Veitshöchheimer Imkerforum 2024 (2)

Hinweisschild zur Bienentagung, dem ImkerforumAm 03.02.2024 fand das Veitshöchheimer Imkerforum in Präsenz und Online statt. Nach dem ersten Teil unseres Berichts folgt nun die Fortsetzung.


Vortrag: Zukunftsfähige Imkerei Bayern: Von der Freizeitimkerei zur Erwerbsorientierung – wie kann dieser Schritt gelingen?

Artur Kammerer vom Institut für für Bienenkunde und Imkerei (IBI) stellte einleitend anhand von statistischen Zahlen die Situation des Sektors „Imkerei in Deutschland“ vor und arbeitete anhand von vier Themenclustern heraus, welche Punkte zbeim Schritt von der Freizeitimkerei in Richtung Erwerbsimkerei zu beachten sind.
Die beleuchteten Cluster waren:
  • Imker/in, Familie, Wissen
  • Prozesse, Produkte
  • Ergebnis / Finanzen
  • Kundin / Kunde

Als Grundlage für eine Marketingstrategie wurden die Instrumente des 4P-Modells (Produkt, Preis, Platzierung, Promotion) vorgestellt. Zur Bewertung und Positionsbestimmung des eigenen Betriebs konkretisierte Kammerer beispielhaft Kennzahlen aus Betriebs-, Zeitreihen- sowie Plan/Ist-Vergleichen speziell für Imkereien.

Mit dem Vortrag gab Kammerer Einblick in das Projekt ZuFi (Zukunftsfähige Imkerei), welches am IBI im April 2023 mit ein Laufzeit bis Juli 2025 startete.


Vortrag: Auswirkungen des Klimawandels auf Bienen und Handlungsempfehlungen für die Imkerschaft

Hitze-Bienenbart vor der Beute in den Buger Wiesen / Bienen-leben-in-Bamberg.deLena Wehner vom Institut für Bienenkunde und Imkerei (IBI) skizzierte in ihrem Vortrag den Einfluss des Klimawandels auf Honigbienen. Höhere jährliche Durchschnittstemperaturen bedingen beispielsweise einen Trend zur Vorverlegung des Reinigungsfluges um 28 Tage im Zeitraum von 1982 bis 2011. Gleichzeitig lassen sich Verschiebungen in den phänologischen Jahreszeiten beobachten. Daneben begünstigt der Klimawandel die Lebensverhältnisse invasiver bienenschädigender Arten.

Ziel des Projekts KliBi ist es, die Auswirkungen von Extremtemperaturen auf die Fitness der Einzelbiene (Individualebene) sowie auf die Entwicklung des ganzen Volkes (Volksebene) zu erforschen. Gleichzeitig sollen auch die Möglichkeiten imkerlicher Gegenmaßnahmen und Handlungsoptionen untersucht und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Die Auswirkung von Hitze auf die Entwicklung von Honigbienen wird mittels Brutschrank simuliert. Thermoschiede als Hilfe zur Temperaturregulierung sollen mittels Messung von Temperaturverläufen und Populationsschätzungen untersucht werden. Weitere Forschungsfrage ist beispielsweise, ob und inwieweit sich die Attraktivität von Wassertränken erhöhen lässt. Als konkrete Maßnahme wurde die Auswirkung von weiß angestrichenen Blechdeckeln auf die Temperatur im Bienenstock untersucht.

Auf die Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen darf man gespannt sein. Weitere Informationen auf der Projektseite https://www.lwg.bayern.de/bienen/bildung_beruf/344917/index.php.

Fragen aus dem Publikum und dem Chat zum Vortrag von Frau Wehner:

F: Thermoschiede, welche werden angewandt?
AW: Selbstgebaute Thermoschienen mit Alufolie umwickelt.

F: Seit wann laufen die Versuche?
AW: Erst letztes Jahr mit der Versuchsreihe angefangen.

F: Weiße Abdeckungen – gibt es andere Materialien als Blech?
AW: Weiße Deckel konnten problemlos angefasst werden. Es macht einen deutlichen Unterschied, wenn man sie weiß (Heizungsfarbe, matt) anstreicht. Eine andere Alternative haben wir nicht getestet.

