Neues in Sachen Faulbrut in Bamberg und Umgebung

Soeben meldet einer der Bienensachverständigen für den Landkreis Bamberg, dass all seine von ihm zur Untersuchung gegebenen Proben ebenfalls die Amerikanische Faulbrut aufweisen. Sperrbezirke gibt es also um die Faulbrut-Sekundärquelle in Bamberg-Bug / An der Warth (wir berichteten), und um die Primärquellen in Vorra sowie Erlach und Hohenhäusling.

Auch dort gilt: Keine Völker mehr hinaus- oder hereinbringen! Auf die zu erwartende Strafe bei Nichteinhaltung dieser höchst wichtigen Prophylaxe, die uns vor einer Seuchenausdehnung bewahren sollte, weisen wir vorsorglich hin. Bitte informiert euch gegenseitig, damit das alles nicht zu einem jahrelangen Problemfall wird, wie es bereits in anderen Gegenden der Fall ist. Welche Sperrbezirke eingerichtet sind erfährt ihr auf auf TSIS, dem Tierseuchen-Informationssystem des Friedrich-Loeffler-Instituts. Karten der Sperrbezirke werden in den jeweiligen Amtsblättern von Stadt und Landkreis Bamberg veröffentlicht. Hier das Rathaus Journal Nr. 12 vom 28.06.19 der Stadt Bamberg, S.17, mit der Bekanntmachung des Sperrbezirkes in Bamberg-Bug. Für den Landkreis erscheint die Bekanntmachung voraussichtlich im nächsten Amtsblatt (Nr. 7).

TSIS, TierSeuchenInformationsSystem, Faulbrutfälle Bamberg Stand 3.7.19

TSIS, TierSeuchenInformationsSystem, Faulbrutfälle Bamberg, Stand 3.7.19

Die positive Nachricht: Jetzt können Gesundheitszeugnisse innerhalb der Stadt Bamberg nunmehr auch über die Bienensachverständigen laufen. Bislang war das nur für den Landkreis vorgesehen. Demnächst soll es ein Formular dazu geben.

 

Faulbruteinsatz im Sperrbezirk Bamberg, Ortsteil Bug

Streichholzprobe einer mit AFB befallenen Wabe

Eine Demonstration der Streichholzprobe, die jedoch keinen Fadenschleim mehr anzeigte, da die AFB-befallene Waben inzwischen vertrocknet ist.

Ausgehend vom Ortsteil Bug (zentral) und angepasst an die Straßenzüge ist aktuell ein Faulbrut-Sperrbezirk von einem Kilometer Radius eingerichtet. Mit Erscheinen des Rathaus-Journals (voraussichtlich in der KW 26, 2019) gilt er als offiziell angezeigt. Bedeutet:

Das Heraus- und Hereinbringen von Völkern ist bis auf Weiteres verboten. Doch auf die Details zur Amerikanischen Faulbrut (AFB) gingen wir auf diesem Blog bereits mehrfach ein. Stattdessen soll nun berichtet werden, wie der Einsatz des Bienensachverständigen – hier Reinhold Burger – in der Praxis abläuft. In diesem Falle mit einer kompletten Standortabräumung, die – Glück im Unglück – in Bug nur zwei Völkern betraf.

Achtung: Die geschilderten Maßnahmen sind nicht zur Nachahmung für Laien gedacht! Bitte überlassen Sie dies IMMER den von Amts wegen zuständigen Mitarbeiter/innen bzw. eingesetzten Bienensachverständigen. Alles andere ist unverantwortlich und strafbar.

Was war geschehen?

Reinhold wurde von einem Jungimker darüber informiert, dass eines seiner beiden Völker eingegangen wäre und viele tote Bienen davor lägen. Ein weiteres Volk hatte ebenfalls bereits gesundheitlich zu kämpfen. Um diese Jahreszeit ist es sehr ungewöhnlich, wenn ein Volk stirbt. Daher schrillten unsere Alarmglocken und Reinhold sah sich die Sache sofort an.

