„Wir alle wollen leben!“ – eine Notfall-Fibel für Mensch, Wespe, Hornisse, Honigbiene und Wildbiene

BienenstreichelnGanz klar. Mensch & Tier sind Lebewesen, die schützenswert sind. Ihnen ohne Not den Garaus zu machen ist selten etwas, was wir uns allzu leicht machen – zumindest gehe ich einmal davon aus. Und die meisten, die es dann doch tun (müssen), überlassen es auch lieber anderen, also den Jäger/innen, Schlächter/innen, Soldat/innen oder Kammerjäger/innen, etc. Oder gar der „Bamberger Schulbiene“?!?!

Bamberger Schulbiene hält Bienenwabe hoch

Die „Bamberger Schulbiene“ Ilona Munique von „Bienen-leben-in-Bamberg.de“

Zumindest traut man ihr zu, dass sie das „richtige“ Urteil fällen wird, wenn es um die Beseitung von Wespen-, Hornissen-, Honigbienen-, Hummeln- und Wildbienennestern geht.

Reinhold kehrt die Bienenflucht von den restlichen Bienen abNun, die „Bamberger Schulbiene“ bzw. die Initiative „Bienen-leben-in-Bamberg.de“ – also wir zwei, Ilona Munique und Reinhold Burger – sind zwar durchaus Ansprechparter in Sachen Honigbiene, doch alle anderen geflügelten Mitbewohner unseres schönen Planeten haben eigene Spezialisten, die sich fachgerecht um sie kümmern.

Hier zunächst die überregionale Datenbank „Hymenoptera“ mit Spezialisten für Hautflügler.

Aufgrund der sich häufenden Nachfragen – oftmals über Facebook, wo es ja immer ratz-fatz mit der Antwort gehen soll – hier eine Zusammenstellung von Dienstleistern und Vorgaben speziell für alle Anfragenden aus und in der Bamberger Region, die sich verantwortlich benehmen möchten, auch, obwohl sie vielleicht an einer Insektengiftunverträglichkeit bzw. Allergie leiden oder schlicht Panikgefühle empfinden.

Eine Schwellung nach einem Bienenstich muss nicht zwangsläufig eine Allergie bedeuten

Nicht schön, aber verging nach 3 Tagen. Meine Immunisierung erhöht sich von Stich zu Stich.

Gut zu wissen: die meisten Allergien sind lediglich starke Schwellungen, die am dritten Tag erst so richtig sauweh tun können, wenn das Gift in unseren verzärtelten, naturfernen Körpern abgebaut wird.
Echte Allergien mit Todesfolge sind allerdings die Ausnahme. Wer jedoch meint, er sei ein „Todeskandidat“, sollte das unbedingt abklären und Gegenmittel mit sich tragen. Wir jedenfalls nehmen euch immer ernst, egal, ob ihr ein Attest habt oder nicht …

Eine Betroffene, die wir dazu befragten, schrieb: „In meinem Notfallset sind drei Medikamente drin. Sie sind auch nur ein Jahr haltbar und müssen dann neu gekauft werden – ca. € 125 €. Enthalten sind ein Antiallergikum, Kortison (Celestamine) und eine Adrenalinspritze (Fastjekt)“. Andere berichteten von der guten Wirkung hoher Dosen Calcium.

Unser Tipp, um starke Schwellungen zu verhindern: Wir schwören auf „Apis mellifica C30“, nach einem Stich sofort einnehmen, anfangs alle 10-15 Minuten etwa 5 Globuli, nach etwa 5 Gaben stündlich. Andere pressen eine Zwiebel auf die Einstichstelle. Kühlen tut gut. Manchmal aber sogar das Gegenteil. Im Wechsel heißes und kaltes Wasser lenkt vom eigentlichen Schmerzgefühl ab.

Was tun bei unerwünschten Wespen, Hornissen, Honigbienen, Wildbienen?

Grundsätzlich gilt: Weder Feuerwehr, Imker oder Privatleute dürfen diese Tiere stören, also auch nicht umsiedeln oder gar töten!

Zuständig für den richtigen Umgang sind die Unteren Naturschutzbehörden einer Stadt oder im Landkreis. Sie haben speziell geschulte Mitarbeiter/innen.
Ansprechpartner finden Sie:

Außerdem steht im Falle von notwendiger Umsiedelung oder (was meist vermeidbar ist) Tötung von Hautflüglern, geschützten Wespenarten und Hornissen ein Antragsformular (PDF) (https://www.stadt.bamberg.de/media/custom/332_7857_1.PDF) bereit (Antrag auf artenschutzrechliche Genehmigung bzw. Befreiung von den Bestimmungen des § 42 i.V.m § 43 Abs. 8 Bundesnaturschutzgesetz …).

