Urbaner Gartenbau in Bamberg – quo vadis?

Überraschende Ergebnisse? Dass die Gärtnerstadt nach wie vor ein Schattendasein fristet, obgleich sie für die UNESCO mitentscheidend für die Verleihung des Titels einer Weltkulturerbestadt ist? Nun ja, alle lieben Gärtnereien – sofern sie sie kennen. Wobei junge Menschen dabei in der Unterzahl sind – doch nur wenige finden den Weg in die Obere und Untere Gärtnerstadt, um vor Ort einzukaufen, so zu erfahren in der Veranstaltung Urbaner Gartenbau in Bamberg: facettenreich und doch unbekannt? Obwohl 58% der Befragten die regionale Wertschopfung und Produktion unterstützen möchten, obwohl 41,7% kurze Transportwege bevorzugen, 26,1% die Frische der Produkte und 25% ihre nachvollziehbare Herkunft, kaufen nur 3,9% der 362 Befragten in den hiesigen Gärtnereien ein.

Die Ergebnisse des Studierendenprojektes im Masterstudiengang „Sozial- und Bevölkerungsgeographie“ füllen 800 Seiten. Die 40-seitige, in weiten Teilen gut verständliche Powerpoint-Präsentation, vorgeführt von sechs Studierenden* in der VHS am 16.10.2018, wurde uns dankenswerterweise bereits schon am nächsten Tag von Prof. Dr. Marc Redepenning (Lehrstuhl Geographie I, Institut für Geographie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg) zur Verfügung gestellt. Und wir hiermit unseren Leser/innen, den Bienen- und Naturfreunden. (Aktualisierung 18.10.: Bitte für die Powerpoint an das Institut direkt wenden.)

Bienen als Bündnispartnerinnen?!

Nein, kein einziges Mal ging es direkt um Bienen oder fiel auch nur ein Wort darüber. (Viel zu) selbstverständlich sind sie schließlich die graue, äh, schwarz-braune Eminenz im Hintergrund. Doch uns interessiert brennend ihre Lebenswelt, von daher war es uns ein Anliegen, zu diesem Termin zu erscheinen. Und wären wir nicht wunderbare Bündnispartner auf der Suche nach Wegen, die Gärtnereien mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen?

Folie "Um was es geht"Dazu kam es auch schon einmal, als wir für mehrere Jahre ein Volk in einer der Gärtnereien im Zusammenhang mit einer Bienenpatin aufstellten und kräftig und auf allen Kanälen dafür Werbung machten. Das blieb jedoch eher einseitig, damit hätte man wuchern können. Aber klar – für derartige Strategieentwicklungen ist einfach wohl zu wenig Zeit, und selbst für ein paar Likes, Kommentare oder Teilungen mehr auf Facebook reichte es offenbar nicht aus. Bienen zur Bestäubung, das ja. Doch Bienen als Marketingpartner?!?

Vielleicht sollten wir es erneut versuchen und mal sehen, was sich mit einem noch gezielteren Miteinander daraus entwickeln lässt. Vorstellbar, dass Einkaufende neben der Regionalität und  Förderung der Gärtnereien und Produkte es außerdem begrüßen, dass sie damit auch Bienen einen Lebensraum ermöglichen würden. Sie ist schließlich derzeit in aller Munde. Warum nicht die Zeichen der Zeit als Win-win nutzen?!

Stärkere Unterstützung

Eine grundsätzlich neue Werbe- und Vermarktungsstrategie ginge allerdings nicht mehr ehrenamtlich oder über die ohnehin an ihren Grenzen arbeitenden Gärtnersleute. Seit damals mit Regiomino hat Thomas Schmidt, der sich sehr dafür stark gemacht hat und jetzt der Interessensgemeinschaft Bamberger Gärtner vorsteht, einen tieferen Einblick gewonnen und sieht keine freien Kapazitäten bei den Erzeugern.

Wenn die Stadt Bamberg stolz auf ihre Gärtnerstadt ist, die ihr den Titel einbrachte, vielleicht wäre es an der Zeit, auch hier mehr Wirtschaftsförderung zu betreiben und sich noch stärker unterstützend einzubringen. Und sei es auch nur mit der Reduzierung von Tages-Marktpreisen, wie vorgeschlagen wurde, siehe die Auflistung der drei Wünsche im folgenden. Vermutlich eine halbe Stelle müsste schon drin sein, um Abholkisten (wie bei der Solidarischen Landwirtschaft) und den lokalen Nahrungsmitteleinkauf zu fördern. Denn letztendlich tragen die Gärtner zu einem nicht unerheblichen Teil zur Aufenthaltsqualität der Einwohner bei, reduzieren die Schadstoffe in der Stadtluft, sorgen für soziale Beziehungen und Kultur, den Erhalt von Familienbetrieben und Ausbildungstellen sowie das Gärtnerhandwerk.

Für Näheres zu den „anderen“ Gärten im urbanen Gartenbau, beispielsweise der Interkulturelle Garten oder der Selbsterntegarten, verweise ich auf die Folien.

„Was sind Ihre Wünsche?“

… war die Schlussfrage ans Podium, neben Thomas Schmidt auch Saskia Delbrügge (Bamberger Sortengarten) und Matthias Schöring (Transition Bamberg**):

Schmidt:

  1. Wunsch gerichtet an die Verbraucher: Umsetzung des Bedürfnisses nach Nachhaltigkeit
  2. Unterstützung auf politischer Ebene
  3. Gerichtet an die Gärtner/innen: Zusammenarbeiten
  4. Gebührenanpassung beim Wasserverbrauch. Gärtnereien zahlen den selben Preis für Gieß- wie für Trinkwasser

Delbrügge:

  1. Stärkere Vernetzung, z. B. eine Plattform (Wie engagieren, wo einkaufen …)
  2. Gebührenanpassung (Marktplatz, Tagesgebühren), um Standortnachteile, die urbaner Gartenbau mit sich bringt, besser zu kompensierenG

Schöring:

  1. Weiteres Wachstum der Anbauflächen
  2. Lösung des Wasserversorgungsproblems
  3. Herausfinden, welcher Mechanismus zur Diskrepanz zwischen den Äußerungen der Verbraucher (s. o.) und der Handlung führt. Also warum kaufen Bamberger nicht bei den Gärtnereien ein, obwohl doch alles dafür spräche.

6 Lösungsansätze

1. Die Idee, einen gemeinsamen Marktstand zu betreiben, ist nicht neu. Schon einmal wurde es versucht, und zwar am Elisabethenplatz. An prominenterer Stelle, so könnten wir es uns vorstellen, wäre es sicherlich erfolgreicher. Man könnte einen Querschnitt aller Produkte der hiesigen Gärtnereien anbieten, den im Wechsel jede Gärtnerei mit betreut – oder sich davon „freikauft“, indem jemand anderer dafür bezahlt wird.

