Spezialporträt Imkereibedarf Josef Muhr

Ihr erinnert euch an den Wachsskandal 2016? Wir konnten uns damals vor Anfragen kaum retten, wer denn nun unverfälschtes Wachs liefern bzw. das Eigenwachs zuverlässig umarbeiten würde. Denn gute Waben sind elementar wichtig für eine gesunde Brut.

Schon damals ergab unsere Recherche, dass wohl die „Qualität aus dem Bayerischen Wald“ kommen würde. Tatsächlich hat sich diesen Slogan der Betrieb „Imkereibedarf Josef Muhr“ auf die Fahnen geschrieben. Denn eines seiner zentralen Dienste in Sachen Imkereibedarf ist seit 2009 die Wachsumarbeitung, die man – sehr selbstbewusst – die „Oberpfalzwabe“ nennt.

Familienbetrieb Imkereibedarf Josef Muhr

Familienbetrieb Imkereibedarf Josef Muhr; Foto mit frdl. Genehmigung @ J. Muhr

Umstieg auf Eigenwachs zur Qualitätssicherung des Honigs

Dreiviertel Schöpfkelle Wachs zügig im oberen Teil der Prägeform verteilenDa wir nicht zuletzt wegen der extremen Unsicherheiten im Wachshandel auf Eigenwachs umgestiegen sind, wissen wir über den unglaublich hohen Aufwand, der das Sammeln, Schmelzen, Klären und Gießen und nicht zuletzt das Reinigen aller Gerätschaften bedeutet, von den enormen Geräteanschaffungskosten ganz zu schweigen.

Mittelwandfertigung bei "Imkereibedarf Josef Muhr"

Mittelwandfertigung bei „Imkereibedarf Josef Muhr“. Foto mit frdl. Genehmigung @ J. Muhr

Zu alledem kommt die Mühe in Sachen Nachweisführung und Qualitätskontrolle hinzu, wenn man, wie die Imkerei Muhr, bio-zertifiziert ist. Mit ein Grund, warum wir als „Hobbyimkerei“ keine Zertifizierung für unsere Wachswaben anstreben. Wir nutzen allerdings die seit 2017 mögliche Förderung zur Analyse von Wachs, um Stichproben zu ziehen. Aber wir verkaufen schließlich auch keine Waben, sondern verwenden sie für unser eigenes Dutzend Bienenvölker, um eine hohe Qualität unseres Bamberger Lagenhonig zu erlangen. Denn das erste Gefäß für das wertvolle Gold der Bienen ist nun mal die Honigwabe – und Honig verkaufen wir durchaus.

Wer aber mindestens ganz Bayern mit Wachs und über 2000 weiteren Artikel (auch im Online-Versand) beliefert sowie 400 Bienen unter dem Siegel „Bioland“-Imkerei pflegt sowie Hausmessen und Imkertage veranstaltet, kann dies natürlich niemals alleine stemmen. Senior wie Junior Muhr, mithin ein Familienbetrieb aus drei Generationen, stehen 13 Mitarbeiter/innen im Ort Prackenbach zur Seite.

Begegnungsanlässe

Stand mit Buchangebot von Imkereibedarf Josef MuhrEinen kleinen Ausschnitt ihres Sortiments sehen wir übrigens regelmäßig zum Veitshöchheimer Imkertag, wo wir auch schon das eine oder andere, vor allem aber Bücher, erstanden hatten.

Josef Muhr Junior lernten wir im Februar 2018 anlässlich seines Vortrags innerhalb des Imkerforum-Schwerpunktes „Wachs“ am Institut für Bienenkunde und Imkerei kennen. Dort gab er einen Einblick in die Problematik aus seiner Sicht eines erwerbsmäßigen Wachsverarbeiters. Er stellte fest, dass es noch immer keine offiziellen Richtlinien zu Standards bei der Wachsqualität gerade im Hinblick von Wachszusammensetzungen und -rückstanden gibt. Davon war dann ein halbes Jahr später zum Imkertag erneut die Rede, dem wir zwei ausführliche Beitragsteile – Qualitätssicherung Wachs und Mittelwanderstellung aus Eigenwachs – folgen ließen.

