht gerade der beliebteste der vorgestellen Vögel, doch so ist das nun mal im Tierreich – fressen und gefressen werden. Doch der Schwarzspecht hingegen gleicht die Unbill wieder aus, indem er fleißig gleich mehrere Baumhöhlen schafft, um seine Liebste zu beeindrucken, die sich die schönste auswählen darf. Die restlichen Höhlen überlässt er großzügig zum Beispiel der Hohltaube und anderen, darunter unseren Bienen. Auch der rotbemützte Mittelspecht und der Grünspecht sind fleißig und häufig anzutreffen, im Gegensatz zum seltenen und kaum zu sehenden weiß-schwarzen Halsbandschnäpper.

Danke fürs Mitfahren – und Ausblick!

Reiseleiterin Ilona Munique auf dem Rückweg der FKBB-Bildungsexkursion ins HandthalAllen Gästen, die dem Regen trotzten, danken wir herzlich für ihr Interesse!

Unser bester Dank gilt allen Referierenden für ihre interessanten, auf den Punkt gebrachten Beiträge, außerdem unserer Bienenpatein Michaela Then fürs Kutschieren und Begleiten zur (denkwürdigen) Vor-Exkursion, bei der wir die Fotos im Sonnenschein verdanken, und unserer Bienenpatin und FKBB-Kassenwartin Gabi Loskarn fürs Vor-Ort-Helfen und natürlich für die anschließende Abrechnung.

 

Die nächste Bildungs-Exkursion geht nach Oberweimar ins Deutsche Bienenmuseum und zum Schloss Belvedere mit Orangerie. Termin noch nicht bekannt.

Bekannt hingegen ist der Termin der nächsten Netzwerk-Exkursion, und zwar am Sa., 15.04.2023, 15-17 Uhr: „Bienen, Lerchen, Orchideen – Schätze der Buger Wiesen“, auch Andreas Märtlbauer (LBV) wird wieder dabei sein. Anmeldung bereits jetzt möglich. Kostenbeitrag € 5,-.

Wir freuen uns schon wieder auf euch!

Fr., 07.10.22  – Geräteüberblick und Fördermöglichkeiten für Jungimker/innen und Schul-Imkereien

Honigschleudertage mit Ernte und Verarbeitung am Standort "Villa Dessauer", 23.07.02022 / Bienen-leben-in-Bamberg.deLogo für das Schwerpunktthema: Imkerei der Bienen-InfoWabeFr., 07.10.22  – Geräteüberblick und Fördermöglichkeiten für Jungimker/innen und Schul-Imkereien

Wann? Fr., 07.10.22 | 16.00 – 18.00 Uhr
Wo? Online
Für wen? Interessierte Imker/innen und Schul-Imkereien
Was? Welche Großgeräte zur Imkerei sind notwendig und welche Anforderungen sollen sie erfüllen? Auf was kann ausgewichen oder gar verzichtet werden? Welche Fördermöglichkeiten für Jungimker/innen und Schul-Imkereien kommen (in Bayern) in Betracht? Welche Formulare werden benötigt, wie werden sie richtig ausgefüllt und welche Fristen sind zu beachten? Welche Käufe werden gefördert und welche nicht? Zeit für spezifische und vertiefende Fragen ist eingeplant.
Referenten? Ilona Munique, Imkerin und Reinhold Burger, Bienenwirtschaftsmeister
Kosten und Anmeldung?

  • € 20,- inkl. MwSt., 10% Rabatt für Bienenpat(inn)en und (ehemalige) Imkerkursteilnehmende
  • Wir bitten um Anmeldung per Mail bis spätestens Do., 06.10.22. Sie erhalten sodann die Überweisungs- und die Online-Einwahldaten.

