13.01. „Verwirkliche-Deine-Träume-Tag“ und die Bamberger Schulbiene

Die Bamberger Schulbiene in der HainschuleUnterricht an der LernbienenbeuteHeute am Verwirkliche-Deine-Träume-Tag – dem amerikanischen Make Your Dreams Come True Day – ging ich in unserem Fotoalbum zurück, um zu entdecken, welche Träume wir verwirklichen konnten. Vor 8 Jahren im Februar 2013 fand ich Fotos zu den Vorbereitungen für die Crowdfunding-Aktion zur Bamberger Schulbiene. Diesen Traum, für Bambergs Schulen in Sachen Bienen Unterricht zu halten, konnten wir tatsächlich noch im selben Frühjahr verwirklichen.

Entstanden daraus ist ein weiterer Traum, nämlich der Bau eines eigenen, gut erreichbaren „grünen“ Klassenzimmers, die Bienen-InfoWabe. Auch dieses ließ sich mit dem Willen und der Kraft vieler Menschen vom Herbst 2015 bis zum Frühjahr 2016 verwirklichen. Dem folgte ein Bienengarten-Traum, der 2017 seinen ersten Spatenstich zeitigte und in Coronazeiten ein wahrer Zufluchtsort auf der Erba-Insel wurde.

2. Treffen des Aktionskreises zum Volksbegehren "Naturschönheiten in Bayern erhalten – Rettet die Bienen", am 10.01.2019Statementgeber/innen zur Auftaktveranstaltung des VolksbegehrensDen Traum, Bienen nachhaltig zu schützen und zu unterstützen, träumen indes viele Menschen weiter. Kleine Meilensteine, die nicht auf „unserem Mist gewachsen“ sind, sondern von anderen kamen, wie das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“, unterstützten wir nach Kräften. So hoffen wir auf die Wirksamkeit des nächsten Schrittes, dem Europäischen Volksbegehren, welches bis zum 30.06.2021 läuft.

Bienenzeichnung auf dem Maximiliansplatz in BambergMit den Träumen Einzelner, die viele andere zu motivieren wissen, können gemeinsam tolle Ziele erreicht werden. Manchmal sofort, manchmal in Etappen, manchmal über Umwege. Verliert nie den Mut, den ersten Schritt zu gehen! Am heutigen Tag seid dankbar für alles, was geschehen konnte und haltet Ausschau nach einem guten neuen Ziel. Und nicht vergessen: „Tue Gutes und berichte darüber!“ Denn Motivation ist eine Superkraft! In diesem Sinne … happy „Verwirkliche-Deine-Träume-Tag“!

ID-Logics – eine praktische App zur Artbestimmung von Tieren und Gehölzen am Beispiel der Hummeln

Die App id-Logics ist ein tolles Hilfsmittel zur Artbestimmung für unterwegs. Beispielsweise 45 Hummelarten (dabei auch Wildbienen, die nur wie Hummeln aussehen oder fälschlich so bezeichnet werden) lassen sich prima identifzieren, neben Muscheln und Schnecken, Bäume, Sträucher und Frühblüher sowie Ameisen. Weitere Artengruppen sollen folgen. Wobei wir natürlich wild auf die Wildblumen sind, die es demnächst geben soll, aber auch auf Wildbienen, die leider noch nicht geplant sind. Kein Wunder, bei über 560 Arten!

Die Honigbiene selbst ist in Deutschland ja nur mit einer Art vertreten, der Apis mellifera, die wir auch ohne Hilfmittel jederzeit erkennen können. Wir hoffen, Sie auch!

Artengruppen der Bestimmungs-App ID-LogicsWas die Bestimmungsapp sehr sympathisch macht:

  • Weitestgehend kostenfrei und unabhängig von einem Netz
  • Plattform- und endgeräteunabhängig
  • Universitätsangebot mit Datenschutzgarantie
  • Der Entwickler dieser App, Prof. Dr. Jorge Gross und Institutsleiter innerhalb der Fakultät Humanwissenschaften und hier zur „Didaktik der Naturwissenschaften“ an der Uni Bamberg, ist uns persönlich bekannt (s. Bericht). Es ist cool, hinter dem Produkt das Gesicht zu kennen! 😉

Und so geht’s:

  1. Suchen Sie in Ihrem Appstore (z. B. Google Play) nach dem App-Namen, also id-Logics.
  2. Klicken Sie auf „Installieren“
  3. Sodann installieren Sie diejenige Artengruppe, die Sie auf Ihrem Gerät vorrätig halten möchten. Nur die Artengruppe „Bäume und Sträucher“ kostet € 2,99, alle anderen sind (bislang) frei erhältlich.
  4. Die installierten Enddaten sind dann tatsächlich unabhängig von einem Internetzugang auf Ihrem privaten Speicherplatz vorrätig, so dass Sie jederzeit auch in der Pampa auf Bestimmungsjagd gehen können. Doch wer seinen eigenen Speicherplatz nicht verwenden möchte, kann die Daten auch auf dem universitätseigenen Server hosten. Dazu muss man sich allerdings natürlich erst registrieren und anmelden.
  5. Nachdem die Artengruppe installiert ist, klickt man auf das App-Symbol und sieht sodann, welche Gruppe man installiert hat, und welche noch auf einen warten. Mit einem weiteren Klick auf die installierte Gruppe folgt eine Begrüßung, die einen auffordert, bestimmte Fragen zu beantworten, um sodann die gesuchte Art zu finden.
  6. Weitere Funktionen sind sehr übersichtlich, simpel und selbsterklärend bzw. mit Erklärtexten ausstaffiert, die erläutern, wie man vorgehen kann. Einfach mal ausprobieren!
  7. Auch ohne etwas zu suchen macht die App Laune. Bei Klicken auf die aufgelisteten Arten, z. B. „Bluthummel“, erhält man eine Vergrößerung des Bildes und darunter kurze Informationen, hier beispielsweise, dass sie „Von Ungarn auf dem Weg zu uns“ ist, die augenfälligsten Details zu körperlichen Merkmalen, ihren Verbreitungsgrad und die Flugzeiten. Der Reiter dazu nennt sich „Wissenswertes“.
  8. Weitere Informationen sind über die Reiter „Merkmale“, „Vorkommen“ (Text und Karte) und „Verwechslung“ ansteuerbar.
  9. Sehr gut kommt bei mir das Glossar an, und überhaupt poppt im Text bei Fremdwörtern eine Begriffserläuterung auf.
  10. Eine eigene Sichtungsliste mit Datum und Ort hilft, sich an seine Funde zu erinnern. Diese können auch gemeldet werden.

