Antwort an Bienenunterstützer, die nicht selber imkern und auch keinen Honig ernten wollen

Königin mittendrin im AblegervolkAb und zu erreichen uns Anfragen von Interessenten, die Bienen unterstützen möchten, aber ohne selbst zu imkern und ohne Honigernte. Hier unsere Antwort, die wir nach besten Wissen und Gewissen und nach Beobachtung und Selberdenken geben – ohne die „Wahrheit und Richtigkeit“ für uns beanspruchen zu wollen.

Die Honigfrage

Hier muss ich ausführlicher werden, denn so einfach ist das nicht. Im Gegenteil ist das eine hoch komplexe Angelegenheit, die sowohl biologisches als auch imkerliches und kulturelles Wissen erfordert. Was der Weisheit letzter Schluss ist, muss jede/r für sich selbst entscheiden.

1. Honigbienen sammeln. Das ist ihr genetischer Auftrag.

Die Sammelbienen (also Arbeiterbienen in ihrer letzten Lebensphase vom ca. 21.-45. Lebenstag) sammeln u. a. Nektar, solange sie einen finden. Sie würden Vorräte auch für mehrere Jahre anlegen – ob sie sie nun brauchen oder nicht. Sie lagern außerdem ein, solange sie Platz haben. Haben sie keinen Platz mehr, könnte das sogar zu Lasten der Brut gehen. Die Folge wäre eine zu geringe Volksstärke, um über den Winter zu kommen. Denn zu wenig Bienen heißt, eine zu geringe Temperatur in der Bienentraube.

Um wieder mehr Platz zu erhalten, wird das Volk schwärmen, also sich teilen wollen. Was in doppelter Hinsicht nachteilig ist, da ein ausgeschwärmtes, verwildertes Volk ohne imkerliche Pflege gegen die Varroamilbe und andere Bienenkrankheiten nicht lange überlebt. Außerdem muss eine Re-Invasion von Milben an gepflegtn Völkern verhindert werden. Es fehlt ganz abgesehen davon an natürlichen Rückzugsgebieten. Unsere Wälder sind überwiegend forstwirtschaftlich genutzt und haben wenig geeignete Baumhöhlen zu bieten.

Der überschüssige Honig sollte also aus volkserhaltenden Gründen entnommen werden.  Vielmehr aber Gewicht hat der folgende Grund:

2. Zu nährstoffreicher Honig belastet die Biene im Winter

Besonders der eingesammelte Honigtau („Waldhonig“, also die Ausscheidungen von Blattläusen) enthält sehr viele Mineralstoffe. Der nährstoffreiche Honig kann den Bienen in vor allem lange andauernden Wintern ebenfalls zum Verhängnis werden. Denn er sorgt für Durchfall. Da Bienen jedoch unter 10 Grad nicht ausfliegen und die Kotblase irgendwann mal prall gefüllt ist, koten die Bienen den Stock ein. Der Kot wird von Biene zu Biene zum Ausgang befördert, also gelangen Krankheitserreger hübsch von Näschen zu Näschen.

Die Folge: Ein krankes oder geschwächtes Volk zu Frühjahrsbeginn, und die Folge daraus: die Winterbienen schaffen es nicht rechtzeitig vor ihrem Tod, für ausreichend Sommerbienen zu sorgen.

Nun, den Honig kann man natürlich entfernen. Wie sinnvoll es allerdings ist, ein Geschenk der Natur wegzuwerfen, dass muss jede/r mit sich selbst ausmachen.

3. Die Sache mit der „wilden“ Natur und dem „kultivierten“ Menschen

Die „wilde“ Natur braucht die Honigbiene nicht zwingend. Der „kultivierte“ Mensch braucht sie dafür um so mehr.

Die Honigbiene, also Apis mellifera, ist zwar ein „uraltes“ Geschöpf, doch wurde ihr Nutzen von den sesshaft werdenden Menschen erkannt und ihre Art infolgedessen „kultiviert“ – man kann auch „überprägt“ dazu sagen.

Würden wir kein Obst, Gemüse oder Beeren in der heute zu erwartenden und „verdaulichen“ Qualität essen, sondern weiterhin harte Holzäpfel und -birnen oder Wildkräuter essen, bräuchten wir nicht die Mengen an Honigbienen. Wobei zu sagen ist, dass Beeren ebenso von Vögeln und Kleingetier gebraucht werden. Da sorgt die Honigbiene denn auch für diese Nahrungskette. Allerdings ist die „tierische“ Nahrungskette in unserem Kulturkreis ohnehin nicht mehr das, was sie vor dem Menschen mal war.

