Rezension zu Bellmann: „Welches Insekt ist das?“

Cover zu Bellmann: Welches Insekt ist das? KosmosWer Bienen zu seinen erklärten Lieblingen zählt, interessiert sich über kurz oder lang auch für ihre Verwandten und „Pflanzenmitbewerbern“. Die Insektenwelt Europas erschließt seit vielen Jahren der promovierte Bio- und Zoologe, Heiko Bellmann, (nicht nur) für den Kosmos-Verlag. Der in 3. Auflage neu erschienene Naturführer „Welches Insekt ist das?“ wartet mit über 200 bildschönen Fotos von 400 Insektenarten auf, sehr übersichtlich mit je vier Arten auf je einer Doppelseite. Die Fotos sind z. T. mit Beschriftungen zu besonderen Erkennungsmerkmalen ergänzt. Weitere Detailaufnahmen wie beispielsweise von Kopf, Augen oder dem Leuchtorgan der Glühwürmchen lassen staunen. Beschrieben werden das Vorkommen der jeweiligen Art und in Stichworten Prägnantes zur Larve.

Hübsche Burschen, gefährliche Damen

Außerdem sind die augenfälligsten Unterscheidungsmerkmale von Männlein und Weiblein jeder Art im Vergleich abgebildet. Wie viele sicher wissen, sind die Burschen im Tierreich ja häufig viel hübscher, die Weibchen hingegen meist eher unscheinbar, dafür „gefährlicher“. Denken wir an die stechfreudigen Schnaken. Sucht man diesen Begriff allerdings im Register, welches den deutschen sowie den wisssenschaftlichen Namen im Alphabet ineinander ordnet, dann wird man, hm, tja, erst einmal nicht fündig.

Da wäre es schon gut, zu wissen, dass es sich hierbei um einen Vertreter der Zweiflügler handelt und kann sodann näheres zu den verschiedenen Schnakenarten (z. B. Holz-, Kohl-, Schneeschnake oder gemeine Stechmücke etc.) im grau gekennzeichneten Hauptteil erhalten.

Ordnung im System

Der handliche Führer ist nämlich mittels bunter Balken nach einem Farbcode in Ordnungen (zoologische Rangstufen) sortiert, die die Unterarten von z. B. Libellen, Käfer, Hautflügler oder Schmetterlinge etc. zusammenfasst. 31 dieser Ordnungen gibt es, wobei diese auf lediglich 9 Farben aufgeteilt werden. Klingt kompliziert, doch erschließt sich das durchaus, wenn man das Bestimmungsbuch erst mal in Händen hält. Ehrlich gesagt … der Insektenkosmos ist ja wohl wirklich das Komplizierteste in der Welt der Tiere, von den Virenstrukturen mal abgesehen … ne, ich will jetzt mal nicht schon wieder auf Corona hinaus 😉

Ziel und Zweck

Also keine Bange – Verwirrung ist nicht Ziel des Buches, sondern bestimmt das Gegenteil davon. Daher erfasst es auch nicht die vollständige Insektenwelt, das wäre denn doch zu viel des Guten. So wurden Arten, die ohnehin nur Spezialisten bestimmen können, weitgehend außen vor gelassen. Kriterium der Auswahl war es auch, dass sich das gefundene Insekt gut nach Fotos bestimmen lässt.

Es ist tatsächlich sehr unterhaltsam, sich einfach nur die Fotos anzusehen, die außergewöhnlich gut gelungen bzw. ausgewählt sind. Und das erste, wenige Seiten lange Kapitel zu Körperbau und Entwicklung ist wikipediaähnlich für Laien geschrieben und gut verständlich. Wer mehr wissen möchte, kann sich (nicht nur diesen) zugehörigen Erklärfilm im Internet ansehen.

Praxiseinsatz

Für den Praxiseinsatz ist es ohnehin ratsam, sich zunächst mit den Merkmalen der Insektenordnungen vertraut zu machen. Die dafür formulierten Beschreibungen, die dem Hauptteil vorangehen, sind kurz und bündig, daher sehr gut verständlich und mit je einem Foto einer Beispielart versehen. Eine Strichzeichnung des entsprechenden Beispiel-Insektenkörpers hilft durch seine aufs Wesentliche reduzierte Veranschaulichung zu einer allerersten Bestimmung. Wer also ein wenig Konzentration auf diesen Zeichencode verwendet, kommt am weitesten.

Diese Zeichnungen sind nämlich auch den im Hauptteil beschriebenen Porträts beigefügt. Im praktischen Einsatz sah das auf der grünen Wiese bei mir also folgendermaßen aus:

Ich erblicke ein Insekt, merke mir seine Grundform von oben gesehen (z. B. länglicher Körper, lange Fühler, keine abgestreckten Flügel sichtbar, zwei kurze Arme und Haxen), blättere in Art eines Daumenkinos durch die Seiten und stoppe im farbcodierten Kapitel bei der optisch entsprechenden Art.

Danach heißt es, sich auf gut Glück „durchzuzappen“, bis eines der supertollen Fotos auf das Fundobjekt passt. Bei mir war es die (grün codierte) Heuschrecke (ab S. 42), im Besonderen der „Nachtigall-Grashüpfer“. Oder vielleicht doch der „Braune Grashüpfer“? Die etwas schwierig zu erkennenden Unterschiede sind zwar ausführlich beschrieben, doch würde ich dazu das Pendant benötigen.

Egal – interessant fand ich den Hinweis, dass der Gesang jenes Nachtigall-Grashüpfers – so er es denn ist – ein „kurzer Schmettervers“ wäre (daher wohl der Name), der „zur typischen Geräuschkulisse einer sommerlichen Trockenwiese gehört“. Nun, auf eben so einer lag ich schließlich, insofern dürfte er es doch gewesen sein. Und nun lausche ich intensiver hinein in den Sommer und verblüffe meine Begleitung, indem ich trocken konstatiere: „Ah, die Kuckucks-Heuschrecke ruft!“

Das Haar in der Suppe, oder: Kritik zum Schluss

Ach ja, um zum Schluss zu kommen … im mehrfach gefältelten Umschlagteil findet sich in einer dadurch herausgestellten Beschreibung die Honigbiene wieder, mit Fotos des Entwicklungsstadien der Larve. Zur dort vorgefundenen Seitenangabe geblättert lese ich (mit Imkeraugen!) die knappe Beschreibung und finde natürlich prompt ein „Haar in der Suppe“. Dort nämlich steht u. a.:

„Im Frühjahr entstehen Drohnen, die männlichen Bienen, deren einzige Aufgabe in der Befruchtung der gleichzeitig schlüpfenden neuen Königin besteht.“

Nun ja, die Drohnen schlüpfen natürlich bereits vorher und auch laufend, so dass sich streng genommen ein „gemeinsamer Zeitpunkt“ nur im Sinne eines längeren Zeitraums ergibt. Außerdem begatten die Drohnen eines selben Volkes niemals ihre eigene Königin, sondern sammeln sich an Drohnenplätzen, um Königinnen anderer Völker zu beglücken. Doch wer über Bienen schreibt, muss schon sehr viel mehr Platz haben, als es in diesem Bestimmungsbuch möglich ist, die Knappheit lässt nicht allzu viel Raum für Spitzfindigkeiten – es sei denn, sie dienen der Beschreibung der jeweiligen Art, da wird das Buch doch sehr viel mehr ausführlich. Und das ist gut so, denn das ist ja sein Ziel: Zu bestimmen, nicht übermäßig zu belehren.

