Bilderbuchtipp „Greta und die Großen“ – ein Klimawandelmärchen

[Werbung] Cover Greta und die Großen, arsEditionFür Eilige: Drei Sterne von fünf für „löbliche Absicht, Klimathema im Ansatz gut umgesetzt, grafisch sehr gelungen.

Märchenhafte, ausdrucksstark gezeichnete Story um Greta Thunberg mit David-Goliath-Motiv und grobem Realitätsbezug. Allerdings auch mit einem unglaubwürdig simplen Ausgang, zu Ende gebracht mit einer erwartbaren kalten Dusche und dem ehrbaren Versuch, die Kleinen (Vorschulkinder?) zum Handeln zu animieren und den Großen zu Antworten auf Klimaprobleme zu verhelfen.

Greta und die Großen : inspiriert von Greta Thunbergs Geschichte / Zoë Tucker [Verf.], Zoe Persico [Ill.]. München : arsEdition. 2019. 32 S. ISBN 978-3-8458-3860-1, € 15.

Gretas Story als Märchen

Statt vor dem schwedischen Parlament sitzt bzw. steht die Greta dieses Bilderbuches im Wald, um ihr Protestschild zu zücken und damit letztendlich ein Wunder zu vollbringen. Angestiftet dazu haben sie hilfesuchende Tiere – JA, insektenstellvertretende Schmetterlinge sind auch mit darunter! – , denen der Lebensraum knapp wurde. Das sind sicherlich nicht die einzigen Unterschiede zu Thunbergs erlebter Wirklichkeit, die viel komplexer abläuft, als in meinem Rezensionsexemplar grob skizziert.

Doch im Großen und Ganzen verläuft die märchenhafte Story – Elemente wie Wald, kleines Mädchen mit Mäntelchen, hier in gelb statt in rot, und ja, genau, ein Wolf, der flüstert, legen eine Spur zu … na, Ihr wisst schon … – tatsächlich genau so erschreckend banal ab wie in der Realität. Gäbe es diese Parallele des nimmersatten „Immer mehr, nie genug, alles neu“ nicht, würde ich sagen: „Leute, die Geschichte ist viel zu dümmlich und einfältig, nicht einmal ein Kind nimmt sie euch ab!“

David-Goliath-Motiv

Nun gut, das Motiv „Klein besiegt Groß“, also „David gegen Goliath“ lieben Kinder. Daher könnte diese „unglaubwürdige“ Geschichte zumindest als Diskussionsgrundlage tauglich sein. Die Großen sind glatzköpfig-dumpfgesichtige Riesen, überwiegend der männlichen Spezies abstammend. Sie bauen an kleinen, dann großen, dann hochhausgroßen Wohn- und Fabrikburgen mit zum Himmel stinkenden und ihn verdunkelnden Schloten, die die vormals erdig-warmen Farben der grob- wie detailreich illustrierten Bilder verschlucken. Sie bauen stoisch Straßen für die sich stauenden Autos nebst Flugzeugen (wobei letztere zwar textlich erwähnt, zeichnerisch jedoch nicht umgesetzt sind) und bekommen erst dann, wenn sich alles zum Guten wendet, lebendig wirkende Gesichter.

Grober Realitätsbezug mit simplen (?) Lösungen

Tatsächlich hatte die wahre Greta Thunberg, die zu dieser (unautorisierten) Geschichte inspirierte, wie der Sachtitelzusatz erläutert, ebenfalls erst einsam dagesessen. Bis sich immer mehr und in immer weiter entfernteren Erdteilen gleichgesinnte junge, später auch ältere Mitstreiter/innen zu ihr gesellten und die Mitmach-Lawine namens „Fridays for Future“ auslösten.

Tatsächlich geht es in diesem Bilderbuch, wenngleich nur kurz angedeutet, wie auch in unserer Lebenswelt um weitere elementare Dinge, die wir sträflich misshandeln. Die da wären schöpferische Pausen und gemeinsam verbrachte Zeit, Lebensmittel selbst anbauen oder selbst bzw. gemeinsames Kochen oder um Ressourcenschonung, also Reparieren, Teilen und Weitergeben statt Verschwendung sowie um glücklich machende Hobbys. Die Lösungen (wie auch Probleme) klingen allesamt recht simpel, und das wären sie auch, wenn nicht, hm, wenn … ja, warum eigentlich (nicht)?!