So haben sich also die Fähigkeiten der Honigbiene und die Bedürfnisse des Menschen gemeinsam entwickelt. Mit allen Vor- und Nachteilen, die dieser Pakt mit sich bringt. Wie dem, dass die Honigbiene auf Honigertrag geprägt ist und wir ihr nicht wirklich etwas Gutes tun, sie damit ihrem Schicksal zu überlassen. Eine Milchkuh muss gemolken werden (bitte beachten Sie die Kommentare), ein Schaf geschoren, ein Kätzchen geimpft … alle Nutz- und Haustiere sind „auf Gedeih und Verderben“ mit dem Menschen verbandelt.

Das Rad zurückdrehen? Ja, tatsächlich wird das bereits in Teilen wieder versucht. Beispielsweise wird der Honigbiene der Putztrieb wieder zugestanden, „zu Lasten“ des Sammeltriebs. Diese Entwicklungen dauern jedoch Jahrzehnte, um nicht zu sagen, Jahrhunderte. Bis dahin müssen wir unsere Honigbienen entsprechend ihrer heutigen Form und Ausprägung pflegen, bis wir Besseres wissen und haben. Das sind wir ihr schuldig. Und die Honigentnahme gehört zur Pflege und Hege dazu.

Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen: Tolle Bienenwohnung und Pflege gegen Honig.

4. Die Sache mit dem Zuckerwasser

Nicht jedes Tröpfchen Honig wird entfernt, etliche Kilo (ca. 5-7) verbleiben im Brutraum, wo er – zusammen mit den Pollen – auch tatsächlich gebraucht wird. (Die Praxis des „Scharf-Abschleuderns“ wurde früher gepflegt, doch wir kennen das in unseren Imkerkreisen nicht mehr.) Der große Rest ist Überschuss und darf durchaus als Gabe der Natur angesehen werden. Warum aber gibt man ihnen Zuckerwasser im Herbst?

Der mit Hilfe von Enzymen im Honigmagen der Biene umgebaute Zucker (Saccharose) in Honig (Traubenzucker, Fruchtzucker) ist genau wie der aus Nektar umgebaute Honig (der noch ein paar Zuckerarten mehr enthält) ein Kohlehydrat und chemisch somit gleich.

Kohlehydrate brauchen Bienen im Winter lediglich als „HEIZMITTEL“, also damit sie sich durch kräftiges Zittern warm halten können. Diese Kohlehydrate müssen, ja, dürfen eben am besten nicht allzu nährstoffreich sein.
Als wertvolles NAHRUNGSMITTEL (!) zur Gesunderhaltung brauchen Bienen stattdessen den Polllen, der Fette, Eiweiß und Vitamine etc. enthält. Und der Pollen wird ja schließlich nicht entnommen. Wobei sich die künftigen Winterbienen im Herbst ein Fettpolster anlegen und den eingelagerten Pollen auch mehr im Frühjahr zur Aufzucht der Sommerbienen benötigen. Sobald es jedoch frischen Pollen gibt, verschmähen sie den alten.

Das Zuckerwasser betrifft übrigens nur die Winterbienen. Deren Aufgabe ist es, gesund zu bleiben, um die Königin zu wärmen und für einen guten Start durch Brutpflege des heranwachsenden Sommervolkes zu sorgen. Die nachfolgenden Sommerbienen haben sodann einen hohen Umsatz an Honig, den sie über den Nektar der Frühjahresblüher (beginnend mit Salweide und Krokussen) eintragen. Dieser Honig steht ihnen auch vollständig bis zur ersten Ernte zur Verfügung. Bei uns ist das nur einmal im Jahr, und zwar im Juli – es sei denn, es kommt zu einem Rapseintrag, dann muss sofort im Frühjahr geerntet werden, er wird sonst zu hart, d. h.,  er kristallisiert bereits in der Wabe und lässt sich nicht mehr herausschleudern.

