Rezension zu Günter Pritsch: „Bienenweide“

Cover Günter Pritsch, Bienenweide, Kosmos-Verl.[Werbung Rezensionsex.]
Oft werden wir gefragt, was man denn für die lieben (Wild-)Bienen anpflanzen könne. Denn dass unsere Bestäuberinnen wichtig sind, daran gibt es keine Zweifel mehr. Hier schlagen wir gerne im Nachschlagewerk „Bienenweide“ von Günter Pritsch mit seinen 220 hübsch bebilderten, deutschbenannten Pflanzenporträts nach – geeignet zum Appetitmachen wie auch vertiefend als Entscheidungshilfe.

Tabellen zum schnellen Nachschlagen

Vertiefend deshalb, da Nektar- und Pollenangaben im Hauptteil und in zwei Tabellen des Service-Teils eine zusätzliche Orientierung geben. Vor allem dürften Imkereien von Tabelle 3 profitieren, die die Nektarerzeugung von Bienenweidepflanzen nebst der Honigertragsmenge und den Zuckergehalt auflistet.

Die Tabelle 4 zu Ertragsergebnissen nach Isolationsversuchen hingegen bereitet ein wenig Kopfzerbrechen. Nett wäre an dieser Stelle ein Rückverweis auf diejenige Seite gewesen, die den Erklärtext dazu liefert. Nun, auf der Seite 22 wurde ich fündig, dennoch blieben zunächst Fragen offen. Dass der Referenzwert (Bezugsnorm), auf den sich alle Angaben beziehen, die Spalte zum Ertrag „nur mit Honigbiene“ ist, und dass ein Strich in der Zelle bedeutet, dass es keine Erkenntnisse dazu gab, erschließt sich nicht sofort.

In Tabelle 6 werden die Honigtauerzeuger verschiededer Gehölze benannt, desweiteren, auf welchem Teil, also Rinde, Blatt oder Knospe etc., diese vorkommen. Für ausgesprochene Waldhonig-Imker/innen kann das durchaus interessant sein. Durch die Beobachtung eines Mehraufkommens diverser Krabbler mag ein Standortwechsel der Völker angezeigt sein. Doch im praktischen Nutzen eher überflüssig erscheint mir die Klasseneinordnung der Honigtauerzeuger in der vorangegangenen Tabelle 5.

Stärken und Schwächen der neuen Auflage

So liegt die Stärke des handlichen Pflanzenführers aus dem Kosmos-Verlag in seinem Hauptteil, also den Porträts mit den knappen Angaben zu Wuchsform und -höhe, Vorkommen und Verwendung sowie zur Vermehrung und besonders für Imker/innen die Angabe der Pollenhöschenfarbe und der Nektar- und Pollenwerte. Dieser Teil ergänzt durch die referenzierenden Tabellen 1 und 2 der nach deutschen Pflanzfamiliennamen –und innerhalb dieser nach Gattunsnamen geordneten Liste mit Nektar-Pollen-Übersicht – in aufsteigender Blühzeitenfolge.

Wer im Übrigen die Ahorngewächse vermisst, mit welchen die Vorgängerauflage ihre Porträts begann, wird nun in der 2. Auflage fündig unter „Seifenbaumgewächsen“. Ob das sinnreicher für das „Normalvolk“ ist, sei dahingestellt. Bedauerlich allerdings ist die nunmehr schwerer lesbare, da kleinere und serifenlose Schriftart. Auch lag der Vorteil des vormals gebundenen Hardcover-Buches darin, es geöffnet vor sich liegen lassen zu können, während das klappenbroschürte Buch sofort wieder zuklappt. So konnte ich aus den Tabellen in aller Ruhe eigene Zusammenfassungen herausziehen und nebenbei mit dem Stift notieren, was bei den Beratungsleistungen unserer Bienen-InfoWaben-Kunden sehr praktisch war. Als Verbesserung jedoch kann das größere Bildformat der Pflanzenporträts gesehen werden.

Als Arbeits-/Beratungshandbuch werde ich wohl weiterhin die 1. Auflage von 2007 verwenden, doch zum Blättern unseren interessierten Besucher(inne)n die 2. Auflage von 2018 in die Hand drücken. Und natürlich auch eine 3. Auflage willkommen heißen, sobald sie sich – schon aufgrund der bedauerlichen Errata, der verschobenen Wertzahlen beim Tracht-Fließband geschuldet – ankündigen wird.


Pritsch, Günter: Bienenweide. 220 Trachtpflanzen erkennen und bewerten. 2., aktualis. u. erw. Aufl. Stuttgart. Franckh-Kosmos Verl. 2018. ISBN 978-3-440-15991.