„… und wenn Sie nicht gestorben sind …! Von einem guten Ende mit kalter Dusche als Nachgang

Wer sich – ob Kind oder vorlesende Erwachsene – nun ratlos am Kopf kratzt, erhält einen Stupser durch ein doppelseitiges Nachwort, die Hintergründe Greta Thunbergs betreffend, und das Eingestehen, dass das „glückliche Ende“, welches die Geschichte im Buch nahm – allerdings weiterhin mit Hochhäusern, wenngleich im oberen Stockwerk begrünt –  noch nicht erreicht ist. Und was die Kleinen tun können, um die Großen zu den notwendig anstehenden Veränderungen zu animieren. Da das Nachwort trotz aller versuchter Schlichtheit wohl nicht von der erwünschten (?) Zielgruppe des Bilderbuchalters selbst gelesen werden kann, ist die Sekundärzielgruppe dahinter, die Erwachsenen, eindeutig.

Sie sind es auch, an die sich die drei Literaturhinweise auf die Homepages fridaysforfuture.de, greenpeace.de und klima-streik.org richtet. Für die Kinder als primäre Zielgruppe des Bilderbuches aus dem Münchner arsEdition Verlag (vom englischen Original nach Deutschland übertragen) hätte ich mir ebenfalls entsprechende Webseitenempfehlungen gewünscht, denn es werden viele Fragen offen bleiben. Das sei hiermit nachgeholt:

Kommen wir zur Altersempfehlung. Wie wäre es mit „nachdenkliche, pfiffige Kleine“ und „schuldbewusst-schamvolle Große“?! Das Buch könnte, da sehr vereinfachend, ein Anfang sein, sollte jedoch von weiteren, differenzierteren Medien und Menschen begeitend fortgesetzt werden. Schön, dass 20 Cent des Erlöses an Greenpeace Deutschland gehen.

Fazit: Sternabzug für unklare alterspezifische Zielgruppenansprache und einem zwar sicherlich gewünscht gutem, jedoch unrealistisch-verlogenem Ende, in dem der Wald schöner wird als vorstellbar, mit anschließend eiskalter Dusche der Wahrheit im Abspann (was zum Erhalt der Sterne beiträgt, weil zwangsweise notwendig) sowie unangenehmer Geruchsbildung, wohl dem Recyclingpapier geschuldet.
Knappe drei von fünf Sternen für die löbliche Absicht und den gefundenen guten Ansatz sowie für eine ausdrucksstarke Grafik.

Nachtrag am 25.11.2023: Wir diszantieren uns ausdrücklich von den pro-palästinensischen und sonstigen politischen Aussgen Greta Thunbergs. Da die freie Meinungsäußerung jeder Person zusteht, sehen wir davon ab, dieses zeitgeschichtlich intereressante Buch aus dem Bestand zu entfernen, solange die Person nicht für ein offenkundiges Verbrechen verurteilt wurde.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*23* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

[Werbung] Cover Hemmer / Hölzer: Wir tun was für Bienen, Kosmos-Verlag„Wir tun was für Bienen“ will uns auf 123 Seiten nicht alleine mit unserem Wunsch lassen, den Honig- und Wildbienen zu helfen. Im Anschluss weiterführende Literatur und ein Register. Letzteres nicht nur zum Nachschlagen, sondern auch für sich stehend beachtenswert, denn es könnte wie eine Checkliste von Maßnahmen und Möglichkeiten zur Bienenhilfe gelesen werden.

Inhaltliche Schwerpunkte sind – so der Untertitel des 2017 in 2. Aufl. erschienen Buches – Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei. Ein eigenes Kapitel nimmt aber auch die Initiative Deutschland summt! ein. Und erst jetzt realisieren wir deutlicher, dass der Kosmos-Verlag im Grunde eine Publikation zur bzw. von der Initiative selbst herausgegeben hat. Die Autoren Cornelis Hemmer und Corinna Hölzer sind die Stiftungsvertreter des Träger der Initiative, eine private (seit 2016 als gemeinnützig eingetragene) Stiftung Mensch & Umwelt.

Handfestes & Fachliches versus Engagement & Plädoyers

Für Imkeranfänger sind die Stellen, in denen es um die Honigbienenhaltung geht, mit Vorsicht zu genießen. Beispielsweise wird die Varroabehandlungsmethode der Hyperthermie einseitig positiv dargestellt, ohne auf bekannte Fragestellungen und Studienergebnisse quellensicher zu verweisen. Anderes bleibt nebulös und unspezifisch, so zum Beispiel die wenig fundierte Aussage der „reellen Chance, den Kampf gegen die Varroamilbe zu gewinnen.“ Die dürfte so hoch sein wie die Chance, Hundeflöhe, die Schweinepest oder Erkältungsviren etc. zu eliminieren.

