Pflanzdächer als Musterbeispiele im Bamberger Bienengarten

Projekt erfolgreich beendet und eine dauerhafte Unterseite innerhalb unserer Webseiten geht an den Start: Pflanzdächer.

Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeBoxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeJe mehr versiegelte Außenflächen bepflanzt sind, beispielsweise Müllboxen, desto besser für das Mikroklima. Unsere zwei Doppel-Gartenboxen im Bamberger Bienengarten an der Bienen-InfoWabe zeigen vier beispielhafte Varianten einer Dachbepflanzung. (Ganz unten die Anleitung zur Vorbereitung der Pflanzmulden.)

Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeDas bienenfreundliche, pflegeleichte Pflanzkonzept dieser Miniatur-Biotope greift die menschlichen Sinne Schmecken, Riechen, Tasten und Sehen auf.

Wildbiene an Woll-Ziest (Stachys byzantina)Für Insekten sind die ausgewählten Pflanzen leckere Nahrung (Nektar, Pollen) und Brutmaterial (z. B. die weichen Haare des Wollziest für den Nestbau der Garten-Wollbiene).

Finanzierung durch Förderungen

Logo Stadt Bamberg, UnterstützungsfondsWir danken der Stadt Bamberg, über deren Unterstützungsfonds III wir dieses Projekt verwirklichen konnten! Der Ankauf der Müllboxen, die wir als Aufbewahrungsort beispielsweise für Gartenerden, großformatige Bienenutensilien und einer Gasflasche nutzen, wäre sonst nicht möglich gewesen.

Logo FKBB e. V.Weiterer Förderer ist der Förderkreis Bienenleben Bamberg e. V. (FKBB). Er übernahm vor allem die pflanzliche Bestückung und wird die Infotafel finanzieren. Dankeschön!

Wer für den weiteren Unterhalt der Musterdächer etwas spenden möchte – sehr gerne! Infos hier. 


Bepflanzung

Kriterien zur Pflanzenauswahl

  • bienen- und insektenfreundlich
  • Zuordnung zu vier Sinnen
  • über die Jahreszeiten versetzt blühend
  • überwiegend trockenheitsliebend
  • flachwurzelnd
  • pflegeleicht

Bezugsquellen waren überwiegend die Staudengärtnerei Strobler (Bamberg) und einige wenige Exemplare über die Staudengärtnerei „Gaißmayer (Illertissen).

Die nachfolgende Liste führt die Pflanzen mit Trivialnamen und botanischer Bezeichnung auf. Außerdem eine Beschreibung im Zusammenhang mit den jeweiligen Sinnen sowie Tipps und Quizfragen.

Die Hauptblütezeiten sind mit „BZ“ und den Monaten in Form römischer Ziffern angegeben.

Die arabischen Ziffern geben die spaltenweise Pflanzreihenfolge je Fach an, und zwar von oben nach.


Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeFach 1: Schmecken

Aufgabe: Entdecke, welche Geschmacksrichtungen du magst.
Tipp: Beginne mit den milden Aromen.
Quizfrage: Woher kommt der Geschmack? Vom Pollen oder vom Nektar?

Pflanzenauswahl

  1. Zitronengras (Cymbopogon citratus) – spritzig, frisch, zitrusartig mit feinen, blumigen und leicht süßlichen Nuancen – BZ VI-IX
  2. Bitterwurz (Lewisia colyledon) – bitter – BZ V-VI
  3. Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) – Blüten mild, Blatt scharf, herb-würzig, pikant, leicht bitter – BZ V-IX
  4. Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – mild, frisch – BZ IV-V und VIII
  5. Bergbohnenkraut (Satureja montana) – kräftig, aromatisch, pfeffrig-scharf – BZ  VII-IX (noch nicht gepflanzt)
  6. Currykraut, Immortelle (Helichrysum italicum ‚Dwarf Curry‘) – leicht bitter, würzig, curryartig – BZ VI-IX
  7. Wald-Erdbeeren (Fragaria vesca) – süß, aromatisch – BZ V-VI und X
  8. Thymian (Thymus herba-barona var. citridora) – würzig, scharf, aromatisch, leicht zitronig – BZ V-VI

Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeFach 2: Riechen

Aufgabe: Erlebe, wie verschiedene Düfte und Aromen auf dich wirken.
Tipp: Zerreibe die Blätter zwischen den Fingern, wenn die Pflanze nicht blüht. Übrigens: Blüte und Blätter müssen nicht unbedingt gleich intensiv duften.
Quizfrage: Riechen Blätter und Blüten zu jeder Tageszeit gleich?