Kritik

Vorbehaltlich eines allerersten Eindrucks und noch ohne Geländeerfahrungen kann ich schon mal folgende Kritikpunkte anmerken, die allerdings „auf hohem Niveau“ stattfinden.

  • Es wäre mir lieb, würde ich vor der jeweiigen Artengruppen-Installation eine Info zum erwartbaren Datenvolumen erfahren.
  • Ich vermisse grundsätzlich Angaben zu genaueren Paarungs- und Schlupfzeiten, in denen man ja gerade besonders viele Exemplare sehen und bestimmen könnte.
  • Der Informationsgehalt ist unterschiedlich ausführlich. Für heutige Verhältnisse mögen kurze Texte ja genügen, mir selbst sind sie ein bisschen zu knapp gehalten. Aber ein Abgleich mit anderen Informationsquellen aus dem Internet steht mir schließlich offen. Immerhin kann ich schon mal die Art benennen, und genau dafür ist die App schließlich gedacht. Aaaaber …
  • … es sind nicht immer Weibchen UND Männchen abgebildet, die ja doch unterschiedlich aussehen können. Bei einer Einzelabbildung hätte zumindest die Geschlechtszuordnung Sinn gemacht.
  • Die Karte unter dem Reiter „Vorkommen“ ist toll und wäre noch besser, hätten zur groben Orientierung ein paar bekannte Städtenamen Eingang gefunden. Wir älteren Semester mögen aus der Erfahrung heraus gute geografische Kenntnisse besitzen. Doch wenn die App auch für Schulklassen genutzt werden soll, was wir planen, so wäre das eine echte Hilfe für die Kiddies.

Fazit

Must have! Wir wünschen der App eine möglichst rasche Verbreitung! Denn wie wir immer so schön sagen:

Was wir kennen,
lernen wir schätzen.

Was wir schätzen,
lernen wir lieben.

Was wir lieben,
lernen wir schützen.

Was wir schützen,
bleibt uns erhalten.

 

Monatsbetrachtungen Januar 2021 zu Bienen und Imkerei

Übersicht:

Was passiert im Januar im Bereich der Bienen und in der Imkerei?

OxalsäurebehandlungNicht viel, möchte man meinen. Doch hier irrt der Mensch in seiner mollig-warmen Wohnung, die er derzeit nur ungern verlässt. Doch bis zum Ende des Januar erhalten wir eine Stunde mehr Sonnenlicht, was auch die Tiere bereits seit 21. Dezember spüren und rege werden. Honigbienen gehen dann bereits wieder in die Brut, was eine Behandlung gegen die Varroamilbe schwieriger macht. Diese sollte eigentlich bereits im November/Dezember erfolgt sein. Hat man das verpasst, so kann in der ersten Januarwoche noch Oxalsäure eintröpfeln. Doch das nur im Notfall, nur wenn noch keine Oxalsäure-Träufelbehandlung erfolgte, nachdem man durch die Windelkontrolle den Milbendruck ausgezählt hat.

Totenfall

Totenfallkontrolle am Bienenvolk WildensorgAußer nachzusehen, ob eventuell ein zu starker Totenfall das Mäusegitter versperrt, ist jetzt an den Bienen selbst also nicht viel zu tun. Wir legen unser Ohr dicht ans Holz der Beute, am besten rechts oder links über der Fluglochseite. Ein gleichmäßiges Summen sollte zu hören sein – den Bienen geht’s gut in ihrer Wintertraube, in der sie sich gegenseitig wärmen.

Futterkontrolle

Geräuschkontrolle zur Winterkontrolle der Bienenvölker in den Buger WiesenKurz anheben zur Futterkontrolle kann ebenfalls nicht schaden – wenn öffnen, dann nur kurz unter die Folie sehen! Für Anfänger ist das Gewicht manchmal schwer einzuschätzen. Daher raten wir, immer mit zwei Völkern das Imkern zu beginnen, des besseren Vergleichs wegen. Muss nachgefüttert werden, dann am besten mit einem Schälchen unterhalb der Rähmchen, was nur bei einem hohen Boden geht. Oberhalb angebracht wird das Futter oft nicht angenommen. Dann hilft nur das Einhängen einer Futterwabe, so vorhanden. Bitte keine fremden Futterwaben von Imkerkollegen verwenden, da hier die Gefahr besteht sich die Faulbrutkrankheit einzuhandeln. Wer im Frühherbst gut eingefüttert hat und es keine größeren Störungen, z. B. durch Spechtklopfereien gegeben haben, sollte keine Sorge haben.

Bestellungen

Farbschema KöniginzeichnenEs bleibt also viel Zeit, die Bestellung für die bald beginnende Außensaison vorzubereiten. Sind genügend Mittelwände und Rähmchen da? Ist die neue Jahresfarbe zum Markieren einer neuen Königin da? Heuer ist es die Farbe Weiß. Auch Milchsäure könnte gleich mitbestellt werden, um frühe Schwärme damit zu behandeln.

Wachs einschmelzen

Wachs einschmelzen, erster DurchgangIst es unter 10° C kalt, so kann im Freien noch nicht verarbeitetes Altwachs eingeschmolzen werden. So vorbereitet lassen sich vielleicht auch schon die eine oder andere Mittelwandwabe gießen.

Reparaturen

Vogelschaden an der BienenbeuteSind die Temperaturen höher, lassen sich Beutenreparaturen durchführen. Oftmals müssen Spechtlöcher gestopf oder abgesplittertes Holz an den Außenseiten verkittet werden. Um die Innenseiten der Beuten kümmern sich die Bienen mit ihren Spezialkitt, dem Propolis, allerdings schon selbst.

Mittelwände herrichten

Praxis des Einlötens, Modul 10 Imker-AnfängerkursFür die Rähmchen lassen sich die Drähte nachziehen, falls ihr alte verwendet – was wir selbst allerdings nicht tun. Doch auch die neu gelieferten lassen hin und wieder zu wünschen übrig.

Schmökern

Ansonsten empfehlen wir das Lesen von Fachliteratur. In unserem letztjährigen Adventskalender haben wir einige rezensiert, schaut doch einfach mal durch, was euch interessiert und bestellt diese eventuell über eure Büchereien. Während des Lockdowns haben diese dann die Zeit, sie für euch zu kaufen oder aus anderen Büchereien zu ordern. Schreibt eine Mail und fragt nach. Ihr könntet jetzt auch endlich Zeit finden, die letzten Ausgaben eurer Imkerzeitschrift gründlicher zu lesen. Oder euch die Monatsausgabe des Vorjahres nochmal durchzusehen.