Das Buch ist in Sachen „Imkerei“ sehr breit angelegt und kann daher nur oberflächlich bleiben. Zuweilen gewinnt man den Eindruck, man würde einen Blick durch ein Kaleidoskop werfen. Die vielen bunten Splitterbilder können faszinierend sein für den, der noch keine rechte Vorstellung von der Bienenwelt hat. Warum auch nicht. Doch die starke Kürzung komplexer Inhalte geht punktuell einher mit fachlichen Ungenauigkeiten. Hier ein paar Beispiele:

Oxalsäure wird in Deutschland nicht verdampft, sondern geträufelt bzw. (aber erst seit 2017 erlaubt) auch gesprüht; Die Bildunterschrift auf S. 55: „Die Varroamilbe vermehrt sich bevorzugt in der Brut“ muss heißen, sie vermehrt sich ausschließlich in der Brut – denn ja, es ist eine Brutkrankheit; Gefährliche Aussage auf S. 51, dass das Zufüttern im Herbst mitunter unnötig sein kann. Hier gehört unbedingt der Hinweis auf eine Gewichtskontrolle der Beuten dazu, denn das Verhungern von ungenügend eingefütterten Völkern ist ein trauriges, weil unnötiges und leider viel zu häufiges Ereignis.

Die praktischen Tipps, wie jedermann (als Nicht-Imker) helfen kann, sind hingegen brauchbar, hier schön aufgelistet bspw. „Mein kleines Zeichen Nr. 1 etc.“ aus dem Kapitel „Aus Gärten entstehen Lebensräume“ (S. 82 f).

Mit einer Zielgruppenangabe tun wir uns dennoch schwer. Warum? Imkeranfänger/innen verwirrt das entsprechende Kapitel eher, Imkererfahrene hilft es kaum mehr weiter und Wildbienenliebhaber/innen vermissen die Konsequenz manch‘ löblicher Empfehlung, s. S. 98, Stichwort „kein Stirnholz“, dann aber zwei Abbildungen mit eben jenen Fehlern, eines davon als „vorbildliches Beispiel“.

Das Engagement der Verfasser bzw. Initiatoren ist unzweifelhaft löblich und impulsgebend, die Plädoyers durchaus nachvollziehbar und sollen als eigene Meinung gelten dürfen. Doch zusammen mit der mehr populärwissenschaftlichen denn quellensicheren Fachlichkeit hinterlässt das bei uns einen eher zwiespältigen Eindruck. Ganz sicher wird das Buch jedoch zu Diskussionen und Naturbetrachtungen anregen, über die Beschäftigung mit den beiden Bienenthemen hinausgehend.

*20* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

Symbol BLIB-Imkerkurs für Anfänger[Unbeauftragte, unbezahlte Werbung]

Bienenflüsterer – Imkerkalender 2020: Wochenkalender im A5-Format von (wie nett) Willi Beekeeper nicht nur für Imker/innen, sondern auch für alle anderen. Sie enthalten  leider – außer auf dem Titelblatt* – keine Grafiken oder Fotos, sondern lediglich eine Monatsübersicht und auf 136 Seiten viel Platz für Notizen in den Rubriken „Meine Wünsche für 2020“ und „Meine Ziele …“ gefolgt von  Monatsübersichten mit Feldern für die einzelnen Tage und jeweils im Anschluss wieder viel Weißraum. Auch das Jahr 2021 ist bereits als Monatsübersicht vorbereitet. Verlegt ist es bei Independently published.

Für Imekr/innen ist das durchaus praktisch beispielsweise als Ersatz für eine normalerweise geführte Stockkarte (den es so benannt auch als eigene Kalenderausgabe gibt). So könnten Notizen Eingang finden, wann und wo eine Königin neu zugeführt wurde oder was und an welchem Volk die nächste Windelkontrolle stattfinden muss. Aber auch als Tagebuch lässt es sich verwenden.

Eine nette Zugabe für beispielsweise einen Imkeranfängerkurs, dessen Übersicht sich noch als  Gutschein ausdrucken ließe … 😉


*Da ich mehrere verschieden gestaltete Kalendervorsatzblätter gefunden habe, bin ich etwas verunsichert und habe ausnahmsweise keinen gewählt – die Urheberrechte lassen sich so kurz vor Weihnachten auch nicht mehr richtig klären. Die Titel lauten ebenfalls unterschiedlich. „Imkerkalender“, „Bienenkalender“, „Bienenflüsterer“, „Bienenfreund“, „Bienenversteher“, „Kalender für mich und mein Volk“, „Kalender für einen Bienenversteher“, … aber auch ganz konkret „Stockkarte“.