Empfehlung

Also, ich kann den neuen Insektenführer guten Gewissens empfehlen, und je mehr wir unsere Augen für diese unfassbar großartige und vielfältige Welt erfahren, desto mehr werden wir sie achten und hoffentlich auch pfleglich behandeln! Oder wie wir von der Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de immer so schön sagen: „Denn was man kennt, schützt man.“
Zeit, den Naturführer zur Insektenwelt näher kennenzulernen! Kaufen!


Welches Insekt ist das? Kosmos-Naturführer. Über 450 Insekten Europas. Extra: Mit Kosmos-Erklärfilmen zur einfacherne Bestimmung / Heiko Bellmann. Stutttgart : Kosmos. 2020. ISBN 978-3-440-16447-1


Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Honigernte an der Sternwarte 2020 mit Bienenpaten

Der Honigerntetag an der Sternwarte am 17.07. mit unseren Bienenpaten Stefan Schneider und Anton Hepple mit Gattin Walburga begann reichlich trüb und frisch, doch mit zunehmender Aufheiterung, nicht zuletzt des schönen Anlasses wegen. Auch heuer ernteten wir leider ohne Studierende, die der Coronapandemie wegen aus dem  Homeoffice heraus in die Sterne blicken.

Unser Blick in den Kosmos der Bienen fand hingegen auf dem weitgehend naturbelassenen Gelände der Dr.-Remeis-Sternwarte statt. Die großen Wiesen werden erfreulicherweise nur noch wenig gemäht und ziehen daher immer mehr Insekten an. In der trachtarmen Zeit ab Juli dienen sie damit auch unseren Bienen als unmittelbare Nahrungsquelle.Biene an Großblütiger Königskerze (Verbascum densiflorum)

Anton, der seine Bienenpatenschaft im Februar von der Kollegenschaft des Amts für ländliche Entwicklung zur Pensionierung erhielt, hatte bislang noch keine unmittelbare Erfahrung mit der Imkerei. Hingegen waren seiner Frau doch einige Hintergründe noch aus ihrer Jugendzeit bekannt. Stefan war somit der „alte Hase“ der Dreiergruppe, denn er ist bereits seit Dezember 2017 ein Bienenpate und nahm auch schon einmal an unseren Honigschleudertagen teil. Das Imkern möchte der frischgebackene Vater auf alle Fälle erlernen, das hat er schon länger vor.

Egal, ob mit oder Erfahrung – alle durften selbst Hand anlegen und ernteten innerhalb einer Stunde insgesamt 43 Honigrähmchen aus den beiden Patenbeuten von Michael Alt (Pate von 2013 bis Mai 2020) und Lis Bischof. Den schweren Schatz brachten wir Dank dem von Bienenpatin Gabi ausgeliehenen Auto zum Obstmarkt zur weiteren Verabeitung. Dazu mehr im nächsten Bericht.

Fotogalerie Ernte Bamberger Lagenhonig, Lage „Berggebiet / Sternwarte“

Ernte in den Buger Wiesen 2020 mit Bienenpaten

Reinhold zeigt Honigwabe mit ansitzenden BienenReinhold öffnete Patenbeute von FeeMit unseren Bienenpat(inn)en Gabi Loskarn, Klaus Wilke und Lara Kronet nebst Birgit und Christian als weitere Gäste zogen wir in die Buger Wiesen, um bei angenehm mäßigen Temperaturen und nicht ganz so angenehmen Corona-Sicherheitsmaßnahmen die Bienenpatenvölker von Felicitas Prenzel, Ina Kudlich und Elisabeth Burger zu beernten.

Nach dem prophylaktischen Einsprühen mit Nelkenöl, um Insekten – und damit meinen wir eher nicht die Bienen selbst! – davon abzuhalten, unsere wenigen unbedeckten Hautstellen zu ihrem Landeplatz zu erklären, erläuterte Reinhold den Aufbau der Bienenwohnungen und das Prozedere des Smokerentfachens für den Erntevorgang.

Gäste ernten Honigwaben.Gäste ernten Honigwaben.Gabi, unsere frisch gebackene Jungimkerin, brauchte man nicht mehr viel erklären, wohingehend alle anderen noch keine bis wenig Erfahrung in Sachen Bienenhaltung mitbrachten. So war es gut, dass die am Vortag eingelegten Bienenfluchten für relativ unbesetzte Honigräume gesorgt hatten. Die wenigen noch im obersten Stockwerk der Bienenwohnung befindlichen Bienen wurden mit raschen Strichen mittels Abkehrbesen vor das Flugloch gekehrt.

Das Entfernen der Bienenfluchten erledigte Reinhold erst am Ende, und dabei wurde allen klar: Ja, so ein Bienenstock hat viele, seeeeeehr viele Bewohnerinnen! Den fleißigen Majas wird es aber an nichts fehlen, denn natürlich lassen wir einiges an Honig zurück und füttern in Kürze wieder ein. Danke, Bienen!

 

Und Dank Gabis Vehikel konnten wir die schweren Behältnisse problemlos nach Hause zum Obstmarkt 10 fahren, wo der kostbare Inhalt der weiteren Bearbeitung zugeführt werden wird. Wie aus der Ernte der Lage „Buger Wiesen“ ein original „Bamberger Lagenhonig“ wird, dazu mehr im nächsten Beitrag!

Blühwiesen in den Buger Wiesen, Phazelia und Buchweizen

Fotogalerie Ernte Buger Wiesen

Stand der Insektenwelt in Bayern ein Jahr nach dem Volksbegehren „Artenvielfalt“ 2019

Unter dem Fragezeichen „Biologische Vielfalt in Bayern?“ fand am 07.07.2020 ein Online-Kurs des LBV mit drei Referierenden statt. Unter dem Titel „Wie geht es der Insektenwelt in Bayern?“ berichtete der LBV-Artenschützer Andreas Segerer und Spezialist vor allem in Sachen Schmetterlinge auf den derzeitigen Stand ein, und zwar ein Jahr nach dem Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Biene“.

Schmetterling "Kleiner Fuchs" an DoldenblüteWir hörten mal rein und notierten uns folgende Stichworte:

33.000 Insekenarten sind in Bayern bekannt

Zitiert wurde aus dem Ergebnis der überregional bekannt gewordenen Krefelder Studie More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas“.

Das weltweite Insektensterben belegen übereinstimmend über 80 Studien

Etwa 41% der Arten sind im Rückgang begriffen

Die Rote Liste der Tiere Bayerns von 2003, wurde 2016 aktualisiert – was durchaus als aktuell gilt, denn diese Updates sind sehr zeitaufwändig

Insekten gelten als megadivers, nur wenige Arten sind gut erforscht. Schmetterlinge sind als Bioindikatoren international anerkannt.