Pflanzenauswahl

  1. Echter Thymian (Thymus vulgaris) – intensiv würzig, leicht zitronig – BZ V-X
  2. Lorbeerblättrige Zistrose (Cistus laurifolius) – intensiv balsamisch, harzig, würzig, erinnert an eine Mischung aus mediterranen Kräutern, warmem Holz und Amber (noch nicht gepflanzt)
  3. Fiederpolster (Cotula potentillina) – intensiver Honigduft – BZ V-VI (noch nicht gepflanzt)
  4. Kleinblütige Bergminze, Steinquendel (Calamintha nepeta ‚Triumphator‘) – Duft intensiv aromatisch, Mischung aus würziger Minze ähnlich „After Eight“,  Pfefferminze und mediterranen Kräutern wie Oregano – BZ IV-VII
  5. Felsen-Steinkraut (Aurinia saxatilis / Alyssum saxatile ‚Compactum Goldkugel‘) – Duft dezent, leicht und süßlich mit einer angenehmen, frühlingshaften Note – BZ IV-V
  6. Weißes Steinkraut, Duftsteinrich (Lobularia (o.) Alyssum maritimum) – Duft lieblich, warm, süß, nach Honig – BZ mehrfach von V-IX

Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeFach 3: Tasten

Aufgabe: Fühle, wie unterschiedlich die Blattstrukturen sind.
Tipp: Berühre die Blätter erst sanft und dann ein bisschen fester.
Quizfrage: Können die winzigen Insektenfüßchen auch etwas fühlen?

Pflanzenauswahl

  1. Felsen-Fetthenne (Sedum album ‚Coral Carpet‘) – Blätter fleischig-kompakt, Polster moosartig weich und kühl – BZ VI-VIII
  2. Filziges Hornkraut (Cerastium tomentosum) – weich, pelzig, haarig, samtig, flauschig, kühl – BZ V-VI
  3. Hauswurz, Dachwurz (Sempervivum hybr. ‚Purble Quartz‘) – fest, fleischig, prall – BZ V-VII
  4. Hauswurz, Dachwurz (Sempervivum sp.) – fest, fleischig, prall – BZ VI-VIII
  5. Hauswurz, Dachwurz (Sempervivum tectorum ‚Feldmaier‘) – kompakt, fest, fleischig; saftig, glatte, wachsartig, Blattspitzen stabil und ledrig – BZ VI-VII
  6. Kart(h)äusernelke (Dianthus carthusianorum) – Stängel drahtig, fest, glatt und kühl, Blätter dünn und wie trockenes Gras, Blüten samtig bis leicht trocken und papierartig – BZ VII-IX
  7. Immergrünchen (Sedum hybridum ‘Immergrünchen’) – glatte Blattoberfläche – BZ IV-VI, IX
  8. Weiße Fetthenne, weißter Mauerpfeffer (Sedum album) – Prall, fest, knackig, glatt, wachsartig, kühl
  9. Wollziest (Stachys byzantina) – weiche, samtig-filzige Blätter – BZ VI-VII
  10. Kriech-Thymian (Thymus praecox ‚Bressingham‘) – weich, dicht – BZ V-VII

Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeFach 4: Sehen

Aufgabe: Beobachte, wie Farben auf deine Stimmung einwirken.
Tipp: Forme mit den Händen ein „Fernrohr“, um eine Farbe genauer betrachten zu können.
Quizfrage: Sehen Bienen die Farben genauso wie wir Menschen?

