Monatsbetrachtungen Januar 2022 zu Bienen und Imkerei

 

Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern ein Gutes Neues Jahr und stets volle Honigtöpfe!

Übersicht

Kontrollgänge

Wir winterten unsere Völker ausreichend stark ein, mit möglichst wenig Varroamilben belastet, mit ausreichend Futter versorgt sowie von jungen Königinnen zusammengehalten („regiert”), außerdem auf frischem Wabenwerk sitzend. Die Restentmilbung führten wir Anfang Dezember (am 11.12. und einen Nachzügler am 23.12.) durch. Die Windelkontrolle Ende Dezember stimmte uns zuversichtlich. Die abgefallenen Milbenzahlen lagen im Rahmen der Erwartung.

Katzenkopf gegen SpechtschadenAn den Bienen ist im Januar (fast) nichts mehr zu tun. Auf Kontrollgängen nach Neujahr werden wir noch die restlichen Windeln von der Restentmilbung herausnehmen, beurteilen und reinigen. An einigen wenig durch Menschen frequentierten Bienenständen achten wir besonders auf Spechtschäden. Vorbeugend hatten wir an diesen Ständen zur Abschreckung Bilder von Katzenköpfen angebracht.

Wachsverarbeitung

Falls es kühl ist, also kein Flugwetter, kann liegengebliebenes Altwachs mit einem Dampfwachsschmelzer im Freien verarbeitet werden. So vorbereitet lässt sich vielleicht auch schon die eine oder andere Mittelwandwabe gießen.

Reparaturen

SpechtschadenIm Winter ist endlich Zeit für Beutenreparaturen. Oftmals müssen Spechtlöcher gestopft oder abgesplittertes Holz an den Außenseiten verkittet werden. Um die Innenseiten der Beuten allerdings kümmern sich die Bienen mit ihren Spezialkitt, dem Propolis, selbst.

Schmökern

Imkerliteratur des Kosmos-Verlags

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Kosmosverlags

Jetzt ist die beste Zeit, die letzten Ausgaben eurer Imkerzeitschrift gründlicher zu lesen. Oder die Monatsbetrachtungen des Vorjahres nochmals durchzusehen. Auch bereits gelesene Bücher nehme ich immer wieder gerne zur Hand. Mit den Erfahrungen des zurückliegenden Jahres entdecke ich immer wieder neue Aspekte und gewinne neue Erkenntnisse. Lasst euch von den Titeln unserer Imkerbibliothek inspirieren. Hier geht es zum Bestandsverzeichnis.

Planen

Den Winter wollen wir für die Planung nutzen. Wohin soll sich unsere Imkerei im nächsten Jahr entwickeln und welche Materialien benötigen wir dazu? Was wollen wir anders machen und welche Schwerpunkte sollen gesetzt werden? Es empfiehlt sich, bereits jetzt im Imkerhandel zu bestellen und nicht erst im Frühjahr, wenn ALLE Imkermaterialien kaufen möchten.

Winterarbeit: Wertvolles Entdeckelungswachs einschmelzen

Drohnenwachs schmelzenWarum so differenziert ausgedrückt? Weil Wachs nicht gleich Wachs ist, da bei unterschiedlichen Prozessen und damit verbunden zu verschiedenen Zeiten anfallend. Beispielsweise Drohenwachs, welche als biotechnische Varroabehandlungsmaßnahme bzw. -verhütung im Frühjahr anfällt, riecht durch die erhitzten Eißweiße zunächst sehr unangenehm. Es kann daher nur im Freien verarbeitet werden.

Altwaben einschmelzenWachse aus ehemaligen Bruträhmchen, die zur Wabenhygiene im Spätsommer bis Frühherbst anfallen, riechen zwar nicht ganz so übel. Doch müssen diese „Altwaben“ dennoch zeitnah, also im September verarbeitet werden, möchte man nicht die Wachsmotte zum Festtagsschmaus einladen. Eine Tiefkühltruhe wäre praktisch, kostet jedoch viel Energie, die man sich bei guter Planung schenken kann. Besser ist es, die Altwaben kühl und luftig aufzubewahren.

Entdeckelungsgeschirr und Entdeckelungswachs nach getaner ArbeitLediglich das Entdeckelungswachs also, welches bei der Honigwabenverarbeitung anfällt, kann – gut verschlossen in lebensmittelechten Gefäßen – einige Monate bis Jahre aufbewahrt und im  tätigkeitsärmeren Winter verarbeitet werden. Reinhold erlangte durch dreifaches Aufschmelzen der Entdeckelungswachse aus zwei Jahren (= 4 Honigeimer à 10 Liter) rund 4,1 Kilo reines, sogenanntes „Eigenwachs“, das von den Ansprüchen her sogar als Grundlage für Kosmetika und Haushaltsmittel reichen würde.

Tatsächlich könnten wir es hochpreisig verkaufen, man würde es uns aus den Händen reißen. Doch Vorbestellende aus vielen Jahren müssen wir leider wiederum vertrösten. Denn wir benötigen es für unsere Bienen, indem wir ihrem Nachwuchs beste Mittelwachswände anbieten statt möglicherweise gepanschtes Wachs aus dem freien Verkauf.

WachsschmelztopfZusammen mit dem Altwachs verschmolzen erhält es die richtige Geschmeidigkeit, um spätesens im zeitigen Frühjahr Mittelwandrähmchen weitestgehend brucharm herzustellen. Das Einschmelzen hierfür erfolgt in einem mit Thermoöl gut isolierten, 35 Liter fassenden Wachsklärbehälter mit Temperatursteuerung, den wir uns einmalig in 2017 für rund 1.500 Euro (aktuell um € 1.645) angeschafft hatten. Dank ihm lassen sich sogar Faulbrut und Nosemosasporen abtöten. Zur Handhabung in einem späteren Bericht mehr.

Alles in allem ist Wachs ein noch viel aufwändiger herzustellendes Urprodukt als Honig und wird vom Wert her schwer unterschätzt.