Von der Zeidlerei bis zur Faulbrut – Bienennachrichten in Bamberg

Bienennachrichten zum FrühstückZum Frühstück gab’s heute gleich zwei Nachrichten in Sachen Bienen. Keine davon erfreut uns so richtig, wenngleich wir durchaus auch die positiven Seiten gewillt sind, zu erkennen.

Nachricht im „Fränkischen Tag“ (FT): „Freiheit für die Honigbienen“.

„Naturschützer im Steigerwald wollen die Bienen zurück in den Wald bringen …“, so der Teaser des Artikels. Ja, interessant ist das alte Zeidlerhandwerk sicherlich. Auch als Rückblick in die Geschichte der Honig- und Waldwirtschaft ein löbliches Unterfangen. Doch ob Bienen in Holzbäumen oder in Holzbeuten ohne Mittelwände leben, macht kaum Unterschied – Holz ist Holz. Und selbst Mittelwände sind nicht wirklich künstlich, sondern ebenfalls aus (in Form gebrachtes) Bienenwachs, die von den Völkern, ergänzt mit neuem Wachs, umgebaut werden. Fürs Wohlergehen der Bienen spielt das, wenn überhaupt, eher eine untergeordnete Rolle. Eher schon für das Ökosystem „Wald“.

Etwas anderes treibt uns viel mehr um. Wir leben in einer globalen Welt mit einhergehenden Schrankenlosigkeit gegenüber Seuchen, die unsere menschlichen und tierischen Organismen ohne jahrhundertelange Gewöhnung aneinander nicht ohne Weiteres überstehen können. Die wichtige Frage heute ist: Wie lassen sich Völker in Baumhöhlen rein technisch gesehen gegen die Milbe behandeln? Wie lassen sich Seuchenausbrüche beobachten und wirkungsvoll behandeln?

Wild und frei sind zweierlei

Zeidelwesen – Tafel im Zeidelmuseum FeuchtWas man bei allem „Goodwill“ ebenfalls gerne übersieht: Baumvölker in der Zeidlerei von früher (also bis etwa 1800) waren sogenannte „Totvölker“. In einem Jahr trugen sie ein, im nächsten wurde der Honig komplett entnommen und somit das Volk vernichtet. Das war das übliche Verfahren und ist keineswegs romantisch oder im Sinne „Zurück zur Natur“. Der Vorteil war, es gab immer nur junge, frische Völker. Frei in ihrer Lebensentscheidung waren sie dabei sicher nicht. (s. a. Zeidelmuseum Feucht bei Nürnberg.)

Verwilderte Bienen, wild schwärmende Bienen (richtig muss es heißen: „Honigbienen ohne imkerliche Pflege“), sind definitiv eine Gefahr für alle Völker. Wir können das nicht gut heißen. Wildbienen sind es ohnehin nicht, das ist eine andere, solitär lebende Art. Ein wirklich und wahrhaft freies Volk besteht im Übrigen ebenfalls aus „Massetieren“, sucht sich selbständig eine Höhle* – und geht heutzutage ziemlich sicher an der allüberall auftauchenden asiatischen Varroa destructor ein.

Das Fatale: Vorher hat das ungepflegte Volk diesen Schädling sowie Seuchen, zum Beispiel die (Amerikanische) Faulbrut, noch hübsch verbreitet. Womit wir bei der nächsten Meldung sind.

Nachricht im Rathaus-Journal Nr. 23/2014: Vollzug des Gesetzes zur Vorbeugung und Bekämpfung von Tierseuchen … Amerikanische Faulbrut der Bienen

Die Befürchtungen, die wir vor einigen Wochen bei der ersten Bekanntgabe des Ausbruchs der Amerikanischen Faulbrut in Bamberg bereits hegten, sind (fast) eingetroffen. Ja, der Sperrbezirk hat sich in die Nähe unserer Standorte hin verschoben. Aber nein, wir liegen, wenn auch denkbar knapp, immer noch außerhalb des Kreises. Jetzt kann uns im Grunde nur ein einbrechender Winter helfen, denn unter 10 Grad fliegen Bienen nicht. Somit wäre eine Verbreitung durch Verflug (also wenn fremde Bienen es schaffen, in andere Völker einzudringen), gebannt.

Wir hatten Überlegungen angestellt, unsere Bienenvölker zu versetzen (siehe auch hier), doch uns aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Nun mag das Schicksal entscheiden.

Wir hoffen, mit dem Bau der „Bienen-InfoWabe“ im nächsten Jahr ein Podium zu schaffen, in der der Austausch über die Geschehnisse, über Risiken und Nebenwirkungen jeglicher Art der Bienenhaltung, gesittet möglich ist. Niemand von uns hat die Weisheit mit Löffeln gegessen. Die Komplexität der Zusammenhänge ist größer, als es in ein paar Zeitungszeilen passt. Glaubt nicht alles, was zu lesen ist, aber bleibt im Dialog und vorveruteilt nicht. Um das bitte ich alle Bienen- und Honigliebhaber/innen, die es gut mit der Natur meinen, wie wir sie heute kennen. Als Kulturraum, in der Mensch und Tier miteinander auskommen können, wenn wir bedachtsam und wachsam vorgehen.

* Eine nette Geschichte am Rande: Ein Altimker in Oberkotzau, der seine Völker durch natürliche Schwarmbildung vermehrte, jagte, als es wieder einmal soweit war, einen Schwarm hinterher, der sich aus seinem Bienenhaus (Hinterbehandlung) heraus erhob. Dieser Schwarm flog letztendlich wieder zurück, wohl, weil ihm die Unterkunft am geeignetsten erschien. Und warum auch nicht? Warm, gemütlich und geschützt – viele Jahre Versuch und Irrtum im Beutenbau können nicht ganz umsonst gewesen sein.

Wenn aus dem Adventskalender Honig tropft …

Don Bosco Adventskalender 2014 und die Bamberger Schulbiene… dann war „Bienen-leben-in-Bamberg.de“ dran schuld. Wir haben nämlich ein Honiggeschenk-Set darin versteckt und unser Plüschbienchen ist schon sehr gespannt, hinter welchem Türchen sich der/die Gewinner/in verbirgt!

Wer den „Bamberger Adventskalender“, initiiert vom Lions Club Bamberg Residenz für das Don Bosco-Jugendwerkt mit der richtigen Losnummer erwischt, erhält exquisit unseren leckeren Bamberger Lagenhonig nebst weiteren Gaben im Wert von 25 Euro.

Das Besondere daran ist, dass wir selbst bereits längst schon keinen Honig mehr aus der diesjährigen Ernte vorrätig haben. Alles aufgegessen. Außer eben jenem einem Glas, das wir extra in einem Tresor im Hochsicherheitstrakt am Obstmarkt 10 verschlossen haben, um bloß nicht schwach zu werden!

Wer noch einen Kalender und mithin die Chance auf diesen und andere wunderbare Preise, die allesamt gestiftet wurden und dem Don Bosco-Jugendwerk in Bamberg zugute kommen, erhalten möchte, sollte sich beeilen. Sie sind so schnell weg wie die Tage des Advents. Ruck-zuck steht Weihnachten vor der Tür und wir dürfen ein paar Tage aufatmen, Kraft tanken und spirituelle Einkehr genießen. Und Honig. Also, nicht wir. Aber Sie, die Gewinner/n! Toi-toi-toi!

Allerheiligen-Ausflug in die Buger Wiesen

Jahnwehr Bug, BambergDer 1. November, schön, wie er heute war, zeigt uns doch so langsam das Ende des Jahres an, es raschelt überall das Laub und die Bäume im Hain werden lichter. Und so radelten wir durch den Park hindurch in die Buger Wiesen zu unseren Bienen, um  zumindest einen von insgesamt acht Standorten miteinander in Augenschein zu nehmen.

Sonnenblume mit TagpfauenaugeHier zeigt sich, dass das Volk immer noch nicht alles an Futter angenommen hat. Gleich nebenan allerdings blüht seit einigen Wochen (leider nicht schon im Frühjahr) ein Sonnenblumen/Phacelia-Feld. Vermutlich holen sich unsere Bienen Pollen und Nektar aus dieser späten Blüte und verschmähen (ganz zu recht) die Nachfütterung mit Zuckerwasser.

Nachfütterung der Bienen in Buger WiesenIn Foren können wir allerdings auch lesen, dass sich manche Imker Sorgen machen, ob für den Winter genug eingelagert ist. Denn durch die warmen Temperaturen drängt es die Arbeiterinnen ins Freie, um dem Sammeltrieb zu frönen. Dabei fliegen sie oft weite Strecken auf der Suche nach Nahrung, die nun einmal nicht mehr üppig zu finden ist. So greifen sie auf das Eingelagerte zurück.

Feld in Buger Wiesen, BambergWir werden also noch einige Male kontrollieren, ob später noch Bedarf an Nahrung besteht. Ganz zufrieden sind wir mit der Entwicklung dieses einen von drei noch verbliebenen Volkes nicht. 30% betrug unsere diesjährige Verlustquote, die uns sehr überrascht hat. Ehemals starke Völker waren binnen weniger Wochen verloren, die Gründe dafür sind nicht ganz genau auszumachen.

Der Bienen-Paralyse-Virus machte ihnen zu schaffen, ein zu trockenes Jahr und daher verhaltener Nektarfluss kam hinzu, gerade in den Buger Wiesen kaum Trachtangebot, nur Weizenfelder, vielleicht auch ein zu früher Start nach einem praktisch nicht vorhandenen Winter, der der Varroa sicherlich zu einem prächtigen Gedeihen verhalf … wir wissen es nicht, können nur Vermutungen anstellen.

So werden wir den Winter mit Lektüre verbringen, um noch tiefer in die Geheimnisse der Bienen und den Wechselwirkungen der Natur einzutauchen. Denn wir wissen, dass wir nichts wissen … wir können uns nur bemühen, jedes Jahr wieder. „Alle(r) Heiligen“ stehen uns doch bitte dazu bei – allen voran unser Ambrosius!

Bienen-InfoWabe erfährt großzügige Unterstützung von REWE

Aufrisszeichnung der Bamberger Bienen-InfoWabe

© Holzbau Thomas Friedmann, Hallerndorf

Wabenförmig, mäusesicher und rund 50 m² volle Nutzungsfläche – die „Bienen-InfoWabe“ auf der Erba-Insel wird Dank einer 16.000 Euro schweren Unterstützung durch 16 regionale REWE-Märkte definitiv noch schöner und praktischer, als wir es uns erträumt hatten! Und vor allem bald gebaut!

Künftiger Standort "Bienen-InfoWabe" auf Erba-InselFür das „grüne“ Klassenzimmer der „Bamberger Schulbiene“, gleichzeitig öffentlich zugängliches Informations- und Bildungszentrum rund um Bienen, Honig und Imkerei, spendeten neben einigen Privatpersonen nun auch die REWE-Märkte aus Bamberg und naher Umgebung (siehe Liste) je 1000 Euro, also eine Summe von 16.000 Euro. Ja, das lassen wir uns auf der (Honig-Feinschmecker-)Zunge zergehen! Ein Traum wird wahr!

Annemarie „REWE“-Rudel, Bamberg

REWE ist bekannt für seine Nachhaltigkeitsaktionen wie den „Schutz der Tier und Pflanzenwelt“. Und einige davon betrafen die Bienen. Von daher hatten wir bereits früher schon den Schulterschluss miteinander geübt (siehe auch Bericht vom 29.04.14 und 06.08.13). Letztendlich wurde Annemarie „REWE“-Rudel sogar Bienenpatin! Und holte erfolgreich 15 weitere Bienenfreunde ins Boot! Tausend Dank dir, liebe Anne, und allen anderen REWE-Geschäftsleuten!

Welcher REWE-Markt hat mitgemacht?

REWE-LogoIm einzelnen beteiligen sich folgende REWE-Marktleiter/innen mit einer Spende an der Bienen-InfoWabe:

 

Rewe Rudel oHG 96050 Bamberg Würzburger Straße 55
Rewe Köppl oHG 96049 Gaustadt Caspersmeyer-Straße 6
Rewe Matthias Fröhlich oHG 96052 Bamberg An der Breitenau 2
Rewe Engelhaupt oHG 96117 Lichteneiche Stockseestraße 40 u 42
Rewe Luisa Bühl oHG 96114 Hirschaid Löser Straße 1
Rewe Richter oHG 96138 Burgebrach Steigerwaldstraße 11 a
Rewe Burkard oHG 96114 Sassanfahrt Sassanfahrter Hauptstr  81
Rewe Tobias Schwarz oHG 96135 Stegaurach Alte Bundesstraße 1
Rewe Hoh oHG 96110 Scheßlitz Bamberger Straße 26
Rewe Tätzner oHG 96149 Breitengüßbach Gewerbepark 3
Rewe Philipp Smith oHG 96148 Baunach Haßbergstraße 31
Rewe Regie Markt 96155 Buttenheim Am Strauch 11
Rewe Weich oHG 96052 Bamberg Pödeldorfer Straße 1
Rewe Mischke oHG 96231 Bad Staffelstein Lichtenfelser Straße 45
Rewe Hofmann oHG 96250 Ebensfeld Hauptstraße 73/Ecke Tulpenstraße
Rewe Jürgen Müller oHG 91341 Röttenbach Lohmühlweg 10

Was hat REWE von seiner Spende?

Durch die Aufsplittung in Spende und einem gesonderten Finanzbeitrag ist es möglich, uns „idealvereinsunschädllich“ mit einer Gegenleistung erkenntlich zu zeigen und gleichzeitig unseren selbstgewählten Auftrag zu erfüllen: der Imker-Nachwuchsförderung.

So dürfen uns die einzelnen REWE-Märkte je zwei Schulklassen aus ihrem Umfeld schicken, die wir dann an der (im Frühjahr geplanten) Bienen-InfoWabe kostenlos unterrichten werden. Dabei ist ein Blick in eine echte Bienenwohnung vorgesehen. Für die Schulklassen dürfte der Ausflug auf die Erba-Insel ein wirklich super Tag sein, denn neben Bildung gibt’s durch den nahegelegenen tollen Spielplatz auch noch viel Spaß umsonst. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Logo IBZVUnd dass dann ein paar REWE-Schilder die Bienen-InfoWabe für einige Jahre schmücken werden, ist nur gerecht. Wir glauben, dass sich diese neben dem Logo unseres Imker und Bienenzuchtvereins Bamberg Stadt und Land e. V., der der Träger des Gebäudes sein wird, und dem Logo unserer Privatinitiative, Bienen-leben-in-Bamberg.de, sehr gut ausnehmen wird. Bunt wie auch das Programm, das wir 2015 auf die Beine stellen werden.

Den Termin zur Einweihungsfeier geben wir rechtzeitig bekannt. Wir hoffen, Sie kommen dann alle zahlreich und freuen sich mit uns und unseren Partnern!

Da kann die Schulbiene einpacken!

Eine Bienenrucksacktasche als Ersatz für den Medienrucksack der Bamberger Schulbiene?

Eine Bienenrucksacktasche als Ersatz für den Medienrucksack der Bamberger Schulbiene? Das wäre toll!

Eine geniale Bienen-Rucksacktasche zum Ziehen und mit praktischen Fächern, der ideal für unseren Bamberger Schulbienenunterricht wäre – gesehen in Chemnitz! Den würden wir sehr gerne haben, denn unser momentan verwendeter Medienrucksack, mit vielen tollen Büchern bestückt, platzt aus allen Nähten.

Vor allem sind die Bücher, die wir in den Klassen nach unserem Unterricht für eine Woche zum Schmökern und Vertiefen in der Schule belasen, kantig und oft schwer. Unser kleiner Rucksack hält dem nicht so gut stand, der Aufhänger ging bereits kaputt und der Reißverschluss verklemmt sich. Nun, wir haben zwar ein paar weitere Behältnisse in petto, doch sind die eigentlich für die Ausflüge mit den Kindern gedacht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer mag uns mit einer Spende helfen, den neuen Rucksack für 70 Euro zu erwerben?

Bienentrolley mit Sabine Saam, Reinhold Burger und Ilona Munique[Nachtrag 18.10.: unsere Bienenpatin Sabine Saam übernimmt die Kosten dafür – wir sagen herzlichen DANK!]

Weiterhin freuen wir uns auch darüber, wenn sich für den Leseinhalt ein paar Spender/innen finden. Denn wir sind erst am Anfang des Klassensatzausbaus und brauchen noch für die älteren Jahrgangsstufen Fachliteratur in Mehrfachexemplaren.

Am unkompliziertesten für uns ist entweder ein Umschlag im Briefkasten, Obstmarkt 10 in Bamberg (bitte hinterlassen Sie Ihren Namen u. Tel./E-Mail, damit wir uns bedanken können!), oder eine Überweisung unter dem Stichwort: „Medienrucksack”.

Kontoinhaberin: Ilona Munique | Postbank München | IBAN DE30700100800830967806 | BIC PBNKDEFF | Swift BIC PBNKDEFF

Bitte beachten Sie:
Statt einer Zuwendungsbescheinigung, die wir leider als Privatinitiative leider nicht ausstellen dürfen, findet Ihr Name Eingang in unsere Liste der Schulbienen-Unterstützer im Web.

Falls Ihr Name nicht genannt sein soll – was ein bisschen schade wäre, da wir alle Vorbilder brauchen! – bei Verwendungszweck: “kein Name” vermerken.

Herzlichen Dank im Voraus für ein Stückchen mehr an (Schul-)Bildung rund um das Thema Bienen, Honig und Imkerei!

Weitere Artikel zum Thema „Medienrucksack“:
Schulbienenausstattung | Bücher für den Bienenunterricht | Gaben für die Schulbienen-Besuche

Ene, mene, muh … oder: Ansteckungsfaktoren „Amerikanische Faulbrut“

Bienenpatin Carmen Dechant an ihrer BienenpatenbeuteDer nicht gerade hochintellektuelle Kinderabzählreim kam mir in den Sinn, als wir beratschlagten, wie wir, die wir so nahe an dem jüngst ausgerufenen Sperrbezirk Bamberg-Ost ein Volk stehen haben, mit ihm verfahren sollten.

Sollen wir der „Amerikanischen Faulbrut“ durch Rückzug des Volkes in der Gärtnerstadt / Heiliggrabstraße aus dem nachbarlichen Gebiet entgehen, oder lassen wir es an Ort und Stelle in des Bienenpatins Obhut?

Das war die Ausgangsfrage, der wir ein Wochenende lang intensiv nachgegangen sind. Und dabei entdeckten wir – wie so häufig – viele Ungereimtheiten und widersprüchliche Aussagen in der Literatur bzw. im Netz.

Eine Quelle, die uns bei der Entscheidung half, war die „Leitinie zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut der Bienen in Deutschland“ (Link aktualisiert am 6.1.2015) des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherforschung mit Stand Januar 2013.

Neben den nachfolgend aufgeführten Faktoren war letztendlich ausschlaggebend für den Verbleib des Volkes, dass ihm ein Umsiedeln jetzt kurz vor dem Winter nicht gut bekommen würde. Auch träfen sie am Standort ihrer Interimsheimat auf ein schwächeres, weil jüngeres Volk, das möglicherweise Opfer ihrer Räuberei würde, da im „Berggebiet / Hohes Kreuz“ nicht ganz so viel Tracht auf sie wartet.

Was sind die Ansteckungsfaktoren, die zu unserer Entscheidung, abzuwarten, beitrugen?

„Die Faulbrutsporen werden hauptsächlich über räubernde Bienen oder kontaminierte
Waben und Bienenwohnungen sowie über Honig und Futter verbreitet.“ (Leitline … , S. 3)

1. Ansteckungsfaktor „Räuberei“

Häufig ist zu lesen, dass starke Völker weniger vor Ansteckung gefährdet sind. Das muss nicht stimmen, denn starke Völker neigen dazu, sich ihr Futter durch Räuberei zu verschaffen. Räubern sie dabei ein schwaches, womöglich ungepflegtes Volk aus, könnten sie über die Verfütterung an die Larven (Streckmaden) die Faulbrutsporen einschleppen.

Unser starkes Volk namens „Gärtnerstadt/Heiliggrab“ kann sich in der Hofstadt-Gärtnerei über eine sehr vielseitige, üppige Flora erfreuen.Pollen, Nektar und Wasser gibt’s reichlich. Daher ist sein Drang, den Radius zu erweitern oder zu räubern, möglicherweise gering ausgeprägt.

Herbstastern

@ Foto: Carmen Dechant, Hofstadt-Gärtnerei

Wir gehen davon aus, dass unser Volk, zumal es gerade für den Winter aufgefüttert wird, keine Ambitionen zu Auswärtsbesuchen in die Zollnerstraße in Bamberg-Ost, dem Ausbruchsherd der AFB, unternimmt. (s.a. Blogeintrag 10.10.14)

Imkerliche Vorbeugemaßnahme: Auf gute Futterversorgung der Völker achten!

2. Ansteckungsfaktor „mangelnde Wabenhygiene“

Alte, über viele Jahre verwendete Waben sind ein wesentlicher Faktor, die Faulbrutsporen zu verbreiten. Wir tun dies selbstverständlich nicht (s. a. Unsere Imkerphilosophie).

Zwei voll besetzte Rähmchen unseres Heiliggrab-AblegersWir verwenden unsere Rähmchen lediglich 2,5 Jahre lang.

  • Im Frühjahr des 1. Jahres hängen wir die neuen Rähmchen in den Honigraum. Nach dem Schleudern, also im Sommer, geben wir die ausgeschleuderten Wabenrähmchen in den oberen Brutraum (bei einer Überwinterung auf 2 Zargen).
  • Im 2. Jahr im Herbst wird der obere Brutraum zum unteren Brutraum (die Waben aus dem vormalig unteren Brutraum werden entsorgt).
  • Im 3. Jahr im Herbst wird wiederum der untere Brutraum entsorgt, mithin ist also Schluss für diesen Satz Rähmchen.

Imkerliche Vorbeugemaßnahme: Keine alten, mehrmals verwendete Wabenrähmchen verwenden! Schwierig ist das, wenn man Ableger von jemand anderem erhält, der es damit nicht so genau nimmt. So bald wie möglich auswechseln!

3. Ansteckungsfaktor Honig und Futter

Wir verfüttern keine Honigreste und hängen keine Futterwaben aus anderen Standorten hinzu.

Pracht-BrutwabeTatsächlich mussten wir allerdings an diesem Standort einmal eine Brutwabe zuschustern, da die Königin verloren ging und keine Brut mehr zu sehen war. Die Brutwabe stammte allerdings vom Villa Dessauer-Volk, also von einem unserer eigenen und gut gepflegten Völker.

Vorbeugung: Wir werden im kommenden Jahr darauf achten, dass wir aus dem Standort Gärtnerstadt keine Brutwabe in unsere anderen Völker überführen, nachdem wir doch hier so nahe am Sperrgebiet liegen.

Für uns alle gilt außerdem: nur sauber gespülte Gläser in die Container werfen!

Was, wenn doch?

Was wir hoffen, ist, dass unser Volk noch keine hohen Sporenwerte hat, und wenn doch, dass es damit klar kommt. Oder im besten Falle noch gar keine Sporen beherbergt? Denn …

„Entgegen der verschiedentlich vorgetragenen Auffassung ist der Erreger, das sporenbildende Bakterium Paenibacillus larvae, nicht allgemein verbreitet und kein Kommensale der Bienenvölker!“ (Leitlinien … S. 1)

Falls die Amerikanische Faulbrut im Gärtnerstadtviertel, also in direkter Nachbarschaft zur 1-km-Sperrzone, trotzdem auftreten würde, wäre eine Völkersanierung im Frühjahr an einem trachtreichen Standort besser durchzuführen. Auch das trug zur Entscheidung, unsere Bienepatin Carmen Dechant nicht bienenverwaist in den Winter gehen zu lassen.

Nun heißt es für uns alle: Abwarten und das Beste hoffen!

Da tut sich was in Sachen „Bienen-InfoWabe“!

Um eine immer mehr in greifbare Nähe gerückte Finanzierungsunterstützung ging es in einem konstruktiven und harmonischen Gespräch am 09.10.2014 mit der Bezirksmanagerin der REWE Group, Cornelia Zech unter Begleitung von Herrn Schimmel in den Räumen unserer Bienenpatin Annemarie „REWE“-Rudel in der Würzburger Straße.

Was wurde besprochen? Hach, wir machen es noch ein wenig spannend, zumal heute Sonntag ist und wir, mit Verlaub, einfach noch ein wenig spazieren gehen wollen. Um genüsslich alles zu verdauen, was wir einen schönen Samstag lang über das Meeting  protokolliert und abgearbeitet haben.

Ja, unser Hobby und unsere Leidenschaft wächst sich zu einem Fulltime-Job aus. Und wirkt durchaus auch sehr ansteckend auf andere … gut so! Denn …

Lasst uns die Bienensituation in Bamberg und Region gemeinsam besser machen … jeden Tag ein bisschen mehr! 😉

Meetinggruppe mit BLIB und REWE

Herbstversammlung der Honigerzeuger in Eltmann 2014

Der Vortrag in zwei Teilen zur „Biologie der Honigbiene (Anatomie, Verhalten, Leistungsdaten)“ von Guido Eich ist sicher auch für diejenigen spannend, die kein Mitglied der HEG, Honigerzeugergemeinschaft Süddeutschland w. V. in Eltmann ist. Denn diese lädt zu ihrer halbjährlichen Mitgliederversammlung am Sa., 11.10.2014, herzlich alle Interessierten ein.

Beginn ist um 10 Uhr, der Saal der Stadthalle mitten im Ort öffnet um 8:30; Imbissmöglichkeit gibt’s ab 9 Uhr, und eingekauft kann natürlich ebenfalls werden.

Schluss mit Lustig: Amerikanische Faulbrut im Bamberger Osten

Amtsblatt – Rathaus-Journal (Collage) mit Meldung zur FaulbrutseucheSeit heute ist es amtlich im Rathaus-Journal und auf den Seiten der Stadt Bamberg nachzulesen sowie hier direkt als Karte (PDF) abrufbar. Weitere Sperrbezirke, die derzeit in Deutschland existieren, finden Sie über das TierSeuchenInformationsSystem TSIS*.

Dank der Pressemitteilung unseres Bamberger Veterinäramts unter der Leitung von Dr. Gabriele Beyer fühlte sich auch sofort der Abteilungsleiter für das Gartenwesen des Garten- und Friedhofsamtes der Stadt Bamberg, Michael Gerencser, zu einer direkten Nachfrage bei uns aufgefordert. Des Bienenfreundes (ihr kennt ihn von unserer Salweidenaktion her) Besorgnis: „Können Sie mir als Laien sagen, wie gefährlich die Situation ist und ob unsere Bienenstöcke in der Villa Dessauer, der Sternwarte und so weiter gefährdet sind?“

Noch nicht akut gefährdet, doch die Situation ist auch für unsere derzeit 10 Völker an 9 Standorten durchaus als prekär einzustufen, gleichwohll wir uns noch nicht innerhalb des frisch ausgerufenen Sperrgebiets befinden. NOCH nicht. Denn an der Bahnlinie hört die Zone auf. Dieses „Hindernis“ ist den Faulbrutsporen sicherlich wurscht, es wird durch Bienenflug ohne weiteres zu uns in die Mitte finden. Dazu ist allerdings zu sagen: fast jedes Volk dürfte Sporen unterschiedlichster Erreger beheimaten. Die Frage ist nur: Wann nehmen diese überhand?

Wie beim Menschen: Bienen leben nicht alleine!

Frei von Viren, Bakterien und Sporen sind wir alle nicht, wir könnten auch nicht lange überleben ohne sie. Auch Bienen leben nicht alleine, sondern beherrbergen eine gewisse Anzahl an „Mitbewohnern“, wie wir Menschen ja auch. Ob der uns längst eroberte Herpesvirus sich allerdings als Fieberbläschen bemerkbar macht, und ob wir Schnupfen bekommen oder nicht, ist unserem Immunsystem zu verdanken und dies wiederum den Umwelteinflüssen, der Ernährung etc.

Sonnenblume, Tomate … diese heile Welt bleibt uns nur mit Bienen!Je besser es also den Bienen geht, je weniger sie durch fehlende oder einseitige Tracht, durch Pflanzenschutzmittel oder Pestizide beeinträchtigt sind, je besser sie der Imker pflegt, je besser auch alle anderen Imker um ihn herum zur Gesunderhaltung der Bienen, z. B. durch rechtzeitige Einfütterung jetzt im Herbst fit halten, um z. B. Räuberei zu verhindern, desto weniger wachsen sich Krankheitserreger zur Bedrohung aus.

Wie bauen wir von Bienen-leben-in-Bamberg.de vor?

Wir versuchen, der Amerikanischen Faulbrut einen Schritt voraus zu sein. Beziehungsweise, ihr zu entfliehen. Aktuell betrifft es das Volk von Bienenpatin Carmen Dechant in der Hofstadt-Gärtnerei, im Gebiet Heiliggrab. Mit ihr gab es heute bereits ein Telefonat und unsere taffe Bienenfreundin hat sich tapfer auf die neue Situation eingestellt.

Was bleibt uns, falls die Bienen sterben? Bienenpatin Carmen Dechant küsst "ihr" HonigglasSobald das dortige Volk winterfest vorsorgt ist, also wohl bis kommenden Montag, wird es aus dem benachbarten Seuchen-Radius entfernt und bei Bienenpatin Anne Rudel im Berggebiet/Hohes Kreuz, also am REWE-Markt untergebracht. Vorher allerdings vergewissern wir uns natürlich gewissenhaft, ob auch wirklich noch kein akuter Befall mit Amerikanischer Faulbrut festzustellen ist.

Voraussichtlich versetzen werden wir auch das Volk der Villa Dessauer von Bienenpatin Dr. Regina Hanemann. Die Konsequenz hier allerdings wäre, dass wir den Unterricht der Bamberger Schulbiene für die Schüler/innen der umliegenden Schulen oder Horte nicht mehr dort abhalten können. Die Lehrbienenstandsbesuche könnten interimsweise im Frühjahr 2015 auf der Erba-Insel erfolgen. Das Volk dort werden wir vorerst nicht evakuieren, zumal wir es für die Bienen-InfoWaben-Eröffnung einfach nicht missen wollen. Ein Wagnis, das wir kompromissbereit eingehen.

Langfristig, und falls der Worstcase, das ganz Bamberg zum Sperrbezirk werden sollte, eintreffen sollte, stehen uns – neben (im schlimmsten Falle) Tötung der Völker, Umsetzung der erwachsenen Bienen (nur die Brut wird ja befallen) sowie damit verbunden Desinfektions- bzw. Reinigungsmaßnahmen bevor. Dazu gibt es eine spezielle Apparatur, das Bienen-Imker-Gesundheitsmobil BIG, das wir ausleihen würden, in Absprache mit den beiden Ortsimkervereinen. Dass dabei einiges an Kosten anfällt, die wir über Spenden versuchen, wieder hereinzuholen, sei gleich mal angekündigt

Was könnt ihr da draußen jetzt und grundsätzlich tun?

1. Sagt allen Imkern, die ihr kennt, was gerade vor sich geht!

Nicht alle Imker sind vielleicht gewarnt, zumal diejenigen nicht, die es bisher versäumt hatten, ihre Völker ordnungsgemäß im Veterinäramt anzumelden. Dass lässt sich aber rasch nachholen und muss auch unbedingt getan werden:

Veterinäramt
Stadt Bamberg
Lichtenhaidestraße 1
96052 Bamberg
Telefon : 0951 / 966520
Fax : 0951 / 96652-60
E-Mail via Kontaktformular

Imker im Sperrgebiet dürfen derzeit keine Völker aus dem Sperrgebiet herausnehmen, keine Waben mit anderen Imkern austauschen, keine Geräte („bewegliche Gegenstände“, also alles!) an andere Imker weitergeben und Wachs nur unter der Bezeichnung „Seuchenwachs“ an geeignete Wachsbetriebe abgeben. (Details bitte nachlesen im Amtsblatt)

2. Ausländische Honige meiden und Gläser spülen

Besonders Honige aus Nicht-EU-Ländern haben uns die Amerikanische Faulbrut eingebracht, beispielsweise beim Entsorgen nicht restlos entleerter Honiggläser in die Glastonnen. Bienen lassen sich vom Honiggeruch anlocken und bringen so die Sporen ins Volk.

Wenn ihr Gläser wegwerft, dann vorher in der Spülmaschine spülen.

3. Weiterhin alles tun, was unseren Bienen nützt und was sie schützt

Dazu findet ihr unter „Wie helfen?“ einige Tipps.

4. Hoffen und beten – genügt das?!

Wird's bienenmäßig in Bamberg zappenduster?Wir lassen den Kopf nicht hängen, ganz klar. Ist der Worstcase jedoch eingetroffen und wird ganz Bamberg zum Sperrbezirk, dann sieht es gerade für unsere Gärtnersleute und ihre Ware für die Zukunft schlecht aus. Ich will es ganz deutlich sagen, wo meine ganz persönlichen Ängste sind, die ich doch bisher recht gut unter Verschluss hielt. Denn wer will schon so etwas hören? Nun, heute sollt ihr genau hinsehen:

Was kommen wird: Noch weniger bis keine Bienen, unlustige Imker, die aufgrund hoher Verluste nicht mehr weitermachen wollen oder können, Jungimker, die verunsichert sind und sich lieber ein weniger unerquickliches Hobby suchen, … wer bestäubt dann eure fränkischen Gurken, Tomaten und Paprika, etc., auf die ihr alle mit Recht so stolz seid und die ihr auch weiterhin (günstig!) auf dem Grünen Markt und dem Bauernmarkt zu kaufen wünscht?

Solarbetriebene Wackelbiene mit SonnenblumenstraußBitte sage keiner, er wäre nicht gewarnt gewesen.
Doch erst, wenn der Kampf vor der eigenen Haustüre stattfindet, blicken wir auf. Und dann ist es meist zu spät für Verteidigungsmaßnahmen, Tür und Tor stehen schutzlos sperrangelweit offen. Ich schreib‘ das jetzt ausnahmsweise einmal sehr deutlich, denn obgleich ich positiv denke und mich bisher sehr, sehr beherrscht habe mit „Panikmache“, weiß auch ich, wann es an der Zeit ist, endgültig die rosa Brille der „Biene-Maja-Verharmlosung“ abzusetzen. Und die ist definitiv JETZT gekommen!

Unsere Privatinitiative gibt es nicht aus dem Grund purer Hobby-Lust und ein bisschen „Wir-sind-auf-eine-Sau,-die-durchs-Dorf-getrieben-wird,-aufgesprungen“, sondern SIE HATTE UND HAT DIE VERMEIDUNG EINES WORSTCASE FÜR BAMBERG ZUM ZIEL! Habt ihr das auch wirklich jetzt verstanden? Ich bete darum.

P. S.: Sagt all denjenigen Veganern, die Honigernte und -verzehr grundlegend ablehnen (Achtung: nicht alle tun dies, also keine Vorverurteilung!), sie könnten durchaus Teil eines Problems sein, dessen Komplexität sie auch nicht einmal ansatzweise erahnen, dazu fehlt den meisten schlicht der Einblick. Auch ich war einmal mehr als naiv in Sachen Bienen und Imkerei – das jetzt ganz unabhängig von jeglicher Ernährungsweise. Doch ohne Honig keine Imker. Ohne Imker keine Bienen. Ohne Bienen … ach was, ich werde mich jetzt nicht mehr wiederholen, sorry. Schluss jetzt, ich muss Bienen retten gehen …

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* TSIS: Dort den Button: „Liste weiter einschränken“ -> als Bundesland „Bayern“ wählen -> in „Kreis“ das Häkchen entnehmen ganz oben bei „Alle Kreise aus- oder abwählen“ -> Häkchen setzen auf „Bamberg, Stadt“ -> Aktualisieren-Button klicken

Blick zurück und nach vorne im Zeidelmuseum Feucht

Vor dem Zeidel-Museum Feucht, Reinhold und IlonaVor dem Zeidel-Museum Feucht, Ilona und ElisabethDer Einladung des Ehrenvorsitzenden und Museumskuratoren des Zeidel-Museums Feucht e. V., Wolfgang Mittwoch, sind wir gerne gefolgt und ließen uns in einer kleinen Gruppe durch das schmucke Fachwerkhaus führen. Das war noch einmal etwas ganz anderes, als alleine durchzustromern, zumal es definitiv an ausreichender Beschriftung der Exponate mangelt. Diesem Manko möchte der ehemalige Apotheker und amtierende Stadtrat sobald als möglich mit Mitteln eines Leader-Projekts in der stolzen Höhe von 50.000 Euro abhelfen.

Museumskurator Wolfgang Mittwoch im Zeidel-Museum FeuchtHonigschleuder im Zeidelmuseum FeuchtAlle Exponate, auch diejenigen, die sich aus Platzgründen derzeit nicht in den Ausstellungsräumen auf drei Stockwerken befinden, sollen erfasst, beschrieben und im Internet veröffentlicht werden. Das ist eine sehr schöne Nachricht für alle Imkerfreunde Frankens und natürlich darüber hinaus.

Museumskurator Wolfgang Mittwoch im Zeidel-Museum FeuchtSo berichtete Herr Mittwoch durchaus ein wenig stolz, dass Besucher „sein“ Haus als besonders ansprechend empfanden und es hier viel mehr zu sehen gäbe als in vergleichbaren Einrichtungen Deutschlands. Mit dem verstärkten Nach-Außen-Gehen und dem Plan, sich zu einem Fachzentrum zu entwickeln, tun sich viele Baustellen auf, die nur mit vereinter Kraft angegangen werden können. Wer also mithelfen mag, beispielsweise bei der Katalogisierung, ist herzlich willkommen!

Detail Zeidler-Tracht im Museum FeuchtWir jedenfalls sind erneut gepackt vom Haus mit seiner (eigenen) Geschichte und der der Zeidlerei, die – aus der Waldzone Osteuropas stammend – einige Besonderheiten aufzuweisen hat. So war es den Zeidlern für ihre Festtagstracht gestattet, Samt und Seide zu tragen – was üblicherweise nur dem Adel und höheren Gesellschaftschichten vorbehalten war. Auch eine Armbrust erhielten die Bienenhüter, galt es doch, sich in den unübersichtlichen, riesigen Wälder Nürnbergs, Bambergs und Weißenstadt gegen allerlei übles Gesindel, wohl auch gegen wilde Tiere zu erwehren. Für dieses Privileg des Waffenrechts mussten die Imker allerdings durchreisenden Kaisern und Fürsten schützendes Geleit geben.

Zeidel-Wappen Markt FeuchtRathaus Markt FeuchtZu besonderen Anlässen, beispielsweise, wenn die Zeidler zu Gericht saßen – sie hatten von Kaiser Karl IV im Jahre 1350 das Privileg einer eigenen Gerichtsbarkeit zugesprochen bekommen – durfte die Tracht nicht fehlen. Sehr ausgeschmückt ist sie bei den Herren, und in Feucht allgegenwärtig ist sie noch heute  (wenngleich nicht so bunt) im Wappen des Marktes Feucht im Nürnberger Land. Von der Damenwelt ist leider keine Zeichnung erhalten. Doch hat man in neuerer Zeit versucht, ein Kleidungsstück zu kreieren, welches in etwa dem entspricht, was man um 1500 möglicherweise als Tracht getragen hätte – und das in Rot! Eine Farbe, die nicht jedermann bzw. -frau damals zustand.

Elisabeth begutachtet Tracht im Zeidel-Museum FeuchtMeine herzallerliebste Schwiegermutter reiste nun extra von Augsburg an, um sich das in einer Glasvitrine ausgestellte gute Stück anzusehen. Denn das mit einem Gebrauchsmuster in Jena vor gewerblicher Nachnutzung geschützte Gewand soll eines Tages von mir getragen werden. Genauer gesagt: am Tag der Grundsteinlegung, des Richtfestes und am Einweihungstag unserer Bienen-InfoWabe. Und Elisabeth wird es mir schneidern! Alle früheren Schnittmuster sind entweder verschollen oder werden nicht gerne herausgegeben. Doch findig und begabt wie Reinholds Mutter ist, wird sie sich ohnehin etwas Eigenes einfallen lassen. So finden wir beide, dass ein Reißverschluss nichts an einem historischen Gewand zu suchen hat. Sicherlich werden wir selbst noch Recherchen vornehmen und uns möglichst nahe an der Historie orientieren.

Bronzehausschild am Zeidel-Museum FeuchtBestückt mit einem Stoß Broschüren und der Leihgabe eines Buches zum Zeidlerwesens aus der umfangreichen, größten Sammlung deutschsprachiger Imkerliteratur (!), welches für Forschungszwecke in den Räumen des Museums allen Interessierten zur Verfügung steht, verabschieden wir uns von Herrn Mittwoch und versprechen schon heute, dass das nicht unser letzter Besuch gewesen sein sollte.

Geöffnet ist das Zeidel-Museum Feucht jeden Samstag von 13.30 – 17.30 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 09128-12184 (Herr Mittwoch).

[Update 10.12.2019: Korrektur der Telefonnummer des Zeidelmuseums]