Die Waben wiesen ein lückiges Brutnest mit rissigen und eingesunkenen Zelldeckeln auf. Eine Streichholzprobe in der Brutwabe ergab den typischen bräunlichen Faden. Der Besonnenheit und dem Vertrauen des Jungimkers ist es zu verdanken, dass nun relativ (will heißen: trotz Urlaubs- und Vertretungsdefiziten) rasch gehandelt werden konnte. Da der Einkauf in Vorra erfolgte, wurde auch dieser Imker sowie das Landratsamt informiert. Eile tat Not, da bereits weitere Völker verkauft wurden und nun alle untersucht werden mussten.

Daher meldete Reinhold auch alle Standorte, die uns in der Umgebung von Bug bekannt waren. Wer hiervon bereits seiner Pflicht einer Standortanzeige nachgekommen ist, wurde sofort durch das Amt über die zu erwartenden Untersuchungen und Maßnahmen informiert. Aber auch, wer die Meldung bisher versäumt hat: Kein Grund, sich nicht nachzumelden. Der Kopf bleibt dran, denn alle sind einfach froh, wenn mögliche weitere Quellen ausgeschlossen werden können.

Nachdem der städtische Tierveterinär Dr. Dengler vom Ergebnis der eingereichten Proben informiert war und den Bienensachverständigen „grünes Licht“ für eine Sanierung bzw. Tötung der Völker – was im Falle der Hotspots Bamberg-Bug angezeigt war – gegeben hatte, ging Reinhold seiner traurigen Pflicht nach. Es ist sozusagen der Worst Case in der Ehrenamtsarbeit. Doch wie bei allen Tierhaltungen geht daran zuweilen kein Weg daran vorbei. Zu gefährlich und langwierig ist eine Seuchenausbreitung, als dass das Mitleid überwiegen darf. Die Grundeinstellung muss sein: Weitere Völker in der Gegend gesund erhalten!

Reinholds Abschlussbericht las sich dann so:

Der mit AFB befallene Bienenstand von XXX, [Straße], Bamberg-Bug, ist abgeräumt, alle erforderlichen Maßnahmen wurden gemeinsam mit dem Imker ergriffen.

Diese waren:

  • 17.06.2019: das lebende Volk am Abend abgeschefelt
  • 18.06.2019: Standabräumung von beiden Völkern, anschließend Reinigung

Im Einzelnen:

  • Geflammt wurden Zargen (innen), Beuteninnendeckel, Absperrgitter, Beutenblechdach, Beutenböden und Standortboden nebst Beutenständern.
  • Abgewaschen mit heißer Natronlauge (4,5%) wurden Windeln, Imkerutensilien und Zargenaußenseiten
  • In den Städtischen Müllofen (unter unserer Anwesenheit) befördert wurden die Aufbewahrungskiste sowie alle verseuchten Waben, die wir in Plastiktüten verpackt anlieferten.
  • Herr XXX erhielt die Anweisung, die getragenen Kleider in die Kochwäsche zu geben.

Materialien AFB-MaßnahmeKlingt erstmal simpel, ist in der Praxis dennoch zeitaufwändig.

Mit Hilfe der Fotos soll nun den Bienengesundheitsdienstleister(inn)en eine Hilfestellung gegeben werden, wie im Falle von Faulbrutmaßnahmen verfahren werden sollte. Denn glücklicherweise ist diese Tätigkeit zwar nicht an der Tagesordnung, doch einmal ist immer „das erste Mal“.