3.000 Schmetterlingsarten finden sich in Bayern, das sind 90% der deutschen Arten, die auf etwa einem Fünftel der Fläche von Deutschland leben – was an sich ja ein schöner Befund ist.

In einer Studie 2016 wurde von der Münchner Entomologische Gesellschaft ein Referenzkatalog der Schmetterlinge Bayerns erstellt. Diese besagt, dass lediglich 10% der Arten keinen abnehmenden Bestand aufweisen.

Doch das Artensterben beschleunigt sich, ebenso die Menge, die 3-10-mal weniger beträgt als in früheren Jahrzehnten. Leider sind auch Naturschutzgebiete davon betroffen.

Beispielsweise war der Schmetterling namens Gammaeule im 21. Jh. ein allgemein häufiger Ubiquist und findet sich heute nur noch vereinzelt. Ebenso die Violettbraune Kapseleule, von der der Insektenspezialist Segerer in seinen 43 Jahren lediglich 16 Beobachtungen verzeichnen konnte. Dennoch sind die beiden genannten Arten NICHT nicht auf der Roten Liste. Selbst „Allerweltsarten“ wie der Braune Bär und der Kleine Weinschwärmer sind massiv vom Rückgang betroffen im Kontext früherer Jahrhunderte.

Denn es handelt sich um einen typischen Fall einer „Shifting Baseline“, die zu der Frage führt: Wie häufig sind für uns heute „häufige Arten“?

Innerhalb der letzten 20 Jahren sind mehr Arten verschwunden als in den 200 Jahren zuvor.

Schmetterling "Faulbaum-Bläuling" an KirschlorbeerGründe für den Artenrückgang

  • Stark rückläufig sind Biotoptypen, die für Insekten exentiell sind.
  • Monokultur, Flächenfraß, Inselcharakter von Biotopen, Eintrag von chemischen Mitteln, Pestizideinsatz, … alles Gründe für Insektensterben.
  • „In einem begrenzten System ist kein unbegrenztes Wachstum möglich“ (alte Binsenweisheit)

Was kann getan werden? Segerer rät:

  • Jeder Einzelne kann etwas tun
  • Sie können selbst in einem kleinen Garten viel Natur haben
  • Unser Konsumverhalten, was wir kaufen und essen, entscheidet, wie die Natur um uns herum aussieht, ihr Charakter, die Artenvielfalt
  • Mit einem Tempolimit auf Autobahnen beispielsweise kann indirekt Einfluss auf den Klimawandel genommen werden
  • Wenn Sie wählen, fragen Sie, wie es mit dem Artenschutz aussieht
  • Politiker, Verwaltung, Bürgermeister/innen darum bitten, z. B. Straßenränder nicht mehr zu mulchen
  • Unterstützen Sie den LBV, der stärker wird bei vielen Mitgliedern

Eine Gastfrage: Wie problematisch ist Mahd?

  • AW Andreas Segerer

Artenreichen Blumenwiesen entstehen auch durch Mahd. Das erste Mal Ende Juni um Johanni, das zweite Mal im September.

Früher wurde die Mahd schonend per Hand durchgeführt, also extensiv, und als Parzellenmahd, also einfach einige Streifen versetzt mähen.

Intensive, häufige (5-7-fache) Mahd von Wiesen schreddern Insekten, viele sind mahdempfindlich, nur Ankerpflanzen überwintern, Stickstoffdünger wird eingebracht, was schädlich für die Artenvielfalt ist.

  • AW Sophia Engel

Viele Bodenbrüter werden mechanisch durch das Mähen geschädigt. Braunkehlchen leben in extensiv bewirtschafteten Wiesen. Zeitpunkt, wenn gebrütet wird, ist für Mahd sehr ungeeignet.

Gastfrage: Können wir das Artensterben aufhalten oder den Rückgang aufhalten?

  • AW Norbert Schäffer

Die Bilanz ist negativ, doch ein Umdenken hat stattgefunden. Das Volksbegehren Artenvielfalt war ein schöner Anzeiger. Wir stehen deutlich besser da als vor einem Jahr.

So lauten die Schlussfolgerungen

Insektensterben bedeutet „Habitatsterben“. Biotopschutzverordnung statt Artenschutzverordnung, also eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise, sprich: ein Wandel im System.

 


Vorschau / Ankündigungstext

17.7.2020, 20.00 Uhr, Endveranstaltung „Volksbegehren und seine Umsetzung

LBV, info [at] lbv [dot] de

Was im Naturschutz schon lange Grund zur Sorge ist, wurde durch das erfolgreiche Volksbegehren zur Artenvielfalt vielen Menschen deutlich: Die biologische Vielfalt in Bayern ist in Gefahr!

Bei diesem Online-Vortragsabend wird grundlegend aufgezeigt, was mit biologischer Vielfalt genau gemeint ist. Dann nehmen wir den Zustand der Vogel- und Insektenwelt mit den Expert*innen Dr. Andreas Segerer und Dr. Sophia Engel genau unter die Lupe.

Über den Chat können alle Teilnehmenden Fragen stellen, die im Anschluss beantwortet werden.

Ablauf:

  • 19.00 Uhr Begrüßung durch Moderator Matthias Luy
  • 19.05 Uhr Kurzvortrag Dr. Norbert Schäffer: Was ist biologische Vielfalt?
  • 19.15 Uhr Dr. Sophia Engel: Wie geht es der Vogelwelt in Bayern?
  • 19.35 Uhr Dr. Andreas Segerer: Wie geht es der Insektenwelt in Bayern?
  • 19.55 Uhr Teilnehmer*innen-Fragen

Form: Online-Fachvortrag

Zeit: 19.00 – 20.30 Uhr

Hier geht’s zum Online-Vortrag (Live ab 19 Uhr per Microsoft Teams, keine Anmeldung nötig!)

 

STADTRADELN, Team „Bienen-leben-in-Bamberg.de“, Ergebnisse und Einsichten

Unsere 13 Teammitglieder von „Bienen-leben-in-Bamberg.de“ strampelten sich 3 Wochen lang beim STADTRADELN 2020 ab, um auf Rang 30 (Stand 05.07.2020 um Mitternacht*) unter den 94 gemeldeten Bamberger Teams zu kommen. Tolles Mittelfeld, wie wir finden! Und noch besser: Wir konnten damit über 400 Kilo CO2 vermeiden! Etwa die Hälfte, die ein Jumbo-Jet, die Boeing B 747, während der Startphase ausstößt.
(Ich weiß nicht, ob mich das nun aufbaut oder eher doch etwas frustriert?!)