Aktionen wie Umsiedeln oder (hoffentlich nicht!) Tötungsabsichten

ZBiene und Fliege traut vereintunächst wäre es klasse, wenn ihr genau wisst, um welche Spezies es sich handelt – Biene oder Wespe oder was?

Macht ein Foto, wenn ihr euch nicht sicher seid, oder versucht, sie genau zu beschreiben: Farbe (grellgelb, braun, dunkel …), Form (tailliert, dicker Popo, Länge, Größe, …), Benehmen (ruhig, Zick-zack-Flug, aufgeregt, dunkel brummend, …), Position und Form des Nestes (Baum, Erde, dunkle Ecke …), die Menge … na, einfach mal genau hinsehen. Wer schlechte Augen hat braucht sich nicht zu schämen, wenn er eine Biene mit einer Fliege verwechselt hat, manchmal foppen uns die Tierchen ja auch mit ihrer Mimikry.

WESPEN (Vespinae) und HORNISSEN (Vespa crabro)

Foto: Baldhur at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

Echte Wespe / Foto: By Baldhur at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

Nur zwei von acht bei uns heimischen, staatenbildenden Wespenarten – die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe – finden Süßes, Fleischiges und Obstiges auf unseren Tellern sehr lecker. Viele andere Wespenarten leben solitär oder parasitär, tauchen also nicht in Horden auf. Bei frei hängenden oder im Haus befindlichen Nestern (ja, ganz richtig!) geht man sich einfach möglichst aus dem Weg. Die Plage geht eher von Nestern in dunklen Höhlen aus. Immer aber gilt: KEINE hektischen Bewegungen!

Ist das Wespennest noch sehr klein, etwa Tischtennisballgroß und hat man es noch sehr früh im Jahr, also April/Mai entdeckt, dann lässt es sich ohne schlechtes Gewissen noch entfernen. Lesen Sie bei „Aktion Wespenschutz“, wie Sie die Königin dabei retten. (http://www.aktion-wespenschutz.de/Interaktive%20Hilfe/FAQ/09-Golfballgrosses%20Nest/Golfballgrosses%20Wespennest.htm)

Fast immer erreichbar ist der Wespennotdienstler Konrad Bauer, Bamberg, T. 0171-6566707. Er ist hauptberuflich bei der Feuerwehr, doch die darf eigentlich gar nicht mehr wegen sowas ausrücken. Er tut’s dennoch, wenngleich nebenberuflich. Wobei er auch andere Hautflügler (bevorzugt) rettet statt zu töten, wie er mir zusicherte.

Wer wissen will, ob er gegen das Gesetz verstößt, weil WESPEN-Arten, die unter Naturschutz stehen, durch Umsiedelung/Tötung gestört werden, kann vorher Dr. Jürgen Gerdes, Sozial- und Umweltreferat der Stadt Bamberg, zu Rate ziehen, der sie zu unterscheiden weiß: T. 0951 / 87-1728.

Wobei klar sein sollte, dass auch nicht ausdrücklich unter Schutz stehende Wespen nützlich und schützenswert sind. Den Antrag zur „Befreiung“ (Artenschutzrechtliche Genehmigng … https://www.stadt.bamberg.de/media/custom/332_7857_1.PDF hat Konrad Bauer mit im Rettungsgepäck dabei.

Hornisse

„Vespa crabro 80708“ von Accipiter (R. Altenkamp, Berlin) – Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 3.0 über Wikimedia Commons

Spezialist für Hornissen ist der Imker Kilian Wächtler in Schlüsselfeld, der auch bei der Stadt Bamberg unter Vertrag steht und ebenfalls einen weiten Aktionsradius hat. T. 09552-7920. Weitere Infos auf der Webseite „Artenschutz in Franken / Steigerwald“ (http://www.artenschutz-steigerwald.de/index.php?lang=de).

Der Wespen- und Hornissenblog „Beekarma“ trägt viel dazu bei, diesen nicht immer so geliebten Artgenossen eine ganz neue Wertschätzung entgegenzubringen – einfach tolle Fotos, Berichte und Infos.

Ebenso empfehlenswert die sehr informative Webseite vom NABU – Umgang mit Wespen und Hornissen, mit 20 handfesten „Tipps für ein gedeihliches Miteinander“.