Schwarmverhinderung (BLIB-Imkerkurs für Anfänger AK22, Modul 5)

Thema Schwarm im Imkeranfängerkurs, AK22, M5, Schwarmverhinderung

Das Hauptthema war Schwarmverhinderung, aber auch, was zu tun ist, wenn das Verhindern nicht geklappt hat und ein Schwarm einzufangen ist. Auch eine Wiederholung zur Ablegerbildung stand als Lerneinheit im Modul 5 des BLIB-Imkerkurses für Anfänger am 30.04.2022 auf dem Programm – durchgeführt bei gerade noch so akzeptablen Wetterbedingungen. Erst am Nachmittag schüttete es bei einigen Donnerschlägen.

Einblick in den natürlichen Schwarmvorgang

Thema Schwarm im Imkeranfängerkurs, AK22, M5, Schwarmverhinderung Es wäre natürlich ein großer Zufall, stünde uns jedesmal zum Kursmodul ein gerade ausgezogener Schwarm zur Verfügung. Da diese ohnehin meist in der Mittagszeit ab ca. 12.00 bis 14.00 Uhr ausziehen, bekämen wir erst zum Kursende Gelegenheit einer praktischen Übung. So mussten sich die 15 Teilnehmenden mit einer gedanklichen Trockenübung begnügen.

Material zum Schwarmeinfangen

  • Schwarmfangkasten (Eimer, Karton)
  • Deckel
  • Sprühflasche mit Wasser

Vorgang

  • Für sicheren Stand sorgen (von mehr als Haushaltsleiterhöhe ist dringend abzuraten!)
  • Schwarm mit Wasser einsprühen
  • Eimer unter den Schwarm halten
  • Kurz und kräftig auf den Ast schlagen oder kräftig das Buschwerk schütteln
  • Schwarm „klatscht“ in den Schwarmfangkasten
  • Unter den noch oben verbliebenen Bienen abstellen, Deckel drauf mit einem Spalt als Einflugloch, ein paar Stunden warten, bis die restlichen (Kundschafter-)Bienen zurückgekehrt sind
  • Umschütten in leere Zarge, bestücken mit 10 Mittelwandrähmchen

Was aber geht im Volk vor sich, wenn Imker/innen nicht für ein vorweggenommenes Schwarmgeschehen sorgen?

„Drei, Fünf, Acht, eine Königin ist gemacht“. 

Weiselkontrolle im Imkeranfängerkurs, AK22, M5, Schwarmverhinderung Das Schwärmen ist ein natürlicher Vorgang der Volksvermehrung. Sobald es in der Bienenwohnung zu eng wird oder die Pflegebienen unterbeschäftigt sind, legen die Arbeitsbienen mehrere Weiselzellen an und füttern das Ei ab dem 3. Tag weiterhin mit Gelée Royale statt „nur“ mit Nektar, Honig und Pollen. Die so entstehenden künftigen Königinnenlarven werden am 8. Tag verdeckelt und schlüpfen am 16. Tag, getreu der Formel „Drei, Fünf, Acht – eine Königin ist gemacht“. 

Kurz nach dem Verdeckeln kann sich bereits Schwarmstimmung breit machen, die kaum mehr zu stoppen ist. Denn das Volk braucht Vorbereitungszeit. Nun wird die alte Königin nicht mehr gefüttert, stattdessen quer durch den Stock gejagt. Das Fitnessprogramm lässt sie abnehmen und somit wieder flugtauglich werden.

VoM Quaken und Tuten

Der Deckel ist geöffnet, die Königin schlüpftIst die junge Königin ab dem 16. Tag schlupfbereit, beginnt diese zu Quaken. Hervorgerufen wird das durch die Vibrationen ihrer Brustmuskeln, die über die Wabenwände übertragen werden. Alarmsignal für die alte Königin, spätestens jetzt mit rund der Hälfte ihres Volkes auszuschwärmen. Die alte Königin tutet allerdings zurück, solange sie wetterbedingt noch nicht ausschwärmen kann. Dann wartet die junge Königin noch ein wenig mit dem Geborenwerden … meistens jedenfalls!