Fortbildung

Gerade im Bereich der Fortbildungen gibt es in der kalten Jahreszeit einige Angebote. Informiert euch über die Webseiten eures örtlichen Imkervereins oder anderer überregional agierender Vereine wie dem DIB, Deutscher Imkerbund.
Solltet ihr besondere Fortbildungswünsche haben, könnt ihr euch gerne an uns wenden. Wir vermitteln entsprechende Referent(inn)en oder bieten euch etwas eigenes an.

Einen erfolgreichen Start ins neue Jahr wünschen wir euch!

Neujahresvorsatz: Imker/in werden!

Silvesterblues? Nicht mit Bienen! Einmal eingetaucht in diesen Kosmos werdet ihr immer etwas Schönes und Sinnvolles zur Ablenkung haben. Sich umweltfreundlicher verhalten, Stress reduzieren und mehr Bewegung im Freien sind für viele Menschen die guten Vorsätze zum neuen Jahr. All das lässt sich durch das Trendhobby Imkerei verwirklichen. Doch viele regionale Imkervereine sehen sich wegen der Pandemiebeschränkungen seit diesem Jahr und bis auf weiteres nicht in der Lage, Jungimkerkurse durchzuführen. Unsere Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de springt hier in die Bresche und gibt ein Programm mit zwei unterschiedlichen Kursmodellen heraus.

Logo BLIB-Imkerkurs für AnfängerJahreskurs für Anfänger

Der Jahreskurs mit Beginn ab 26. März besteht aus zwölf Modulen mit Theorie- und Praxisanteilen und ist grundsätzlich auf ein Kalenderjahr angelegt. Absolviert werden kann der Kurs allerdings innerhalb von zwei Jahren. Das bedeutet, dass verpasste Termine im darauffolgenden Jahr nachgeholt werden können. Der Jahreskurs ist für absolute Anfänger geeignet und befähigt dazu, eigene Völker umsichtig zu pflegen, zu vermehren sowie Honig zu verarbeiten und zu vertreiben.

Alle Module sind derzeit als Präsenzveranstaltung geplant und unterliegen dabei den aktuellen Corona–Regelungen und Hygienemaßnahmen. Im Falle eines Lockdowns werden sie online veranstaltet oder nachgeholt. Es fällt folglich kein Kursmodul aus.

Logo BLIB-Jungimker-KompaktkursKompaktkurs zum Wiedereinstieg und Schnellstart

Wer bereits früher einmal geimkert und nun wieder einsteigen möchte, hat oftmals Fragen zu neuen Richtlinien bei der Varroabekämpfung oder zu modernen Verfahrensweisen der Bienenhaltung. Für diese Zielgruppe bietet sich ein einwöchiger Kompaktkurs an. Gedacht ist er auch für jene, die sich nicht so häufig auf den Weg nach Bamberg machen können und wollen, wie das beim Jahreskurs nötig wäre. Außerdem bringt es die Pandemie vermehrt mit sich, dass Verwandte oder Freunde aus gesundheitlichen Gründen überraschend ihre Völker abgeben müssen oder man gar die Bienen plötzlich vererbt bekommen hat. Es gilt, noch vor dem Auswintern etwa Ende März ein Minimum an Fachwissen in der Imkerei aufzubauen. Daher findet der Kompaktkurs bereits ab 15. März an sechs Abenden mittels Videochat statt. Den 15 Theoriestunden folgen später im Jahr zwei ergänzende Praxistage.

Logo Bienen-leben-in-Bamberg.de (BLIB)Informationsabend

Zu allen beiden Kursmodellen findet am 1. März ein kostenloser Informationsabend mit persönlicher Beratung durch Imkermeister Reinhold Burger und Imkerin Ilona Munique statt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter 0951/3094539.

Eines ist sicher: Diesen wegweisenden Neujahresvorsatz werdet ihr mit unserer Hilfe tatsächlich durchziehen und einlösen! Also dann – wir freuen uns auf unsere werdenden neuen Jungimker/innen! Guten Rutsch …

Eure Ilona und euer Reinhold,
Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de

Danke, Bienen!

*24* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

[Werbung] Der Titel „Handbuch für die erfolgreiche Imkerei“ macht neugierig. Die beiden Wörter „Handbuch“ und „erfolgreich“ erheben Anspruch auf einen gehaltvollen Inhalt des Buches. Zumal die genannten Imker im Untertitel von Camille Pierre Dadant bis zum Angepassten Brutraum nach Hans Beer“ bekannte Namen sind. Ungewöhnlich auch das in schwarz gehaltene Cover mit silbergrauen, filigranen Blatt- und Blütenornament. Um es vorwegzunehmen: Das Buch hält, was es verspricht, jedoch auf eine überraschend andere Art als erwartet.

Inhalt und Aufbau

Der Kern

Den Kern des Buches bilden die aus dem Englischen übersetzten Originaltexte von Camille Pierre Dadant, bestehend aus den Teilen der beiden Bücher „Dadant System of Beekeeping“ und „First Lessons in Beekeeping“. Ersteres erschien bereits 1920, das zweite Buch im Jahr 1934. Kapitelweise folgen die Ausführungen von Hans Beer, ergänzt durch Erläuterungen des Autorentrios Marion Loeper, René Schieback und Tino Lorz. Die spannende Entwicklung des Handbuchs und damit ein Stück weit auch Historie über mehrere Imkergenerationen hinweg lesen Sie bitte in der Fußnote nach.¹

Die Übersetzungen

Die Texte von Dadant erschienen als Übersetzung bisher auf spanisch, russisch, italienisch sowie französisch und mit dem vorliegenden Buch erstmals auch in deutscher Sprache. Hier ein herzliches Dankeschön an Marion Loeper für den flüssig lesbaren Sprachstil der Übersetzung. Bemerkenswert sind die heute immer noch aktuellen und modern anmutenden Ausführungen von Dadant. Hans Beer wird dazu mit folgendem Kommentar zitiert: „Warum hat uns das keiner früher gesagt? Warum habe ich dieses Buch nicht vor 50 Jahren schon lesen dürfen? Das hätte mir Jahre des Experimentierens erspart, denn die Ergebnisse waren ja schon alle da.“

Der angepasste Brutraum

Bruder Adam, Züchter der Buckfastbiene, nutzte die von Dadant entwickelte Großraumbeute. Hans Beer, ein Schüler von Bruder Adam, entwickelte dessen Arbeitsweise weiter zur Betriebsweise, die „Angepasster Brutraum“ genannt wird. Die Autoren diskutierten die Texte Dadants Kapitel für Kapitel mit Hans Beer und schrieben dessen Beiträge und sein Wissen dazu ebenfalls kapitelweise nieder. Die Protokolle, vor allem in Zusammenhang mit den Beschreibungen Dadants, geben so detailliert Auskunft über Beers Betriebsweise. Stilistisch wirken die Protokolle auf mich etwas holzschnittartig, was ihren inhaltlichen Wert jedoch keinesfalls mindert.

