Wachsverarbeitung (BLIB-Imkerkurs für Anfänger AK20, Modul 10)

Wachs war und ist im Grunde immer noch wertvoller als Honig. Im Rahmen des Imkeranfängerkurses trafen wir uns im Welterbe-Garten zum Modul 10, „Wachsverarbeitung“. Netterweise sandte Petrus die letzten Tropfen über die Gärtnerstadt nur bis fünf Minuten vor 14 Uhr. Schnell also noch die Bänke abgewischt, die Masken zurechtgerückt und los ging’s mit der Wachsverarbeitung an 5 Stationen. 

Inmkerkurs, Modul 10, Wachsverarbeitung

Wachsverarbeitung an 5 Stationen

Die Phasen der Wachsbearbeitung lassen sich in einem früheren und sehr ausführlichen Blogbeitrag mit Checklisten nachlesen. Daher hier nur Ergänzungen.

Entscheidend für die Verarbeitungsweise ist immer das Ausgangsmaterial, also ob Entdeckelungswachs, Drohnenwachs, Altwaben oder geschmolzenes, gereinigtes Grundwachs zur Mittelwandwabenherstellung. Dementsprechend benötigt man unterschiedliche Geräte und Hilfmittel.

Vieles lässt sich im normalen Haushalt finden – natürlich erst nach Absprache mit den Küchenverantwortlichen! Allerdings raten wir davon ab, benutzte Teile in die Spülmaschine zu geben, denn das Wachs verstopft dauerhaft die Düsen. Altgediente Teile können aber so einer neuen Verwendung zugeführt werden.

Manche teure Geräte lohnen sich nur für größere Mengen, so die Mittelwaben-Wachspresse oder ein elektrischer Schmelztopf. Oft gibt es dafür (nicht ganz so kommoden, aber brauchbaren) Ersatz. Andere Geräte wie ein Trafo-Einlöter sind zwar ebenfalls nicht gerade billig, doch unverzichtbar. Da muss man in den sauren Apfel beißen. Eventuell kann man sich manches mit anderen Imker(inn)en teilen.

Und vor allem: Erst anschaffen, wenn man die (länderspezifischen) Fördermöglichkeiten überprüft hat! Denn das Rechnungsdatum ist entscheidend! Bereits vorhandene Imkergeräte sind nicht förderfähig. [Für Bayern -> Förderwegweiser -> MayMBL], s. a. Blogbeitrag Amtliches und rechtliches zur Bienenhaltung]

Fotogalerie AK20, Modul 10

Literatur

NLiteratur zu Wachsach einer kurzen Pause, in der wir mal kurz durch den Welterbe-Garten schlenderten und das Gemeinschaftswerk und die Aussicht über die Untere Gärtnerei bewunderten, konnten noch ein paar Bücher zur Wachsverarbeitung eingesehen werden. Für die Teilnehmenden des Imkerkurses sind die Titel aus unserer Imker-Bibliothek natürlich ausleihbar. Hier die Literaturliste-Wachsverarbeitung.

Mittelwand einlöten

Als Materialaufwand sind zu nennen der Trafo-Wabeneinlöter (umschaltbar Eisen/Edelstahldraht) für ca. € 70 sowie ggf. ein kleiner Keil. Erleichternd wirkt ein Holzplatte als stützender Unterbau in den Innenrähmchenmaßen, dem man zwei Auflageschienen auf der Unterseite anbringt.

Sodann ging’s mit einer praktischen Übung, dem Einlöten von Mittelwandwaben, weiter. Immer erst muss überprüft werden, ob alle Drähte straff sitzen. Gegebenenfalls ist mit einem Drahtspanner nachzuarbeiten. Sind die Drähte danach immer noch zu locker, lässt sich auch ein kleiner Keil am Rahmen einklemmen, um dann die Wabe einzulöten. Sitzt die Wabe fest, kann der Keil wieder entfernt und der überstehende Draht an den Rahmen angedrückt werden.

Das Löten selbst setzt im Grunde keine allzu großen Feinheiten voraus. Die Mittelwände sollen nicht kalt sein und lediglich die richtige Andockstelle der beiden Drahtenden müssen gefunden und mit je einer Pol unter Strom gesetzt werden. Und natürlich muss der richtige Schmelz-Zeitpunkt gefunden werden, damit der Draht nicht durch die Wachsschicht durchschmilzt. Doch auch das kann wieder repariert werden. Unsere Teilnehmenden hatten den Bogen jedenfalls sehr schnell raus und jeweils eine perfekte Mittelwandwabe zustande gebracht.

Fotogalerie Waben einlöten

Der nächste Beitrag wird sich um das Modul 11, das Einfüttern drehen. Bis bald!

Rezension zu Spürgin: „Bienenwachs“

Cover Spürgin: Bienenwachs. Ulmer

„Wachs war wertvoller als Honig“, so beginnt der erste Beitrag zum Standardwerk „Bienenwachs“ des langjährigen Fachberaters für Imkerei, Armin Spürgin. „Die Wertschätzung des Bienenwachs zu heben“ ist sein erklärtes Ziel, und so erfahren wir eingangs, wo das Bienenwachs denn eigentlich her kommt, wie eine Wabe entsteht und was sich alles damit anfangen lässt.

Bedeutung des Wachses

Menschen konnten seit je her allerhand mit Wachs anstellen – vom Ritzen verkleiden über Schreibtafeln bis hin zu regulierbarem Licht. Es war gültiges Zins- und Zahlungsmittel und begehrtes Tauschobjekt bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Seit dem 19. Jahrhundert und mit Beginn der Herstellung synthetischen Kerzenwachses Stearin und Paraffin war die Stunde des Wachses als Wertmittel allerdings gezählt. Dem Honig ging es auch nicht viel besser, er wurde von der Zuckerrübe verdrängt.

Und doch … heute schätzt man reines Wachs wieder in seinem ursprünglichen Sinne, nämlich als adäquates, qualitätsvolles und kontrollierbares Betriebsmittel für die Imkerei und die Honigproduktion. Denn wer einen eigenen, kontrollierten Wachskreislauf sein Eigen nennen kann, dessen Völker sind gut geschützt vor Krankheitskeimen aus anderen Stöcken und / oder unlauteren oder unbeabsichtigten Wachsverpanschungen – und damit vor Schäden in der Bienenhaltung durch ungeeignete Brutbehältnisse. Auch der Honig schmeckt einfach besser, wenn er aus frischen Waben geerntet wird.