Stand Imkereibedarf MuhrVerlässlliche Adresse

Seit einer geraumen Weile nun beschäftigten wir uns also intensiv mit dem Thema „Wachs“. In logischer Konsequenz kann man im Modul 9 unseres BLIB-Imkerkurses (Di., 25.08.19  |  16.00-19.00 Uhr) alles Elementare darüber lernen. Selbstverständlich werden wir dabei der Frage nachgehen, wohin mit dem „Anfängerwachs“, das ja noch nicht sehr üppig ausfällt, dennoch aber gesammelt werden mag. Bei lediglich 10 kg ist die Adresse „Frankenwachs“, doch hier fehlen uns noch eigene Erfahrungswerte. Aber bereits ab 20 Kg ist die Umarbeitung auch im „Imkereibedarf Josef Muhr“ möglich. Da kann man sich auch zusammenschließen.

Wie auch immer … für den Ver- und Zukauf von Wachs benötigen unsere Teilnehmer/innen eine verlässliche Adresse, für die wir bürgen möchten. Nach unserem derzeitigen Stand werden wir auf den mit dem regionalen Arber-Preis bedachten „Imkereibedarf Muhr GbR“ bauen und unser Vertrauen in sie immer wieder auf den Prüfstand stellen.

Übergabe Arber-Land-Premium-Preis für Imkereibedarf Josef Muhr, Junior und Senior

Übergabe Arber-Land-Premium-Preis für Imkereibedarf Josef Muhr, Junioer und Senior; Foto mit frdl. Genehmigung @ J. Muhr.

Kenndaten

Imkereibedarf Josef Muhr GbR
Hagengruber Straße 1
94267 Prackenbach

Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 09:00 Uhr – 18:00 Uhr
Sa: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr

Henrik Arndt zu Bio- versus konventioneller Imkerei

Vortrag Henrik ArndtWie geht was und wo liegen die Unterschiede zwischen Bio- Imkerei und Konventioneller Imkerei? Henrik Arndt, Fachwart Lichtenfels (Schönsreuth), ehemaliger Bienengesundheitswart sowie Tierwirt, Fachrichtung Imkerei, gab den rund 20 Anwesenden in seinem in freier Rede gehaltenen Vortrag Erkenntnisse aus der Praxis als Zertifizierer der Naturland-Imkerei weiter.

Bereits seit Längerem lägen Richtlinien zur Konventionellen Imkerei in der Schublade, so Henrik, die nie das Licht der Imkerwelt erblickt hätten. Mittlerweile jedoch wurden EU-Richtlinien sowie Richtlinen der Verbände zur Bio-Imkerei veröffentlicht, die teils sehr ausgefeilt, teils aber auch in ihren Vorgaben schwammig sind. In Qualitäts- und Zertifizierungsverfahren werden unterschiedliche Parameter bewertet, z. B.

  • Das Produkt, also Honig
  • Der Herstellungsprozess
  • Das Tierwohl

Gäste zum Vortrag Henrik ArndtDie Frage, ob es Bio-Richtlinien braucht, ist nicht eindeutig zu beantworten, und ganz sicher nicht mit Antworten aus der sogenannten „Fachlichen Praxis“. Denn für jeden Imker und jede Imkerin und Betriebsweise oder Intention erhält man eine andere Antwort. Stichworte waren hier Flügelstutzen der Königin, knappes Einfüttern aus Sparsamkeit heraus, dunkle alte Waben.

Wer auf einen Biobetrieb umrüsten möchte, benötigt zunächst eine Qualifikation, um zu wissen, was „gut“ für die Biene ist (wobei sich auch hier die Geister durchaus scheiden und wir je nach Wissens- und Forschungsstand widersprüchliche Antworten erhalten werden. Man muss überlegen, was man will – nun ja, das ist ja wohl immer so, egal, was man tut.

