Vortrag „Ein Weg zum Imkern ohne Chemie“

Am 14. Oktober lud der Imkerverein Bamberg und Umgebung zum öffentlichen Vortrag zum Thema „Ein Weg zum Imkern ohne Chemie“ ein. Das Vereinsmitglied, Imker und Förster Richard Kaiser stellte seine im Lauf der letzten 20 Jahre entwickelte Betriebsweise vor.

Varroabehandlung ohne „Chemie“

Varroamilbe (Varroa destructor), von oben (re.), links von der SeiteSein Bestreben ist es, einen alternativen Weg zur Behandlung gegen den Bienenparasiten Varroa zu gehen. Die heute angewandten Verfahren bedienen sich meist natürlicher organischer Säuren wie Ameisen-, Oxal- und Milchsäure sowie ätherischer Öle. Mit seiner Betriebsweise möchte Kaiser auf derartige Behandlungsmittel, im Titel des Vortrags als „Chemie“ bezeichnet, weitgehend verzichten. Dazu setzt er auf das Bannwabenverfahren und auf die Selektion vitaler Bienen mit jährlichem Königinnentausch. Inwieweit die Naturnähe gewährleistet ist, darüber werden die imkerlichen Meinungen sicher auseinander gehen.

Kernelemente der Betriebsweise

Das Bannwabenverfahren ist ein schon früh untersuchtes und für wirksam befundenes biotechnisches Verfahren zur Varroareduzierung (siehe z. B. Maul, V. (1988)1). Bei diesem Verfahren wird die Königin mittels einer Wabentasche über einen längeren Zeitraum (3 x 9 Tage) auf einer oder zwei Waben separiert. Varroamilben können sich somit nur noch in der Brut in den Waben der Wabentasche (= Fangwabe) vermehren. Diese Waben werden nach der Verdeckelung den Völkern entnommen und eingeschmolzen. Zum Verfahren siehe beispielsweise den Flyer Nr. 3 des Bieneninstituts Kirchhain (2017)2 oder die Präsentation der LWG zur biotechnischen Varroabehandlung (2020)3.

Das Besondere der Vorgehensweise von Richard Kaiser sind die Zeitpunkte, an dem das Bannwabenverfahren angewandt wird. Das erste Mal im Frühjahr, bereits sieben Tage nach Aufsetzen der ersten Erweiterungszarge (Anm.: bei Überwinterung auf einer Zarge) und das zweite Mal im Sommer Anfang bis Mitte Juli noch vor der Honigernte. Durch das Separieren der Königin im Frühjahr erübrigen sich die ansonsten erforderlichen Schwarmkontrollen.

Die Auswirkungen auf den Honigertrag seien laut Kaiser gering. In der Literatur berichtete Nachteile des Bannwabenverfahrens, dass die Königinnen durch das Sperren stark an Größe verlieren und nach dem Freilassen in 20 % der Fälle eine stille Umweiselung erfolgen würde (siehe Aumeier (2021)4), beobachtete Kaiser nicht.

Bienenkönigin des Standortes Buger WiesenDas Ausbleiben einer Tendenz zur Umweiselung könnte an der zweiten Säule der Betriebsweise liegen: Königinnen mit unerwünschten Eigenschaften werden regelmäßig ersetzt und nur von den gesündesten Staaten werden seit Jahren neue Königinnen nachgezogen. Der Königinnentausch findet nach dem zweiten Bannwabenverfahren im Juli statt.

Effektivität

Kaiser berichtet von einer guten Wirksamkeit. Bei zwei Dritteln seiner Völker genügen ausschließlich die angewandten biotechnischen Verfahren zur Varroareduzierung. Bei dem am stärksten mit Varroa befallenem Drittel seiner Bienenvölker ist im Spätherbst eine Behandlung mit einem Tierarzneimittel erforderlich. Zur Anwendung kommt bei ihm eine für die Bienen gut verträgliche Sprühbehandlung mit Milchsäure.

Dank und Schlussbemerkung

Vielen Dank für den interessanten Vortrag nebst reger Diskussion. Im Rahmen des Blogbeitrags konnten nur einige Kernelemente aufgegriffen werden. Für weitere Informationen bietet Richard Kaiser sein Konzept kostenlos an. Anfragen bitte per Mail an richard [dot] kaiser [dot] bienen [at] gmail [dot] com richten

 


1 Maul, V.; Klepsch, A.; Assmann-Werthmüller, U. (1988). Das Bannwabenverfahren als Element imkerlicher Betriebsweis bei starkem Befall mit VARROA JACOBSONI OUD. Apidologie, 1988, 19 (2), pp.139-154. Springer Verlag. ffhal-00890736
(Zugriff 20.10.2022)

2 Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Bieneninstitut Kirchhain (Hrsg.) (2017). Das Bannwabenverfahren. Effektive Varroabehandlung ohne Medikamenteneinsatz. Flyer 3. (Zugriff 25.10.2022)

3 Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) (Hrsg.) (2020). Biotechnische Varroabehandlungen. S. 14 ff.
(Zugriff 20.10.2022)

4 Aumeier, P; Liebig, G. (2021). Brutfrei, aber wie? Bienenzucht 09/21. S. 400-402.
(Zugriff 25.10.2022)

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