Faszinosum trifft unterhaltsames Faktenwissen

Spürgin lässt Faszinierendes mit Faktenwissen und technischen Daten abwechseln. So erfahren wir, dass die Ausrichtung bzw. Form des Wabenverlaufs nach dem Erdmagnetfeld unter Nutzung der Schwerkraft verläuft oder dass die Wandstärke einer Wabenzelle „ziemlich genau“ 0,073 mm bemisst und die Zellweite von 6,2-6,4 mm für Drohnenzellen um 1 mm größer als die der Arbeiterinnenzellen ist. Damit kann man beim Unterrichten oder in Führungen ruhig ein wenig für Staunen im Publikum sorgen. Wirklich wichtig fürs Imkern ist es nicht zwingend.

Nur wer Imkermeister oder Bibliothekarin oder Erwachsenenbildnerin ist und damit zu den Korinthenkackern zählt, könnte sich daran ergötzen. Daher wird die Erläuterung zur Wachsschüppchenproduktion in der nächsten Auflage eine genauere Beschreibung erhalten. Das stellte Spürgin nach unserem kurzen Mailwechsel in Aussicht. Hier gab es nämlich bei mir eine „kleine Irritation“ hinsichtlich der Anzahl der Wachsschüppchen im Verhältnis zu den genannten Bauchschuppen. Die acht Schüppchen treten streng genommen bereits zwischen dem 2. (und nicht erst wie im Buch beschrieben dem 3.) Bauchsegment hervor, beziehungsweise, wenn vom Wachsspiegel ausgegangen wird, „von der 3. bis zu 6. Bauchschuppe inklusive“.

Ja, Bienen, ihr Leben und das Imkern kann zuweilen kompliziert bzw. komplex anmuten. Um so löblicher, dass man mit allzu vielen Details verschont bleibt, wobei Unschärfen in Kauf genommen werden müssen. Schon mal auch, um die Seitenzahl trotz Megaumfang der Themen reduziert zu halten. Das ist Spürgin absolut ausgewogen gelungen!

Wie in all seinen Werken ist seine Schreibweise sachlich und kompakt – jeder Satz ein Treffer! – dabei jedoch angenehm unterhaltsam, da ohne größere Ausschweifungen, erhobene Zeigefinger. Die Leser/innen werden direkt angesprochen, und so fühlte ich mich denn auch in jedem Absatz mitgenommen. Neben Zeichnungen, Fotos und Tabellen lockern Tipps und Hinweise in hellroten Kästchen die Beschreibungen auf und richten das Augenmerk auf hilfreiche oder bemerkenswerte Details.

Wabenmanagement und Wachsernte

Nachvollziehbar auch für Jungimker/innen ist beschrieben, wie das Wabenmanagement funktioniert und wie mit dem bei der Honigernte anfallenden Entdeckelungswachs umgegangen wird sowie die Altwaben vor der Wachsmotte geschützt sind. Basiswissen gepaart mit Erfahrungswissen lässt das Gefühl von informeller Sicherheit aufkommen.

Doch durch das Aufgreifen von aktuellen Diskussionen zu bestimmten Betriebsweisen lässt Spürgin auch Spielraum für eigene Überlegungen. Manches könnte hier gerne etwas weiter ausgeführt werden. So wirft die Textstelle mit den lautwerdenden Forderungen, die „Ausstattung des Honigraumes ausschließlich mit hellen Waben und Mittelwänden vorzunehmen“, – also so, wie wir selbst es bevorzugen –, einige Fragen auf. Das Verhonigen des Brutraumes zu verhindern kann durchaus mit Schieden erfolgen und bedarf keiner „braunen Waben“, wie es mehr oder weniger empfohlen wird. Doch sind das nur Marginalien und fachen die unter Imker/innen üblichen Diskurse an, ohne die wir niemals weiterführende Erkenntnisse gewinnen würden.

Wachsgewinnung

Eines der Hauptkapitel befasst sich erwartungsgemäß mit der Gewinnung von Wachs. Wobei damit natürlich nicht der eigentliche Prozess des Wachsproduzierens gemeint ist. Denn diesen haben nach wie vor die Arbeitsbienen zu leisten, die die reinweißen Wachsplättchen aus ihrer Körperunterseite schwitzen und mit ihren Mandibeln zerkneten und baufertig machen. Über 300 Einzelstoffe sind nachweisbar, die wenigsten betragen dabei mehr als 5%. Eine Rolle spielen außerdem Propolis, körpereigene Enzymen, (Mandibeldrüsensekret) sowie Zellen des Fetteiweißkörpers der Biene und natürlich Honig.

Mit „Gewinnung“ also sind die Möglichkeiten des Extrahierens von reinem Wachs mittels Trennung von (Brut-)Rückständen sowie das Reinigen zu verstehen. Spürgin geht dabei auf die bekanntesten Schmelzmöglichkeiten (z. B. Sonnenwachs-, Wasser-, Dampf-, Infrarotschmelzer) sowie Pressverfahren ein, aber auch auf die Einfriermethode, das Zentrifugieren und außerdem allerlei denkbare Arten, Wachs wie Rähmchen zu reinigen. Wer hier unsicher war, kann nun schön Vergleiche ziehen und zu einer Entscheidung für sich gelangen.

Wachsprodukte herstellen

Wer imkerlich fortgeschritten ist oder einfach gerne handwerkt, wird sich von gekauften Mittelwänden und Rähmchen oft schnell verabschieden wollen. Dann bietet dieses Hauptkapitel genau das Richtige an. Der Geräteeinsatz zu Gieß- und Walzverfahren und zur Rähmchenherstellung nebst Gerätepflege werden jeweils mit Nennung von Vor- und Nachteilen sowie Sicherheitsaspekten erläutert.

Last but not least folgen die Kapitel Bienenwachs in Handwerk und Kunst, Kosmetik und Naturmedizin und die interessante Frage, ob die Wachserzeugung ein lohnendes Produktionsverfahren sei.

Summa summarum: ein Standardwerk!