*19* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

Cover Bienen und Wespen, Tessloff WAS ist WAS[Unbeauftragte, unbezahlte Werbung]

2019 – nein, heute mal nicht das Erscheinungsjahr, sondern die Bandzählung 19 der berühmten Reihe Tessloff-Wissen – WAS ist WAS: Bienen und Wespen. Flüssiges Gold und spitzer Stachel. Geeignet sind die Bände ab 8 Jahren. Wer die früheren Ausgaben vor Augen hat, muss sich umstellen. Heute werden nicht mehr so viele Textpassagen gedruckt, sondern die Informationen in bildreichen Häppchen geliefert. Ein Grund, warum wir die ältere Ausgabe von 2010 weiterhin in unserer Imker-Bibliothek belassen, solange die Inhalte uns nicht vollends veraltet erscheinen. Als Kind habe ich die Bände geliebt und auch gut verstanden. Warum sollten die modernen Kinder mit weniger zufrieden sein. Aber selbstverständlich haben wir auch die aktuelle Ausgabe, eh klar.

Cover Bienen, Tessloff WAS ist WAS – Erstes LesenVermutlich, damit die Jüngeren ab 7 Jahren keine Ängste entwickeln, hat Tessloff für die Ausgabe in der Reihe „WAS ist WAS – Erstes Lesen“ im Band 5 die Wespen und auch den Untertitel mit dem „giftigen“ Stachel weggelassen, es geht dort also nur um die Bienen. Ich hätte dies auch für das o. g. Buch gut gefunden. Wir Imker/innen versuchen beständigen, keine Furcht aufkommen zu lassen und reduzieren unsere Bienen nicht auf ihre mögliche Gefährlichkeit, aber auch nicht auf ihr Produkt, den Honig. Die Bestäubungsleistung ist das eigentlich wertvolle – und genau das hätte im Titel oder Untertitel zum Ausdruck kommen sollen. Schade, eine schöne Gelegenheit zur Aufklärung verpasst.

Nichtsdestotrotz anschaffenswerte Bücher, und daher: Ab unter den Weihnachtsbaum und in Kinderhände damit! Und wetten: Auch Erwachsenen werden noch hinzulernen.

 

*18* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

Cover Reitmeyer Kleine Biene Hermine2018 erschienen zwei sehr beliebte Kinderbücher, die den Gabentisch vielleicht noch rechtzeitig erreichen könnten.

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Die Hübsche in Kleine Biene Hermine, wo bist du zu Haus? ist ausnahmsweise mal keine Honig- sondern eine Wildbiene – eine Wollbiene, um genau zu sein. Zweimal vertrieben durch die menschliche Zivilisation sucht sie ein neues Zuhause. Erst bei den Honigbienen, dann in einem hohlen Baum – doch beide Male wird nichts daraus. Der dritte Anlauf führt sie in ein Rapsfeld. So schön, so schlecht. Aus dem vermeintlichen Paradies wird sie recht unsanft durch Spritzmittel vertrieben. Soviel Kummer mit uns Menschen, arme kleine Hermine! Und dennoch ist es dann doch auch ein Menschenkind, welches sie zu retten vermag.

Klar, kleine Kinder ab etwa 4 Jahren werden sich sehr gut damit identifizieren und durch diese tragische Geschichte, die „natürlich“ positiv ausgeht, darin bestärkt, Gutes zu tun, wann und wo und für wen auch immer sie es können. Da ist jedes Alter recht. Das Buch stößt sicherlich Fragen an. Ein paar davon werden gleich auf den ersten Seiten erläutert, was ganz sicher auch den Erwachsenen zupass kommt. Am Ende finden sich zwei handfeste Tipps, wie man vor allem den Wildbienen helfen kann. Denn „natürlich“ wird ein Kind nach dem Lesen dieses hübsch illustrierten Buches aus dem Jumbo-Verlag genau DAS wollen: Ebenfalls helfen! (By the way … stöbert gerne auch mal auf unserer Seite Wie helfen!)

Für jüngere Geschwisterkinder ist die Geschichte möglicherweise zu komplex. Doch die fast schon in Wimmelbildmanier von der Kommunikationsdesignerin Andrea Reitmeyer gezeichneten 16 Blätter machen auch ihnen ganz sicher Spaß, denn es gibt allerhand nette Details zu entdecken. Und darin sind die Kleinen ja bekanntlich ganz groß!