Gut zu wissen: Im Honig, der in den Verkauf gelangt, sind keine aus dem winterlichen Zuckerwasser entstandenen Honige zu erwarten. Die Wintervorräte werden entweder durch die Winterbienen vollständig aufgebraucht, oder es werden die übriggebliebenen Winterfutterwaben mit Beginn des Frühjahres vom Imker entfernt. Der Grund ist, dass im Herbst mit Ameisensäure gegen die Varroa behandelt wird. Dieser Honig darf laut Honigverordnung nicht in den Verkehr gelangen.

5. Die Sache mit Einstein, oder: wenn es uns ALLEN gut gehen soll …

Ich hoffe, dass Sie trotz der Komplexität des Themas einen Eindruck gewinnen konnten, was es mit der Honigbiene auf sich hat. Da ist viel Halbwissen im Umlauf, welches auch von den Medien leider kolportiert wird. Genau so, wie das (angebliche) Einstein-Zitat nur symbolisch zu sehen ist. Denn Fakt ist, dass auch ohne Honigbiene kein Mensch sterben muss. Weder in vier noch in zehn Jahren. Er lebt bloß anders. Denn wäre es anders, hätte es im alten Amerika keine Menschen gegeben. Dort wurde die Honigbiene erst mit der Besiedelung durch die Europäer eingeführt.

Allerdings …

… stirbt die Honigbiene, so stirbt auch die Hoffnung auf ein einigermaßen gesundes, artenreiches Ökosystem. Denn eines dürfte klar sein: Geht es der (gut beobachtbaren) Honigbiene schlecht, so ist es das schrille Alarmsignal dafür, dass es allen anderen Insekten in einer kaputten Natur ebenfalls schlecht geht. Und in der Folge dürfte sich auch der Mensch nicht mehr allzu lange wohlfühlen. Da hilft uns auch keine globale Wirtschaft mehr, die uns Äpfel aus China und Gurken aus Neuseeland CO²-belastend anschippert oder -fliegt. Nicht nur deshalb ist die Honigbiene ein äußerst wertvoller „Naturzeiger“. Schützen wir sie, schützen wir auch uns.

6. „Ach, menno … ich weiß es immer noch nicht 1000-prozentig, will aber trotzdem helfen!“

Allen, die das mit dem Honig entnehmen jetzt nicht für sich abschließend beurteilen können oder möchten, sei fürs Erste empfohlen:

Machen Sie aus Ihrem Garten ein Insektenparadies. Pflanzen Sie alles, was Schmetterlinge, Wildbienen, Honigbienen, Ameisen, Käfer, … etc. lieben. Dann haben Sie viel für die Natur getan und müssen Ihr Gewissen nicht damit belasten, was nun richtig oder falsch ist. Das wäre schon sehr viel wert. Und allen geht es gut damit – auch Ihnen. Weitere Tipps auf unserer Seite „Wie helfen?“

Außerdem – lernen Sie das Imkern. Sie werden Einblick gewinnen in eine Welt, in der nicht nur die Honigbiene vorkommt, sondern auch die Rolle des Wetters, des Klimas, der Pflanzen, der Nahrungsmittel … die sie in ihrem komplexen Zusammenhang völlig neu beurteilen können. Und DANN entscheiden Sie sich erneut.

[Leicht ergänzt und korrigiert: 08.12.2017; Leicht überarbeitet am 22.07.2019; leicht korrigiert am 15.02.2020]

Honig schlecken frisch aus der Wabe

23 Gedanken zu „Antwort an Bienenunterstützer, die nicht selber imkern und auch keinen Honig ernten wollen

  1. Dieser Artikel war wirklich sehr aufschlussreich, danke!

    Allerdings haben Sie einen kleinen Fehler übersehen: Eine Milchkuh muss nicht gemolken werden. Eine Kuh produziert, wie jedes andere Säugetier – Einschließlich Mensch – nur Milch, wenn sie Nachwuchs hat. Würde man ihr nicht ihr Kind wegnehmen, wäre auch keine Milch mehr für den Menschen da. Aber nicht nur das, würde man dem Körper der Kuh durch tägliches melken nicht vorspielen er müsste weiter ein nicht vorhandenes Kälbchen versorgen, würde sie gar keine Milch mehr produzieren.
    Die Situation einer Milchkuh, die einfach nur von der Industrie ausgenutzt wird, ist also in keiner Weise mit der der Bienen zu vergleichen!