Nicht nur die im Buch verstreuten Materiallisten tragen erheblich zu einem sicheren Start in das einzelne Vorhaben bei, was gerade für Jungimker/innen vorteilhaft ist. Auch der Serviceteil am Ende des 128-seitigen, inhaltsstarken Bändchens sollte begeistern. Er besteht hauptsächlich aus einem umfangreichen, sehr speziellen Adressenteil für den deutschsprachigen Raum (D-A-CH) nebst Ausreißer I und DK, der beispielsweise auch Bezugsquellen für Kerzen-Tauchgestelle, Holzschutzzubehör oder Lippenstifthülsen und -formen aufführt, also von grundsätzlichen bis zu speziellen Betriebs- und Hilfsmittel finden sich bekannte Firmen wie auch den Internet-Suchdiensten eher verborgen gebliebene Spezialisten, zu finden ab Seite 3 und damit quasi nicht vorhanden. Spürgin hat da dankenswerterweise einen Schatz gehoben.

Hingegen enttäuscht der mit lediglich zwei Werken angeführte Literaturteil und eine vereinzelte Videoangabe gehörig. Das wäre schon sehr ausbaufähig, doch kommt es mir nachgerade zupass, um überhaupt einen wesentlichen Kritikpunkt einbringen zu können, wie es sich für eine möglichst objektive Rezension gehört. Jedoch …

… insgesamt ein in Theorie und Praxis absolut überzeugendes Standardwerk für Macher/innen, ob Imkeranfänger/innen oder Fortgeschrittene, welches zwar bereits 2014 erschienen ist und natürlich nach sechs Jahren im Adressteil punktuell aktualisiert werden müsste, doch immer noch in jede Imkerbibliothek Eingang finden sollte! Wir freuen uns auf eine aktualisierte Auflage und bitten Autor wie Ulmer-Verlag um eben jene!


Bienenwachs. Gewinnung, Verarbeitung, Produkte / Armin Spürgin. 2. Aufl. Stutttgart : Ulmer. 2014. Die Imker-Praxis. ISBN 978-8001-8097-4


Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Einfüttern und Wachsverarbeitung (BLIB-Imkerkurs für Anfänger, 9. Modul)

Das Modul, wie das Einfüttern genau funktioniert, ist nicht dokumentiert. Denn in dieser Zeit war die Fotografin am Offenhalten der Bienen-InfoWabe, die zeitgleich mit dem Kurs auf Gäste wartete, die mit ihren spezifischen Fragen den Sonntag nutzten. So hat sich erfreulicherweise auch Enrico mit seinem Vater aufgemacht, um sich zu erkundigen, ob man bereits mit 14 Jahren bei uns das Imkern erlernen darf. Ja, darf man! Und bei diesem jungen Mann wissen wir auch ganz genau, dass er es wirklich will! Schließlich konnte sein Entschluss satte vier Jahre lang reifen. Seine erste begeisterte Begegnung mit unseren Bienen stammt aus dem Jahr 2015!

So schickte ich die beiden zum Lehrbienenstand am Fünferlessteg, wo Reinhold gerade demonstrierte, welche Eimerchen sich von der Form her am besten fürs Einfüttern eignen, und dass nach einigen Versuchen uns Stroh am ehesten als Steighilfe geeignet erscheint, damit die Bienen beim Aufnehmen des Zuckerwassers nicht absaufen. Zum Thema Zuckerwasser haben wir uns ja an einigen anderen Stellen bereits ausgiebig geäußert.* Enrico jedenfalls kam mit leuchtenden Augen zurück, und ich bin fest überzeugt, wir haben einen neuen Jungimker gewonnen!

Vortrag Wachsverarbeitung

Teilnehmende des Anfängerkurses und Gäste zum Vortrag Wachsverarbeitung von Reinhold BurgerNach einer kurzen Pause ging’s weiter mit einem Vortrag zur Wachsverarbeitung. Dazu durften auch interessierte Gäste teilnehmen. Aus terminlichen Gründen war es also quasi eine Doppelveranstaltung. Doch für 20 Personen (und einen jungen Hund!) sowie den Demonstrationsgeräten und unseren Flohmarkt-Tischen hat der Platz gerade so gereicht.

Fünf Stationen der Wachsverarbeitung

Führende Fragen

Vortrag Wachsverarbeitung von Reinhold BurgerWelches Wachs fällt in der Imkerei an? Wie können wir das Ausgangsmaterial aufbereiten? Was sind die Zwischen- und Endprodukte? Wie lassen sich diese zum Beispiel zu Mittelwandwaben weiterverarbeiten? Wie funktioniert das Einlöten in die Rähmchen? (Fast) alle Phasen der Wachsbearbeitung wurden an fünf Stationen anschaulich erklärt – auch hier gibt es bereits einen ausführlichen Blogbeitrag. Reinhold Burger gab außerdem Tipps zum Kauf und der Behandlung der Gerätschaften.Vortrag Wachsverarbeitung von Reinhold Burger

Mittelwand einlöten, Vortrag Wachsverarbeitung von Reinhold BurgerDer Nachmittag war randvoll mit Aktivitäten, denn außerdem boten wir unseren Ferien-Hausflohmarkt auf, der noch einmal – am So., 08.09.19 von 14-17 Uhr – stattfinden wird. Eine Woche später erfolgt dann auch schon die Saison-Abschlussfeier, und dann geht’s bereits wieder in die Winterpause mit der Bienen-InfoWabe.

Also, nutzt die Gelegenheit, uns heuer noch zu besuchen – wir freuen uns auf euch!