Was sind nun die großen Unterschiede zwischen Bio- und Konventioneller Imkerei?

Vortrag Henrik ArndtAuch diese sind uneinheitlich je nach Verband und auch Bundesland. Beispielsweise existieren in Bayern keine Gebietsausschlüsse. Man könnte also theoretisch Bienen neben einer Mülldeponie oder dem Abluftschacht einer U-Bahn halten. In Sachsen-Anhalt hingegen gibt es Ausschlussgebiete. Bei der Völkeraufstellung muss ein 3 km-Abstand zu Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen einhalten. Anmerkung: Gleichwohl muss der Imker sein Produkt zurückziehen, wenn im Honig Pollen aus gentechnisch bearbeiteten Pflanzen nachweisbar ist. Und da Bienen bis zu 10 km weit nach Nahrung suchen, wirkt dieses Abstandsgebot als eine Farce.

Vier wesentliche Bereiche lassen sich ausmachen, die die grundlegenden Unterschiede beinhalten: 1. Bienenfütterung 2. Bienenwachs 3. Säurebehandlung 4. Dokumentationspflicht – so jedenfalls haben wir es verstanden.

1. Bienenfütterung

Fütterung aber ist eines der großen Hauptthemen, neben Wachsmanagement, Behandlungen der Krankheiten und einer Dokumentationspflicht.

Zum Thema ausländischer Bio-Rohrzucker in unterschiedlichen Reinigungsgraden (dunkelbraun über „light“ bis fast weiß) oder aus deutschen Zuckerrüben raffinierter weißer Haushaltszucker, darüber hatten wir bereits einmal ausführlich geschrieben. Hier die Links dazu, mit der Bitte, aufmerksam auch die angegebene weiterführende Literatur zu konsultieren:

Alle Artikel zum Thema Bienenauffütterung mit Zucker

Ergänzender Einschub unsererseits: Winterbienen brauchen Kohlenhydrate als Energiequelle, um sich wärmen zu können. Dabei spielt es nicht die große Rolle, aus welchem Ausgangsstoff dieser – zusammen mit den Enzymen der Biene – in Honig umgewandelt wurde. Chemisch gesehen ist der Haushaltszucker in Bio-Qualität identisch mit konventionellem Haushaltszucker. Für die Gesundheit wichtige Eiweißstoffe sind vor allem im Pollen enthalten, der ohnehin im Volk verbleibt.

Die sich entwickelnden Bienenlarven des Frühjahres werden über das Fettpolster der Winterbienen gefüttert, welches aus dem normalen Trachtpflanzenangebot des Vorjahres zustande gekommen ist. Wenn wir also auf Raffinadezucker verzichten würden, dann überwiegend aus dem Aspekt heraus, dass unsere Zuckerrübenfelder großflächig mit Pflanzenschutzmittel, z. B. Glyphosat, behandelt werden. Für die Bienen selbst macht das Ausgangsprodukt „den Kohl nicht fett“.

2. Bienenwachs

Vorbemerkung: Das erste Gefäß des Honigs ist die Wabe. Für die Qualität des Lebensmittels Honig (und nur um diesen geht es hier, nicht um eine Zertifizierung des Wachses!) spielt es durchaus eine Rolle, wie „sauber“, „rückstandsfrei“ oder „100%“ das Wabenwerk ist. Siehe dazu auch das Kapitel „Was ist reines Wachs?“ im Blogbericht zum Veitshöchheimer Imkertag 2017 (4) Wachs.

Henrik Arndt wies auf die Notwendigkeit eines offenen Wachskreislaufes hin. (Anmerkung: auch: Wachsstraße genannt). Also altes Wachs rausnehmen, neues Wachs reingeben bzw. selbst von den Bienen herstellen lassen. Somit kann die Anreicherung von Rückständen verhindert werden.