2. Am besten wäre zusätzlich ein gemeinsamer wetterunabhängiger Laden, beispielsweise in einem der leerstehenden Geschäfte in der Langen Straße. (Die Theatergassen trauen wir uns nicht vorzuschlagen, aber wer weiß?!) Flexible Aufbauten auf Rädern könnten bei Nichtbestückung zur Seite geschoben werden oder kurzfristig innerhalb einer Börse vermietet werden.

Und sagt nicht, für den Wochenmarkteinkauf wäre ein Auto zwingend. Naheliegende Tiefgaragen mit der Möglichkeit, die erste Stunde kostenlos  zu parken, sollten genügen. Natürlich darf es im Weiteren keine „Knebelverträge“ geben. Also in Zeiten, in denen das Gärtnerangebot naturgemäß dürftiger ausfällt, sollte auch kein Standgeld bezahlt werden müssen, wobei einige Umlagen natürlich durchaus notwendig sind.

3. Wie funktioniert gemeinsamer Direktverkauf anderswo? Generell wäre der Blick in andere Städte oder sogar Länder inspirierend. Kann sein, dass Bambergs Situation  einmalig ist. Doch genau aus diesem Grund sollte auch die hiesige Marktordnung dies  berücksichtigen und adäquate Verträge anbieten.

4. Mittelfristig könnte ein Werbekonzept, wie z. B. Ausstellungswände mit Fotos aus den Gärtnereien, Wegbeschreibungen, Roll-ups etc. in Leerständen für Aufmerksamkeit sorgen. Aber auch die Gärtnereien selber könnten mit weithin sichtbaren Auslegern oder Transparenten (wie es die Böhmerwiese  für ihr berühmtes Zwiebeltreterfest u. ä. konsequent und hochprofessionell praktiziert) für mehr visuelle Präsenz sorgen.

5. Kurzfristig könnten in den Schulen regelmäßige Exkursionen in die Gärtnerstadt angeboten werden, um neben den Kindern und Käufer der Zukunft auch die Eltern zu erreichen.

6. Mit einem gemeinsam mit den Verbrauchern initiierten Workshop würden sich die Ideen sicherlich gärtner- wie kundenorientiert entwickeln lassen. Vorschläge sind allerdings schnell geschrieben. Allein, es sollte nicht auch an der tätigen Power fehlen. Dass das letztendlich nur gemeinsam zu stemmen ist, versteht sich von selbst. Selbstverständlich ist sie nicht. Das meinen auch unsere Bienen 😉


 

* Anne Allmrodt, Anja Hansch, Marina Fischer, Bernd Pfeuffer, Jennifer Werner, Valerie Schickle

** Der direkte Link funktioniert leider nicht, daher habe ich hier nur eine Sekundärseite verlinkt

Glyphosat macht Bienen schlapp

Totenfallkontrolle, verkürzter Hinterleib; Diagnose: VarroaschadenVon allen Seiten wird uns derzeit das Ergebnis einer Studie zugetragen: Glyphosat schädigt nachweislich die Darmflora von Bienen und macht sie damit anfällig gegenüber Infektionen. Es ist ja nicht so, als dass das eine Überraschung wäre. Darmmikroben sind winzig kleine Organismen. Warum sollte es gerade diesen sensiblen Minis gelingen, sich eine Elefantenhaut gegenüber Glyphosat zuzulegen?

Nach der Infektionsversuchsreihe überlebten die dem Glyphosat ausgesetzten Honigbienen nur noch zu 10% den Zeitraum von 8 Tagen. Bei den unvergifteten Bienen waren es rund die Hälfte.

Der Apell geht daher „an alle Landwirte und Gartenbesitzer, Glyphosat keinesfalls auf blühenden Pflanzen einzusetzen“. Man geht davon aus, dass „auch andere heimische Bienenarten wie Hummeln oder Wildbienen auf ähnliche Weise betroffen sein können, weil ihre Darmflora der der Honigbienen ähnelt.“ (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2018; doi: 10.1073/pnas.1803880115)
(University of Texas at Austin, 25.09.2018 – NPO)

Siehe dazu auch den jüngsten Stadtratsbeschluss in Bamberg in Sachen Glyphosatverbot.

Geschichtliche Exkursion zur Bienenstube nach Schlammersdorf / OPf.

Ausgrabungen am Turmfundament Bihäusl in Schlammersdorf/Opf. © Foto Michael Biersack, mit freundlicher GenehmigungHerzliche Einladung zur erlebnisreichen Exkursion am So., 23.09.2018 zur Bienenstube nach Schlammersdorf / Oberpfalz!

!!!  Achtung! Verschoben wegen Gewitter und Starkregen auf 2019. !!!

Die Bienenstube ist ein verstecktes Kleinod mitten im Wald, an einer Weiherkette im Grenzbereich der Oberpfalz zu Mittel- und Oberfranken gelegen. In den historisch bedeutsamen Mauerresten eines runden Gebäudes, dem „Turmfundament Bihäusl“, wurden Hinterlassenschaften einer Zeidlerei aus dem 15. Jahrhundert entdeckt. Ein Fund, so selten wie ein Sechser im Lotto“, meint Michael Biersack, der am 23. September die Geschichtswanderung unter dem Veranstalter „Bienen-leben-in-Bamberg.de“ führen wird. Denn die imkerlichen Accecoires wie Kleidungsstücke oder Rauchpfeifen sind naturbedingt vergänglich, die Spuren der Betriebsorte längst ausgelöscht. Sie überlebten allenfalls in der kollektiven Erinnerung über Flurnamen. Von all dem Genannten jedoch kann die mittelalterliche Bienenstube in Schlammersdorf sichtbares Zeugnis ablegen. Das Turmfundament wurde von der Otto-Friedrich-Universität in den Jahren 2010 bis 2015 archäologisch untersucht. Der damalige ehrenamtliche Grabungshelfer Biersack begleitet seine Gäste weit zurück in die Vergangenheit, als Bienen noch „Immen“ hießen, die Imker privilegierte Waldnutzer und Wachs wie Honig unverzichtbar für das religiöse wie alltägliche Leben waren.