An die Ausführungen Beers schließen sich zum Schluss jedes Kapitels weitere Ergänzungen und Erläuterungen des Autorentrios an. Die letzten drei Kapitel, vom Autorentrio verfasst, runden das Handbuch ab. Kapitel 16 beschreibt die Betriebsweise nach Bruder Adam, Kapitel 17 die Dadant-Beute nach Hans Beer und das letzte Kapitel 18 fasst die Betriebsweise im „Angepassten Brutraum“ nach Hans Beer zusammen.

Fazit

Das Besondere an dem Buch ist, dass hier vom Autorenteam das Wissen und die Erfahrungen mehrerer Imkergenerationen zusammengeführt und aufbereitet und durch eigene Beiträge ergänzt wurde. Durch die Aufteilung nach der Autorenschaft entsteht zwar kein kohärenter, also zusammenhängender Text, jedoch bleibt so die Transparenz der Urheberschaft gewahrt und ist eine historische Entwicklung auf parallelen Ebenen nachvollziehbar. Dies zieht sich bis ins Register durch, welches getrennte Unterregister  jeweils für C. P. Dadant, Bruder Adam und Hans Beer bereit hält. So kann es also sein, dass man zu einer Fragestellung an bis zu vier Stellen nachschlagen muss. Nichts also für ungeduldige Querleser/innen, doch für diese ist es auch nicht gedacht.

Die Zusammenstellung ist so gehaltvoll, dass selbst bei mehrmaligem Lesen immer wieder neue Facetten zu entdecken sind. Die in sich abgeschlossenen Kapitel machen es aber auch nicht notwendig, das Buch „in einem Rutsch“ durchzuackern.

Empfehlung: Das Grundlagenwerk im historischen Kontext kann allen (weit) fortgeschrittenen Imker/inne/n ans Herz gelegt werden, die sich eingehender mit der derzeit sehr populären Betriebsweise des „Angepassten Brutraums“ mit der Dadant-Beute beschäftigen möchten.


¹Die Protagonisten bzw. der Weg des Handbuchs

Die Familie Dadant (USA) entwickelte erstmals eine auf Ökologie und wirtschaftlicher Betriebsweise basierende Imkerei nebst der gleichnamigen Beute „Dadant“. Die Firma Dadant & Sons existiert übrigens noch heute. Der Ältere, Charles Dadant Senior, ein französischer Auswanderer (1863), begründete die Imkerei. Sein Sohn C[amille] P[ierre] Dadant [der Jüngere] schrieb o. g. Werk.

Bruder Adam (Großbritannien), ein deutscher Auswanderer, verwendete für die Zucht der Buckfast-Biene das Dadant-Beutensystem.

Hans Beer (Deutschland, Schwaben) kannte Bruder Adam persönlich, übernahm die Buckfast-Biene und entwickelte in den 70er Jahren Adams Betriebsweise weiter, heute bekannt als „Angepasster Brutraum“.

Das Autorentrio Marion Loeper, René Schieback und Tino Lorz (Deutschland, Sachsen) stellte fest, dass die Schriften Dadants in allen möglichen Sprachen existierten, nicht jedoch auf Deutsch. Mit Hans Beer, der zwar Vorträge hielt, jedoch selbst kaum etwas veröffentlichte, diskutierten sie eine deutsche Übersetzung des Originalwerkes von Dadant. Ihrer Übersetzung fügten sie die mündlichen Ausführungen Beers bei und ergänzten diese mit weiteren Erläuterungen.

Leider konnte Hans Beer die Herausgabe des Buches und somit seines Vermächtnisses nicht mehr miterleben. Doch wird ihm posthum mit diesem außergewöhlichen Werk ein unvergänglicher ehrender Platz in der Imkerwelt zuteil.

[Update 1.1.2021: Korrektur Rechtschreibfehler in Schlagwortliste]


Handbuch für die erfolgreiche Imkerei : von Camille Pierre Dadant bis zum Angepassten Brutraum nach Hans Beer / Marion Loeper; René Schieback; Tino Lorz. 3. Aufl. Dresden : Deutscher Imkerverl. 2019. 273 S. : Ill.
ISBN 978-3-9819599-0-1

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek.

*23* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

[Werbung] Dank des praktischen Diagnosekreis Bienenkrankheiten vom Imker und Bienensachverständigen Gerd Molter aus Marbach in Baden-Württemberg lassen sich Bestimmungen direkt am Stock vornehmen. Die Innenseite des kartonierten Wickelfaltblattes im Format DIN A5 offeriert einen in gelbschattierungen gehaltenen Kreis mit Beobachtungskriterien zu den gängigsten Krankheitsverdachtsmomenten. Die jeweils beigefügte Nummer findet sich in der nebenstehenden Liste wieder, die sodann die Erreger und mögliche Ursachen wie auch Abhilfe- und Vorbeugemöglichkeiten aufzählt. Uns hat für die Praxis lediglich der (Chronische) Paralyse-Virus gefehlt, dem wir hin und wieder begegnen.

Also, eigentlich fehlt er ja nicht uns, denn Reinhold ist selbst Gesundheitswart, Bienensachverständiger und Imkermeister. Doch wir empfehlen den Diagnosekreis sehr gerne unseren Imkerkursteilnehmenden zum entsprechenden Modul „Bienenkrankheiten / Bienengesundheit“. Eine gute Beobachtungsgabe ist noch mehr wert, wenn man weiß, wonach man Ausschau halten sollte. Auch dann, wenn man sich als Jungimker/in zunächst noch verunsichert fühlt. Denn nur mit einer exakten Beschreibung des Verdachtsfalls kann eine erste Ferndiagnose erstellt werden, falls man nicht sofort zum Standort rausfahren kann oder will.

Fortgeschrittene schlagen nach nach der Konsultation in vertiefender Literatur nach, wo sie über die Register rascher fündig werden sollten, da die Krankheit schon mal eingeengt wurde. Manches wie die Maikrankheit lässt sich auch schnell klären und wieder gut machen, indem man dem verursachenden Wassermangel abhilft. Doch sobald die Amerikanische Faulbrut oder die Tropilaelaps-Milbe – in Europa NOCH nicht angekommen, aber im Zuge des Klimawandels durchaus noch drin – ins Spiel kommt. Hier muss das zuständige Veterinäramt informiert werden, so auch im Faltblatt der ganz richtige Hinweis.

Fazit:

Gerd Molters Diagnosekreis Bienenkrankheiten ist ein handliches und von Julia Wrage übersichtlich gestaltetes Instrument, um zu einer ersten, schnellen Einschätzung des Schadensfall zu kommen und daher breit zu empfehlen.