    Es würde mich freuen wenn Sie das zur Kenntnis nehmen und aufhören Lügen zu verbreiten.

    • Liebe Tierfreundin,
      das mit der Milchkuh hatte ich so noch nicht bedacht. Das ist richtig. Es ist allerdings noch lange kein Grund, zu schreiben, ich solle aufhöhren, Lügen zu verbreiten. Finden Sie nicht, dass der Ton die Musik macht? Es ist reichlich unverschämt und bösartig von Ihnen formuliert und dient keinesfalls einem respektvollen Austausch zwischen Tierliebhaberinnen. Dennoch habe ich Ihren Kommentar frei geschalten. Warum? Weil es mich freuen würde, wenn Sie beginnen würden, andere Menschen nicht feindlicher zu behandeln, als Sie es vermutlich Ihren Tiere gegenüber sind. Wir alle können irren, das habe ich immer wieder betont. Auch Sie können einmal irren. Und dann sind Sie vielleicht froh, wenn man Ihnen das nachsieht. Soeben geschehen – ich sehe es Ihnen nach. Mit freundlichen Grüßen. Bamberger Schulbiene

    • Es ging oben ja grade um den Fall, indem eine moderne Kuh Milch gibt. Für Hochleistungskühe sind das durchschnittlich 50 Liter am Tag. Ein Kälbchen säuft aber nur rund 10 Liter am Tag. Der Überschuss verschwindet nicht einfach, sondern muss gemolken werden. Das alles ist das Resultat jahrelanger Züchtungen und nicht wegzudiskutieren.

  2. Ich fand Ihren Artikel sehr interessant und auch die Antwort an die „Tierfreundin“. Das mit den Kühen ist so – leider, trotzdem bin ich Ihrer Meinung, man sollte sich austauschen und nicht gegenseitig angreifen – bringt keinen etwas! Was ich gerne noch anmerken möchte – auch Kätzchen müssen nicht zwingend geimpft werden. Das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme. Und Ihr Tipp mit dem naturnahen Garten oder den gezielten Pflanzen von geeigneten Blumen und Sträuchern finde ich super – sogar auf einem Balkon ist das im kleinen zu verwirklichen!
    Was mich noch interessieren würde – was ist eigentlich mit Wildbienen…? Kann man denen vielleicht im Garten einen besonderen Unterschlupf bieten?

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar, Frau Malterer.
      Das mit den Kätzchen ist zwar hier nicht das Forum für, doch ich hatte selbst 5 Kätzinnen, unbemerkt in einem Schuppen geboren, während ich im Urlaub war, und von daher auch ungeimpft. Die Mutter hat uns nicht rangelassen und wir wollten ihnen Stress ersparen. Nur mit Mühe bekamen wir sie dann handzahm. Das war wichtig, denn alle fünf hatten nach ein paar Monaten den gefürchteten Katzenschnupfen. Mit viel Geduld und homöopathischen Mitteln über 8 Wochen 2x am Tag mit allen Tricks verabreicht, konnten wir sie retten. Das ist nur meine Erfahrung, andere Erkenntnisse hierzu habe ich nicht.
      Nun aber zum eigentlichen Thema. Für die Wildbienen entsteht gerade der Bamberger Bienengarten. Damit möchten wir zeigen, was alles auch für Wildbienen getan werden kann. Wildbienen gibt es über 600 Arten, und viele brauchen ganz spezielle Blüten und Unterkünfte. Man kann sie nicht über einen Kamm scheren. Daher empfehlen wir, sich in der Literatur umzusehen. Leider gibt es eine ganze Reihe an unnützen Links. In unserem Artikel zum Wildbienenhotel-Projekt sind einige Links angegeben, denen sie vertrauen können. Wir können gerne auch Spezialisten benennen, die sich im Raum Bamberg damit auskennen und die man kontaktieren kann. Die kürzeste Antwort jedoch ist: Lassen Sie Ecken verwildern und unberüht, lassen Sie Totholz liegen, sandige Bodenstellen werden von der häufig vorkommenden Art der Sandbienen bevölkert, und vieles röhrenförmige, was Löchlein von 3-9 cm aufweist, wird gerne mit Brut belegt.
      Wichtige Botschaft: Honigbienen und Wildbienen kommen meist gut miteinander aus und ergänzen sich. Sie stellen in der Regel keine Konkurrenz zueinander dar. Nur: In Naturschutzgebieten sollten Honigbienen eher nicht oder doch nur maßvoll gehalten werden, keinesfalls in Nebenerwerbsbedarfsgröße.
      Danke für die Frage, es freut uns, dass Sie Interesse an diesem Thema haben!