Er empfiehlt sich außerdem, nur rückstandsanalysiertes Wachs und dies nur von zertifizierten Händlern zu kaufen. Der Kilopreis beträgt dabei ungefähr 43 Euro. Eine gewährleistete Umarbeitung von Eigenwachs hält er erst ab 25 Kilo für realistisch. Wer Wachs zum Kilopreis von 12 Euro ersteht, handelt sich bei diesem Dumpingpreis Probleme ein. Wachs wird in zwei Kategorien angeboten: Nr. 1 ist das hochwertige Deckelwachs und das Wachs des Baurahmens, Nr. 2 bereits einmal bzw. mehrmals bebrütetes Wachs.

Die Frage aus dem Publikum kam, wie sich der Kauf der notwendigen Apparaturen zum Wachsschmelzen, Klären/Desinfiszieren und Mittelwandgießen von rund 2.000 Euro bei Hobbyimkern mit nur wenigen Völkern rechnen kann, war verständlich. Würden wir Honig wie hochwertigen Qualitätswein teurer verkaufen können, wäre die Antwort einfach. Nun, wir von Bienen-leben-in-Bamberg.de sind tatsächlich diesen Schritt gegangen und haben uns die Gerätschaften gekauft. Berichte dazu folgen noch. Wir würden sogar gerne andere Imker in Bamberg und Umgebung davon profitieren lassen, doch stellt sich sich die Frage – und dabei haben wir ins Schwarze getroffen – der Seuchenverbreitung.

3. Säurebehandlung

Henrik Arndt lehnt die Oxalsäurebehandlung kategorisch ab. EOxalsäurebehandlung eines Bienenvolkes an der Sternwarte Bambergr präferiert Milchsäurebehandlung, natürlich neben der noch immer nicht von anderen Methoden ablösbaren Ameisensäurebehandlung. Das tun wir allerdings nicht, denn noch immer können wir uns mit dem dabei verbundenen Akt, die Wintertraube auseinander zu reißen, um sie dann zu besprühen, nicht anfreunden.

Ökologisch orientierte Imker betonen gerne, wie schädlich die Durchsicht des Volkes für das Mikroklima der Bienen sei, um dann andererseits dieses für die Winterbehandlung zu empfehlen, also zu einer Jahreszeit, die es noch schwerer macht, das einmal hergestellte (Warm-)Klima zu halten bzw. wieder herzustellen.

Also auch hier wieder: Man kann es so oder so sehen. Letztendlich gibt einem der Erfolg, seine Bienen möglichst weitgehend varroabefreit durch den Winter zu bringen, recht. Wir mögen uns kein endgültiges Urteil anmaßen. Doch von Zertifizierern wird selbstverständlich eine bestimmte Haltung zum Thema erwartet und / oder vom Verband in den Richtlinien vorgeschrieben.

4. Dokumentationspflicht

Beispiel eines BIO-ZertifikatsZur Umstellungsdauer (1 Jahr) in die Bio-Imkerei und dem speziellen Prozedere der Dokumentation sowie den Kosten gab es noch jede Menge zu hören, bei langsam schwindenden Publikum, das doch weitestgehend die doppelte Zeit anwesend war, als die, die wir eingeplant hatten. Wer hier nacharbeiten bzw. einen guten Einstieg möchte, kann sich die Broschüren der LWG herunterladen. Für die Anwesenden besteht die Möglichkeit, sich bei uns die eingescannten Unterlagenbeispiele (Formblätter) anzufordern.

  • Erklärung / Betriebsbeschreibung Imkerei
  • Betriebsinspektion Imkerei

Dankeschön für Vortrag Henrik ArndtWir danken Henrik Arndt herzlich für seinen erneutes Kommen, bei dem wir mehr als reichlich mit Informationen versorgt wurden, die nun jede/r für sich selbst versuchen kann, in die eigene Betriebsweise einzubauen – ob nun mit der Absicht einer Umstellung, oder einfach, um etwas „besser“ bzw. anders als bisher zu machen.