Diagnosekreis Bienenkrankheiten / Gerd Molter; Gestaltung Julia Wrage. 1. Ausgabe. 2014. Bezugsquelle Gerd Molter, http://diagnosekreis.de/

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek

*22* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

[Werbung] Cover Ritter/Schneider-Ritter, Bienenjahr, Ulmer„Das Bienenjahr“ bedeutet ein „Imkern nach den 10 Jahreszeiten der Natur“. Das Buch ist „Ein phänologischer Arbeitskalender“.  Damit gelingt das „Imkern in Zeiten des Klimawandels“ für manche wieder ein Stück weit leichter und besser. Ja, besser hätte nHaupt- wie Untertitel gar nicht gewählt werden. Wer sich dieses Arbeitshandbuch aus dem bewährten Verlag „Ulmer“ mit seinem Glücksgriff beim Autorendoppelpack Wolfgang Ritter und Ute Schneider-Ritter für die beginnende Saison anschafft, sollte es nicht bereuen.

Taktgeber Natur: Zeigerplanzen

Das Neue daran auf einem übersättigt wirkenden Imkerbuch-Markt ist die konsequente Ausrichtung auf den Taktgeber Natur, die uns vorgibt, ab wann wir was und wie für unsere Bienen tun. Den richtigen Zeitpunkt für bestimmte Maßnahmen zeigen uns das Aufblühen von Zeigerpflanzen wie die Hasel oder das Schneeglöckchen im Vorfrühling, denen sich die phänologischen Jahreszeiten „Erstfrühling“ und „Vollfrühling“ anschließen. Weiter geht es mit dem Frühsommer, den z. B. Schwarzer Holunder in der Blüte und für den Frühherbst in der Fruchtreife ankündigt.

Eine Umschlagklappengrafik gibt einen prima Überblick auf die entsprechenden Phasen, die da außerdem heißen: Hochsommer, Spätsommer, Vollherbst, Spätherbst und der lange Winter. Zeile für Zeile sind die vieljährigen Durchschnittsmonate des Beginns der Blüte bzw. Fruchtreife der Zeigerpflanze nebst einer alternativen Pflanze angegeben. Weitere Trachtpflanzen – Wild- wie Nutzpflanzen – die in dieser Zeitspanne blühen können, folgen. Eine letzte Spalte lässt Raum für eigene Notizen. Denn eines ist klar: Was im Süden wächst, muss im Norden noch nicht angekommen sein. Wird es aber sicher noch, wenn wir das mit der Klimaveränderung nicht in den Griff bekommen.

In diesem Zusammenhang weisen der bzw. die Verfasser/in auf die in Deutschland vorherrschenden 90 Naturräume hin, deren Unterscheidungsmerkmale beispielsweise ihr Relief, die Geologie und Vegetation sowie das Klima sind, diese wiederum in vier Größenordnungsstufen unterteilt. Klingt kompliziert? Keine Sorge, der bzw. die Verfasser/in haben uns das alles im Vorspann ganz hervorragend erläutert und grafisch dargestellt.

Klimawandel – Stresstest für Wild- wie Honigbiene

Ritter und Schneider-Ritter, beide erfahrene, ökologisch spezialisierte, jedoch undogmatische Imker in Sachen Hinterbehandlungsbeute, Zandermagazin und Dadant Großraumbeute, außerdem Agrar- bzw. Umwelt-Wissenschaftler/in und Verfasser/in zahlreicher in Imkerkreisen hoch geschätzter Artikel und Publikationen wie „Bienen gesund erhalten“ (Ulmer 2016) klären die Leser/innen in Sachen Klimawandel sehr deutlich auf. Denn die Imkerei hat sich aus diesem globalen Grunde doch recht verändert. „Nach Messungen des Deutschen Wetterdienst (DWD) blüht die Hasel bei uns heute etwa 13 Tage früher als 1951.“ Einzig stabil über die Jahre hinweg bei 19 Tagen ist der Spätherbst geblieben, der sich mehr an der Tageslänge denn an der Temperatur orientiert.

So sind Verschiebungen mehr noch für manche hochspezialisierte, nicht ganz so anpassungsfähige Wildbienen fatal. Denn diese schlüpfen mancherorts bereits schon, bevor die Pflanzen ihren Pollen bzw. Nektar ausbilden oder aber, die Wildbienen kommen zu spät zu  bereits verblühten Nahrungsquellen. Schön, dass sie in diesem Buch wie selbstverständlich wirkend mitbedacht werden.

Was ist zu tun?

Für die Imker/innen ist es ebenfalls schwieriger geworden, allfällige Arbeiten im Bezug auf den Entwicklungsverlauf von Honigbienenpopulation im Zusammenspiel mit der Pflanzenentwicklung zu koordinieren. Ohne jetzt allzu sehr in die Tiefe zu gehen, warum und wie sich das konkret auf die imkerlichen Arbeiten auswirkt, hier nur aufgeführt die Einteilung der Kapitel nach den Phasen der 10 Jahreszeiten und darin befindlich die sehr praktische Anleitungen im Stile von:

  • Das ist zu tun
  • Arbeiten am Bienenvolk
  • Gesundheitsüberwachung
  • Massnahmen der Gesunderhaltung
  • Arbeiten am Bienenstand
  • Arbeiten im Bienengarten

Letzteres hat mich besonders gefreut, denn dieser Aspekt wird in so gut wie keinem Imkerbuch erwähnt, bildet jedoch auch in unserer Initiative Bienen-leben-in-Bamberg.de einen von vier Schwerpunkten in der Informationsvermittlung. „Bienen, Honig, Imkerei und Natur“ – und für letzteres Themengebiet legten wir den Bamberger Bienengarten an, dessen bienenfreundliche Schaubeete mit Hilfe botanischer Pflanzschilder und weiteren Informationstafeln aufklären möchten. (P. S.: Die Steckschilder sind derzeit im Winterquartier).

Jedes Jahreszeitenkapitel beginnt in seinem Vorsatzblatt“ mit einem „kurz und bündig“, das die nachfolgenden Inhalte in Art einer Checkliste auf den Wesenskern zurückführt. Für den Frühherbst beispielsweise liest sich das dann so:

  • Die Jahreszeit beginnt mit der Fruchtreife des Schwarzen Holunders [dieser ist in einem großformatigen Foto auf der gegenüberliegenden Seite abgebildet].
  • Neophyten bringen späten Pollen und Nektar.
  • Bienenvölker winterfertig machen.
  • Volksstärke und Futtervorräte für die letzte Fütterung abschätzen.
  • Varroa-Virus-Infektion, wenn notwendig, nochmals behandeln.
  • Bienen sind Hornissen und anderen Wespen nicht wehrlos ausgeliefert.