* Vor- und Nachteile Zuckerarten -> Alle Blogbeiträge zum Thema Bienenauffütterung mit Zucker:

Vortrag Wachsverarbeitung von Reinhold Burger

25.08.19 – BIWa-Sonntagsöffnung mit Hausflohmarkt und Vortrag

So., 25.08.19 – BIWa-Sonntagsöffnung mit Vortrag

  • 14.00 – 16.00 Uhr | Offenes Haus für alle … rund um Bienen, Honig, Imkerei und Natur.
  • 16.00 – 18.00 Uhr | Bienenwachsverarbeitung in der Hobbyimkerei. An fünf Stationen anschaulich erklärt. (Zugleich Modul 9 des Imker-Anfängerkurses, Beschreibung siehe unten)

Verschiedene Wachsblöcke zur DemonstrationWas? Welches Wachs fällt in der Imkerei an? Wie können wir das Ausgangsmaterial aufbereiten? Was sind die Zwischen- und Endprodukte? Wie lassen sich diese zum Beispiel zu Mittelwandwaben weiterverarbeiten? Wie funktioniert das Einlöten in die Rähmchen? (Fast) alle Phasen der Wachsbearbeitung werden in chronologischer Reihenfolge anschaulich erklärt. Das Einlöten kann zudem selbst ausprobiert werden. Dazu gibt es Tipps zum Einkauf und der Behandlung der Gerätschaften. Eine kleine Wachskunde dürfte auch für Schüler/innen interessant sein.
Für wen? Jungimker/innen, Wiedereinsteiger/innen, Fortgeschrittene
Kosten? Keine, über Spenden freuen wir uns
Referent: Reinhold Burger, Facharbeiter Bienenwirtschaft, Bienensachverständiger, Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de
Wo? Bienen-InfoWabe, Bienenweg 1, 96047 Bamberg (Erba-Park)


So., 25.08.19  |  14.30-15.30 Uhr und 16.00-18.00 Uhr

Verschiedene Wachsblöcke zur DemonstrationImkerkurs (Anfänger und Fortgeschrittene)
9. Modul: Einfüttern, Wachsverarbeitung

Wann? Was?

  • 14.30-15.30 Uhr  |  Einfütterung
    Um die Praxis der Einfütterung und die Theorie von Vor- und Nachteilen verschiedener Zuckerarten geht es im ersten Teil des Modul 9.
  • 16.00 – 18.00 Uhr  |  Wachsverarbeitung
    Der zweite Teil ist der Wachsverarbeitung gewidmet.
    Im Theorieteil erwartet uns Spannendes zur Wachskunde und -verarbeitung, gefolgt von einer praxisnahen Gerätedemonstration. Hier kann auch das Einlöten von Waben in die Mittelwandrähmchen ausprobiert werden. (zugl. BIWa-Sonntagsöffnung)

Wo? Bienen-InfoWabe (BIWa) – Adresse und Daten unter dem angegebenen Link.
Und sonst? Dieses Modul ist auch einzeln im Rahmen des BLIB-Imkerkurses für Fortgeschrittene buchbar.

Kosten, Anmeldung und Programm? BLIB-Imkerkurs-Anfaenger-2019 sowie Zusatztermine Honigschleudertage-2019. Einstieg jederzeit möglich.


Spezialporträt Imkereibedarf Josef Muhr

[Hinweis: Werbung, unbeauftragt! Bei diesem Text handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der unbeabsichtigt durchaus eine werbende Wirkung beim Leser haben könnte, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt wurde!]

Ihr erinnert euch an den Wachsskandal 2016? Wir konnten uns damals vor Anfragen kaum retten, wer denn nun unverfälschtes Wachs liefern bzw. das Eigenwachs zuverlässig umarbeiten würde. Denn gute Waben sind elementar wichtig für eine gesunde Brut.

Schon damals ergab unsere Recherche, dass wohl die „Qualität aus dem Bayerischen Wald“ kommen würde. Tatsächlich hat sich diesen Slogan der Betrieb „Imkereibedarf Josef Muhr“ auf die Fahnen geschrieben. Denn eines seiner zentralen Dienste in Sachen Imkereibedarf ist seit 2009 die Wachsumarbeitung, die man – sehr selbstbewusst – die „Oberpfalzwabe“ nennt.

Familienbetrieb Imkereibedarf Josef Muhr

Familienbetrieb Imkereibedarf Josef Muhr; Foto mit frdl. Genehmigung @ J. Muhr

Umstieg auf Eigenwachs zur Qualitätssicherung des Honigs

Dreiviertel Schöpfkelle Wachs zügig im oberen Teil der Prägeform verteilenDa wir nicht zuletzt wegen der extremen Unsicherheiten im Wachshandel auf Eigenwachs umgestiegen sind, wissen wir über den unglaublich hohen Aufwand, der das Sammeln, Schmelzen, Klären und Gießen und nicht zuletzt das Reinigen aller Gerätschaften bedeutet, von den enormen Geräteanschaffungskosten ganz zu schweigen.

Mittelwandfertigung bei "Imkereibedarf Josef Muhr"

Mittelwandfertigung bei „Imkereibedarf Josef Muhr“. Foto mit frdl. Genehmigung @ J. Muhr

Zu alledem kommt die Mühe in Sachen Nachweisführung und Qualitätskontrolle hinzu, wenn man, wie die Imkerei Muhr, bio-zertifiziert ist. Mit ein Grund, warum wir als „Hobbyimkerei“ keine Zertifizierung für unsere Wachswaben anstreben. Wir nutzen allerdings die seit 2017 mögliche Förderung zur Analyse von Wachs, um Stichproben zu ziehen. Aber wir verkaufen schließlich auch keine Waben, sondern verwenden sie für unser eigenes Dutzend Bienenvölker, um eine hohe Qualität unseres Bamberger Lagenhonig zu erlangen. Denn das erste Gefäß für das wertvolle Gold der Bienen ist nun mal die Honigwabe – und Honig verkaufen wir durchaus.

Wer aber mindestens ganz Bayern mit Wachs und über 2000 weiteren Artikel (auch im Online-Versand) beliefert sowie 400 Bienen unter dem Siegel „Bioland“-Imkerei pflegt sowie Hausmessen und Imkertage veranstaltet, kann dies natürlich niemals alleine stemmen. Senior wie Junior Muhr, mithin ein Familienbetrieb aus drei Generationen, stehen 13 Mitarbeiter/innen im Ort Prackenbach zur Seite.

Begegnungsanlässe

Stand mit Buchangebot von Imkereibedarf Josef MuhrEinen kleinen Ausschnitt ihres Sortiments sehen wir übrigens regelmäßig zum Veitshöchheimer Imkertag, wo wir auch schon das eine oder andere, vor allem aber Bücher, erstanden hatten.