Das Buch der Bienen

Cover Milner, Das Buch der Bienen, DKIm Zeichenstil völlig anders, weniger „süß“, sondern plakativ und reduktiv gestaltet, kommt Das Buch der Bienen daher. Die für das schnelle Erfassen von komplexen Zusammenhängen vereinfachende Illustrationen der 48 Seiten stammen von Charlotte Milner. Verlegt ist das Kindersachbuch im Dorley Kindersley Verlag, eine deutsche Tochtergesellschaft mit Stammsitz in Großbritannien – und vielleicht von daher für hiesige Bildgewohnheiten etwas anders. Im positiven Falle lässt sich das Attritub „zeitgemäßer“ verwenden. Wir treffen immer häufiger auf diesen illustrierenden, in so manchen Grafiktools zugrunde liegenden vintagefarbenen Mid-Century-Stil, der vor allem auch aus den USA zu uns herüber schwappt. Geschmacksfrage, wie so oft.

Obgleich die fast etwas langweiligen, monoton aneinander gereihten Sätze anderes vermuten lassen könnten, ist es von der Sachinformation her eher ab fünf Jahren oder Grundschulalter gedacht. Gut geeignet deshalb zum Selberlesen bzw. Lesenlernen, wohingegen das zuerst beschriebene und prosaischere Kinderbuch seinen Einsatz als Vorlesesachbuch haben wird.

*16* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

Cover Bielmeier: Bienen Basics, GU[Unbeauftragte, unbezahlte Werbung]
2016 erschienen sind drei empfehlenswerte Titel für Imkerneulinge: Bienen Basics von Sandra und Armin Bielmeier (Graefe und Unzer), Unsere ersten Bienenvon Angelika Sust sowie Wolfgang Ritter: Gute imkerliche Praxis (beide Ulmer Verlag)

Die vier Hauptkapitel von Bielmeiers „Bienen Basics“ befassen sich mit der „beeindruckenden Welt der Bienen“ und gehen der Frage nach, ob Bienen zu einem passen. Denn es gilt, herauszufinden, ob man den idealen Standort anbieten kann und ob man eher konventionell oder „wesensgemäß“ imkern möchte. Sobald das Volk, besser noch: die Völker, da sind, geht es „Mit den Bienen durchs Jahr“ und man erfährt, wie man ihnen „Schutz und Gesundheitspflege“ angedeihen lassen kann.

Cover-Ritter-Gute-Imkerliche-Praxis_UlmerGanz so leicht, dass man die Bienenhaltung allein mit diesem Anfängerbuch problemlos hinbekommen kann, ist es zwar nicht. Doch man erhält einen guten ersten Überblick und kann sich mittels weiterer Fachliteratur wie das in zweiter Auflage erschienene Buch von Wolfgang Ritter „Gute imkerliche Praxis“ weiterhelfen lassen. Der bekannte Bienengesundheitsexperte geht noch viel stärker auf verschiedene – auch neu zu erwartende – Krankheiten und Bienenschädlinge ein. Was absolut notwendig ist, will man nicht jedes Jahr aufs Neue anfangen. Auch kann das Kapitel „Ethische Grenzen der Bienenhaltung“ vor allzu viel Blauäugigkeit bewahren helfen. Denn die Frage über (Einzel-)Leben und Tod stellt sich öfter, als einem lieb ist.

Cover-Unsere-ersten-Bienen_UlmerAngelika Sust hingegen geht allzu viel Ernstem im Bienenstock charmant aus dem Weg. Sie macht mit attraktiven Fotos und kurzen, flüssig formulierten und eher „honigsüßen“ Informationshäppchen Lust auf die Bienenhaltung an sich. Vor allem für jüngere Menschen, die noch nicht von allzu viel Herzeleid beim Imkern abgeschreckt werden sollen, ist „Unsere ersten Bienen“ (2020 in neuer Auflage zu erwarten) gut geeignet. Man erfährt schließlich früh genug, wie frustrierend die Bienenhaltung sein kann, wenn die Rahmenbedingungen nicht (mehr) stimmen. Aber da ist die Liebe dann meist schon geweckt und triumphiert über die Realitäten!

*15* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

2015 war das Erscheinungsjahr von zwei Ratgebern, die auch nicht unbedingt ein jährliches Update benötigen.

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Wachsblock aus eingeschmolzenem EntdeckelungswachsSanft heilen mit Honig, Propolis und Bienenwachs von Stefan Stangaciu, erschienen bei TRIAS in der 3., vollst. überarb. Auflage.

Nicht im Titel genannt, aber natürlich dazu gehörend sind Gelée Royal, Pollen, Bienenbrot und Bienengift. 30 Beschwerden im Bereich der Inneren Medizin und Neurologie sowie der Haut- und Zahnfleischerkrankungen sollen mit Hilfe der beschriebenen bienischen Produkte gelindert oder geheilt werden.