Für Imkererfahrene geht’s noch kürzer: Die hintere innere Umschlagklappe gibt einen wunderbaren grafischen Überblick in Stichworten zu Arbeiten, Vorgängen und Entwicklungen rund um den Bien, eingeordnet in Kalendermonate (die in der Imkerei mit dem Februar beginnt) und deren zugeordneten phänologischen Phasen.

Das „Buch im Buch“

Die Jahreszeitenkapitel enden jeweils mit einem ergänzenden, in sich abgeschlossenem Thema, beispielsweise zur „Selektion und Zucht in der Imkerei“ oder „Alles um Honig und andere Bienenprodukte“ etc. und letztendlich mit Ritters Spezialgebiet, den Bienenkrankheiten. Letztere folgen zwar ebenfalls im wesentlichen den phänologischen Verläufen, man muss und kann das jedoch nicht unbedingt nur an der entsprechenden Jahreszeit festmachen. Grau hinterlegt lassen sich die in Stichworten aufbereiteten Krankheiten beim Aufblättern schnell finden und hintereinander weg lesen, womit sich sozusagen ein „Buch im Buch“ bildet.

Trotz der Aufbereitung nur in Stichworten sind die Krankheiten inhaltlich doch sehr umfänglich und hilfreich für Fortgeschrittene geschrieben. Geeignet für Anfänger/innen allerdings nur, wenn durch entsprechende Kenntnisse der Termini (siehe auch den Service „Imkersprache“ am Ende des Buches) und mit geeigneter Literatur ergänzt. Womit wir zum Schluss kommen … im Buch und der Rezension.

Literatur

Da Wolfgang Ritter der „Papst der Bienenkrankheiten“ für mich (und sicher auch andere) ist, sind erwartungsgemäß und völlig zu Recht seine eigenen Werke aufgeführt, nebst der „üblichen Verdächtigen“ zum Thema Tracht und Bienennahrung sowie zu Wildbienen. Warum allerdings nicht auch Friedrich Pohl, Wolfgang Oberrisser und Thomas Fandl wenigstens mit einem Bienenkrankheitenwerk vertreten sind, oder gerne auch Gerd Molters „Diagnosekreis Bienenkrankheiten“ Erwähnung findet, also, das würde mich doch interessieren.

Die Literaturangabe zur Phänologie und auch die speziellen Hinweise zu englischsprachiger Literatur in Sachen Klimawandel ergänzen den Horizont, der sich bei Imker/innen permanent erweitern und in benachbarten Disziplinen stöbern will und muss.

Fazit

Mag das Buch „Das Bienenjahr“ den Jung-Imker/inne/n in ihrem ersten Tun nicht im üblichen Sinne anleiten, so stellt es durch die verständlich gemachten Querverbindungen zu Naturvorgängen und -beobachtungen inklusive der Bedeutung des Klimawandels sicherlich eine perfekte Ergänzung zu reinen Bienenhaltungsanleitungen dar und vermag sie sogar punktuell zu korrigieren, wo diese nur relativ grob und standardisiert vorgehen.

In inhaltlicher, textlicher, fotografischer wie grafischer Aufarbeitung und Aufmachung und besonders durch die innovative Aufteilung nach zehn phänologisch begründeten Jahreszeiten ein sehr begrüßenswertes und hilfreiches Arbeitshandbuch, das in keinem imkerlichen Haushalt fehlen sollte!


Das Bienenjahr : Imkern nach den 10 Jahreszeiten der Natur. Ein phänologischer Arbeitskalender. Imkern in Zeiten des Klimawandels / Wolfgang Ritter, Ute Schneider-Ritter. Stuttgart : Ulmer. 2020. 232 S. : Ill.
ISBN 978-3-8186-1140-8

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek

*21* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Nach all dem Bücherlesen vielleicht zur Abwechslung mal etwas Bewegung? Hier ein Tipp zum Mittanzen und -singen im etwas moderneren Style: Lichterkinder – Guck mal diese Biene da.

Mir hat’s gut gefallen, auch die anderen Kinderlieder von Lichterkinder sind witzig und sind eine willkommene Abwechslung zu altbekannten Pitsche-Patsche-Liedern, und es muss ja nicht immer Rolf Zuckowski sein … nichts gegen den verdienten Liedermacher! Also dann, viel Spaß!

*19* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

[Werbung] Cover Westrich, Die Wildbienen Deutschlands, Ulmer„Die Wildbienen Deutschlands“ in der 2. Auflage des Ulmer Verlags ist fürwahr keine leichte Kost, immerhin wiegt der Band satte drei Kilo. Bei 1700 Bildern auf 821 Seiten kann man getrost von einem Lebenswerk reden. Der Biologe Dr. rer. nat. Paul Westrich ist einer der renommiertesten Wildbienenspezialisten Deutschlands und Verfasser zahlreicher Sachbücher, die zu meinen Top-Empfehlungen zählen.

Der Preis von 99 Euro ist sehr gut angelegt, falls man einen Faible für Hautflügler wie die Wildbienen hat. Derer gibt es in Deutschland sagenhafte, doch im Rückgang betroffene 566 Arten nebst einigen Arten, deren Status umstritten oder ungeklärt ist und auf deren Auflistung Westrich sodann verzichtet hat. Ich meine, auch der große Rest wird uns vollauf genügen.

Kapiteleinteilung – von hinten aufgezäumt

Man sollte meinen, bei der großen Anzahl porträtierter Wildbienen müssten für die jeweiligen Steckbriefe sämtliche rund 800 Seiten benötigt werden. Doch nein, erst zur Mitte des Prachtbandes hin geht es los mit dem Kapitel „Die Gattungen und Arten“.

Wir erfahren dort zunächst einiges zur Stellung der Bienen unter der großen Ordnung der Hymenoptera, über ihren Körperbau und die für den Laien so verwirrend erscheinende Systematik und Taxonomie, sodann, welche Methoden es für das Sammeln und Präparieren von Bienen gibt, wie wir Wildbienen erkennen und bestimmen können und so einiges mehr. Im Anschluss dürfen wir uns fasziniert den einzelnen Steckbriefen zuwenden, wo keine Biene der anderen zu gleichen scheint in Kennzeichen, Verbreitung, Lebensraum, Nistweise, Blütenbesuch etc. Die Steckbriefe sind in der Reihenfolge der Gattungen bzw. Familien und innerhalb dieser alphabetisch nach Arten gehalten, bestückt mit tollen Fotos von Männchen wie Weibchen, die sich sehr unterscheiden können.