Josef Muhr Junior lernten wir im Februar 2018 anlässlich seines Vortrags innerhalb des Imkerforum-Schwerpunktes „Wachs“ am Institut für Bienenkunde und Imkerei kennen. Dort gab er einen Einblick in die Problematik aus seiner Sicht eines erwerbsmäßigen Wachsverarbeiters. Er stellte fest, dass es noch immer keine offiziellen Richtlinien zu Standards bei der Wachsqualität gerade im Hinblick von Wachszusammensetzungen und -rückstanden gibt. Davon war dann ein halbes Jahr später zum Imkertag erneut die Rede, dem wir zwei ausführliche Beitragsteile – Qualitätssicherung Wachs und Mittelwanderstellung aus Eigenwachs – folgen ließen.

Stand Imkereibedarf MuhrAuf dem Prüfstand

Seit einer geraumen Weile nun beschäftigten wir uns also intensiv mit dem Thema „Wachs“. In logischer Konsequenz kann man im Modul 9 unseres BLIB-Imkerkurses (Di., 25.08.19  |  16.00-19.00 Uhr) alles Elementare darüber lernen. Selbstverständlich werden wir dabei der Frage nachgehen, wohin mit dem „Anfängerwachs“, das ja noch nicht sehr üppig ausfällt, dennoch aber gesammelt werden mag. Bei lediglich 10 kg ist die Adresse „Frankenwachs“, doch hier fehlen uns noch eigene Erfahrungswerte. Aber bereits ab 20 Kg ist die Umarbeitung auch im „Imkereibedarf Josef Muhr“ möglich. Da kann man sich auch zusammenschließen.

Wie auch immer … für den Ver- und Zukauf von Wachs benötigen unsere Teilnehmer/innen eine verlässliche Adresse, für die wir bürgen möchten. Nach unserem derzeitigen Stand werden wir auf den mit dem regionalen Arber-Preis bedachten „Imkereibedarf Muhr GbR“ bauen und unser Vertrauen in sie immer wieder auf den Prüfstand stellen.

Übergabe Arber-Land-Premium-Preis für Imkereibedarf Josef Muhr, Junior und Senior

Übergabe Arber-Land-Premium-Preis für Imkereibedarf Josef Muhr, Junioer und Senior; Foto mit frdl. Genehmigung @ J. Muhr.

Aktualisierung am 1.12.2019

Apropos Prüfstand: Wir hätten uns gerne selbst persönlich vom Wachsbearbeitungsbetrieb, speziell im Rahmen des notwendigen Praktikums von Reinhold zum Imkereimeister, überzeugt, doch  lässt Familie Muhr lediglich zum Imkereibetrieb ein Praktikum zu. Wachsverarbeitung bleibt sein Betriebsgeheimnis, so Josef Muhr junior nach einer entsprechenden Anfrage.

Kenndaten

Imkereibedarf Josef Muhr GbR
Hagengruber Straße 1
94267 Prackenbach

Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 09:00 Uhr – 18:00 Uhr
Sa: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr

Hinter den Kulissen eines Besuchsprogramms

Windverwehter Pavillon nach Gewitter„Euer Pavillon hat sich selbständig gemacht!“, so Nachbar Ralfs Anruf am Morgen des Besuchstages der beiden Bundestagsabgeordneten Lisa Badum und Harald Ebner. Na, toll! Da leiden wir wochenlang unter brütender, bleischwerer Hitze, und wenn man’s mal wirklich windstill braucht …! Glücklicherweise stand uns Erba-Nachbarin Gabriele Kellermann spontan zur Seite, ebenso ein zufällig vorbeigehender Passant. Der Schaden – zwei Strebenbrüche und ein verbogenes Verbindungsstück – wurden soweit repariert, dass die Standkraft wieder hergestellt werden konnte. Weil man ja eh nichts zu tun hat, als das am Vortag mühevoll in vier Stunden aufgebaute Zelt wieder herzurichten.

Der Akt des gestrigen Zusammenbastelns wurde wenigstens durch den Besuch zweier an unserem Bamberger Bienengarten hochinteressierter Freundinnen unterbrochen, die in Erinnerung einer wohl sehr schönen Landesgartenschauzeit mal wieder auf die Erba kamen. Sie ließen sich eine Zeitlang auf unseren Sitzbänken nieder und besahen sich sodann alle Pflanzetiketten ganz genau. Ganz klar, dass wir sie auch außerhalb unserer zweiwöchentlichen Sonntagsöffnung bestens mit Pflanzlisten und Flyer sowie Visitienkarten, von welchen Gärtnereien alles bezogen werden kann (hier der Überblick), versorgten.

Ein Plausch mit zweier unserer Bienenpaten sorgte ebenfalls für Abwechslung beim Montieren der zahlreichen Schräubchen, Ringlein und Stoffmeter. Wiebke Burkhart brachte uns selbstgemosteten Apfelsaft für die anstehende Veranstaltungen vorbei, und Dietmar Schalkhäuser holte sich seine diesjährige Bienenpatengabe ab.

Bienenpatin Wiebke Burkhart und Bienenpate Dietmar SchalkhäuserWieder einmal fühlen wir uns trotz aller Arbeit aufgehoben im Kreis unserer Bienenfreundinnen und -freunde, die uns auf vielfältige kleine wie große, stille wie deutlich vernehmbare Weise hilfreich zur Seite stehen. Ob uns auch unsere beiden morgigen Mitglieder des Bundestages unterstützen können, werden wir noch erfahren. Beim Pavillon-Wieder-Aufbau brauchen wir sie erstmal nicht. 😉

Reinhold baut Pavillon auf,Übrigens: Das Zelt hat ein Fliegengitter und wurde nicht nur angeschafft, weil wir darin relativ wespenungestört die leckeren Teilchen von unserem Sponsor, Leckerbäcker Thomas Loskarn zu kredenzen erhoffen, sondern auch, um das Wabenausschmelzen zu erleichtern. Es ist selbst für abgebrühte Imker nicht unbedingt nervenberuhigend, in einer hungrigen Wolke aus Bienen und Wespen zu stehen, die vom Wachs-/Honigduft angelockt werden.

Wachsverarbeitung an 5 Stationen

Seminarteilnehmende der Uni Bamberg, Thema "Wachs"Duftprobe BienenwachsWelches Wachs fällt in der Imkerei an? Wie können wir es aufbereiten? Was sind die Zwischen- und Endprodukte? Wie lassen sich die Endprodukte verarbeiten?