F: Satteldächer mit Luft bzw. Blechdächer mit Holzleisten – macht es einen Unterschied in der Temperatur?
AW: Es war nur ein geringer Unterschied.

F: Gibt es schon Ergebnisse, wo veröffentlicht, ab wann?
AW: Ergebnisse werden Ende diesen/Anfang nächsten Jahres veröffentlicht, vielleicht auf der Internetseite des IBI unter der Rubrik „Forschungsberichte“.

Zwischeninfo von Dr. Berg: Obwohl wir eine dicke Dämmplatte hatten, wirkt die Hitze in die Beuten hinein.

F: Wie sieht es im Winter aus? Wird das auch untersucht?
AW: Wäre eine Untersuchung wert, aber es geht im Moment um die Klimaerwärmung.

F: Verständnisfrage: Was ist eine Wasserwabe?
AW: Leere Wabe in ein Wasserbecken tauchen und Wabenzellen volllaufen lassen.


Abschlussdiskussion

Hier eine Zusammenfassung der Fragen und Antworten in der Schlussrunde:

F: Ist die Vespa Velutina nachtaktiv?
A: Nein, ist nicht nachtaktiv.

F: Hat die „Galizische Mischung“, also ohne Weißwein, Räuberei ausgelöst?
A: Nein, hat keine Räuberei ausgelöst.

F: Die Vespa Velutina baut auch in Wohnbereichen und in niedriger Höhe (Sekundärnester). Ist sie eine Gefahr nicht nur für den Imker, sondern durch Stiche auch für die Bevölkerung?
A: Sie ist nicht nur ein imkerliches Problem. Die Vespa Velutina hat sehr starke Völker und braucht für die eigene Ernährung Kohlenhydrate. Dazu werden 11-20 Kg pro Volk und Jahr an Insekten vertilgt. Das ist eine Gefahr für die Biodiversität.

In Frankreich wurde eine deutliche Zunahme von Stichattacken auf Erntehelfer (Obst-, Weinernte) beobachtet. Die Fälle anaphylaktischer Schocks infolge von Insektenstichen haben sich in Frankreich verdoppelt.

F: Wie ist das Vorgehen, wenn Nester der Vespa Velutina in geschützten Bereichen hängen, z. B. Truppenübungsplatz, oder wo man nicht herankommt?
A: Locknester bauen.

F: Zu welchen Zeitpunkt und wie lange wurden die Anwendung der Oxalsäurestreifen durchgeführt?
A: Zeitraum war zur Sommerbehandlung Ende Juli mit einer Dauer von 6-8 Wochen. Es wurde sich an die Vorgaben der Hersteller gehalten.

F: Wie sehr geht die LWG/IBI auf biotechnische Maßnahmen ein?
A: Es wird auf den 3-teiligen Flyer zur Varroabehandlung hingewiesen, in welchen auf  biotechnische Verfahren, wie komplette Brutentnahme, Käfigen der Königin, Bannwabenverfahren etc. eingegangen wird.

# Tropilaelaps-Milbe

F: Die Tropilaelaps-Milbe breitet sich Richtung Europa aus. Wie wird die Gefährdung eingeschätzt?
A: Im asiatischen Raum wird die Gefährdung hoch eingeschätzt. Die Tropilaelaps-Milbe wird gegenüber der Varroa-Milbe die Oberhand gewinnen. Die Tropilaelaps-Milbe überträgt auch Krankheiten. Virenübertragung findet wie bei der Varroa-Milbe statt.

F: Wie geht die Tropilaelaps-Milbe mit Brutpausen um?
A: Sitzt auch auf erwachsenen Bienen.

F: Wie thermoresistent ist die Tropilaelaps-Milbe?
A: Es sind noch keine Zahlen bekannt. Zur Behandlung in die verdeckelte Brut hinein steht die Ameisensäure zur Verfügung. Eine Ameisensäurebehandlung wird allerdings durch steigende Temperaturen infolge des Klimawandels schwieriger.