1. Team-Platz

Wobei die meisten auch ohne diese Challenge geradelt wären, zum Beispiel unser Gruppensieger, Bienenpate Bernd Pillipp, der als Lehrer täglich von Bamberg nach Forchheim radelt(e) und somit 740,2 Kilometer zusammen bekam – wow!
Anja hat es hingegen viel zu nahe an ihre Schule, als dass sie mit ihrem Gatten hier hätte mithalten können. Doch natürlich war jeder einzelne Kilometer ausschlaggebend für unser Teamgesamtergebnis!

2. Team-Platz

Den 2. Platz in unserem Team erreichte Hans Zirkel, ebenfalls Bienenpate, mit 414 Kilometern auf seinem Handbike. Seine potenziellen Bestzeiten mögen ja urlaubsbedingt nicht erreicht worden sein – immerhin war er jahrelang Teilnehmer zu Marathon-Veranstaltungen. Doch uns Popostramplern nötigt das großen Respekt ab! Give you Five!

3. Team-Platz

Mit 361 Kilometern erstrampelte sich Martin Bloeß den 3. Platz. Den 1. Platz hat er ja bereits schon mal eingenommen, und zwar als Gewinner des Bienenstadt-Bamberg-Umweltpreises 2019! Und mit seiner Dauerblühwiese in Bughof ist ihm ein Dauerpreis ohnehin sicher – er darf sich, zusammen mit seiner ebenfalls im Team radelnden Gattin Tanja, an den vielen, vielen Bienen, Schmetterlingen und Insekten erfreuen, die den Hof an der Galgenfuhr umschwirren!

Unsere weiteren Teammitglieder

Unsere hupende bzw. quietschende Fahrrad-BienenDie viertplatzierte Bienenpatin Michaela Brehm, hat uns ihre 260 Arbeitsfahrt-Kilometer netterweise von München aus zugeschanzt. Da sie Bambergerin ist, war ihr das auch ein Anliegen. Sie nahm über eine lange Zeit den 3. Platz ein, bevor uns Hans mit seinen Werten überraschend beglückte – das möchten wir nicht unerwähnt lassen.

Leonhard Weingärtner, der vor seiner Pensionierung ganz sicherlich für „Team Stadt Bamberg“ (übrigens toller Rang 6 im BA-Gesamtergebnis) mitgeradelt wäre, nun aber als Imkerkollege unserem Bienen-Team seine 182 Kilometer schenkte, war von Anfang an „mein“ (also Ilonas) persönliches Zugpferd, an das ich mich ranhängte.

Noemi Dezsi, Jung-Imkerin aus unserem AK20-Kurs und Bienenpatin Gabriele Loskarn aus dem AK19-er-Kurs lagen mit knapp 80 Kilometer sehr nah beieinander. Und eine weitere Imkerkurslerin, Yaneth Klein-Barthelmes sowie Bienenpatin Rita Bender, füllten mit ihren Kilometern freudig die insgesamt 2.740 zählende Strecke auf, die von Bamberg bis nach Wolgograd oder Casablanca reichen würde.

Radtour in die Fränkische Schweiz während des STADTRADELNS 2020Einsichten zum Klimaschutz

Team-Captain Reinhold Burger (Platz 5) war vor allem gespannt, wie viele Kilometer er tatsächlich so zusammen radelt, um unsere 8 Bienenstandorte zu pflegen. Abzüglich eines Fränkischen-Schweiz-Ausfluges von 33 Kilometer Länge waren es 182,8 Kilometer. Hochgerechnet aufs Bienenjahr und damit auf rund 7 Monate sind das 1.680 Kilometer, also eine Kohlendioxid-Einsparung von rund 273 Kg bzw. nach mittlerweile 9 aktiven Imkerjahren rund 2,5 Tonnen CO2. Zur Einordnung:

Zwei Tonnen Kohlendioxid jährlich pro Kopf [und Jahr] – das ist die Richtschnur, an die wir uns halten müssen, wenn wir Umwelt und Klima auch für kommende Generationen schützen wollen. In Deutschland verursacht jeder Mensch zurzeit durchschnittlich 12,5 Tonnen. (Greenpeace)

Kein Auto zu haben ist auf alle Fälle ein Gewinn für die Umwelt und daher ein fester Bestandteil unserer Imkerphilosophie.

Dreckige Hände vom Fahrrad reparierenAch ja, und die Blogschreiberin Ilona war schließlich auch noch beteiligt und hat es in das Team-Mittelfeld auf Platz 7 bei 146,5 Kilometer geschafft. Für jemanden, der 1000-mal lieber zu Fuß wandert als Rad zu fahren, durchaus ein Achtungserfolg. Zumal das über 20 Jahre alte 200-Euro-billige Aldi-City-Rad justament in der 3. Woche reparaturbedürftig wurde. Reinholds Longus Competition 2000 ereilte das gleiche Schicksal und es war äußerst mühselig, für den geliebten Oldtimer Ersatzteile zu beschaffen.

STADTRADELN 2020, Bamberg Ergebnisliste Erstplatzierte und Rangeinordnung für unser Team "Bienen-leben-in-Bamberg.de"Trotz dieser kleinen Irritationen … es hat uns riesen Spaß gemacht, in und trotz Coronazeiten endlich wieder etwas gemeinsam mit unseren Bienenfreund(inn)en zu unternehmen und wir würden das glatt im nächsten Jahr erneut wagen! Vielen herzlichen Dank fürs Teilnehmen, Ihr Lieben alle!

Und zum Schluss: Gratulation an die Bamberger-Bestplatzierten #TEAMGREEN, DJK Teutonia Gaustadt, Team Brose und das Kaiser-Heinrich-Gymnasium! Klasse Leistungen!


* Nachtragungen sind zwar noch bis 12.07. möglich. Allerdings beschlossen wir, unsere Ergebnisse so zu kommunizieren, wie wir sie zum  o. g. Zeitpunkt erfasst hatten, und gut ist.

Alles, was Bunt ist … Bamberger Bienengarten

Haben wir’s bereits zu bunt getrieben mit unserer Serie? Wir hoffen, euch macht die Vielfalt des Blütenlebens im Bamberger Bienengarten noch genau so viel Freude wie uns. Den Bienen und anderen Insekten ist es eher einerlei, wenn sich eine Blüte nicht für eine eindeutige Farbe entscheiden kann. Meist war es das züchterische Maß, welches sich einen Spaß erlaubt hat. Apropos … viel Spaß mit allen Farben und Formen, die ihr im Erba-Park (nicht nur) bei uns entdeckt!  Biene an Rosa Paul Gauguin

Biene an Rosa 'The Lark Ascending"

Wildbiene Langhornbiene (Eucera nigrescens) an Geflecktem LungenkrautMittagsblumenKokardenblume (Gaillardia x grandiflora)Großblumiges Mädchenauge (Coreopsis grandiflora) 'Sonnenkind'Tripmadam, Sedum reflexum mit LavendelBiene an Osterei, von EmilSitzbank vor der Schwengelpumpe im Bamberger BienengartenBlühwieseBlühwiese im Bamberger Bienengarten an der Bienen-InfoWabeBotanische Pflanzenschilder aus dem Bamberger Bienengarten

Alles, was Rosa ist … Bamberger Bienengarten

Wochenende! In Bamberg pures Vergnügen. Genießt unsere Pflanzen- und Insektenwelt auf der Erba-Insel! Alle Informationen zu allen (nicht nur rosafarbenen) Pflanzen des Bamberger Bienengartens findet ihr unter dem Link. Habt Freude!