  3. Vielen herzlichen Dank für diese Beiträge! Ich habe einen sehr grossen (ca.4000m2)
    Garten, der zu einem guten Teil wild ist und in das von Ihnen beschriebene Bild des
    optimalen Wildbienengartens passt! Schon seit langem träume ich davon, auch ein zu Hause für die Honigbiene zu schaffen, allerdings mit Fokus auf biologisch und bienenunterstützend! Eben auch mit dem Gedanken spielend, den Bienen ihren Honig
    zu lassen! Auf mehr als Gestammel zu dieser Frage bin ich allerdings-bis auf ihren Kommentar eben hier- bisher nicht gestoßen! Auch sehe ich mich bestärkt in meinem Vorhaben, einen Imkerkurs zu absolvieren bei dem ich schon angemeldet bin! Vielen Dank nochmals und alles Liebe

  4. Hallo Frau Munique,
    Ihre Informationen finde ich sehr hilfreich. Ich habe einen naturnahen „verwilderten“ Garten und beabsichtigte, dort Bienen ein Zuhause zu geben. Nach Ihrem Artikel sehe ich mich gezwungen, davon Abstand zu nehmen, da ich nicht imkern möchte.
    Dank für Ihre Info!
    Freundliche Grüße
    Hans Reiter

    • Hallo, Herr Reiter, danke für den Kommentar. Ich habe eine Verständnisfrage … was genau ist der Grund, warum Sie nun doch nicht imkern möchten? Viele Grüße, und zumindest den Wildbienen wird es in Ihrem Garten auf alle Fälle gefallen.

  5. Hallo Frau Munique,

    danke für diesen aufschlussreichen Artikel. Ich liebäugele auch mit einem Volk, habe aber großen Stress bei dem Gedanken, mich mit den Waben zu beschäftigen… Nun war das sehr interessant, zu lesen, das es sein, sollte, den Honig zu entnehmen. Beschäftige ich mich mit den Wildbienen, das ist auch viel. Sie haben hier schon viel Fläche und ich werde das weiter ausbauen. Bienen werden vielleicht doch noch etwas warten müssen.

    Beste Grüße aus dem Norden
    Die Gartenphilosophin

    • Liebe Gartenphilosophin, danke für Ihre Zeilen! Tiere zu halten bringt Verantwortung mit sich, ganz klar. Es gehört ein wenig Mut dazu. Doch die Natur zu unterstützen und den Wildbienen eine unberührte Heimat zu bieten heißt, der Natur ihren Lauf zu lassen und sozusagen „nichts zu tun“. Diese wertvolle Alternative zu unüberlegten Aktionismus zu wählen ist ebenfalls verantwortungsvoll. Mögen sich die Wildbienen bei Ihnen wie zu Hause fühlen! Und wenn die Zeit zur Imkerei gekommen ist, dann werden Sie es bestimmt nicht bereuen. Es ist einfach magisch. Herzlich Grüße aus dem Süden! Ilona

  6. Ich arbeite daran einen englischen Garten anzulegen; im Herbst 2017 hatte ich Kokons von Wildbienen (Rote + gehörnte Mauerbienen) bestellt und ich bin sehr froh, dass bis heute fast alle gesund und munter geschlüpft sind (Adresse für die Kokons: http://www.naturschutzcenter.de). Die mitbestellten Nisthölzer wurden ebenfalls von den Bienen sofort angenommen. Nun starte ich einen Versuch mit einem geflochtenen Bienenkorb und schaue einmal ob sich auch Honigbienen dort ansiedeln. Auch mir geht es weniger darum, Honig zu ernten, aber wenn Sie sagen, es sei sogar nützlich, einen Teil des Honigs zu entnehmen, würde ich das natürlich ausprobieren. Vielleicht werde ich Sie nochmals kontaktieren, falls es tatsächlich wahr werden würde und sich ein kleines Volk im Korb einnistete. Herzlichen Gruss, Walter Schnurr

    • Hallo, Herr Schnurr, es freut uns, dass Ihnen die Wildbienen so eine Freude bereiten. Ganz sicher liegt ihnen daher das Tierwohl am Herzen. Daher erlauben wir uns, Ihnen wegen des Bienenkorbes ein paar Zeilen mehr zu schreiben.