In 90 Minuten durch (fast) alle Phasen der Wachsbearbeitung – das Sondermodul im Seminar „Schul-Imkerei“* benötigte im Vorfeld eine gute Logistik, um alle Gerätschaften und Anschauungsobjekte heranzuschaffen. Da wir das Ganze sicherlich nicht gleich wiederholen, hier unser ausführlicher Beitrag mit vielen anschaulichen Fotos.

Verschiedene Wachsblöcke zur Demonstration

Geräte zur WachsverarbeitungKleine Wachskunde

  • (Chemische) Bestandteile von Wachs sind vor allem Ester und Fettsäuren sowie in geringen Mengen freie Alkohole und Kohlenwasserstoffe
  • Wachs wird vom Menschen neben der Imkerei verwendet für Kosmetik, Pharmazie, Chemisch-technische Industrie, als Trennmittel in der Lebensmittelindustrie, der Medizin, im Haushalt und in der Kunst
  • Die Wachsherkunft sollte bei Einkäufen nachvollziehbar sein. Beim Verarbeitungsprozess unterscheiden wir Altwachs, Drohnenwachs und Entdeckelungswachs
  • Wachs wird belastet durch fettlösliche Umweltstoffe und Varroazide
  • Die Arbeit der Wachsverarbeitung lohnt sich, sowohl für das Tierwohl als auch die Qualität des Honigs. Finanziell lohnt es sich leider eher weniger. Falsche Sparsamkeit öffnen die Tür für verurteilenswerte Wachspanschereien.
  • Harmlose Wachsblüte, kein SchimmelDem Wachs sieht man seine Qualität leider nicht an. Was wie Schimmel aussieht, kann beispielsweise eine harmlose Wachsblüte sein, die bei leichtem Anfönen wieder verschwindet. Hingegen sind Wachsverpanschungen meist an Anomalien im Brutgeschehen und an unregelmäßig ausgebauten, abgesackten Waben zu erkennen und schädigen das Volk. Rückstandsanalysen nimmt in Bayern unentgeltlich bzw. gegen geringe Kosten der Tiergesundheitsdienst (TGD) vor.

Station 1: Entdeckelungswachs

Entdeckelungswachs eignet sich hervorragend für die Herstellung kosmetischer Pflegeprodukte, beispielsweise von Lippenstiften oder Cremes. Achtung: Selbst hergestellte kosmetische Mittel sind erst einmal nur für den Eigengebrauch verwendbar. Bei  Inverkehrbringen kosmetischer Mittel sind die umfangreichen Anforderungen des europäischen Kosmetikrechts zu beachten.

  • Entdeckeln einer HonigwabeAusgangsmaterial: Entdeckelungswachs entsteht bei der Honigernte. Vor dem Schleudern wird die dünne Wachsdeckelschicht mit einer spitzzinkigen Entdeckelungsgabel abgehoben. Entdeckelungswachs ist das wertvollste Wachs, da neues, also von den Bienen frisch hergestelltes Wachs, unbebrütet und somit am reinsten.
  • Zwischenprodukt: „Wachstorte“
  • Endprodukt: Kosmetische Mittel, wie Lippenstift, Cremes. Mittelwände.
  • Geräte:
    a) Wachstopf aus Edelstahl. Falls ein Emaille-Topf verwendet wird, sollte die Emailleschicht sollte unverletzt sein, da sich Wachs, das mit Eisen in Berührung kommt, durch die im Wachs enthaltenen Säuren grau verfärbt. Falls das passiert sein sollte, entfärben mit Oxal- oder Schwefelsäure.
    b) Wasserbad-Konstruktion: ein größerer Wassertopf, in der ein kleinerer Wachstopf zum Erhitzen eingehängt werden kann.
    c) Weiches (destilliertes) Wasser, Regenwasser oder Wasser nach dem Verwenden eines Ionentauschers. Bei hartem Wasser verseift es und wird grau
    d) Wasser für das Wasserbad
    e) Kochplatte
  • Vorgehensweise: Entdeckelungswachs mit dem weichen Wasser schmelzen. Dabei den Wachstopf unbedingt im Wasserbad erhitzen. Es verhindert, dass Wasser im Wachs-Wasser-Gemisch siedet. Der Schmelzpunkt des Wachses liegt bei ca. 64°C. Bei Erhitzung über 100° C kocht der Topf durch Siedeverzug des Wassers explosionsartig über! Erhitzung des Wachses immer unter Aufsicht! Anschließend Topf langsam abkühlen lassen. Gröbere bzw. schwerere Bestandteile im Wachs sinken ab. Der Wachskuchen schwimmt auf dem Wasser-Honig-Gemisch. Die Unreinheiten setzen sich unten am Wachskuchen ab und werden mit dem Stockmeisel abgekratzt.

Fotogalerie Station 1: Entdeckelungswachs einschmelzen


Station 2: Drohnenwachs

Blöcke des Drohnenrahmenwachses kann man in einem Wachsverarbeitungsbetrieb zu neuen Mittelwänden im Rahmen einer Eigenwachsumarbeitung verarbeiten lassen. Bei der Eigenwachsumarbeitung bekommt man die Mittelwände aus dem angelieferten Wachs ohne Beimischung von fremden Wachs hergestellt. Wir von Bienen-leben-in-Bamberg.de verarbeiten unser eigenes Drohnenwachs selbst. Verfälschungen der Mittelwände sind damit zu 100% ausgeschlossen (siehe auch Station 4).