Veitshöchheimer Imkerforum 2023 (1): Versuche und Projekte

Imkerforum in Veitshöchheim, Institut für Bienenkunde und ImkereiDas traditionelle Veitshöchheimer Imkerforum des Instituts für Bienenkunde und Imkerei (IBI) fand am Sa., 04.02.2023 als hybride Veranstaltung statt. Eine mit Imker/innen fast volle Aula bei über 200 vor den Bildschirmen bedankten sich mit kräftigem Applaus und lautlosen Icons für die wie immer inhaltsreichen und gut vorbereiteten Vortragsinhalte.

Und ebenfalls wie immer startete das Programm mit Berichten aus dem IBI. Dieser Blogeintrag gibt den Vortrag des IBI-Leiters, Dr. Stefan Berg, wieder.

Übersicht der Themen

Neubauten, Personalia

Während der Neubau des Prüfhofs Guglhör (Acheleschwaig) bereits im Oktober bezogen werden konnte, müssen die Mitarbeiter/innen und Gäste das Instituts für Bienenkunde und Imkerei (IBI) in Veitshöchheim für die Inbetriebnahme des schicken, einem Wabenbau nachempfundenen Gebäudes, noch bis Anfang 2026 warten.

Bei den Personalien der Fachberatungen für Bienenkunde fanden einige Änderungen statt. Für uns hier in Oberfranken folgt auf Barbara Bartsch die bisherige wissenschaftliche Mitarbeiterin der LWG, Dr. Ina Heidinger.

[Zusatzinfo]: Heidinger habilitierte 2016 am Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Universität Würzburg, und zwar zur Ausbreitungsfähigkeit von Buschgrillen und Heuschrecken, machte sich aber in Veitshöchheim einen Namen zu Untersuchungen des (kaum vorhandenen) Werts der „Durchwachsenen Silphie“ und weiterer Energiepflanzen für die Honigbiene, bevor sie sich den Forschungen zu Begattungsqualität und -sicherheit an Bienendrohnen zuwandte.

Sie war außerdem Wegbegleiterin in Sachen Biogasmischung Veitshöchheimer Hanfmix, die innerhalb das KULAP-Programms förderbar ist. Jener Hanfmix wurde in siebenjähriger Forschungsarbeit unter Beteiligung von Dr. Ingrid Illies sowie von Kornelia Marzini und Dr. Elena Krimmer (beide Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau) unlängst mit dem European Bee Award ausgezeichnet. (Vollständige Pressemitteilung des IBI).

Dazu gratulierten wir herzlich!

Trachtnetz / Waagen

Seit 2010 erfassen automatische Waagen den Verlauf des Eintrags in Bienenvölker. Mehrere Bundesländer sind zusammengeschlossen im TrachtNet, was natürlich sehr spannend ist. So lässt sich verfolgen, ob bayerische Bienen mehr Gewicht auf die Waage bringen als beispielsweise thüringische oder hessisch babbelnde, äh, summende. Und: Wie stehen unsere Bajuwarenvölker eigentlich im deutschen Mittel da?

Der Trachtverlauf von Zu- und Abnahme gebärdet sich bundesweit erstaunlicherweise so ziemlich gleich, also mit Eintragsspitzen Ende Juni, gefolgt von einem zügigen und kontinuierlichen Kurvenabfall (bedingt auch durch die letzte Ernte im Juli) bis Ende April. Bienenvölker in Bayern rangieren dabei allerdings in der unteren Gewichtsklasse und sollten sich an Hessen ein Beispiel nehmen. Dort scheint die Trachtsituation also ungleich besser zu sein

Versuche zur Wirksamkeit von Ameisensäure in Folge der Umsetzung der EU-Zulassungsverordnungen

Die bisherigen Standardzulassungen sind bei der Varroabekämpfung sind beendet. Es besteht eine Übergangsfrist von fünf Jahren. Ameisen-, Oxal- und Milchsäure werden also immer noch vertrieben, die Umstellungen sind bis 2027 vorgesehen.