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

Veitshöchheimer Imkertag 2018 (2): Bienenbäume der Zukunft

Vortragender Klaus Körber zu Bienenbäume der ZukunftEs wird heiß. Sehr heiß. Und nicht nur in Würzburg, wo man 2017 an 31 Tagen über 30 C gemessen hatte. Im „alten Jahrhundert“, also vor der Jahrtausendwende, waren’s 2-3 Tage, so Klaus Körber, Sachgebietsleiter Baumschule der LWG am Veitshöchheimer Imkertag in seinem Vortrag „Bienenbäume der Zukunft“. Die Prognose: Ende dieses Jahrhunderts bis zu 50 Hitzetage. Die zentrale Frage wird WASSER sein. Davon hatte Würzburg 20-25% weniger als vor dem Jahr 2010.

Biene an Salweide(Salix caprea)Nach dieser einleitenden Hiobsbotschaft präsentiert Körber zahlreiche Fotos – gerne mit Bienen, die sich bekanntermaßen immer nur schwer ablichten lassen – von bienenfreundlichen Bäumen auf. Bäume, die uns noch oder weiterhin, aber auch nicht mehr dienen können, und einige Einzubürgernde, die uns – Fremdlinge hin oder her – neu begleiten könnten. Lediglich Einheimische zu bevorzugen macht keinen Sinn mehr, der Zug ist längst abgefahren. Ganz abgesehen davon – auch die Kastanie war mal ein Fremdling hierzulande, und Tausende anderer Pflanzen ebenfalls.

Für unseren selbstverschuldeten Weg in den Klimawandel gibt Körber Tipps, wie wir vor allem junge Bäume besser schützen können.

  • Anbringen eines Gießringes
  • Installation von Wassersäcken
  • Strohschutz für den Stamm
  • In den ersten 5 Jahren nach der Baumpflanzung muss gegossen werden

Seine 4-seitige Liste mit empfehlenswerten, aber auch noch existierenden, den Klimawandel wahrscheinlich zum Opfer fallenden Bienenbäumen liegt in der Bienen-InfoWabe aus. Oder Sie schreiben Klaus Körber direkt an unter klaus.koerber@lwg.bayern.de.

Anschauungsobjekte zum Vortrag von Klaus Körber über Bienenbäume der ZukunftSelbstverständlich lassen wir seine Liste auch dem Garten- und Friedhofsamt Bamberg zukommen, welches bekanntermaßen positiv auf fachlich fundierte Informationen reagiert. Denn nur über ein gut funktionierendes, dabei regional ausgerichtetes Inormationsnetzwerk lassen sich neue Ergebnisse rasch in den städtischen Kontext integrieren.

Reinhold Burger und Michael Gerencser mit KoelreuteriaJa, in der Forschung tut sich ständig etwas Neues, beispielsweise beim Projekt Stadtgrün 2021. (Siehe dazu auch unseren Bericht des Imkerforums 2016.). In diesem Netzwerk sind Praxiserfahrungen mit den Versuchsbaumarten gefragt. Alle bayerischen Städte und Gemeinden können hierbei mitmachen. Natürlich ist die Buchführung über einzelne Bäume sehr zeitaufwändig. Daher sind Forenbeiträge wie auf dem Imkertag als Momentaufnahmen sicherlich auch bei vortragenden Spezialisten willkommen. Wir berichteten jedenfalls über unsere zwei Koelreuteria paniculata (Blaseneschen), die als neuer „Klimabaum“ vom Gartenamt an die Bienen-InfoWabe gepflanzt wurde und im vergangenen Jahr keine Blütenrispen trieben. Der Grund: Frostempfindlichkeit. Dennoch – die zierlichen, jedoch immerhin schon über 2 Meter großen Bäume haben es gut überstanden und sind heuer wieder eine wunderbare Juli/August-Blütenweide.

Wer sich tiefergehend informieren möchte, merke sich die Deutschen Baumpflegetage am 7.-9. Mai 2019 in Augsburg vor.

Übersicht Berichtsreihe zum Veitshöchheimer Imkertag 2018

Veitshöchheimer Imkerforum (6): Klimabäume auch für Bienen

Referent Klaus Körber, Veitshöchheimer Imkerforum 2016„Stadtbäume im Klimawandel“: Die Prognose für Würzburg lautet: 59-70 Hitzetage und CO2-Werte von 280-400 ppm, so Klaus Körber, Leiter der Abteilung Gartenbau in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, LWG, in seinem Vortrag anlässlich des Veitshöchheimer Imkerforums (s. a. Nachbericht).