Ausschnitt aus der sog. Puellenhover-Karte von 1568 (St.A.a. Pl 3192; entnommen aus: https://www.zotero.org/ilonamunique/items/collectionKey/5KQPMWGC/itemKey/BANKR95P/q/relikte

Ausschnitt aus der sogenannten Puellenhover-Karte von 1568 (St.A.a. Pl 3192); entnommen aus: Losert / Werther et. al.: Relikte einer spätmittelalterliche Zeidlerei in der Oberpfalz [Turmfundament Bihäusl bei Schlammersdorf]

Treffpunkt ist der Brauereigasthof Püttner in Schlammersdorf (Oberpfalz). Von 11.30 bis 13 Uhr erfolgt ein gemeinsames Mittagessen mit Einführung. Im Anschluss geht es in 20 Fußminuten auf Waldwegen zur Bienenstube. Nach Besichtigung und Vortrag zu den Forschungserkenntnissen über die Bienenstube, den besonderen Funden und zur historischen Waldimkerei ist die Ankunft am Ausgangspunkt bis 15 Uhr vorgesehen. Festes Schuhwerk ist erforderlich. Je nach Anmeldung können Fahrgemeinschaften gebildet werden, ansonsten eigene Anfahrt. Anmeldung wegen Reservierung der Gaststube bis 20. September unter der E-Mail hallo [at] bienen-leben-in-bamberg [dot] de oder unter Tel. 0951-3094539. Für ältere Schulkinder geeignet.

Kennzeichnung "Spezialthema" der Bienen-InfoWabe (BIWa)Anlass? Spezialthema zum Europäischen Jahr des Kulturerbes 2018

Wo? Treffpunkt in Schlammersdorf / Oberpfalz, Brauereigasthof Püttner

 

Wann? So., 23.09.2018

  • 11.30 Uhr | Mittagessen und Einführung
  • 13.00 Uhr – 14.40 Uhr  |  Führung zur Bienenstube und Vortrag vor Ort
  • 15.00 Uhr Ende am Ausgangspunkt

Für wen? Alle Interessieren (Hin- u. Zurück fußläufig je ca. 20 Minuten auf Waldwegen einrechnen). Für ältere Schulkinder geeignet.

Referent: Michael Biersack (ehem. Grabungshelfer am Fundort)

Kosten: Keine, um Spenden wird gebeten.

Und sonst? Festes Schuhwerk ist erforderlich. Je nach Anmeldung Fahrgemeinschaften und / oder eigene Anfahrt. Anmeldung wegen Reservierung der Gaststube bis 20.09.2018 unter der E-Mail hallo [at] bienen-leben-in-bamberg [dot] de oder unter Tel. 0951-3094539.

 

Foto 2 entnommen folgender Literaturstelle: Hans Losert ; Lukas Werther ; Falko Turner ; Bastian Niemeyer: Relikte einer spätmittelalterliche Zeidlerei in der Oberpfalz [Turmfundament Bihäusl bei Schlammersdorf]. Weitere Angaben hier.

Bienendemokratie in Österreich

Vortrag zur Bienendemokratie im MontafonPfarre Tschagguns, Vordergrund Gasthof Löwe (Vortragsort)Unser österreichischer Imkerkollege Sieghard Tschofen – der mit der tollen Schaufensterbeute! – lässt sich häufig bei uns blicken, wenn ihn sein Weg nach Bamberg führt. So lag es nahe, ihm endlich auch einmal einen Gegenbesuch ins Montafon abzustatten. Dies im Rahmen eines Vortrages zur „Demokratie und Schwarmschlauheit – können wir von Bienen lernen?“, die ich (also die Blogschreiberin Ilona) bereits mehrmals hielt (zuletzt in Verden bei Bremen). Diesmal also für den Imkerhock des Bienenzuchtvereins Vandans und St. Anton in Tschagguns (Bezirk Montafon).

BMontafon, Gaschurn, Pension Christineevor ich in die Inhalte gehe: Herzlichen Dank für die angenehmen Tage und das tolle Früchstücksbuffet an unsere Gastgeber Christine und Dietmar Rudigier  (Pension Christine in Gaschurn)! Und wir teilen ihre Beobachtung, dass es leider immer weniger blühfreudige Weiden gibt, weil diese zu oft gemäht werden. Also auch dort leider nicht mehr die Idylle, die wir uns in den Bergen so vorstellen und wünschen.

Zum Vortragsinhalt

Zeidelwappen FeuchtDie österreichische Politik weicht ja nicht so sehr weit von unseren deutschen Gepflogenheiten ab. Wie auch. Schließlich sind wir alle als EU-Mitglieder „vereinheitlicht“. Es ging auch nicht so sehr um’s Eingemachte aller Farben oder des Parteiengezänks, sondern eher im Gegenteil: Darum, was wir aus der – in den Grundsätzen sehr demokratisch ausgerichteten – Lebens- und Organisationsweise der Bienen lernen und es besser als bisher machen können.

Vortrag zur Bienendemokratie im MontafonDem Vortrag zugrunde liegt das 2014 auch in Deutschland erschienene Buch von Thomas D. Seeley: Bienendemokratie: Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können. (S. Fischer-Verlag). Folgende Kapitelüberschriften geben einen Einblick in die Bandbreite der einstündigen, bildhaft hinterlegten Auseinandersetzung im Vergleich „Biene und Mensch“.

  • Biene und Imkerei – uralt und modern
  • Vergleich Bienenstaat mit Menschenvolk
  • Biene und Korb als Wappenattribute
  • Demokratie in Zitaten
  • Prozess beim Schwärmen
  • Eigenschaften (Kriterien) zur perfekten Bienenwohnung
  • Was gehört zu einer guten Entscheidung?
  • Schwarmschlauheit – was macht sie aus?
  • Bienenziel – Menschenziele
  • Wie gelangen wir zu einer einzig wahren Entscheidung?
  • Gute Informationen. Was heißt das?
  • Der gute Weg … für Bienen … unf für Menschen auch
  • … eine Art Wahl
  • Schwarmschlauheit, oder: Wie schafft man eine optimale Gruppenentscheidung?

Bezirksobmann Werner RudigierDer Vortrag ist natürlich vor Wahlen besonders interessant, nicht nur für Imker/innen, sondern auch für Vereine, die sich für die Entscheidungsprozesse in ihren demokratischen Wahlvorgängen etwas besser (moralisch / ethisch / gesellschaftlich …) unterstützen lassen möchten. Denn die Moral von der Geschicht‘: Etwas Optimaleres als einen Bienenstaat findest du nicht!“

Für Bezirksobmann Werner Rudigier stand fest, dass es einmal „ein ganz anderer Vortrag als gewohnt“ war. Wir jedenfalls waren sehr zufrieden, dass beim anschließenden Zusammenhocken immer wieder den Begriff „Demokratie“ zu hören war. Offenbar war die Diskussion angestoßen, und genau so sollte es sein. „Wahre“ Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern mühsam errungen und fortwährend praktiziert und gepflegt – auch DIESES haben wir mit den Bienenvölkern gemeinsam. Es geschieht nicht einfach von selbst.