      Das Imkern mit einem Strohstülper sollten Sie sich noch einmal überlegen. Um Honigbienen gesund zu erhalten und gegen die Varroa zu behandeln eignen sie sich nicht sonderlich. Ebenso ist das Wabenmanagement erschwert, so dass die Gefahr von Seuchen, Viren und Pilzen hoch ist. Denn Waben gehören nach zwei Jahren ausgetauscht. Das lässt sich in einem Stülper nicht ohne Weiteres bewerkstelligen, denn das Volk müsste hierfür ausquartiert werden.
      Vermutlich möchten Sie auch keine Schwarmverhinderung betreiben? Dann ist die Gefahr für andere, gepflegte Bienenvölker hoch, dass sie durch verwilderte Schwärme ausgeräubert und dadurch geschwächt werden.

      Hierbei ist außerdem die Gefahr hoch, dass sie mit den ungepflegten, mit Sicherheit varroabesetzten Bienen in Kontakt geraten und sich somit anstecken. Der Spruch: „Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht“ träfe ins Schwarze.

      Wir raten unter den heutigen Rahmenbedingungen davon ab, Bienen in Stülpern zu beherrbergen, wenn zudem eine entsprechende imkerliche Erfahrung fehlt. Es mag „romantisch“ oder auch „natürlich“ anmuten, ist jedoch ein Sterben auf Raten, denn die Durchdringung mit Varroamilben ist garantiert. Sollten Sie dennoch den Versuch wagen wollen, denken Sie bitte daran, ihr Volk an das zuständige Veterinäramt zu melden.

      Erkundigen Sie sich vorab auch in den unabhängigen Bieneninstutituten, zum Beispiel in Celle. Dort kann man Ihnen sicherlich fachlichen Rat geben, denn die Heideimkerei war dort einmal zuhause. Dr. Werner von der Ohe gibt Ihnen sicherlich auch wichtige Informationen, falls Sie sich den Stülper nicht von uns haben ausreden lassen.

      Alles Gute für Ihre Schützlinge und für Sie!

  7. Hallo liebe Ilona, mit diesem Artikel sprichst (schreibst) du mir aus der Seele. Dafür wollte ich einfach mal danke sagen. Er ist fachlich richtig er ist direkt auf den Punkt bringend und er sagt das aus was wirklich vielen gestandenen Imkern auf die Nerven geht. Eigentlich müssten diese Zeilen so oft veröffentlicht werden, dass sie die angesprochenen „Bienenhelfer “ auch ereicht. Als anerkannter und zertifizierter Ausbilder von Hobbyimkern, habe ich in letzter Zeit sehr viel mit diesen Personenkreis zu tun. Es kommt nicht selten vor, dass ich der ein oder anderen Person mitteile, dass sie in meinen Grundkurs falsch ist und sie bitte, den Raum und den Kurs zu verlassen. So wurde ich erst kürzlich als Massentierhalter und Ausbeuter der Bienen beschimpft. Dabei kannte diese Person, noch nicht einmal den Unterschied zwischen unserer Honigbiene und einer Wespe. Wir befinden uns gerade in nicht so schönen Zeiten. Es ist nur zu hoffen, dass die Verbände und auch die Institute endlich mal etwas tun und ein wenig mehr Aufklärung in der Öffentlichkeit wahrnehmen. Viele Grüße aus dem Berliner Umland (Brandenburg) nach Bamberg. Henry

    • Hallo, Henry,
      danke für deinen Beitrag und deine geschätzte Zustimmung! Tja, wir sehen es als Teil unseres Jobs, unermüdlich und geduldig zu erklären, was Eltern, Schule und die Gesellschaft offenbar versäumt hatten. Nicht alle sind dafür aufgeschlossen, doch wer sich einsetzt, setzt sich nun mal aus. Auch werden nicht alle deinem Lob folgen – Danke sehr dafür! –, und schon gleich nicht den gesamten Text lesen. 😉 Daher hier in etwas komprimierter Form, mit der du, lieber Imkerkollege, sicherlich ebenfalls konform gehen würdest:

      1. Eine Honigbiene kann nur als Volk überleben. Die Masse ist also nicht vom Menschen gewollt, sondern biologisch bedingt.
      2. Ohne Honigbienen keine ausreichende Bestäubung der regionalen Kulturpflanzen.
      3. Ohne imkerliche Pflege keine Überlebenschance für die Honigbiene (Stichworte: Trachtlücken bzw. -not, Varroamilbe mit Folgeinfektionen, bienenschädliche Pflanzenschutzmittel)
      4. Imker benötigen im Minimum eine Reinvestition ihrer Anschaffungen. Das erreichen sie durch Honigverkauf, wenngleich sie diesen meistens weit unter dem tatsächlichen Wert veräußern. Ohne Honig keine Imkerei, also Bienenpflege.
      5. Im Herbst wird ein Teil (!) des Honigs entnommen und durch Zucker ausgeglichen, der zum Teil sogar besser vertragen wird als (wie beim Waldhonig) zu mineralstoffreicher Honig, der über den Winter zu Durchfall führen kann, ergo zu Krankheiten im Stock, da erst bei Flugwetter über 10°C abgekotet werden kann.

      Fazit: So lautet denn die logische Formel: Honigbiene + Imker + Honig = Obst, Gemüse, Beeren und Zukunftssicherung.

      Übrigens: Dieser Beitrag ist unter den 10 am häufigsten angeklickten Beiträgen unseres Blogs. Das lässt hoffen …!
      Herzliche Grüße! Ilona

  8. Hallo Ilona, vielen dank für ihren Beitrag. Er war sehr aufschlussreich und hat mir viele Fragen beantwortet. Einige zweifel habe ich jedoch immer noch.
    Ich ernähre mich vollständig vegan, kann mich aber bei dem Kauf von Honig nicht vollständig entscheiden.
    Sie schildern in ihrem Beitrag wie Honig nur vom Imker genutzt wird und so zu sagen „Überschuss“ ist. Bei industriellen Lebensmittel sieht das alles doch ganz anders aus. Meine Frage wäre wie die Bienenhaltung solcher Produkte aussieht, in meiner Vorstellung steht bei solchen Produkten der Profit und nicht das Wohl der Biene im Vordergrund und die Begriffe wie Massenhaltung und Ausbeuten des Tieres treffen doch zu.
    Nach ihrem Beitrag bin ich jetzt etwas verwirrt, meine Quellen habe ich von https://www.peta.de/honig
    Als ich diesen Beitrag gelesen habe war ich sehr abgeneigt weiterhin Honig zu kaufen. Nur widersprechen einige Punkte des Beitrags, die ich eigentlich als sehr glaubhaft empfunden habe ihren Schilderungen.
    Ich selbe plane schon länger Imker zu werden, nur beschäftigen mich diese ganzen Punkte noch und ich Frage mich, tue ich der Natur und den Bienen damit überhaupt etwas gutes, oder dient es nur mir und meinem Interesse.
    Lg Janosch

    • Lieber Janosch, vielen Dank für Ihre Fragen und Ihr Interesse. Unsere Antwort finden Sie auf einem eigenen Weblogbeitrag. Wir hoffen, etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben. „Schlimmstenfalls“ entstehen jetzt bei Ihnen neue Fragen. Aber das ist völlig normal, wenn es um die Bienenwelt geht. Da hört das Fragen und auch das Sich-Wundern niemals auf! 😉
      Herzliche Grüße! Ilona

  9. Pingback: Antwort an einen Veganer, der sich nicht sicher, ob er als Imker den Bienen etwas Gutes tut | bienen-leben-in-bamberg.de

  10. Ganz tolle Informationen bekam ich hier, denn ich dachte auch, noch etwas mehr für Honigbienen tun zu können.
    Auf 1600 qm, nie gedüngtem und zur Hälfte nur einheimischen Bäumen (Weiden, Traubenkirsche Ahorn, Birke Berberitze u.v.m), mit einem mittigen Bereich von ca .300 qm Feuchtbiotop und ca 20 qm Totholzhaufen, Nistkästen und Insektenhäusern, der sonstige Bereich von 2 Ponies oft begrast, wo es noch nie zu Insektenplagen kam, dachte ich an…Honigbienen.
    Aber mein Sohn kennt einen Imker. Wenn der ein Volk hier mal aufstellen wollte, wäre es wahrscheinlich die allerbeste Lösung.
    vielen Dank für die Tips und Hinweisse.