Auf der Seite Naturschutz – Hornissen stellt das Landratsamt Bamberg eine Broschüre bereit: https://www.landkreis-bamberg.de/loadDocument.phtml?ObjSvrID=1633&ObjID=335&ObjLa=1&Ext=PDF)

[Aktualis. 2.2.16] Ein cooler Trick zur Vorbeugung von Nestbau ist es angeblich, einen Papierball in Nestform als Attrappe aufhängen. Eure Erfahrungen dürft ihr selbst damit machen, klingt jedoch genial und nachvollziehbar.

HONIGBIENEN (Apis mellifera)

Bienenscharmtraube auf AhornastIhr habt einen Schwarm entdeckt? Meist hängt die dicke Traube voller Bienen stunden- oder auch mal tagelang an einem Ast. Doch auch Friedhofslampen können als Zwischenstation attraktiv sein, bevor sich das Jungvolk eine endgültige Bleibe (etwa in einem hölzernen Hohlkörper, z. B. einem Bierfass) entscheidet. ENTWARNUNG – nie ist ein Honigbienenvolk friedlicher als zu diesem Zeitpunkt! Freut euch also unbesorgt an seinem Anblick – und dann holt eine/n Imker/in aus eurer Umgebung, die/der den Schwarm zu sich nimmt und ordentlich pflegt.

Ihr findet Imkeradressen z. B. in der Broschüre „Essen & Trinken aus der Region Bamberg – Verkaufsstellenverzeichns 2014/15“ (https://www.stadt.bamberg.de/media/custom/332_8717_1.PDF?1391763661) oder ruft an bei einem der bayerischen Imkervereine.

Zu Bienen in Bäckereien siehe Eintrag vom 20.07.2015.

Honigbiene mit PollenhöschenÜrigens: wer Honigbenen selbst einfängt und im Wald aussetzt, rettet sie nur vermeintlich. Ohne imkerliche Pflege gegen die nicht ausrottbare asiatische Varroamilbe und anderer Krankheiten ist ein Honigbienenvolk unweigerlich über kurz oder lang verloren. Von der Gefahr der Reinvasion gepflegter Bienenvölker mit der Milbe, gegen die sich unsere westliche Honigbiene evolutionsbedingt noch nicht zu wehren vermag, ganz zu Schweigen. Das wollt ihr nicht wirklich …

Da es jedoch generell immer weniger Imker gibt, die mehrere Völker halten und das Durchschnittsalter in Bayern bei 64 (aktualisiert 2015 bei 59) Jahren liegt, könntet ihr Probleme bekommen, auf die Schnelle einen Imker zu finden. Das ist einer der Gründe, warum es die Bamberger Schulbiene gibt … sie klärt auf und wirbt um Imkernachwuchs. Echt bitter nötig!

Tja, und wie steht’s ist mit DIR?!

Dieses Jahr gab’s außerdem auch noch einen Engpass beim Materialnachschub, da das Schwarmverhalten in Deutschland außerordentlich hoch war und jeder plötzlich noch Bienenwohnungen (Beuten) kaufte. Wir bunkern fürs nächste Jahr schon mal vor … unsere Bienenpatenschaften machen’s möglich!

WILDBIENEN (Apoidea)

Wildbiene / Rotpelzige Sandbiene Foto: Jeffdelonge at Wikimedia

Wildbiene, hier die Rotpelzige Sandbiene  / Foto: Jeffdelonge at Wikimedia

Wildbienen können sehr unterschiedlich aussehen. Und es sind KEINE wilden Bienen, also keine ausgewilderte oder verwilderte Honigbienen, sondern eine EIGENE Bienenart.

Wildbienen sind solitär (also einzeln) lebend und auch nicht staatenbildend wie die Honigbiene. Von daher sind sie nicht in Massen auftretend. Sie lebt oft in der Erde oder in altem Holz. Einfach in Ruhe lassen, sie sticht nur in äußerster und direkter Bedrängnis. Wildbienen umzusiedeln, die manchmal nahe beieinander wohnen, ist zwar u. U. möglich, aber unnötig. Wenn doch, s. u. WESPEN und HORNISSEN.

Einen ungestörten restlichen Sommer mit euren natürlichen Nachbarn wünschen wir allen und mit „süßen Grüßen“! Eure Initiative „Bienen-leben-in-Bamberg.de“

Aktualisierung: 04.07.2017

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