          Gartensalbei (Salvia nemorosa 'Pink Friesland'Muskatellersalbei (Salvia sclarea)Rosa 'The Ladys Blush'  Rosa 'Fighting Temeraire'Biene an ApfelbaumblüteArmeria maritiam, GrasnelkeArmeria maritiam, GrasnelkeSchau-Staudenbeet 2 im Bamberger BienengartenBiene an Mariendistel (Silybum marianum)Distel und Wiesensalbei in BlühwieseBiene an ZitronenthymianWildbiene an Schmalblättrigem-Sonnenhut (Echinacea pallida)Centaurea scabiosa Skabiosen – FlockenblumeRoter Sonnenhut – Echinacea purpureaBiene an rose Herbstaster

STADTRADELN 2020 – mit Team „Bienen-leben-in-Bamberg.de“!

Reinholds kürzlich geplatzter Hinterreifen ist gerade noch rechtzeitig zum Termin ersetzt. Denn seit dieser Woche ist STADTRADELN gestartet, und wir sind mit dabei!

Noch sind wir ein kleines Team, aber vielleicht habt ihr ja Lust, euch uns anzuschließen. Jeder Kilometer, den ihr bis zum 05.07. unter der Kommune Bamberg (anderswo geht’s bis zum 31.10.) eingetragen habt, zählt. Es gibt ausschließlich Gewinner. Und einer gewinnt ganz besonders dabei, nämlich unser Klima!

Ilona in Buger Wiesen mit dem Rad

Ablegertransport vor dem Bamberger Altes RathausAlles, was ihr machen müsst, ist, euch zu registrieren. Dann wählt ihr aus der Teamliste „Bienen-leben-in-Bamberg.de“ und schon seid ihr nicht mehr alleine am Pedale treten. Wir sind hier nicht die großen Racer, zudem noch klassisch ohne Pedelec unterwegs. Aber wenn wir Bienenpflege an unseren Bienen-Standorten betreiben, natürlich laut unserer Imkerphilosophie eben CO2-frei, dann kommen schon ein paar Kilometer zusammen. Bei euch ist es vielleicht nur die Fahrt zum Bäcker, bei anderen wie unserem Bienenpaten Bernd die Schulfahrt von Bamberg nach Forchheim (!).

Maskottchen SaBiene in Buger Wiesen auf RadDer Kilometerstand wird unter den Kommunen Deutschlands ermittelt und mündet in eine Challenge bzw. in die Hall of Fame. Welche Kommune hat die fleißigsten Radler/innen?

Wie, wer und mit was auch immer … habt Spaß am Teamradeln und kommt unfallfrei an eure Ziele!

Euer STADTRADEL-Team bzw. – wie Anja uns bezeichnet, euer kleines „Radl-Insekten-Hotel“ –

„Bienen-leben-in-Bamberg.de“

Auf Balkonien – haufenweise gern gesehene Flugäste

Hummel an Hängepolsterglockenblume Zwischen dem baumarktinspirierten nachbarlichen Abschottungsversuch auf der rechten Seite und einem sehr schön gestalteten Balkon zur Linken wetteifern unsere mehrjährigen Balkonpflanzen in denkbar suboptimaler, da vollsonniger Lage um die Gunst der Insektenwelt. Mitten in der Stadt Bamberg, unweit des berühmten Alten Rathauses und auf wenigen Quadratmetern im 3. Stock könnte man hier zum Insektenspezialisten werden. [Hier eine Bestimmunghilfe des NABU]

Neben den üblichen Ameisen, Blattläusen und Fliegen landen auf Akelei, Hängeglockenblume, Löwenmäulchen, Ziersalbei, Erdbeeren, Lavendel, Minze, Kerbel, Rosmarin, Schnittlauch, Ysop und Zitronenmelisse etliche Honigbienen sowie verschiedene kleine und große Wildbienen und Wespen. Einige Hummel-, leider aber nur wenige Schmetterlingsarten lassen sich benennen. Des öfteren brummt die große, blauschwarze Holzbiene herum oder surrt das zarte Taubenschwänzchen ruckartig vor und zurück, leider weniger oft finden sich die heimischen roten Marienkäfer ein. Doch sogar Libellen hatten wir schon gesichtet und einmal einen Maikäfer. Was das langsame Dahin-Siechen einer Topfpflanze erklärte, deren Wurzeln in den drei Jahren der Larvenzeit, also des Egerlings, abgenagt wurde. Das hat man davon, wenn man Bio kauft 😉

Kein Wunder, dass wir auch ein klasse Anlaufbalkon für Vögel und Fledermäuse sind.

Nur schön, nicht nützlich, aber mit Bleiberecht

Derweil haben wir fürs menschliche Augenglück sogar eine bei Bienenfreunden geächtete Forsythie stehen. Und nein, es ist leider keine ‘Beatrix Farrand’, die immerhin etwas Pollen und Nektar anbieten würde.

Ebenso genießt der bereits über 25 Jahre zählende Oleanderbusch ein Bleiberecht. Er muss mittlerweile nicht einmal mehr auf den Dachboden, so warm sind unsere Winter (nicht nur) hier im Bamberger Becken geworden. Er kann nur schön und giftig sein und mit seinen tief liegenden, kaum erreichbaren Nektarinen eventuell dem Taubenschwänzchen dienen – oder einem Insekt, welches wir nicht identifizieren konnten. Aber er war ein Geschenk, und das noch vor unseren Imkerzeiten.

Wer so viel für Bienen tut wie wir, der muss sich für ein paar „nutzlose“ Pflanzen wirklich nicht schämen. Langweilig wird es uns, siehe oben, dennoch nicht. Und falls doch einmal, dann gehen wir einfach in unseren Bamberger Bienengarten mit seinen Hunderten von bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen. Dort haben wir auch coronatauglichen Platz für menschliche Gäste, im Gegensatz auf unseren nur 1,11 Meter tiefen, dafür immerhin 6 Meter langen Balkon. Sehen wir uns dort?!