Zusammengefasst ist dies alles unter dem Stichwort „Apitherapie“ und zählt damit zu den natürlichen Heilmethoden. Doch im pharmaindustriell und lebensmittelchemisch orientierten Deutschland wird diese als „Wellness“ und damit als eine homöopatisch wirkende Anwendungen quasi herabgestuft vermarktet, um auch möglichst keine Probleme mit dem Deutschen Arzneimittelgesetz zu riskieren.

Nun, da sind uns die osteuropäischen und viele andere Länder weit voraus bzw. haben sich gar nicht erst von den jahrhunderte bzw. jahrtausende alten Therapieerfahrungen und -weisheiten losgesagt und manches ist dort sogar eine Kassenleistung.

Cover Petra Ahnert, BienenwachswerkstattBienenwachsratgeber

Ebenfalls mit Wachs, hier jedoch schwerpunktmäßig Kerzen, Seifen und Dekoration behandelnd, haben wir es bei der Bienenwachs-Werkstatt von Petra Ahnert, erschienen im LV-Landwirtschaftsverlag, zu tun.

Doch auch Kosmetik  – von Lippenbalsam und -gloss über flüssige wie feste Lotions bis hin zu Massage-, Nagel- und Fußbalsam sowie Seifen reicht die Pallette. Die Naturheilkunde taucht in Form von Erkältungsbalsam und Salben für jedwede Wehwehchen, die man sich dazu denken an, auf. Auch wird an die hauswirtschaftliche Verwendung gedacht, und wer sich in Bienenwachskunst versuchen will, kann’s ausprobieren mit Batik und Enkaustik, also der Malerei mit Wachs.

Hübsch bebildert und mit Einkaufslisten sowie Schritt-für-Schritt-Anleitungen wirkt das alles fast schon kinderleicht – was es jedoch beileibe nicht immer ist, wie wir aus leidvoller Erfahrung mit Teelichtkerzengießen gemacht haben. Daher haben wir sogleich einen Blick auf S. 29/30 geworfen. Und ja, hört sich nach einem guten Plan an.

Tja, nur leider ist das Buch derzeit nicht mehr lieferbar. Außer in unserer Imker-Bibliothek … und sicher auch in anderen Büchereien natürlich. Unter dem selben Titel, allerdings mit einem anderen Untertitel – 52 Projekte für angehende Imker – sowie der Verfasserangabe Kim Lehman, erschien 2018 im Haupt-Verlag eine neuere Auflage. Ich kann nicht sagen, ob es Unterschiede gibt, doch mal sehen … ich sag‘ wieder Bescheid, wenn ich’s rausgefunden habe, okay?!

*14* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

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Cover Lachauer von Bienen und Menschen, Rowohlt-Verl.14 Imkerinnen und Imker aus den unterschiedlichsten Ländern stellt Ulla Lachauer in ihrem biografischen Roman Von Bienen und Menschen vor. Oder sollte man besser Reise- und Speiseerzählung sagen?

Kapitelbezeichnungen wie „Die Pfefferles“ und ihr Tannenhonigparfait oder „Asaads Traum“, in dem der Honigpudding Hariri mit seiner syrischen Süße die deutsche übertreffen wird, oder „Reif für die Insel“ mit gotländischen Hoffnungen, den Orient mittels Kardamom doch noch nach Schweden zu holen, machen Lust aufs Augenreisen durch 383 Seiten und dabei die eine oder andere Spezialität genießen. Vorsicht, das Sofa nicht verkleckern!

Köstlich und bitter

Manches ist einfach nur köstlich, sozusagen. Die vielen, meist recht leicht zu kopierenden Rezepte, optisch abgesetzt in Rahmen aus Bienenwabenmustern. Einiges ist eher bitter zu lesen, wenn Verluste beschrieben werden, die der Krieg den Imker(inne)n und ihren Familien brachte, oder um die „Bienen als Episode“ in der untergegangenen DDR¹, die nach der Wende wohl hunderttausenden von Imker(innen)n² kein Auskommen mehr bescherte.

Fehlende Imkersolidarität aus dieser Zeit wird genauso angesprochen wie das Gegenteil davon, wenn ein slowenischer Imker von seinem dichten Netzwerk spricht. Persönliche Schicksale wie die von Galina, mit der das Buch beginnt und auch in einem Wiedersehen endet, sind eng mit den Bienen verbunden. So eng, dass selbst ein 105-jähriger dementer Imker zwar nur noch die Jahreszahl „1918“ von sich gibt, mit der er alle Fragen nach einem „Wann“ beantwortet, jedoch mit agilen Gesten klassische Imkertätigkeiten pantomiert – das Ziehen eines Rahmens aus der Beute, das zarte Fassen einer imaginären Gänsefeder, die zum Wegkehren von Bienen verwendet wird, ein gespieltes Zucken nach einem Bienenstich und das Wegschnippen eines Stachels von der Wange – anrührend. Nein, nicht kitschig oder verklärend.

Pragmatisch bis poetisch

In diesem spannend lesbaren Buch werden keine heile Welten heraufbeschworen. Doch die Liebe der beschriebenen Imker/innen zu ihren Bienen schimmert überall durch. Zuweilen pragmatisch verbrämt wie beim Eisenbieger Smoly: „Ohne die Bienen hätte ich unser Haus nicht bauen können“, aber auch poetisch antwortend wie in „Up anner Siet“, wenn Margarete danach gefragt wird, wie sie all die Arbeit so nebenbei geschafft habe: „Mit Gottes Hilfe! Die Bienen und der Himmel gehören zusammen, deswegen mag ich das so.“

Ulla Lachauers Zuhörenkönnen ist das eine. Das uns Lesende so feinfühlig Nahe bringen dieser „von Hause aus […] kleine[n] Krauter […], schlecht verdienenden Postler und Bahnwärter, Dorfpfarrer und Kleinbauern […] Sonderlinge – eingenbrötlerische Tüftler, skurrile Hobbygenetiker, Sparsamkeitsfanatiker, Weltfremdlinge …“ das andere. Und keine Sorge, man würde als Nicht-Imker/in zu wenig vom Fachlichen verstehen – es geht mehr um die Menschen, ihre Geschichten und – ja, auch die europäische Geschichte. Dennoch wurde an ein Glossar mit imkerlichen Fachausdrücken gedacht, wie auch eine Karte aller europäischen Reisestationen.

Fesselnd und berührend … und mal ganz was anderes!


¹Zunächst sank durch den Wegfall der staatlichen Unterstützung nach der Wende in den neuen Bundesländern die Zahl der Imkerinnen und Imker drastisch, natürlich auch die Zahl der Bienenvölker. https://deutscherimkerbund.de/userfiles/DIB_Aktuell/2015/aktuell2015-Sonderausgabe.pdf
²Vor der politischen Wende um 1990 gab es rund zwei Millionen Bienenvölker in Deutschland, danach pendelte sich ihre Zahl auf etwa eine Million ein. https://www.heise.de/tp/features/Stiller-Tod-warum-Bienen-sterben-3399498.html

 

*11* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

[Nicht beauftragte, unbezahlte Werbung]

Cover Goulsen: Die seltensten Bienen der Welt, Hanser-Verlag11 Teile umfasst der Reisebericht „Die seltensten Bienen der Welt“ von Dave Goulson aus dem Hanser Verlag, 2017 erschienen. Hinzugerechnet zu den neun Kapitel über bspw. „Das Gorce-Gebirge und die Achselschweißhummel“ und „“Ecuador und die Kampfhummeln“ oder „Knepp Castle und die vergessenen Bienen“ habe ich den „Prolog Naturforschung mit brennendem Taubenkot“ und den Epilog „Bienen im Hinterzimmer“.

Anteilnahme und Memento mori

Jedes dieser Anteile verrät genau dieses: Die starke innere Anteilnahme des Autors an die kleine, große (Tier-)Welt, die er mal launig, mal spannend, mal mit trockenem Humor zu verstecken versucht in Sätzen wie:

„Ein Freund von mir bezeichnet Schafe verächtlich als Wollmaden“ – (ja, wir erfahren nicht nur über seltene Bienen, sondern auch andere Lebewesen, Menschen und vor allem über die Landschaften!)“ – (S. 81), oder:

„Es war aufregend, in diesen entlegenen Wäldern ganz allein unterwegs zu sein und nach Hummeln zu jagen, aber immer zu wissen, dass ich mich hinter der nächsten Ecke plötzlich Auge in Auge mit einem Bären, einem Puma oder einer Greifschwanz-Lanzenotter finden könnte.“ (S. 202),

oder auch sein „Memento mori“, also seine Beobachtungen und fast schon zärtlichen Gedanken zur Vergänglichkeit der Erde und ihrer wundervollen Natur:

„Leider besteht ein wiederkehrendes Merkmal menschlicher Aktivität darin, andauernd für Veränderungen zu sorgen – manchmal willentlich, häufig versehentlich.“

Es ist also nicht ein an Merkwürdigkeiten reiches Buch eines verschrobenen Nerds, der sich mit komischen kleinen Tierchen beschäftigt und uns mit Detailverliebtheit langweilt, sondern ein (natur)politisch brandaktuelles, völkerverbindendes und durchaus auch pragmatisches Buch eines Weltverstehers und -erklärers, ausgerechnet aus dem Brexit-Land, was ja irgendwie komisch und widersinnig erscheint.