Sieghards Bienenvölker (Montafon, Vandans

Veitshöchheimer Imkertag 2018 (4): Geländespaziergang

Fachberaterin für Bienenzucht (Oberpfalz) Renate FeuchtmeyerVor seinem Varroa-Vortrag stellte Dr. Stefan Berg die neue Fachberaterin für Bienenzucht für den Regierungsbezirk Oberpfalz, Renate Feuchtmeyer, vor. Seit einer Woche unterstützt bzw. vertritt sie Werner Zwillich in seinem Amt. Herzlich Willkommen auch von unserer Seite aus!

Im Gelände der LWGDanach ging’s für uns beide in die Außenanlagen – leider unter Auslassung des Vortrags von Dr. Nicole Höcherl zu „BeeWarned“. Doch alles geht einfach nicht, denn nach den Vorträgen wird der Veitshöchheimer Imkertag bereits wieder abgebaut. Wir erfuhren allerdings, dass sich der Kleine Beutenkäfer (Aetihina thumida) in Süditalien weiter ausgebreitet und nun auch die Ostküste Calabriens befallen hätte. „Wou is’n des Hirn?“, möchte man boggnsackisch fragen, hört man von Kunstschwarmversendungen, die von deutschen Imkern aus Italien angefordert werden.

Geländespaziergang

Versuchsaufbau BalkonpflanzenDas wunderbar angelegte Gelände der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), in dem auch das Bieneninstitut seinen Sitz hat – was im Übrigen von Dr. Berg als Glücksfall bezeichnet wird, wären sie doch hier bei den Blüten und Pflanzen besser aufgehoben, als wenn man sie damals zu den „Schweinen und Kühen“ nach München gesteckt hätte – bot wie immer facettenreiche Anschauung zu vielen Aspekten der Bienenhaltung.

Freundeskreismitglied bei der Honigeis-AusgabeDas „Trachtangebot für hungrige und durstige Gäste“ lockt uns vor allem wegen des Honigeises, mit € 1,- billiger als das Bamberger Eis, wo die Kugel bereits € 1,30 kostet. Auch hierbei wird das Institut von den Freunden des Fachzentrums Bienen Veitshöchheim e. V. unterstützt. Tipp für den Tripp: Wer’s noch billiger mag, bekommt die Kugel für 80 Cent bei „Eis Stephan“ im Ort oder an der Mainlände. Allerdings kein Honigeis, und das ist doch der eigentliche Clou, nicht wahr?!

TrachtNet, oder: „Wofür bauche ich eine Stockwaage?“

Stockwaage / TrachtNetNach dem Eisgenuss Station am TrachtNet. Wir ließen uns vom Fachberater Gerhard Müller-Engler die Frage beantworten: „Wofür bauche ich eine Stockwaage?“. Stockwaagen helfen bei der Gesundheits- und Futterkontrolle, ergo der Verhinderung von Völkerverlusten. [Dies wäre vor allem für Vollberufstätige wichtig, die ihre Standorte nicht so häufig anfahren können.]

Die Vernetzung der in ganz Bayern (und anderen Bundesländer) aufgestellten lässt Rückschlüsse auf den Entwicklungsverlauf der Trachten zu und könnte – so unsere Überlegung – als agrarpolitische Argumentationshilfe zur Vermeidung von Versorgungslücken dienen. Die vorsorglich für die bekannt trachtarmen Zeiten angebauten Blüh-Agrarpflanzen würden dann bestens von Bienen versorgt werden können. Wobei so mancher Imker eine spätere Trachteinbringung wegen der bereits beginnenden Varroa-Behandlung gar nicht mehr so wünschenswert fände. Ja, darüber müssen wir uns selbst noch schlau machen.

In der Broschüre finden wir noch ein paar Argumente mehr, und vielleicht ergibt sich ja wieder einmal ein Preis für uns, so dass wir die rund 1000 Euro teure Waage samt Software kaufen können. Für Unterrichtsprojekte der Bamberger Schulbiene wäre das sicherlich eine bereichernde Investition.

Fritz Höfler berichtet zur Varroa-AppVarroa-App, oder: „Wie weit seit ihr schon?“

Noch in der Entwicklungsphase, so lautet die Antwort des Projektbetreuers Fritz Höfler auf unsere Nachfrage nach dem Stand des Gemeinschaftsprojekts des Instituts für Bienen und Imkerei Veitshöchheim, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf. Mangels direkter Informationen auf der Triesdorfer oder LWG-Webseite verweisen wir auf einen älteren Artikel vom 15.08.2016 in „Biene und Natur“.

(Nicht nur) zum Zeitvertreib der Sprößlinge

Demonstration SchwarmverhaltenGleich vis-a-vis zeugte ein bienenbesetztes Holzkreuz mit weißem Leintuch davor – nein, nicht vom Leiden Christi! – sondern von den (für uns verpassten) beiden Vorführungen „Ein Schwarm sammelt sich“. Augenweide also auch für die Sprößlinge, die mit ihren imkernden Eltern zum Imkertag mitgehen (müssen).

Jüngere Kinder dürfen sich an der Bastelecke tummeln – ein Angebot der Mainfränkischen Werkstätten. Hier lässt sich die Bamberger Schulbiene anregen, um ihrerseits für die Bienen-InfoWabe etwas „abzukupfern“. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Genau dazu sind derartige Veranstaltungen da, die wir sehr gerne und nicht nur pflichtschuldig aufsuchen.

Vielen herzlichen Dank an die engagierten Veranstalter für alle Impulse und Informationen, die den Weg nach Bamberg finden – und mit Hilfe des Blogs multiplikatorisch nun auch an Sie ausschwärmen, verehrte Leser/innen.

Bienenstellwand dem Gelände der LWGÜbersicht Berichtsreihe zum Veitshöchheimer Imkertag 2018

 

Veitshöchheimer Imkertag 2018 (3): Aktuelles zur Varroa

Hinweisschild Dr. Stefan Berg, VarroaSich zur Varroa schlau zu machen ist Pflicht für jede/n Bienenhalter/in! Aus dem jährlich am zweiten Juli-Sonntag stattfindenden Veitshöchheimer Imkertag (und zu Jahresanfang das Imkerforum) des Instituts für Bienenkunde und Imkerei an der LWG bringen wir unseren Blogleser/innen neueste Erkenntnisse mit, die uns Dr. Stefan Berg auf den Weg gegeben hat. Der Institutsleiter stellt – wie immer um diese Jahreszeit – die Eingangsfrage, ob wir bereits Varroen gezählt hätten. Denn das Trachtjahr ist definitiv zu Ende, wie die Stockwaagen im Verbund TrachtNet (für Bayern derzeit noch im Aufbau) augenfällig bestätigen. [Uns fällt auf, wie hoch die Erträge sein sollen.] Die Varroenzählung ist die Grundlage, nach der sich die Behandlungszeit- und -weise ausrichtet, die in zeitlicher Nähe nach der Ernte vorzunehmen ist.