 

Antwort an einen Veganer, der sich nicht sicher, ob er als Imker den Bienen etwas Gutes tut

Hallo Ilona, vielen dank für ihren Beitrag. Er war sehr aufschlussreich und hat mir viele Fragen beantwortet. Einige Zweifel habe ich jedoch immer noch.
Ich ernähre mich vollständig vegan, kann mich aber bei dem Kauf von Honig nicht vollständig entscheiden.
Sie schildern in ihrem Beitrag wie Honig nur vom Imker genutzt wird und so zu sagen „Überschuss“ ist. Bei industriellen Lebensmittel sieht das alles doch ganz anders aus. Meine Frage wäre wie die Bienenhaltung solcher Produkte aussieht, in meiner Vorstellung steht bei solchen Produkten der Profit und nicht das Wohl der Biene im Vordergrund und die Begriffe wie Massenhaltung und Ausbeuten des Tieres treffen doch zu.
Nach ihrem Beitrag bin ich jetzt etwas verwirrt, meine Quellen habe ich von https://www.peta.de/honig
Als ich diesen Beitrag gelesen habe war ich sehr abgeneigt weiterhin Honig zu kaufen. Nur widersprechen einige Punkte des Beitrags, die ich eigentlich als sehr glaubhaft empfunden habe ihren Schilderungen.
Ich selbe plane schon länger Imker zu werden, nur beschäftigen mich diese ganzen Punkte noch und ich Frage mich, tue ich der Natur und den Bienen damit überhaupt etwas gutes, oder dient es nur mir und meinem Interesse.
Lg Janosch

[Den Anlass zur Frage finden Sie im Kommentar unter dem Beitrag „Antwort an Bienenunterstützer, die nicht selber imkern und auch keinen Honig ernten“]

Biene in ApfelbaumblüteHallo, Janosch,

solange wir leben, werden Zweifel unser Leben bestimmen und warten wir umsonst auf die alles umfassende, die „einzig richtige“ Antwort. Suchen Sie weiterhin danach und bleiben Sie beweglich im Denken und Handeln, das sich aus immer wieder neuen Rahmenbedingungen und Lebensalterspezifischem speist. Wählen Sie die Quellen zur Information sorgfältig aus, denen Sie vertrauen möchten. Manches klingt zu schön oder auch zu simpel, um wahr zu sein. Manches ist kompliziert und es entsteht eine Frage nach der anderen, fühlt sich aber nach einem guten Weg an. Aus der Mischung daraus entsteht das eigene Modell des Lebens, und niemand kann sagen, ob SIE oder ICH das richtige haben. Es ist eines von vielen, vielen Tausenden, und ich maße mir nicht an, Ihnen in wenigen Zeilen eine ultimative Antwort auf Ihre wichtigen Fragen zu geben. Dies als Vorspann.

Konkret zu dieser Ihrer Frage:

„Bei industriellen Lebensmittel sieht das alles doch ganz anders aus. Meine Frage wäre wie die Bienenhaltung solcher Produkte aussieht, in meiner Vorstellung steht bei solchen Produkten der Profit und nicht das Wohl der Biene im Vordergrund und die Begriffe wie Massenhaltung und Ausbeuten des Tieres treffen doch zu.“

Unsere Antwort:

Profit zu machen ist per se nicht falsch. Denn davon werden z. B. Arbeitsplätze geschaffen und Familien unterhalten. Tatsächlich geht es wohl eher um Profitgier, die eigenes Wohl über das der anderen stellt. Zu Ihrer Beruhigung: Im imkerlichen Bereich findet das im größeren Stil hier in Deutschland so gut wie nicht statt. Die unterschiedlichen Weisen, Bienen zu halten, lassen sich aber nicht über einen Kamm scheren.
Unsere Erfahrung ist, dass Imker/innen ihre Bienen und ihr durchaus körperlich riskantes Tun lieben und alles tun, um nicht vor einem toten Volk trauern zu müssen, das sie mit aufmerksamen Fleiß gepflegt und über die Jahreszeiten hinweg begleitet haben. Eine regelrechte Industrie gibt es in Deutschland – von wenigen Großimkereien abgesehen – nicht. Und auch die großen Imkereien müssen sich an Regeln halten, die z. B. Antibiotika verbietet.

Imker – davon 90% Hobbyimker – decken 20% des deutschen Honigbedarfs

Insofern haben es andere Kontinente bzw. Länder „leichter“. Sie dürfen z. B. Medikamente verabreichen, können dafür mehr Arbeitszeit für mehr Völker aufbieten und sättigen somit auch den Bedarf in Deutschland, den wir als Hobbyimker – und das sind immerhin mehr als 90% aller Imker – zu 80% nicht bedienen können. Würden wir mehr verantwortungsvolle Imker in Deutschland haben, dann wäre der Absatz aus China oder Südamerika hier ein geringerer und wir würden nicht die „Schuldigen“ sein, dass dort fragwürdige Praktiken in Großimkereien existieren können. Wobei ich nicht sagen will, dass jeglicher ausländische Honig auf unlautere Praktiken beruht! Es gibt wie überall gute und weniger gute Absichten.

Also: Ja, industriell anmutende Imkereien mit zu vielen Völkern auf zu engem Raum gibt es tatsächlich auf der Welt. Man nennt es „Massierte Völkerhaltung“, was allerdings nicht die Masse innerhalb eines einzelnen Volkes – im Sommer bis zu 50.000 Bienen – bedeutet! Die ist nämlich ganz normal und naturgegeben. Auch finden immer wieder quälend-langen Trachtfahren z. B. quer durch die USA zu Massentrachten (Stichwort: Kalifornische Mandelfelder, Apfelblüte in Washington etc.) statt. Ebenfalls werden Medikamente wie Antibiotika verabreicht, die bei uns in Deutschland nicht erlaubt sind.

Hier bei uns ist man von all diesen Methoden doch sehr „weit weg davon“. Aber ein Stück weit dennoch auch verantwortlich dafür, dass diese Art von Haltung existiert, da wir deren billigeren Honig kaufen.

Ausbeutung?! Ja und Nein.

Ausbeuten? Hm. Eine Biene an sich lässt sich nicht ausbeuten. Sie lebt ihr Ding und tut, was ihr ihre Gene und Hormone vorschreiben. Bienen tragen so viel ein, wie sie finden und so lange sie wollen und können. Einzig, dass die Volksentwicklung gesteuert werden kann. Im positiven Sinne beispielsweise, indem man dem Volk ein bequemes, auf ihre Bedürfnisse – (wobei da viel Forschungsarbeit schon geschehen ist und immer noch geschieht, wie genau diese aussehen) – zugeschnittenes Zuhause anbietet, um so eine Win-win-Situation zu erreichen, was die Bestäubungsleistung und – für manchen ist das mehr oder auch weniger interessant – den Honig anbelangt.

Ausbeuten tun sich hier in Deutschland aber tatsächlich die Imker/innen selbst. Sie verdienen praktisch kaum etwas am Honig, und diejenigen, die es zum Familie ernähren als Geschäftsmodell machen, verdienen das Meiste an Nebenleistungen wie Kurse und Führungen, Wabenverkauf oder spezielle Serviceleistungen für andere Imker (z. B. Wachsumarbeitung), am Bücherverkauf etc.

Weil die Deutschen zwar für teuren ausländischen Manukahonig oder Mandelmus oder Chia-Samen etc. bereit sind viel Geld auszugeben, nicht jedoch den regionalen Imker/innen ihren Honig für einen anständigen, ehrlichen Preis abnehmen. 500g müssten, um alle Betriebsausgaben auszugleichen bei gleichzeitiger bester Bienenpflege, schätzungsweise mindestens 20 Euro kosten. Doch nein, da es im Supermarkt Honig „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ gibt, der Tests zufolge in Wahrheit aus durchaus bis zu 99% chinesischem Honig bestehen kann, wird unser regionaler Honig keine Chance haben und somit auch zu keinem Massenprodukt werden können.