Prinzip Hoffnung

Dave Goulsons große Zuneigung zur Hummelwelt im Kleinen wie zu den Landschaften und Ländern im Großen ist voller Zuversicht, wenn er von seltenen Wildbienen berichtet, die er geduldig suchte und dann doch nicht mehr fand, ohne dabei einen Hehl aus den Umständen zu machen, die zu ihrem Verschwinden führten und ohne bittere Anklagen, sondern klar und sachlich beschreibend, mit einer ansatzweise zu ahnenden Träne im Augenwinkel, dier er jedoch bis zu seinem nächsten mitreißend geschilderten Suchgang längst wieder weggewischt zu haben scheint.

So durchzieht das „Prinzip Hoffnung“ die 300 Seiten, die feinfühlig von Elisabeth Ranke übersetzt wurden. Denn wo es Menschen wie diesen und andere Forscher, von denen er ebenfalls berichtet, gibt, die all die seltsamen Tierchen erkennen und beim Namen nennen, MUSS es doch jemanden geben, der sie einst bei ihren Namen gerufen und gesagt hat: „Du bist MEIN“ und sie auch künftig zu beschützen weiß. Und sollte irgend ein Funken Göttliches in uns Menschen stecken, dann müssen wir dringend mit Hand anlegen bei dieser immerwährenden Aufgabe, unsere Schützlinge zu retten.

Dazu erhält man nach dem Lesen des Buches große Lust  … also auf: Kaufen! Leihen! Verschenken!

Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria saccharata), beliebtes Bienenfutter im Bamberger BienengartenP. S.: Eine von vielen seltenen Bienenarten glauben wir, in unserem Bamberger Bienengarten gesichtet zu haben: Die Lungenkraut-Biene, die unsere Pulmonaria saccharata (Geflecktes Lungenkraut) besucht, die im Übrigen verwandt ist „mit den drei anderen Hummelmagneten Natternkopf, Beinwell und Borretsch“ (lt. Aktion Hummelschutz). Ach, wenn wir nur einen Bruchteil der Kenntnisse jener Forscher hätten …, nun, wir tun unser Bestes, zumindest, was Honigbienen anbelangt.

*10* Adventskalender der Bamberger Schulbiene

Lesebereites Rezensionsexemplar "Lavendelschätze" Dr. Elke Puchtler, Pala-Verlag[Werbung] Wild- wie Honigbienen fliegen auf Lavendelula angustifolica, den romantischen Begleiter meist von Rosen, aber nicht nur! Sein Pollenwert liegt laut Trachtfließband bei 4, der Nektarwart bei 2. Seine Blühmonate sind von Juli bis September, also in einer Zeit, wo es für Bienen langsam zu Ende geht mit den reichlichen Gaben der Gärten und Felder. Aber auch Menschen schätzen den Lavendel sehr, beispielsweise als aromatische Ingredienz zu Speis‘ und Trank und in der Aromatherapie.

Zehn (weitere) Möglichkeiten des Heilens und Pflegens mit dem duftigen, immergrünen Halbstrauches zählt die Lavendelspezialistin Dr. Elke Puchtler in Lavendelschätze (Pala-Verl., 2018) auf:

  1. Der Duft im Raum
  2. Dufte Inhalierstifte für unterwegs
  3. Entspannung im Reisegepäck: der Roo-on
  4. Badevergnügen mit Lavendel
  5. Körperöle und Massageöle mti Lavendel
  6. Lavendelpflege für gereizte und unreine Haut
  7. Pflegebalsam für Narben
  8. Erste Hilfe bei Sonnenbrand
  9. Enzündungshemmend und stärkend bei Entzündungen der Bronchien
  10. Das Naturparfum

Referentin Dr. Elke Puchtler im Bamberger BienengartenEin duftes Buch also, um gerade rechtzeitig zu Weihnachten die Provence, aber auch zukünftig einige deutsche Gegenden klimawandelbedingt als neue Anbaugebiete vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen und sich dabei bereits merklich zu entspannen.

Im Anhang des Buches finden sich außerdem weitere Literatur sowie Film- und Ausstellungstipps, die eine wunderbare Duftspur auslegen, um sich weiter in die lila, weiße oder rosa blühende, kraft- und trostspendende Pflanze zu vertiefen – und zu verlieben! Das jedenfalls ist unserer Bienenfreundin Elke passiert, und sie hat viele damit angesteckt.

Beide Bücher befinden sich in unserer Imker-Bibliothek.