Doch was nun hält Westrich für uns in der ersten Hälfte des „Schinkens“ an weiteren Leckerbissen bereit? Das erste Kapitel bei rund 60 Seiten widmet er den „Lebensräumen der Wildbienen“. Das finde ich persönlich sehr spannend, denn mit einigem Nachdenken könnte ich für Deutschland vielleicht ein Dutzend Landschaftsräume aufzählen, wobei in wenigen Jahren die 13. dann die Steppenlandschaft wäre, wenn das hier – speziell im ohnehin immer etwas zu trockenen Franken – so weiter geht mit den hintereinander gereihten Dürrejahren.

Nun, Westrichs Auflistung der Landschaftsräume beträgt rund 40 Nennungen bei 25 zusammenfassenden Lebensräumen, angefangen in den Mooren und Schilfröhrichten über Weinberge, Felder und Abwitterungshalden bis hinein in die Hohlwege, hinauf auf die Trockenmauern und eingetaucht in die Siedlungsbereiche, also die Dörfer und Städte. Genau dieses Kapitel ist das, was mir immer schon ein wenig für eine praktische Anwendung von lexikalischen Werken gefehlt hat, ohne es wirklich hätte benennen zu können.

Mit den Augen einer Biene

Mit Westrichs „Anleitung“ kann ich die beschriebenen Landschaftsräume gezielt aufsuchen, die sich in meiner Nähe befinden, beispielsweise die Auwälder am Main bei Kemmern oder Oberhaid im Landkreis Bamberg, um auf Spurensuche zugehen. Dass mir dort unsere Honigbienen begegnen werden, ist mir ohnehin klar. Denn Apis mellifera (die letzte übrigens, die in den Steckbriefen beschrieben wurde) findet hier als eine ihrer ersten und wichtigsten Nahrungsquellen des Frühjahres Strauch- und Baumweiden, also Salix-Arten vor.

Dort wird sie auf ihre „Cousine“ treffen, für die die Pflanzen in den Überflutungsbereichen ebenfalls eine wichtige Rolle als „unverzichtbare Pollenquelle“ spielen, neben Stieleichen und Ahornarten. Im vorangegangenen Kapitel zu „Wälder allgemein“ erfahre ich genauer, welche Arten mir dort – und warum – begegnen werden: „Kleine Vernässungen oder vom Wasser überieselte Böschung und Gräben sind die Wuchsorte des Pfennig-Gilbweiderichs […], der in Waldgebieten fast ausschließlich Futterpflanze der Schenkelbienenart Macropis fulvipes.“

Durch Hinweise wie diese kann ich viel gezielter noch wenigstens ein paar Arten stolz auseinanderhalten. So oder so … allein das Lesen dieser Kapitel sensibilisiert für die Welt um uns herum, und noch viel mehr als bisher schon werde ich die Welt mit den Augen einer Biene sehen, die auf hoffentlich erfolgreiche Nistplatz- und Nahrungssuche geht – oder doch eher, fliegt.

Zwischen den beiden Kapiteln „Die Lebensweise der Bienen“ und „Bienen und Blüten“, auf die ich, ohne sie abwerten zu wollen, findet sich das dritte Kapitel, das es mir ebenfalls besonders angetan hat:

„Nutznießer und Gegenspieler“ statt Feindbild

Ich habe ja nun so einige Wildbienenbücher besprochen und durchforstet, um so gut wie möglich für unseren selbstgewählten Informationsauftrag als Bieneninitiative gerüstet zu sein. Denn als Bienenpfleger/innen ist es Reinhold und mir ein Anliegen, die zuweilen doch recht von der Natur entfernte Stadtbevölkerung die unterschiedlichen Wesen näher zu bringen. Doch in keinem Buch fand ich eine tiefergehende bzw. in einem Kapitel zusammenfassende und dabei höchst differenzierte Auflistung wie im vorliegenden.

Von den 12 genannten Nutznießenden und … nein, Feinden, das Wort hat Westrich löblicherweise vermieden! – Gegenspielern wie Mikroorganismen, Milben, Käfern, Wirbeltieren etc. wird als letztes, und das auch nur sehr kurz, der Homo sapiens genannt. Hinter den fast schon dürren Worten vermutet man niemals, dass hier ein Mann schrieb, der fast sein ganzes Leben lang diesen Winzlingen gewidmet hat und sie alle beim Namen nennt. Was für eine unglaubliche Selbstbeherrschung – doch lesen Sie selbst:

„Der bedeutenste Gegenspieler der Wildbienen ist heutzutage der Mensch. Während er über Jahrhunderte hinweg durch seine extensive und vielfältige Landnutzung Wildbienen unbeabsichtigt mehr oder weniger gefördert hat, ist er inzwischen durch die industrialisierte Landwirtschaft sowie groß- und kleinräumige Veränderungen der Landschaft der Hauptverursacher des Artenschwundes geworden.“

Punkt. Keine Zeile mehr. Wo Westrich berede wird, um die Abwehr eines Buntspechtes mit Hilfe eines Maschendrahtzaunes um Totholz zu bewerkstelligen, um die Wohnstätte einer Schwarzen Holzbiene (Xylocopa) – die im Übrigen auch in Bamberg permanent anzutreffen ist– zu schützen wird er beim Gegenspieler Mensch wortkarg.

Es gibt keinen „Hummelhonig“

Aufgeräumt hat Westrich in diesem Kapitel übrigens mit der Mär vom Hummelhonig. Tatsächlich sind es nur kleine, mit Nektar gefüllte Wachstöpfchen. Was Nektar zu echten Honig werden lässt, der diesen Namen verdient, wird vorab ausführlich geschildert. Warum dieses Thema in jenem Kapitel behandelt wird? Weil es hier überleitet in die Futtersuche und damit für die wichtige Unterscheidung nach „belohnenden und nicht belohnenden Blüten.“ Saß vorher bereits eine (bestimmte) Bienenart auf der Blüte, wird sie unter Umständen nicht mehr angeflogen … oder aber gerade deshalb! Sehr spannend!

Kaufempfehlung: Buch trotz Wikipedia & Co.

Was kann ich noch hinzufügen, um sowohl die Bienensachkundigen, die die 1. Auflage ohnehin bereits gekauft haben, auch für die 2. Auflage erneut zu begeistern, aber auch den interessierten Laien zur Geldausgabe zu bewegen? Im ersten Falle dieses, dass es keine Neuauflage, sondern eine gründlich aktualisierte und korrigierte Auflage ist. Denn wie wir ja wissen – hier auch unser Bericht – erschien 2017 das Taschenlexikon der Wildbienen und weitere „bemerkenswerte Veröffentlichungen“ (Westrich im Vorwort), die zu einer zeitnahen Überarbeitung animierten.