Reihenfolge des Einsatzes am 17.06.2019: Abschwefeln des Volkes

  1. Materialien (siehe Foto) bereitstellen
  2. Fluglochkeil anbringen, Windel einsetzen, Leerzarge aufsetzen. Darauf achten, dass die Beute dicht ist
  3. Den Schwefelstreifen mit Draht oder anderen geeigneten Befestigungshilfen in der feuerfesten Form anbringen
  4. Schwefelstreifen anzünden
  5. Schwefelvorrichtung in die leere Zarge eingeben
  6. Dauer des Vorgangs ca. 30 Minuten, der in den Abendstunden erfolgen sollte, damit möglichst viele Flugbienen wieder in der Beute sind
  7. Die Abräumung soll dann am nächsten Tag bzw. so rasch wie möglich folgen

Reihenfolge des Einsatzes am 18.06.2019: Standabräumung, Dekontaminierung, Seuchengutentsorgung

  • Einmalhandschuhe anziehen und AFB-verseuchte Waben in reißfeste Plastikmülltüten verpacken
  • Tüten dicht verschließen und sammeln
  • Zargen von Propolis- und Wachsresten abkratzen
  • Abflammen von Beuten, Werkzeugen und Standort
  • Nicht erhitzbare Gegenstände mit heißer Lauge abwaschen. VORSICHT! Ätzend! Nicht ohne Schutz berühren oder einatmen! Das Ende der langen Ärmel in Stulpen-Gummihandschuhe stecken. Schutzbrille tragen.
  • Lauge von den behandelten Gegenständen mit viel Wasser gut abwaschen
  • Laugenrest mit Essig neutralisieren und im Abfluss entsorgen
  • Abtransport in die städtische Müllverbrennungsanlage
  • Einweiser vom Seuchengut informieren und darauf bestehen, dass die Anlieferung sofort verbrannt werden muss und sie dem Vorgang der Versorgung beiwohnen werden
  • Im Anschluss Kleidung sofort waschen (Kochwäsche)
  • Schuhe ebenfalls sorgfältig reinigen
  • Für die toten Bienen beten und dankbar sein, dass alles Menschenmögliche getan wurde, um weitere Ansteckungen zu vermeiden!
  • In Zukunft nur noch Käufe mit Gesundheitszeugnis, und am besten: Die gemachte Erfahrung teilen! Nur so kann ein erfolgreiches Imkern bei gesundem Bienen(er)leben langfristig allen erhalten bleiben.

Von der Zeidlerei bis zur Faulbrut – Bienennachrichten in Bamberg

Bienennachrichten zum FrühstückZum Frühstück gab’s heute gleich zwei Nachrichten in Sachen Bienen. Keine davon erfreut uns so richtig, wenngleich wir durchaus auch die positiven Seiten gewillt sind, zu erkennen.

Nachricht im „Fränkischen Tag“ (FT): „Freiheit für die Honigbienen“.

„Naturschützer im Steigerwald wollen die Bienen zurück in den Wald bringen …“, so der Teaser des Artikels. Ja, interessant ist das alte Zeidlerhandwerk sicherlich. Auch als Rückblick in die Geschichte der Honig- und Waldwirtschaft ein löbliches Unterfangen. Doch ob Bienen in Holzbäumen oder in Holzbeuten ohne Mittelwände leben, macht kaum Unterschied – Holz ist Holz. Und selbst Mittelwände sind nicht wirklich künstlich, sondern ebenfalls aus (in Form gebrachtes) Bienenwachs, die von den Völkern, ergänzt mit neuem Wachs, umgebaut werden. Fürs Wohlergehen der Bienen spielt das, wenn überhaupt, eher eine untergeordnete Rolle. Eher schon für das Ökosystem „Wald“.

Etwas anderes treibt uns viel mehr um. Wir leben in einer globalen Welt mit einhergehenden Schrankenlosigkeit gegenüber Seuchen, die unsere menschlichen und tierischen Organismen ohne jahrhundertelange Gewöhnung aneinander nicht ohne Weiteres überstehen können. Die wichtige Frage heute ist: Wie lassen sich Völker in Baumhöhlen rein technisch gesehen gegen die Milbe behandeln? Wie lassen sich Seuchenausbrüche beobachten und wirkungsvoll behandeln?