Vortragender Dr. Stefan Berg, VarroaDr. Berg weist auf drei Informationsquellen hin:

[Für alle Anfänger/innen unter unseren Leser/innen: Ja, es kllingt vieles erst mal schrecklich martialisch und unschön. Doch hinter z. B. „Käfigen“ steht lediglich eine ca. dreiwöchige Eiablage-Unterbrechung. Brutentnahme ist zugegeben nicht zu beschönigen. Doch ohne diverse Maßnahmen liefern wir das gesamte Volk grausam der Milbe aus – und wer kann das schon gut heißen? An allen Ecken und Enden wird geforscht, ob es weniger drastische Maßnahmen geben könnte. Wir behalten sie alle im Auge, versprochen!]

Neuigkeiten zur Vaorra-Medikamentation …

  • Dr. Berg empfiehlt – im Gegensatz zu Aumeier / Liebig – zur Oxalsäurebehandlung im Winter auch kleine Brutnester zu entfernen, also aktiv für eine völlige Brutfreiheit zu sorgen. Die Menge der sich in den Brutzellen noch befindlichen Varroen hält er für hoch genug, um diesen Aufwand zu rechtfertigen.
  • Oxuvar® (Hersteller: Andermatt BioVet GmbH)
    Für das Mittel hat sich die bisher gewohnte einfache Handhabung etwas verkompliziert. Da auch in Deutschland mittlerweile das Sprühen mit Oxalsäure erlaubt ist, besteht die Basis des Varroazids nunmehr aus einer 5,7-prozentigen Lösung. Somit lässt sie sich für die Träufelbehandlung auf 3,5% verdünnen und für das Sprühen auf 3,0%. Die Gebrauchsanweisung sollte also „ausnahmsweise“ wirklich gelesen und genau befolgt werden.
  • VarroMed® (Hersteller: BeeVital GmbH). Bei der Verwendung des Mittels wurde ein erhöhter Bienentotenfall festgestellt, dies in Abhängigkeit der Anzahl von Behandlungen. Das Mittel enthält neben 5mg Ameisensäure eine hohe Menge, nämlich 44 mg Oxalsäure. Wird diese mehr als einmal und damit zu oft aufgebracht, belastet es die Bienen.

… und Publikumsfragen zu:

  • Varroa-Killer. Antwort Dr. Berg: Die Varroabehandlung mit Ultraschall („Varroa-Sound“) hat nachweislich keinerlei Effekt.“ Man kann mehr Geld mit den [Absatz von Produkten bei] Imkern verdienen als mit den Bienen“.
  • Lithiumchlorid. Anschaulich schilderte Dr. Berg, wie es zu diesem „Zufallstreffer“ und dem nachfolgenden Hype kam, bis hin zum Ankauf eines einzelnen Geschäftsmannes, der sich einen erklecklichen Lithiumchloridvorrat angeschafft hat. Doch noch gibt es viele offene Fragen, beispielsweise nach möglichen Rückständen im Honig oder zu Nebenwirkungen. Bitte abwarten, auch, wenn’s schwerfällt!
  • „Bienensauna“. Dr. Berg erläuterte die Versuchsreichen von hyperthermischen Verfahren, unter die die „Bienensauna“ fällt. Dieses Produkt wurde Ende 2015 innerhalb einer Versuchsreihe (s. a. unser Bericht) allerdings nicht explizit getestet [wieso und warum, dazu gibt es unterschiedliche Lesarten und stand auch nicht zur Debatte].
    Mit den bei ca. 650-700 Euro teuren Geräten und bei 42-43°C gelang es bei einer Brutwabenbehandlung, die Varroamilbe zu töten. Als Nebenwirkung kam es zu 10-12-prozentigen Ausfällen, wenn Brut- UND das ganze Volk behandelt wurde. Zudem war die Fertilität der Drohnen beeinträchtigt bzw. waren die Drohnen ab 43°C steril.
  • HopGuard® – Das Zulassungsverfahren für die EU wurde definitiv zurückgezogen, das mit vielen Hoffnungen herbeigewünschte Medikament ist also zunächst „gestorben“.
  • „Warum behandeln, wenn kein Varroabefall?“ Dr. Berg führt aus, dass es zwar einerseits ein Problem darstellt, dass die Behandlungen mit der Zeit zu einer Toleranz der Varroen gegenüber den Verabreichungen führen – von daher sind unterschiedliche Behandlungsweisen zu bevorzugen –, andererseits ist die Diagnose „kein Befall“ nicht sicher.

[In eckigen Klammern unsere EIGENEN Anmerkungen.]

Übersicht Berichtsreihe zum Veitshöchheimer Imkertag 2018

Veitshöchheimer Imkertag 2018 (2): Bienenbäume der Zukunft

Vortragender Klaus Körber zu Bienenbäume der ZukunftEs wird heiß. Sehr heiß. Und nicht nur in Würzburg, wo man 2017 an 31 Tagen über 30 C gemessen hatte. Im „alten Jahrhundert“, also vor der Jahrtausendwende, waren’s 2-3 Tage, so Klaus Körber, Sachgebietsleiter Baumschule der LWG am Veitshöchheimer Imkertag in seinem Vortrag „Bienenbäume der Zukunft“. Die Prognose: Ende dieses Jahrhunderts bis zu 50 Hitzetage. Die zentrale Frage wird WASSER sein. Davon hatte Würzburg 20-25% weniger als vor dem Jahr 2010.

Biene an Salweide(Salix caprea)Nach dieser einleitenden Hiobsbotschaft präsentiert Körber zahlreiche Fotos – gerne mit Bienen, die sich bekanntermaßen immer nur schwer ablichten lassen – von bienenfreundlichen Bäumen auf. Bäume, die uns noch oder weiterhin, aber auch nicht mehr dienen können, und einige Einzubürgernde, die uns – Fremdlinge hin oder her – neu begleiten könnten. Lediglich Einheimische zu bevorzugen macht keinen Sinn mehr, der Zug ist längst abgefahren. Ganz abgesehen davon – auch die Kastanie war mal ein Fremdling hierzulande, und Tausende anderer Pflanzen ebenfalls.