Pflanzenauswahl

  1. Hängepolster-Glockenblume (Campanula poscharskyana) – lavendelblau bis hellblau – BZ V-IX
  2. Große Sternmiere (Stellaria holostea) – zarte weiße Blüte – BZ IV-VI
  3. Blaukissen (Aubrieta x cultorum ‚Rosenteppich‘) – intensives rosa – BZ IV-V
  4. Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana) – leuchtend gelb – BZ V-VI
  5. Zwerg-Nelke (Dianthus gratianop. ‚Badenia‘) – pinkfarbig bis leuchtend purpurrot – BZ V-VII, IX
  6. Tripmadam, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre reflexum) – leuchtend gelb – BZ VII-VIII
  7. Moos-Steinbrech (Saxifraga x arendsii ) – weiß-rosa – BZ IV-V
  8. Kaukasische Gänsekresse (Arabis caucasica) – weiß – BZ III-IV
  9. Teppich-Flammenblume (Phlox subulata ‚Candy Stripes‘) – BZ IV–V
  10. Garten-Blaukissen (Aubrieta Hybride) – intensives blau-violet – BZ V-IX

Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeWie geht’s weiter?

  • QR-Codes sollen zu den Lösungen der Quizfragen leiten und zur Audio-Fassung der Infotafeln
  • Einzelfotos von den blühenden Pflanzen sollen zeitnah diese Web-Unterseite ergänzen
  • Für den Bienengarten vor Ort wird eine wetterfeste Infotafel erstellt

DIY: Vorbereiten der Pflanzmulden

Vorbereiten der Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabe1. Materialien bereitstellen:

  • Drainage-Matte
  • Fleece
  • Erde für Steingarten
  • verschiedene Deko-Steinchen
  • Pflanzen
  • Gartengeräte

2. Zuschneiden der Drainage-Matte

Vorbereiten der Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeDie  Drainage-Matte wurde auf Maß bestellt und dann doch recht üppig geliefert. Sie hat sich aber mit einer guten Schere recht leicht durchschneiden lassen.

Beim Auflegen zeigen die Noppen nach unten.

Bezugsquelle: My Mülltonne

3. Zuschneiden des Fleece-Stoffes

Vorbereiten der Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeVorbereiten der Boxen-Pflanzdächer an der Bienen-InfoWabeAuch hier – etwas zu groß geliefert, doch dafür konnte sie am Rand ein wenig hochgezogen werden. Das dürfte für das vom Herstelle (My Muelltonne) empfohlene hin und wieder Säubern möglicherweise praktisch sein.  (Doch ehrlich gesagt: ich glaube nicht, dass ich das einmal machen werde.)

Dann folgte die Bepflanzung. Insgesamt war ich einen Tag lang beschäftigt. Die Boxen waren für mich etwas hoch und man musste doch etwas vorsichtig zu Werke gehen. Sicher werde ich auch die eine oder andere Pflanze noch umsetzen und die Fächer ergänzt werden. Mal sehen, was sich darin bewährt. Viel Spaß beim Nachmachen!

Projektarbeit „Solawibi“ (Solidarische Landwirtschaft/Wildbienen) als Beitrag zu UN-Nachhaltigkeitszielen

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth KleinDer Weg zur perfekten Wildbienen-Nisthilfe war aufwändiger als gedacht. Doch das rundum gelungene Modell in all seinen Baudetails sorgte für einen nachhaltigen Lerneffekt, zum dem auch die Lebensbedingungen der Wildbienen gehören und Kenntnisse zu Grundgedanken, Nutzen und Funktionen der Solidarischen Landwirtschaft, speziell die in der Südflur Bambergs. Der Projekttitel lautete: „Solawibi“ (Solidarische Landwirtschaft/Wildbienen) – Förderung der Artenvielfalt durch Nisthilfen als Lebensraumerweiterung.

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth KleinDer Hintergrund

Der Natur- und Artenschutz erhielt seit dem Volksbegehren „Bienen und Bauern retten – Artenvielfalt erhalten“ im Jahr 2019 einen höheren Stellenwert im Freistaat, indem die Medien vom dramatischen Insektensterben und dem Artenschwund in der Kulturlandschaft landauf, landab berichteten.