Wild und frei sind zweierlei

Zeidelwesen – Tafel im Zeidelmuseum FeuchtWas man bei allem „Goodwill“ ebenfalls gerne übersieht: Baumvölker in der Zeidlerei von früher (also bis etwa 1800) waren sogenannte „Totvölker“. In einem Jahr trugen sie ein, im nächsten wurde der Honig komplett entnommen und somit das Volk vernichtet. Das war das übliche Verfahren und ist keineswegs romantisch oder im Sinne „Zurück zur Natur“. Der Vorteil war, es gab immer nur junge, frische Völker. Frei in ihrer Lebensentscheidung waren sie dabei sicher nicht. (s. a. Zeidelmuseum Feucht bei Nürnberg.)

Verwilderte Bienen, wild schwärmende Bienen (richtig muss es heißen: „Honigbienen ohne imkerliche Pflege“), sind definitiv eine Gefahr für alle Völker. Wir können das nicht gut heißen. Wildbienen sind es ohnehin nicht, das ist eine andere, solitär lebende Art. Ein wirklich und wahrhaft freies Volk besteht im Übrigen ebenfalls aus „Massetieren“, sucht sich selbständig eine Höhle* – und geht heutzutage ziemlich sicher an der allüberall auftauchenden asiatischen Varroa destructor ein.

Das Fatale: Vorher hat das ungepflegte Volk diesen Schädling sowie Seuchen, zum Beispiel die (Amerikanische) Faulbrut, noch hübsch verbreitet. Womit wir bei der nächsten Meldung sind.

Nachricht im Rathaus-Journal Nr. 23/2014: Vollzug des Gesetzes zur Vorbeugung und Bekämpfung von Tierseuchen … Amerikanische Faulbrut der Bienen

Die Befürchtungen, die wir vor einigen Wochen bei der ersten Bekanntgabe des Ausbruchs der Amerikanischen Faulbrut in Bamberg bereits hegten, sind (fast) eingetroffen. Ja, der Sperrbezirk hat sich in die Nähe unserer Standorte hin verschoben. Aber nein, wir liegen, wenn auch denkbar knapp, immer noch außerhalb des Kreises. Jetzt kann uns im Grunde nur ein einbrechender Winter helfen, denn unter 10 Grad fliegen Bienen nicht. Somit wäre eine Verbreitung durch Verflug (also wenn fremde Bienen es schaffen, in andere Völker einzudringen), gebannt.

Wir hatten Überlegungen angestellt, unsere Bienenvölker zu versetzen (siehe auch hier), doch uns aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Nun mag das Schicksal entscheiden.

Wir hoffen, mit dem Bau der „Bienen-InfoWabe“ im nächsten Jahr ein Podium zu schaffen, in der der Austausch über die Geschehnisse, über Risiken und Nebenwirkungen jeglicher Art der Bienenhaltung, gesittet möglich ist. Niemand von uns hat die Weisheit mit Löffeln gegessen. Die Komplexität der Zusammenhänge ist größer, als es in ein paar Zeitungszeilen passt. Glaubt nicht alles, was zu lesen ist, aber bleibt im Dialog und vorveruteilt nicht. Um das bitte ich alle Bienen- und Honigliebhaber/innen, die es gut mit der Natur meinen, wie wir sie heute kennen. Als Kulturraum, in der Mensch und Tier miteinander auskommen können, wenn wir bedachtsam und wachsam vorgehen.

* Eine nette Geschichte am Rande: Ein Altimker in Oberkotzau, der seine Völker durch natürliche Schwarmbildung vermehrte, jagte, als es wieder einmal soweit war, einen Schwarm hinterher, der sich aus seinem Bienenhaus (Hinterbehandlung) heraus erhob. Dieser Schwarm flog letztendlich wieder zurück, wohl, weil ihm die Unterkunft am geeignetsten erschien. Und warum auch nicht? Warm, gemütlich und geschützt – viele Jahre Versuch und Irrtum im Beutenbau können nicht ganz umsonst gewesen sein.