Von diesem Quaken und Tuten in einer Art Wechselgesang hatte auch unser Teilnehmer Hans berichtet, dessen Vater über ein Bienenhaus verfügte, in dem das Bienen-Hörspiel hin und wieder zu verfolgen war. Weitere Geräusche kommen von den Spurbienen. Indem sie die Bienen aufrütteln und mit dem Brustbereich für Vibrationen sorgen, erzeugen sie eine Aufbruchsstimmung. Welche Bienen sich der Gruppe der schwärmenden anschließen und welche Bienen im Stock zurückbleiben, ist noch nicht erforscht worden.

Die alte Königin schwärmt aus – und dann?!

Ein Scharm am Bienenweg 1 in BambergSobald die alte Königin den Stock verlassen hat, schlüpft die Nachfolgerin. Auch diese beginnt zu tuten. Die ihr nächstfolgende junge Königin wird sodann von den Arbeitsbienen erst einmal am Schlüpfen gehindert, bis klar ist, ob die junge Königin in einem Nachschwarm ebenfalls aus dem Stock fliegt. Derartige Nachschwärme – es können durchaus mehrere sein! –,  sind viel kleiner als der Vorschwarm. Sie erreichen die für das Überwintern notwendige Volksstärke nicht und werden daher von erfahrenen Imker/innen „verschmäht“.

Bienenkönigin des Standortes Buger WiesenAber auch das zurückgebliebene Volk zieht in punkto Nachschwärme die Reißleine. Sobald der Bien abschätzen kann, dass für das verbliebene Volk zu wenig Brut und Vorräte bleiben, werden die schlupfbereiten Königinnen nicht mehr vor dem Abstechen der zuletzt geschlüpften Königin geschützt. Die zuletzt geschlüpfte Königin geht dem Quaken ihrer Konkurrentinnen nach und sticht sie ungehindert von Arbeitsbienen in ihren Zellen ab. Der Stachel durchdringt das Wachs ohne Weiteres. Falls aber doch schon vorschnell eine Konkurrentin geschlüpft ist, entwickelt sich ein Kampf, den die stärkere Königin für sich gewinnt.

Nun kehrt wieder Ruhe im Stock ein. Für dieses Jahr gibt es keinen Honig mehr für die Imker/innen zu ernten, stattdessen aber vielleicht ein neues Volk einzufangen! Wie das vonstatten geht, kann hier nachgelesen werden.

Wer allerdings sein Wirtschaftsvolk zur Honiggewinnung behalten und unkontrolliertes Schwärmen mit oft sehr schlechten Überlebensaussichten für das Schwarmvolk vermeiden möchte (fehlende Quartiere und Varroabehandlung, zu wenig Futter zur Überwinterung), betreibt einmal wöchentlich eine Weiselkontrolle und sorgt für gezielte Schwarmvorwegnahme durch Ablegerbildung.

Weiselkontrolle zur Schwarmverhinderung UND Ablegerbildung
(Wiederholung M4)

Checkliste Material allgemein …

  • Smoker mit Rauchmaterial (Hanf, Eierkarton, Pappe), Feuerzeug
  • Stockmeißel
  • Abkehrbesen
  • Wasser zum Löschen der Smokerinhaltsreste
  • Sicherheitsutensilien (Imkerhut, Tuch, Nelkenwasser, Globuli, Zeckenzange)

… und für Weiselkontrolle

  • Taschenlampe
  • ggf. Lupe
  • Königinfangeisen / Königinabfangzange (oder Lockenwickler)
    -> zum Separieren der Königin als Schutzmaßnahme
  • ggf. Zeichenutensilien, im Falle man auf eine ungezeichnete Königin stößt
  • Schälchen für abgezwicktes Wachsmaterial

… und für Ablegerbildung

  • siehe Checkliste im Modul 4 (intern in Kursorganisation)
  • Nachtrag: Falls keine Futterwabe zur Verfügung steht, kann auf eine Futtertasche (zweiwabenbreit!) mit Stroh als Aufstiegshilfe und gefüllt mit Zuckerwasser 1:1 verwendet werden. Um eine Räuberei zu verhindern, Flugloch unbedingt sehr eng halten!