Für unseren selbstverschuldeten Weg in den Klimawandel gibt Körber Tipps, wie wir vor allem junge Bäume besser schützen können.

  • Anbringen eines Gießringes
  • Installation von Wassersäcken
  • Strohschutz für den Stamm
  • In den ersten 5 Jahren nach der Baumpflanzung muss gegossen werden

Seine 4-seitige Liste mit empfehlenswerten, aber auch noch existierenden, den Klimawandel wahrscheinlich zum Opfer fallenden Bienenbäumen liegt in der Bienen-InfoWabe aus. Oder Sie schreiben Klaus Körber direkt an unter klaus.koerber@lwg.bayern.de.

Anschauungsobjekte zum Vortrag von Klaus Körber über Bienenbäume der ZukunftSelbstverständlich lassen wir seine Liste auch dem Garten- und Friedhofsamt Bamberg zukommen, welches bekanntermaßen positiv auf fachlich fundierte Informationen reagiert. Denn nur über ein gut funktionierendes, dabei regional ausgerichtetes Inormationsnetzwerk lassen sich neue Ergebnisse rasch in den städtischen Kontext integrieren.

Reinhold Burger und Michael Gerencser mit KoelreuteriaJa, in der Forschung tut sich ständig etwas Neues, beispielsweise beim Projekt Stadtgrün 2021. (Siehe dazu auch unseren Bericht des Imkerforums 2016.). In diesem Netzwerk sind Praxiserfahrungen mit den Versuchsbaumarten gefragt. Alle bayerischen Städte und Gemeinden können hierbei mitmachen. Natürlich ist die Buchführung über einzelne Bäume sehr zeitaufwändig. Daher sind Forenbeiträge wie auf dem Imkertag als Momentaufnahmen sicherlich auch bei vortragenden Spezialisten willkommen. Wir berichteten jedenfalls über unsere zwei Koelreuteria paniculata (Blaseneschen), die als neuer „Klimabaum“ vom Gartenamt an die Bienen-InfoWabe gepflanzt wurde und im vergangenen Jahr keine Blütenrispen trieben. Der Grund: Frostempfindlichkeit. Dennoch – die zierlichen, jedoch immerhin schon über 2 Meter großen Bäume haben es gut überstanden und sind heuer wieder eine wunderbare Juli/August-Blütenweide.

Wer sich tiefergehend informieren möchte, merke sich die Deutschen Baumpflegetage am 7.-9. Mai 2019 in Augsburg vor.

Übersicht Berichtsreihe zum Veitshöchheimer Imkertag 2018

Veitshöchheimer Imkertag 2018 (1.1): Qualitätssicherung Wachs

Vortragender Gerhard Müller-Engler zur Qualitätssicherung von Bienenwachs„Was ist Honig?“ Die Beantwortung dieser Frage ist noch relativ einig, so Fachberater Gerhard Müller-Engler in seinem Vortrag am 08.09.2018 „Qualitätssicherung beim Bienenwachs – Was können Imker und Vereine tun? zum Veitshöchheimer Imkertag. [In eckigen Klammern eigene Ergänzungen.]

Honig ist ein Kohlehydrat und dient der Ernährung und als Heizstoff. Die selbe Frage auf Bienenwachs bezogen, da fällt die Antwort schon länger aus.

Zunächst: Die Jahresmenge eines Volkes beträgt etwa 1 Kilo. Diesen vielfältigen Baustoff schwitzen 150.000 Bienen aus ihren Körpern heraus. 1 dm² Wabe enthält 12g Wachs.

Wachsblock aus eingeschmolzenem EntdeckelungswachsIn der Wachsproduktion liegt ungleich viel mehr Aufwand und Energie als in der Honigproduktion.

  • Für 1 Kilo Wachs muss ein Volk 78x um die Erde fliegen, für Honig 3x.
  • Für 1 Kilo Wachs benötigt und verbraucht ein Volk 13 Kilo Honig und 1 Kilo Pollen.

Funktionen von Wachs:

  1. Dichtmaterial
  2. Kinderzimmer
  3. Kommunikationsnetz
  4. Heizkörper
  5. Platz zum „Kuscheln“ für die Wintertraube
  6. Vorratsbehälter mit Deckel
  7. Filter- und Reinigungsmaterial („Leber“)
  8. „Handelsware“ zwischen Bienen und Mensch (Wachs und Honig gegen Wohnraum, Pflege und Versorgung)

Nun aber begeht, was den letzten Punkt der Liste anbelangt, der Mensch einen Vertragsbruch, indem er aus Profitgier Bienenwachs streckt und durch Einbringung von Parafinen, Stearine, Pflanzenwachs und Fette verpanscht. Dass dies keine reine Erscheinung der Neuzeit ist, bestätigt ein Blick in das 1960 erschienene Buch „Biene und Bienenzucht“ von Anton Buedel (Ehrenwirth Verl.). Dort fand Müller-Engler eine detaillierte Beschreibung einer Wachsverfälschung aus oben genannten Stoffen, zusätzlich genannt ist Ozokerit.

Die Problematiken verpanschten Wachses liegen auf der Hand. Brutschäden, auch verursacht durch Wachsrisse und -absackungen, sind die Folge. (Näheres hierzu siehe Imkerforum 2017 (4): Wachsproblematik.)

Längst verbotene und beinahe vergessene Medikamente, meist Varroazide, kommen selbst nach Jahren noch zum Vorschein. Etwa, wenn Opas alte Mittelwandwaben aus dem Keller geholt, in der Annahme, diese wären von den jüngsten Wachsskandalen schließlich noch nicht betroffen. Böser Fehler. Denn die Rückstände bauen sich über die Jahre nur unbedeutend ab. So tritt Brompropylat [ein Akarizid und Varroazid, früher verwendet als Streifen unter dem Handelsnamen „Folbex VA“ und seit 2002 in der EU nicht mehr zugelassen] immer noch bzw. wieder zum Vorschein.

Folie Andreas Schierling: Rückstände Wachs

Folie © Andreas Schierling (TGD) zum Thema Rückstände im Wachs, Ergebnis 2017

Rückstandsdiagnosen aus 2017 (Tiergesundheitsdienst Bayern e. V.) zeigen hohe Werte von Thymol, Coumaphos [Handelsname „Perizin“] und Fluvalinat auf. Ersteres, ein Bestandteil von Thymianöl, lässt sich durch Auslüften minimieren. Für alles andere ist es angezeigt, derartige Wachse nicht wieder in den Kreislauf zurückzuführen.