Auch hohe Völkeranzahlen können anständig gehalten werden

Aber auch 500 Völker können anständig gehalten werden, wären die Abnehmer/innen bereit, den entsprechenden Preis dafür zu zahlen. In Österreich existiert tatsächlich ein Großbetrieb mit um die 10.000 Völker, pro Stand etwa 15 – 20 Völker, betreut von mehreren Imkermeistern UND bio-zertifiziert. Als Massenhaltung könnte es tituliert werden, doch als Massenausbeutung würde ich das nicht bezeichnen. Fahrlässig ist es nur, wenn zu viele Völker auf einem Standort dicht nebeneinander stehen. Ein unkontrollierter Ausbruch von Faulbrut würde einem solchen Betrieb schnell zum Verhängnis.

Doch eine Massenhaltung von Völker an nur einem begrenzten Standort ist in Deutschland kaum möglich bzw. wird nicht oft praktiziert. Eventuell wenige Wochen lang bei Wanderimkereien, um einen bestimmten Sortenhonig (z. B. Akazie oder Linde) zu erhalten. Und sobald ein Seuchenfall (meist die Amerikanische Faulbrut) auftritt, darf kein Volk ins Sperrgebiet aus- oder eingebracht werden. Die Imkerei würde sehr schnell in ihrer Existenz bedroht und kann einpacken. Denn Sperrgebiete bestehen oft jahrelang, da gemeinhin Veterinärärzt(inn)e(n) keinen großen Ehrgeiz daran setzen, die (von ihrer Sicht aus) „Mini-Betriebe“ schnell wieder ins Laufen zu bringen. Rinderwahnsinn, Schweine- oder Geflügelpest etc. vernichten noch viel gewichtigere Existenzen, da geht es um weitaus höhere Beträge. Auf diesen liegt denn auch ihr Hauptaugenmerk, denn sie kommen eh schon nicht herum in den chronisch unterbesetzten Ämtern.

Vermeidungshaltung

Daher werden es Imker/innen tunlichst vermeiden, dass ihren Völkern etwas zustößt. Dabei helfen ehrenamtliche (!!!) Bienensachverständige und Gesundheitswarte (so wie z. B. Reinhold), dass evtl. auftretende Krankheiten und Seuchen (die nicht zwangsweise mit Massentierhaltung zu tun haben, das kann immer auch einfach so passieren, die Sporen oder Bakterien sind nun mal da und befallen unsere Tiere wie uns Menschen ein Grippevirus) schnell wieder eingedämmt werden.
Die Vermehrung eines Volkes ist nicht eben mal schnell geschehen, sondern dauert ein gutes Jahr, um wieder zu einem sogenannten „Wirtschaftsvolk“ zu werden, also Honig übrig zu haben. Warum also sollte ein/e Imker/in auch in Großbetrieben nicht ihr Bestes tun, um die Völker gesund zu erhalten? In anderen Ländern mag das anders sein. Da sind aber die viel geringeren Lohnkosten die Möglichkeit, anderweitig einzusparen und größere Verluste in Kauf zu nehmen.

Ihre Frage:

„… und ich Frage mich, tue ich der Natur und den Bienen damit überhaupt etwas gutes, oder dient es nur mir und meinem Interesse.“

Unsere Antwort:

Ja, wir tun den Honigbienen etwas Gutes, wenn wir sie verantwortungsbewusst halten, pflegen und ihnen somit ihr Überleben in unserem industriell (über)prägten gemeinsamen Lebensraum zu sichern. Den Honig dabei als kleine Gegengabe zu ernten ist absolut nicht das Problem.

Das Überleben aller sichern

Und Ja, wir sichern außerdem auch ihren Cousinen, den Wildbienen, sowie anderen Insekten das Überleben. Denn ohne Imker/innen wäre die Not dieser kleinen Wilden kaum groß aufgefallen. So ziemlich alle Imker/innen kümmern sich auch – direkt und indirekt – um diese Spezies. Sie werden meist nicht nur zur Honigbiene befragt, sondern – zumindest uns geht es so – ebenfalls zu Wildbienen. Daher informieren wir ganz automatisch auch zu Wildbienen udn was man tun kann, um sie zu schützen. Imker/innen arbeiten ebenso auf eine geringere Pestizidbelastung hin und allgemein auf blühende (urbane) Landschaften. Das nutzt ALLEN Insekten!

Ohne Imker/innen hätte es z. B. kein erfolgreiches Volksbegehren „Rettet die Biene – Artenvielfalt“ in Bamberg gegeben. Wir sind einfach sehr, sehr nah dran an der Natur. Ohne unsere Beobachtungsleistung, unseren Beschützerinstinkt, unsere Freude an den Vorgängen der Natur, ohne Begeisterung für alles, was da fliegt und bestäubt, gäbe es schließlich nicht die Lobbyarbeit, die allen Insekten zu Gute kommt.

Wir brauchen aber auch die Wissenschaftler/innen, die sich in ihre Versuche vergraben und an ihrem Platz Großes leisten. Es sind jedoch (u. a.) oft die Hobbyimker/innen, die sich Gehör verschaffen und auf die Straße gehen. Und dies sicher nicht aus der Gefahr heraus, dass ihre Lebensgrundlage wegbricht, sondern in der Sorge um ein jahrmillionenaltes und ihnen anvertrautes Geschöpf namens Biene, die ihnen am Herzen liegt.

Uraltes Handwerk zwischen Erde und Himmel

Über viele Jahrtausende gab und gibt es bereits Imker/innen. Sie haben mit Honig und Wachs das Leben der Menschen, die im übrigen ja auch zur Natur gehören, erleichtert. Wachs spendete kontrollierbares Licht, half zusammen mit Honig gegen Krankheiten, Honig diente zur Haltbarmachung von Speisen und das Überleben des kalten, kargen Winters, wurde als wertvoller Wachsstock jeder Brautausstattung beigelegt … Wir modernen Imker/innen stehen in einer unglaublich langen Kette von Bienenhalter/innen, die bis in die Frühzeit des Menschen zurück reicht, als eine der ältesten Berufe der Menschheit, der hoch geachtet war, mit der Erlaubnis, Waffen zu tragen und eigener Gerichtsbarkeit, mit Dank überschüttet und dem auch heute noch geltenden verbrieften Recht, unbehelligt in jedermanns Garten steigen zu dürfen, um die kostbaren Schwärme einzufangen. Doch wen kümmert’s heute?! Damit kommen wir zum Schluss …

Wen kümmert’s heute?!

Wen kümmert’s, wenn es keine von Imker/innen gepflegte und gehegte Honigbienen mehr gibt? Wenn es nicht mehr wie gewohnt im Apfelbaum summt und es still wird über der Wiese? SIE als Veganer sind ein Ernährungsexperte. Beantworten SIE es sich selbst:

Werden Veganer/innen, Vegetarier/innen, Flexitarier/innen … weiterhin mit gutem Gewissen leidlich satt, ohne auf von weit her herangekarrte, verschiffte, eingeflogene oder unter fragwürdigen Umstände hergestellte Lebensmittel zurückgreifen zu müssen?