Vorgang Schwarmverhinderung bei geteiltem, zweizargigem Brutraum

  1. Mit Stockmeißel die Zargen an den Ecken voneinander lösen
  2. Blechdeckel abnehmen und umgedreht in die Nähe legen
  3. Abnehmen des ungeöffneten Honigraums. Nicht am Boden in das Gras abstellen, sondern auf der umgedrehten Blechhaube
  4. Abnehmen des Absperrgitters unter Rauchgaben
  5. Ankippen und Vorziehen des (oberen) Brutraums an den Kanten des unteren Brutraums entlang
  6. Falls Zarge zu schwer wird oder man es sich bequem machen möchte, kann diese vollständig senkrecht aufgestellt werden
  7. Erster Kontrollblick nach Weiselzellenbesatz. Dazu können die Rähmchen der oberen aufgestellten Zarge etwas auseinander bewegt (aufgefächert) werden, um auch in die Ecken sehen zu können
  8. Kontrollieren, ob (an Position 2 bzw. 9) der Drohnenrahmen bereits verdeckelt ist (Falls ja, im Anschluss der Weiselkontrolle Drohnenrahmen schneiden. Folgt im nächsten Kursteil)
  9. Bei Sichtung von Weiselzellen: Entscheidung treffen, ob ein Ableger¹ (Brutbrett mit Eiern und ggf. optimal mit einer intakten Weiselzelle) gebildet werden soll. Falls ja:
    • Abzählen der Rähmchenposition
    • Dieses Rähmchen nach dem Wiederaufsetzen der Zarge vorsichtig als eine der ersten ziehen und in den Ablegerkasten (an Randposition) setzen
    • Ersatzrähmchen (Mittelwandwabe) parat halten
  10. Vollständiges Durchsehen der Rähmchen, vor allem an den Wabenecken, und Weiselzellen entfernen.
    ACHTUNG: Aufpassen auf die Königin! Am besten mit einem Königinnenfanggerät separieren (Dunkel halten, sie ist helles Licht nicht gewohnt)
  11. Falls Drohnenrahmen mindestens zu Dreiviertel ausgebaut und verdeckelt ist, diesen entfernen, ausschneiden (Material in Plastiktüte oder gut verschließbaren Eimer, ggf. einfrieren, später ausschmelzen, da wertvolles Neuwachs) und wieder an selbige Position einsetzen
  12. Falls Brutwabe(n) für Ableger entnommen wurde, Ersatzrähmchen (Mittelwand) an die Stelle der entnommenen Wabe einsetzen
  13. Oberen Brutraum wegstellen (Achten auf Richtung, er soll später wieder genau so aufgesetzt werden, wie man ihn abgenommen hat)
  14. Unteren Brutraum durchsehen
  15. Fertig? Rauch geben. Dann wieder zweiten Brutraum aufsetzen
  16. Falls Königin gekäfigt, wieder einlaufen lassen
  17. Sind alle Rähmchen vollständig? (Drohnenrahmen und ggf. frisches Mittelwandrähmchen bei Brutwabenentnahme). Sind alle Rähmchen wieder eng zusammengerückt (Einhalten des Bee Space)?
  18. Rauch geben. Absperrgitter aufsetzen
  19. Honigraum, Folie, Deckel und Blechhaube aufsetzen.

¹Auf das Bilden von Zwischenablegern (oben aufgesetzt) und Fluglingen (unten angesetzt) oder Brutlingen als weitere Möglichkeiten der Schwarmverhinderung neben dem Weiselzellenbrechen sind wir nicht eingegangen. Dies ist Stoff für ein Vertiefungsseminar, das nach genügender Bedarfsmeldung angeboten werden kann.

Bienenstock mit Löwenzahn

Honigraumerweiterung, Ablegerbildung (BLIB-Imkerkurs für Anfänger AK22, Modul 4)

Imkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungImkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungIm Praxisteil des BLIB-Imkerkurses für Anfänger am 23.04.22 bei windigem, fast zu kühlem Wetter erläuterten wir das Aufsetzen des Honigraums und dämpften den Schwarmtrieb durch Ablegerbildung. Allerdings hätte das in unserem Vorführvolk nicht gereicht, denn es fanden sich bereits etliche angelegte Weiselzellen. Dieses Volk wäre also auf jeden Fall in Schwarmstimmung geraten. Da wir jedoch heute das Augenmerk auf Ablegerbildung legten, zeigten wir den Vorgang des Weiselzellenbrechens nur ganz kurz, inklusive einer kleinen Kostprobe Gelee Royal. Im Modul 5 dann mehr dazu.

Imkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungImkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungHeute war endlich auch Zeit und Gelegenheit, allen die Möglichkeit des Ziehens einer Wabe zu geben. Ein ordenliches Arbeitsumfeld spart Verdruss. So wird der Stockmeißel am besten griffbereit quer über ein Beuteneck gelegt, welches am entferntesten vom Handlungsfeld ist. Der Smoker lässt sich in der Regel einhängen und sollte hin uns wieder mit dem Blasebald am Glimmen gehalten werden. Möglichst nichts ins Gras ablegen, um Virenverteilung keine Chance zu geben.

1. Honigraumerweiterung

Zeitpunkt

Biene an SauerkirscheDer Zeitpunkt der Honigraumerweiterung war heuer – je nach Region und Witterung – um Ostern herum, also gut eine Woche früher als unser Kurstermin. Die Natur zeigte es uns an mit den Zeigerpflanzen des Erstfrühlings, etwa um den Beginn der Salweidenblüte und spätestens zur Süßkirschenblüte. In wessen Umfeld beide fehlen, erhält Auskunft zur aktuellen Phänologie beim Deutschen Wetterdienst.

Imkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungZwei weitere Anhaltspunkte für den richtigen Zeitpunkt sind die Volksstärke und Volksentwicklung. 5 bis 6 mit Bienen besetzte Zanderwaben (entspricht 10-12-tausend Bienen), davon auf 3 Waben mit verdeckelter Brut sind optimal. Die Regel sagt: „Besser zu früh als zu spät!“ Somit wird verhindert, dass zu viel Honig im Brutraum eingelagert wird, der Platz zu eng und somit Schwarmstimmung ausgelöst wird.

Absperrgitter

Imkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungÜber den Brutraum wird das Absperrgitter (Weite 4,2 mm) eingesetzt. So können nur Arbeiterinnen das Gitter passieren, Königin und Drohnen bleiben außen vor; daher Garantie, dass keine Eier bzw. Brut im Honigraum angelegt werden. Von den drei möglichen Modellen eines Absperrgitters sind die zwei aus Metall, mit oder ohne Holzrahmen, bei einem empfohlenen bee space von 8 mm, dem leichter verbiegbaren Plastikgitter vorzuziehen.

Wabenanordnung

Honigraum auf Blechdeckelausgebaute Wabe im Imkeranfängerkurs AK21, M4+M5Der aufgesetzte Honigraum enthält im Zentrum 2 bis 4 ausgebaute helle Waben. Es sind die vom Vorjahr ausgeschleuderten und sauber ausgeschleckten Honigwaben (niemals Brutwaben). Sie Erleichtern den Bienen die Annahme des Honigraumes, da die Waben gleich zur Einlagerung von Nektar verwendet werden können. Sie müssen nicht erst ausgebaut werden. Links und rechts daneben wird mit Mittelwandrahmen aufgefüllt. Wer als Anfänger/in noch keine ausgebauten Honigrahmen hat, nimmt nur Mittelwandwaben, kein Problem.

Drohnenrahmen mit Baubienen im Imkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungDas war’s dann auch schon. Wenn es sich anbietet, kann vorab in den Brutraum ein Drohnenrahmen (Rähmchen ohne Draht) an zweiter (bzw. neunter) Position einsetzten und mit einem Reißnagel markieren. Um Platz zu schaffen, wird eine leere Randwabe oder eine überschüssige Futterwabe entnommen.

Für die Kursteilnehmenden gibt es in der Kursorganisation eine Checkliste zur Honigraumerweiterung (inklusive Ablegerbildung).