Einheimische Bäume haben es seit einigen Jahren schwer. Der Klimawandel macht ihnen zu schaffen. Nicht alle kommen mit Wetterextremen zurecht. Einer ganzen Reihe der häufigsten Bäume Deutschlands wird’s in den Sommermonaten zu heiß oder in den Winternächten zu kalt. Das Ulmensterben ist bekannte Tatsache, der Bergahorn mag Streusalz nicht, die Esche ist pilzanfällig, …

Andere, nichtheimische Baumarten kommen oft besser mit unserem veränderten Klima zurecht. Doch manch‘ einer verteufelt ihre Einführung und vergisst dabei, dass auch Roteiche, Scheinakazie (fälschlich als „Robinie“ bezeichnet), Schwarzkiefer und Kastanie einstmals eingebürgert wurden. (Literaturtipp: Stihl Baumlexikon)

Um dem Klimawandel Rechnung zu tragen, wurde das Projekt Stadtgrün 2021 ins Leben gerufen. Viele neue Baumarten sind – oftmals von Bürgern und Passanten unbemerkt – bereits im Stadtgebiet von Würzburg, Hof/Münchberg und Kempten zu entdecken. Die Neulinge stehen unter wissenschaftlicher Beobachtung, um deren Eignung festzustellen.

Bienenfreundliche Bäume

Klaus Körber: Interessante Bienen-Bäume für zukünftige PflanzungenKlaus Körber rückte bei all den Baumbetrachtungen die Trachtmöglichkeiten für die Bienen in den Fokus. Nachfolgend eine kleine beschreibende Auswahl. Weitere Bäume sind in seiner Liste „Interessanten Bienen-Bäume für zukünftige Pflanzungen“ zu finden.

Im Mai und Juni reichlich und duftig blühend ist die in Südtirol beheimatete Manna-Esche, die sich zudem für kleine Gärten eignet. „Früher hatte man ihr den Saft abgezapft“, berichtete Körber und fügt verschmitzt hinzu: „Ich weess bloß ned, ob dafür oder dagegen“. [Anmerkung: Als Süßungsmittel „Mannitol“ bekannt, mit leicht abführender Wirkung.]

Der Goldraintree, über dessen deutschen Namen „Blasenbaum“ sich der Vortragende belustigt echauffierte, ist perfekt für heiße, trockene Regionen mit eher armen Böden geeignet. Mensch und Bienen dürften sich an seinen gelben Rispen des aus der Familie der Seifenblumengewächse stammenden Asiaten erfreuen.

Absoluter Favorit für Bienen ist – und es beweist der Name – der Bienenbaum, auch Bee Tree, Wohldurftraute und Duftesche (oder auch „Samthaarige Stinkesche“) genannt. Die Botaniker unter uns merken sich Tetradium danielllii oder Euodia hupehensis, auch Evodia und Tetradium. Als ich die Bezeichnungen nachrecherchierte, fiel mir wieder einmal der mehrmals mit Preisen ausgezeichnete Immengärtner Jaesch „unter die Finger“ (s. a. Bericht vom 24.7.2015 zum Veitshöchheimer Imkertag)

Toona sinensins, der Surenbaum, dürfte das Herz der Vegetarierer, Veganer und Rohköstler höher schlagen lassen. Der „chinesische Gemüsebaum“ sieht ein wenig aus wie unsere Eschen und scheint köstlich zu schmecken, wohl wie ein bekanntes Suppenwürzmittel.

Lindenfest Theuerstadt BambergGenerell eignen sich Lindenbäume aller Art gut für unsere Landen. Die Linde ist – mehr noch als die deutsche Eiche! – der deutsche Baum schlechthin. Die Linde ist im bekanntermaßen regenarmen Franken (speziell in der Bamberger Theuerstadt 😉 ) nicht wegzudenken. Schon immer hat sie sich tapfer durch die Jahrhunderte, eher: Jahrtausende geschlagen, sehr zur Freude unserer Bienen. Im besonderen empfiehlt Körber in seiner Liste fünf Lindenarten (Tilia), und zwar:

  • T. cordata ‚Rancho‘ (eine reichblühende Winterlinde)
  • T. henryana (August/September blühend, stark duftend)
  • T. mongolica (Trugdolden im Julli)
  • T. platyphyllos ‚Örebro‘ (blattlausarm, kleiner Baum mit weinblätterartigen Blättern)
  • T. tomentosa ‚Brabant‘ (Silberlinde, weiße Blattunterseite, daher gute Abstrahlung)

Honig für den Referenten Klaus Körber, überreicht von Dr. Stefan BergVielen Dank für den engagierten – und für die fünfte Jahreszeit angemessen launigen – Vortrag von Klaus Körber und seine Empfehlungsliste, die wir gerne (um die Trivialnamen erweitert) weitervermitteln werden. Zum Beispiel im Rahmen des Bienen-InfoWaben-Programms am 29.05.2015 zum Schwerpunktthema „Trachtpflanzen“ mit Herbert Beck.

Hier endet die Berichtsreihe zum wie immer hochinteressanten und mit kompetenten Referent/inn/en bestückten Veitshöchheimer Imkerforum vom 23.01.2016, zu dem wir am 28.01.2017 gerne wieder kommen werden.

Übersicht aller Beiträge zum Imkerforum: