Veitshöchheimer Imkertag 2015 (5): Vielfalt des Ausstellungsangebotes

Lagerbeute Bienen-LutzIn brütender Hitze standen sie auf dem Gelände der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau (LGW) und erläuterten geduldig ihre ausgestellten und ausgelegten Stücke. Es ist einfach ein Unterschied, ob wir etwas in einem Buch oder im Internet betrachten, oder ob wir es befühlen und in seinen originalen Dimensionen wahrhaft erfassen können.

Mittags im Spundloch VeitshöchheimMittags im Spundloch VeitshöchheimUnd so war der Veitshöchheimer Imkertag auch an diesem Sonnensonntag am 12.07.2015 eine Art kleine Messe, die vom Fachpublikum genau so gerne besucht wurde wie von Jungimkern und deren Begleitung, noch immer zumeist Frauen. Sie hatten jedoch keine Langeweile, denn ein Einkaufsbummel brachte zumindest jede Menge schöner Pflanzen ein. Und für Kaffe, Kuchen und Snacks war ebenfalls gesorgt. Wobei wir  angesichts der langen Warteschlange, die sich nach dem Ende des letzten Vortrags (zum Varroabekämpfungskonzept von Dr. Berg) bildete, in der Stadt im Gasthaus Spundloch zu Mittag aßen. „Spundloch“ – das klang schattig, und tatsächlich ließ es sich im Wirtsgarten gut aushalten.

Immengarten JaeschSo gestärkt ließen wir uns vom Immengärtner Bernhard Jaesch eine interessante Pflanze erläutern. Ledum palustre (Sumpfporst) soll dafür sorgen, dass die Varroamilbe biologisch-homöopathisch bekämpft wird. Den Ursprungsableger besorgte sich der Gärtner- und Imkereimeister von einem befreundeten Imker aus Norddeutschland, wo sie noch bekannt ist, und vermehrt das Rhododendrongewächs seither mit Erfolg. Ein russischer Imker, der nach dieser Pflanze angefragt hatte, war Stein des Anstoßes. In dessem Land ist es wohl kein Geheimtipp, dass Bienen, die die frische Pflanze verzehren, weniger Milben an sich herumtragen müssen.

Beutenheber JakelKannenheber JakelHilfsmittel für die rückenschonende Imkerei offerierte die Firma Jakel aus Buchen. Sie macht in Sachen Edelstahlverarbeitung und Schweißtechnik mit Spezialisierung auf die Imkereitechnik. Eine geniale Verbindung.

Hohenheimer Beute BergwinkelDen selben Gedanken – also die Schonung des Imkers – hatte Bienen-Lutz mit seiner Lagerbeute, die viel Beachtung erhielt. (Foto oben)

Weitere Beutensysteme fanden sich von der Firma Bergwinkel erstellt im Foyer des Sebastian-Englerth-Saals.

Stand Imkereibedarf MuhrBuchauslage am Stand MuhrAus der Oberpfalz mit einem schicken Wagen angereist kam Imker Josef Muhr. Mich interessierten speziell seine ausgelegten Bücher, denn als Bamberger Schulbiene bin ich immer auf der Suche nach guter Bestückung unseres Medienrucksacks. Da schimmert einfach unverkennbar mein ersterwählter Beruf durch …

Und nicht wirklich überraschend trafen wir dort auch auf Simone Machinek, die Geschäftsführerin der HEG in Eltmann.

Simone und Johann MachinekBeide waren wir besonders angetan von einem wunderschönen Bildband und ehe ich mich’s versah, hatte ich eine Sponsorin für einen Klassensatz an meiner Seite! Herzlichen Dank schon einmal im Voraus, zur Übergabe bzw. zur ersten Ausleihe werden wir sicherlich noch einmal berichten.

Natürlich entspann sich sogleich ein angeregtes Fachsimpeln zwischen ihrem Gatten Johann und Reinhold. Doch darüber im nächsten Beitrag!

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Veitshöchheimer Imkertag 2015 (4): Kirschessigfliege etabliert

Dr. Ingried Illies, stv. Leiterin des Fachzentrums Bienen der LWG

Dr. Ingried Illies, stv. Leiterin des Fachzentrums Bienen der LWG

Während die heimischen Taufliegen-Arten (Drosophila) in aufgeplatzten, also überreifen und verletzten Früchte ihre Eier ablegen, schafft es die ursprünglich in Südostasien beheimatete Drosphila suzukii dank ihres säbelzahnartigen Legebohrers am Hinterleib auch bei intakten Früchten, so die Referentin Dr. Ingried Illies, ihres Zeichens stellvertretende Leiterin des Fachzentrums Bienen der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau (LGW).

Folie Kirschessigfliege Drosophila suzukiiTrotz ihres deutschen Namens „Kirschessigfliege“ befällt sie damit nicht nur Kirschen, sondern eben auch Weintrauben und viele weiter Beeren und Früchte. Seit 2009 bevölkert sie den Europäischen Kontinent, zunächst Spanien, Frankreich und Italien. Seit 2011 hat sie u. a. auch Deutschland erreicht.

Und so muss die LWG, mithin Ausrichterin des Veitshöchheimer Imkertags vom 12.07.2015, den Spagat schaffen, sowohl den fränkischen Weinbauern ihr Auskommen sichern zu helfen, als auch der Gartenbauern wichtigste Zuarbeiterinnen, die Bienen zu schützen. Keine leichte Verantwortung. Denn was den einen nützt – nämlich die Bekämpfung mit Insektiziden – schadet den anderen, da diese Mittel zum Teil als bienengefährlich (= B1) eingestuft sind. Nicht nur in der LWG forscht man derzeit in allen Richtungen.

Die schlechte Nachricht

4231-Folie-Kirschessigfliege-Drosophila-suzukiiIhr extrem kurzer Lebenszyklus – zwei bis drei Wochen nach der Eiablage erblickt bereits die nächste Generation das Licht der Welt – macht die rotäugige, gelbbraune Drosophila suzukii, die an der scharzen Bebänderung am Hinterleib erkennbar ist oder am schwarzen Punkt am Flügel der Männchen, schwer bekämpfbar. Denn kurz vor der Ernte dürfen keine Insektizide mehr verwendet werden. Doch befallene Früchte sind für den Weineintrag tabu, Pilze und Bakterien schaden dem Erzeugnis.

Hilfreich ist ein luftiger Standort, doch das erhöht den Pflegeaufwand der Weinstöcke, die vom Unterbewuchs freigehalten werden müssen. Auch mit Netzen lässt sich vorgehen sowie mit Fliegenfallen. Jedoch:

Alternative umwelt- und verbraucherfreundliche Bekämpfungsverfahren existieren nicht.

So ist in der gut bebilderten und ausführlichen PDF-Broschüre des Julius-Kühn-Instituts zur Kirschessigfliege zu lesen. Man forsche noch, zusammen mit nationalen und internationalen Partnern. Für unsere Bienen bedeutet das: „Zieht euch warm an, da weht ein eisiger Wind durch euren Bestäubungsvertrag!“

Die gute Nachricht

In der genannten Broschüre heißt es zur Biologie von D. suzukii:

Die Überlebensrate ist gering, wenn es friert oder die Temperaturen über längere Zeit unter 3° C liegen.

Das schaffen wir (noch) mit unseren Wintern. Daher muss die Taufliege, auch Obst- bzw. Essigfliege genannt, jeden Frühjahr aufs Neue einwandern.

Bei Temperaturen über 30 °C nimmt ihre Aktivität ab.

Nun, auch dieses schaffen wir derzeit in Deutschland. Da könnte uns der Klimawandel durchaus in die Taschen spielen, mit seinen vorausgesagten kalten Wintern und heißen Sommern. Hm. Das gehört jedoch streng genommen nicht zu den „guten Nachrichten“. Doch sorry, mehr oder besseres kann ich leider nicht berichten. Vielleicht im nächsten Jahr? Denn der Imkertag ist fest in unserem Terminkalender verankert, wir hängen an euren Lippen, liebes Fachpersonal der LWG!

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Veitshöchheimer Imkertag 2015 (3): Asiatische Hornisse gelandet

Dr. Stefan Berg, Leiter des Fachzentrums Bienen der LWGNach den Ausführungen zum Kleinen Beutenkäfer, der uns in Deutschland NOCH nicht erreicht hat, folgte im Teil zwei des Vortrags von Dr. Stefan Berg die Asiatische Hornisse, Vespa velutina. Sie ist bereits in zwei Bundesländern angekommen (ja, irgendwie ein Widerspruch, doch die Sichtung ist nicht bestätigt), so der Leiter des Fachzentrums Bienen der LWG am Veitshöchheimer Imkertag am 12.07.2015. Globalisierung begünstigt die großräumige Verbreitung nicht-heimischer Arten, der Klimawandel sorgt für von uns Einwohnern nicht immer erwünschte Veränderungen in Flora und Fauna.

Vortrag „Was kommt da auf uns zu? Teil 2: Asiatische Hornisse

In Frankreich hat sich die eingeschleppte Vespa velutina nigrithorax (hier zur Wespen-Bestimmungshilfe, PDF) seit 2004 invasionsartig verbreitet. Seit Ende 2008 ist der gesamte Südwesten Frankreichs auf einer Fläche von 130.000 km² von ihr besiedelt. Für Deutschland befürchtet man, dass sie einheimische Hornissen verdrängen könnte, von denen einige unter Artenschutz stehen. Vielmehr jedoch fürchten Imker um ihre Honigbienen. Denn um ihre Brut zu versorgen, geht V. velutina recht rigide vor. Durchaus auch im Verbund mit ihren „Schwerstern“ kidnappt sie die vor dem Flugloch ein- und ausfliegenden Bienen und nutzt das aufgeknackte, um die Gliedmaßen erleichterte Brustfleisch als „Babynahrung“. Ist nicht böse gemeint …

Geschickterweise verzetteln sich die geschickten Jägerinnen, die sogar rückwärts fliegen können, nicht mit dem Angriff auf mehrere Stöcke, sondern beginnen zumeist mit den außenstehenden oder den schwächsten Völkern. Honigbienen gesund erhalten, so die Schlussfolgerung, hat daher oberste Priorität.

Die schlechte Nachricht

Als einzige Maßnahme kommt derzeit in Frage, die Bienenvölker umzusiedeln, sofern man die Offensive rechtzeitig bemerkt. Natürlich forschen unsere Nachbarn intensiv nach weiteren Maßnahmen, die Asiatische Hornisse zu stoppen, doch bislang konnte erst ein Mittel zur Marktreife gebracht werden – zu einem nicht akzeptablen Preis. Dabei ist nicht der monitäre gemeint. Vielmehr würde man beim Einsatz der entwickelten Köderfallen auch andere Insektenarten opfern, darunter Vespa crabro, unsere größte einheimische und sehr friedliche Faltenwespe. Diese Hornissenart steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Folie Asiatische Hornisse, vespa velutina nigrathorax (Dr. Stefan Berg, Fachzentrum Bienen, LGW Veitschöchheim)Ihre Nester baut die Asiatische Hornisse in bis zu zehn Metern Höhe, oft in luftigen Baumwipfeln und damit kaum von unten zu sehen. Die beeindruckenden Bauten von etwa 60 x 80 cm Größe, die an ihrem seitlichen Nestausgang als die der V. velutina zu identifizieren sind – die europäische Bauweise ist unten –, sind zumeist erst im Herbst nach dem Laubfall zu entdecken. Dann jedoch ist es zu spät, sie zu entfernen, das Brutgeschäft und die Aufzucht mehrerer Zehnerschaften Königinnen ist bereits erfolgt.

Ohnehin sollte man niemals selbst Hand an die Nester legen. In Deutschland darf strenggenommen kein Laie (auch kein gewöhnlicher Imker) ein Wespen- oder Hornissennest umsetzen, geschweige denn ab einer bestimmten Größe eliminieren.

Die gute Nachricht

Folie Asiatische Hornisse, vespa velutina nigrathorax (Dr. Stefan Berg, Fachzentrum Bienen, LGW Veitschöchheim)Erst im vergangenen Jahr wurde die Asiatische Hornisse gesichtet, vorerst nur in Waghäusel bei Karlsruhe (Baden-Württemberg) im Garten einer Biologin sowie in Kandel in Büchelberg (Rheinland-Pfalz) auf einem Bienenlehrstand.

Wer seine Völker nicht in Massen nebeneinander hält, was in Deutschland zunehmend weniger der Fall ist, kann sich vor Totalverlusten retten. Ohnehin ist die heutige Empfehlung die, lediglich zwei Völker nebeneinander zu stellen und mit deutlichen Abstand das nächste Paar.

Ein gesundes, zahlenmäßig starkes Bienenvolk dürfte einem Angriff begegnen können, engt man das Flugloch ein. Falls das übersehen wurde und der Angriff von Vespa velutina eine gewisse Schärfe hat, bleiben die Bienen vorsorglich zuhause. Haben sie genug Pollen und Honig eingelagert, lässt es sich eine zeitlang aushalten. Allerdings wird das Abkoten zum Problem, der Stock könnte verunreinigen. Ist ein Volk ohnehin bereits geschwächt – durch Krankheiten, Parasiten oder Vergiftungen – schaut es entsprechend schlechter aus.

Aufmerksame Imker/innen beobachten am besten auf dieser Karte (auf der allerdings das zweite gemeldete Vorkommen in Kandel fehlt) die Ausbreitung der Vespa valutina und melden etwaige Vorkommen umgehend an entsprechende Bienenfachstellen. Am besten mit Foto. Zu erkennen ist die Asiatische Hornisse an der auffällig braunschwarzen Färbung mit einem orangefarbenen Glied am unteren Hinterleib.

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Veitshöchheimer Imkertag 2015 (2): Kleiner Beutenkäfer im Anflug

4179-volle-Aula-Imkertag-2015„Muss das jetzt auch noch sein“, so der still vor sich hinseufzende Ausruf auf der Eingangsfolie des ersten Referenten des Veitshöchheimer Imkertages, Dr. Stefan Berg, dem Leiter des Fachzentrum Bienen der LWG. Gar nicht so still war es in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula des Fachzentrums Bienen an der LGW, an einem heißen Sonntag um 10.30 Uhr des 12. Julis. Mit allen nur denkbaren bairische Dialektfärbungen – von nieder-, ober- über altbairisch, aber auch hohenlohisch, oberpfälzisch und hessisch – waren die fränkischen Teilnehmenden umhüllt. Doch egal, von woher – was alle Imker einte, war die Sorge um Gesundheit und Überleben ihrer anvertrauten Bienen.

Vortrag „Was kommt da auf uns zu? Teil 1: Kleiner Beutenkäfer

Dr. Stefan Berg im Interview mit dem BREntwarnung kann Dr. Berg nicht geben. Das teilte er sicherlich auch dem Team des Bayerischen Rundfunks mit, das ihn gleich am Eingangsbereich abpasste. Schreckensmeldungen sind natürlich der Sendeanstalten täglich (und ergiebig) Brot. Von daher verwunderte es nicht, dass der Reporter ziemlich lange in der Aula verweilte. Doch müssen wir wirklich mit dem Allerschlimmsten rechnen, nämlich die Invasion des Kleinen Borkenkäfers, der bereits in Teilen Süditaliens Fuß gefasst hat?

Die schlechte Nachricht

Dr. Stefan Berg, Leiter des Fachzentrums Bienen der LWG

Dr. Stefan Berg, Leiter des Fachzentrums Bienen der LWG

Im September in Kalabrien erstmals in drei Völkern nachgewiesen, verbreitete er sich bis Ende des Jahres 2014 rasant auf 61 Stände aus. 3.200 Bienenvölker mussten abgetötet, der Boden abgetragen und mit Insektiziden behandelt werden. Das ohne Pathos vorgetragene Worstcase-Szenario ließ die Anwesenden Imkerkolleginnen und -kollegen dennoch nicht kalt, uns fröstelte trotz der hohen Temperaturen.

Bestimmungshilfe anhand des Körpers des Kleinen BeutenkäfersAethina tumida, ursprünglich südlich der Sahara beheimatet und von dort aus nach Nordamerika, Australien und nun auch nach Europa eingeschleppt, ist gefräßig, fruchtbar und rasch in seiner Entwicklung. Vom Ei bis zur eigenen Eiablage befähigt dauert das Entwicklungsstadium in den USA nur 6-7 Wochen, in Afrika zwei Wochen weniger. Anders als bei der Amerikanischen Faulbrut, bei der im Radius von einem Kilometer eine Sperrzone errichtet wird, müsste man beim Kleinen Beutenkäfer von einem Verbreitungsradius nicht unter 20 Kilometer, doch vorsorglich bis 100 Kilometer ausgehen.

Wie groß ist gleich noch mal Deutschland?

Die (vorerst) gute Nachricht

Bestimmungshilfe anhand der Larven des Kleinen BeutenkäfersNach dem Abtöten der (von Bamberg aus) nur 1.300 Kilometer weit entfernten befallenen Völker konnten bislang keine Positivbefunde des Kleinen Beutenkäfers mehr nachgewiesen werden. Die Schutzmaßnahmen wurden bis Ende November verlängert, denn jede noch so gut vergrabene Larve wäre der Beginn einer Reinvasion.

Doch über kurz oder lang und bei anhaltendem Klimawandel in Richtung Erderwärmung müssen wir wohl mit dem Kleinen Beutenkäfer rechnen. Und nicht nur mit ihm …

… doch das hebe ich mir für den nächsten Blogbeitrag auf. Nicht, dass uns hier die mühsam angeworbenen Jungimker noch abspringen!

Ach ja … und wer sich trotz der Bestimmungshilfen nicht ganz sicher ist, der kann seine Funde an den Bienengesundheitsdienst nach Grub einsenden. Lieber einmal zu viel als zu wenig überprüft, das hat uns Dr. Andreas Schierling ans Herz gelegt (wir berichteten)!
Und hier das Merkblatt zum Kleinen Beutenkäfer (PDF).

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