Als Maßnamen zu Qualitätssicherung werden empfohlen:

  • Situation erfassen -> Kontingentierte, bis auf die Portogebühr kostenfreie Kontrolle über den Bienengesundheitsdienst (Tiergesundheitsdienst Bayern e. V.) -> Merkblatt: Einsendung von Wachsproben zur Analytik
  • Kontaminationen ausschließen
  • Verfälschungen vermeiden
  • Reduzierung von Eintrag
    • kein illegaler Einsatz von Medikamenten!
    • Reduzierung von Behandlungsmitteln durch angepasste Varroabekämpfung
    • Verzicht auf fettlösliche Behandlungsmittel [im Gegensatz zu Säuren]
    • Wachsmottenbekämpfung mit alternativen Mitteln [Nussbaumblätter]
  • Meiden von belasteten Standorten (Landwirtschaft unter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Industriegebiete, Autobahnen – wobei sich Schadstoffe sehr weit verbreiten, eine Vermeidung daher kaum realisierbar sein dürfte)
  • Beim Zuwachs von Wachs auf folgende Komponenten achten:
    • Beim Kauf muss ausgewiesen werden „echtes Bienenwachs“, nicht nur „Mittelwandwaben“. Was allerdings unter „echt“ tatsächlich zu verstehen ist … [Näheres siehe im Kapitel „Was ist reines Wachs?“ unseres Beitrags zum „Veitshöchheimer Imkertag 2017 (4): Wachs“]
    • Untersuchungsbefunde einfordern bzw. selbst initiieren
    • Billigangebote kritisch überprüfen
  • Wege aus dem Rückstandserbe durch Neuanfang
    • Kunstschwärme auf Naturbau (oder unbelasteten Mittelwänden)
    • Wiederholen des Kunstschwarmes, da Bienen belastetes Wachs ausschwitzen
    • Rückstandsfrei zukaufen
    • Waben sortieren innerhalb eines eigenen Wachskreislaufes (Wachsstraße)

Generell empfiehlt Müller-Engler nach Möglichkeit, Mittelwände aus Eigenwachs selbst herzustellen. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Übersicht Berichtsreihe zum Veitshöchheimer Imkertag 2018

Reinhold Burger zur „Intergrierten Varroabehandlung“

Vortrag Reinhold Burger zur VarroabehandlungInnerhalb einer Stunde das Wichtigste zur Varroamilbe auf den Punkt bringen – das war Anspruch des Vortrags zur BIWa-Sonntagsöffnung am 24.07.2018. Der Referent Reinhold Burger, Facharbeiter für Bienenwirtschaft und Bienensachverständiger (Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de), hatte Wort gehalten und sogar noch Zeit für eine Fragerunde.

Exklusiv für unsere Blogleser hier noch ein paar zusätzliche, stichwortartige Ausführungen zur Powerpoint-Präsentation von Reinhold Burger unter Mitarbeit von Ilona Munique: „Integrierte Varroabehandlung : Empfehlungen zum Einbau in die eigene Betriebsweise“. Schließlich ist uns allen daran gelegen, den Honigbienen ihr Leben etwas zu erleichtern.

1. Steckbrief zur Varroa destructor

Herkunft, Verbreitung

  • Evolutionäre Entwicklung mit der östlichen/indischen Honigbiene Apis cerana
  • Wirtswechsel von Apis cerana auf Apis mellifera
  • Weltweite Verbreitung: Alle Kontinente außer Australien
  • Varroamilbe 1986 in Bamberg angekommen

Varroamilbe (Varroa destructor), von oben (re.), links von der SeiteAussehen

  • Weibchen: 1 bis 1,5 mm groß, typische querovale Körperform, erwachsenes Weibchen rotbraun gefärbt
  • Männchen: 0,8 mm, runde Körperform, gelblichweiß

Lebensweise (Nahrung, Fortpflanzung, Vermehrung, Lebensdauer)

  • Lebt parasitisch an Bienen und Bienenbrut
  • Durchstechen die Bienenhaut (Cuticula) und saugen Haemolymphe (Bienenblut)
  • Vermehrung in der verdeckelten Bienenbrut
  • Befall der Brut: Kurz vor Verdeckelung der Brut (15-20 h Arbeiterinnenbrut, 40-50 Stunden Drohnenbrut) schlüpft ein Varroaweibchen in eine Brutzelle und läßt sich einschließen
  • Nach 65-70 Stunden nach Verdeckelung wird ein erstes Ei gelegt, dann alle 30 Stunden ein weiteres Ei
  • Aus dem ersten Ei entsteht ein Männchen, aus allen weiteren Eiern Weibchen
  • Vermehrung in der Arbeiterinnenbrut: 1 Weibchen hat pro Vermehrungszyklus als Nachkommen 1 Männchen und 1 bis 2 Tochtermilben
  • Vermehrung in der Drohnenbrut: 1 Weibchen hat pro Vermehrungszyklus als Nachkommen 1 Männchen und 2 bis 4 Tochtermilben
  • Bis zu 3 Fortpflanzungszyklen pro weiblicher Milbe
  • Faustformel: Im Sommerhalbjahr (= Zeit, in der Bienenbrut gepflegt wird) pro Monat eine Verdoppelung der Milbenzahl
  • Praxisbeobachtung: Varroa-Befall eines Volkes kann sich vom Frühjahr bis zum Herbst um den Faktor 100 erhöhen.
  • Lebensdauer der Varroaweibchen: Im Sommer 2-3 Monate, im Winter 6-8 Monate
  • Varroamänchen: Stirbt bis zum Schlupf der Jungbiene
  • Ohne Bienen und Brut lebt eine Milbe max. 7 Tage

Auswirkungen

  • Primärschäden auf die Bienen: Verkürzung der Lebensdauer, Verkrüppelung (Flügel, Hinterleib), Gewichtsreduktion, Leistungsabfall, Verhaltensänderungen -> Unruhe, Drohnen werden unfruchtbar
  • Sekundärschäden: Übertragung von Krankheiten – Stichstelle, Pathogene (Krankheitserreger) haben direkten Zugang in die Leibeshöhle
  • Bienenvolk kann eine gewisse Anzahl von Varroamilben tolerieren, ohne dass Krankheitssysmptome auftreten
  • Starker Befall stört die Sozialstruktur des Volkes
  • Ertragsverlust
  • Volk stirbt als direkte Folge des Befalls oder an Sekundärinfektionen

2. Varroadiagnose

Methoden

  • Windel mit eingezeichneten VarroamilbenGrundlage jeder (erfolgreichen) Behandlungsmaßnahme
    – Festellung des Befallsgrades und
    Wirksamkeitskontrolle von Behandlungsmaßnahmen sowie
    – Erkennen von Reinvasion
  • Alle Methoden zur Varroadiagnose liefern nur grobe Schätzwerte
  • Methode: Windeldiagnose bei geeignetem Beutensystem
    Beim sogenannten „natürlicher“ Milbenfall ist der Umrechnungsfaktor vom
    Mai bis September – Völker mit Brut: 100 bis 300, von Oktober und November – Völker mit wenig bis keiner Brut: 300 bis 500)
  • Puderzuckermethode
    Anzahl Milben x 100 / 300 [entspr. Anzahl Bienen in 100ml-Becher] = % Befall
  • Auswaschen von Bienenproben
    Anzahl Milben x 10 / g Bienen [100ml-Becher ca. 30g – 50g Bienen] = % Befall

Zeitpunkt der Behandlung

  • Saisonbeginn, Ende März/Anfang April
  • Saisonende, Mitte Juli/Ende Juli -> im Sommer befinden sich 80% aller Milben in der Brut
  • Nach abgeschlossener Sommerbehandlung, Ende September
  • Vor Winterbehandlung, November/Dezember

Achtung: Gemülldiagnose nach Ameisensäurebehandlung erst 14 Tage nach Abschluss der Behandlung aussagekräftig!

3. Biotechnische Maßnahmen zur Varroareduktion

Grundsätzliche Vorteile

  • Keine Rückstandsbelastung in Bienenprodukten (Honig, Bienenbrot, Propolis, Wachs)
  • in Wirtschaftsvölkern auch während der Tracht anwendbar
  • Wirksamkeit unabhängig von der Witterung
  • Keine Ausbildung von Resistenzen der Varroa

Mögliche Nachteile

  • Eingriff in die Volksentwicklung
  • Wärmeverfahren haben zum Teil unerwünschte Nebenwirkungen auf Fertilität und Wachstum
  • Je nach Vorgehensweise möglicherweise geringerer Honigertrag
  • Maßnahmen zum Teil geräte- und zeitintensiv
  • Wirksamkeit zum Teil als alleinige Maßnahme nicht ausreichend

Drohnenbrut schneidenVarianten biotechnischer Maßnahmen

  • Entnahmen: verdeckelte Drohnenbrut, verdeckelte Arbeiterinnenbrut ->Jungvolkbildung durch
      • Brutableger oder ->Totale Brutentnahme
  • Entnahme von adulten Bienen -> Jungvolkbildung durch Kehrschwärme
  • Brutunterbrechung
  • Bannwabenverfahren (Mullerbrett, „VarroaCatch“, „Heinrichs Zwischenboden“)
  • Wärmebehandlung (Hyperthermie)

Kombination physikalischer/mechanischer und biologischer Maßnahmen und Mittel zur Schädlingsbekämpfung

Ausnutzung der Reaktion von Lebewesen auf physikalische und chemische Reize. Ziel ist die Herbabsetzung der Populationsdichte des Schädlings.

Umstrittene / unzureichende / nicht ausreichend erforschte Möglichkeiten alternativer biotechnischer Maßnahmen

  • Bücherskorpion (Chelifer cancroides)
    Info: https://www.mellifera.de/blog/mellifera-blog/buecherskorpion.html
  • Ledum palustre (Sumpfporst, Rhododendrongewächs –> Imker- und Gärtnermeister Bernhard Jaesch. Information unter http://www.immengarten-jaesch.de/Insektenfreundliche_Pflanzen.html
    Gründet auf Erfahrungswissen in der Anwendungsregion Russland. Inhaltsstoffe der Pflanze, die Bienen aufnehmen, wenn sie die eingebrachten Blätter zerkleinern, um diese aus dem Stock zu entfernen, schrecken Varroen ab, so Jaesch. Geklärt ist jedoch nicht, wie die Brut damit geschützt werden kann.
  • Lithiumchlorid (LiCl)
    • bereits in geringsten Mengen höchst toxisch für die Brut
    • noch nicht erforscht, ob Wirkstoff Rückstände in den Bienenprodukten hinterlässt
    • noch keine wirksame Therapie gegen die Varroa entwickelt
    • Denkbar: Anwendung bei brutfreien Jungvölkern direkt, wenn sie gebildet werden

– Deutsches Bienenjournal, 04.03.2018 unter https://www.bienenjournal.de/aktuelles/meldungen/bieneninstitut-warnt-vor-lithiumchlorid/
Verhaltener Optimismus in Sachen Varroabekämpfung (Bienen-leben-in-Bamberg.de vom 12.01.2018)

KEINE Alternative zu anderen biotechnischen Maßnahmen

  • Drehbeute
  • Ultraschall (Varroa Killer Sound, Vorläufer: Schallomat)

Wissenschaftlich erforscht und für wirkungslos erklärt. Unsere Aussagequellen: Bienenfachzeitschriften sowie jüngste Vorträge im Fachzentrum Bienen, Veitshöchheim (wir berichteten unter dem Titel: „Imkerforum Veitshöchheim 2018 – ein Muss für bayerische Imker“ am 10.02.2018)

Was sonst noch getan wird / werden sollte …

  • Rückzüchtungen mit Ziel vermehrter Putzfreude
  • Neuzüchtungen mit Ziel Varroaintolleranz und Krankheitsfestigkeit
  • Starke Völker halten -> kein Päppeln von schwachen Völkern aus Mitleid (Anfängerfehler)

Vortrag Reinhold Burger zur Varroabehandlung, hier mit Liebig-DispenserMedikamentöse Behandlung

Vortrag Reinhold Burger zur Varroabehandlung, hier mit Nassenheiderverdunster ProfessionalGrundsätzliches

  • Tiermedikamente töten/schädigen die Varroamilbe, können geschädigte Bienen aber nicht heilen (und wieder langlebig machen) -> eine rechtzeitige Anwendung ist wesentlich für den Erfolg!
  • Gefahr einer Rückstandsbildung
    • wasserlösliche Wirkstoffe bilden eher im Honig Rückstände
    • fettlösliche Wirkstoffe bilden eher Rückstände im Wachs und können sich dort über Jahre halten und anreichern
  • Gefahr der Entwicklung von Resistenzen
  • Bitte beachten: Aufzeichnungspflicht bei Anwendung apothekenpflichtiger Tierarzneimittel!
  • Verwenden Sie nur zugelassene Medikamente, die sich bei der Anwendung unterscheiden in „Volk mit Brut“ und „ohne Brut! Quelle: https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/varroabehandlungsmittel_mit_zulassung.pdf

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