  • Drohnenbrut schneiden zur VarroaprophylaxeAusgangsmaterial: Drohnenwaben werden den Völkern in den Sommermonaten entnommen. Mit der biotechnischen Maßnahme des Drohnenwabenschneidens wird der Varroa-Befall in den Völkern bis zur Schleuderung des Honigs wirksam reduziert. Drohnenrahmenwachs ist ein sehr wertvolles Wachs, da neues, d. h. von den Bienen im Naturwabenbau hergestelltes Wachs. Drohnenrahmenwachs ist praktisch unbelastet von Umweltschadstoffen, da es nur sehr kurz im Bienenstock verweilt. Allerdings ist es um einiges unappetitlicher bei der Verarbeitung als das leckere Entdeckelungswachs. Das Problem ist die Geruchsbelästigung bei einer Aufbewahrung über mehrere Tage und Wochen.
  • Zwischenprodukt: Wachsblock
  • Endprodukt: Mittelwände
  • Geräte:
    a) Entsafter
    b) Nylonstrümfe als Filter. Hier die Füße abschneiden und jeweils zuknoten
    c) Kartoffelstampfer zum Auspressen
    d) Joghurteimer (nachfragen bei Gastro, da fallen größere Mengen an)
    # alternativ: siehe Gerätschaften „Station 3: Altwaben“
  • Vorgehensweise: Drohnenwachs in Nylonstrumpf einfüllen und Strumpf zuknoten. Wachsstrumpf im Siebeinsatz ausschmelzen. Um die Wachsausbeute zu erhöhen, den Strumpf mit dem Kartoffelstampfer auspressen. Im Auffangbehälter gesammeltes Wachs-Wasser-Gemisch in Eimer abfüllen und sehr langsam abkühlen lassen. Der Eimer sollte während der Abkühlphase nicht erschüttert werden, damit sich die Schmutzstoffe mittels Schwerkraft vom Wachs trennen. Nach Erkalten schwimmt der Wachskuchen auf dem Wasser. Futterreste, Drohneneiweiß und andere Unreinheiten setzen sich unten am Wachskuchen ab und werden mit dem Stockmeisel abgekratzt.

Fotogalerie Station 2: Drohnenwachs einschmelzen


Station 3: Altwaben

Nach mehrmaligen Reinigen eigenet sich das Wachs der Altwaben gut für die Kerzenherstellung. Für Mittelwände ist das Altwachs weniger geeignet, da es mit Rückständen zur Behandlung der Varroamilbe sowie mit Umweltschadstoffen belastet sein kann. Die Betonung liegt auf kann, da die in unserer Betriebsweise verwendeten Varroazide (organischen Säuren wie Milch, Ameisen- und Oxalsäure), rückstandsfrei sind!

  • Am Lehrbienenstand Fünferlessteg, Modul 9 Wabenhygiene und VarroabehandlungAusgangsmaterial: Bebrütete Waben. Altwaben fallen im Herbst vor der Auffütterung der Völker im Rahmen der Wabenhygiene an. Wabenhygiene bedeutet, dass (bei unserer Betriebsweise) ca. 1/3 des Wabenbestandes den Völkern entnommen und durch die frischen Waben der ausgeschleuderten Honigwaben ersetzt wird.
  • Zwischenprodukt: Wachsblock
  • Endprodukt: Kerzen
  • Geräte:
    a) Dampfwachsschmelzer aus Wachstrichter (Edelstahl)
    b) Eisenverzinktes (nicht rostiges!) Absperrgitter
    c) Dampferzeuger (Tapetenablösegerät)
    e) Eimer
    f) Leerzargen
    g) Deckel
    h) heißer Alkohol oder heißes Benzin (Vorsicht!) zum Entfernen von etwaigen „Wachsunfällen“, z. B. durch Überlauf
  • Vorgehensweise: siehe Anleitung zum eigenen Wachskreislauf.
  • Alternatives Schmelzgerät ist der Sonnenwachsschmelzer.
    Sein Vorteil: Stromunabhängig. Nachteil: Längere Dauer des Vorgangs (je nach Sonnenscheindauer).
    Vorteil Dampfwachsschmelzer: Wabenverarbeitung unabhängig vom Wetter. Nachteil: Stromverbrauch

Fotogalerie Station 3: Altwaben einschmelzen


Station 4: Mittelwandgießform

Mittelwandrähmchen werden aus dem verarbeiteten und gereinigten Drohnenwachs (siehe Anleitung oben) hergestellt. Dazu muss der Wachsblock erneut eingeschmolzen werden. Das flüssige Wachs kann durch Walzen (meist nur in Großbetrieben) oder Gießen in Form gebracht werden. Eine einfache Silikon-Mittelwandgießform ist für unter 200 Euro zu haben. Für höhere Bedarfsmengen empfiehlt sich eine Mittelwand-Gießformen aus Edelstahl mit Wasserkühlung. Kosten ab ca. 850 Euro. Letztere wurde im Seminar vorgestellt.

Geräte:
a) Mittelwand-Gießformen aus Edelstahl mit Wasserkühlung
b) Wachstopf (wie Station 1)
c) Schöpfkelle
d) Spatel, Teigschaber o. ä.
e) Pinsel (Teigpinsel)
f) verdünntes Spülmittel oder aufgelöste Kartoffelstärke
g) Thermometer

Vorgehensweise: Topf mit geschmolzenem Wachs in die Nähe der Gießform stellen. Eine  Dreiviertel Schöpfkelle Wachs zügig im oberen Teil der Prägeform verteilen, also etwa nicht ganz die Hälfte befüllten. Sofort, jedoch nicht ruckartig schließen und mäßig gedrückt halten. Die Flüssigkeit verteilt sich durch Druck über die untere Hälfte. Mit dem Teigschaber oder einer Spachtel an der geschlossenen Kante entlang fahren und das überschüssige Wachs entfernen. Nach etwa 30 Sekunden den Hebel an der linken Seite des Oberteils der Mittelwand-Gießform anheben und den oberen Prägeteil aufklappen. Die Mittelwand an einer Ecke vorsichtig von der Prägeform lösen und behutsam mit beiden Händen gleichmäßig abheben. Hin und wieder die Kante der Gießform mit aufgelöster Kartoffelstärke einpinseln. Hin und wieder die Honigtemperatur messen und ggf. auf 80°C hochheizen. Das abgespachtelte Wachs des Kühlwasserbehälters nicht sofort wieder in den Wachstopf zurückbefördern, sondern erst sorgfältig trocknen lassen. Es sei denn, man hat vernünftigerweise mit Wasserbad gearbeitet.

Fotogalerie Station 4: Mittelwandgießform


Station 5: Einlöten

Geräte:
a) Werkunterlage
b) Langes Lineal
c) Löttrafo
f) Scharfes Messer / Cutter
g) Kleine Keile, falls Draht nachgespannt werden muss
g) Rähmchen und Mittelwände
Vorgehensweise: Mittelwände mit dem Cutter gegebenenfalls auf die richtige Größe zuschneiden. Bei waagerecht bedrahteten Rähmchen werden die beiden Kabel des Löttrafos seitlich links oben und rechts unten direkt an die Drähte geführt. Der Strom erhitzt den Draht, die Mittelwandwabe schmilzt in den Draht hinein. Falls das nicht durchgängig passiert, war der Draht nicht fest genug gespannt. Mit einem kleinen Keil, seitlich zwischen Rahmen und Draht platziert, stellt man die Spannung wieder her und nimmt im Anschluss das jeweils betroffene Drahtareal unter Strom.

Fotogalerie Staiton 5: Einlöten


Literaturtipps zur WachsverarbeitungLiteraturübersicht


*„Didaktik der Naturwissenschaften“ der Fakultät Humanwissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg am Institut für Erforschung und Entwicklung fachbezogenen Unterrichts – EE-feU.


Übersicht der 10 Module zum Seminar „Schul-Imkerei“

… mit Verlinkung, sofern wir einen Bericht dazu veröffentlicht hatten. [Nachtrag am 03.04.2019.]

  1. 20.04.2018: Seminar (M4) Praxis Lehrbienenstand II (Schwarmverhinderung, Varroaprophylaxe) für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  2. 27.04.2018: Seminar (M5+6) Grundlagen Schulimkerei und Bienenunterricht für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  3. 03.05.2018: Schulbienen-Unterricht für Klasse 2 (Integrationsklasse) der Gangolf-Grundschule im Rahmen des Seminars (M7a) „Praxis Schulbienenunterricht“ für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  4. 04.05.2018: Seminar (M7b) Umsetzung „Praxisunterricht Schulbienenunterricht“ des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  5. 06.05.2018: Sondermodul zur Wachsverarbeitung im Seminar Schul-Imkerei für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg [diese Seite hier]
  6. 03.06.2018: Seminar (8) Praxis am Lehrbienenstand III (Ablegerkontrolle, Varroakontrolle) für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  7. 3.07.2018: Seminar (9) Praxis des Honigerntens und der Honigverarbeitung für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  8. 15.08.2018: Seminar (10.1-2) Praxis am Lehrbienenstand (Einwintern 1: Varroabehandlung) für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  9. 19.08.2018: Seminar (10.3) Praxis am Lehrbienenstand (Einwintern 2: Varroakontrolle und Einfüttern) für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg
  10. 13.12.2018: Seminar (10.4) Praxis am Lehrbienenstand (Oxalsäurebehandlung) für Studierende des Grund- und Mittelschul-Lehramts der Universität Bamberg

Kurz vorm Start in die eigene Wachsumarbeitung

Zubehörteile Mittelwandgießform Sie ist da! Unsere niegelnagelneue Mittelwandgießform!

Wir freuen uns über die neue Mittelwandgießform!Paketinhalt MittelwandgießformGerade noch rechtzeitig vor der anstehenden Brutraumerweiterung. Wachspanscherei, die der Bienenbrut schadet und die Qualität der Honige verschlechtert, sofern er wegen schadhafter Waben überhaupt noch geerntet werden kann, sind für uns in Kürze kein Thema mehr. Bislang hatten wir zwar Glück und außer den (imkerhistorisch bedingten) üblichen höheren Thymolwerten keine nennenswerten Schadstoffe in den verwendeten Mittelwandwaben feststellen können, doch Stichproben reichen uns nicht aus, um uns sicher zu fühlen.

Wir wollen gesunde Bienen und sauberen Honig!

Reinhold stolzer Besitzer einer MittelwandgießformInvestitionen in Geräte und Zeit machen es möglich. Da wir im Bildungsbereich tätig sind, dokumentieren wir unsere eigenen Erfahrungen wie immer ausführlicher. Die bisherigen Schritte auf dem Weg zum eigenen Wachskreislauf:

1. Sammeln von Drohnen- und Altwaben

Weiselzellen auf DrohnenbauEin paar Jahre dauert das Sammeln von Drohnenwachs, leeren Brutwaben und Entdeckelungswachs schon. Beim kurz- wie langfristigen Aufbewahren von Wachs muss man sich übrigens immer auf nicht so leckere Gerüche sowie auf das Anlocken diverser Insekten und Wachsmottenbefall einstellen. Daher ist es geboten, Waben innerhalb weniger Tage und Wochen einzuschmelzen und luftig, kühl und dunkel aufzubewahren. Nussbaumblätter dazu legen hilft, Motten abzuhalten.

2. Schmelzen

Aufbau des Wachschmelzers

Aufbau des Wachschmelzers

Damit das Schmelzen leichter und schneller vonstatten geht, bauten wir uns 2016 einen Dampf-Wachsschmelzer. Er besteht aus Zargen, einem Tapetenablöser als Dampferzeuger (Wagner Dampf-Tapetenablöser W 16 (2.300 W, Behältervolumen: 5 l, Schlauchlänge: 3,7 m = ca. 45,- €) und einem Schmelztrichter aus Edelstahl (Firma Leymann, rund 112,- € inkl. Porto und MwSt.) nebst diversen Kleinteilen.

WachsblockturmWachsschmelztopfDie grob von Biomasse befreiten Wachse werden mit Hilfe eines Wachsklärbehälters in mehreren Durchgängen gereinigt und abschließend sterilisiert (Die detaillierte Dokumentation dazu steht noch aus). Dabei kam ein schöner Turm an Wachsblöcken zustande, der nun seiner Umarbeitung in Mittelwandwaben entgegen sieht.

Zum Aufbewahren siehe oben – also luftig, kühl und trocken, nicht wie hier im Treppenhaus. Das diente nur der Illustration.

3. Mittelwände gießen

MittelwandgießformGestern jedenfalls erhielten wir die im Ende Januar bestellte Mittelwandgießform mit Umwälzpumpe. (Fa. Graze, Kostenpunkt rund 870 € inkl. Versandkosten.) Weitere Materialien um die 20 €, die da sind: Schlauchschellen, lebensmittelechter Plastikschlauch, Wasserhahnadapter. Zunächst galt es, den Wasserdurchlauf tropffrei hin zu bekommen. Der sicherste Ort dafür war das Bad. Wie wir das letztendlich schafften, wird in einem späteren Beitrag beschrieben, der dann auch unseren ersten Verarbeitungsvorgang dokumentieren wird.