2. Ablegerbildung zur Schwarmverhinderung

Brutbrett / Brutrahmen mit Weiselzellen von untenReinhold erläuterte vorab die Grundzüge des Schwarmverhaltens und warum wir das Schwärmen verhindern bzw. den Willen nach Vermehrung und Verjüngung durch Ablegerbildung steuern bzw. vorweg nehmen. Gänzlich lässt sich eine Schwarmstimmung allerdings nicht durch gezielte Maßnahmen wie rechtzeitiger Honigraumerweiterung, Ablegerbildung und Ausschneiden des Baurahmens (Drohnenrahmen) verhindern. 30% aller Völker wollen dennoch schwärmen.

Ein Scharm am Bienenweg 1 in BambergGründe für eine Schwarmverhinderung sind:

  • Keine bzw. nur sehr geringe Honigernte
  • Stadt: Dichte Bebauung und „naturentwöhnte“ Stadtbewohner
  • Schwärme finden nicht genügend Höhlen als neue Wohnstätte
  • In unseren Breiten verhungern im Winter 80% der verwilderten Schwärme
  • Ohne Varroabehandlung durch Imker/innen gehen Schwärme in der Regel nach zwei Jahren zugrunde
  • Ungepflegte Völker können eine Reinvasion von gepflegten Völkern mit der Varroamilbe verursachen
  • Arbeitsschutz: „Jährlich sterben in Deutschland mehr Menschen durch Stürze von Leitern als durch alle erwähnten Gifte, Tierangriffe und Naturkatastrophen zusammen“¹

Einrichten der Ablegerzarge

Futterwabe im Imkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungFür die Kursteilnehmenden gibt es in der Kursorganisation eine Checkliste des Materials zur Ablegerbildung (inkl. Honigraumerweiterung).

  • Eine aus der Frühjahreskontrolle gezogene Futterwabe mitbringen
  • Honigraum abnehmen, wegstellen -> auf Blechdeckel „über Eck“
  • Nach geeigneter Brutwabe suchen -> 3/4 verdeckelte Brut, Stifte und jüngste Larven mit den ansitzenden Bienen
  • Falls die Brutwabe nicht so optimal ist, kann evtl. auch eine zweite beigefügt werden
  • In bereit stehender Ablegerbeute einhängen -> Reihenfolge Foto und Checkliste
  • Rähmchen mit Pinnadeln für Transport sichern
  • Bienen aus Honigraum in Ablegerbeute einkehren -> diese wärmen die Brut
  • Abgeklebten Fluglochkeil fest arretieren -> mit Klebeband sichern
  • Abdeckfolie auflegen
  • Holzdeckel auflegen
  • Mit Spanngurt sichern
  • Blechdeckel und Fluglochabdichtung (z. B. Schaumstoff) nicht vergessen mitzunehmen!

Umsetzen eines Ablegers

Der Ableger wird (fest verschlossen, lieber zweimal überprüfen!) möglichst schüttelfrei zum etwa 2-3 Km entfernten Standort gebracht. In stark strukturierten Städten mit genügend unterschiedlichen „Stadt-Landmarken“ wie Türme, Hochhäuser, Flusslauf, Straßenzügen, Wohn- und Industriegebieten darf der Abstand auch geringer sein, die Bienen können sich gut neu orientieren. Nach etwa vier Wochen (frühestens 21 Tage oder später) kann die Rücksiedelung erfolgen, dann ist die neue Königin begattet und legebereit.

Demonstration Fluglocheinengung mit Styropor-Keil und kleinem Fluglocheingang über der Brut im imImkeranfängerkurs, AK22, M4, Honigraumerweiterung, AblegerbildungAm neuen Ablegerstandort (2-3 km Entfernung) Fluglochkeil auswechseln -> kleine Einflugöffnung unter der Brut. Mindestens 21 Tage warten, bis Königin nachgezogen und Eier zu finden, dann kann mit Milch- oder Oxalsäure behandelt werden (z. B. nach dem Umsetzen an den neuen Standort).

Restliche Fotos zur Honigraumerweiterung und Ablegerbildung