Einzelzulassungen sind nunmehr notwendig für …

  • Ameisensäure
  • Milchsäure
  • 60% Oxalsäuredihydydrat für Träufel- und Sprühverfahren
  • … und Verabreichung mittels Schwammtuch mit Ameisensäure

Nachdem die Zulassungsbehörden dabei einen Wirksamkeitsgrad für Mitteln gegen die Varroa destructor von 90% proklamiert hat, forscht(e) eine Arbeitsgruppe am IBI zur Dosierung und maximalen Wirksamkeit von Ameisensäure in den Verabreichungsformen:

  • Liebig-Dispenser (1 und 2 Applikatoren)
  • Nassenheider Professional (1 und 2 Applikatoren)
  • Schwammtuch (hatte keine Zulassung mehr, durfte aber aufgenommen werden)

Für die Gesamtwirksamkeit mittels AS-Verabreichung in entsprechend unterschiedlichen Anwendungsformen ist außerdem die Restentmilbung durch das Mittel Bayvarol angewandt worden. Für all dieses wurde eine Wirksamkeit von 90% durchgängig bestätigt! Gute Nachrichten also für uns Bienenpfleger/innen! Im Wesentlichen bleibt alles beim Alten, von der neuen Dokumentationspflicht auch für Hobbyimker einmal abgesehen.

Oxalsäurestreifen haben keine Zulassung. Manche, die das „Bleichen von Wachs praktizieren“, dem eigentlichen Einsatzgrund bzw. Verkaufszweck, setzten diese möglichweise außerdem zur AS ein. Die Forschungsgruppe kam bei einem Test im fast voll besetzten, brütenden Volk zur Erkenntnis, dass die Methode nicht zielführend ist. Die Bienen saßen am Ende nur noch auf zwei bis drei Rähmchen.

Der graue, quer über den Text verlaufende Vermerk im jüngst nachgedruckten Flyer des IBI zur Varroabehandlung (wir berichteten) ist obsolet. Und zwar deshalb, weil jüngst eine Einzelzulassung vom Serumwerk Bernburg für AS mit Applikator Schwammtuch erfolgte. Aus Nachhaltigkeitsgründen wird der Flyer dennoch ausgegeben, so Dr. Berg.

 

Verbundprojekt VIBEE

Stichwort: Beurteilung und Einschätzung von Risiken bei Bienenvölkern (Risikobewertung).

Zum Beispiel: Wie sehen die Tagesbilanzen von Bienen aus? Normalerweise gehen ein- bis zweitausend Bienen von einem Volk im Durchschnitt pro Tag ab. Doch welche/r Imker/in kann das schon so genau zählen, um zu sehen, ob alles im „grünen Bereich“ ist? Auch für die Feldversuche in der Forschung und für Zulassungsbehörden sind genauere Zahlen, die mittels elektronischem Zähler, Waagen (TrachtNet) und entsprechender Software ermittelt wird, interessant.

Diese Software (Vi-Soft) im Projekt ViBee wird auch von der ESTA (Lebensmittelbehörde) benutzt. Vi steht dabei für Vitalitätsindikatoren, die am Bienenvolk gemessen werden könnten, also beispielsweise zu Resilienzen in Bezug auf Krankheiten und Pflanzenschutzmitteln. Die richtigen Indikatoren herauszufinden, ist das Projektziel.

Projekt KliBi zu Klimawandel und Bienen

Nur kurz wurde ein neues Projekt zum Thema Klimawandel und Bienen vorgestellt. Wie oft schon wurden wir gefragt, ob der Klimawandel unseren Bienen etwas ausmacht. Wir sind also sehr interessiert daran, was dieses Projekt an Handlungsempfehlungen beisteuern kann, um die Imkerschaft zu unterstützen. Denn definitiv wird es heißer und trockener, was sich auf Bienen wie den Honig auswirkt.

Da zu KliBI noch nichts im Internet zu finden ist, empfehlen wir vorerst folgende Links zum Thema:

https://deutscherimkerbund.de/448-Bienen_und_Klimawandel

Alle Beiträge zum Veitshöchheimer Imkerforum 2023


Fotografieren und Screenshot sind bei dieser Veranstaltung nicht erwünscht. Daher nur Impressionen aus dem Umfeld, die immerhin nach der Pandemie wieder möglich sind. Das ist doch auch schon was! 😉