Im zweiten Falle, also die Motivation an „Hinz und Kunz“, ist die, dass kein Wikipedia und auch keine Datenbank ein solch in sich abgerundetes Werk wie dieses zu ersetzen vermag. Denn erst mit der Zeit und durch mehrmaliges haptisches Hin- und Herblättern vernetzt sich so langsam eine innere Landkarte, die es schafft, sich der unglaublichen Vielfalt von nur einer einzigen Spezies, nämlich der Wildbiene, samt der ihnen eigenen, spezifischen Lebensräume anzunähern, ohne in ein Gefühl der absoluten Überforderung zu verfallen.

Selbst das Lesebändchen will da eine kleine Hilfe sein, ganz abgesehen vom erkennbaren roten Faden, der alle Artikel prägt und alle Teile verbindet, nämlich einer gut herauslesbaren, authentisch geschilderten persönlichen Forschungarbeit, beschrieben in klarem Sprachduktus trotz notwendiger Fachlichkeit. Während man ziemlich hilflos und rasch übersättigt im Internet hin und herspringt, gar bald die Lust verliert in augenüberlaufender Verwirrung, empfängt uns im aufgeschlagenen Band ein lesefreundlicher Dreispaltentext mit Einzügen, aufgelockert von wunderbaren Fotos mit intimen Einblicken ins Reich der „wilden“ und doch so freundlichen Bienen, … und ja, wer noch nicht genug bekommt, den erwartet eine 67 (!) Seiten lange Literaturliste mit sage und schreibe rund 2.800 Referenzen.

Fazit

„Die Wildbienen Deutschlands“ – ein phänomenaler, textlich wie fotografisch schön gelayouteter Prachtband aus dem Hause „Westrich“, der sicher nicht im Vorzeigebuchregal verstauben wird und sein Geld ohne Abstriche wert ist! Und wer sich’s nicht leisten kann oder mag – Büchereien werden bzw. sollten dieses Standardwerk sicherlich anschaffen. In unserer Imker-Bibliothek ist es Dank des Rezensionsexemplar aus dem Ulmer-Verlag auf alle Fälle vorzufinden!


*Nichts ist doch so lebendig wie Holz in seiner letzten Lebensphase, von mir aus nennt es Altholz oder Schrumpelholz oder Schwundbiotopholz oder … aber doch bitte nicht TOTHolz!

Westrich, Paul: Die Wildbienen Deutschlands. Stuttgart : Ulmer. 2019. 824 S. : Ill.
ISBN 978-3-8186-0880-4

Rezensionsexemplar für unsere Imker-Bibliothek

*15* Adventskalender der Bamberger Schulbiene 2020

Ob es tatsächlich „die schönsten Gedichte und Geschichten“ über Bienen sind, die der Thorbecke-Verlag in diesem schmalen Bändchen zusammengetragen hat, ist sicherlich eine Geschmacksfrage. Immerhin wurde die 2. Auflage veröffentlicht, was eventuell damit zu tun hat, dass sich das hübsch illustrierte Kleinformat bei unter 10 Euro toll als Mitbringsel eignet.

Außerdem finden wir bei den 30 lyrischen und erzählerischen Abdrucken eine unkomplizierte Fundgrube für öffentliche Darbietungen und fürs Zitieren vor. Denn bis auf drei Ausnahmen bzw. bei zwei Verfasserinnen (Hilde Domin und Rose Ausländer) handelt es sich zwischen den ansehnlich von Saskia Banasch gestalteten Seiten (Illustrationen aus shutterstock und der Würrtembergischen Landesbibliothek, schöne Grüße!) um gemeinfreies Gut. Es muss also nichts an Verwertungsgesellschaften abgeführt werden, da die meisten Verfasser/innen vor mindestens 70 Jahren verstorben sind.

Uns begegnen bekannte wie unbekannte Dichter/innen und Schriftsteller/innen aus der Zeit vor Christi Geburt (Buddha, Virgil) bis 2006 (Hilde Domin) und aus überwiegend (damals wie heute) deutschsprachigen Gebieten. Aber auch Grimms Märchen (richtig, „Die Bienenkönigin“) und der erste bekannte Reim in deutscher Sprache, der Lorscher Bienensegen, fanden Eingang. Dazwischen erwartungsgemäß die Epoche des romantischen Zeitalters mit den „üblichen Verdächtigen“ wie Brentano, von Fallersleben, Herder, Rückert etc. pp.

Gerne hätte ich ein alphabetisches Register der Namen vorgefunden. Hier für mich und Ihnen zur Freude … und dem Verlag vielleicht für seine 3. Auflage:

  • Altenbernd, Ludwig
  • Arnim, Bettina von
  • Ausländer, Rose
  • Borchert, Wolfgang
  • Brentano, Clemens
  • Busch, Wilhelm
  • Dickinson, Emily
  • Domin, Hilde
  • Fontane, Theodor
  • Gerhardt, Paul
  • Goethe, Johann Wolfgang von
  • Grimm, Gebrüder
  • Günderrode, Caroline
  • Hebbel, Friedrich
  • Herder, Johann Gottfried
  • Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich
  • Mörike, Eduard
  • Morgenstern, Christian
  • Rückert, Friedrich
  • Shakespierre, William
  • Siddharta Gautiama / Buddha
  • Spee, Friedrich von
  • Storm, Theodor
  • Vergil
  • Wankler, Wilhelm

Gedichte und Geschichten namhafter Dichter und Denker kann ich nicht einfach in einem Fazit be- bzw. verurteilen, lediglich meine persönliche Berührung offenlegen. Also …

… ich persönlich kenne viele gereimte wie ungereimte schöngeistige Veröffentlichungen über Bienen. Doch in diesem Bändchen wurde ich von einigen bis dato ungelesenen überrascht. Vielleicht, weil sie heutzutage nicht so recht Gefallen gefunden und daher wenig veröffentlicht wurden.

Die Texte scheinen ein wenig aus der Zeit gefallen, wirken (auf unsere Generation) zuweilen überromantisiert, manchmal auch bemüht, oder aber, sie eignen sich so ganz und gar nicht für einen Geburtstags-, Festtags-, Abschieds- oder sonstigen Gruß – denn wozu sonst werden heute noch Gedichte bemüht? Wer sie für diese Zwecke sucht, könnte enttäuscht werden. Allen anderen literarisch- und bienengesinnten Geister nicht nur als Adventsbonbons empfohlen.


Bienen : die schönsten Gedichte und Geschichten / Gestaltung: Saskia Banasch. 2. Aufl. Ostfildern : Thorbecke. 2020.
ISBN  978-3-7995-1331-9

In unserer Imker-Bibliothek enthalten.