    • Na, das freut uns doch sehr! Mit Honigbienen kann man kaum etwas falsch machen. Außer vielleicht, sie direkt in Naturschutzgebiete zu setzen. Da sollte man Rücksprach mit der Unteren Naturschutzbehörde halten.
      Wegen der Birke und der Traubenkirsche … da verhalten sich Honigbienen eher zurückhaltend. Doch Weide, Ahorn und Berberitze lieben sie durchaus. Und viele Wildbienen stehen auf Totholz. Wir wünschen schöne Erfahrungen mit den neuen Mitbewohner/innen!

  11. Hallo Frau Munique, vielen Dank für ihren sehr informativen Beitrag! Ich bin bei meiner Recherche über Imkerei auf eine innovative Art der Honiggewinnung gestoßen zu der ich gerne ihre professionelle Meinung hören würde. Es handelt sich um eine Erfindung aus Australien, die es ermöglicht den Honig auf völlig andere Art aus dem Stock zu entnehmen und so das Hobby Imkern extrem zu vereinfachen. Auf YouTube und im Internet findet man die Erfindung unter „flowhive“
    Ich wäre überaus dankbar für ihre Antwort!
    MfG Susanne Heer.

    • Liebe Frau Heer,
      Mellifera hat die Diskussion unserer Meinung nach sehr gut abgebildet und viele Meinungen zu Wort kommen lassen.
      https://www.mellifera.de/blog/mellifera-blog/flow-hive.html

      Wir persönlich möchten, dass unser Honig auf natürliche Weise in Wachswaben und nicht in Plastikwaben reift. Überhaupt versuchen wir doch, möglichst der Natur nicht zu sehr ins Handwerk zu pfuschen. Waben sind überaus kunstfertige Gebilde, die auch Geschmack an den Honig abgeben und ihn mit natürlichen Wirkstoffen bereichern. Das kann Plastik niemals, und wenn, eher gegenteilig. Im Honig sind Säuren enthalten, von denen wir uns gut vorstellen könnten, dass sie etwas aus dem Plastik herauslösen zu vermögen. Probieren Sie einen Honig einmal mit einem Plastiklöffel und dann mit einem Porzellanlöffel. Sie werden einen Unterschied feststellen, obowhl der Kontakt von Honig zu Material nur wenige Sekunden dauert.
      Von Seiten der Bienen aus kann man nur mutmaßen, solange noch keine Forschungsdaten vorliegen. Und selbst dann ist es nur ein messbarer Effekt, niemals jedoch der Komplexität der Bienenwelt annähernd gerecht werdend. Diesem vorgreifend müssen wir also die Phantasie und unseren „gesunden Menschenverstand“ zuhilfe nehmen. Der stellt sich vor, dass ein unflexibles, großes Stück stilles, seltsam riechendes Plastik wie ein merkwürdiger Fremdkörper wirken muss, im Gegensatz zum aus körpereigenen Substanzen gewonnenes, lebendig wirkendes und gut duftendes Wachs. Beim Wachsernten mal zehn Minuten gestört zu werden dürfte weniger etwas ausmachen, als sich mit einem Allien in der Wohnung zwangsarrangieren zu müssen.
      Ehrlich, mich würde es gruseln. Zwar eher unwahrscheinlich, dass Bienen eine Gänsehaut kriegen können. Aber ich selbst würde es gedanklich nicht ertragen wollen, sie mit so etwas Unnatürlichem auszustatten. Ja, es gibt auch Styroporbeuten, und das käme für uns ebenfalls nicht in Frage. Doch die würden wenigstens nicht direkt mit dem natürlichsten Ur-Produkt der Welt, wie es nun mal der Honig ist, in Berührung kommen.

      Fazit: Unsere professionelle Meinung ist keine professionelle, weil wissenschaftsgestützte Antwort, sondern „nur“ eine Meinung, die an dieser Erfindung den echten Nutzen für Biene und Menschen vermisst und sie für im besten Fall komplett überflüssig erklärt, sie im schlimmsten Fall als unerquicklich für das Volk wie für die Qualität des Honigs hält.

      Danke für die Anfrage, wir hoffen, sie hat ein wenig zur eigenen Meinungsfindung beitragen können! Süße Grüße!

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