Die Aufgabe

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth KleinZwei von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) / AGENDA 30 projekthaft miteinander zu kombinieren war die Aufgabe, der sich unsere FKBB-Beirätin Yaneth Klein mit einigen Kommilitoninnen im Studiengang Gesundheits- und Pflegepädagogik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg widmete.

Anspruchsvoll war – neben der (termin-)organisatorisch zu meisternden Zusammenarbeit der nebenberuflich Studierenden aus verschiedenen Wohnorten – auch das Thema selbst. Verbunden wurden hier das Ziel Nr. 3: „Gesundes Leben für alle“ mit dem Ziel Nr. 15: „Landökosysteme schützen“.

Die Ziele

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth KleinZiel 3: Gesundes Leben für alle

Mit der „Solidarischen Landwirtschaft Bamberg e.V.“ (Solawi) soll eine Alternative für nachhaltige, lokale und solidarische Wirtschaftsformen innerhalb des Gemüseanbaus aufgezeigt werden. Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft, stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum.

Ziel 15: Landökosysteme schützen

Die Solawi wirtschaftet nach ökologischen Standards, welche der Blühvielfalt und auch dem Artenschutz dient. Deshalb fühlen sich gerade Bienen und vor allem die gefährdeten Wildbienen bei einem vielfältigen Blühangebot wohl. Die Intension aller Gruppenmitglieder war, ein sinnvolles, die Einrichtung unterstützendes Projekt durchzuführen.

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth KleinDas Ergebnis

Die Umsetzung des Projekts „Nisthilfe für Wildbienen“ folgte in mehreren Etappen.

Grundlegend war die Literaturauswahl zu Wildbienen und ihren Nistbedarfen, bei der wir mit Hilfe unserer Imker-Bibliothek und Links zu professionellen Plattformen sowie einer Powerpoint-Präsentation beratend zur Verfügung standen. Sodann das Vertiefen in diese Quellen sowie der Austausch über die weiteren Schritte, sprich: Eindampfen der Theorie in eine handhabbare Umsetzung, also der Schritt in die Praxis.

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth KleinNun galt es, das für sinnvoll erachtete Material zu organisieren. Die Vorgabe dabei lautete, möglichst wenig käuflich zu erwerben, stattdessen natürliche und vorhandene Ressourcen zu nutzen. Da wurden Bambusstängel selbst abgeerntet, zurechtgeschnitten und -gefeilt und eine nicht ganz einfache Suche nach Hartholz unternommen etc.

Erst jetzt ging’s ans Werk. Die sorgfältig zusammengetragenen Materialien wurden im privaten Kellerraum unter Unterstützung von Familienangehörigen innerhalb eines ganzen Tages liebevoll und fachkundig verarbeitet.

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth KleinBei einem offiziellen Termin mit Kurzvortrag und Sektempfang konnte die Wildbienen-Nisthilfe an die Gärtner*innen und die Verantwortlichen der Solawi übergeben und gemeinsam an einer Schuppenwand in Nachbarschaft einer bereits vorhandenen kleineren Nisthilfe, gesponsert von der BUND-Ortsgruppe Bamberg, angebracht werden.

Ein abschließender Bericht mit Reflexion und Evaluation rundete das Projekt ab, von welchem wir hier in diesem Beitrag nun profitieren.

Fazit: „Gut gemacht, nicht nur gut gedacht!“ 

Tja, was sich so manch‘ eine*r als „Workshop für Kindergartengruppen“ so leicht vorstellen mag, ist in Wirklichkeit ein Fall für Profis – sofern man nicht mit teuren Fertigbauteilen die Sache abkürzen kann und will. Endlich einmal ein „Gut gemacht, nicht nur gut gedacht!“ Bravo an die gesamte Projektgruppe!

Herzlichen Dank auch an Yaneth für die Übermittlung des Projektberichts, der diesem (teils gekürzten, teils angereicherten) Beitrag hier zugrunde lag. Wir dürfen somit am Best Practice teilhaben – und wir freuen uns über eine neue Spezialistin in Sachen Wildbienen-Nisthilfen, die sicherlich gerne unseren Leser*innen und Bienenfreund*innen für Auskünfte zur Verfügung steht!

Projekt Wildbienen-Nisthilfe von Yaneth Klein