Ich persönlich vermute: Ja, wir werden einfach mehr windbestäubte Ware wie Mais oder Getreide essen. Denn wir Menschen sind unglaublich anpassungsfähig. Im Gegensatz zu unserer westlichen Honigbiene übrigens, die im Bezug auf die aus Asien stammende Varroamilbe keine ähnliche Anpassungsleistung in wenigen Jahrzehnten schafft. SIE ist seit über 30 Jahren tatsächlich auf uns angewiesen, dass wir ihr dabei helfen, als Art zu überleben.

Und um es vorweg zu nehmen: Nein, die Wildbiene oder andere Insekten vermögen es nicht alleine, die Grundsicherung unseres landwirtschaftlichen Kulturgutes zu sichern. Sie sind nicht blütenstet bzw. zum Teil sind sie oligolektisch lebend und sie haben einen viel kleineren Flugradius. D. h., die Bestäubung von einem Apfelbaum wäre ohne Honigbiene nicht in der Menge und Qualität von anderen Insekten zu leisten. Das ist unbestreitbarer Fakt. Durch Züchtung von z. B. Holzapfel und Holzbirne bei gleichzeitig gezieltem Einsatz von Honigbienenvölker, aufgestellt in die Nähe der Bäume beißen wir uns heute nicht mehr die Zähne aus und finden leckere Sorten, die uns schmecken.

Auch als Mensch Teil der Natur

Und deshalb: Ja, Sie dienen damit auch Ihrem Interesse. Und warum denn auch nicht?!
Lieber Zeitgenosse, Sie sind AUCH ALS MENSCH mit all seinen Stärken und Schwächen ein Teil der Natur und im großen Plan von Gott / der Göttin / des Universums / …“ enthalten!

Ja, Sie dürfen sich etwas Gutes tun, mindestens jedoch etwas Lebenserhaltendes. Sie dürfen selbstverständlich Ihr Obst und Gemüse und Beeren sowie alles weitere an Pflanzen essen. Sie dürfen dabei der samenverschleppenden kleinen Ameise, dem langrüsseligen schönen Schmetterling, der kadaverfressenden lästigen Fliege, dem kirschkernverbreitenden singenden Vogel … und der bestäubungsstarken fleißigen Honigbiene einen Teil ihrer jeweiligen Aufgabe überlassen, um alles zum Wachsen und Gedeihen zu bringen.

Sie dürfen – um jetzt konkret bei der Honigbiene zu bleiben – ihr im Gegenzug dabei helfen, aus einem gesicherten, pfleglichen und behüteten Heim heraus, der Bienenbeute, loszustarten und das zu tun, was sie gerne und durchaus freiwillig tut. Nämlich sich und ihresgleichen zu erhalten und zu vermehren.

Sie kann es nicht mehr ohne unsere Hilfe tun

Allerdings: Sie kann es ohne uns Menschen gar nicht mehr ganz alleine, denn dieser Zug ist leider abgefahren. Das Rad drehen wir hier nur schwer zurück. Doch daran – z. B. mehr Resilienz und gezielt eine bessere Varroaresistenz – wird geforscht. Imker/innen tragen flächendeckend auf verschiedene Weise ihren Teil dazu bei. Das fällt vielleicht nicht so auf, aber sie tun es. Ehrenamtlich, unentgeltlich und ohne groß darüber zu berichten. Na ja, von uns und einigen anderen mal abgesehen 😉

Wenn Sie die Welt weiterhin ein Stück weit mit retten möchten, dann dürfen und müssen Sie auch in IHREM Interesse handeln. Denn sich und die eigene Art zu schützen, ist die Triebfeder der Evolution. Ihr Interesse – und das signalisieren Sie auch – ist es, dies ohne die Ausbeutung von Tieren zu schaffen. Das ist prima und ehrt Sie! Manchmal ist es von großer Bedeutung, etwas BLEIBEN ZU LASSEN. Z. B. ständig oder viel oder ganz generell hirnlos gequältes Fleisch zu konsumieren. Manchmal ist es von großer Bedeutung, AKTIV etwas zu tun wie z. B. die Honigbienenhaltung. Nicht zuletzt darum, um in einen unglaublichen Kosmos einzutauchen, der ganz sicherlich nicht bei Apis mellifera aufhört, sondern in aller Regel darüber hinaus geht. Er wird Sie bestärken als achtsamer, einfühlsamer, geduldiger, lernender, erkenntnisfähiger und wertschätzender Mensch, denn Sie werden all das brauchen und verstärken, wenn Sie Bienen halten.

Um Himmels willen …

Sie werden daher kaum Imker/innen kennenlernen, denen das Leben, die Natur oder die Welt egal sind. Das krasse Gegenteil ist der Fall. Imker/innen haben allesamt ein Wunder geschaut, werden klein und demütig, fasziniert und voller Bewunderung, werden süchtig, alles zu erfassen, was es über diese summende Welt zu wissen gibt. Die meisten Imker/innen hinterfragen sich ständig, sind zutieftst traurig über Misserfolge, werden schweigsam oder im Gegenteil sehr beredt, tun sich irre schwer mit dem Aufhören noch weit über die 80-Jahre-Grenze, wissen nicht, wie sie den Honig real berechnen sollen, weil es ihnen im Grunde egal ist, wollen einfach nur raus in den Garten, um nach ihren Bienen schauen, wie es ihnen geht und ob sie noch alle da sind, achten längst schon auf keine Stiche mehr, weil das einfach dazu gehört und keiner Rede wert ist, haben Glanz in ihren Augen, wenn sie dann ernten und das Wunder der Natur, dass sich ihnen ein Jahr lang gezeigt hat, goldschimmernd-duftend offenbart und sie den Zyklus des Jahres, seines Werdens und Wachsens sozusagen erschmecken, werden darüber verschroben, sonderbar und wunderlich, vergessen Raum und Zeit und andere Menschen, ja, um Himmels willen … wollen Sie WIRKLICH Imker werden?!

Um es kurz zu machen. Lernen Sie Imkern und entscheiden Sie in drei Jahren erneut, welchen Weg Sie gehen möchten. Sie können nichts verlieren oder grundsätzlich falsch machen, doch sehr viel für sich und Ihre Mitwelt gewinnen! Das dürfen Sie glauben – oder auch nicht. WIR jedenfalls machen weiter und opfern Wochenenden, Urlaub und Feiertage, um Bienen eine Stimme zu geben, und um z. B. Ihnen, lieber Suchender, auf Ihre berechtigten Fragen Antworten zu geben, so gut wir es vermögen. Halten Sie uns gerne auf dem Laufenden, wie Sie sich entscheiden werden! Und zumindest: Kaufen Sie Honig nur bei regionalen Imker/innen!

Alte Apfelsorten